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Jüdische Rundschau · 1919-11-07 · Heft 78 (7.11.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 78 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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״<*> Seile 608 2. Sitzung. Montag, den 3. November, vorm. 9y* Uhr. Felix Rosenblüth (Berlin) referiert über die Frage des jüdischen Kongresses in Deutschland. Nach der Hauptversammlung des Zentralvereins wurde in einer gemeinsamen Sitzung des Zentralvereinsvorstands mit unserem• Oeschäftsführenden Ausschuß vereinbart, im September in einer neuen Sitzung endgültig festzustellen, ob wir einen gemeinsamen Kongrell veranstalten wollen. Diese Sitzung hat picht stattgefunden. Wir müssen heute eine prinzipielle Entscheidüng treffen. Wer den Weltkongreß fordert, muß prinzipiell auch den jüdischen. Kongreß in Deutschland fordenn. Sobald die Weltkongreßbewegung sich soweit entwickelt haben wird, werden wir auch an den jüdischen Kongreß in Deutschland wieder herangehen. Die deutsehen Fragen sind aus dem Kongreßprogramm auszuschalten. Dr. Klee (Berlin) referiert eingehend über die Frage der Gesamtvertretung der deut- «clien Juden. Er wendet sich gegen den Rosenblüthsehen Standpunkt. Man könne heute noch nicht sagen, ob die Weltkongreßbewegung sich entwickeln werde. Unsere deutsche Aufgabe sei jedenfalls vor allem, in den Gemeinden den uns gebührenden Einfluß zu erhalten. Wir müssen überall für das allgemeine direkte geheime Proportionafwahlrecht aller über Zwanzigjährigen eintreten. Eine längere Karenzzeit für zugezogene Personen ist abzulehnen. Wir müssen überall unsere sozialen und kulturellen Forderungen durchzuführen suchen und die Beteiligung der Gemeinden am Aufbau von Erez Israel durchsetzen. Unsere Gemeindearbeit muß als zionistische Arbeit angesehen und in streng nationalem Geiste geführt ■werden. Ich verweise im übrigen auf das in der ״Jüdischen Rundschau“ abgedruckte Programm .der jüdischen Volkspartei. Wir müssen verlangen, daß der V erb and der deutschen Juden und der D. J. G. B. auf wirklich demokratischer Grundlage reformiert werden. Nur dann« ist eine weitere Beteiligung an Verbände für uns möglich. Diskussion. Goitein (Frankfurt a. M.) spricht gegen die Fortfüheung der Kongreßbewegung. Dr. Julius Moses (Mannheim) weist darauf hin, daß die Mitarbeit an den Gemeinden mit vollem Herzen erfolgen müsse, weil sie sonst zu keinen Resultaten führe. Die Kongreßidee müsse im Äuge behalten und gegebenenfalls wieder aufgenommen werden. Dr. Viktor (Hamburg): Der Verband der Deutsehen Juden kann mit seinem rückständigen Wahlrecht nicht als Vertretung des deutschen Judentums betrachtet werden. Dies sollten wir deutlich zum Ausdruck bringen. Dr. Dobrzynsky (Beutheai) bespricht die Frage der Beteiligung an der bevorstehenden Sitzung des Verband es der Deutschen Juden. Dr. Julius Rosenfeld (Karlsruhe) schildert eingehend die. süddeutschen Verhältnisse. Julius Berger (Berlin): Wir müssen jüdische Volks- Politik treiben, nicht sogenannte ״reinzionistische Arbeit“. Dazu gehört ebenso Kongreßpolitik wie Ge- «leindearbeit. Dr. Sichel (Chemnitz) verlangt überall Gemeindevereine, die den Kampf für das Wahlrecht zu führen haben. An der weiteren Debatte beteiligen sich: Sondbeimer (Frankfurt a. M.), R.-A. Gronemann (Berlin), Dr. Nahirm Gold mann (Heideisberg), J. R. Bodenheim er (Cöln), Dr. Zlocisti (Berlin), R.-A. Dr. Salli Hirsch ״(Berlin), Dr. Klee und Assessor Rosenblüth (Schlußwort). Dann folgt die Beschlußfassung. Folgender Antrag wird angenommen: ״Der Geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt, dem Verband der Deutschen Juden mitzuteilen, daß die Zionistische Vereinigung für Deutschland sich an dem Verband der Deutschen Juden nicht weiter beteiligen kann, wenn nicht Garantien dafür gegeben werden, daß vom nächsten Verbandstage ein demokratisches Wahlsystem für sämtliche in Deutschland wohnenden Juden angenommen wird.“ Dr. Stein (Königsberg) hält es für notwendig, daß gegebenenfalls alle Zionisten, die zum Verbandstage gewählt oder nominiert werden, der Tagung fembleiben. Ferner ward folgender Antrag Klee-Viktor angenommen: ״Das Zentralkomitee erklärt es für die Pflicht jedes deutschen Zionisten, sich an den Aufgaben der jüdischen Gemeinden in Deutschland zu beteiligen und überall für die Demokratisierung der Gemeinden einzutreten, damit auf dieser Grundlage eine gesunde jüdische Volkspolitik in Deutschland ermöglicht wird.“ Delegiertentag. Dr. Hantke schlägt vor, den nächsten Delegiertentag etwa zu Ostern 1920 einzuberufen. Es wird demgemäß beschlossen. Die Bestimmung des Ortes wird dem Oeschäftsführenden Ausschuß überlassen. Schekel. Dr. Hantke teilt mit, daß entsprechend der Geldentwertung in verschiedenen Landsmannschaften der Betrag des Schekels heraufgesetzt worden ist. Es wird beschlossen, den Schekel für Deutschland auf 3 M. festzusetzen. Zentralhilfskomitee für Palästina. Dr. Hantke weist darauf hin, daß das von Dr. Nossig geleitete Zcntralhilfskomitee für Palästina nichts I U EDI SC H E RUNDSCHAU Nr. 78 mit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu tun habe und in keiner Weise eine Zentralinstanz für Palästinasammlungen darstelle. 3. Sitzung. Montag, den 3. November, nachm. 4 Uhr. Palästina-Debatte. Dr. Weinberg berichtete über die bisherige Tätigkeit des Palästinaamtes. Die Berufsberatung und Vorbereitung war zur Zeit der Einrichtung des Palästinaamtes bereits vorhanden und blieb weiter in den Händen von Walter Moses, der dem Jüdischen Arbeitsamt untersteht. Aufgabe des Palästinaanites war die Registrierung der zur Uebersiedlung Bereiten, ihre Beratung und Information, Arbeiten für bereits für Uebersiedlung vorbereitete Elemente, Vorbereitung wirtschaftlicher Unternehmungen, Aufnahme der Verbindung mit den in andern Ländern errichteten Palüstinaämtcrn und besonders mit dem Palästina-Departement in London. Bei der Beratung und Information ist das Palästinaamt auf Unterstützung durch Sachverständige, Verbände und Einzelpersonen, wie den Verband jüdischer Ingenieure und das Komitee für jüdische Wirtschaftspolitik angewiesen. Besondere Aufmerksamkeit beanspruchen die jüdischen Kriegsgefangenen aus Rußland, die nach Palästina übersiedeln wollen. Das Palästinaamt steht wegen Registrierung dieser Leute mit den Behörden in V erbindung. Dr. Weinberg betonte, daß unsere Arbeit hier gewissermaßen nur eine nichtverantwortliche, private sein könne, und daß es daher mehr als bisher nötig sei, daß von London aus Direktiven erteilt werden. Diskussion. In der Debatte kam allgemein die Ansicht zum Ausdruck,• daß es nötig sei, das gesamte deutsche Judentum für die Aufbauarbeit in Palästina zu interessieren, Schachtel (Breslau) wies auf die Nebenaktionen bin, die von der Gruppe um Dr. Nossig und dem Esra ausgehen. Trietsch (Berlin) forderte, daß man ach über die grundlegenden Fragen des Aufbaus Palästinas endlich einmal Klarheit verschaffe und verwies auf die Angaben des Esra, daß zur Ansiedlung einer Familie mir 4000 M. nötig seien. Skutetzki (Wien), der als Gast anwesend war, kritisierte das Rundschreiben des Palästinadepartements, das, statt Anregungen zu geben, den Anschein erwecke, als ob es beruhigend wirken wolle. Dobrczynsky (Beuthen) hält die bisherigen Maßnahmen für den Paläsfinaaufbaufonds für unzureichend. Dr. Hantke widerlegt verschiedene Angriffe gegen die Leitung, spricht zum Etat des Palästinaaufbaufands und weist besonders auf die von Trietsch entworfenen Plakate hin, die geeignet seien, das Interesse für Palästina anzuregen. Ester mann spricht über die Möglichkeiten der Geldbeschaffung. Prof. War bürg bestätigt, daß der Esra in der Vorkriegszeit Leute, die bereits in Palästina waren, mit 5000 Frcs. angesiedelt hatte, nur lasse sich daraus nicht folgern, daß man Hunderttausend^ auf dieser Grundlage ansiedeln könne. Nicht bei «allen seien die Bedingungen gleich günstig. Wölff (Frankfurt a. M.) bemängelt das Fehlen einer Fmanzkommissdon, die, losgelöst von dem Geschäftsführenden Ausschuß, die notwendigen Maßnahmen trifft. Max Strauß (Berlin) spricht über die Heranbildung junger Juden zur Landwirtschaft, bringt Klagen der Ostjuden, vor, die nicht genügend bei der Vergebung von Stellen in der deutschen Landwirtschaft berücksichtigt würden und verlangt di? Gründung eines Fonds zwecks Unterbringung von nach Deutschland kominenden Ostjuden in der Landwirtschaft. Dr. Elias Auerbach (Berlin) widerlegt die Kritiken an der Palästinaaufbaufondsaktion. Der Palästinaaufbaufonds solle dazu dienen, zunächst für ein, vielleicht für zwei Jahre die Gelder für die Vorbereitungsarbeiten für Palistina (Ausrüstung und Unterhaltung von Sachverständigen-Konunissionen, Organisierung der Emigrationsämter u»d vieles andere) zu beschaffen. Justizrat Bodenheim er (Cöb!) ist der Meinung, daß die Gründung von Achusagruppen von Berlin aus vernachlässigt worden ist. Er spricht über die Bedeutung der Achusah, von der er hofft, daß sie einen Ausgleich zwischen Kapitalisten und Arbeitern (Chaluzim) bringen könne. Trietsch (Berlin) weist auf die 300000 Einwohner Cyperns hin, die aus Lehm gebaute Häuser, deren Herstellung in Palästina etwa 200 Frcs. kosten würde, bewohnen. Valuta fragen gingen ihn nichts an, man verlange auch von Ruppin und Oettinger nicht, daß sie die Valutafragen in Berechnung zögen. Dr. Ruppin (Berlin) bemerkt, daß die Unterlage«, die er bei Abfassung seines Buches gehabt hätte, sich naturgemäß durch die Verhältnisse erheblich verschoben! hätten, daß dies aber nur umsomehr dazu angetan sei, seine Angaben als keineswegs übertrieben anzunehmen. Die Jugenddebatte. Kurt Blumenfeld (Referent). Es ist unzweifelhaft, daß die Jugend der Organisation entfremdet ist. Ein Teil der Jugend hat einen etwas verwaschenen Zionismus. Der größere Teil aber besteht aus radikalen Zionisten, deren Einstellung auf Palästina und Tendenz zur Verinnerlichung sie der Betätigung in der Zionistischen Organisation abgeneigt machte Auf der anderen Seite hat die Organisation ihre auf die Jugend wirkende Kraft verloren. Der Zionismus ist zu sehr auf die nichtzionistischen Juden eingestellt. Nur ein rein idealistischer, stark nationaler Zionismus kann die Jugend erobern. Der Zionismus soll die jüdische Jugendbewegung sein. Die Jugend fordert: dje Durchführung des Proportionalsystems bei allen Wahlen zu Delegierten tagen und Ortsgruppen; die Bewilligung größerer Beträge für die Ausbildung landwirtschaftlicher Praktikanten und für Zwecke der Berufsberatung und Umschichtung; Ein- Stellung der Propaganda auf die Jugend und wertvolle Einzelne. Die Jugend wünscht sich positiv an allen zionistischen Arbeiten zu beteiligen und demgemäß dabei dabei berücksichtigt zu werden. Diskussion. In der nun folgenden Diskussion vertraten zunächst Walter Moses, Dr. Erich B u c h h o 1 z und Dr. Fritz Löwenste in den Standpunkt von Blu*mertfeld, Walter Moses berichtet speziell über die bisherigen Ergebnisse der Tätigkeit des jüdischen Arbeitsamts auf dem Ge• biete der Praktikantentätigkeit. B u c h h o 1 z betont, wie ungeeignet die jetzige Form der Propaganda sei, Löwenste in erklärt, daß die Jugend für Politik Verständnis habe, sonst wäre sie nicht zionistisch, aber nicht für Politikmacherei. Die Werbetätigkeit bei der Jugend bringe in letzter Zeit steigende Erfolge. Dr. Hantke begrüßt, daß die Krisis in unserer Jugend ,überwunden sei und die Jugend sich amschicke, den dir gebührenden Platz in der Organisation einzunehmen. Die Ansprüche der Jugend sollten im Etat in jeder möglichen Weise berücksichtigt werden. Margulies (Wien) betont, daß das Jt^endproblem in Oesterreich ganz ähnlich liege wie in Deutschland, nur sei in Oesterreich die Krisis noch nicht überwunden. Das Hauptproblem sei, daß sich die Jugend beim Zwiespalt zwischen nationalen und menschlichen Fragen für, die nationalen entscheide. Julius Berger (Berlin) erinnert daran, daß schon einmal eine zionistische Jugend vorhanden war; diese aber habe ans eigener Kraft die Organisation erobert. Die heutige Debatte zeige, daß die Jugend kein Zutrauen zu sich selbst habe. Die an und für sich begrüßenswerte Auffassung, des Zionismus als eines Persönlichkeitsproblems bringe große Gefahren mit sich. Es müsse die Verbundenheit mit der jüdischen Vergangenheit und dem ganzen Leben der jüdischen Gegenwart wiedergefunden werden. Blumenfeld le_gt dar, daß Berger von unrichtigen Voraussetzungen ausgehe und mit den Menschen und Bestrebungen unserer Jugendbewegung nicht genügend vertraut sei. Moses C a 1 v a r y (Cro-ssen): Die heutige Jugend ist stark desorganisiert. Die Führer der Jugend müssen in der Organisation arbeiten. Dr. Bub er (Heppenheim): Ich stehe mit meinem Herzen immer auf seiten der Jugend. Aber als ich jung war, da stellten wir nicht Geldforderungen, sonder» setzten uns durch, oder führten selbst a!us, was wir für richtig hielten. Die Jugend muß die Arbeit der Organisation machen. Sie muß lernen, aus Hingabe für die Idee der Organisation zu dienen. Davis Trietsch (Berlin) wünscht, daß die Jugend •mehr lerne, insbesondere auf dem Gebiete der jüdischen Volkskunde und der Kolonisationsfragen. Dr. Ma>c Stra uß betont, daß man doch von der Jugend nicht verlangen könne, daß sie für die Praktikanten, deren Vorhandensein doch das Ergebnis der Jugejidairbeit sei, selbst das Geld aufbringt. An der weiteren Debatte beteiligen sich Rudolf Samuel (Hapoel-Hazair, Berlin), Walter Samuel (Berlin), Walter Moses ^Berlin), Artur S c h r ajg e iv־ heim (Berlin), Arlosorof f (Hapoel-Hazair), Katzenstein (Berlin) und Bube r. Letzterer betont; daß er kein Gegner der Politik sei, sondern sich nur gegen eine bestimmte Form der Politik im ״Juden“ gewandt habe. Kultur und Gemeinschaft könnten Ergebnisse einer Tat sein, dürften aber nicht bewußt gewählte Ziele werden. Kurt Blumenfeld (Schlußwort): Unsere Jugend hat nicht nur die Geste der Jugend, sondern sie zeigt ernstes Streben in ihm Arbeit. Bubers Vorwurf, die Gemeinschaft, die Menschen nur widerfahren könne, dürfte von der Jugend niejit bewußt erstrebt werden,, sei unberechtigt. Durch Bufoer und andere geistige Führer sei das Gemeinschaftsgefühl ins Bewußtsein erhoben worden. Es handle sich nicht um eine in der Jugend liegende Eigenschaft, sondern um äußere Einflüsse. Die Jugend beginnt, sich der organisierten Bewegung einzugfiedem. Oese Entwicklung wird anhalten. Abstimmung. Nunmehr folgt die Abstimmung. Folgende von Blumenfeld und den Vertretern der Jugendorganisationen gestellten Anträge werden angenommen: 1״. Die Wahlen zu Aemtern in der zionistischen Organisation und in ihren Zweigorganisationen finden als Listenwahl nach den Grundsätzen der Proportional' wähl statt, 2. Der Voranschlang für 1920 ist wie folgt zu ergänzen: a) Für Zwecke der landwirtschaftlichen und handwerklichen Ausbildung ist ein Betrag bis zur Höchstsumme von 50 000 M. anzusetzen. b) Die für Zwecke der Jugendarbeit angesetzten Beträge sind möglichst zu erhöhen,“ In einem Schlußwort bringt Dr. Hantke die Jioff־ nung zum Ausdruck, daß die Tendenzen der Jugend zu aktiver Mitarbeit, die sich heute gezeigt haben, sich durchsetzen hiögen, Etat. Wegen der vorgerückten Stunde wird von einer genauen Durchberatung des Etats Abstand genommen. Der Geschäftsführende Ausschuß soll den Etat nachprüfen, und er soll der nächsten Zentralkomitee Sitzung vorgelegt werden. Dr. Hantke weist darauf hin, daß die ständig wachsenden Aufgaben der Zionistische» Nr. 7? Verein ip wenn di( Weise al teiligen. a, M.) wi Aussicht Die : Schlußwo Wolf f 2 für die 1 Die fees WI Nr. 77 di tag, de! 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