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Jüdische Rundschau · 1919-11-07 · Heft 78 (7.11.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 78 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion o. Verlag W, 15, Sächsische Str. 8. Erscheint jeden Dienstagu.Freitag, Abonn.bei d, Exp. a.d Postämtern »iertelj, M.6.— in Deutsdiland, in Oesterreich Kr. 15, i Ausland M 10,— Nummer 78 j.Berlin, 7 Amtei gen-Verwaltung: Welt ״Verlag, Berlin NW. 7, Dorotheenstrafie 35. ־ Telephon: Amt Zentrum 4814 u. 4815. Anzeigenpreis für die sechsgespaltene Nonpareillezeile 75 Pf., Teuerungszusdilag 20 °/0. Telephon: Amt Uhland 845 0.846. Postschedekonto: Berlin Nr, 17392. Für Oesterreich: Postsparkasseoamt Scheckkonte Nr. 156030. RedaktionsschluS Sonntag a. Mittwoch nachm, 14 CheschwatT 5680 I XXIV. Jahrg Der Zioninmna erstrebt für da• jüdische Volk die Schaffung einer &ffentilch-rechtlicl1 geilchertea Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm11 Der Verlauf der Zentralkomiteesitzung Eine Kundgebung der britischen Regierung zum 2. November Die bevorstehende Sperrung des Zugverkehrs machte c» «•forderlich, die Zentralkomitee-Sitzung bereits am Montag abend zu beenden. Dennoch ist es der stark be- ״eilten Tagung möglich gewesen, in den ly* Tagen, die dir zur Verfügung standen, unter starker Zuhilfenahme der Abende, die v!mfangreiche Tagesordnung zu bewältigen. Wir lassen nachstehend einen Bericht folgen und behalten uns vor, auf die Ergehnisse der Sitzung ./urückrufeommen. Präsenzliste: Vom ücscliäftsführcuden Ausschuß Dr. H a 11 tke , LX Klee, B 1 um e 11 f e 1 d , Dr. fio 1 dmann, Dr. Rosenberg, R o s e 51 b I i'11 h , Wo 11 - steiner. 1 Vom Zentralkomitee: A r 1 ■0 s o ro 11 (Hapoeli lazair, Berlin), Dr. Barth (Berlin), Justizrat Boden- : i me r (Köln), Dr. Bu her (Heppenheim), Moses a 1 v a r y (Crossen), D1.. Dobrzvnsky (Bcuthen), Estermann (Hamburg), F u c 11 s (Leipzig), O o i t e 1 n (Frankfurt a. M.), Dr. Salti Hirsch (Ber.iti), Landau (Hamburg), Dr. Löwe ristein (Berlin), Dr. Julius Moses (Mannheim), I>r. Siegfried Moses (Berlin), Dv. Meinhold Nu ()Daum (Nürnberg), Dr. Julius Ro- K-11 f e I d (Karlsruhe), Schachtel (Breslau), Schocken (Zwickau), Dr. Sich e 1 (Chemnitz), Sondhe im er (Frankfurt a. M.j, Dr. Stahl (München) Br. Stein (Königsberg), Dr. Max Strauß (Berlin), Dr. Viktor (Hamburg), Dr. Witkowsky (Berlin), |aoob Wo! ff (Frankfurt a. M.;. Vom E. A. C.: Professor W a r b u r g. Vbn ausländischen Landesorganisatfonen: Heinrich \l a rgulies Skutetzki (vom österreichischen LandesoomitD, Slonitz (vom tschechoslowakischen Landescomite), Dr. Israel Auerbach (Konstantinopel), Untermann (Lodz). Ferner anwesend: Vertreter der zionistischen Jugend- Organisationen, der Beamtenschaft und der Monistischen Presse. | I. Sitzung. I Sonntag, den 2. November, nachmittags 3 Uhr. Dr. Han tke eröffnet die Sitzung, begrüßt die erschienenen Zentralkomitee-Mitglieder und Gäste aus anderen zionistischen Landsmannschaften und teilt mit, daß Herr Dr. Jacobson zu seinem Bedauern nicht rechtzeitig in Berlin eintreffen konnte, infolgedessen erstattet Dr. Hantkc das Referat über ״Unsere Stellung zum Actions-Comitfi“. :ntleni er auf felgende Fragen ausführlich einging: Die Anerkennung der Judenfrage als e.ue* puütischen Problems, die Zustimmung zu der zionistischen Palastinaforderung und die ersten Schritte auf dem Wege zur nationalen Autonomie seien die drei grollen politischen Erfolge des Actions-Gornite׳.-. Man dürfe freilief» keinen zu schnellen Fortgang der Entwicklung vorlangen und müsse berücksichtigen, wieviel Jahrzehnte es gedauert hat, bis die 1789 begonnene Entwicklung zur wirklichen Durchführung der Gleichberechtigung geführt habe. Kritik an der Leitung sei gut und notwendig. Was Palästina anbetrifft, so können wir das Maudat Englands als gesicherte. Tatsache ansehen, ebenso, daß das Mandat mit der Auflage erteilt wird, in Palästina die nationale Heimat des jüdischen Volkes zu errichten. Die englische. Regierung hat auch die ernste und ehr- :idle Absicht, die Balfoursche, Erklärung in die Wirklich-' keit umzusetze.n. Auch die öffentliche Meinung in Engtand steht unseren Wünschen durchweg günstig gegenüber. Dennoch herrschte vielfach Unzufriedenheit mit der Entwicklung der Dinge. Man weise insbesondere darauf hin, daß der Vertrag mit der Türkei noch immer nicht geschlossen, der Völkerbund nicht gegründet und das Mandat für Palästina noch immer nicht erteilt sei. Dieser Zustand sei aber ausschlieOHdt Folge der ailgemeinen politischen Lage. Wann dieses Uehcrgangsstadkan beendet sein werde, könne man heute noch nicht übersehen. Beruhigend sei aber, dal) die Pläne der englischen Regierung bekannt seien, wie ja auch die pri.nzipiclie Zustimmung aller übrigen Mächte vorliege. Man habe dem Actkms-Comite vorgeworfen, daß ¬מ nicht den judenstaat verlangt habe. Dieser Vorwurf sef unbegründet Was die Araberfrage anbetreffe, *ס würde! es bei einer verständigen und gerechten Politik utirchaus möglich sein, z־u einer ehrlichen Verständigung zu gelangen.. Wenn auch die Hauptziele unserer Politik erreicht seien, stehe doch auch weiterhin die eigentliche politische Tätigkeit im Vordergründe der Arbeiten des Londoner Büros. Ebenso sei die Vorbereitangsarbeit für Palästina ui London konzentriert. Der Redner ging dann ausführlich auf die Oaluth- Politik ein und auf das zukünftige Verhältnis der zio- Msffscben Zentrale zu den Landesverbänden und Frakrten:*1״. Die Organisation müsse -ich daran gewöhnen, (P r i v a 11 c l e k r a m m u nscrcs Londoner Korres pendente ri.) Anläßlich des Jahrestages der Deklaration Baitours am 2. November veranstaltete die Zionistische Organisation ein großes Bankett Lm Londoner Opernhaus unter Vorsitz von Lord Rothschild. Lord Rothschild verlas einen Brief des eng- I i s c h e n A u ß e n m i n i s t e r s Lord C urzon, worin, gesagt Wird, ״daß die englische Regierung nach wie vor bei ihrer dem jüdischen Volk gegebenen Zusage beharre“. Sympathiekundgebungen von Lord Ce eil, Sir Alfred Mond, Lord B r y c c , Arthur Heiuicrson und von zionistischen Körperschaften der ganzen Welt wurden verlesen. Die Versamtnlung nahm eine Resolution an, worin sie den festen Willen des jüdischen Volkes, die nationale Heimstätte in Palästina zu verwirklichen, aussprach. Es wurde eine Dankeskur.dgebung an die alli iert e n Regierungen beschlossen, in der der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die schnellste Verwirklichung der der Zionistischen Organisation gegebenen Zusage durch eine formelle Erklärung und durch praktische Maßnahmen in die Wege geleitet werde. M₪₪U₪₪₪H₪B₪H₪₪₪H₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪ nicht nur Kritik an der Tätigkeit der Leitung zu üben und Forderungen zu stellen, sondern sich durch positive Mitarbeit mündig zeigen. Das gelte auch von der deutscheu Landsmannschaft, die zwar nicht sehr groß und allgemein politisch im Augenblick ohne Bedeutung sei, aber zahlreiche Sachverständige auf den verschiedensten Gebieten unserer Arbeit in ihrer Mitte habe und eine feste zionistische Tradition besitze. (Dr. Han tke bringt zum Schieß den in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau'4 abgedruckten Aufruf des Actions-Comites anläßlich der Wiederkehr des 2. November zur Veriesimg.) Debatte. Davis T riet sch (Berlin): Die Einwanderung dürfe in keiner Weise beschränkt u.u! nicht in einseitig miniinalistischer Weise geleitet werden. Die Unterschiede in den Kosten der Kolonisation, in der Zahl der jährlich Emwandentden und im Landmaß seien nicht graduell, sondern prinzipiell. Der nächste Zionistenkongreß müsse unbedingt vor Beginn der eigentlichen Einwanderung stattfinden und könne jetzt schon vorbereitet werden. Trietsch geht sodann auf die Redeutung einer richtigen Nordgrenze für Palästina ein. Dr. Martin Bub er (Heppenheim): Die Politik der Leitung trägt dem Bestehen eine:׳ öffentlichen Meinung im Zionismus nicht genügend Rechnung, ln der Araberfrage wird keine konsequente Politik getrieben. Es muß eine Politik getrieben werden, die den Lctlaeben überzeugt, da>!) er in uns seine Freunde hat. Die Idee einer gen!einsamen jüdischen (k־samtorg3nisatto!1 sei außerordentlich zu begrüßen. Dr. Theodor Zlocisti (Berlin): Unsere einzigen Gc>jn.cr in Palästina sind die arabischen Oroßgrumdbesitze!•. Der Kampf gegen den Großgrundbesitz ist ebenso ein Erfordernis praktischer Politik, wie wahr- Haft sozialer Gesinnung. Victor Ariosorott' (Hapoel-Hazai'r; Berlin): Das A. C. muß der Regelung der Chaluzimfragc und der Bekärnpl'un« der Arbeitslosigkeit größeres Interesse zuwenden. Wenn der Kongreß nicht möglich sei, müsse die jahreskonfereiw auf erweiterter Grundlage stattfinclc-a. Die Kolonisation müsse auf nationaler, nicht auf kapifaUstischer Basis geführt werden. Eit: Brief Richard I.ichtlieims (zurzeit im Haag) kommt zur Verlesung. Lichtheim tadelt, daß in Palästina zu wenig Vorbereitungsarbeit geschehe, daß die Kolonisation nicht finanziell vorbereitet werde und hält du baldiges Zusarrmien-trcten der Jahre skonferenz für notwendig. Heim*. Ma rgulies (Wien): Er sei zur Sitzung gekommen, weil inan in Wien Wert darauf legte, sich über die Lage der Bewegung- 21! informieren. Wien klage darüber, dal) es völlig ausgeschaltet und uninformiert sei. Wien werde das wichtigste jüdische Zentrum Mitteleuropas werden, auch als Durchgangspunkt für die Emigration, Dr. Arnold Barth (Misrachi, Berlin) spricht gegen eine Bagatellisierung der Zionistischen Organisation, wie er sie in dem Uebergang wichtiger Teile der nationalen Arbeit auf eine jüdische Gesamtorganisation sehen würde. Jacob Wolff (Frankfurt a. M.) unterstützt den Standpunkt Bubers in der Araberfrage. Schachtel (Breslau) bringt einen Brief von Dr. Stfcniiz (Breslau) zur Verlesung, der umfangreich« Vorarbeiten auf sanitärem Gebiet fordert und verlangt seinerseits die Schaffung einer unabhängigen Zentralstelle alter Landespa tästinaämter. Dr. Arthur Ruppin (Berlin): Die Mitarbeit ander Durchführung eines Finanzprogramms für Palästina, wie ich cs in meinem Buche vorgeschiagen habe, ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen für die Zionisten in Ost- und Mitteleuropa leider nur in Ausnahmefällen möglich. Gegen meinen Wunsch muB ich die großen Eitrwauderziffem von Trietsth bezweifeln. Der Kleinsiedle!• ist nur ein möglicher Typ, keineswegs der einzige. Soskins Vorschläge bezogen sich nur auf einige Musterkolonien, keineswegs auf die gesamte Kolonisation. Mit Bubers Standpunkt in der Araberfrage -bin ich sehr einverstanden. Nur eine Politik des Rechts, nicht der Gewalt darf getrieben werden. Zwecks Besserung der Arbeiterfrage ist de Gründung einer Arbeiterbatik mit 50000 £ Kapital in eie Wege geleitet, die von den Arbeitem unter Kontrolle des Actions-Comites verwaltet werden soll. Dr. Israel Auerbach (Konstantinopel) berichtet Über die Stimmung■ unter den Zionisten im Orient und in Siidru Bland, wo man von der Zentrale gaem abgeschnitten gewesen sei. Konstantanopcl werde ein wichtiger Durdigangspunkt für die Auswanderer werden. Julius Berger (Berlin): Die Londoner Leitung habe es unterlassen, klare Prinzipien der Arbeit bekanntzugeben. Die Widerstände gegen einen obersten Rat entspringen einer zu engen Auffassung vom Zionismus. Wir müssen uns mit allen Problemen des jüdischen Volkes beschäftigen, vor allem auch mit der Emigration«- frage. Dr. Elias Auerbach (Berlin) spricht über die Organisation der Palästinawanderung und die Beschaffung der erforderlichen Mittel. Er wünscht eine weitgehende 1 lernuziehamg aller jüdischen Gruppen zur Mitarbeit. •Davis Trietsch (Berlin): Zionismus bedeutet die Konzentration der ganzen jüdischen Wanderung nach Palästina. Im Osten und Südostei! teilt man meine Ideen, Die Geldmittel wird vor allem Amerika geben müssen. Ich halte den Kleinsiedler für den gegebenen Typus in Palästina. Dr. Klee (Berlin) verlangt dringend baldigste Einberuht ng des A.C. und der Jahreskonfcreiiz, wie er es seit Monaten getan tobe. Es fehlen uns Finzel hei teu, die zur Beurteilung der Londoner Politik erforderlich seien. Deshalb greife die Kritik vielfach ins Leere, es sei nicht zu übersehen, wie weit und in welchen [,unkten sie wirklich berechtigt «ei. Dr. Han tke geht im Schlußwort auf die in der Diskussion vorgehrachten Argumente ausführlich ein. Die schwierigsten Monate seien vorüber. Die Bedingungen der Arbeit der nächsten Zeit seien wesentlich günstiger als bisher. Abstimmung. in der Abstimmung wird folgender Antrag Dr. Martin Buber einstimmig angenommen: ״Das Zentralkomitee dankt dem Engeren Actfons- Comite in London für die von ihm geleistete Arbeit und .beglückwünscht es zu seinen bedeutsame» Erfolgen, 111 der Ueberzeugung, daß die Einheit der Zioni- Mischen Organisation die Wiederherstellung des demokratischen Charakters der Zionistischen Organisation und Arbeit verlangt, erachtet das Zentralkomitee die sofortige Einberufung der Jahreskonfcreiiz und die «chneTmög Lhe Ausschreibung des Zion'stenkang!es?cs als dringendstes Erfordernis. Bei der Einladung m!r Jahreskonferenz selten alle Föderationen und Riehtitngen angemessen berücksicht werden. Zur Vorhereitung beider Tagungen möge das E. A. C. sofort die öffentliche Diskussion aller aktuellen Fragen zionistischer Arbeit hetbeiführen und ihr eine eingehende Darlegung der Grundlagen seiner Palästina- und Giluthpolüik vorangchen lassen." Ein Antrag Steinitz betreffend sanitäre Vorarbeiten wird dein Actions-Gornite als Material überwiesen. Schluß der Sitzung 11 Uhr abends.

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