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Jüdische Rundschau · 1919-10-31 · Heft 76 (31.10.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 76 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Serie 504 IÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76 Nr. 7f ÜU der Zeit aber bei antleren in der Kolonie arbeitet. Audi hier berechnete ich nicht die Einzcieinnalimcn, sondern rechnete durchs chmttlidi die Einnahmen von 5 Dummi bewüsserbareti Hodens a 200 Frcs., oder 20 Dun am unbevviisserbaren a 50 Frcs,; insgesamt 1ü(JU Frcs, Selbstverständlich ist darunter auch die Müchzacht dieser kleinen Wirtschaft iiibegriffen. Extra 13UÜ Frcs. als Einiinlune von zwei Kühen zuziifügen, wie das Chamizer und‘ Trietseli Vorschlägen, ist ganz und gar ausgeschlossen. Ein Arbeiter, der den grüßten Teil seiner Zeit außerhalb seiner Wirtschaft tätig ist, kann auf keinen Fall von seinen Kühen den Maximalbetrag von 650 Frcs. pro Kuh lierausschiagen, der nur bei einer speziellen Molkereiwirtschaft möglich ist. Er hat auch nicht genügend Boden, um das Futter für die Kühe zu besorgen. Bei seiner Kritik meiner Aufstellung über kleine Arbeitenvittschafte» nimmt Herr Trjetsch als Mininrurn für die Gründung nicht 5000 Francs in Betracht, wie ich es tue, sondern 3300 Frcs., und zwar soll dies als Mustertypus gelten, wobei er anninimt, daß man für 1000 Frcs. ein Familienhaus bauen kann. Wer die Bau Verhältnisse in Palästina selbst nur aus der Zeit vor dem Kriege kennt, (wo die Baukosten noch niedriger waren als heute), ־wird darüber nur bitter lächeln. Ebenso ist es reine Phantasie, wenn Herr Trktsch bei dieser Art von Wirtschaft annimmt, daß ein Dunam bewässerbaren Bodens 400 Frcs. einbringt, was einen Gewinn von 50 vom Hundert des Einlagekapitals ausmachen würde. Herr Trietseli hält den Erwerb von ein oder zwei Kühen für den Hausbedarf für überflüssig, statt dessen berechnet er 150 Frcs. für den Erwerb von zwei Ziegen. Es gibt aber keinen Menschen in Palästina, der daran glaubt, daß man mit 3300 Frcs. mit oder ohne Ziegen eine Wirtschaft gründen kann, die im Jahre 1700 Frcs. einbringt. Etwas derartiges zu behaupten, ist schon kein Leichtsinn und keine Ignoranz mehr, sondern gelinde gesagt, Bluff. 6. Herr Trietsch entdeckt noch einen Fehler in meinem Budget einer Pflanzungswirtschaft, nämlieh, daß ich für den Unterhalt der Familie des Pflanzers im Laufe von 8 Jahren, bis die Plantation sie ernähren kann, 7200 Frcs. rechne. Darauf bemerke ich, daß die meisten Familien, die sich mit Pflanzungen zu beschäftigen gedenken, nicht müßig dasitzen werden. Ich spreche doch Ln meinem Buch klar genug über die Aufgaben der Achusa-Gruppen. Ich habe bei der Aufstellung der Ausgaben für solche Wirtschaften die Summe von 7200 Frcs. eingefügt, weil ich bei den anderen Wirtschaftstypen auch immer den Unterhalt der Familie als Ausgabe mitberechne. Ich wollte dadurch einen besseren Vergleich dieses Wirtschaftstyps mit den anderen Typen ermöglichen. 7. Chamizer beschuldigt mich, daß ich den Weg für Privatkapitalisten sperre, indem ich ausschließlich ein Schema der nationalen Kolonisation gebe. Ich habe aber genügend betont, daß Pflanzungswirtsehaften gerade für Privatkapitalisten die Ansiedlung in Palästina ermöglichen. Ich bin aber entschieden gegen die Meinung von Chamizer und Trietsch, daß jeder Ansiedler tun möge, was ihm gut dünke. Wir wissen nur zu gut, daß nicht jeder Weg der richtige ist und daß Irrtümer am Anfang die Zukunft der Kolonisation belasten, manchmal so sehr, daß es nicht mehr wieder gutzumachen ist״ 8. Andererseits habe ich genügend betont, daß die Getreidebauwirtschaft das Kapital nicht anzieht, während wir vom nationalen Standpunkt gerade solche Wirtschaften zu bevorzugen haben, weil das der nächste Weg ist, große Bodenfläclien für uns zu gewinnen, die man später intensiv bearbeiten und dicht besiedeln kann. Trietsch zweifelt daran, ob es Juden gibt, die sich dem Getreidebau widmen werden, der doch so wenig Gewinn abwirft. Trietsch vergißt aber, daß in den Ausgaben der Wirtschaft die Ausgaben für die Existenz der Familie des Bauers im Betrage von 000 Frcs. bereits enthalten sind.. Herr Trietsch kann sicher sein, daß es bereits jetzt in Palästina Hunderte von Landarbeitern gibt, die bereit sind, unter solchen Bedingungen den Boden zu bestellen! und daß' Ihnen gern Tausende von echten Chaluzim aus dem Auslande folgen und unter den schwersten BedingUingen sich ansiedeln wollen, um durch ihre Arbeit den Weg zu bahnen für Hunderttausende, die dann in der Zukunft auf demselben Boden von selbst zu intensiven Kulturen übergehen werden. 9. Wenn ich vom Standpunkt der nationalen Kolonisation dafür bin, daß in gewissen Gegenden sofort Getreidebauwirtschaften angelegt werden sollen, so versucht Trietsch den Wert solcher An-. Jagen herabzusetzen und zweifelt daran, ob wir die nötigen Kapitalien finden werden, um Boden zu erwerben, der nicht viel mehr als zwei Prozent abwirft Trietsch versucht auch zu vertuschen, daß es sich bei den zwei Prozent nur um die Erbpacht für den Boden bandelt, der vom Natkmalfonds abgegeben wird. Er sagte in seiner Rede auf dem Delegierten tag in Berlin, ich wolle den größten Teil des Kapitals von 27 (JÜ0 Frcs., ■das für die Ansiedlung־ eines Bauern nötig ist, zu 2 Prozent Zinsen hergeben. Er erwähnt dabei nicht, daß die 2 Prozent sich mir auf dasjenige Kapital beziehen, das die jüdische Nation (durch den Jiidischen Nationalfonds) den selbstarbcitendcn An- Siedlern in Palästina liefert, wie auch jedes andere Volk den Boden an die Arbeitenden unter günstigen Bedingungen abgibt. Trietsch gibt übrigens selbst zu, daß er mein Buch nicht gründlich, sondern nur oberflächlich durchgesehen hat. Dieses Geständnis zeigt, wie wenig gründlich seine Kritik sein kann. So hat er auch nicht bemerkt, daß der niedrige Zinsfuß für den Boden sich nicht allein auf die Getreidebauwirtschaft bezieht, sondern auch auf die anderen von mir aufgestellten Wirtschaftstypen Anwendung findet. 10. Auch ich glaube an die Möglichkeit, Millionen in Palästina anzusiedeln, wie ich das in meinem Buche und auch iri meiner Rezension des Balkarischen Buches gesagt habe. Aber diese Ko- Ionisation kann nicht verwirklicht werden, wenn man von Anfang an mit Bluffs arbeitet. . Das würde nur zu einer Katastrophe führen. Ich zweifle auch nicht einen Augenblick daran, daß, sowie der erhoffte Moment eintritt, in dem es möglich sein wird, weite Strecken unseres Landes zu erwerben, alle Schi eilten unseres Volkes die Mittel zur Erlösung des Landes in weitem Maße zur Verfügung stellen werden. Es ist selbstverständlich leicht, in Momenten, wie wir sie jetzt durchleben, wo hunderte von Gemeinden sehnsüchtig darauf warten, nach Palästina auszuwandern, mit einem Programm für eine schnelle Kolonisation lieryorzutreten, wie dies Trietsch tut, wenn er auf die Möglichkeit einer billigen Kolonisation hinweist. Jedoch steckt darin keinerlei Verantwortungsgefühl gegenüber den Zehntausenden von Menschen, die bereit sind, nach Palästina auszuwandern. Trietsch stützt sich auch auf mich, indem er Zitate aus meinem Aufsatz über die Schrift von Prof.' Battod heranzieht, dort, wo ich mich Ballöd darin anschüeße, daß in Palästina eine Ansiedlung von Millionen möglich sei. Die Frage ist jedoch: In welchem Tempo wird Palästina denjenigen Zustand erreichen, in dem es Millionen wird ernähren können? Der Weg, den Trietsch vorschlägt, ist jedenfalls nicht der Weg, in Palästina Millionen von Juden in kurzer Zeit anzusiedeln. E. JA. Lipschutz auf dem Wege nach Palästina Herr E. M. Lip schü tz, der zusammen mit Herrn David J eil in das hebräische Lehrerseminar in Jerusalem leitet, ist nach 11/2 jährigem Aufenthalt in Berlin über Wien, Triest nach Palästina abgereist. Herr Lipschutz war seinerzeit mit vielen anderen angesehenen Zionisten von den türkischen Behörden nach Damaskus verbannt worden und hatte sidi von dort aus über Konstantinopel, Wien nach Berlin begeben wo er sich wissenschaftlich und literarisch betätigte. Es ist außerordentlich erfreulich, daß die wertvolle Kraft von Lipschütz der palästinensischen Kulturarbeit wiedergegeben > wird. Der Gemeindewahlkampf in Berlin Verschiebung der Wahlen. Die Jüdische Volkspartei Die Berliner Zionistische Vereinigung hat in einer Mitgliederversammlung den Beschluß gefaßt, gemeinsam mit den andern Organisationen sich der Jüdischen Volkspartei anzuschließen und in den Wahlkampf für die Rcpräsentantenwahlen einzutreten. Die Jüdische Volkspartei hat an die Spitze ihrer Kandidatenliste folgende Herren gestellt: 1. Dr. K1 e e, 2. Professor Heinrich L o e w e, 3. Direktor K a r e s k i, 4. Abraham L öb, 5. Louis Wolf, 6״ Ein Vertreter des Verbandes der Ostj ud en. Das Programm der ״Jüdischen Volkspartei“ umfaßt organisatorische, kulturelle, soziale und politische Forderungen. Bei den organisatorischen Forderungen steht an der Spitze die Forderung nach dem allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Proportionalwahlrecht für alle mindeslens 20jährigen Männer und Frauen, unter Beseitigung des bisherigen von der Steuer abhängigen Wahlrechts. Der Vorstand soll durch die Repnisentantenversammlung nach dem Stärke Verhältnis der in ihr vertretenen Richtungen gewählt, die Zahl der Mitglieder von Vorstand und Repräsentanz soll vergrößert ־werden. Die Volkspartei fordert ferner, daß, während die Verwaltung saufgaben durch Vorstand und Repräsentanten Versammlung erledigt werden, die Kultusangclegenheitcn autonomen G e m e i ntl e 11 zu übertragen sind. In diesen tritt die Volkspartei für E r h a 11 u n g d e r hebräischen Gebetssprache und g e g e n d i c Assimilation im Kultus ein. Sie fordert ferner die Durchführung der Gleichberechtigung der ausländischen Juden. Unter den wichtigsten kulturellen Forderungen der Partei sind zu nennen die Erhaltung des Sabbats und der Sa bb a t ru 11 e, die Errichtung von Kindergärten und Schulen aller Art, wo das Hebräische auch als lebende Sprache gelehrt wird, ebenso die Errichtung von Volkshochschulen, Lesehallen und Bibliotheken, sowie die Unter- Stützung jüdisch-wissenschaftlicher Be- Strebungen. Dann folgen eine Reihe von Forderungen sozialer Art. Dieser Teil des Programms laufet: 1״. Erfüllung ,aller der öffentlichen Wohlfahrt dienenden Gemeindeeinrichtungen mit wahrhaft jüdisch-sozialer Gesinnung. 2. S o z i a 1-po 1 i ti s ch e Maßnahmen für jiidisohe Arbeiter, Angestellte, Handwerker, Kleingewerbetreibende; Errichtung eines Wohlfahrtsamts zur Zentralisation der vorhandeneu Einrichtungen; Gründung jüdischer Kassen, Spareinrichtungen, Genossenschaften, Arbeitsnachweisen, Volksspeisehallen, Herbe rgen und ähnlicher Einrichtungen; Wo 11nungs pflege, Pflegschafts wesen in der Armenfürsorge, planmäßige Verteilung der Stiftung«- mittel nach volkserhaltenden Grundsätzen. 3. Umfassende Fürsorge für Durch- und Auswanderer unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der aus dem Osten kommenden Juden. Anteilnahme an der Regelung der Emigration. 4״ Schaffung eines Volks- und Vereinshauses. 5. Errichtung eines Jugendamts, das alle erforderlichen Maßnahmen zur Ertüchtigung der Jugend durchzuführen vermag (Jugend- und Landheime, Turn- und Gartenbauunterricht, Berufsberatung usw.). 6. Bevölkerungspolitische Maßnahmen, wie Mütter- und Säuglingsschutz, Frühehekassen usw׳, 7. Unabhängigkeit für sämtliche Gein einde beamte durch lebenslängliche Anstellung ,nach angemessener Probezeit und Gewährung einer auskömmlichen Besoldung. Schaffung eines Beamtendisziplinarrechts, Mitwirkung der Beamten in allen ihr Interesse betreffenden Fragen." Zum Schluß folgen zwei politische Forderungen, und zwar einmal die Beseitigung des J ud en gc se tze s von 1847 und die Einflußnähme auf die gesetzliche Neuregelung, andererseits die Anteilnahme an allen die jüdische Gesamtheit betreffenden Fragen, vor allem am Aufbau von Erez Israel. Auf Grund des neuen Ministerialerlasses haben zwischen dem Vorstand der Gemeinde und den verschiedenen in der Gemeinde vorhandenen Gruppen Besprechungen stattgefunden, in welchem die Forderung nach Verschiebung der Wahlen erhoben wurde, um die Liste entsprechend dem durch die ministerielle Verfügung entstandenen Rechtszustand zu revidieren. Diese Verschiebung ist inzwischen vom Vorstand angeordnet worden: Das ist als ein erster, großer Erfolg unserer Arbeit zu werten. Der neue Wahlterntm wird noch bekanntgegeben!. ill~ii====l-l-=—.-^■■■■===־,■ז====■■...~=B An die Mitglieder der Berliner Jüdischen Gemeinde. Der erste Sieg in unserem Kampfe um die Demokratisierungder Berliner Jüdischen Gemeinde ist errungen! Das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ist auf dem Marsche! An Euch liegt es, den Sieg auszubauen! Wir rufen Euch zu tatkräftiger Mitarbeit auf! An den Anfang unserer weiteren Arbeit setzen wir eine große Demonstrationsversammlung für das allgemeine, gleiche, geheime :: und direkte Wahlrecht :t in der Berliner Jüdischen Gemeinde am Dienstag, den 4. Nov. 1919, abends 8 Uhr im großen Saale der Brauerei Königstadt, Schönhauser AUee 10—11. Tagesordnung: ,,Unser erster Sieg!** Referenten: Dir. Georg Kareski, Dr. Alfred Klee, R.-A, S. Gronemann. I Helft diese Versammlung zu einer machtvollen j Demonstration des Berliner Judentums für die Demokratisiernng unserer Gemeinde zu gestalten. I JUEDISCHE VOLKSPARTEI C. 2, Heiligegeiststraße 52. BsiSSä— - :■::==,!=£־.7 ־־ ־==•!•:=='!: Es v iiasehana gen Ges gegentru; Fluten d cs da, / unfreiwill tag. De jüdischen und einl Verladen beitern , des Fes schimpft( Vergnüg! ״jüdische gegnete. Weiterfa kleinen ( Tags zu׳ an andei berichtet kanten, zu bring sehen R und die gärten ii nahm i< über un war, nä in Paläs Bak erfahren *) J «6

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