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Jüdische Rundschau · 1919-10-31 · Heft 76 (31.10.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 76 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion a. VerlajpW. 15, Sächsische Str, 8. Erscheint jeden Dienstagu.Freitag׳. Abonn.be! d.Exp. a. d Postämtern viertel], M.6,—ז in Deutschland, in Oesterreich Kr. 15, i. Ausland M 10,-- Nummer 76 Berlin, 31. X. 100י An*e Igen-Verwaltnng: Welt-Verlag, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 35. Telephon: Amt Zentrum 4814 n. 4815, Anseigenpreis für die sechsgespaltene Noapareilleseile 75 Pf., Teuerungszuschlag 20°/0. Telephon: Amt Uhland 845 0.846־. Postscheckkonto: BerÜa Nr. 17392. Für Oesterreich: Postsparkassenamt Sdheckkonta Nr. 156030. Redaktionsschluß Sonntag u. Mittwoch nachm, 7. Cheschwan 5680 | XXIV Jahrg. Zur bevorstehenden Tagung Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, das auf dem letzten Delegiertentage vergrößert wurde, tritt am 2. November zu einer Tagung zusammen, deren Tagesordmung die besondere Bedeutsamkeit dieser Sitzung beweist. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland muß die veränderte Stellung prüfen, die sie heute im Rahmen der Qesamtorganisation und gegenüber den! Actrons-Oomitc einnimmt, nachdem der Sitz der Leitung von Berlin nach London verlegt worden ist. Dieser Punkt der Tagesordnung, der die gesamte heutige Politik der Zionistischen Organisation in bezug auf die außenpolitischen Verhandlungen, auf die Palästinaarbeit und die Diasporapolitik umfaßt, wird dadurch besondere Bedeutung erhalten, daß die Aussprache durch ein Referat von Dr. Victor Jacobson eingeleitet wird, der in diesen Tagen, von London kommend, in Berlin eintreffen wird. Den Hauptteil der Tagesordnung wird die eigentliche zionistische Arbeit in Deutschland ausmachen. Im Anschluß an die Referate von R o sc n - blütli und Cr. Klee werden die deutschen Zionisten sieh über die Politik zu entscheiden haben, die sie in Zukunft im deutschen Judentum zu treiben haben. Die Frage nach einer (iesamtvertr et urig des deutschen Judentums ist durch die neue Reichsverfassung aktuell geworden, und das Problem, mit welchen Mitteln das deutsche Judentum aus seiner Lethargie zu erwecken ist, hat damit einen noch drängenderen Charakter angenommen. Seit dem Palästina-Delegiertentag sind nunmehr einige Monate ins Land gegangen, und die Zentralkomiteesitzung wird die Aufgabe haben, in neuen Richtlinien den Weg vorzuschreiben, den die Palästinaarbeit der deutschen Zionisten zu gehen hat. Die Registrierung der Auswandenwgslustigeir, die» Berufsberatung, insbesondere die Vermittlung landwirtschaftlicher Lehrstellen, aber auch die Möglich- Leiten, Palästinagesellschaften aller Art ins Leben zu rufen, werden in dieser Tagung durch die Referate von Weinberg und Walter Mose.s ein- ,geleitet, zur Erörterung stehen. Von welch entscheidendem Einfluß auf die ganze Zukunft des deutschen Zionismus das Problem des Hereinwachsens unserer Jugend in die Zionistische Organisation ist, wurde in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits dargelegt. Ohne Zweifei wird das Referat Blum e n f e 1 d s und die sich anschließende Aussprache Entscheidungen zu treffen haben, die hoffentlich eine moralische und geistige Stärkung unserer Bewegung in Deutschland bedeuten. Endlich wird die Tagung den Etat für 1920 aufzustellen haben und bei dieser Gelegenheit über die Beschaffung unserer Mittel sprechen. Die Zionisten Steuer wird mit größter Energie propagiert und durchgeführt werden müssen, wenn wir nicht allein an den Arbeiten des Actions-Gomites teilnehmen, sondern die großen Pläne durchfuhren wollen, die die bevorstehende zionistische Arbeit in Deutschland auf allen Gebieten uns vorschreibt. Dazu wird auch die Erhöhung des Schekels beitragen müssen, mit der diese Tagung sich zu beschuftigen haben wird. Der Schekel ist bereits, dem heutigen Geldwert entsprechend, in anderen Landsmannschaften erhöht worden, und auch in Deutschland wird eine derartige Erhöhung notwendig und von jedem als richtig anerkannt werden. Schließlich wird sich die Tagung mit dem Termin für den nächsten •ordentlichen Delegiertentag beschäftigen. Die italienischen Sozialisten für den Zionismus Die Zionistische Föderation von Italien hat anläßlich der sozialistischen Konferenz in Rom, die am 2t. September statttand, sich an die Abgeordneten Canepa und Area gewandt und sie auf die Bedentung des Zionismus hingewiesen. Die Schlußsitzung1 der Konferenz, hat dann auf Anregung des Deputierten Area eine Sympathiekundgebung für den Zionismus beschlossen. ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer üffrnilieh-reehlHcto gesicherten Heimstätte in Palfistina." Baseler Programm. Zur Kritik der Herren Trietsch und Chamizer*) über mein Buch ״Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina“ Von Agronom J. Oettinger, Jaffa, Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung am Palästinaamt. Die Herren T r i e t s c 11 und C 11 a 111 i z e r wollen bei mir grundlegende lrrtümer gefunden haben, die niclii nur meinen Plan, sondern das ganze Gebäude der gegenwärtigen zionistischen Leitung untergraben sollen. So fragt Herr Trietsch: ״Was hätte Herr Oettinger gemacht, wenn er vor der Drucklegung von irgend jemandem, beispielsweise vom Korrektor auf denselben Irrtum aufmerksam gemacht worden wäre, den später Dr. Chamizer gefunden hat? Hätte er seine Anschauungcn, die er sich durch seine Lebensarbeit errungen hat, aufgegeben? Hätte er sein Buch neu geschrieben?“ Darauf kann ich antworten: Keineswegs. Ich brauche weder meine Anschauungen zu ändern, noch mein Buch neu zu schreiben, noch die Kritik stillschweigend hinzunehnren, oder (mich von meinem Buch loszusagen. Es hat auch niemand das Recht, die zionistische Leitung auf Grund meines Buches anzugreifen. Die Z a 111 e n i r r t ü m e r, die van Dr. Chamizer entdeckt worden sind, sind nicht vorha n den, wie im folgenden klargelegt werden wird: 1. In bezug auf den Typus der Wirtschaft, die hauptsächlich.״auf jyiij^bv ie.hzuc,ht. begründet ist, stellte ich folgende Rechnung auf: Zum Unterhalt von Rindvieh, nämlich von 8 Kühen (ä 200 Frcs.), 1 Pferd (600 Eres.) und einigen Kälbern (300 Frcs.) sind insgesamt 2301) Francs erforderlich, die in der Form von Futter aus der Wirtschaft selbst entnommen werden, außerdem sind für einzukaafendes Futter noch 500 Frcs. auszugeben, zusammen also 3000 Frcs. Nun fand Dr. Chamizer in dem Ausdruck ״aus der Wirtschaff entnommen“ einen Grund, einen Irrtum festzustellen, nämlich, daß im Verzeichnis der Einnahmen der Wirtschaft die Summe von 2300 A4., die aus der Wirtschaft entnommen wird und für das Milchvieh verwendet wird, fehlt. Herr Dr. Chamizer hatte auf der Stiche nach Entdeckungen keine Zeit gehabt, um die Wirtschaft praktisch zu betrachten, sich genau vorzustellen, Avas in einer Wirtschaft im Laufe des Jahres vorgeht und was für Buchungen in den Geschäftsbüchern entsprechend vorgenommen werden, bis die obige Bilanz herauskonimt, die in der Wirklichkeit gar nicht anders sein kann. Wer die zwei Rubriken der Einnahmen und der Ausgaben dieses Wirtsdhaftszweiges, der hauptsächlich auf Miichproduktion beruht, aufmerksam betrachtet, der wird einsehen, daß die Frage, wo die Einnahnie vom Futter verzeichnet ist, gar keine Frage ist. Die beiden Rubriken lauten Folgendermaßen: A 11 s g a b e n: Lohnarbeit.. >• 200 Frcs. Unterhalt der Milchkühe und der Arbeit ..30 ־ •י!;() ,, Saatgut!00 ״ Dünger .- ■ ■ •ייל.500 ., Reparaturen, Abnützung 150 ., Steuern »•*•־. fio!) ״ Unterhalt der Familie 900 ,» insgesamt 5450 Frcs. Einnahmen: Von der Milch und von der Aufzucht das Jungviehs 5200 ׳ Frcs. Von der Bodenbestellung■״ 300 ■ ׳ Von der Gemüsezucht 1270 ״ Von der Geflügelzucht »•״ 400 י insgesamt 7170 Frcs. Wenn ich nun sagte, daß vom Futter, das von der Wirtschaft im Betrage von 2500 Frcs. entnominen wird, das Milch- und Jungvieh ernährt wird, so ist doch klar, daß diese Einnahme beim Abschluß der Bilanz nicht mehr im Speicher vorbanden, noch ihr Geldwert in bar da ist, sondern eben zum Unterhalt des Viehs verausgabt worden ist. Mit einfachen Biichhaltungsworten zu sprechen: Wir belasten das Molkereikonto zugunsten des Futterkontos. Die Futterei 1tnähme ist bereits in der Ausgabe für Unterhalt des Viehs mit inlvgriffen, sonst könnte der Bauer nicht eine derartige Einnahme herausschlagen. Dadurch, daß, der Bauer das Futter für das Vieh!!ergibt» sichert er die Einnahnie aus der Milchwirtschaft und vom Jungvieh int Betrage von 5200 Frcs. Folglich finden wir in der Aktiv- und Passivbilanz den Betrag von 2300 Frcs. nicht mehr ■als Futtereinnahnie, sondern in seiner zweiten Mctarmorphose, als Produktion der Molkerei, was ganz klar wird, wenn ich die Detaileinnahmen aufzähle: Einnahme von der Molkerei, von 8 Kühen (2000 Liter Milch ä 0,25 Francs von jeder Kuh) ... ... 4000 Frcs. Von der Aufzucht des Jungviehs •״ 1200 •■־ insgesamt 5200 Frcs. Man könnte diesen Betrag von 2500 Frcs. in das Einnahmeverzeichnis auf zweierlei!Weise aufnehmen: a) entweder man teilt die Gesamteinnahme vom Vieh in zwei Beträge: 2500 Frcs. als Futtereinnahnie und 2700 Frcs. als Vieheinnahme, oder b) man kann die ganze Summe von 5200 Frcs. als Einnahme von Milch- und Jungviehaufzucht buchen. Selbstverständlich bleibt sich das Endergebnis gleich. Wenn wir aber, wie Herr Dr. Chamizer will, rieben den Einnahmen auch den Betrag von 2500 Frcs. für das in der Wirtschaft geerntete Futter aufnehmen, das bereits durch das' Vieh awfijfifebrt worden ist, so würde das eine doppelte und falsche Rechnung sein. Es würde eine aufgeblasene Einnähme ohne reale Grundlage ergeben. Indern ich in meinem Buch einen Auszug aus dem Einnahmeplan der Wirtschaft gab, wollte ich in aller Kürze ein anschauliches Bild geben, nicht aber ausführliche Vorlesungen über die landwirtschaftlicht־ Buchführung. Wein aber die Buch- Führung nicht fremd ist, der wird leicht einsehen können, daß meine Zahlen das Ergebnis der Jahresarbeit in einem solchen Wirtschaftszweig sind, so daß, wie wir auch die Buchungen verteilen mögen, wir letzten Endes nicht eine größere Einnahme erzielen würden, als diejenige, die in meinem Bach aiigegeben ist. 2. Entsprechend den verschiedenen Wirtschaftstypen berechnete ich auch verschiedene Einnahmen von den Kühen. So rechnete ich z. B. bei B o d e r! - b e s t e 11 u n g s w i r t s eh a f t die Einnahme von zwei Kühen auf 600 Frcs., während ich bei einem Molkereitypus 650 Frcs. pro Kuh rechnete, denn die Einnahme bei einer speziellen Molkereiwirtschaft wird immer größer sein, als bei Wirtschaften, wo die Milchzucht mir nebenbei betrieben wird. Und hierin ist gar nichts Verwunderliches: im Gegenteil; hatte ich nicht dieser! Unterschied gemacht, so hätte Herr Trietsch recht gehabt, von einem Fehler sprechen, nämlich, daß ich die Wirklichke;t nid!; berücksichtigt hätte. 3. Dementsprechend berechnete ich bei den PI a n t a g e n w i r t s c 11 a f t e 11 alle Einnahmen, die nicht von den Pflanzungen .stammen, sondern aus den Nebenzweigen der Wirtschaft, (wie z. B. aus der A4i!chwirtschoft, aus dem Getreidebau, Futterbau usw.) nicht getrennt für sich, sondern in Form einer Durchschnittseinnahinc auf jeden Dunam, der nicht für Pflanzungen benutzten Fläche. 4. Der Kürze halber berechnete ich auch bei den Wirtschaften, die hauptsächlich auf Gemüsezucht aufgebaut sind, die Einnahmen aus der Viehhaltung nicht gesondert, sondern setzte als Einnahmen aus der ganzen Wirtschaft einen Durchschnittsbetrag von der ganzen bearbeiteten Fläche (20 Dunam bewässerbaren Bodens ä 200 Frcs.» also 4000 Frcs.) an: 5. In derselben Weise berechnete ich die Einnähme der ■Wirtschaft eines Landarbeiters, der einen Teil der Zeit bei sich, den größten Teil ') Aus dein Hebräischen übersetzt.

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