Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1919-09-23 · Heft 68 (23.9.1919) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 68 (23.9.1919)
Date
1919-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652135-2652203--12522-2670165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 68 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 523 I Gegen teil von Verstaatlichung und Bürokratie. Wohl soll | Produktionslenkung und Absatzregelung im Sinne einhcit- [ticher Volkswirtschaft zur Vermeidung kraftvergeudender I Methoden verhelfen, ohne daß Privahnonopole, Kartelle ]und Syndikate den Konsumenteil schröpfen können; bei Iden zunächst einfachen und gut übersehbaren Verhältlnissen Palästinas dürfte das auch nicht allzu schwer sein,!Aber in jedem Einzelbetriebe soll und muß das Ertragslinteresse der Gemeinschaft aller Beteiligten und damit [der Einzelnen: maßgebend sein (Tantiemen, Gewinn- ]beteiligung, höhere Bezahlung hochwertiger Arbeit,!Akkordarbeit wären immer noch Methoden der Gewinnlanreizung, di*e im sozialisierten Betriebe alle Stachel verllören). Im Vordergrund dieser neuen, von allen Privatjinteressen befreiten Gesellschaft sieht dann wahrhaft ]die Erziehung zu idealistischerer, das Gemeinwohl er- [schauender und erstrebender Gesinnung. Gerade in dieser ]Erziehung■ haben wir den geringsten Grund, pessimistisch [zu sein; die geistige Hodrwertigkeit aller Volksschidi- Iten. die nur■ der Huch, kapitalistischer volkstumzerstö- [render Versklavung zu geisttötender Assimilierung an | eti bopä is ch -mechanii s di e Arbeitsteilungs-Menschen hat |bringen können, wird gerade in Erez-lsrael, wo der Auf- ]bau um jeden Preis als letzte Rettung in allen Seelen Iuiiiti vor allem in denen der Arbeiter lebendig ist, gesteih.vnc Möglichkeit für das Mitwirken auch anderer als Inur europäischer Triebe beim Wirtschaftsaufbau hervor- |rufen. Der Gedanke der nationalen Erneuerung und [Rettung aus dem Eiend des Galuth, der soziologisch [ähnlichen psychologischen Motivationen entspringt wie [der der jeden Aufbau erleichternden religiösen Hingabe, [wird hier wenn vernünftige Erziehung ihn beflügelt [gleiche Wirkungen erzielen," zutnai wenn alle Kasten und [Klassenunterschiede, die vor der Emanzipation dem Juden- [turne fremd waren, weiterhin ausgeschalfet werden. Frei- [lieh; auf diese schwankenden, triebhaften, oft versagenden [und heute noch verkümmerten altruistischen Triebe dür- 1 fen wir uns für den Aufbau nicht verlassen; jede Volks- [wirtschaftliche, mit realen Bedürfnissen und Wahlen ope- |rierende Betrachtung kann sich heute nur auf den |primiirsten Grundzug׳ wirtschaftlichen Strebens, auf der! [Selbsterhaltungstrieb, stützen. Das vorgeschlagene System [hat u. E. den Vorzug, nur reale, rein sachliche Gesichts- |punkte zu berücksichtigen und gerade deshalb zu dem [erwünschten Endzweck: der Gemcinwirtschaft mit Hilfe [der Sozialisierung, der neuen Form, die wahre Vollendung |des Marxismus wird, hinzuführen. Manchem, der nur [doktrinär und ״ethisch“ zu denken verstellt, dürfte der Jvorgeschlagene Weg zu langsam und zu nüchtern sein: |wir müssen uns aber darüber klar sein, daß ein anderer ]Weg gleichzeitig־ um jeden Preis, aber mit der! geringsten ]Mitteln aufzubauen und auf der andern Seite die kapi- [talistische Erwerbswirtschaft zu überwinden nicht gang- |bar ist. Das Ziel muß ideal sein und doch möglich, |der Weg real und doch zielsicher. Zum Schluß der Ausführungen noch einige Be- |merkungen für die Arbeit der sozialistischen Gruppen. [Es besteht durchaus die Gefahr, daß alle Vorschläge von [sozialistischer Seite, zumal sie oft: einer rechnungs- [mäßigen Fundierung entbehren und reine Forderungen oft [utopischer Art sind, von den leitenden Stellen nicht be- [achtet werden, ja von vornherein beiseite geschoben |werden. Besonders erfreut sich die sozialistische Presse |dort nicht allzu großer Beliebtheit. Es soll nun hier der [Vorschlag gemacht werden, der Leitung in London einen [von denen, die den hier vertretenen Gedankengängen [nahestehen, ausgearbeiteten Sozialisierungsplan, der klare [Vorschläge und Berechnungen zu enthalten hätte, zu [unterbreiten, um nichts unversucht zu lassen, was ver- |hängnisvoi!e Entscheidungen nocli abwenden könnte. Eg [wäre eine dringende Aufgabe für alle sozialistischen ]Parteien, hier vermittelnd einzugreifen und bei der ]Wichtigkeit der Maßnahmen dafür zu sorgen, daß ein [solcher Plan ausgearbeitet und in London unterbreitet!wird. e n te n n e!e en re nas e- S en en re, en er 1s. m en ne en de *n, lie cb nt! ier alrci eren) nit orler erute ier gst taff Jas Nationale Fragen Die sozialistischen Monatshefte bringen in ihrer [Nummer vom 25. August einen Aufsatz 311 ■־ Viktor [Eschbach ,,Deutschland und das Elsaß“, dessen Ge- Idankengang für uns mancherlei Interessantes enthält. [Der Verfasser sucht auseinanderzusetzen, daß die bis- [her in Deutschland übliche Anschauung, die auch jetzt [noch im allgemeinen fortbesteht, wonach das Elsaß ein!kerndeutsches Land sei, völlig unbegründet ist. Diese!unrichtige Ansicht stützt rijeh auf zwei Gesichtspunkte: lauf Sprache und Geschwärte. Die Sprache des Elsaß [ist in der Tat zum überwiegenden Teile deutsch, wag [von keiner Seite, auch von französischer, nicht be- [stritten werde. Es ist außerordentlich interessant, was [Eschbach nun über den Wert der Sprache als eines!nationalen Kriteriums sagt. ״Doch wie auch immer die Sprachverhältnisse «!11 Elsaß sich nun darstellen 'mögen, wie hoch immer der Prozentsatz der deutschsprechenden Bevölkerung sich stellen mag, niemals ‘kann die Sprache allein *1s Maßstab für nationale Gesinnung und nationales Bewußtsein dienen noch ohne weiteres zu nationalpolitischen Konsequenzen ,berechtigen.“ An einer andern Stelle heißt es: ״Natürlich ist auch der clsässiscbe Dialekt ein deutscher Dialekt und gehört zum aßemannischen Sprachstamm. Das ist aber nur eine Tatsache der Literaturgeschichte und der Sprachforschung, mehr nicht. Nicht der Sprachstamm ist das Ausschlaggebende, sondem der Geist der *Sprache, oder vielmehr des Sprechers: seine Gesinnung und Seine Seele, sein Denken und sein Fühlen, dem er in der Sprache Ausdruck gibt.“ Es sei hier nur kurz darauf hingewiesen, wie sehr [״lese Ausführungen über das ,Deutsch der Elsässer bei [der Beurteilung des Jidischen als Sprache in Betracht [kommen. Es ist bekannt, daß Rumänen und Polen das [Wische bekämpfen, weil es eine deutsche Sprache sei. [״hm kann darauf mit derselben. Argumentation ant- [Worten, wie Eschbach. Audi *das Jidische ist ein deut- [scher Dialekt, wenn man so will. Aber das ist mir eine [1׳atsaehe der Literaturgeschichte tmd der Sprachfor- |schung, der Geist der jidischen Sprache und der [jüdischen Menschen ist nicht deutsch, sondern jüdisch, [«chhachs Aufsatz zeigt auch, daß die deutschen Juden mit ihrer Deutschsprachigkeit allein 1nicht imstande sind, ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volk zu beweisen. Diese ganzen Betrachtungen haben 'jedoch darüber hinaus noch ein größeres Interesse für uns in dieser Zeit, wo Klatzkin 6eincn 'formalen Nationalismus begründet hat, wo er in der hebräischen Sprache eines der beiden Kriterien für das Judescin gesehen hat. Es ist wertvoll zu beobachten, wie sehr dieses Kriterium z. B. bei der elsüssisdieu Frage völlig versagt. Entsprechend unserer bisherigen zionistischen Ideologie sieht der Verfasser die Zugehörigkeit zu einem Volk vielmehr in der Hauptsache im 1Bewußtsein, im Willen, in der Einstellung■, mit der die Glieder einer bestimmten Gruppe ihre Zugehörigkeit zu dem einen oder dem anderen Volke beurteilen. Im zweiten Teil des interessanten Aufsatzes bespricht Eschbach das Ajginnciit der!Geschichte. Der deutsche Charakter Elsaß-Lothringens soll dadurch bewiesen werden, daß man sagt, bis zu,der Zeit Ludwigs XIV. sei das Elsaß ein unbestritten deutsches Land gewesen, sei bis 1870 französisch gewesen und darin wieder von Deutschland befreit worden und!mm angestammten Mutterland!* zurückgekehrt. Eschbach bestreitet, daß das Elsaß zur Zeit Ludwigs XIV. ein detit-'dies Land gewesen sei, es sei schon damals französisch gewesen und Ludwig XIV. habe eigentlich nur die bereits bestehende Entwicklung zum französischen :Geist zum Ab- Schluß gebracht. Das entscheidende Argument bringt aber Eschbach, wenn er etwa ausführt: Die Geschichte des Mittelalters lebt heute in den meisten Deutschen nicht mehr. Sie fühlen eine historische Verbundenheit mit dem Deutschland des '19. Jahrhunderts, aber nicht mehr mit ■dem des 15. oder 16. Jahrhunderts. Für die Elsaß-Lothringer lebt naturgemäß diese Erinnerung an die deutsch verbrachten Jahrhunderte ebensowenig. Was in ihnen lebendig ist, sind die Jahrhunderte unter französischer Herrschaft, die Zeit, als die Elsässer mit starker Anteilnahme die französische Revolution und die Zeit Napoleons 1. miterlebt haben. Sie fühlen sich mit der französischen Geschichte verbunden, nicht mit der deutschen. Diese ganze Art der Beweisführung ist für uns sehr leiirreich. Man sieht hier, wie wenig alle Versuche Erfolg haben können, die in rein rechnerischer Weise ,aus der .mehr oder weniger langen Zugehörig*־ keit zu einem Laude oder einem Staate die innere Verbundenheit mit ihm beweisen wollen. Wir wollen hier nicht die Frage aufwerfen, obwohl auch das nicht ohne Interesse wäre, wie sich das Deutschtum der deutschen Juden unter Anwendung dieser Gedankengänge darstellen würde, die Beziehung des jüdischen Volkes zu Palästina wird aller hierdurch sehr schön illustriert. In der Tat, die fast zweitausend Jahre der Geschichte der Diaspora haben im, Herzen des jüdischeu Volkes niemals den tiefen Wiederhall gefunden, wie die unvergängliche Zeit, da das jüdische Volk auf dem Boden seiner Väter wohnte. •Nichts lebt heute in. der Seele des jüdischen Volkes stärker, als die Erinnerung an der! Auszug aus Aegypten, an die Tage Davids und Salomons und der Propheten. Und hierin liegt vielleicht der beste Beweis für das historische Recht, das uns mit Palästina verknüpft. Palästina Arabien and Palästina K. Z. B, Unter dieser Ucberschrift schreibt die englische Zeitschrift ״Palestine“ wie folgt: ״Ein französischer Journalist stellt die Behauptung auf, daß die Wahabi, die dem Königreich des Hedschas gerade jetzt so schwierige Stunden bereiten, durch britische Beamte oder Agenten aufgehetzt worden, seien. Der französische Autor bringt kein Beweismaterial für diesen, den guten Ruf des Landes so schädigenden Vorwurf. Jedenfalls scheint die Geschichte ebenso unwahrscheinlich wie enipörend. Während des ganzen Krieges hat die britische Regierung keine Mühe gespart, u!n es dem Königreich des Hedschas möglich zu machen, das türkische Joch zu brechen und seine Unabhängigkeit zu sichern. Dem britischen Einfluß ist es zu danken, daß der König des Hedschas auf der Friedenskonferenz vertreten ist, und daß sein Sohn in Damaskus weilt. Britisches Geld und britische Leitung werden noch immer dem Hedschas zur Verfügung* gestellt. England hat durch eine Schwächung des Hedschas nichts zu gewinnen und •viel zu verlieren. Andererseits hat sich gerade Frankreich in Gegnerschaft zum Hedschas befunden und arbeitet auch heute daran, Damaskus für sich zu sichern. Es kann daher angenommen werden, daß eher als die britischen die französischen Interessen durch eine Bewegung, die dem Königreich Hedschas feindlich ist, gestärkt werden könnten. Der Pariser Spezialkorrespondent des ״Manchester Guardian“ zieht aus diesen und ähnlichen Gerüchten die iri Paris Unruhe verbreiten, den Schluß, daß es für alle Parteien das beste ist,■ daß die Friedenskonferenz so schnell wie möglich die Palästinafrage formell und endgültig löst. Er führt aus, daß die Frage in ihren Hauptrichtlinien bereits festgelegt ist, und' betont die Notwendigkeit, dem jungen jüdischen Palästina die günstigsten Grenzen zu sichern, insbesondere unter Berücksichtigung der verwirrten Situation, in den Nachbarländern. Wer kann sagen, wie lange es dauern wird1, bis die Konferenz ihre Aufgabe bezüglich des jüdischen Palästina beendet haben wird. Optimisten sprechen von August oder September; das ist reichlich lange (der Artikel wurde im Juli geschrieben. D. Red.), denn jede Verzögerung bedeutet einen großen Zeitverlust am Werke des Wiederaufbaues und der Vcrbereitung für die Einwanderung vieler tausender von Juden aus Zentraleuropa, die sich danach sehnen, eine Heimstatte in einem jüdischen Palästina zu finden. Pessimisten sprechen davon, daß das Mandat über Palästina dem Rat des Völkerbundes zur Entscheidung überlassen werden müsse, wenn dieser irgendwann im Herbst, vielleicht in Washington Zusammentritt. Bemerkungen dieser Art zeugen von Frivolität und Gefühllosigkeit. Zeit bedeutet in Palästina soviel, wie in Europa, und es gibt keinen Grund, die Angelegenheiten der Juden länger als die eines anderen Volkes aufzuschieben. Wir haben mehr ab einmal betont, daß jede Verzögerung nur Gelegenheit für politische lntriguen und Unruhen bietet. In Palästina gibt es, außer bei den Juden, die allein reif genug sind, um die Probleme zu beurteilen und sich ein Urteil darüber zu bilden, nicht so etwas wie ein echtes volkstümliches politisches Empfinden Arabische Politik ist die Politik der Eftenclis, von deren Mehrzahl man nicht mit Unrecht sagen kann, daß ihre Börse ihre Politik ist. Sie fürchten, daß ihre ökonomischen, sozialen und politischen Privilegien in einem jüdischen Palästina leiden werden und versuchen daher, den arabischen :Massen, deren Interessen in Wirklichkeit den ihrigen zuwiderlaufen, durch Aufstachelung der religiöseu Leidenschaften beizubringen, daß ihre Interessen mit *ihren eigenen hielt tisch sind. Die ganze Situation ist künstlich aufgemacht, und richtet sich, wie hinzugefügt werden muß, nicht weniger gegen ein britisches als gegen ein jüdisches Palästina. Hierfür könnte überwältigendes Beweisinateriai vorgelcgt werden und die britischen Behörden müßten unbedingt von dieser Tat- Sache Kenntnis erhalten. So sind z. B. Versuche gemacht worden, in Palästina ähnliche Unruhen wie in Aegypten liervor/nirufen. Ein Staatsmann wie der Ernir Fa i sitl, 'der darauf bedacht ist, sowohl in liebereiiistimmung' mit einem jüdischen Palästina als auch mit der briti-eheu Regierung zu handeln, beteiligt sich nicht an derartigen exzentrischen Mariiciischalteri, weil er weiterblickend ist und unpersönlichere Ziele hat. Es kann kein Zweifel sein, daß diese ganze Agitation sehr schnell verschwinden, wird, sobald die Friedenskonferenz und die britische Regierung in endgültiger lim! in einer jede Möglichkeit: eines!Mißverständnisses und eines Zweifels ausschließeudcr Form das Prinzip eines jüdischen Palästinas proklamiert und in Anwendung gebracht haben werden. Einer solchen Entscheidung werden sich alle Araber, eine verschwindende Anzahl vielleicht ausgenommen, beugen, wie sie sich immer vollzogenen Tatsachen beugen, und mit dieser verschwindenden Anzahl, ■die vielleicht geneigt wäre, zu demonstrieren, könnte man sehr leicht fertig werden. Das ist die Alei-!Hing von Männern, die das Land kennen und nicht etwa auf Grund irgendeiner besonderen Neigung für die Juden oder «in jüdisches Palästina so voreingenommen ^ind, daß sie aus diesem Grunde die Tatsachen zu optimistisch auslegen/‘ Die *,Times“ über die Palästinafrage Die ״Times“ vom 6. September erinnert Frank■: reich daran, daß in dem syrischen Konflikt außer Frankreich und England noch ,eine Partei, das jüdis che Volk, vorhanden sei, ׳mit dem man rechnen müsse. Alle die bei der Behandlung des jüdischen Problems ihre Aufmerksamkeit bios dem französisch-eng- *lischen und christlich-iuuseimanisdie.n Standpunkt zuwenden, begreifen nicht, wie ernst die Schwierigkeiten dieser Frage sind. Ebenso 'wichtig ist der jüdische Standpunkt. Die zionistische Bewegung ׳mit ihren Idealen eines jüdischen Heimes in 'Palästina, ist eine Tatsache und eine Macht, die man nicht übergehen darf. Ihre Zweige sind über die ganze Welt verbreitet, und ■falls es nicht gelingen sollte, ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, wird sich die Wirkung rasch in. jeder zivil»- sierten Gemeinschaft bemerkbar machen,. Die englische Regierung kann von ihrem Versprechen, ein jüdischnationales Heim in Palästina 'aufzubauen, nicht abgehen. Wir kennen die Haltung der arabischen Fellachen gegenüber den Zionisten, aller nach unserer Meinung müssen die jüdischen Forderungen, 'falls nur die Freiheiten jener achtungswiirdigen Landarbeiter gehörig geschützt wurden, in allererster ‘Reihe berücksichtigt werden, sowohl was die Zeit als auch die außergewöhnliehe Wichtigkeit derselben anbelangt. Die wirkliche Schwierigkeit liqgt jedoch darin, daß die französische Regierung die Bedeutung der zionistischen Bewegung nicht genügend erkannt hat. Diese Schwierigkeit kann durch ,guten Willen der französischen Staatsmänner und der zionistischen Führer beseitigt 1werden. G,anz gleich, ob England oder Frankreich; das Mandat in Palästina erhält, ist eine Verständigung zwischen Frankreich und den Zionisten ebenso wichtig, 'wie zwischen Frankreich; -und Emir Faisul. Die Aufgabe der englischen Regierung sollte es sein, eine Verständigung zwischen diesen beiden herbeizufüliren. Der wirkliche Standpunkt, mit dem man an diese verwickelten Probleme des nahen Ostens herantreten kann, darf nicht ein solcher sein, der Intrigen und Streitmögliclikeitcn im Vordergründe läßt, sondern einen Ausblick auf wirksame und nicht egoistische Zusammenarbeit bietet. England und Frankreich weilten Zusammenarbeiten und ihren Regierungen bleibt es vorbehalten, Möglichkeiten zu schaffen, daß diese ihre Wünsche in Erfüllung gehen, Eisenbahnen in Palästina Einer Zusammenstellung des L. Z. B. entnehmen wir folgende Mitteilung über den gegenwärtigen Stand des palästinensischen Bahnnetzes. Folgende Linien sind in Betrieb: Kantara- Haifa 415 lan L.ud—J erusalem 69 ״ Lud—Jaffa 20 ״ Rafa— Berseba 50 ״ Haifa—Dera 164 ״ Damaskus—Dera—Maan 460 ״ Haifa—Akko 17 ״ Kulturarbeit in Palästina K. Z. B. Das kulturelle Leben in unserem Lande hat in letzter Zeit einen großen Aufschwung genommen. Zahlreiche Schulen hielten jetzt ihre Absehlußprüfungen ab, und nur im Hebräischen Gymnasium in Jaffa haben die Prüfungen noch nicht stattgefunden. Eine große Anzahl der Gymnasiasten dient als Freiwillige in der jüdischen Legion, :und viele andere, die seinerzeit durch die Türken rum Eintritt in das türkische Heer gezwungen wurden, befinden sich in Gefangenschaft. Von den letzteren ist bereits ein großer Teil befreit und wird demnächst im Palästina eintreffen. Aus diesem Grunde konnten die Reifeprüfungen im Gymnasium bisher nicht abgeschlossen •werden. Sämtliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.