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Jüdische Rundschau · 1919-09-12 · Heft 65 (12.9.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 65 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 65 Der Sieg der Reaktion hat die Fogromstimimatg über-;dl gehoben. In West Ungarn, von dem bekanntlich »:■;״ Teil Dcutschöstcrrcicli zugesprochen werden soll, haben diese Woche richtige Pogrome stattgefunden. Dabei werde!! die Juden von der magyari- »dien Hetzpresse als die Schuldigen am Krieg, .an der Ko!nrnu<!i־te11herrschaft und jetzt an der Annexion durch Dciitschösterreich bezeichnet und als Beweis die Schreibweise eines Teiles der ,,jüdischen“ Wiener Großpresse angeführt. Die fanatisierte Menge wird aut tlie Juden losgelassen und stillt ihren .Blutdurst in unglaublieh barbarischen Mordereien. Die Juden flüchten in Massen in die benachbarten Gebiete. Sie, die ehemals die chauvinistischesten ungarischen ״Patrioten“ war«), nmesen den ungarischen ״Heimatboden“ verlassen. Sie, die niemals von der Gemeinbürgschaft des Judentums etwas wissen wollten, sind heute auf den Schutz, die Unterstützung und die Fürsprache des jüdischen Volkes angewiesen. ' Penn auch sie müssen, wie wir alle,_ aus den scli merze ns reichen Ereignissen des letzten Jahres die Lehre ziehen, daß das jüdische Volk sich nur selbst helfe« kann. Und diese Hilfe kann nur wirksam sein, wenn alle seine Söhne sich zu ihm bekennen und mit ihren! gaüizen Vermögen für ihr Volk einsleheit und einer für die andern eiutritt. Der Kampf der Bolschewiki gegen den Zionismus Von' Meer Grob mann, Kiew. (Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees und der Jüdischen Nationalversammlung in der Ukraine.) Der rücksichtslose Kampf gegen die Zionistische Organisation wurde seit der russischen Revolution der ideologische Inhalt und die praktische Hauptaufgabe der jüdischen sozialistischen Parteien In Rußland und der Ukraine. ״Nieder mit den Zionisten! Kampf gegen die volksfeindlichen Phantasten und Imperialisten!“ -. das waren die populärsten Schlagworte des jüdischen Sozialismus, die man fortwährend in die Massen schiendertc. Man glaubte wohl sicher, daß der Sieg der Revolution und der wachsende Einfluß des Proletariats die unvermeidliche Niederlage des. Zionismus mit sich bringen und daß ״die jüdische Reaktion von der jüdisehen Gasse verjagt werden“ werde. Diese Hoffnung ging aber nicht in Erfüllung. Die Zionisten waren nicht '90 leicht zu besiegen, zumal sie ein klares demokratisches Aktions-Programm für die jüdische und die allgemeine Politik proklamiert hatten. Sämtliche Wahlen — in den jüdischen Getnekiden, zu den jüdischen Konstituante!! in Rußland und Ukraine, sowie zu den ukrainischen und russischen Gründungsversammlungen — brachten der Zionistischen Organisation einen derartigen Erfolg, daß es den Sozialistet! bald klar wurde, daß man auf dem geraden Wege der Demokratie den Zionismus nicht bezwingen könne. Die Mehrheit des jüdischen Volkes —- dieses ״kleinbürgerlichen Volkes“ — stand eben hinter den Zionisten. je stärker und einflußreicher die Zionistische Organ!־ satten (trotz der Entwicklung der radikalen Ideen und des Anwachsens des Bolschewismus) wurde, desto größer war die Wut und desto schonungsloser die Kampfesmethoden der jüdischen Sozialisten. Das führte schließ־ lidi dazu, daß in den Herzen der jüdischen Sozialisten ein innerer Zwiespalt entstand: einerseits waren sie — in den allgemeinen Reichsaingelegenheiten noch ausgesprochene und konsequente Demokraten, die sich den Beschlüssen der Mehrheit fügten; andererseits sprachen sie — in in!unpolitischen jüdischen Dingen — fortwährend über das besondere Recht der jüdischen ״revohitionären Demokratie“■, gegen den ausgesprochenen Willen der Mehrheit zu regieren und ״das Volk solange zu bevormunden, bis es von den revolutionären Ideen durchdrungen ist“. . Die Geschichte der jüdischen Autonomie in der Ukraine gestaltete sich dadurch in der Hauptsache m einem verzweifelten Kampf zwischen den Zionisten auf der einen und den jüdischen Sozialisten auf der anderen Se|te. Die letzteren hatten nämlich auf diktatorische wirtschaftlichem Gebiete zwischen Juden und Christen verschärft. Der christliche Kleinhändler sieht im jüdischen einen mächtigen Konkurrenten, den er durch! Mord und Plünderung beseitigen könnte. Und überhaupt der Städter, er ist ja demoralisiert, sittlich herabgekommen, kein richtiger Bauer mehr, aber auch kein gebildeter Städter. Daher voll Neid, Mißgunst und Haß. Und schließlich - man redet ja 90 viel jetzt über Politik, vielleicht - wer weiß — haben es in den Städten unsere Leute wirklich zu bunt getrieben, die vorlauten und vorwitzigen jungen Leute, die das vernickte *unheilvolle Bolschewikenspiel mitmachen, mögen ja wirklich den Unmut der Bevölkerung erregt haben; leider Gottes kann man unsere Jugend! doch nicht im Zaum halten. Aber bei uns hier gibt es ja von alledem .gar keme Spur, nicht mal eine richtige bolschewistische Verwaltung haben wir hier. Gewiß, da ist ein ״Revkom“ (revolutionäres Komitee) und sogar ein ״Kombed“ (Komitee der ärmsten Bauern), die 90 eine Art Behörde darstellen sollten, aber die sind aus lauter Christen zusammengesetzt, kein Hauch von einem Juden.“ So trösten sich die verängstigen Juden, trösten sich und hoffen. Täglich kommen neue Gerüchte. In den Städtchen und Dörfern ringsumher sei die grausige Schlächterei losgegangen. Die Banden von Selijony, dem Petljurahiiuptling, hätten sieh bereits in der Nähe gezeigt, streiften wie Wölfe in den Wäldern umher. Pie Gesichter der Bauern werden immer mürrischer, die Juda! lesen ihnen jeden Gedanken, jeden Wunsch von jjen Augen ab, versuchen sie zu besänftigen, sich bei ihnen einzuschm eich ein, die Bauern schweigen und wenden sich ab. Alte Bekannte werden auf einmal entfremdet. Der schwüle Dampf des blutigen Haftes schwiingert die Luft, steigt langsam von den Bergen und lagert sich dicht über das Tal. Man möchte fliehen, aber wohin? Alle Wege sind gesperrt, auf jedem Pfade lauert der Tod. Und wo saute man hin in einer so gefährlichen Zeit, in die Fremde weit von Haus und Hof? Lieber doch abwarten, wer weiß, vielleicht tat- JUEDISCHE RUNDSCHAU Weise die Macht in die Hände genommen und wollten nicht auf sie verzichten. Sie taten alles, um die Errungenscliaft der Revolution — die Autonomie — in ihr«! Händen zu behalten und allein zu beherrschen. Man versuchte, die Zionisten von der Leitung der zentralen Organe der Autonomie durch alle Mittel ganz- ,lieh zu beseitigen; man verleumdete sie vor der ukrainischeu Oeffeiitliehkeit und vor den so/jalistischen Parteien als die jüdische reaktionäre und gegen re vol u tion ä re Partei, als Ideologen der jüdischen *Kapitalisten und Bourgeoisic. Als die Deutschen in der Ukraine waren, schämte mau sich sogar nicht, in der zentralen Rada von den Zionisten als von,den ״berüchtigten Englandfreunden“ zu sprechen; als mail die Gesetze über Autoiiomie behandelte, erklärte man, daß die Zionisten, die wie bekannt für die jüdische Autonomie auf breitester Grundlage gekämpft hatten, Feinde der Selbst- Verwaltung seien'und die religiöse Sprache der Juden, das Hebräische ״da! Grundstein des Kierikalisinus“ — in den Schulen einführen wollten. Der Zionismus sollte kompromittiert werden, es mochte kosten, was es wolle! Solange aber die Demokratie in Rußland und in der Ukraine herrschte, konnte man die Zionistische Organisation und ihren großen Einfluß doch nicht so einfach aUsrotten. Sie hatte ihre gesetzliche Existenz, wie die übrigen Parteien, und entwickelte eine erfolgreiche politische und organisatorische Tätigkeit trotz der äußeren Hindernisse, der schwierigen politischen Lage, Pogrome usw. Die jüdischen Massen standen eben geschlossen hinter der zionistischen Organisation. Ende 1918 brachte« die Wahlen zu der jüdischen National- Versammlung• in der Ukraine den Zionisten einen derartigen Erfolg, daß die Leitung der Zentralen Organe der Autonomie - das Bollwerk der jüdischen Sozial:- sten — auf die Zionisten übergehen mußte, wenn die Autonomie überhaupt noch existieren sollte. Das war für die Sozialisten natürlich zu viel: Sie benutzten den den ersten besten Vorwand, um demonstrativ die Nationalversammlung zu verlassen, sie erklärten das Nationale Sekretariat für eine ausschließlich zionistisehe Vertretung und begannen einen schonungslosen Kampf gegen den Zionismus, wobei sie die Grundlagen der von ihnen selbst 90 verhätschelten Autonomie zerstörten. Während dessen befestigte sich der Bolschewismus in Rußland. Die Demokratie wurde ab eine reaktionäre Erfindung betrachtet und al!getan. Die Diktatur der Minderheit wurde für die letzte Weisheit der Staatsraison erklärt und der Bürgerkrieg als solcher verherrlicht. Alle Mittel zur Bekämpfung des Gegners wurden gutgehejßen. Dieser Tdeengang paßte den jüdischen Sozialisten gerade ins Zeug. Diese Kampfesmethoden waren wie angepaßt für eine Minderheit, wie die jüdischen Sozialisten es nun einmal sind, um auf dem Wege der Diktatur den politischen Feind zu vernichten und die eigenen Ideen den Volkesmassen zwangsweise einzupflanze!!. Da brauchte man nicht mehr über Toleranz, Respekt, Freiheit in Wort und Schrift zu sprechen. Die Richtlinie war klar. Und wenn man selbst keine Kraft besaß, keine eigene Rote Armee, keine Matrosen und ״außerordentlichen Komit$sionen“, 90 konnte man einfach den Gegner vor den nichtjüdischen mächtigen Genossen denunzieren. DA aber die jüdischen Sozialisten, früher größtenteils Menschewiki und ab solche gewissermaßen politisch engagiert waren und da die eigentlichen Kommunisten kein Interesse an jüdischen Angelegenheiten harten, so verging doch noch eine Zeit, bis die Feinde des Zion!» mus zu Taten übergehen konnten. Im eigentlichen Rußland, wo keine großen jüdischen Massen vorhanden sind und der politische Kampf innerhalb der JiKlenheit nicht so scharf geführt wurde, wie in der Ukraine, konnte die Zionistische Organisation trotz der Herrschaft des Bolschewismus und der Gegner- Schaft der jüdischen Sozialisten ihre organisatorische und rein palästinensische Tätigkeit einigermaßen fortsetzen. Das Zionistische Zentralkomitee in Petrograd arbeitete noch ziemlich frei, durfte eine offizielle Wochenschrift ohne politische Leitartikel herausgeben, die Pa- 1 ästinawochc durchführen, den Schekel verkaufen usw. Die jüdischen Sozialisten und Kommunisten setzten zieht sich das Gewitter. Und schließlich ist doch noch eine Behörde vorhanden, die bolschewistische Obrigkeit. Und die hat denn doch wohl ohne allzu großen Enthusiasmns versprochen, die Juden vor Ausschreitungen zu schützen. Eigentlich, 90 meinten die Gewaltigen von Meschigorij, wären die Juden Bourgeois und Schmarotzer und darum in einer kommiuiistisehen Republik nicht zu dulden, aber das wäre die Sache der gesetzlichen Gewalt, jedoch gegen die kontrerevolutionären Banden weide man sie schützen. Und ein schlaues Lächeln spielte dabei tan die Mundwinkel der Herren des Ortes. Mut- und ratlos gingen die Juden heim, besprachen zum hundertsten Male ihre Lage und kamen zu dem einzigen Entschluß abwarten und hoffen.... Es war ein schöner Frühlingstag im April. Frischtauig und duftig, unschuldsvoll, mild. Im Städtchen herrschte bereits* m aller Früh ein reges Leben. Die jüdis che Bevölkerung, alt und jung, war auf den Beinen. Man sfchlief in der vorigen Nacht "keinen Augenblick am Städtchen. Es wurde nämlich bekannt, daß die Bandite« von Seljony dicht vor dem Städtchen stehen. In späten Nachtstunden! hörte man von! Walde her Schüsse fallen, zuerst vereinzelte, dann immer häufiger und stärker, das Geratter eines Maschinengewehrs setzte ein, ein Paar verwundete Soldaten von der roten Armee wurden bereits zurückgebracht, dann trat plötzlich Stille ein, eine erschreckende Stille. Man wußte eben nicht, wer gesiegt habe. Nur eines sah man —- die roten Soldaten kehrten nicht zurück. Verfolgen sie etwa die Feinde? Oder.? Bald; aber waren alle Zweifel gelöst. Vom Waldrain her kam ein Reitersmann herangesprengt mit den gelben *ukrainischen Nationalabzeichen an der Armbinde, hinter ihm andere Reiter mit Piken, Flinten und Pistolen, dann bewaffnete Leute zu Fuß mit Handgranaten behängt: Es war die gefürchtete Bande, die eben eingebrochen war. Zu ihnen gesellte sich der Teil der roten Soldaten, der nicht geflohen war. Ein Qejohle, ein Lärmen ■und ein Toben, eine ziellose Schießerei begann. Die Juden verkrochen sich in Seite 499 natürlich eien Kampf gegen den Zionismus fort, aber alle Versuche, tlie Zionistische Organisation als gegenrevolutionär zu erklären und sie zu' unterdrücken, scheiterten an der Einsicht einiger!eilender Pcr.s'inlichkeiteii, die in der palästinensischen Tätigkeit der Z-iaiiistis.lmi Organ!- satio« keine große Gefahr für die kommunistisch׳.: ijepu• blik sahen. Sogar einige hebräische S&uilen wurden in das allgemeine Schul netz eingeschlossen. Diese läge dauerte bis April Mai 1919 unverändert an. Der Drang nach Taten gegen die Zionistische Organisaiion wurde aber in den Reinen der jüdischen Sozialisten immer größer. Anders gestalteten sich die Dinge in der Ukraine. Die jüdische Gesellschaft war dort Anfang 1919 in zwei enUcliicilen entgegengesetzte Gruppen geteilt. Auf einer Seite Stauden die'drei jüdischen sozialistischen Parteien, zurzeit schon kommunistisch angehaucht, auf der anderen Seite die jüdische nationale Kon/.cntration mit den Zionisten an der Spitze. Hinter den Zionisten *und der Jüdischeu Nationalversammlung standen sämtliche jüdischen Gemeinden der Ukraine. Auch die Stimmung der Massen war für Palästina und den Zionismus sehr günstig. Der Austritt der Sozialistc« aus der Nationalversammlung brachte ihnen selbst eine innere Spaltung * und eine Schwächung ihrer Position in der Autonomiefrage. Zu dieser Zeit eroberte« die bolschewistischen Armeen Kiew und die ganze Ukraine. Der Bolschewismus! schien den Höhepunkt seiner Machtentfaltung erreicht und festen Fuß in der Ukraine gefaßt zu haben. _ Also, der neue Herr war gekommen; ein Teil der jüdischen Sozialisten, die noch vor kurzem mit Petliura und Winitschenko verhandelt hatten, um das jüdische Ministerium in ihre Hände zu bekommen, ging ziemlich schnell zu de« siegreichen Bolschewiki über. Dieser Meinung*- Umschwung wunderte niemanden, da ja die Anpassung*־ fähigkeit der ukrainischen jüdischen Sozialisten, die etwas von politischer Spekulation an sich Hatte, gut bekannt war. Man ergriff die gute Gelegenheit, um gegen das Volksvotuni, das während der Wahlen zur Nationalversammlung zum Ausdruck gekommen war, auf dem Wege der Diktatur die jüdischen Angelegenheiteu, einschließlich der Autonomie, mit Hilfe der Fremden in die eigenen Hände zu bekommen. Ein Teil der jüdischen sozialistischen Führer, die früher den Bolschewismus verdammt hatten, trat nun in die verschiedene®. Institutionen als Beamte und Leiter ein. Nun hatte man wieder eine direkte Beziehung zu der ausführenden Staatsgewalt, und man begann, gegen den Zionismus vorzugehen; anfangs nur durch kleine Schikanen, später aber, als sich die Macht konsolidierte, vermittels einer regelrechten Offensive gegen die Zioriistische Organisation und alle jüdischen und nationalen Anstalten, die unter dem Einfluß der Zionisten standen. Die erste Heldentat war die Unterdrückung der zionistisehen Tageszeitung ״Die Welt“ und die Konfiskation der zionistischen Druckerei ״Hatechijah“, die man den Poale-Zlon übergab. Dann kam die Auslösung der jüdischen Gemeinde in Kiew und in der Provinz. Dem Zionistischen Zentralbüro in der Ukraine verbot'man d!e Herausgabe irgendwelcher Drucksachen, insbesondere in hebräischer Sprache. Da im Anfang der bolschewistischen Herrschaft in Kiew Versammlungsfreiheit noch existierte, so verbot man den Druck von Bekanntmachungen über zionistische Versammlungen, um auf diese Weise das Zustandekommen der Versammlungen unmöglich zu machen. In der Provinz ging man noch rigoroser vor, da die kleinen örtlichen Satrapen weit rücksichtsloser waren. In vielen Orten ward«« die zionistischen Lokale requiriert, die Klubs aufgelöst, die Versammlungen unterdrückt, ln einigen Fällen wurden sogar Schekel- und Nationalfondsgekier beschlagnahmt. Die hebräische Sprache wurde für volksfeindlich erklärt und der Unterricht der Sprache nicht nur in den Schulen, sondern, wie in Tsüherkassi, auch durch Privatiehrer verboten. A«1 einen Appell an die Regierung dachte man in den führenden zionistischen Kreisen der Ukraine nicht, da man von vornherein jede Beziehung zu den bolschevvistischen Machthabern abgefeimt hatte, obwohl die Lage für die Zionistische Organisation immer kritischer wurde. Die Zionistische Organisation wurde allerdings vorläufig offiziell «licht aufgelöst und ihre Büros nicht geschlossen, wahrscheinlich ans dem Grunde, weil man in diesem ihren Häusern, verriegelten Türen lind Fenster. Die Bauer! aber, Männer und Weiber, schlottrige; Greise und kleine Kinder, alle liefen sie auf den Marktplatz hinaus, jeder nüt irgend einer Waffe versehen: alte Pistolen, halb verrostete Sensen, Sicheln, Messer, Heugabeln. Der Vorreiter stieg vom Pferde ab, stellte sich mitten in den Kreis der Bauern und! hielt an sie eine Ansprache: er wäre als Vertreter des Atamans Seljony gekommen, um das rechtgläubige ukrainische Bauerntum vom Joche der Bolschewik! zu befreien. Und wer sind die Bolschewiki? — die Juden! Wer ist daran Schuld, daß Väterchen Petljura nicht mehr in Kiew herrscht? — die Juden! Wer will *uns an Moskau verkaufen, unser gutes Brot den verfluchten Moskowitern ausliefern? — die Juden. Wer hat den Krieg angefangen? — Und immer weiter allerhand Beschuldigungen, die in den einzigen Refrain ausklaugen: die Juden! Darum rottet sie aus im Namen Christi laut Befehl Petljura s zum Heile der Ukraine! Es bedurfte nicht der langen Rede, um die Zuhörer zu gewinnen und zu überzeugen. Für sie handelte es sich bloß um eine rein technische Frage, wie soll man* das *mn machen. Und der Anführer gab das Stichwort: Wir machen es genau, wie in den anderen Städten. Weiber und Kinder werden beiseite gebracht, die Männer aber von 13 Jahren an niedergeschossen. Das Programm war nun da, die Ausführung war leicht. Die Häuser der Juden waren jedermann im Orte bekannt, kleine ungeschützte Häuscncn, wo man sich nicht einmal recht verbergen konnte. Die Juden wußten nun, daß cs keine Rettung mehr gebe und fügten sich in ihr Schicksal. Bleich und schweigsam die Männer, hysterisch jammernd die Weiber. Viele *der alteren Juden hüllten sich in ihre Todesgewänder ein und sagten die Totenbeichte her. Endlid! ging es tos. Soldaten und Bauern gingen von Haus zu Haus, holten die Juda! heraus. Die Männer wurden nach dem Marktplatz geführt, die Frauen und Kinder nach einer großen Scheune, die am Rande de» Orts lag.

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