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Jüdische Rundschau · 1919-09-09 · Heft 64 (9.9.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 64 (9.9.1919)
Date
1919-09-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 64 JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite 491 besitze«, auf die Stellung■ des Menschen im Markte, auf den Arbeitsmarkt, konzentrieren. Und es ist nur ein schwacher Trost für uns, daß selbst Länder wie Deutschland erst seit etwa zwei Dezennien überhaupt und eigentlich erst seit dem Kriege eine Arbeitsrnarktpolitik haben. Wohl gab es hingst zentrale Instanzen des gesamten Wirtschaftslebens (neben staatlichen die privatwirtschaftlichea Kartelle und Genossenschaften, die der Produktion und Distribution Richtung und Bestimmiing gaben; Märkte ׳und Börsen als Zentralisation des Warenaustausches): nur das Gebiet des Arbeitemarktes war unter dein Einfluß manchesterlidier Anschaumigen bis zuletzt dem Eigennutz, der ״freien“ Tätigkeit gewerbsmäßiger Vermittler, einseitig machterstrebender Arbeitgeber und Arbeitnehmer, damit der Regellosigkeit und Anarchie verfallen. Zum guten Teil sind diese Verhältnisse, die von Einsichtigen längst erkannt waren, ohne daß ihr Mahnruf und ihre private hingebende Arbeit auf diesem Gebiet annähernden Erfolg hatte, schuld ar. der Arbeitslosenkrise der ersten Kriegsweichen, da nur die dauernden Einziehungen eine Kata- Strophe abwendeten. Es war nur geringe Vorarbeit für die zentrale Umschichtung des A'rbeitsmarktes (die eine Parallele für unsere, richtig• erkannte Aufgabe in nächster Zeit,bietet) vorhanden, und mit äußerster Macht drängte sich die wahrhaft katastrophale Bedeutung der Anarchie des Arbeitsmarktes für den Moment auf, wo eine Ueberfülle von Arbeitslosen statt Mangels eintreten mußte. So ergab sich den Behörden die Erkenntnis der Notwendigkeit von einheitlichen, interterritorialen Organi- Nationen, denen die Regelung des Angebots und der Nachfrage der Arbeitskräfte, die Beobachtung, Erfassung und Verwaltung des. Arbeitsmarktes ׳und schließlich vom Standpunkt des sozialen Organismus aus auch Eingriffe in den Produktionsprozeß (allerdings im kriegerischen Deutschland ausschließlich zugunsten der intensivsten Kriegsführung) im Interesse des Menschen, des primären Produktionsfaktors der Volkswirtschaft, obzuliegen hatten. So kam es in Deutschland in den letzten fünf Jahren zu einem in steigendem Tempo erfolgenden Ausbau der Arbeitsvermittlung. Man begriff die neuartigen Möglichkeiten dieses Aschenbrödels des bisherigen Systems. Es handelte sich nicht mehr darum, entweder wie bisher, die gerade sich Meldenden zufällig bekannten Stellen zu überweisen oder in den mächtigen Unterriehmernachweisen zwangsweise die Arbeiter dem ״Produktionsprozeß“ dienstbar zu machen, sondern es ergaben sich die großen sozialpolitischen Aufgaben, in die Schwankungen des Wirtschaftslebens (die auch in einer sozialistischen Ordnung unvermeidlich wären und gerade dann eine autoritative Verteilung der Arbeitenden erforderte) .regelnd einzugreifen, Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zentral, einheitlich und möglichst einwandfrei zu erfassen, ausgleichend im Interesse der Arbeitslosen und zugleich der Produktion (beides auch iin sozialistischen Gemeinwesen!) einzugreifen, sowie im Notfall für die Richtung der Produktion Dircktiven und Hinweisle zu geben. Als Mittel zu diesen zugleich gemein wirtschaftlich wie individuell nützlichen Zielen seien hier genannt: die Führung einwandfreier Statistiken sowie die Ermittlung der jeweiligen Marktiäge, individuelle Berufsberatung und Eignungsprüfung; auf Grund dieser beiden Voraussetzungen Verteilung der Arbeitskräfte, Beaufsichtigung der Betriebe, Einflußnahme auf die Arbeitsbedingungen (Lohn, Zeit, Vermittlung nur nach tariflichen Abmachungen usw.), Be- Schaffung von Arbeitsgelegenheiten, Notstandsarbeiten usw. Es bat sich in den letzten vier Jahren ein in fortschreitendem Maße einheitliches System von lokalen öffentlich-kommunalen und daneben paritätischen Tarifarbeitsnachweisen herausgebildet, die in Orts-, Bezirks- und ProvinziaJzentralauskunftsstellem übergeordnete ausgleichende Instanzen haben. Die oberste Spitze liegt in der dem; Statistischen Amt angeschlossenm Reichs- Bodens darf in keinem Falle in Frage kommen. Wir halten es aber für zu weitgehend, wenn K. fordert, daß zugunsten des N. F. alle andern Spendensaminlungen für die erste Zeit ausgesetzt werden sollen. Denn die Spenden für kulturelle und Wohlfahrtszwecke, die wir nicht entbehren können (auch im Anfang nicht!), kommen aus anderen Quellen und in großen Einzelsummen, während die Spenden für den N. F. in kleinen Beträgen und von 4er Volksmasse aufgebracht werden. Ein letzter kurzer Aufsatz von Ö e 11 i n g e r behandelt die wichtige Lehrlingsfrage in derLand- Wirtschaft. Es ist gegenüber irrigen Meinungen am Platze, Oettingers Forderung einer mindestens zweijährigen Lehrzeit zu unterstreichen. Gerade auf diesem Gebiet wird noch viel organisatorische Arbeit geleistet werden müssen. Das inhaltreiche Heft bringt weiter noch einige gediegene Buchbesprechungen und endlich eine Reihe interessanter Mitteilungen des N. F., insbesondere über seine Entwicklung in den letzten Jahren und seine Kriegs arbeiten in Palästin a, Alles in allem: Das Heft von ״Erez Israel“ ist eine vorzüglich redigierte Informationsquelle von so hohem inhaltlichem Werte, daß wir wünschen müssen, es allen denen in die Hand zu geben, die Sich ernsthaft und sachlich über unsere Palästina-Pläne und die Mittel zu ihrer Verwirklichung unterrichten wollen. Literarische Mitteilungen In hohem Alter verschied in Minsk der hebräische Schriftsteller Joseph Brüll, bekannt unter dem Pseudonym ״Hiob aus Minsk“. Das Organ der englischen Poale-Zion ״Unser Weg“ gab anläßlich der Pogrome ein verstärktes Heft heraus, das außer den Aufsätzen von Israel Zangwill, S. K aplan sky, M. Mayer 1t. a. eine Reihe wertvoller Dokumente über die Geschichte der Pogrome enthält zentrale. Der Prozeß der Vereinheitlichung ist noch nicht abgeschlossen und manche Bedenken, die für uns aber mindere Bedeutung haben (Gefahr der Bürokrateierung, der einseitigen Klassenausnützung) wären zu erwähnen; im allgemeinen läßt sich konstatieren, daß das Arbeitslosenelend (das natürlich auch in ungewöhnlichen Situationen die beste Arbeitsvermittlung nicht ganz beseitigen kann) weit bedenklichere Formen angenommen hätte, wenn man nicht die Gefahr des Anarcho-Kapitalismus des Arbeitsmarktes (der die Anarchie immer dort ebraucht, wenn er sie zu seinen Zwecken au nut/en ann) sich bewußt geworden wäre und ihr einigermaßen gesteuert hätte. Was läßt sich nun aus dieser hier nur oberflächlich skizzierten Entwicklung (eine Spezialisierung der teclinischen und volkswirtschaftlichen Einzelheiten wäre auch tür uns von Interesse) für die jüdische Aufgabe ersehen? Auch für uns ist es höchste Zeit und einzige Möglichkeit der Rettung, aus dem Sichtreibenlassen, aus der willenlosen Anarchie der jüdischen Wanderungen, zumal für die Einwanderung nach Palästina, herauszukommen. Das Wichtigste ist im Augenblick die konkrete Erfassung der Situation in allen Lärmern als Grundlage eines Wiederaufbaus, als Wegweiser der Umschichturig, als Voraussetzung jeder volkswirtscnaiilicnen Arbeit. Zweck dieser Ausführungen ist, zu zeigen, wie diese theoretischen Aufgaben zugleich mit den praktischen der Arbeitsumschichtung'bei einem AusDau der Arbeitsvermittlung erfüllt werden. Im Galuth Läge hier die einzige Aufgabe einer zentral geleiteten jüdischen Volkswirtschaftspolitik, weil wir dort ja keine Volks- Wirtschaft als Ganzes, keine eigenartigen Betriebe, keine ״jüdische Produktion“ haben. Wir haben nur die arbcitenden jüdischen Menschen und ihre Not.*) Geradezu ungeheueriieh und nur erklärbar aus der weit- und wirtschaftsabgewandten Art des Lebens im jüdischen Osten ist die Anarchie des jüdischen Arbeitsmarktes bisher, für dessen primitivste Notwendigkeiten keine Instanz, die auch nur die notwendigste Einsicht und Hilfe vermittcltc, vorhanden war. Daß hier, wenn man nur das Problem klar erkennt, auch mit bescheidenen privaten Mitteln in wenigen Jahren viel geleistet werden kann, zeigt auf dem Gebiete der deutschen Arbeitsvermitthing die Arbeiten von Jastrow, Freund u. a., die ohne staatliche Hilfe zunächst bald große Erfolge erzielten. Auch wir müssen hier primitiv, aber endlich beginnen! Etwa folgende Schritte wären zunächst zu hin und könnten mit verhältnismäßig geringen Mitteln 1m An- •Schluß an auch sonst notwendige Maßnahmen durchgeführt werden. In allen Ländern sind danach die von der Leitung geplanten Emigrationsämter von vornherein zu Arbeits- Vermittlungsämtern auszubauen. Möglichst in zentralen (See-Städten) gelegen, liegt ihnen :neben der Registrierung der Amwandernden die forttaufende Beobachtung und Erfassutig der jüdischen Arbeitsgesuche sowie der jüdisehen und nach Möglichkeit auch niditjüdischen geeigneten Angebote ob. Selbstverständlich ist das Material nicht an den zentralen Stellen zu gewinnen; vielmehr ist von vornherein mit stärkstem Nachdruck auf die Errichtung von Arbeitsnachweisen bei den Gemeinden hinzuarbeiten (ganz primitive Aufzeichnung hätte zunächst schon Zweck). Auf lokale Ausgleichung ist größter Wert zu legen; sie wird aber gerade in den primitiven Verhältnissen des Ostens oft schwer möglich sein. Den zentralen Instanzen fiele von vornherein die Aufgabe zu, durch Inserate, Plakate, unaufhörliche Hinweise den Begriff der nationalen Wirtschaft zu propagieren, ins Bewußtsein zu lieben; es könnte von hier aus eine gewaltige nationale Propaganda «insetzen (natürlich sind in den Galutliländern die Bedürfnisse der Gesamtproduktion zu beachten). Die Landeszentrale hätte weiterhin die Statistik zu sammeln und auszubauen, die Ausgleichung zu vollziehen, die nach auswärts vermittelten Arbeiter durch Agenten zu sammeln und unterzubriugen (für die über Seewanderung liegt besondere Erfahrung in England und Amerika vor), Arbeitsgelegenheit aufzuspüren, schließlich, wenn es geht, selbständig die Produktion zu beeinflussen, was natürlich, solange keine staatliche Macht dahintersteht, sehr schwierig sein dürfte. Für diese Aufgaben müssen sich Mittel aufbringen lassen, einmal, weil die doch geplanten Emigratioasämter ähnliche Ziele verfolgen, dann, weil auch die nichtzionistischen Organisationen und Parteien an* dieser Arbeit Interesse haben. Selbstverständlich ist den jüdischen Arbeitern auf die Verwaltung der Aemter entscheidender Einfluß zu gewähren. Der Ausbau im einzelnen müßte sich nach den Notwendigkeiten der Juden des betreffenden Landes richten und kann sich erst bei der Arbeit selbst heraussteilen. Als Spitze (Ses Ganzen hätte dann ein etwa ״Jüdisch-soziales Zentralbüro“ genanntes Hauptarbeitsamt zu fungieren. Ihm wären von allen Landesbüros die Materialien zu übermitteln; es hätte die Direktiven für die Arbeit der Berufsberatung, Umschichtung usw. zu geben, eine jüdisch-soziale Zeitschrift herauszugeben (ähnlich dem Deutschen Reichsarbeitsblatt); es hätte die Auswanderung zu regulieren, Vorschläge zu machen, Verhandlungen mit den Einzelregierungen zu führen, die großen Uebersichten in der Statistik zu geben, überhaupt die großen Gesichtspunkte für den wirtschaftlichen Neuaufbau herauszuarbeiten. Ob für die politische Leitung auf Grund dieser großzügigen Pläne die Exekutive eines allgemein jüdischen Kongresses oder das zionistische Actions-Comitö in Betracht käme, läßt sich noch nicht übersehen. Selbstverständlich ist, daß die palästinensischen Bedürfnisse zentrales Interesse beanspruchen; die für uns wesentlichste Abteilung jedes Landes sowie der Hamptzentrale hätte die spezielle Registrierung für Palästina, die Berufsumschichtung, landwirtschaftliche Ausbildung, die Bildung von Kwuzoth- und Hechaluzgmppen in die Wege zu leitat. Das *)Anmerkung: Wir rechnen in diesem Zusammenhang den Hausierer wie den Arbeiter zu den arbeitenden, d. h. aus der ״Arbeit“ Einkommen habenden Mensehen, trotzdem wir uns vom Standpunkt der Produktivitat aus des Unterschiedes natürlich bewußt sind. — Arbeitsamt ist Erez-lsraet hätte besondere, schon sich aus der größeren Machtfülle ergebende Aufgaben. Es kann in diesen allgemeinen Ausführungen nicht auf weitere Einzelheiten ankommen; es ist mir wichtig, von vornherein auf die große Entwicklungsmöglichkeit und entscheidende sozialpolitische Bedeutung, die der Arbeitsvermittlung zuikommt, hinzuweisen, zumal diese Ergebnisse sich erst aus der Notlage Europas, die die jüdische auch heute nicht entfernt erreicht, herausgebildet haben. Die Arbeitsvermittlung als Mittelpunkt des jüdischeu Arbeitsmarktes, als zentrale, ordnende Instanz kann, wenn man ihre Tragweite rechtzeitigdurchschaut, weite Möglichkeiten nationaler, sozialer und nienscblicher Erneuerung bieten. Anfänge erfreulicher Art (z. B. das jüdische Arbeitsamt in Berlin) erleichtern die große Aufgabe. Walter Preuß, Berlin. Zionistische Kulturarbeit (Von unserrn Wiener Korrespondenten.) W. Wien, 22. August. Das Rundschreiben des Erziehungsdepartements der zionistischen Weltorganisation hat neuerlich die Auf•* merksamkeit der zionistischen Verbände mit allem Nachdruck aul die Notwendigkeit jüdischer Kulturarbeit in den Ländern der Diaspora hinge wiesen. Das zentrale Problem dieser Kulturarbeit ist die Hebraisienuig des jüdischen. Lebens. Leider müssen wir gestehen, daß dieser notwendige Prozeß noch sehr wenig weit vorgeschritten ist. Seit vielen Jahren werden in allen zionistischen Vereinen hebräische Sprachkurse abgehaltet», aber der Erfolg ist ein äußerst geringer. Es ist klar, daß eine radikale Besserung erst durch die Schaffung jüdischer Schulen eintreten kann, die entweder ganz von Anfang an im Anschluß an den hebräischen Kindergarten hebräisch als Unterrichtssprache haben oder aber dem Hebräischen wenigstens als Lehrgegenstand einen angemessenen Raum im Lehrplan einräumen. Die Schaffung solcher Schulen stößt allerdings, ganz abgesehen von den organisatorischen Schwierigkeiten, auf ei« großes Hindernis: den völligen Mangel an geeigneten Lehrern. Es ist zu ,verwundern, daß unsere oberste Kulturinstanz in ihrer ersten Verlautbarung gerade diese Frage nicht mit dem entsprechenden Nachdruck betont. Die Frage der Heranbildung jüdischer Lehrer, die sowohl über die hebräischen Kenntnisse als auch über das erforderliche pädagogische Wissen verfügen, steht bei uns in Wien bereits seit einigen Jahren auf der Tagesordnung. Die zentrale Stelle der ehemaligen österreichischen und jetzigen deutsch-österreichischen zionistischen Landesorganisation für Kulturarbeit, die ״S t u - diengruppe für jüdisch«Erziehung“, welche vor etwa zwei Jahren auf Anregung Dr. ׳Siegfried Be rinf e 1 d s unter dem Vorsitz von Adolf Bö h m gegründet wurde, hat als ihre erste Unternehmung die Errichtung einer pädagogischen Lehranstalt zur Heranbildung von Lehrern ms Auge gefaßt. Dieser Plan wurde zum erstenmal im Winter 1917/18 in der Form von Abendkursen in Wirklichkeit umgesetzt. Der außerordentliche Erfolg und das große Interesse sowie die zahlreiche Beteiligung junger Menschen, die Lehrer oder Kindergärtnerinnen werden wollen, veranlaß te die ״Studiengruppe“, die Anstalt im nächsten Jahr, 1918/19, als richtige Lehranstalt mit Vormittagsunterricht unter dem Namen ״jüdisch-pädagogische Kurse“ zu eröffnen. Dadurch war die Beteiligung jener Elemente, die die Stunden nur als außerordentliche Zuhörer besucht und dadurch den eigentlichen Unterricht beeinträchtigt hatten, ausgeschaltet. Die Direktion übernahm Dozent Dr. Torczyner. Im Laufe des Jahres hat dann der Unterrichtsbetrieb immer schärfer umrissene Gestalt angenommen und in den Mittelpunkt trat mit Selbstverständiiehkeit die hebräische Sprache. Es teilten sich drei Kurse ab, deren erster von Herrn Moses Rath geleitet wurde, während auf der Oberstufe Zwi Diesend ruck hebräische Stilistik und Literatur vortrug und der oberste Kurs sowie der Bibelkurs von Dr. Torczyner gelesen wurde. Außerdem hat Prof. Dr. Aptowitzer Talmud gelesen. Von anderen jüdisehen Gegenständen wurde Geschichte, Religianspnilosophie und Einführung in die religiösen Bräuche vorgetragen. Dr. Siegfried Bernfeld, der als der eigentliche Schöpfer der Anstalt anzusehen ist, liest Pädagogik und Psychologie, Adolf Böhm über Lage der Juden und Einführung in die moderne jüdische Bewegung. Für die Kindergärtnerinnen wird Methodik des Kindergartens vorgetragen, mit einem praktische» Kurs in einem allgegliederten Kindergarten. Am Ende des Schuljahres hatte die Anstalt 120 Hörer, meist aus dem Osten stammend, doch haben auch einige Westler mit Erfolg teilgenommen. Durch den Abgang Dr. Torczyners nach Berlin wurde die Steile des Direktors vakant. Es ist gelungen, Oberrabbiner Dr. Chajes zur Uebernahme der Leitung zu bewegen. Durch die Persönlichkeit dieses Gelehrten, der bekanntlich Professor am Seminar in Florenz war, gewinnt das Pädagogium eine weit über Wien hinausreichende Bedeutung. Gleichzeitig wird eine Reorganisatfcm vorgenommen: die Anstalt wird zu einem vierjährigen Kum ausgebaut, dem eine Vorher ei tungsklasse angegliedert ist. In der Vorbereitungsklasse wird die Ungleichheit in der Vorbildung der Aufnahmebewerber ausgeglichen, wobei den Westlern vorwiegend jüdische Kenntnisse mangeln, während die Oestier meist einer Vervollkommnung ihres systematischen Wissens in den allgemeinen Fächern bedürfen. Die vier Jahrgänge dienen dann zur Heranbildung von Lehrern für hebräische Sprache und Kultur. Nicht nur die hebräischen Fächer, sondern auch die anderen jüdisehen Fächer und womöglich auch die allgemeinen sollen zum Teil schon in diesem Jahr, zum Teil in den nächsten hebräisch vorgetragen werden. Dieser Hauptamstalt sind Nebenanstalten angeglicdert, und zwar zunächst eine für Ausbildung von Kindergärtnerinnen, ferner eine Abteilung für Religionslehrer Löst die Ro$ch• fiaschanab־Glückwünsche durch den Hationaifonds ah!

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