Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 63 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. r>3 die loch .verfünf )11 en lenn iner l'umg sich Ben, ben. ssen aff;־ berwarvon aber die flieh j Pro-!,lieh von :aufverrach!des churem listi- Wir usaiircn ־ird, >nen vorgenf in;ani•;hen age- .olo- :heti wernnb ssen schimen vere rad nige eine hen, iber rirkzair iter- ,beit sen, ster; neheien gen. lenorajeld esc! wir;iter ,eine Sprache, durch seine Sprache. Die ersten Ansiedler in Palästina begriffen dies und kämpften mit Eifer für die hebräische Sprache. Schon zeigen sich die ersten Blüten der Wiedergeburt unserer Sprache im!,ande. Aber diese Blüten sind noch jung und schwach und durch die Massenimmigration aus verschiedenen Lindern mit verschiedenen Sprachen bedroht. Andererseits herrschen auch in Erez-l&rael in zu hohem Maße die europäischen Sprachen. Wir müssen daher über der Sprachen frage mit großem Eifer wachen. Alle, die nach Palästina zu gehen beabsichtigen und sich nicht für den Gebrauch' der hebräischen Sprache vorbereiten, bcgehen ein Verbrechen gegen den Geist der Nation. Die ,,Provisorische Versammlung des Palästinensischen Jiscliub“ tvon der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken) nat daher mit Recht und in vollem politischen Verständnis den Beschluß gefaßt, daß nur derjenige das passive Wahlrecht für die kommende Gründlings- Versammlung besitzt, der hebräisch schreiben und sprechen kann, ln jedem Orte, in dem eine Gruppe vorbanden ist, die sich für Palästina vorbereitet, müssen sofort hebräische Kurse eingerichtet werden. Nur diejenigen, die sich Kenntnisse der hebräischen Sprache in genügendem Maße erworben haben, haben das moralische Recht, nach Palästina zu gehen ׳und sich an dem Bau unserer Zukunft zu beteiligen. Wir glauben, daß Sie hiermit genügend über die Lage und über •die Aufgaben der kommenden Kolonisationsarbeit aufgeklärt sind. Wir wissen, daß vieles in diesem Zirkular vorhanden ist, daß Sie nicht beruhigt und daß Sie viel schnellere Arbeit von uns verlangen. Wir verstehen auch, daß je mehr wir uns unserem Ziele nähern, sich um 90 stärker und empfindlicher unsere Ungeduld geltend macht. Dennoch rufen wir Euch zu: Seid ruhig,'Gesinnungsgenossen! Wir gehen mit sicheren Schritten unserem Ziel entgegen. Wir brauchen eine fanz große, aber gut organisierte Arbeit. Tun Sic Ihre flicht. Wir werden die unsere erfüllen. Die Stunde unserer Befreiung wird alsdann bald kommen Mit Zionsgruß1 Das Acticns-Comitö der Zionistischen Organisation. Das Politische Departement: Chaiin, Weizmann. Das Palästina -Departement: Menachem Ussischkin. Julius Simon. z e r acht entden־ gen. wir lnaher bcflieh peiker, dere. flieh, nser seht, den. ltige Eie• t in!och. rt- : e n, US- /,ert, Paweit ו gen oder dien and- Versind, :sen. heischidigeilen eren vom nser ben, urdi Pressestiminen aus Palästina Die jüdische Presse in Palästina begrüßte in zahlreichen Artikeln u:t1d Kundgebungen die Anwesenheit von Juistice Brandeis. ״C h ad a s ch 0 111 Haarez“ schreibt bei dieser Gelegenheit am 24. Juli: 20״ Monate sind es her, daß wir vom türkischen Joche befreit wurden, im Verlaufe dieser ganzen Zeit sind wir in unserer nationalen Arbeit auch nicht um einen Schritt vorwärts gekommen; nicht einen Fuß breit Boden haben wir erworben und nicht eine einzige nationale Position haben wir 1ms errungen. Die Städte uns«- res Landes scheinen uns, ungeachtet der großen Zahl ihrer jüdischen Einwohner, völlig fremd zu sein. Unser Anteil a«1 der Stadtverwaltung ist selbst in Jerusalem ein ganz geringer, ln den Aerntern hat die hebräische Sprache keinen Platz, und wir sind, oft sogar mehr als früher, gezwungen, für die verletzten Rechte unserer Sprache zu kämpfen. Das Hauptübel liegt in den ökonomischen Verhältnissen des Landes, und hinzu kommen noch die kollidienenden Handlungen ■unserer Institutionen, angefangen von der Amerikanischen medizinischen Expedition bis zur Palästina-Kommission. Ein Mann wie Bandeis wird zweifellos die politische Bedeutung unserer Position verstehen. Er wird einsehen, daß dort, wo andere nur Chauvinismus sehen wollen, ein gerechter und gesunder Nationalismus vorhanden ist“. Viel schärfer äußert sich das Organ der jüdischen Arbeiterschaft ״H ap o e 1 - H a z a i r“ in seiner Nummer vom 25. Juli: ״Gern wollen wir aus dem Munde von Brandeis vernehmen, was er über unsere zukünftige Arbeit denkt. Gleichzeitig aber haben wir auch das Bedürfnis, ihm klar und deutlich zu sagen, was wir brauchen und was zu tun ist. Wir brauchen eine reale und offene Politik. Um keinen Preis können wir uns damit abfinden, daß unsere historische Forderung nach Palästina nur mit toten Buchstaben im Friedensvertrag anerkannt wird, während in Wirklichkeit unsere Sache heute aus diesem politischen Grunde, morgen aus jenen taktischen Erwägurigen hinausgeschoben wird. Der größte Teil urnseres Volkes befindet sich zurzeit in einer Lage, die eine sofortige Erfüllung unserer Forderung notwendig macht, Die Führer des Zionismus, die bisher als Führer einer Partei galten und vor der Partei verantwortlich waren, werde« jetzt von dem größten Teile des jüdischen Volkes als die Führer des ganzen Volkes angesehen, und vor dem ganzen Volke tragen säe die Verantwortung. Sie sind daher verpflichtet, die Wahrheit öffentlich bekanntzugeben: daß es in Palästina nur eine einzige politische Frage gibt — die Frage der Errichtung des Juden- Staates. Andere politische Fragen können in Palästina nicht von entscheidender Bedeutung sein. Diese Klar- Stellung muß sofort kommen. Sie muß vor allem dazu führen, daß das Verhalten zu uns ein anderes wird. Das Verhalten uns gegenüber, wie wir es jetzt oft sehe«, ist in der Tat dazu angetan, jede Gegnerschaft unserer Bestrebungen zu stärken. Wir sind durchaus nicht so naiv, zu glauben, daß in einem Tage jenes grandiose Ziel der Errichtung unseres nationalen Heimes durchzuführen ist, aber wir glauben ebensowenig, daß dieses Verhalten den Beginn der Verwirklichung u«nseres Zieles bedeuten kann. Wir wissen, daß nach den internationalen Gesetzen der juridische Status quo ante itn okkupierten Gebiet seine Geltung behalten muß, bis das Schicksal des Landes entschieden ist. Nun hatten wir in Palästina zwei Status, den einen während des Krieges, wo Zionismus mit Staatsverbrechen identisch war •und wo zionistische Gesinnung zum Anlaß von Verhaftungen, Quälereien und Hinrichtungen genommen ,wurde, und den anderen Status vor dem kriege, wo *$e Juden in der Tat eine innere Autonomie besaßen, ׳wenn sie sich auch auf kein Gesetz stützten. Das dai 1.* e ־־» *1 ו ין:, hi; r h ,ס;.׳:? ׳:׳־ * \ malige Verhalten der herrschenden Macht uns gegenüber war ein respektvolles, wie zu Europäern. Wir kamen hierher nicht als Immigranten, sondern als Rückwanderer; dies wußte sowohl die Regierung wie die Bevölkerung-, denn unser Ziel war offen und klar. Gewisse Politikmacher versuchten zwar auch damals, uns Hindernisse in den Weg zu legen, aber es gelang ihnen nicht. Sie fanden weder bei der Regierung «och bei der Bevölkerung irgendwelche Unterstützung. Dennoch waren, wir unzufrieden mit unserer Arbeit, weil sie uns klein schien im Vergleich zu dem uns gesteckten Ziel: der Gründung eines nationalen Heimes unter Ansiedlung von Millionen Juden. Große Arbeit zu leisten, war nicht möglich, weil es an einer Macht fehlte, die Leben und Sicherheit im notwendigen Maße gewährleisten konnte. Die Zionistische Organisation richtete daher ihre Blicke auf England, in weichem sie die zukünftige Beherrscherin Palästinas sah, und das ihr dazu berufen schien, zur Verwirklichung ihrer Ideale beizutragen. Diese Hoffnung war keine trügerische — bald nach dem Einmarsch der Engländer in Palästina kam jene wunderbare Deklaration, die von unserem Volke gleich jener Prophezeihung Ezechiels aufgenommen wurde. Das ganze jüdische Volk war von neuem Leben beseelt. Nun sind bereits anderthalb Jahre vergangen, seitdem das Land von den Engländern besetzt ist. In dieser ganzen Zeit ist es •offiziell unbekannt geblieben, wer das Mandat in Palästina ausüben wird. Es war auch nicht klar, wie sich die Friedenskonferenz zu der Baifourschen Deklaration verhalten werde. Inzwischen — so sagt man uns, und wir glauben es auch — konnte die englische Regierung an die Verwirklichung der Baifourschen Deklaration nicht schreiten. Indessen sollte doch das Verhalten, selbst in dem Rahmen des jetzt Mögliehen, wenigstens zu einem geringen Teile von dieser großen Deklaration beeinflußt sein. Wir aber sehen eine tiefe Kluft zwischen der realen Wirklichkeit von heute und jenem, großen Versprechen, das morgen verwirklicht werden soll. Unwillkürlich entsteht in'uns die Befürchtung, daß dieses Verhalten den Gang unserer zukünftigen Arbeit nachhaltig beeinflussen könnte. Gewiß haben wir das Vertrauen, daß die zentrale Regierung nicht zum Scherz die Deklaration betreffs des jüdischen Heimes in Palästina erlassen hat, und daß es ihr fern liegt, mit den Gefühlen einer ganzen Nation ein Spiel zu treiben. Wir sind überzeugt, daß ihre Versprechungen mit ganzem Herzen und in voller Aufrichtigkeit gegeben wurden und daß sie gewissenhaft eingelöst werden. Aber im Sprichwort •heißt es: ״Gott ist hoch, der Herr ist fern, und die Diener tun, was ihnen beliebt“. Wir dürfen daher nicht mit Gleichgültigkeit zuisehcn, daß dieses verletzende Verhalten zur Methode wird. Die zionistischen Führer haben eine Aenderung durchzusetzen. Wir verlangen von ihnen, daß sie sich bei ihrer Arbeit für!unsere Zukunft nicht gleichgültig zur Gegenwart verhalten. Die Gegenwart soll eine Basis für die Zukunft sein. Und auf die Gegenwart, wie sie jetzt ist, können wir unsere Zukunft nicht bauen“. ״Jewish Chromcle“ veröffentlicht ein Interview mit Herrn M. Dizengoff, dem Bürgermeister von Tel Avviw. Nachdem Herr Dizengoff sich über die verschiedenen jüdischen Parteien in Palästina ausgesprochen und bei dieser Gelegenheit auf die Gefahren überstürzter Sozialisierungsve rsuche hingewiesen hatte, für die Palästina nicht reif sei und die die ganze jüdische Zukunft in Palästina gefährden könnten, berührte er die Araberfrage. Er sprach sich für ein durchaus freundliches und brüderliches Verhalten gegenüber der arabischen Bevölkerung aus und meinte, daß auch der Kampf für jüdische und gegen arabische Arbeit in jedem Falle nur mit größter Mäßigung geführt werden dürfe. Herr Dizengoff beklagte, daß die palästinensische Judenheit von der Zionistischen Organisation nicht aufgefordert worden sei, gleichberechtigte Vertreter in die Zionistische Palästina-Kommission zu entsenden. Dies habe eine gewisse Verstimmung innerhalb der palästinensisehen judenbeit hervorgerufen. Herr Dizengoff sprach dann über die Unzufriedenheit der jüdischen Bevölkerung in Palästina mit der allzu langsamen politischen Entwicklung. ״Der Stand der Dinge, sagte er, diskreditiert uns; in den Augen der Araber und der ganzen Welt erscheinen wir als Leute, die einen Scheck von großer Höhe besitze«, der aber nicht eingelöst worden ist. Insbesondere ist es ganz unbegreiflich für uns, daß wir es bei de« Behörden nicht durchsetzen können, daß sie die hebräische Sprache auf eine Stufe mit der arabisehe« stellen. Briefmarken. Briefkästen usw. tragen nur Inschriften in englischer und arabischer Sprache. Wenn man sich zur Entschuldigung׳ auf die Haager Convention beruft, so ist das nicht richtig, weil vor dem Kriege di« türkische und nicht die arabische Sprache als offizielle Sprache im Gebrauch war. Daß man in verhältnismäßig 90 unbedeutenden Dingen keine Zu-?eständnisse erhalten konnte, hat die palästinensischen uden sehr skeptisch gemacht. Die folgenden Tatsachen werden die Stellung der Behörden beleuchten. Einige Tage, bevor ich Palästina verließ, hat eine jüdische Gesellschaft um die Kon- Zession zur Errichtung von Lagerhäusern, mit dem Recht, Lagerscheine auszugeben, nach gesucht. Die Behörden erklärten, sie wären nur die Verwalter einer türkischen Provinz, versprachen aber der Zionistischen Organisation, auch an andere Bewohner Palästinas keine Konzessionen zu erteilen, bis das politische Schicksal Palästinas entschieden sei. Und nun erfahre ich aus ״Chadaschoth Haarez“, daß eine ägyptische Gesellschaft diese Konzession erhalten hat und bereits an die Arbeit gegangen ist. Ein anderes Beispiel: Ein Hotel in Jaffa, das einem Deutschen gehörte, sollte von den Behörden verkauft weiden. Ein Jude wollte den Platz erwerben, wurde aber abgewiesen. Das Hotel ist dagegen an einen Araber zu einem geringeren Preis, als ihn der Jude geboten hatte, verkam ז worden. Während unsere Führer in London große Pläne ausarbeiten und auf die Zeit warten, wo wir Monopole erhalten sollen, während sie die Entwicklung privater jüdischer Unternehmungen in Palästina hemmen, zeigen die Araber ׳und andere große Aktivität. Die Araber haben bereite Maßnahmen getroffen, um die Möglichkeit des Landankaufs durch Juden aufs äußerste zu erschweren. ,1f. haben kooperative Gesellschaften gegründet, die ihre Seite 483 Mitglieder verpflichten, Grund und Boden nicht an Juden zu verkaufen. Die britischen Behörden ermutigen die arabischen Unternehmungen durch Gewährung von Krediten an die arabischen Bauern, während die jüdischen Unternehmungen in jeder Richtung gehemmt werden.“ Zum Jubiläum des D. J. C. B. Das durch die allmähliche Emanzipation der Juden Deutschlands immer mehr erstarkende Reform-Judentum hatte im Jahre 1844 zur Regelung der vorhandenen Bestrebungen nach Neugestaltungdes Judentums die erste Rabbinervcrsammlung nach Braunschweig einberulen. Die 22 in Braunschweig versammelten Rabbinen standen ganz unter dem Einfluß Hold heims. Von den! ehrlichen Willen beherrscht, dem Abfall vom Judentum zu begegnen, suchten• diese Rabbinen unter Holdheims Führung das Judentum der modernen Zeitströmung anzupassen. Hold heims Idee, daß das Judentum aus einer innigen Vermischung des Religiös-Sittlichen und des National-Politischen bestehe, und daß alles, was irgendwie einen national-politischen Anschein habe, ausgeschieden werden müsse, wurde zur Richtschnur für das Reform-Judentum und die Assimilation bis zum heutigen Tage. Die Beschlüsse der 22 in Braunschweig riefen den stürmischen Protest von ,77 Rabbinen hervor. Dennoch beschloß die im Jahre 1845 in Frankfurt a. M. zusammengetreiene 2. Reform-Rabbiner-Ver- Sammlung, daß die hebräische Sprache aus dem Gedächtnis und dem Bewußtsein des jüdischen Stammes womöglich ausgelöscht werden müsse. Der geräuschvolle Austritt Zacharias Frankels aus den Reihen der Reformer zeigte, daß sie sich zu weit vorgewagt hatten. Die politischen und sozialen Stürme und die diesen folgende Reaktion verhinderten eine weitere Organisation der Reformbestrebungen. Erst im Jahre 1868 fand auf Anregung Ludwig Philinpsons eine Versammlung von 24 Rabbinen in Kassel statt, welche die Arbeiten der Rabbjner-Versammlungen in Braunschweig und Frankfurt wieder aufnalun. Als Philippson dieser Versammlung seine Anträge über den Kultus vorlegte, wurde gegen die Beschlußfassung mit* der Begründung Bedenken erhoben, daß die Oeffentlichkeit geneigt sein würde, die Rabbiner eines hierarchischen Strebens zu zeihen. Man beschloß deshalb die Ein- Berufung einer aus Rabbinern und Gemeindevertretem bestehenden Synode für das Jahr 1869. Die drei Vorsitzenden der Rabbiner-Versammlung Adler- Kassel, P h i 1 i p p s o n-Bonn und A u b-Berlin beriefen diese erste Synodalversanirnlung auf den 29. Juni 1869 nach Leipzig ein. Die Rabbinen und Gemeindevorstände in allen Ländern der Welt wurden hierzu eingeladen. Um aber die Gemeindevertreter zum Besuch der Synode anzuregen, kam man auf den glücklichen Gedanken, mit der ersten Synode den ersten Gemeindetag der Gemeinden des deutschen Israels zu verbinden. Der Erfolg war, daß zur Synode im ganzen 88 Personen erschienen, darunter 24 Rabbiner. Die Rabbinen waren in der Minorität und befürchteten offenbar ihre Ausschaltung. Nur so ist es zu verstehen, daß in der ersten Sitzung des Gemeindetages vom 29. Juni 1869 Abraham Geiger vor Eintritt in die Beratungen als zugelassener Gast den Antrag stellte: ״Synode und Gemeindetag bilden ein Ganzes, der Gemeindetag ist eine Sektion der Synode.“ Dieser Antrag wurde aber mit großer Majorität abgelehnt und beschlossen, daß der Gemeindetag eine völlig selbständige Institution sein müsse. So entstand der Gemeindebund als eine Frucht der Bestrebungen des Refonmjudentums und hielt naturgemäß die engste Fühlung mit diesem. Das darf man bei der kritischen Beurteilung der Entwicklung, die der D. J. G. B. genommen hat, niemals außer acht lassen. Bis zum Jahre 1882 führte der Gemeindebund in Leipzig ein bescheidenes Dasein. Als sein Sitz im Jahre 1882 nach Berlin verlegt wurde, hatten sich erst 183 jüdische Gemeinden Deutschlands ihm angesdilossen. Einen bedeutenden Aufschwung nahm der Bund unter der Leitung von Samuel Christeller und insbesondere seit 1895 unter der Leitung von Martin Philipp son. Sein ursprüngliches Statut hatte ihm außer der Förderung der Verwaltung.•;-, Bildungs- und Wohltätigkeitsangelegenheiten der Gemeinden auch Gebiete zugewiesen, die später vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und dem Verband der deutschen Juden übernommen wurden. Es ist das Verdienst Martin Philippsons, daß er diese politischen Aufgaben aus dem Statut ausgemerzt hat, um für den Gemeindebund die Rechte einer juristischen Person zu erlangen. Erst als dies im. Jahre 1899 erreicht war, konnte der Gemeindebund mit der Schaffung und Ausgestaltung seiner Wohltätigkeitsanstalten beginnen, von denen wir hier die Fürsorge-Erziehungsanstalt für Knaben in Repzin i. Pommern und die Fürsorge-Erziehungsanstalt für Mädchen in Cöpenick erwähnen. Heute umfaßt der D. J.G. B. 1200 jüdische Gemeinden Deutschlands. Sein Einfluß wäre noch bedeutend größer, wenn er alle Richtungen des deutschen Judentum« in gleichem Maße an der Verwaltung beteiligt hätte. Das Reformjudentum war aber ängstlich darauf bedacht, sich für alle Zeiten die überwältigende Mehrheit im D. J.G. B. zu sichern. Die nur zu oft übertretene Satzungsbesti.m׳mung, wonach die Behandlung kultureller und ritueller Fragen, ebenso die Erörterung politischer Gegenstände von der Tätigkeit des Gemeindebundes ausgeschlossen sei, diente als Vorwand, ui« den anderen Richtungen das Recht auf gleichberechtigte Mitarbeit abzusprechen. So kam es zu den schweren Kämpfen im D.j.G, B. in den letzten 20 Jahren, die nichts anderes waren, als Kämpfe um die Macht im deut-