Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 61 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 468 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 61 Das jüdische Leben in Die hebräischen Kindergärten in Jerusalem Von Dina Clemence Mayer, Leiterin der neuen hebräischen Kindergarten in Jerusalem. Jerusalem, Juni 1919. In dem systematischen Aufbau des großen Werkes der VoIkHer/iehnmg■ bilden die Kindergärten die unterste Stufe. A'er wie der Unterbau eines Hauses das Tragende uuu Stiitzemle des ganzen Gebäudes ist, wie von seiner Stärke tr:ui Kraft die Dauer und das Fortbestehen des ganzen Baues;.bh'ingig ist, so sind auch die Kindergärten die wiclitig-tcn Fundamente in dem großen Ciesamt werk, das wir nationale Volkserziehning nennen. Ich glaube eicht zu übertreiben, wenn ich sage, daß in keinem Lande der Weit den Kindergärten eine 60 überragend *vühtige Bedeutung zukomint wie hier, in Erez-Israel. Um des völlig zu verstehen, müssen wir die hier lebenden Volksschichten kennen, ihre äugenbScklichen Lebcnsbed inran gen und die Forderungen, die wir an sie für die Zukunft sterien. Wir haben in Erez-Israel einen Zusammenstrom aller jüdischen Elemente der Weit. Und jedes Element bringt seine Sprache, seine Sitten und Le bensge wohnlichen mit. Wir haben hier Sefardim, die spaniolisch sprechen, wir haben Aschkenasim, deren Umgangssprache jidiscäi ist. Die jemenitischen Juden sprechen arabisch, die ßueharer Juden ihr barbarisch klingendes Bucharisdi. Dann gibt es Gurdjim (kaukasische Bergjuden), die ihre besondere Sprache haben, ferner die verschiedenen onentauschen, teils aus Afrika, teils aus Syrien und Mesopotamien eingewanderten Juden, wie die Mograbim, Adjamim und BabeLim, die sämtlich ihre eigene Sprache, einen arabischen Dialekt, besitzen. Das ganze bildet eine babylonische Sprachenwirrnts, die kein einheitliches Zusammenwirken, kein nationales Einheitsbestreben aufkommen ieße, wenn nicht eine cinheitfiche Sprache alle die verschiedenen Elemente zwsammenfaßte. Und Wer setzt nun der hebräische Kindergarten mit seiner segensreichen Tätigkeit ein. Vom ersten Tage an, an welchem die kleinen Sefardim, Mograbim, Bucharim, Aschkenasim, die doch alle ,Jüdische Kinder“, Kinder eines Volkes sind, den Gan betreten, hören sie nur eine Sprache, Hebräsen, Una aut־ diesem Niveau vereinten?ich fried- Ich alle die fremden Elemente. Es ist mir immer ganz besonders interessant, in den ersten Tagen nach der rfeuau fnabme, d. h. nach Pessach und Sukkotfi die Ganim zu besuchen und die kleinen 3—4 jährigen zu beobachten, die sich mit ihren einander fremden Sprachen Und Sitten dtoch so schnell in die neue Ordnung! fügen und so schnell die hebräische Sprache anneftmen. Freilich bringt man sie ihnen auch auf die schönste und angenehmste Art bei. Freundliche junge Lehrerinnen, fast alle Im Jerusalemer Seminar ausgebiktet, widmen sich Ihrer großen Aufgabe mit Lust und Liebe. Lieder und Spiele, Anschawungsun teröcht, Gymnastik, alles hören die Kiekie* mir in Hebräisch, und .'es ist nicht zu verwundern, daß eme solche neu aufgeoommene Klasse schon nach zwei bis drei Monaten hebräisch singt, plaudert und spielt. Freilich ist auch das Sprachtalent der hiesigen Kinder besonders entwickelt. Jch habe in keinem europäischen Lande dergleichen gesehen. Die Erwerbung der hebräischen Sprache ist, wie wir gesehen haben, einer der wichtigsten Vorteile, die der nebräische Gan seinen Kleinen verschafft. Außerdem aber hat er noch eine große Anzahl sozialer, pädagogischer und hygienischer Aufgaben zu erfüllen. 90°,׳* der die Ganim besuchenden Kinder kommen aus den ärmste■ Volksschichten. Ehe Mütter sind oft mit Kleinhandel beschäftigt oder geh«! auf Arbeit und Die Wandlung im Westjuden Von Qiesikel Zwi Klötzel. ״Und alles, kam, wie es kommen mußte!“ Jettchen Gebert. Wenn man in den letzten Monaten mit jüdischen Menschen zusammen traf, die man während des Krieges nicht gesprochen hatte, 90 dauerte es nicht Lange, und sie begannen ungefragt, gleichsam unter einem inneren Zwang, won der Wandlung zu sprechen, die in diesen fünf Jahren mit ihnen vorgegangen ist und die ihre Stellung zum Judentum in entscheidender Weise beeinfhißte. Während die Parteien und Institutionen so tun, als sei in der Seele des deutschen Juden nichts vorgegangen, als seien da keine Götterbilder gestürzt und kein« Tempel entweiht worden, umgibt uns überall im jüdischen Leben eine Atmosphäre, die geladen ist mit einer ungeheuren Empfindung und einem schmerzlichen Erleben und die nach Auslösung strebt auf dem Wege, der allein Entspannung zu bringen vermag: durch das befreiende Wort, das in voller Qeffenilichkeit ausspricht, was ist. Dem deutschen Judentum diesen Dienst, der ein!gen Mut erfordert, geleistet zu haben ist ein Verdienst, das Georg Hermann alle diejenigen gern zugestehen werden, die seinen Aufsatz: ״Zur Frage der Westjade «5“ in Heft Hi 20 der ״Neuen Jüdischen Monatshefte“ gelesen haben. Hermann selbst nennt diese Ausführungen ein Be• kcraitn». Ein Bekenntnis, das «ns durch seinen Inhalt ganz kalt, ja, wie noch gezeigt werden soll, unbefriedigt Lassen ׳muß, das aber erschüttert durch die seelische Not, am der heraus es geboren wurde. Wenn man diese Sätze liest, die so ganz und gar den eleganten Schriftsteller verleugnen, wenn man sich vergegenvvärtigt, wie unfrei und beinahe hilflos itn Ausdruck dies Geständnis des Mannes ist, der mit unübertrefflicher Kunst seelische Stimmungen bis in die Nuance hinein zu schildern weiß, wenn man endlich das letzte Wort gelesen hat und das peinliche Gefühl empfindet, statt eines Führers einen Verirrten vor sich zu haben — dann kommt es uns wie ein Ahnen dessen an, daß die 1 haben keine Zeit, die Sorge für die Kleinen zu über- , nehmen. Das Hatss ist meistenteils verwahrlost und I schmutzig, und die Kinder taufen in einem Zustand äußerster Vemadllässigung herum. Trachom, die so gefährliche Augenkrankheit, von Staub und Schmutz hervorgerufen, ist bei 50—600<׳ der Kinder vorhanden. Armut, Unwissenheit und die orientalische Indolenz der Eltern tragen Schuld an diesen traurigen Zuständen. Da erfüllt nun der Gau seine soziale Aufgabe, indem er die Kleinen dem Schmutz der elterlichen Behausung und den Gefahren der Straße entzieht, sie in ließe, gesunde Räume bringt, sie an Sauberkeit und Ordmmg gewöhnt und so rückwirkend, durch Beispiel und Ermahnung, auch einen heilsamen Einfluß auf das Elternhaus ausübt. Das Kind, das ungewaschen und ungekämmt in den Gau kommt, wird nach Hause geschickt und kommt meistens nach kurzer Zeit in weitaus besserem Zustand in den Gan zurück. Zweimal täglich werden im Gan selbst Gesicht una Hände der Kinder gewaschen. Eine der wichtigsten Forderungen wären Bäder (Duschen). Doch konnte ich trotz aller Bemühungen bisher nicht die Mittel erlangen, um diese so notwendige Einrichtung aus zu führen. Besondere Beachtung wird im Gan der Hygiene zugewendet. Die Attgenbchandfung ist systematisch geordnet. Jeden Monat untersucht ein Augenarzt jedes Kind und täglich kommt eine Schwester, um die Augen zu behandeln. Auf diese Weise wird ein hartnäckiger Kampf gegen das Trachom geführt. Völlig erfolgreich aber ward dieser Kampf erst sein, wenn man für die Trachom kranken und für die gesunden Kinder getrennte Ganim einrichtet. Bisher war dies nicht möglich. Unter den 11 Ganim in Jerusalem sind nur zwei, die keine augenkranken Kinder aufnehmen. Hoffen ^yir, daß es in Zukunft möglich sein wird, in jedem Stadtviertel zwei Ganim, einen für augenkranke und einen für gesunde Kinder, zu haben. In allen übrigen Krankheitsfällen, wie Kopf- und Hautkrankheiten werden die Kleinen in Begleitung der Gananoth in die betreffenden Kliniken geschickt. Schulärzte, die die Kinder regelmäßig beobachten und untersuchen, haben wir leider trotz vieler Bemühungen bisher nicht bekommen können, auch hatten wir nicht die Möglichkeit, die 60 wichtige Malariaprophylaxe durchzuführen. Auch diese dringenden Forderungen wird uns hoffentlich die nächste Zukunft Erfüllen. Die Kinder befinden sich im Gan von morgens 8 Uhr bis nachmittags 4 Uhr. Während des Moratoriums erhielten sie mittags Brot und Suppe. Das hat nun aufgehört, da die materiellen Zustände sich gebessert haben. Doch gibt es noch eine große Anzahl von Kindern, die zu Hause keine genügende Nahrung bekommen und die nun ihre .frühere Mahlzeit itn Gan schmerzlich entbehren. Es wäre auch sehr notwendig und wünschenswert, den schwächlichen Kindern im Gan regelmäßig Milch zu geben. Nur, durch private Initiative war es 1ms von Zeit zu Zeit möglich, den Kindern diesen Genub zu verschaffen. Die Lehrmethode war. früher die Fiöbefcche. Doch findet in letzter Zeit auch die Methode Montesorri mehr und mehr Eingang in den Ganim. Die Vereinigung beider Methoden mit den den Verhältnissen angemessenen Aenderungen und Verbesserungen ergeben mit der Zeit ein speziell national-jüdisches System. Viel Sprachübimg mit Hilfe der kleinen Lieder und Spiele, Sin nese nt wickfung durch Anschauung und Tätigkeit, Körperausbildung durch Gymnastik und Spaziergänge. Besondere Beachtung wird der Feier unsrer jüdischen Feste zugewendet. Jedes Fest hat seine besonderen Lieder und Spiele, die ganz speziell palästinensisch sind. Während wir früher aut Uebersetrungen ange¬ Geburtswehen eines neuen Geistes für das deutsche Judentum in seiner Allgemeinheit begonnen haben. Georg Hermann schildert sein Erlebnis und glaubt, daß er es mit der Allgemeinheit des deutschen Judentums teile. Wir glauben es mit ihm, wenn wir uns auch dessen bewußt and, ein wie großer Teil nicht mehr die Fähigkeiten besitzt, das eigene Seelenleben so scharf zu kontrollieren und noch weniger Willen dazu. Herman war vor dem Kriege, was Juden in Deutschland gemeiniglich zu sein pflegen: deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. ״Ich glaubte beides, Deutscher und Jude, nicht nur im gleichen Maße zu sein, nein, ich meinte, daß ich zuerst Deutscher wäre und nur aus alter Anhänglichkeit, .... aus Pietät gleichsam noch so einen Rest von Judentum und ein paar letzte, halbverschlisseue Rasseneigenheiten mit durchs Leben trüge.“ Von dieser Anschauung ist Hermann durch den Krieg gründlich geheilt worden: ״Ich habe mich auf mein Judentum besonnen, und ich besinne mich täglicn mehr darauf. Ich habe mich nicht religiös, sondem rassenmäßig darauf besonnen. Irgendweiche dunklen Urgründe meines Wesens empfinden so etwas wie Sehnsuent und meine Seele schweift umher, um einen Fleck zu suchen, wo sie wohnen will, denn sie fühlt sich entwurzelt. . . . Der Jude ist nicht Deutscher, war es nie ganz, auch der am meisten assimilierte nicht.“ Und das Wort von der ״Doppclheirnat“ des jüdischen Geistes taucht nur, tlas ״p!ays d’amitie“, das imaginäre Heimatland, das d<er Jude i n sich trägt. Neu? Nein, gewiß nicht. Für den Nationaljuden ist das alles so alt, daß es fast wörtlich genommen - schon nicht mehr wahr ist. So haben wir einmal argumentiert, damals, als wir uns auf unser Juden tum ״besonnen“ haben. Und weil vvir’s taten, deshalb wäre es wohlfeiler Spott, über späte Besinnung zu lächeln und darüber, daß erst ein Weltkrieg kommen mußte, um sic herbeizuführcti. Denn: ״Alles kam, wie es kommen mußte!“ Aber interessant, sehr interessant ist der tiefere Grund für dieses Stchbesinnen. Nicht das Judentum ist 1 iin Kurs gestiegen, — nur die Valuta deutscher Geistesj münze ist in den Landen hermannscheti Empfindens 1 tief gesunken. Im Judentum erwächst Trost, weil aus! dem Deutschtum Enttäuschung immer größer wuchs, Palästina wiesen waren, haben wir jetzt schon ein« re» ■ebrlische nationale Kindergartenliteratur, einen großen Vor* rat schöner Lieder und Spiele, deren Verfasser, et* junger Dichter namens Küpnfs, sich dadurch ein besolideres Verdienst um die Ganim erworben hat. Nicht nur alle Feste, sondern auch das Leben des Volke» in seiner Arbeit, wie Ernte und Weinlese, sowie die Früchte und sonstige Erzeugnisse des Landes spiegel* sich in diesen Liedern und Spielen und bleiben so ein dauerndes geistiges Eigentum der Kleinen. Es existieren zurzeit in Jerusalem 11 Kindergärten mit über 1000 Kindern. Bis zur Eroberung Jerusalems durch die Engländer besaß Jerosalern nur vier hebräische Ganim, von denen zwei der* ״Hilfsvcrcin“ gehörten. Bei der Uebernahme des ganze* bchulwerkes durch den Waad hachinuch ginge* aucn diese Ganim an die zionistische Schulverwaltung über, Anfang 1918. Ab mit der Befreiung Ercz-Israefs der große Aufschwung unsrer nationalen Erziehungsarbeit begann, gründete der Waad hachinuch in klarer Erkenntnisder wichtigen Aufgabe, die der hebräische Gan bei dieser Erziehungsarbeit zu feisten hat, in den rersehiedenen Stadtteilen Jerusalems neu« Kindergärten. Mir würde der ehrenvolle Auftrag zuteil, diese KimJdrgärten cinzurichtcn und dann zu feiten. So entstanden in der ersten Hälfte des Jahres 1918 sieben neue Ganim in Jerusalem!!. Im Süden der Stadt, im V1 e r t e It Monte fiori, wurde der erste neue Gan eröffnet. Er hat drei Klassen mit 100 Schülern, meistens Sefardim. Die sefardischen Kinder sind fast alle auffallend hübsch und haben eine ausgesprochene musikalische Begabung. Die landschaftliche Lage der Kolonie Montefiori ist einzigartig schön. Gegenüber erhebt sich der Zionsberg mit dem Davidstunn, rechts senkt sich in jähem Absturz das Tal Gehinnom und in der Feme Schimmer■ die Gebirge Moabs. Zu Füßen der Kolonie, die terrassenförmig aufgebaut ist, befindet sich der Teich Satonvons, und dort ist der beliebte Spielplatz des Kindergarten». Leider sind alle Gebäude in diesem Stadtteil so klein und ungenügend, daß es unmöglich ist, ein passende* Heim für d«1 Gan zu finden. Es ist unbedingt erforderlieh, dort dem Gan ein eigenes Haus zu bauen, doch fehlten auch dafür bis dato die Mittel. Danach entstand der Gan im Bucharavierte f, das im Nordosten der Stadt gelegen ist. Die Bucharen sind aus Russisch-Asien eingewanderte Juden, die vor dem Krieg sehr wohlhabend waren und sich eine ganze Kolonie großer, umfangreicher Häuser erbauten, während des Krieges sind die Bucharen Jast völlig ▼erarmt und teilweise ausgestorben. Der Gan ist einer der ärmsten, doch tragen die Kleinen noch jetzt ihre buntseidenen Gewänder, eine Erinnerung an den früheren Reichtum. Sehr interessant ist dieser Gan in bezug auf die verschiedenen jüdischen Elemente, die ihn besuchen. In «ten drei Klassen mit 85 Kindern gibt cs: 35 Bucharen, 6 Aschkenasim, 8 Sefardim, 15 Jemeriten, 4 Perser, 7 Gturdjün, 3 ,Babe!im!, 1 Chasari. Das zuletzt erwähnte Kind gehört der einzigen hier lebenden Familie vom Stamme der Cha&aren, die vor Jahrhunderten vom Heidentum zum Judentum übergetreten waren. Die Elfem sind zwar jetzt Mohammedaner, schicken aber ihr Kind in den hebräischen Garn. Uebrigens hat fast jeder Gan 2—3 kleine arabische Schüler, die ebenso schnell hebräisch fernen wie die übrigen Kinder. Die Bucharakinder sind viel schwerfälliger im Begreifen und Lernen wie die Sefardim, doch wirkt die Erziehung im Kindergarten äußeret günstig auf sie und der Gan ist bereits zu einem wichtigen Faktor in diesem Stadtviertel geworden. ״Wir haben eine große Enttäuschung am Deutschen erlebt und wir erleben sie noch heute jede Stunde. Laßt mich offen ein hartes Wort sagen, wozu es verschweigen und vertuschen?!: Die Deutschen haben sich als schlecht* •’ Siegelbewahrer des Menschentums bewährt. Und was schlimmer ist, sie bewähren sich noch heute als schlechte Siegelbewahrer des Menschentums. ... Ja heute im Unglück mehr denn je.“ Hermann ist ״degoutiert“ durch die ״tiefe und hartnäckige Verständnislosigkeit, mit der die Oberschichten und aticfi die gebildeten und gebildetsten unter den!Deutschen allen rein menschlichen Fragen gegenüberstehen.“ Es spricht nicht für Hermann, daß sein ״degöirt“ sich erst einsteilte, als die erzwungene mittelbare oder unmittelbare Teilnahme am Verbrechen des Weltkrieges die menschlichen Seelen durch das wertende Sieb warf und die Mechanik dieses Semderimgsak tes das Resultat mit sonst nie zu erreichender Deutlichkeit offenbarte. Denn es hieße ungerecht sein, wollte man daran vorbeigehen, daß es doch auch im Deutschland des verhinderten Sozialismus eine, wenn auch kleine Gruppe wirklieh Edelster gibt, mit denen der Jude sich über Mensch heitslrngcri restlos verständigen kann. Und wenn es «ntr so wäre, daß Hermann'um eines ״degout“ willen vom Deutschtum nichts mehr wissen will: tun dieser zehn Gerechten willen dürfte er es nicht, — könnte er es nicht! Hermann spricht mit Worten, für deren Mut und Wärme man ihm Dank wissen sollte, vom Geist jettet Männer wie Eisner, Toller, ja Beia Kun und Trotzki, die dem jüdischen Spicßergemüt fast noch verhaßter sind, als der kapitalistischsten Bourgeoisie. ״Sie offenbaren nur, daß die Gedanken des Menschentums bisher bei den Juden am besten aufgehoben sind“ (Notabene: bei solchen, die selbst am wenigsten wissen, daß sie es sind). Aber gibt es nicht im Deutschtum einen Liebkriecht, einen Däumig, einen Ledebour, — gibt es nicht noch eine Anzahl anderer deutscher Menschen geringeren Formats, aber gleich«! Wesens? Ist es gerecht, wenn Hermann sich vom Deutschtum scheidet, weil es ungeistig, in einem gewissen Sinne un-menschlich ist? Uns scheint: nein! Demi so ist noch nie ein Volk gesunken, daß nicht noch Einige blieben, den«! der sich zugeselktt konnte, der auf der Höhe des Empfindens sich gehalten hat. Kurt Eisner hat mit glüiemter