Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1919-08-26 · Heft 60 (26.8.1919) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 60 (26.8.1919)
Date
1919-08-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2652135-2652195--12453-2670088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Beite 462 JÜ1DISCHI RüHDSCWAtt Nr. 60 andererseits vo» einem jßdiecfcea Kabavett i s t e n Aeußerunge* gemacht wurden, die das ■ationa!« Empfinden jedes Deutschen aufs schwerste be-;■ekligen mußten. Ebensowenig aber, wie man das in seiner überwiegenden Mehrheit du Ids a rn e und friedfertige deutsche Volk 1 für die Hetzereien des I) e u t s c h* v ö I k i - i sehen B tt n d,e s verantwortlich machen kann, e b e ■ -! sowenig darf man das Judentum für die! Cj e s c h m a c kIo sig k e i t e n eines Einzelnen; «der einiger für ihn parleinehmenden Hitzköpfe, die! vielleicht nie hteinmaldiedeutsc 11 e Staatsangeliörigkeit besitzen, haftbar madien. Die Deutsche demokratische Partei sieht in beiden Vorfällen Versuche zur Störung des inneren Frieden», die sie hiermit in gleich entschiedener Weis« verttrteilt. Sie erblickt "in dem Antisemitismus eine vergiftete Waffe der Reaktion, die sich gegen jede freiheitliche Bestrebung im deutschen Volke richtet. Die Partei und mit ihr die ihr a n g e h ö r i - gen Deutschen jüdischer Konfession steht nicht nur auf dem Boden der Gleichverpffichfung und Gleichberech- Iig u ng aller Bürger, sondern auch auf durchaus nationalem Standpunkte. Sie mißbilligt auf das schärfste jede Art der Verhetzung and jede Beleidigung berechtigter Empfindungen; sie sieht ihre edelste Aufgabe in einem versöhnenden Ausgleich der das deutsche Volk zerreißenden Gegen- Sätze, in der Arbeit an einem aufrichtigen inneren Frieden zum Segen und zum Wöhle de» gesamten Vaterlandes.•‘ Ich will hier nicht einmal geißeln, wie kläglich tmtl jämmerlich sich eine große deutsche Partei gegenfilier solch ungeheuren antisemitischen Vorfällen wie denen in Cranz benommen hat, wie bezeichnend dieses Verhalten wieder einmal für unser freisinniges Bürgerfttm ist, das nicht einmal den Mut hat, solche Vor- »ärige mit den energischsten Worten und Taten zu beantworten, sondern ich klage an, daß diese Resolution von Juden, die Vorstandsmitglieder dieser Partei sind, verfaßt ist. Weil gerüchtweise in Cranz von einem Juden ״das Deutschtum herabgesetzt worden kt“, rücken die Herren Demokraten, darunter Juden, von diesem minderwertigen ״Burschen“ ab. Die jüdischen Demo- ■!raten haben auf ihrem Berliner Parteitag ein wunderbares Erlebnis gehabt. Einer ihrer Genossen hat unter stürmischem, allseitig«! Beifall ein herrliches, ganz f.eue9 Wort geprägt: ״Wir sind national bis auf die | Knochen“. Mit dieser Devise zielten sie nun frisch״ j fröhlich in jeden Kampf und finden bei einer offiziellen Stellungnahme zu schändlichen Pogromen nur schwache Worte der Entrüstung für diese, dagegen s'arke Worte {1er Empörung für einen vaterkndslosen Gesellen, ״der ihr nationales Empfinden aufs schwerste gekränkt hat“, und dabei ihrer Vermutung nach nicht einmal deutscher Staatsangehöriger ist. Die Herren rücken entschieden von allen ״Bestrebungen internationalen Gepräges ab“. Wir empfinden hierbei auch einen leisen Hieb gegen die Zionisten, da wir ihnen ,wohl ebenso wie die russi- »dien Juden in Cranz längst ein Dorn im Auge sind, aber ich hoffe, wir Zionisten und auch unsere russisehen Brüder werden es mit Anstand zu tragen wissen, 4aJ die Herren jüdischen Demokraten von uns abrücken! J Direkte Hilfe vnrdi ta folgwadea BuMute guwÄrf: erusaleni.*) Ist. E. 90 035,567 Hebron. _ 4 562,469 ]afa. - 10 823,709 Juda» und Snmaria . — 1227 879 Haifa. _ 1 677 331 Tiberias. _ 2 990M* Bafed. 3g 593 Damaskus. - 810!500 Repatriierung von Fliichtüngen .... - 6 521,67* Flüchtlinge it* Alexand™•. - 4180 Unterstützung durch Spanisches Konsulat — 15 241,841 Lst. B. 142890,682 Hilfskomitee» würde■ in folgende» Dhitrikte■ uni•* stützt: Jerusalem.*) Lst. E. 1974,512 Hebron. - 75,28? Jaffa. - 351,431 v Judäa und Samara . — 12,320 י Haifa. — 615,794 Tiberias. — 82,566 Safed. - »7,108 lat.1. 3 36f .011 Werketitte■: Jerusalem.*) Lst E 4 189,614 Flüchtlings-Komitees:* Repatriierung von Flüchtlingen .... — 5339,806 Verschiedene Ausgaben ]erusaleni. — 3303,81• Verschiedene Städte . — •43.217 .“Lst.«. 4 146,235 Lst. E. 210 099,702 Die Bedeutung der hebräischen Sprache im gegenwärtigen Augenblick Ansprachen Sfatopolskis and UasisehkiaA. Die Englisft Zionist Federation berief für den 27. August 1919 eine Versammltmg im Ea»t End vo® London ein, in der Herr Slatopolsky über Hebritisch und die palästinensische Kultur referierte. H«rr l'ssischkin präsidierte der Versammlung. Slatopolsky führte ungefähr folgende» au■: 111״ der ersten Periode des Zionismus «ahm die hebräische Sprache in der zionistischen Ideologie denselben Rang ein wie die Kolonisation Palästinas. Zu gleicher Zeit mit der Expedition der B.ilu entstand in Rußland der Haschiloach unter der Leitung Ach ad H a a rn s, und Ben Jehuda begann »eine Propaganda für das gesprochene Hebräisch. In den ersten Jahren des Kongreß-Zionismus aber trat die Bedeutung de» Hebräischen zurück. Wohin führte diese Politik? Auf der einen Seite nach Uganda, auf der anderen Seite »1 Konzessionen an die jidische Sprache. Erst nach dem siebenten Kongreß begann man in zionistischen Kreisen gleichzeitig den Wert der Kolonisation Palästinas und di* Wer: der hebräischen Kt:1 ur einzusehen. Aber roch Das Hilfswerk in Palästina K. Z. B. Während der Zeit vom 1. April 1918 bi» 28. Februar 1919 wurden die Hilfsgelder unter folgenden Titeln klassifiziert und die entsprechenden Ge«amtsummen sind: Flilfs-Anleihen.*) ägypt. Pfund 20 762,435 Aerztliche Hilfe . 30 322,504 Direkte Hilfe . . Unterstützung von — 142 080,4182 Hilf■ kom tees . — 3 396.016 Werkstätten . . . Repatriierung von — 4 129,624 Flüchtlingen. . — 5 339,206 Vench. Ausgaben ־״ 4 146,235 ..״Lst.E 210099.702 Der ausgegebe■* Betrag wurd• folgendermaßen eingenommen: Vo u Joint Distrilv.it ion Committee in New-York . . .*)Lst.E. u׳׳d weitere Dollar ' 0000, ungefähr . . - 1;.don u. an!J. Orte Verwaltung ivor ,uikunft der Kom- Mission). Vorschutkl.Zionis! isehen Kon mission welcher wahrschein- .!c'1 vom J D. C. zu ückerstaitet wero!:n wird). 381,098 127 009 25׳ Lst. E. 152 381,098 - 48195,278 1 722,368 100,958 ד — LsL E 210199 7!b! Die Hilfsaiileihen verteilten •ich auf folgende Bezirke: Jerusalem . .....*) Lst.E. 3 - jiuia.i und Samara . — i!!־criis. — >;:fe1t. — 8 2*0,072 11397,377 846,000 124,250 104,936 Lst.E. 20762,535 Die medizinieche Hilfe •rstreckte «ich auf folgende Bezirke: Rrusalem.*)Lst.E. 18 748,266 ri-bton'.— 4.330 |nf: 1. - 8 162,128 11:1 :fa. -- 22,095 Tu was.. — 1 695,95י Safed . . . .. - 742.109 fest. E. 30322,504 immer ist die zionistische Forderung nicht radikal Und rein genug. Man verlangt Hebräisch nur für Palästina, hält aber die Hebraisierung der Diaspora für unmöglich. Dies widerspricht aber unserer primären Forderung: der Einheit des jüdischen Volkes. E i n Volk muß eine Sprache haben. Die jüdische Schute muß in der ganzen Welt hebräisch sein. Vor etwa einem Jahrzehnt kämpfte noch A chad Fla am mit den Mefize hnskala darum, daß man wöchentlich urn eine Stunde mehr hebräischen. Unterricht erteilen möge. Heute bestellt in ganz Rußland die große Organisation ״T a r b u t h-‘, welche ein ganze« hebräische« Sdiu’netz geschaffen hat. Slatopolsky berichtete weiter über die Arbeit dieser Organisation, die er zun! großen Teil geschaffen hau Es gibt jetzt vier Lehrennstftute in Rußland; außerdem eine ganz hebräische Jeschiwa, in Odessa eine Hochschule für jüdische Wissenschaft, an der der Dichter Bialik wirkt; in Charkow und Odessa zwei Volksuniversitäten. 1■ Moskau wurde an der berühmten Bühne des angesehenen Theaters von Stanislawski eine hebräische Bühne geschaffen, die so vorzüglich war, da» geltet die dem Hebräischen feindlich gesinnten bolscfievvistisehen Zeitungen ihre Leistungen anerkenne■ mußte«. Ferner schuf der Verein ״Tarbuth“ zwei Institute für Kindergärtnerinnen mit je hundert Schülerinnen und einige hebräische Gymnasien. In der Ukraine allein errichtete der Verein 183 hebräische Volksschulen und 119 Kindergärten, und hatte dort 200 Sektionen. AB«• da» wurde in einer Zeit unerhörter Leiden und Verfolgungen geschaffen. Slatopolsky besprach sodann die Mögiichkeiten der Kulturarbeit, in anderen Lindern und bedauerte daß es in Amerika drei Millionen Juden nicht vermocht hätten, eine einzige hebräische Tageszeitung zustaud-czubringen, während es dort zehn Jargon- Zeitungen gebe. Er sprach über die hebräischen Lehrer- Seminare in Kowno und Wien. Wenn wir nicht die Gahith hebräisieren würden, so wird die hebräische Kultur auch in Palästina vor der Flut der Einwanderung nicht bestehen können. Hebräisch sprechen ist heute viel wichtiger als hebräisch schreiben. In Palästina ist bereits festgestellt worden, daß nur derjenige da» passive Wahlrecht hat, welcher des Hebräischen jnä#!- tig ist. Wir werden diese Forderung auch für den Kongreß erheben. Kein. Abgeordneter darf 3n«m Kong re 8 gewählt weiden, der iiidht hebräisch kan«; kein Beamter in Palästina angestellt werden, der pidirt ■hebräisch sprächt. Nur diese heilige Kühnheit, diese Asuth diicduscha wird uns zum Ziel führen.“ Der Vorsitzende Ussischkin wie» auf die Gefahr hin, der da« Hebräjsdie in Palästina In der nächsten Zeit aufgesetzt sein wird. Da* Türkische wir für da* Hebräische keine Konkurrenz, -weil die türkische Kultur imbedeutend ist; heute aber sieht 4ie Siebe *) (Die letzten 3 Ziffern )•der Zahl bedmte■ ■rachteile eines Pfund•*,) «■de«. Ali k&rzMcti ia Ri■•!•■ le Ziaa in* liaefee Sprachku«»« «Äageridjtet vmrdea», war hei» Raum groß genug, am die Mexe« der Lernende» 5b! laaen. Wir Beben gewiß die spmcfce Shakespea*•» und Byron*, aber ein« Zeile anderer Kultur muß um teurer »ein, ais die größte Kultur eine» anderes Voh■». 1« diesem Augen bück ist e» eine besonders verantwortungsvoHe Aufgabe der engliacb sprechende^ 2bnisten, daß »k in ihrer eigenen Mine radik.il 41» hebräische Forderung erheben. Das jüdische Volk weil, daß es immer eine Minorität war und sich dennoch gegte» di« Majoritäten durchgesetzt hat. Audi im Zkntfe- «in» ■wird *ich die hebräische Minorität durchsetz■», wenn 0k am ihr• Forderung radJkal genug erh*Ms Die Lage in der Slowakei Die Tagung der slowakisches Gespaae u»d Ah• geordneten wurde vom bevollmächtigten Minister ttr die Slowakei, Dr. Sroba r, mit einer Rede eröffn•!, ia der er, wie die tschechische Tagespresse mefctet, über die Juden folgendes äußerte: ״Unsere Leute greifen uns ia ihre» Zeituag•» heftig deswegen an, weil ia der Slowakei ela Schreckensregimeat gegen die Jude* geführt, weil antisemitisch regiert werde und weil dt Juden hier kein Recht haben. Ia der Slowakei werde» die Juden nirgends verfolgt uad wen■ es doch der Fall ist, so kommt da» daher, daß sir Kettenhändler und Verräter sind, aber <te* widerfährt auch Christen im gleichen Maße. Dk Juden waren die Ausbeuter uad Aussaug• 1 des slowakischen Volkes und beim letal•■ magyarischen Einfalle sahen wir, daß sich die Jude■- schaff nicht an die Gelöbnisse hielt, die sie da» Regierung gegeben hatte, und sich u n lo y a I benatiw. Das bestätigen unsere Beamten und Soldaten. Staat»- feinde werden auf der ganzen Welt bestraft. WäV rend des magyarischen Einfalles mußten Internierung•» vorgenommen werden, wobei es zu verschiede■«» Uebergriffen kam, die aber durc! die damalige Ver- ,Wirrung ihre Erklärung linden. Die Mehrzahl «Ifer Internierten wurde auch bereits freigelassen. Binse■ 14 Tagen soll auch eine Konskription der Trafilw■ und Lizenzen durchgeführt werden. Unser Vorgeil•■ wird in dieser Frage von unserer gesamten OeffeuP Hchkeit und von ganz Europa kritisiert. Eine gpezieffe׳ slowakische Frage ist die j ü d is e hwi r t sch » ftliehe Frage, in dieser Hinsicht müssen wir wie •fe Mann einig sein. In dieser Beziehung spielten bisher Privilegien die Hauptrolle. Wir haben in der RepubBk alle Privilegien abgeschafft, also müssen wir auch lüe! diese Privilegien abschaffen, besomielp da *ie für Dienste gegen die Slowaken verliehe■ wurden, für von der magyarischen Regierung gw forderte Denunziantendienste. Die Aufrechterhaftuag von Privilegien ist überhaupt undemokratisch und m wäre unrecht, wenn diejenige« weiterhin bekämt wü»- den, die uns hier schaden. Darum müssen wir di«s« Privilegien beseitigen. Unsere wirtschaftliche Prosperitat erfordert unsere Emanzipierung vom magyarische■ Kapital, da* heute in der Slowakei die Herrsch»! führt.“ Nach dem bisherigen Verhalten der tschechische* Regierung konnte man annehmen, daß die ungeheure» Uebergriffe, die sich sowohl die Bevölkerung als aurtt die Regierung gegen die Juden der Slowakei habe» zuschulden kommen lassen, von der Zenlralregieruag scharf gemißbilligt werden würden. Diese Rede «te»; Ministers Srobera dagegen, die di« Uebergriffe ziemlich unumwunden zugibt (,,und wenn es doch der Fall bt“) stellt eine Pogromhetzrede schlimmster Sorte da!. Sie wagt es, die gesamte hunderttausend Seelen Mb-!,ende Juden« chaft der Slowakei der. Kettenhandels, 4rr Ausbeutung und des Verrats zu beschuldigen und dani! die Instinkte des Pöbels von autoritativer Seite her anzwstacheln. Es handelt sich hoffentlich dabei mehr um eine Entgleisung des Redners, als um eine Aenderuag in der uicFicchisthen judenpolitik, die nicht geeigaet wäre,. der jungen Republik, in der ein •o wich%«r und hochstehender Teil des jüdische» Volke« kbt, #r Sympathien der Welt zu erhalte■. Ein Interview mit Take Jonescu Die rumänische Zeitung ״M » ■ t u i re *“ veröffcap licht ein interview mit dem gegenwärtigen Ministe► Präsidenten Rumäniens, Herr Take Jonescu, «Iw» wir dessen Bemerkung entnehmen, daß e» für di« Juden nicht ratsam sei, sitionile Retit« zu erstreben, da sie in den Ländern des Weste■» einen viel größeren Einfluß haben, al» sie bekomme■ hätten, wenn sie ihrer Zahl gemäß vertreten wärt■. Es wäre ateo auch in Rumänien besser für sie, auf eia« solche zahlenmäßige demokratische Vertretung zu venzichten. — Take jonescu cn*i»t •a jetzt off«■!*־ gut mit den Juden! Jüdischer Nationalrat in Japan Au» Tokio wird gemeldet, dafl der V«rbaad Ar japanischen Juden eine Repräsentanz aua 12 Leute■ ausgewählt hat, um al* Jüdischer Nationalrat die totereasen de« Japanischen Judentum• au vertrete». Aus Bulgarien Ia Sofia bestehen zurzeit vier PaKstiiw-MoloaF ssttons-GeseSfechaften, und zwar ״Erez Israel“ mit 128 Mitgliedern, ״David“ mit 120 Mitgliedern ״Unk*‘׳ ntlt 10 Mitglieder» und ״Owde-Adama“ aut 48 Mitglfcde■■. Unter den Mitgliedern dieser Ge»eUac!aftea befind•■ dich verschiedene Handweifcer uad Gewerbetreibend•, aber auch Kaufteuta aowk •ia h«bräi*cbrr Lehrer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.