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Jüdische Rundschau · 1919-08-05 · Heft 54 (5.8.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 54 (5.8.1919)
Date
1919-08-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 422 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 54 Dzfennik Berlinski Unter diesem■ Titel erscheint in Berlin ein polniakftes Organ, das itni harmonischen Einverständnis mit der in Polen selbst erscheinenden polnischen Presse versucht, die Pogrome abzuleugnen oder vielmehr die Großmut der Polen• damistellen, die auf alle jüdischen Provokationen nicht anders reagieren als mit gelegentliehen Plünderungen. Man muß es der polnischen Presse lassen: sie ist gilt gedrillt, niemand tritt aus der Reihe, niemand bringt auch nur das kleinste Detail, das von der üblichen Darstellung der ״Pogromlügen״ auch nur im kleinsten abweiclit. Die Juden, in enger Freundsehaft mit Deutschen, Bolschewik! und Ukrainern (etwas merkwürdig, diese Zusammenstellung, nicht?), von totliehem Haß gegen Polen entflammt, führen einen grausamen, unerbittlichen Kampf gegen die bedauernswerten Polen. ״Da leider, der Bolschewismus sich in Polen nicht mit genügendem Erfolg propagieren läßt“ s>0 führt Dziennik Berlinski in einem■ Artikel vom 21. Juli über den Krakauer Pogrom aus, ״s>0 versucht man ein anderes Mittel: man (d■. h. die Juden!) veranstalten — Judenpogrome, die in Krakau dazu führten, daß 20 Hallereche Soldaten! verwundet wurden, auch ein franrösischer Infanterist und jüdische Burschen Christlidie Geschäfte plünderten!“ Nun wissen wir endlich, wie Pogrome verlaufen! Freilich steht dies Plündern Christ- Scher Geschäfte in einem gewissen Widerspruch mit den Ausführungen desselben Dziennik Berlinski in einem■ Artikel ״Pogrome in Berlin und in Polen“. Da wird nämlich gesagt, daß man die Plünderungen jüdischer Geschäfte in Berlin nicht als Pogrom bezeichne, weil auch christliche Geschäfte geplündert wurden, während in Polen nur jüdische Geschäfte geplündert werden, weil leider christliche infolge der ״Gerissenheit“ und der ״Bestechungen“ der ״Ostjuden“ nicht existieren. Die Kulturlosigkeit, Verwahrlosung mangelnde Ehrlichkeit dieser Juden, die der Artikel dann auseinandersetzt, geht offenbar soweit, daß man in Krakau christliche Geschäfte plündert, obwohl sie gar nicht existieren. Wirklich, ein verwahrlostes Volk diese Ostjuden, Glücklicherweise hat die Welt bereits entschieden, wem■ feie Glauben schenkt, jüdischen oder polnischen Berichten, und hat im den Bestimmungen über den Minoritätenschutz geeignete Maßnahmen zum Schutz der jüdischen Revölkerung ergriffen. Es hilft den Polen auch nichts, wenn sie (wie es Dziennik Berlinski am 19. Juli tat), die Zahl der jüdischen Pogromopfer in Polen als ganz geringfügig darstellten und demgegenüber auf die ■ukrainisehen Pogrome hinweisen, die, obwohl viel sch redelicher, von den Juden mit Stillschweigen übergangen werden, eben wegen der Freundschaft, die Juden, Deutsehe, Ukrainer und Bolschewiki verbindet. Der ״Dziennik Berlinski“ braucht nur die ״Jüdische Rundschau“ oder andere national jüdische Organe nachzulesen, um! zu finden, daß wir die ukrainischen Pogrome mit nicht weniger scharfen Worten gegeißelt haben wie die polnisdhen und er darf überzeugt sein, daß die zionistisehen Vertreter in Paris mit allen Kräften dafür eintreten werden, daß Gut und Blut der ukrainischen Juden nicht" weniger geschützt werden als Leben und -lipßl» der Juden in Polen. Im übrigen aber sollte der Daennik Berlinski des guten, alten Satzes gedenken: ״jeder fege vor seiner Tür!“ Wenn das der Dziennik! Berlinski tut, wird er dort Unrecht genug finden! * '! Aus Lemberg In Lemberg zittert die Erregung, die durch den Pogrotn im November vorigen Jahres ausgelöst worden ist, noch immer bei Polen und Juden nach. Doch ist die judenfeindliche Stimmung keineswegs geschwunden, und immer wieder treffen Nachrichten von Mißhandlungen und Ueberfällen auf Juden ein. Bei jeder Gelegenheit sucht man die Juden zu kränken und zurückzusetzen. So hat man kürzlich die jüdischen Studenten von der Universität gewiesen, mit der Begründung, sie hätten im Kampf zwischen Ukrainern und Polen Neutralität bewahrt, obwohl die Neutralität seinerzeit zwischen der Lemberger Gemeinde und den beiden Parteien schrittlieh vereinbart worden war. Diese in ihrer kränkenden Germania Judaica Mit der im Aufträge der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums von einem größeren Redaktionskomitee (unter Führung des Breslauer jiklisehen Historikers M. Brann und des Frankfurter Stadtbibliothekars A. Freimann) herausgegebenen ״Germania Judaica“*) ist die jüdische Geschichtswissenschaff um ein gediegenes Nachschlagewerk bereichert, das gebildete jüdische Publikum mit einer reizvollen literarischen Gabe beschenkt worden. Ueber der Entstehung des Werkes, dessen Anlage 1903 auf Anregung von Brann beschlossen wurde, waltete noch Moritz Stein- Schneiders hilfreiche Hand. Die ״Germania Judaica“ ist ■ein alphabetisches Verzeichnis aller Landschaften und Orte des deutschen Reiches (nach dessen gegenwärtigem Umfang, jedoch einschließlich der ehemals deutschen Bundesländer Oesterreichs), in denen von den ältesten Zeiten bis zu den Wiener Verträgen (1815) jüdische An- Siedlungen bestanden oder hervorragende Juden gelebt haben; zugleich bietet die Germania auf Grund der Quellen in knapper Form eine wissenschaftliche Darlegung der äußeren und inneren Geschichte der betreffenden jüdischen Gemeinden. Wenn man auch die zeitliche Begrenzung des Arbeitsgebietes — zunächst mit den Wiener Verträgen — billigen kann, so ist die Unterteilung dieses Zeitraumes in drei Epochen: 1. bis 1238, 2. bis zum Beginn der Neuzeit, 1500, und 3. von da ab bis 1815 allerdings insofern zu bedauern, als durch diese wohl auch vom wissenschaftlichen Standpunkt kaum unerläßliche Zerlegung der Zusammenhang der einzelnen Artikel unerwünscht zerrissen wird und, bei den flüssigen geschichtlichen Grenzen, Ungleichheiten und Wiederholungen sich nicht umgehen lassen werden. Der nun erschienene erste Teil des dem Andenken Martin PJrilippsans gewidmeten ersten Bandes reicht *) Verlag von J. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1917. XII 1*3 S., Preis geh. i M. Absicht zu deutliche Relegation der Studenten findet ihr Gegenstück in den* Ausschluß der Abgeordneten Reizes und Breiter aus dem Gemeinderat wegen Abwesenheit vom Lemberg. Dieser Beschluß wurde gefaßt, obwohl sich die beiden Deputierten entschuldigt und die Erklärung abgegeben hatten, sie verteidigten die Interessein der Polen gegen die ukrainische Bevöikerung. Prilutzky Das Unglaublichste aber ereilte den bekannten Volkisten N. Prilutzky, der vom außerordentlichen Kommissar zu 14 Tagen! Arrest «der 500 M. Geldbuße verurteilt wurde, weil er sich nicht als ״Fremder registriert hatte. Prilutzky war Mitglied des Gemeinderats Warschau, des Staatsrates Polen, des polnischen Landtages und ist seit langem■ als Advokat in Polen bekannt. Außerdem ist Prilutzky, der seit 20 Jahren i!11 Polen wohnt, also früherer russischer Staatsbürger ist, nach dem neuen Vertrage mit Polen auf jeden Fall polnischer Staatsangehöriger. Preteste Während so die Polen nach Belieben mit dien ihnen an Zahl und äußeren Machtmitteln unterlegenen Juden umspringen, versuchen die übrigen Teile des jüdisehen Volkes ihren unglücklichen Brüdern durch Wort und Tat zu helfen. In Palästina fand ein allgemeiner Trauertag statt, der Provisorische Waad protestierte in einem! Telegramm an die Friedenskonferenz, ln England fanden in zahllosen Städten Kumdgebungen gegen die Gewalttätigkeiten der Polen statt, ebenso in Amerika. Die palästinensische sozialistische Partei ״Achduth Haawoclah“ faßte den wichtigen. Beschluß, daß erwirkt werden müsse, daß die Beschränkungsmaßnahmen, die bezüglich der Immigration nach Palästina getroffen werden sollten, nicht auf die Pogromopfer an zu wenden seien. Untersuchung der PogrOme Die amerikanische ,Kommission zur Untersuchung der Pogrome hat dem Zionistischen Zentralkomitee in Warschau einen Besuch abgestattet. Die Kommission ist sehr feierlich von allen Mitgliedern des Zentralkomitees für Polen, den zionistischen Sejm-Abgeordneten, den Mitgliedern ,des Zentralkomitees für Litauen, den Vertretern des Misrachi und der Zeire-Zion empfangen worden. (Siehe auch Seite 1 dieser Nummer.) Die französische Liga für die Verteidigung der Mensehen- und Bürgerrechte entsendet eine spezielle Komis- &S011 zur Untersuchung der Judenverfolgungen nach. Polen. Wahrscheinlich wird der sozialistische Abgeordnete Monte t, der sich vielfach als Verteidiger der Juden hervorgetan hat, dieser Kommission angehören. Der Weg zur Besserung Die Frage, wie zwischen Juden und Polen! ein besseres Verhältnis hergesteilt werden könne, ist längst in dem Sinne beantwortet, daß nur eine klarere und selbstverständliche bewußt-nationale Haltung der Juden den Polen den nötigen Respekt einflößen könne. Der Weg, den diese Erziehungsarbeit beschreiten m!uß, wird durch den neuen Minoritätenvertrag angedeutet. Es muß den Polen zur Selbstverständlichkeit werden, daß sie in den Juden ein gleichberechtigtes, nationales Element vor sich haben. Hierüber sagt Max Brod in einem ״Konsolidierung, nicht Absonderung“ iiberschriebenen Aufsatz in Nr. 29 der ״Selbstwehr“ ganz ausgezeichnete Worte. Er beruft sich auf den Aufruf de9 Obersten Volksrats Posen, der der deutschen Minorität ohne weiteres alle die Rechte zugesteht, um die die ostjüdischen Nationalrate seit langem kämpfen. Kein Mensch unter den Deutsehen wird nun aufstehen ■und angstvoll flüstern, ja nicht zu sehr die nationale Eigenart zu betonen. Es von den ältesten Zeiten bis zum Erlaß der Judenordnung Kaiser Friedrichs II. (1238), umfaßt jedoch in diesem Zeitraum zunächst nur!die Buchstaben A-L (Artikel Aachen-Löwenberg); für die Herstellung des zweiten Bandes wurde sehr zweckmäßig eine Arbeitsgemeinschaft mit dem ״Gesarntarchiv der Deutschen Juden“ nach einem von dessen Leiter Dr. T ä u b 1 e r entworfenen Plan in Aussicht genommen. Die einzelnen Artikel bieten zunächst sämtliche (oft mehr als ein Dutzend) vorkommenden hebräischen Transcriptionen des Orts- oder Ländernamens, darauf in anziehender Form und lebendiger Sprache, auf deren ,Verständlichkeit besonderer Wert gelegt worden ist, den eigentlichen Text (voran einen kurzen Ueberblick über die allgemeine Geschichte der betreffenden Stadt selbst), alsdann.die gelehrten, z. T. kritischen Anmerkungen, zuletzt die Bibliographie; diese praktische Anordnung hat in der Tat ein sehr übersichtliches Textbild geschaffen. Je nach dem Stoff finden sich, neben kurzen Hinweisent auch durchgearbeitete kleine Monographien; 90 verdienen z. B. besondere Beachtung der Artikel ״Cöln a. Rh.“ (von Rabbiner Kober-Wiesbaden), der in die Abschnitte: ״Römerzeit und früheres Mittelalter, Herkunft der Cölner Juden, Wohnstätten, Haus- und Gemeindebesitz, Verhältnis zu den Erzbischöfen und zur Stadt, Verfassung um! Bedeutung der Gemeinde“ gegliedert und mit annähernd 200. z. T. sehr eingehenden Anmerkungen ausgestattet ist, ferner der gleichfalls umfangreiche und fesselnd geschriebene Artikel ״Böhmen'“ des Historikers Dr. Tykocinsky (übrigens fällt auf, daß Tykocinskys wertvoller Arbeitsanteil an dem ganzen Lexikon, der schon rein quantitativ sehr bedeutend ist, in keiner Weise auch nach außen hin genügend gewürdigt wird). Wie zu erwarten, ist die ״Germania“ auch reich an Aufschlüssen und Mitteilungen zur Kulturgeschichte der deutschen Juden, namentlich hinsichtlich synagogaler und religiöser Bräuche. Ferner darf dieses Werk gerade bei dem in unseren Tagen neuerwachten Interesse für die mannigfachen Probleme I der jüdischen Gemeinde, das sich jetzt zu der Fordegibt für die Deutschen keine andere Möglichkeit, 11 Deutsche zu sein, ״die Deutschen haben eben kein Assimilanten, nur wir Juden sind mit dieser Räude be haftet“. Ganz scharf geht Brod mit den Assimilant« zurecht, die in schamlosester Welterniedrigung aus de Betonung der nationalen Eigenart die ״Prozentnorm“ in öffentlichen polnischen Leben herleiten. Brod vergleich diese Leute mit Fleischhauern, die, wenn sie Fleisch verkaufen, auch noch Knochen als wertlose Dreingab( liefern. Wir haben ״Fleisch verlangt, folglich müssen wi! auch Knochen kriegen“, Das Bestreben der Juden miüssi Konsolidierung, nicht Absonderung sein, wie ■uns di! Assimilanten vorwerfen, denn Konsolidierung bedeute! Vertiefung und Befestigung des jüdisch-nationak! Wesens. In der polnischen Konstituante Polnische Lügen! Wahrlich, gäbe es nicht unter den Juden erbärmlich Feiglinge, die sich in maßloser Verlogenheit den Pole! anzu&chineicheln suchten, respektierte man die jii di&che Minderheit in Polen als Teil des 14 Mülionen• Volkes der Juden, man hätte das nicht gewagt, was man im Sejm in der Sitzung vom 1. Juli 191? uns zu bieten fertig brachte. Man ist ja von dei polnischen Konstituante manches an Frechheit und Schwindel gegenüber den Juden gewöhnt, was sich diese Herren aber jetzt geleistet haben, stellt den Gipfel an niederträchtiger Verlogenheit dar und!kann nur durch den Autoritätswahnsinn, der sich bei den Polen durch die lange Knechtschaft aus dem nationalen Selbstbewußtsein herausentwickelt hat, erklärt werden. Ueber diese Sitzung wird berichtet: In der Sitzung vom 1. Juli 1919 stellte der Abgeordnete, Geist■ liehe Kasimir, den dringenden Antrag über die ״Verschwörung gegen das polnische Militär“, die am 28. Mai 1919 angeblich in Krzepic stattgefunden habe. 11 seiner Rede brachte der Antragsteller klar zum Ausdruck, daß diese Verse 11 wörung seitens der Judes angezettelt worden sei und machte dabei die europäisch« Oeffcntliclikeit auf die verbrecherischen Taten der Jude* aufmerksam, die jetzt Rechte verlangen und die Europa in Schutz zu nehmen gedenkt, ln ihrem Bericht stellt« dann die Administrationskommission fest, daß die Tat■ sache des Ueberfalles auf das polnische Militär in Krzepic bestätigt ist, und daß dies ein Resultat ein« strafbaren Agitation gegen das polnische Militär war Die Kommission bezeichnete den Vorschlag des Geist• liehen als begründet und schlug der Konstituante vor, energische Mittel zu ergreifen, che Agitatoren, die Gegner des polnischen Militärs in den Westgebieten Polens sind, zu bestrafen und eine neue energisch« Untersuchung des Vorfalles vorzunehmen. Eier Rcfe rent der Kommission, der Abgeordnete Loccato, stellt« dabei fest, daß der einzige Schuldige an dieser Ver• schwörung der Jude Chaim Sei zer ist. ״Die, cfi« sich überall beklagen, sagte der Abgeordnete, daß man sie hier schlägt und ihnen die Bärte abschneidet, sie er■ lauben! sich in einem׳ solchen für Polen kritischen Moment das gegen das polnische Militär zu unternehmen.“ Abg Grün verlangte daraufhin ״alle diese Leute“ al׳ Staatsverräter zu erklären und gegen sie, wit gegen Staatsverräter vorzugehen. Gegen diese Redne« tratt dann in sehr entschiedenen Weise der zio• nis ti sehe Abgeordnete Dr. Rosen blatt aut, ״Hoher Sejm“, begann der Redner, ״damit einigermaßen die Einzelheiten der Tatsache zu verstehen sind, von der hier die Rede ist, muß festgestellt werden, was im Czenstochauer Rayon vorangegangen ist!“ Er erzählt« dann eingehend, die erschütternden Ereignisse des Czenstochauer Pogromes vom 27. Mai und schilderte hierauf die Ereignisse in Krzepic, die sich am nächsten Tag« nach dem Pogrom in Czenstochau uiji in der Umgebung derung der ״Volksgemeinde“ verdichtet hat, mit vielen seiner Einzelheiten unsere besondere Aufmerksamkeit beanspruchen. In dem Artikel ״Böhmen“ (dessen häu■ fige Bezeichnung in der hebräischen Literatur des Mittel• alters mit dem Namen ״Kanaan“ interessant ist) lesen wir z. B. von Vereinigungen verschiedener Niederlassungen zu Steuergemeinden zum Zwecke der Entlastung kleiner und weniger leistungsfähiger Gemeinden bei der Auf• bringung der königlichen Steuern. Der Artikel ״Cöln“ zeigt uns die Bedeutung der Gemeinde gerade auch al! bürgerlicher und politischer Verband. In der hessischen Gemeinde Friedberg bestand seit Alters die Sitte, daß am Chanükkahfeste jedes Mitglied unter Bannandro• hung sein gesamtes Vermögen angab, wonach die Ein- Schätzung zur Steuer erfolgte. Einige kleine Bemerkungen seien erlaubt: beim Artikel ״Elbe“ fehlt die Anmerkung 6, auf die im Text verwiesen wird; beiin Artikel ״Ilmenau“ die Angabe des Verfassers; in ,Ginsburgers Artikel ״Elsaß“ wäre wenigstens ein Hinweis z. B. auf die Juden, in Rufach (O./E.) am Platze gewesen, die man, gerade nach desselben Verfassers Arbeit über die ״Juden in Rufach“, bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts dortselbst win annehmen können. Ferner: wenn in dem dem Jahre 1241 zugewiesenen Verzeichnis von Reichsstädte- und Reichs• judensteuern des Münchener Reichsarchivs (vgl. die Veröffentlichung durch Schwalm im Neuen Archiv W ältere deutsche Geschichtskunde 1898, Bd. XXIII, S. 519 fl sowie Man. Germ, hist, constitufiones usw. III, 2 ff u. a. ■die Judeugemeinden Bopfingen, Donauwörth, Eß lingen und Lindau mit allerdings mäßigen JahressteuerJ erscheinen, so wird es nicht zu kühn sein, auch schon einige Jahre vor 1238 (dem terminus ad quem des vorlie genden Bandes) in den genannten Städten jüdische Ansiedlungen anzunehmen, und man hätte daher zura mindesten entsprechende Hinweise erwartet (vgl. hierzu Rösel, die Reichssteuern der deutschen Judengemeinde«, Berlin 1910, S. 24 und S. 82 ff, sowie Kobers analoge SchluBfoIgeruag ka Artikel ״®ortmuad“, S.« 89). Dr. 8. K.

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