Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 50 (22.7.1919)
- Date
- 1919-07-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 398 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50 % יזי «efcaittidien Gebiet auch auf die Sphäre gesdlschaftlichen und geistigen Lebens und Schaffens, schlechthin auf alle Lebensbetätigungcn ausdehnen, den Spamnung'szustand steigern und vertiefen. Die nationalkulturelle Autonomie wird eine reinliche Scheidung der heterogenen Elemente, eine heilsame Auscinanderhaltung der divergierenden Lebenssphären, ein friedliches Nebeneinander statt ein gärendes Ineinander bewirken. Die natio- «!kulturelle Autonomie würde einen Zustand friedliehen und reibungslosen Zusammenlebens der Völker begünstigen, wie er in den zwei Jahr- Hunderten der Blütezeit des Polen reiches durch die Gewährung uneingeschränkten Selbstbestimmungsrechtes in allen inneren Angelegenheiten der Fall war, jene weitgehende politische Autonomie der Juden in Polen in der Blütezeit des Reiches von der Mitte des sechzehnten, bis zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, die Herr Segel fälschlich als ״Gemeiiideautonomie“ bezeichnet und an die heute jüdische Sprecher im polnischen Landtag nur zu erinnern brauchen, um diejenigen, die in der Autonomieforderung von heute eine Gefahr für Polen erblicken wollen, in einige Verlegenheit zu bringen. Man sieht, die nationalkulturelle Autonomie ist nicht nur vom innerjüdischen, sondern in nicht minderem Maße vom Standpunkt der polnisch-jüdischen Beziehungen eine Notwendigkeit. . Davon sind die Nationaldemokraten, die ja jede polnisch-jüdische Lebensgemeinschaft verschmähen und von der Notwendigkeit einer reinlichen Scheidüng (auch in Wirtschaft, was unsinnig und undurchführbar ist*) erfüllt sind, innerlich überzeugt. Das scheint auch den leider wenig zahlreichen besonnenen polnisch-bürgerlichen Elementen, deren Blick von Haß nicht getrübt ist und die in gleicher Weise eine ״Judäo-pplonia“ nicht wünschen, durch1aus erstrebenswert. Wenn man an diese Wenigen denkt, so möchte man vor allem einen Namen wie den des polnischen wahrhaft liberalen Poli- *ikers und gegenwärtig zum polnischen Gesandten i« Wien ausersehenen Rechtsanwalts Patek nennen, der sich wiederholt in entschiedener Weise für die Kulturautonomie ausgesprochen hat, und alte jene rechtlich denkenden polnischen Politiker, die erkennen, daß das, was den polnischen Minderleiten in Litauen, in der Ukraine und in Großfußland recht ist, der jüdischen Minderheit in Polen billig sein muß. Vorläufig ,regiert freilich die vom Nimbus der in Erfüllung gehenden ״jagel- Ionischen Idee“ umstrahlte Nationaldemokratie, deren Programm eben der unerbittliche und bedingungslose Vernichtungskampf gegen die Juden ist. Wer aber über das schäumende Gewoge der Oberfläche die ruhigen steten Gestaltungen der Tiefe, über das Seiende das Werdende nicht übersieht, weiß, das schon eine nahe Zukunft über diese Partei eines bis auf die Knochen entarteten, ■ur noch von einem rasch verblassenden Vergangen- Seitsnimbus, von Haß und Gier lebenden Bürgerfums hinwegschreiten wird. Ihre blühendes Leben vortäuschende Augenblicksröte ist hektisch. Der Siegesmarsch des vierten Standes hat bereits auch drüben begonnen und kann durch keinen nationalistisehen Rauschtrank mehr aufgehalten werden. Führer, als Herr Dmowski vielleicht glaubt, wird er seine politische Todesanzeige im ״Robotnik“ lesen**). Mit denen, die ihm folgen werden, wird *) Auf diese Frage werden wir in einem weiteren Artikel zimiokkomme». Die Red. **) Die Selbstzersetzung■ der natkmaldemokrati- «dien Mehrheit hat gerade in den letzten Tagen bedeu- (ende Fortschritte gemacht. Während diese Zeilen geschrieben werden, kommt die Meldung von der Bildüng eines gegen die Dmowskisohe Mehrheitspartei gerichteten ״Blocks der Linken“, der alle (!) bürgerlichen Elemente und sämtliche Bauernparteien des polnischen Landtags umfaßt, und zwar außer den radikalen Bauern- Parteien von Thuguttsi Witos und Stapinski auch einen Teil der bisher zum nationalen Reohtsblocfk gehörigen Bauernpartei, der sog. ״Polnischen Volksveremigung“. Der alte Rechtst)lock zählt etwa 135 Mitglieder fbiser 145), die neue geschlossene nichtsozialistiscne Linke 130. Außerhalb den beiden großen Parteien stehen die P. P. S. und der Nationale Arbeiterverband (je ca. 30 Mitglie- 4er). Die polnischen Blätter bemerken, daß somit die Durchführung der Agrarreform gegen die jetzige Regierung gesichert sein dürfte. Daß diese parteipolitische Umbildungstendenz auch für die Lösung der polnischen Judenfrage nicht belangtes ist, liegt auf der Hand, und diese Erwägung gewinnt durch den Umstand an Bedeutung, daß die kleine jüdische Fraktion kv diesem parlamentarischen Schwebezustand bei wichügen politischen Entscheidungen das Zünglein an der Wage bilden würde. Dieses ist tatsächlich bereits bei der Erörterung der Agrarfrage zutage getreten, wobei, wie wir den eintreffenden polnischen Blättern entnehmen, der Linksblock sich veranlaßt sah, die jüdische Fraktion um ihre Unter stützungzubitten. Biese Tatsache ist sehr symptomatisch. Wir möchten übrigen* feststellen, daß, wie wir erst nachträglich ersehen, die Situation in einem Leitartikel der Warschauer pHagefira“ v. 10. d. M. eine treffende Würdlgung im Sinne unserer Auffassung findet Diese Umgw<ung bedeutet Indessen nur einen Anfang. eine Verständigung möglich sein. Diejenigen, die dereinst die Erde Polens von den Blutspuren seines Wirkens reinwasdien werden, erkennen unseren guten Willen und anerkennen unser Lebensrecht In diesem unseren Glauben vermögen uns auch nicht die polnischen Pogrome wankend zu machen. Sie sind keine ״politischen“ Pogrome und keine elementare Volksbewegungen, sondern als Ausgeburt eines fünfjährigen Blutrausches und der moralischen Verwilderung der Weltkriegsära Zeiterscheinungen, die den Ausnahmezuständen entspringen und mit ihnen vergehen werden. Die polnischem Pogrome sind ausgesprochene Militär- und Kriegspogrome, veranstaltet von einer verwilderten, schon ihrem Ursprung und ihrer ganzen Zusammensetzung nach abenteuerlichen, von der Mordpsychose dieser Jahre umnebelten gemeinen und hohen Soldateska, begünstigt durch eine höllische Verhetzung und ermöglicht durch das allgemeine Chaos und die völlige Ohnmacht oder die verbrecherische Lässigkeit einer Scheinregierung. Das ist der Kern, um den die natürlichen Begleit- und Folgeerscheinungen gelagert sind. Sie unmittelbar dem polnischen Volke oder der polnischen Regierung zur Last zu legen, wäre ebenso ungerecht, wie es sinnlos ist, sie als eine Parteiaktion hinzustellen, einer Partei, die sie für die vom ihr besorgte äugenblickliche auswärtige Politik Polens nicht gut gebrauchen kannte, die damit der ihr anvertrauten polnischen Sache den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen und die Durchsetzung der von ihr so leidenschaftlich bekämpften jüdischen Forderungen nur beschleunigt hätte. Nein, wir schätzen den Weitblick des Herrn Dmowski viel höher als den des Herrn Segel ein, dessen Deutungsversuche sachlieh ebenso töricht wie in ihrer Tendenz verwerflieh sind. Mit diesen Pogromen ist keine polnisdie, aber auch keine ,,israelitische“ Politik zu machen. Oie Palästinaforderungen des ״Komitees der jüdischen Delegationen“ in Paris (Drahtberichf aus Kopenhagen.) Das ״Komitee der jüdischen Delegationen“ in Paris nahm in seiner letzten Plenarsitzung am 10. Juli 1919 auf Vorschlag Motzkins einstimmig den Beschluß an, der Friedenskonferenz namens des ״Komitees“ eiir SpeziaJmemoramdtim betreffend die Palästinaforderungen des jüdischen Volkes vorzu legen. Die Versammlung beschloß unter großer Begeisterung, daß der Inhalt desMemorandums mit den Vorschlägen der Zionistisehen Organisation übereinstimmen müsse, M arshall, der gegenwärtige Vorsitzende, der am 16. Juli 1919 nach Amerika abreiste, nahm den Vorschlag mit größter Sympathie entgegen und ermächtigte das Komitee, das Memorandum in seinem Namen zu zeichnen. Marshalls Bekenntnis zu den zionistischen Palästinaforderungen ist umso bemerkenswerter, als er einer der bedeutendsten Führer des nichtzionistjschen Judentun19 in Amerika ist. Die deutschen Assimilanten werden eine große Enttäuschung erleben, wenn sie glauben, daß sie das ganze assimilatorische Judentum der Welt in der Verneinung des Zionismus auf ihrer Seite haben. Brandeis in Palästina (DnhtmeMung des Kopenhagener Zionistischen Büros.) Aan 8. Juli 1919 traf Louis D. Brandeis in Jerusakm e'.i. ln Lydda wurde er von Dr. Friedenwa.d, von Beamten der ״Zionistischen Palästinakommissten‘ , von Vertretern der britischen Verwaltuugsk behönden, der amerikanischen ״Zionistischen Aerzte- Expedition' und jüdischen Legionären empfangen. Im britischen Hauptquartier hatte er eine Bewegung mit den Generalen Shea und Edwards. Bei den Empfangsfeierlichkeiten in Moza hielten J e I! in und Brande«* Ansprachen. Der eigentlich offizielle Empfang fand dann am 13. Juli 1919 in den Räumen der Lemelschule in Jerusalem statt. J e 11 i n überreichte eine Begrüßungsadresse, in der die amerikanischen Bemühtmgen für Palästina während des Krieges gewürdigt werden und die Hoffnung auf eine günstige Entwicklung Palästinas ausgesprochen wird. Alle Elemente der Bürgerschaft nahmen an dem Empfang teil. Am 14. Juli 1919 traf Brandeis in Jaffa ein, wo derChachambaschi und Dr. Thon ihn mit Ansprachen begrüßten. In Tel-Awiw wurde Brandeis Ankunft durch ein öffent- Hohe« Fest gefeiert Tagung des Poale Zion-Verbandes Ja Stockholm Ist In diesen Tage■ eine Beratung eröffnet worden, zu der sämtliche Landesorganiaattenen der Poate-Zfon aufgefordert wurden, Vertreter zu entsenden. & sind außer den Mitgliedern des VcrtamWbüros Delegierte am Polen (Jahrblum), der Ukraine (Rewutzki), Deutsch-Oesterreich (Serpcw, Michel Kohl), Tschechostowakien (Rudolf Kohr») und Deutschland (Rubaschow) anwesend. Vertreter Englands, Amerikas und Palästinas werden erwartet. Es wurden zunächst Kommissionen gebildet, und zwar: Für die Reorganisat ion des Verbandes, l>estehend aus Rewutzki, Rud. Kohn, Jahrbhmt, Rubaschow, für Palästinaarbeit bestehend aus Kaplans!}, Rubaschow, Jahrblum, Rewutzki, und für die Internationale, bestehend aus Chasanowitsch, Locker, Rewutzki, Serpow. Die Arbeiten der Kommissionen haben bereits begonnen. Die Araber und der Zionismus Der arabische Klub in Jerusalem veröffentlicht in der gesamten syrischen Presse folgendes Telegramm aus New-York: An den arabischen Klub in Jerusalem. 1. Wir erhielten Euer Telegramm, welches uns in klarer Weise Eure wahren Gefühle für Palästina bewiesen hat. Wir haben es vorgelesen und es hat einen guten Eindruck bei Uns gemacht. Das Telegramm habe* wir in sämtlichen arabischen und amerikanischen Zeilangen veröffentlicht. 2. Wir wandten uns mit vielen Telegrammen an Euch betreffs der Eröffnung e iner nationale» Agrarbank, die dem arabischen Fellachen helfe■ soll, dam iternichtgezwungenwerdenkann, seinen Boden an die Zionisten zu vcrkaufen. Wir sind sicher, daß die Gründung ein» solchen Bank des beste Mittel bietet, um der erschrecke», den Gefahr der zionistischen Kolonisation vorzubeugen, Wir haben daher beschlossen, die genannte Bank zu gründen, und wir sind sicher, daß jhr uns helfen werdet, unsere Bestrebung zu vefwirk liehen. gez. Der Palästinensische Verein für Anti-Zionismus in New-York. Die in Damaskus erscheinende arabische Zeitung ״Milkatabs“, die obiges Telegramm veröffentlicht, be merkt hierzu: Wir freuen uns, daß unsere Brüder, die palästinensehen Araber, Mohamedaner und Christen, sich en schlossen haben, der ihnen drohenden Gefahr entgegen■ zutreten. Nur durch Eisen kann das Eisen gehämmiei werden, und der fließende Geldstrom kann nur durc einen entgegengesetzten Geldstrom־ aufgehalten werde Das ist das beste Mittel zur Bewachung unserer Land» reien und ihrer Aufbesserung. Wir hoffen zuversichtlich, daß dieser Vorschlag in allernächster Zukunft verwirk, licht wird. Gott schütze den, der sein Vaterland schützt! Es ist zu hoffen, daß derartige Versuche, die anbisdi-jüdischen Beziehungen zu trüben, an der gesun• den Einsicht der arabischen! Führer scheitern werde!, Der Emir Fafeul hat in seinem bekannten Brief an die zionistische Organisation sehr treffend und Schön ausein• aiidergesetzt, daß Araber 1und Juden in Eintracht an Aufbau des Vorderen Orients tätig rein können, und daß nur Böswillige geneigt sein können, vermeidbar! Reibungen zu tiefen Gegensätzen aufzubansche*. Clemenceaus Begleitschreiben zum Vertrag mit Polen (Meldung des Kopenhagener Büros.) In dem Begleitschreiben, mit welchem der fräs• zösische Ministerpräsident Cltmenceau den Vertrag der alliierten und assoziierten Mächte mit Polen an de» polnischen Ministerpräsidenten Padere wski gesandt hat, werden eingehend die Gründe behandelt, die die Alliierten veranlaßt haben, dem Schutz der Minorität« in Polen ihre besondere Aufmerksamkeit zu widmen und deren Rechte in diesem Vertrage festzulegen. Es wird darauf hingewiesen, daß auch früher bei da Gründung neuer Staaten die formelle Anerkennung derselben seitens der Großmächte davon abhängig gemacht worden ist, daß ein solcher neuer Staat sidi in Form einer bindenden internationalen Konvention! verpflichtete, gewisse Regierungsprinzipien zu erfüllen; Bezüglich der Judenfrage heißt es wörtlich: ״De Punkte 10 und 12 beschäftigen sich insbesondere mit den jüdischen Staatsbürgern von Polen. Die den hauptsächlichen alliierten und assoziierten Mächten zur Vcr• fügung stehenden Informationen über die gegenwärtig« Beziehungen zwischen den Juden und den übrigen polnisehen Staatsbürgern haben sie zu dem! Schluß geführt, daß angesichts der historischen Entwicklung der jüdi sehen Frage und der großen Erbitterung, die sie her vorgerufen hat, ein besonderer Schutz für de Jude* in Polen notwendig ist. Diese Bestimmungen sind auf das Minimum dessen begrenzt worden, was unter de» gegenwärtigen Umständen notwendig erscheint, nimlid auf die Errichtung jüdischer Schulen und den Schuh der Juden in der religiösen Beobachtung ihres Sabhatt Es wird angenommen, daß diese Bestimmungen keia Hindernis für die politische Einheit Polens schaffe* werden. Sie bilden keine irgendwie geartete Anerkenn«« der Juden als einer besonderen politischen Gemeinschaft innerhalb des polnischen Staates. Die Bestimmung« betreffs des Erziehungswesens enthalten nichts andere« als was in den Erziehungsinstitutionen vieler hochentwickelter moderner Staaten bereits vorgesehen ist. M Anerkennung und Unterstützung von Schulen, in dene! die Kinder in den religiösen Einflüssen erzogen werden an die sie zu Haus gewöhnt sind, ist im feiner Weist unvereinbar mit der Souveränität des Staates. Weit• gehende Schutzmaßregeln gegen den Gebrauch nicht• polnischer Sprachen zun* Zweck der Stärkung ein« Geistes der nationalen Separationen sind in der am drücklichen Anerkennung vorgesehen daß die Bestim• immgen dieses Vertrages den polnische■ Staat nicht daran bindern, de polnische Sprache h ,allen Schul« und Erziehungsanstalten obligatorisch zu mache».“ Ni Anki nati ß glie inte Jaffa mit Die I Reil» aus 1 Z io sie 1 ment des! Jell und der 1 bezü! 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