Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1919-07-01 · Heft 46 (1.7.1919) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 46 (1.7.1919)
Date
1919-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652135-2652181--12345-2669966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ימי I* Seite 368 Jüdische Nationalfeier in Prag Der englische Gesandte über Englands Sympathien für den Zionismus — Masaryk für die nationaljüdischen Forderungen (Telegramm des Prager Jüdischen Nationalrates.) Am 21. Juni 1919 wurde von der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Prag anläßlich der Anerkennung der nationalen Rechte des jüdischen Volkes auf der Friedenskonferenz ein Festkonzert veranstaltet, dem der eng- Hache Gesandte Cecil Cosling und der Präsident der tschecho-slovakischen Republik Masaryk beiwohnten. Auf die englischen Begrüßungsansprachen des Vertreters der Lesehalle lind des Präsidenten des Jüdischen Nationalrates Dr. Singer, versicherte der englische Gesandte in einer längeren englischen Rede der zionistischen und nationaljüdischen Bewegung Englattds wärmste ■Sympathien und gab einen historischen Rückblick auf die philozionistischen Bemühungen in England, und erwähnte schließlich, als er von den hervorragendsten Juden Englands sprach, die Namen Moses Montefiore, Lord Reading und Herbert Samuel. Der Gesandte gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich Palästina unter großbritamiischer Aeglde zu einem blühenden jüdischen Gemeinwesen entwickeln werde. Nachdem Präsident Masaryk von denselben Rednern wie der englische Gesandte begrüßt worden war, antwortete er etwa folgendes: ״Beide Herren haben in ihren Reden auf mein Verhältnis zur zionistischen und nationaljüdischen Bewegung Bezug genommen. Sie wissen, daß ich auf das moralische Moment in dieser •Bewegung das größte Gewicht lege. Ich kann heute nur wiederholen, daß sich an meinem Verhältnis zu den Nationaljuden nichts geändert hat. Ich kann nicht einsehen, warum in unserem Staate, in dem schon mehrere Nationen leben, uns die jüdische Nation hinderlieh Sein könne. Ich kann Ihnen versichern, daß ich, soweit ich auf Grund der Verfassung die Möglichkeit dazu habe, meine Anschauungen auch auf politischem Gebiete ins praktische umsetzen werde. Auf mich können Sie immer rechnen.“ Nachdem sodann die erschienen nationaljüdischen Vertreter Böhmens und Mährens vorgestellt worden waren, wurde in dem völlig ausverkauften größten Konzertsaale Prags die jüdische Nationalhymne auf der Orgel gespielt, die von dem Präsidenten Masaryk, dem englischen Gesandten und dein Publikum stehend angehört wurde. Der ״Daily Telegraphe“ über die günstigen Aussichten des Zionismus Mr. Percival Landon, der Spczialkorrespoudent des ״Daily Telegraphe“ schreibt, wie uns unser ״Kopenhagener Büro“ telegraphiert: ״Es ist interessant, festzustellen, daß die Zionisten mit den Pjänen der zukünftigen Entwicklung Palästinas große Fortschritte machten. Ein großer Teil des zukünftigen Gedeihens des jüdischen Staates wird zwar davon abhängen, welche Grenze tatsächlich im Norden gewährt wird; doch die Zionisten sind bereits jetzt mit Plänen für die Wiederbevölkerung und die Wiederaufrichtung Palästinas faesdhäftigt. ... An diesem Versuch des Wiederaufbaus ist die ganze Welt interessiert; er hat den fast einzig dastehenden Vorteil, so ziemlich das einzige Projekt vor der Friedenskonferenz zu sein, das ohne Verkleinerung des Reichtums oder des Gedeihens irgendeiner anderen Nation voll erfüllt werden kann. Intensive Kultivierung ist die fundamentale Bedingung des gegenwärtigen Planes. Die nötigen Menschen und das nötige Geld sind ohne Schwierigkeit zu beschaffen. Als Vorbedingung für ihre Arbeit wird von führenden Zionisten die Uebertragung des Mandates für Pakirtina an Großbritannien betrachtet, ein Kompliment für die britische Verwaltung, dem die übrige Welt sich gern anschließen wird. Die Äeußerungen eines so bedeutenden Blattes wie des ״Daily Telegraphe“ über die ständige günstige Weiterentwicklung der Palästinafrage irn zionistischen Sinne beweisen von neuem, wie gänzlich unbegründet die' meist von jüdisch-anti zionistischer Seite verbreiteten Gerüchte über eine politische Schlappe der zionistischen Bewegung sind. Aus diesen Worten, sowie aus Dr. Weizmanns Reden auf der Londoner Jahreskonferenz, und den gleichfalls in dieser Nummer voröffentliditen Mitteilungen über die zionistischen Forderungen im Friedetisvertrag mit der Türkei geht deutlich hervor, daß die Aussichten für den Zionismus äußerst günstig sind. Der Wertlaut zweier Memoranden des amerikanisch Jüdischen Kongresses Wilsons Antwort Wie das ״Kopenhagener Zionistische Büro“ berichtet, veröffentlicht die Amerikanische Zionisten- Organisation den Wortlaut von zwei Memoranden, betitelt: ״Der jüdische Rechtsanspruch auf Palästina“ und ״die Rechte der Juden in anderen Ländern“, •die von Vertretern des A tri erikanis e 11 e 11 Jüdischen Kongresse s am 2. März 1919 dem Präsidenten Wilson überreicht wurden. Dem Wortlaut der Memoranden vorangestellt ist die . englische Regierungserklärung vom 2. November JUBDISßHE RUNDSCHAU Nr. 46 1917, eine Zusammenstellung■ über die Daten der übrigen Regierungserklärungen zugunsten der zionistischen Be- Strebungen und die folgende Antwort des Präsidenten Wilson an die Delegation des Amerikanischen Jüdisehen Kongresses auf ihre Vorstellungen bezüglich der Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina. Diese Antwort lautet wie folgt: ״Was Ihre Vorstellungen bezüglich Palästina betrifft, so habe ich schon früher meine persönliche Billigung der Deklaration der britischen Regierung bezug- Reh der Bestrebungen und historischen Forderungen des jüdischen Volkes mit Bezug auf Palästina ausgedrückt. Ich hin aber auch davon "überzeugt, daß die alliierten Nationen mit vollster Zustimmung unserer eigenen Refierung und unseres Volkes, damit einverstanden sind, aß in Palästina die Grundlage eines jüdischen Gemeinwesens gelegt werden soll.“ — Das Metnbrandum betreffs Palästinas behandelt die historischen Grundlagen der jüdischen Forderungen und gibt eine Uebersicht über die Aktionen der britischen und anderer Regierungen. Verlangt wird die Anerkennung der Bestrebungen und historischen Forderungen des jüdischen Volkes bezüglich Palästinas durch die Friedenskonferenz, die Uebertragung des souveränen Besitzes von Palästina an die zu bildende Liga der Nationen und die Uebertragung der Regierungsgewalt an Großbritannien als Mandatar der Liga der Nationen. (Der Wortlaut der Forderungen ist bereits frülier veröffentlicht worden.) Das Memorandum über die Rechte der Juden in anderen Ländern lenkt die Aufmerksamkeit des Präsidenten auf die unglückliche Lage der Juden in! Osteuropa und verlangt, daß die Friedenskonferenz wirk same Garantien für deren vollständige bürgerliche, religiöse, politische und nationale Rechte schafft. In besonderen Abschnitten wird die Lage der J uden in Rußland, Rumänien, Pole n, Tscnecho-Slowakien, Galizien und Transs y I v a n i e n behandelt, wobei mit besonderer Ausführlichkeit auf die Probleme eingegangen wird, die sich für die Lage des jüdischen Volkes aus der Schaffung neuer selbständiger Staaten und der Gebietserweiterung bereits bestehender Staaten in Osteuropa ergeben. Die Forderungen, die gestellt werden, entsprechen im wesentlichen den Forderungen, die das'״••־ Komitee der jüdischen Delegationen“ in Paris am 12. Juni offiziell dem Sekretariat der Friedenskonferenz überreicht hat. Unterzeichnet sind beide Memoranden von Richter bilian W. Mack, Louis M a r s h a 11, Stephen S. W i s e und Bernard G. Richards als Sekretär. Die Einheitsfront der italienischen Juden Das Memorandum der Vertretungen der italienischen Judenheit an die Friedenskonferenz Unserm italienisdren Bruderorgan, dem in Rom erscheinenden ״Israel“ €ntnehmen~wir, daß die drei großen italienischen Organisationen, das ״Komitee der israelitisehen Gemeinden in Italien“, die ״Zionistische Vereinigung für Italien“ und die ״Rabbinervereinigung für Italien“, sich zur Zusammenarbeit zusammengeschlossen haben und im Mai durch die Vermittlung des Ministers des Aeußern, Baron Sonn ino, an die Friedenskonferenz ein Memorandum geschickt haben, in dem mit großer Ausführlichkeit die Palästinaforderung des jüdischen Volkes begründet wird. Es wird darin ausgeführt, daß die Juden, die solange zerstreut gewesen sind, stets als Lösung ihres Problems die Rückkehr nach dem Lande angeseiien hätten, auf dessen Boden ihre ethischen Ideen entstanden sind. Weiter wird die Forderung damit gerechtfertigt, daß es den Juden in der relativ kurzen Zeit der neuen Kolonisation Palästinas gelungen ist, das von ihnen bebaute Land wieder fruchtbar zu machen. In dem nun folgenden Teil wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß" die Juden, die doch wüßten, was es heiße, Fremdlinge im Lande zu sein, die Rechte aller anderen dort wohnenden Völker, Rassen und Religionen aufs peinlichste wahren würden. Die Palästinaforderung berühre selbstverständlich nicht die Stellung der Juden in den Ländern, in denen sie augenblicklich wohnten und an denen sic hingen. Schließlich wird dann von der Fliedenskonferenz die Erfüllung der Forderungen, die W e i •z m a n 11 und Sokolow am 27. Februar 1919 von dem Rat der Zehn vorgetragen haben und die von diesem im Prinzip anerkannt worden sind, verlangt, sowie die Gewährung der Rechte für nationale Minderheiten in den Ländern, in denen sie in Massen leben. Für das Komitee der Gemeinden zeichnete Advokat A. S e r e 11 i, für die Zionistische Organisation Advokat F. Ravenna, für die Rabbinerorganisation Rabbiner Dr. J. Colo in b o. Der Zusammenbruch der Jüdischen Gemeinden in Rußland Wie der ״Wiener Morgenzeitung“ gedrahtet wird, fand in Moskau eine Konferenz der jüdisch-demokratischeu Gemeinden statt. Auf der, Tagesordnung stand die Frage der Liquidierung des Zentralkomitees des Gemeindeverbandes, dessen weitere Existenz im Hinblick auf den bereits erfolgten Zusammenbruch tier Provinzgemeinden zwecklos ist; der Rechenschaftsbericht spiegelte. den völligen Zusammenbruch der jüdischen Gemeinden in Groll-Rußland wieder. In Moskau ist man darauf gefaßt, daß eines schönen ,Tages die dortige Jüdische Gemeinde geschlossen werden wird. Farbstein in den Sejm gewählt Der ״Wiener Morgenzedtung“ wird tetegraphisi ans Warschau gemeldet, daß bei den in Bialy s t o k soeben durdhgeführten Wahlen zum polnisch( Landtag der Zionist H. Färbst ein aus Warsdia zum Abgeordneten gewählt wurde. Taufpsychose in Budapest Die bolschewistische Herrschaft in Budapest hat <1 ' '־' ־' ׳ -׳־ י’'■,"■"? treten. Man kann sich* diesen Vorgang nur so erkläre! daß die Budapester Assiujilanten nicht an die Dau< der bolschewistischen Regierung der Ungarn glaube und fürchten, daß die Gegenrevolution ihre Herrschaft ni Judenpogromen eröffnen würden, da bekanntlich übera die Meinung verbreitet ist, daß der Bolsdhewismu ein jüdisches Produkt sei. So ist die Taufe dann in die richtige Konsequenz der assimilatorischen Angstpo täk. In normalen Zeiten sollen in Budapest jährlidi ungt fahr 250 Taufen stattgefuriden haben, ln den letzte Wochen mehr als 700. Die Judenfrage in Rumänien Bratian us Juden feindliche Politik. — An dauernde Schikanen. — Pogrome rutna ni sehe r Soldaten in Ungarn. Herr Bratianu und seine Regierung versuchen imme wieder, die Entente und die übrige Welt über ihr schamlose Judenpolitik lünwegzutäuscheti. In Nr. 4 der ״Jüdischen Rundschau“ machten wir darauf an! merksam, daß die Juden den! neuesten Dekn der rumänischen Regierung, das ihnen auf Ansuche! in geeigneter Form die rumänische Staatsangehörigke verspricht, mit schärfstem Mißtrauen gegenübersteher Wie es noch bis in die letzte Zeit hinein mit de Lage der jüdischen Bevölkerung in Rumänien bestell war, zeigt der folgende Bericht: ״Gleich nach der Rückzug der Deutschen hat die antisemitische Hetze ii Rumänien derartige Formen angenommen, daß es vieler orts zu Plünderungen und Gewalttätigkeiten gegen übe Juden gekommen ist. Hierbei sind auch eine ganz Reihe von Todesfällen zu verzeichnen. Der Polizei Terror gegenüber den jüdischen Geschäftsleuten ist ei! derartiger, daß die Leute ,sich nur mit allerschwerste! Geldopfern retten können. An der Spitze der Regierur! steht noch immer Bratianu, der den Juden durcliau nicht freundlich gesinnt ist. Wegen angeblich« politischer Betätigung während der Okkupationszci sind eine große Menge von Juden, daran tc auch viele Frauen, interniert. Diese Internierten habe! ein sehr hartes Schicksal zu erleiden, und man sollt( versuchen, iu Paris zu ihren Gunsten zu intervenieren Die Angaben, daß die Entente-Vertreter in Rtnnänie! eine wirksame Aktion zugunsten der jüdischen Bevölkc rung unternommen hätten, entsprechen leider nicht de Wahrheit. Richtig ist jedoch, daß die amerik.-i nische Gesandtschaft der«,rumänischen Regie rung die Unterdrückung von Plünderungen und Aus schreitungen gegen die Juden nahegelegt hat. ln du letzten Zeit sind keine eigentlichen Ausschreitunge; gege׳n die jüdische Bevölkerung vorgekonmien^ drei leidet dieselbe nach wie vor unter den Schikanierunge! der Behörden und der Beamtenschaft, die sich durcl Hetzereien bemüht, auch die Stimmung der Bevölkeren״ gegen die Juden aufzubringen. Es kann also keine Rede davon sein, daß die jüdische Bevölkerung Rumäniens!!! Ruhe und Sicherheit lebt. Furchtbare Grausamkeiten sollen von r u m ä 11 i s ch e n Truppen an der jüd i s c 11 e n he• völkerung in den okkupierten Teilen U!1• g a r 11 s begangen worden sein. Authentische Berichte darüber liegen aber noch nicht vor.“ Literarische. Mitteilungen Ein talmudiscltes Kapitalwerk. Der bekannte Talmndgdehrte und hebräische Sehr!!!״ steiler Dr. Ch. Tschernowitz hat, wie das ״Köper!- hagener Zionistische Büro“ berichtet, soeben mit «Jcr Herausgabe eines taumidischcn Kapitalwerkes begonnen. Das Werk heißt K i z u r H a t a 1 m u d und ist eine kurze Wiedergabe des Talmuds mit einem wissenschaftlichen Kommentar, um das Talmud-Studium im Judentum zu seiner früherer! Popularität zurückzufiühren. Der!־»׳ kürzte Talmud bezweckt nicht eine Einschränkung seines Inhaltes, sondern die Erleichterung seines Studiums und die leichtere Verbreitung seiner Schätze. Der Kommentar, der dem Werke angeschlossen ist, hat die bekannten t:«Jmudischen Kommentare zur Grundlage. Int Prospekt des Verlegers M. Ro 11 bi ne, Lausanne (1 Rue Pichard) heißt es: ״Der Kizur Hatalmud soll ein Voltsbuch werden und soll Eingang finden, sowohl in den Familien wie in den Schulen. Er eröffnet allen Suchender, die Quellen des großen Buches, das nicht mehr eö verschlossenes Buch sein soll, in dem sich nur Einzelne und Auserwählte zurecht finden, sondern Gemeingut deganzen Volkes werden soll. Jeder, der lernen will, komm׳•■ und lerne. Der Kizur Hatalmud "bringt;das verlorene Gut zurück. Der Talmud kam vom Volke und soll zum Volke zurückkehren.“ Bis jetzt ist mir der erste Teil erschienen, enthaltend R e r a c n o t h, Rose h Hase h a 11 a h und j o in V Der Preis des ersten Teiles beträgt 15 Frcs, > '1 fl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.