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Jüdische Rundschau · 1919-06-24 · Heft 44 (24.6.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 44 (24.6.1919)
Date
1919-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 44 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 355 44 Frank, as aut /erden Sorge Ord! lügend Frage ist«:1s tsführ. onalerj n, Wir diese Nur «“ zu;espr*- Jeschiwah in Jerusalem, 6 Jerusalemer Tal - riiud Thoras und der T a chkeraon i 1und der orthodoxe Kindergarten in Jerusalem. Zur Verbreitung■ der hebräischen Sprache wurden audh Abendkurse in Jerusalem, Jaffa und anderen Orten eingerichtet. An der Spitze des hebräischen Schulwesens stehen die Herren Dr. Epstein, Dr. Lurie und Dr. T u r o w. Seitens der Zionistischen Organisation erhält das Schulwesen reichliche Unterstützung. Das Schul-Budget beträgt heute dreimal so viel wie in früheren Jahren, doch ist diese Aufgabe von den Zionisten willig übernommen worden im Hinblick aut den großen erzieherischen und politischen Wert unseres hebritischen Schulwesens in Palästina. Eine französische Bank in Syrien Nach einer Mitteilung des ״Neuen Orient“ hat die ״Banque Imperiale Ottomane“ in Konstantinopel, um die französischen Interessen in Syrien zu erweitern, beschlossen, eine Zweigstelle der ottomanischen Bank unter reiner französischer Leitung in Syrien zu errichten. Das neue Unternehmen soll den Namen ״Banque de Syrie“ führen. [geteilt d ath : palä• / asser- Hamalschafi lischen ischen, fliehen ze für e Aus• »;enden wortmnach 1mm 1 i c n , :hem wer;che, 1 f e n 1 de t wer- Durch glaubt rration n Teil chsene ysische wert- I nicht gewiß Krieg instige II auf• ist je. :. Der einzig : fort• m soll wissen :ht ge- נ mm en ändern 0 geie An• ehrzeit neue Meeres tschaft 3rund. 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Aus Mähren sind bisher gemeldet: In Brünn ein Nationaljude, ein Poale-Zion, Olmütz zwei, Leipnik vier, Hollischau, Ungarisch-Hradisch, Trebitsch, Wischau, Gaya je drei, Prerau, Proßnitz, Kremsier, Ungarisch-Ostrau je ein, Bisenz (Juden- *tadt) fünf, Bisenz (Stadtgemeinde) ein, Boskowitz (Judenstadt) acht, Boskowitz (Stadtgemeinde) ein Abgeordneter. Im ganzen sind bisher über 70 Mandate gemeldet. Dieses überraschende Ergebnis zeigt, daß überall, wo ernsthaft für unsere Sache gearbeitet wird, Fortschritte zu verzeichnen sind, und daß die jüdischen Massen es immer mehr begreifen, daß nur die nationalen Juden imstande sind, ihre Interessen in dem Staate, in dem sie leben, mit dem nötigen Nachdruck zu vertreten. Wir beglückwünschen unsere Gesinnungsgenossen in Tscheche- *lowakien aufs herzlichste zu dem schönen Erfolge, den sie errungen haben. Aas der Slowake! Der Volks verband. — Das jüdische Schulwesen. Am 25. Mai 1919 fand in L iptos szen t M i k los eine vom Volksverbande der Juden für die Slowakei elnberufene jüdische Volksversammlung statt, an weleher Delegierte der Kultusgemeinden aus den Komitaten Lipto, Arva und Turoo teilnahmren. Dr, Leo Sipos und Sekretär Emil W a י d s t e i n erstatteten das Referat über die Tätigkeit des Volksverbandes der Juden für die Slowakei. Dein jüdischen Nationalrat in Prag wurde der wärmste Dank der Versammlung für seine Verdienste ausgesprochen. Der Volksverband wurde aufgefordert, aut Grund gesammelter Daten bei den maßgebenden Stellen der Republik zwecks einer gerechten Behandlung der jüdischen Bürger vorstellig zu werden und zur Gründung einer jüdischen Presse für die Slowakei sofort geeignete Schritte zu unternehmen. Es gibt in der Slowakei über hundert jüdische Volksschuien mit mehr als 150 Lehrern, einige Bürgerschulen und eine Realschule. Die jüdischen Lehrer, die an diesen Schulen unterrichten, haben teilweise katholische Präparandien besucht, auf denen sie wie die Lehrer anderer Konfessionen vorgebildet wurden und außerdem jüdischon Religionsunterricht erhielten, der nur allzu häufig vernachlässigt wurde. Aber auch diejenigen Lehrer, die die israelitische Präparaindie in Budapest besuchten, wurden dort nicht im nationaljüdischcn Geiste erzogen. Die Lehrer sind zu.n1 großen Teile Assimilanten. Aut der Grundlage dieser unerfreulichen Verhältnisse kommt Adolf R e 1 c h e n t a 1 in einem Referat, das er aut der Konferenz der slowakischen Nationaljuden in Pistvan gehalten hat und das im ״Jüdischen Volksblatt“ (Mährisch-Ostrau) veröffentlicht wurde, zu dem Ergebnis, dab die wichtigsten Aufgaben auf kulturellem Gebiete darin bestehen, geeignete Lehrer heran zubilden. Die zweite Forderung des Referenten geht dahin, jüdische Schulen auch für das weibliche Geschlecht einzurichten. Im übrigen fordert Herr Reichenthal Unterstützung jeder Art von Jugendarbeit, Schaffung von Bibliotheken, Förderung des Unterrichts der hebräischen Sprache und Förderung von Ackerbau- und Gewerbeschulen. Die Politik der Juden In der Diaspora Die Fragen der nationalen Rechte der Juden in den Ländern der Diaspora sind jetzt durch die Ueberreichung des diesbezüglichen Memorandums des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris an die Friedenskonferenz sehr akut geworden. Es ist deshalb von Interesse zu erfahren, was Robert W e 11 s c h bereits vor einiger Zeit in der von Dr. Benno K a r p e 1 e s herausgegebenen, außerordentlich wertvollen Wiener Wochenschrift für Politik, Volkswirtschaft und Literatur ״Der Friede“ in einem ״Jüdische Volkspolitik“ überschriebenen Artikel hierzu sagt. Der Verfasser nimmt sich zum Ausgangspunkt einen in derselben Zeitschrift erschienenen Aufsatz Dr. Zieglers über ״Nationalisnrws und Judentum“, in welchem dem jüdischen Nationalismus vorgeworfen wird, daß er sich durch nichts vom Nationalismus anderer Völker unterscheide und Gewaltpolitik treibe. Der Verfasser weist diese Be- Preisausschreiben. Die zionistische Vereinigung für Deutschland erläßt ein Preisausschreiben für zwei zionistische Propaganda-Broschüren. u11111111111111111111H11111111111!m1111111111111n111n11m111!111111n111111111111111111!11111m1H1111u1!!!11111111111!111111!111H1M Die erste Broschüre soll unter dem Titel: ״Das Programm des Zionismus“ die geistigen Grundlagen der Bewegung behandeln. Die zweite Broschüre soll unter dem Titel: ״Die zionistische Bewegung“ die politischen sowie kulturellen Aufgaben und Leistungen der Zionistischen Organisation und ihrer Institutionen in Palästina und im Galuth darstellen. Umfang jeder Broschüre höchstens drei Druckbogen. Für jede Broschüre wird ein erster Preis von 1000.— M. und ein zweiter Preis von 500.— M. ausgesetzt. Durch Verleihung des Preises erwirbt die ״Zionistische Vereinigung für Deutschland“ samtliehe Rechte am Manuskript. Es bleibt vorbehalten, nur einen von beiden Preisen zu verleihen, oder bei gleichwertigen Arbeiten beide Preise zwischen zwei Autoren zu teilen, Die Z. V. f. D. ist ferner berechtigt, nicht preiagekrönte Arbeiten zum Preise von 400 Mk. zu erwerben. Die Manuskripte sind ohne Nennung des Autors bis zum 1. September 1919 einzusenden. Gleichzeitig ist ein verschlossener Umschlag beizufügen, in dem sich Name und Adresse des Autors befinden müssen. Das Manuskript und der verschlossene Umschlag müssen ein gleichlautendes Kennwort tragen. Zu Preisrichtern sind die Herren Dr. Arthur Hantke, Rechtsanwalt Gronemann u. Dr. Theodor Zlocisti bestimmt. * Zionistische Vereinigung für Deutschland >־:•j'גי;Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Der geschäftsführende Ausschuß: Dr. Hantke. hauptung zurück, indem er feststellt, daß die Juden keinerlei politisch-territoriale Aspirationen (wenn man von der Palästinaforderung, die hier nicht in Betracht kommt, absehe) haben, ihre Politik also kein« Kampf- Politik sei, ־und ihr Nationalismus jedes agressiven Charakters entbehre. Der jüdische Nationalismus in Wien oder in Prag denke 7״ B. nicht daran, den deutschen bzw. tschechischen Charakter dieser Städte anzutasten. Die Behauptung Zieglers, daß der jüdische Nationalismus einen Staat im Staate schaffen wolle, ist unbegreiflich, da es noch nie einem Jüdisch-Nationalen eingefallen ist, die Wiederherstellung einer jüdischen Judikatur nach traditionellem Rechte zu beanspruchen. Der jüdische Nationalismus, der in' keiner Weise mit der Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten kollidiert, verlange vielmehr die Schaffung solcher Lebensbedinguttgen für die Juden, daß sie ohne Demütigung und Erniedrigung als vollberechtigte Staatsbürger unter freier Entfaltung ihrer kulturellen Eigenart leben können. Voraussetzung für das Bekenntnis zum jüdischen Nationalismus ist allerdings die Bejahung des jüdischen Wesens und seiner unvergänglichen Werte, sowie das Enjpfinden, daß der heutige Zustand tief unsittlich ist. Ein , Teil der Juden, der sicli zu der Erkenntnis der UnhaJtbarkeit der heutigen Zustände durchgerungen hat, zieht allerdings die Konsequenz nach der negativen Seite und sucht sich durch Befreiung von allem Ererbten und durch restlose Verschmelzung■ mit den umwohnenden Nationen eine ethisch berechtigtere Stellung ju schaffen. Die Geschichte hat aber gelehrt, daß dieser Typ im jüdischen Volk stets eine verschwindende Minorität bleiben wird. Diesen in ihrer Entscheidung eindeutigen Elementen, dem Nation aljuden und dem bewußten Assimilanten, steht jener dritte Typus gegenüber, der zwar das Judentum anerkennt, aber der Meinung ist, daß die heutigen Zustände allen berechtigten jüdischen Forderungen entsprechen. Gegenüber denen, die den heutigen, tief unsittlichen Zustand, in dem das jüdische Volk zu leben gezwungen ist, durch Aufgabe der Eigenart zu überwinden suchen, sieht der jüdische Nationalismus in der ״jüdischen Gemeinschaft wenigstens potentiell den adäquaten Rahmen für das einzige ihm zugängliche wahrhafte Gemeinschaftsleben und steht gleichzeitig in tiefster Schäm vor dem Zerrbild der heutigen jüdischen Gemeinde“. Darum hat der jüdische Nationalrat für Deutsch- Oesterreich der Regierung kurz nach der Revolution in einer Denkschrift seine Forderungen überreicht. Vier Hauptforderungen werden darin erhoben: 1. Anerkennung der jüdischen Nationalitäf und Gewährleistung des freien Bekenntnisses zu ihr. 2. Uneingeschränkte und tatsächliche Gleichberechtigung der jüdischen Staatsbürger. 3. Die Selbstverwaltung in allen jenen Angelegenheiten. welche ausschließlich die jüdische Nation betreffen, insbesondere also in kulturellen Angelegenheiten, einschließlich des Erziehungswesens, Ab Organ dieser Selbstverwaltung soll die jüdische Volksgemeinde fungieren. 4. Die Sicherung einer Vertretung der jüdischen Nation in den Körperschaften und Behörden. Weitsch erläutert diese vier Punkte eingehend. Die Tatsache der Exfttenz des jüdischen Volkes ist heute in der gesamten Kulturwelt wieder anerkannt. Der moderne republikanisch-demokratisch!; Staat muß jedem seiner Staatsbürger die Freiheit geben, sich offen zu seinem Volke bekennen zu können. , Von dem zweiten Punkte zu reden, hält Weits ch heute nicht mehr für nötig, da die Forderung der Gleichberechtigung aller Bürger in jedem Staatswesen heute selbstverständlich geworden ist. Der dritte Punkt, die jüdische gelbst- Verwaltung, besonders in allen kulturellen Angelegenheiten, bildet wohl die wichtigste Forderung des jüdischnationalen Programms: handelt es sich hier doch darum, mit der Mißwirtschaft der überlebten und verknöcherten israelitischen Kultusgemeinden aufzuräumen und an ihre Stelle eine Organisation zu setzen, in der die Juden aller Schichten und Richtungen positiv mi!arbeiten können. ״Man verpflanzt,“ wie Weltsch trefflich sagt, ״den modernen Geist nicht dadurch in eine Gemeinde, daß ein Rabbiner mit Wissenschaft und Reformen kokettiert, von Fortschritt und Aufklärung redet und womöglich alles Jüdische aus der Gemeinde hinwegeskamotieren möchte, sondern nur dadurch, daß die Gemeinde auf breite demokratische Basis gestellt wird, daß dem Volk die Agenden, die die Gemeinde zu besorgen hat, wichtig werden, da.ß es ernsten Anteil nimmt und selbst die Kontrolle über ihre Tätigkeit ausübt.“ Der Verfasser führt dann aus, wie in der Atmosphäre der heutigen Kultusgemeinden eine, vielleicht unbewußte, Heuchelei und Unehrlichkeit gedeihe, wie die ganze Einrichtung der heutigen Kultusgemeinden der erstarrte Uebcrrest des alten Ghettojudentums sei, den 'die Juden heute abschütteln müßten. An Stelle der Protektionswirtschaft der Kultusgemeinden muß die sich ihrer Verantwortung voll bewußte demokratische Volksgemeinde treten. An Stelle der Wohltätigkeit muß die soziale Fürsorge gesetzt und nach modernen Prinzipien organisiert werden. Die wichtigste Aufgabe der Volksgemeinde wird das Erziehungswesen bilden, Deshalb fordern die Jüdisch-Nationalen, daß die Volksgemeinde gleichzeitig die jüdische Schulgemeinde bilde. Es ist selbstverständlieh, daß der Horizont und daß Bildungsniveau der Schüler dieser neuen jüdischen Schulen so weit wie möglich gefaßt werden muß. Bei dem großen Auffassungsvermögen der jüdischen Kinder wird es wahrscheinlich sogar möglich sein, einen größeren Lehr- Stoff zu bewältigen, als in den heutigen allgemeinen Schufen, aber an Stelle des christlichen deutsch-nationalen und patriotischen Geistes der al'gemeinen Schulen muß in den jüdischen Schulen der jüdische Geist alle Fächer durchdringen, und es wird eine der allerwichtigsten Aufgaben dieser Schulen sein, den jüdischen Kindern die gründliche Kenntnis ״der hebräischen Sprache und Literatur, der jüdischen Geschichte, die vorwiegend Kultur- und Ideengeschichte ist, der jüdischen Gegenwartekunde, die dem Kinde die notwendigsten Kenntnisse über die Lage und kulturelle Differenzierung sowie die soziale Struktur und das Geistesleben des jüdisehen Volkes geben soll“, zu vermitteln. Daß die jüdische Nation in allen staatlichen Körperschäften und Behörden vertreten ist, ist für Weltsch eine selbstverständliche Forderung. Ohne einen freimütigen Gedankenaustausch und die Berücksichtigung gegenseitiger Wünsche ist ein reibungsloses und friedliches Zusammefileben der Juden mit der übrigen Bevölkerung nicht möglich. Welt seit beschäftigt sich sodann noch mit dem Einwurf Dr. Zieglers, daß gerade die judenfreundheben Parteien den jüdischen Nationalismus verurteilten, während die Antisemiten ihm zustimmten, und widerlegt dieses abgenutzte Argument der Assimilanten unter anderem mit der Begründung, daß 'die judenfreundlichen Parteien fürchten müßten, durch den jüdisehen Nationalismus Wähler zu verlieren, während die Antisemiten, die ohnedies keine jüdischen Wähler haben, der jüdisch-nationalen Idee mit größerer Objektivität gegenüberstehen. Nicht weil der Zionismus einen Schaden für den Staat bedeutet, sondern weil er sie selbst schädigt, wird er von den judentreundlichen Parteien bekämpft. Das Programm des jüdischen Nationalisnrus, das die Juden mit ihren Mitbürgern in ein Verhältnis gegenseitiger Achtung bringen will, wird auch dazu dienen, die jüdische Minorität zu schützen und dieser Schutz wird um so wirksamer sein, wenn sich die jüdische Vertretung dabei auf die Solidarität des gesamten H-Millionen-Volkes stützen kann. Diesen inneren Zusammenhalt des jüdischen Volkes zu wahren, ist eine der internen Aufgaben des jüdischen Nationalismus. Zwar wird die eigentliche Belebung der gesamten

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