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Jüdische Rundschau · 1919-06-17 · Heft 42 (17.6.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 42 (17.6.1919)
Date
1919-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 42 Kundgebung des Palästina-Amtes An alle Zionistischen Landesverbände Das Palästina -Amt der Zionistisehen Organisation in London sendet folgende Bekanntmachung an alle zionistischen Landesverbände: Die Gründung des Palästina-Amtes ist Ihnen bereits angezeigt worden, und wir möchten Sie jetzt mit der Arbeit bekamntmachen, die vom immijrrations-Departement dieses Amtes in Ausführung der Beschlüsse der Londoner Zionisten- Konferenz in Angriff genommen wird. 1. Gründung eines Zweigbüros in Kopen-!tagen zur Organisierung und Regulierung der Auswanderung aus Osteuropa. 2. Desgleichen in N e w Y o r k für Nord- und Südamerika. 3. Desgleichen in London für Qroßbritan- «ren, Südafrika und die britischen Kolonien. 4. Organisation einer Einwanderungszentrale m Palästiha. 5. Eröffnung von Informationsbüros für Auswanderer in allen Landesverbänden, die von der Auswanderung berührt werden. 6. Schaffung von Vorzugsbedingungen, für solche Auswanderer, welche sich den Bestimmungen betr. Regulierung der Auswanderung unterwerfen. 7. Vorbereitung von Verträgen mit Schiffs- Gesellschaften. Wir hoffen, bald in der Lage zu sein, Ihnen durch die Zweigbüros Formulare, die zur Registrierung der Auswanderer bestimmt sind, über- »enden zu können. Die Formulare können gewisse Veränderungen je nach den lokalen Bedinpngen erf;ihren. Gleichzeitig werden wir Ihnen allgemeine Instruktionen als Richtschnur für die Eröffnung und Führung von Informationsbüros zugehen lassen. Alle Landesverbände, in denen die Registrierung von Auswanderungslustigen schon durchgeführt wird, werden gebeten, uns postwendend ganz ausführlich über die Organisation und den Verlauf dieser Registrierungsarbeit zu berichten und uns Musterformulare und die als Resultat dieser Registrierung in ihrem Besitz be- Endlichen Informationen zugehen zu lassen. Ein hebräisches Theater in Palästina Baron James de Rothschild, der als Major der Jüdischen Legion der englischen Palästina-Armee in Palästina weilt, hat wie das ״-Kopenhagener Zionistische Büro" berichtet, für die nächsten drei Jahre einer palästinensischen Amateur-Gesellschaft, die sich die Entwicklung hebräischer Theater in Palästina zur Autgäbe gemacht hat, eine Summe von 10 00!) Dollar pro Jahr versprochen. Die Organisation, 'die den Namen ״Die Jüdische Bühne“ führt bemüht sich, einen er- (ahrenen Bühnenleiter zu finden, sowie einen männlichen und einen weiblichen Hauptdarsteller. Sie hat sich bereits nach Amerika gewandt mit der Bitte, Schauspieler zu finden, die außer ihrer Bühnenausbildung Kenntnisse der hebräischen Sprache besitzen und den jüdischnationalen Geist verkörpern. zur Klärung zu verhelfen. Ich denke nicht daran, Ihnen eine kalte theoretische Absicht unterzuschieben. In der wilden Dringlichkeit des Klarheitwollenden ist die Absicht beschlossen, von der icfh sprach: das Chaos, 1 raum und Verzweiflung vermögen oft ein Werk spiritueller zu machen, als seiner Kunstsphäre gemäß ist — wenn nur sein Schöpfer ein spiritueller Mensch ist. Ich mag nichts weiter sagen, auch nichts darüber, was Sie und ich unter ״Gestaltung“ verstehen. Vermutlich wäre Ihre Entgegnung, Max Brod, nicht erfolgt, wenn ich im vorletzten und letzten Abschnitt meiner Anmerkungen ״Absicht“ und ״Wollen“ genauer umschrieben oder beschrieben hätte. ״Hier wollte ein deutsehdichtender Jude nur jüdischer Dichter sein“ ■— ist dieser Satz nun falsch geworden? Ich glaube zu sehen, daß er nach Ihrem Gegenwort so zu Recht besteht als vorher. Für einen kalten Macher Sie zu erklären, kann mir nie in den Sinn kommen; ich hatte die Probleme erfüllt von Achtung und Sympathie tiefer gefaßt als es Ihnen schien. Möglich ist ja, daß mir Art und Wollen Ihres Werkes unerfaßbar ist; aber wenn ich schon ״Realist“ bin, so ist mir doch jede Art von Wirklichreit gemäß, auch die des Traumes und so wollen wir beide stehen lassen, was wir gesehen haben, bis zur nächsten Begegnung. Ich grüße Sie herzlich. Arnold Zweig. Literarische Mitteilungen Berlin. Im Konzert zugunsten jüdischer Flüchtlinge und Pogrom-Opfer in der Philharmonie brachte der verdienstvolle, sich vortrefflich entwickelnd« Dirigent Leo Kopf (mit dem philharmonischen Orchester) eine ״Hebräische Rhapsodie“ von Zo lo k r e f f zum ersten Male zur Aufführung. Dies kann insofern als ein kleines schönes Ereignis gelten, als wir hier niemals bisher so ausgezeichnet orchestrierte ״hebräisdie“ Musik gehört haben. Hebräisch ist dieses Stück allerdings nur 7־־ sozusagen, sie ist: chassidisch, und genauer: chassidische oder chassidisdh-reiigiöse Tanzmusik. Und als solche ist sie walachisdi, polnisch, kleinrussisch, ״bal- JUED1SCHE RUNDSCHAU Die Pogrome Intervention der zionistischen Organisation Das ״Kopenhagener Zionistische Büro“ berichtet: Anläßlich der Judenpogrome in Pinsk Wilna, Lida und den übrigen polnischen und galizischen Orten hat die Leitung der Zionistischen Organisation beim englischen Ministerium des Auswärtigen und bei der Friedenskonferenz Vorstellungen erhoben. Das Kopenhagener Zionistische Büro hat das gesamte Material über die Pogrome der letzten Wochen den Gesandtschaften der Mächte in Kopenhaigen mit der Bitte um Weitergabe an ihre Regierangen übermittelt. Die Internationale gegen die Pogrome Im Namen des internationalen sozialistischen Exekutivkomitees richtete der Sekretär der sozialistischen Internationale, Camille Huysmans, an die Arbeiterpartei Englands und die sozialistische Partei Frankreichs den dringenden Appell, allen ihren Einfluß aufzubieten, um den systematischen polnischen Judenpogromen sowie den Ausschreitungen gegen die Juden in den anderen Ländern des Ostens Einhalt zu tun. Erneute Aafragen Im englischen Unterhaus Das ״Kopenhagener Zionistische Bureau“ teilt mit: Während der letzten Woche erfolgten wiederum verschiedene Interpellationen im englischen Unterhaus wegen der polnischen Pogrome, ln seiner Antwort an Kapitän Ormsby Gore erklärte der Unterstaats- Sekretär Harms worth, daß er noch keine offiziellen Zahlen über die Massakers und Deportationen von Zionisten und anderen Juden durch die polnischen Truppen, die in Litauen und insbesondere in Wilna eingedrungen seien, erhalten habe, daß jedoch der britische Vertreter in Warschau aufgefordert sei, einen ausführlichen Bericht über die ganze Angelegenheit der jüdischen Massakers zu erstatten. In seiner Antwort auf die Anfrage des Konservativen Lord Henry Cavendish Bentinck erklärte Unterstaatssekretär Har ms worth, der polnisehe Kriegsminister habe ain 16. Mai im polnischen Landtage die Erklärung abgegeben, daß eine Untersuchungskommission bestehend aius Vertretern des Kriegsministeriums, des Ministeriums des Inneren und des Justizministeriums nach Galizien gesandt worden sei, um die Pogrome zu untersuchen. Der polnische Landtag habe außerdem beschlossen, eine weitere Kommission bestehend aus sieben Abgeordneten dorthin zu entsenden. Die britische Regierung habe keine Informationen darüber, ob dieser Kommission jüdische Mitglieder angehören. Am 3. Juni fragte Charels Edwards,, Mitglied der Arbeiterpartei, ob dem Unterstaatssekretär bekannt sei, daß die Massakers von Tausenden von Juden in Polen und Litauen durch die polnische Armee fortgesetzt ,und durch die polnische Regierung angestiftet wurden, und ob er bereit sei zu intervenieren, um weitere Massakers zu verhindern. Harms worth antwortete, daß die vom britischen Vertreter in Warschau eingeforderten ausführlichen Berichte noch nicht eingetroffen seien. ln seiner Antwort auf eine weitere Anfrage von Lord Cavendish Benti n c k am 5. Juni erklärte Unterstaatssekretär Harmskanisch“. nuj nicht hebräisdh. Dennoch schlägt echtes jüdisches Leben darin. Und nun zur eigentlichen Anregung: so komponiert, instrumentiert und wiede rgegeben wünscht man nunmehr — wahre hebräische Musik, die ebenfalls künstlerischer ,,Bearbeitung“ und Neu- Schöpfung harrt. Der Komponist Zolokrcft 'heißt eigentlieh, wie ich höre, Goldmann und ist oder war Direktor des Moskauer Konservatoriums. Arno Nadel. Eine Spezialnumrner der ״Kadimah“ über die Londoner Zionistenkonferenz Die von den belgischen Zionisten herausgegebene Wochenschrift ״Kadimah“ publiziert die Doppelnummer 13/14 ihres ersten Jahrganges als eine ausschließlich der Zionistischen Konferenz in London gewidmete Spezialnumrner. Diese Nummer enthält samt-, liehe Referate, die auf der Londoner Tagung erstattet worden sind, alle Kommissionsberichte, ein Resumc der Debatten und eine Zusammenstellung sämtlicher Be- Schlüsse. % ln London begann eine neue Zweiwochenschrift der Poale-Zion in England in der jidischen Sprache ״Unser Weg“ zu erscheinen. An der Zeitschrift beteiligen sich Salomon Kaplan ski, B. Locker Mor.'s Mayer, A. Z. Romanowski und andere . Die Londoner Zionistische Organisation hat eine italienische Uebersetzung des Buches־ von S. Tolkowsky über die jüdische Kolonisation in Palästina herausgegeben. Das Juni-Heft der ״Neuen Rundschau“ veröffent- Hebt einen Artikel ״Der Judenstaat“ vor! Rudolf Kayser. Der Verfasser geht von der Persönlichkeit Theodor Herzls aus und glaubt, daß sein Buch ״Der Judenstaat“ zwar eine feine und tapfere Tat gewesen sei, s'ch aber 5m übrigen in der Richtung dieses Jahrhunderts bewegt habe, ״daß seine Armut an Ideen durch Technik und Nationalökonomie zu verdecken suchte.“ Er glaubt in Herzls Auffassung von der Judenfrage eine Ueberschätzung des Staatsbegriffs zu sehen. Die Anhänger Herzls seien allerdings über ihn hinausgewachsen, der Sied- Hmgsgedanke habe den Staatsgedanken verdrängt und die Furcht vor der Assimilation habe die Furcht vor Seite 341 worth: ״Ich fürchte, daß kein Zweifel darüber ist, daß antisemitische Ausschreitungen sich neuerdings wiede mm in Polen und in den Gebieten, die unter polnischer Okkupation stehen, ereignet haben und daß polnisehe Truppen an ihnen teilgenommeii haben. Offizielle Berichte über die Vorkommnisse an dem 1'rn 2. Teil der Frage erwähnten Ort sind bisher nicht eingetroffen; wir haben jedoch einen Bericht erhalten, wonach Ausschreitungen in Czen stoch au vorgekommen sind, bei denen einige Soldaten der Armee General Hallers mit dem Pöbel gemeinsame Sache beim Angriff auf die Juden gemacht haben. Es gab dort fünf Tote und vierzig Verwundete; ein Offizier und 10 Gendarmen wurden beim Versuch, die Ordnung herzustcllen, verletzt. Abgesehen von den Vorstellungen, die bereits bei der polnischen Regierung erhoben worden sind, kann die britische Regierung nur mit den allierten und associierten Mächten zusammen vorgehe n.“ Der neue Pogrom in Cholm In Cholm. dem Streitgebiet zwischen I סי len una der Ukraine, haben jetzt die Polen ihr Recht auf Herrschaft über diese Stadt mit einem Judenpogrom unwiderlegbar bekräftigt. Hier fand der Pogrom am 3. Juni statt, am Vorabend von Schowuotli. Der Vorwand war beinah« derselbe wie in Czenstochau und fast ganz 90 konstruiert Das Gerücht wurde verbreitet, die Juden hätten zwei Legionäre ermordet, und zwar wurde das Haus angeeben, jn dessen Nähe diese Mordtat stattgefunae» aben sollte. Zuerst wurde dieses Haus gründlich zerstört, dann zog der Mob in die Synagoge, untersuchte sogar den Aron kodesch, zerstreute sich dann in den Straßen, schlug alle vorübergehenden Juden und versammelte 'sich wieder am Marktplatz. Es war gerade Markttag. Die ganzen Vorräte der jüdischen Händler wurden geplündert, den auswärtigen jüdischen Händlern wurden Pferde und Wagen fortgenommen. Die entführten Pferde und Tiere repräsentieren allein eine Summe von 150 000 Kr., außer den sonstigen Plünderungen. Eine andere Abteilung der Plünderer stürmte das Badehaus, wo, wie stets am Vorabend eines Feiertages, eine große Anzahl Juden versammelt waren. Aut bar* barisene und völlig unmenschliche Weise wurden die nackten Juden vom wildgewordenen Mob mißhandelt und mit den Bajonetten verwundet. Abends drang der Pöbel in die Synagoge, wo aber trotz des Feiertages kein Jude zu finden war. Einem! Christen gelang es, den Mob davon abzuhalten, die Synagoge zu plündern, Freier fühlten sich aber die Holigans in den jüdischen Häusern, in den Geschäften, auf der Straße. Insgesamt sind gegen 100 Verwundete festgestellt Als am zweit* nächsten Tag der Kreiskommissar einen Aufruf au»• hängen ließ, den Pogrom einzustellen, wurde dieser Aufruf von den Schülern des städtischen Gymnasiums heruntergerissen. Der Abgeordnete der Konstituante von Cholm, der Poalezionist Dr. Schippe r, fuhr nach Cholm, um die Ursachen des Pogroms zu erforschen und um Material zu sammeln. Der Pogrom in Czenstochau Eine Delegation der Czenstochauer jüdischen Oeineinde traf in Warschau ein und feilte der Redaktion der zionistischen Tageszeitung ״Das Jidische Volk“ genaue Einzelheiten über den entsetzlichen Judenpogrom; der am Sonntag, den 25. Mai stattgefunden hat, mit, von denen wir folgende hier wiedergeben: Die VorbereitiBigen dazu wurden scheinbar von langer Hand getroffen. Seit die Posener und Hallersehen Truppen in der Stadt eingetroffen waren, ging kein einziger Tag ohne Judenexzesse vorüber. Bärte wurden aut der Straße abge* schnitten. Läden geplündert, vorübergehende Juden und Jüdinnen geschlagen und ausgeraubt. Selbst den alte« und angesehener! Czenstochauer Rabbiner Rabbi dem Antisemitismus verdrängt. Der Verfasser entwickelt dann seine eigenen Theorien der Judenfrage, die die Aufgaben des Judentums entsprechend der bekannten Missionsidee im Wirken in der Zerstreuung sehen. Nachdein der Verfasser dann auch gegen Ruppias und Acliad Haams Auffassung des Nationaljudentums polemisiert hat, betont er zum Schluß, daß der neuentstehende Judenstaat in Palästina zwar leine Nationalität der Juden bedeute, daß ihnen aber eine große Aufgabe bevorstände. Der ganze Gedankengang des Artikels bringt uns keine wesentlich neuen Gesichtspunkte. Die Zionistische Föderation von Italien hat soeben ein neues Werk erscheinen lassen, das den ”Namen ״II Risorgimento Nationale d’Lraele in Pa'es i :a ‘ führt Das Buch ist eine Zusammenstellung von Reden, die auf der großen jüdisch-nationalen Versammlung im Nationaltheater in Rom am 18. Dezember 1918 von Francesco Area, Dante Lattes, Francesco Rufiini und Emanuele Sella gehalten wurden, mit einer Einlleitung des Pariamentsmitgliedcs Giovanni Co’onna di Cesaro. Ferner hat die ifa'ieniscke Zioni ten-Föderation eine Werbe-Flugschrift ״La Palestinn Ebraica“ erscheinen lassen, die die verschiedenen Regicnrrgperk'ä tingen, die Rede des Dr. Weizmann atilälilcli der Grurdsteinlj-gung zur Jüdischen Universität in Jerusalem, eine Ansprache von Lord Robert Cedi an eine jüdische Versammlung in London und eine Reihe weiterer Dokumente von zionistischem Interesse enthält. — Soeben ist eine Broschüre unter dem Titel ״Nationale und soziale Judenfragen“ von Dr. Josef Rufeisen erschienen, welche in kurzer und prägnanter Darstellung die Probleme des Nationallismus, der Religion und des Sozialismus in Beziehung auf die zionistische Idee darstellt. Die hübsch ausgestattete Broschüre ist zum Preise von 50 Heller durch das Zionistische Distriktskomitee in Mähr.-Ostrau, Postfach 35, zu beziehen. ״The Quarterly Review“, London, bringt im Aprilheft einen Aufsatz ״Probleme des neuen Palastina“ von Albert M. Hyamson, in dem die wichtigsten Fragen der Bildung eines neuen jüdisch«! Gemeinwesens in Palästina in großen Zügen erörtert werden.

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