Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 41 (13.6.1919)
- Date
- 1919-06-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 328 Nr. 41 nen verfolgen wir unsere Ziele. Mit der gleichen Beharrlichkeit, mit der wir uns Zion erkämpfen, werden wir auch die deutschen Juden in das erwachende Leben des jüdischen Volkes hineinzwingen. Kurt B1 u m e n f e l d. Zur politischen Lage Der Minoritätenschutz auf der Friedenskonferenz Die Bedingungen für Deutsch-Oesterreich Zu unserer Notiz in der Nummer 40 der ״jüdischen Rundschau“ über die voraussichtliche Regelung des Schutzes der Minoritäten, können wir noch ergänzend mitteilen, daß die Diskussion ziemlich erregt war und es nur dem gemeinsamen kräftigen Vorgehen Wilsons und C leine nee aus m danken ist, daß der Schutz der ethnischen und religiösen Minoritäten in den zentraleuropäischen Kleinstaaten dem Völkerbund übertragen wird. Bratianu, der Führer der Opposition der Kleinstaaten, betonte, daß eine derartige Bestimmung einen Eingriff in־ die Souveränität der Kleinstaaten und eine Minderung ihrer Gleichberechtigung gegenüber den Großmächten -bedeute, während Wilson und Ciemen Ce au darauf beharrten, daß sie die volle Verantvvortung für den Frieden und für ein künftiges System der Gerechtigkeit trügen. Kramarsch und Paderewski erklärten sich schließlich unter gewissen von Tnimbic angeregten Detailänderungen mit dem Plane einverstanden Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet jetzt auch «über die Bedingungen zum Schutz der völkischen Minoritäten in dem Friedensvertrag, den die Alliierten Deutsch-Oesterreich vorgelegt haben, ln den betreffenden Paragraphen des Friedensvertrages heißt es: Oesterreich verpflichtet sich seine staatlichen Einrichtungen in Konformität mit den Prinzipien der Freiheit und Gerechtigkeit zu bringen und anerkennt, daß die Verpflichtung für den Schutz der Minoritäten Angelegenheiten von internationalem Belang sind, über die der Völkerbund Jurisdiktion hat. Oesterreich sichert allen seinen Einwohnern ohne Unterschied der Geburt, Nationalität, Sprache, Stammeszugehörigkeit oder Religion vollständigen Schutz an Leben und Freiheit, sowie Recht der freien Ausübung jeden Glaubens zu. Alle österreichischen Staatsangehörigen ohne Unterschied der Stammeszugehörigkeit, Sprache oder Religion sind gleich vor dem Gesetz. Es dürfen ihnen keine Beschrankungen für den freien Gebrauch irgendeiner Sprache im privaten oder öffentlichen Verkehr auferlegt werden. Den österreichischen Staatsangehörigen nichtdeutscher Sprache müssen vernunftgemäße Erleichterungen für den Gebrauch ihrer Sprache vor Gerieht gewährt werden. Oesterreichische Staatsangehörige, die zu ethnographischen, religiösen oder sprachlichen Minoritäten gehören, sollen den gleichen Schutz wie die übrigen österreichischen Staatsangehörigen ge• «ließen, insbesonders bezüglich der Schulen und sonstigen Erziehungseinrichtungen. In Bezirken, wo ein beträchtlicher Bevölkerungsanteil von österreichischen Staatsangehörigen anderer als deutscher Sprache wohnhaft ist, sollen auf den Schulen für den Unterricht der Kinder in ihrer eigenen Sprache Erleichterungen geschaffen werden; ein gerechter Anteil der öffentlichen Mittel soll für diesen Zweck verwandt werden. Diese Bestimmungen, die die österreichische Regierung nicht hindern, den Unterricht der deutschen Sprache obligatorisch zu machen, müssen in das Grundgesetz Oesterreich« als ein Verzeichnis von Rechten und Bcstimmungen aufgenommen werden, die dem Schutze des Völkerbundes unterstellt sind. Die Gleichberechtigung der rumänischen Juden Eine Nachricht der Times besagt, daß Rumänien in Zukunft die rumänischen Bürgerrechte auf einen formalen Antrag Irin, den in Rumänien ansässigen Juden verleihen werde. Demzufolge könnten Juden sofort die rumänische Nationalität erwerben. Diese Nachricht ist mit aller Vorsicht aufzunehmen. Ist schon unerklärlich, was die Rumänen unter den Worten ״formaler Antrag“ verstehen — die Schikanierungen der rumänischen Behörden sind ja nur al!zugut bekannt — so ist es völlig unverständlich, was die Er- Iaubnis, die rumänische Nationalität zu erwerben, bedeuten soll. Den rumänischen Juden geht es nicht darum, die rumänische Nationalität zu erwerben, sie verlangen die Staatsbürgerrechte, die ihnen zu gewähren der rumänische Staat verpflichtet werden muß. Eine Alien-Bill in England Havas meldet aus London vom 28. Mai: ״Dem Unterhause wird ein Reglements-Entwurf zugehen, wonach kein Ausländer ohne Erlaubnis eines Auswanderungsbeamten in Großbritannien wird landen dürfen. Die Erlaubnis zum Be treten des britischen Bodens wird Mittellosen sowie aus Gründen der Gesundheit unerwünschten Ausländern verweigert werden, ebenso den- JUEDISGHE RUNDSCHAU jewigen fremden Staatsangehörigen, die wegen eines Vergehens verfolgt werden, das die Auslieferung erheischen würde. Das Verbot erstreckt sich nicht auf Ausländer, die mit einem Fahrschein nach einem anderen Lande versehen, durch Großbritannien reisen. Das Reglement sicht ferner die Schließung der von verdächtigen Eiementen besuchten Klubs und Wirtschaften vor.“ Diese Havasmeldung ist nicht die erste Nachricht, die einen Ausschluß der ״Fremden“ oder wenigstens bestimmten Kategorien von ihnen in England als beabsichtigt erscheinen läßt. Wir haben ferner bereits gemeldet, daß auch in Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika sich ähnliche Tendenzen geltend machen, gegen die sowohl vom kanadisch-jüdischen Kongreß als auch von Einzelpersonen protestiert wurde. Diese Anzeichen bedürfen der ernstesten Beachtung der Leiter der jüdisehen Politik. Ein Grenzschluß gegen ״mittellose“ Aus- Binder würde für die meisten jüdischen Auswanderer verhängnisvoll sein und würde zu einem gerechten Frieden im Sinne der Völkerbundpolitik in krassem Gegensatz stehen. Die Verhältnisse in Osteuropa lassen eine große jüdische Auswanderung nach Oeffnung der Grenzen als durchaus möglich erscheinen. Es ist bekannt, daß Palästina nicht imstande sein wird, diese Auswanderung aufzunehmen. Deshalb muß unter allen Umständen erreicht werden, daß die Hauptauswanderungsgebiete, vor allem Amerika und England ihre Häfen für diese Einwanderung nicht sperren. Ein Minister für jüdische Angelegenheiten in Litauen Aus Kowno erhalten wir die Nachricht, daß unser Gesinnungsgenosse, der bekannte Schriftsteller und Gelehrte Dr. Max Soloweitschik zum Minister für jüdische Angelegenheiten ernannt ist, ln dem litauischen Gesamtnrinisterium befinden sich nunmehr vier Juden, die als Vertreter der jüdischen Bevölkerung in Litauen in das Ministerium berufen worden sind: Dr. Rachmile witsch (Handel), Dr. Leo Deutschländer (jüdisches Schulwesen) und unsere Gesinnungsgenossen R.-A. Rosen bäum (Aeußeres) und Dr. Soloweitschik (jüdische Angelegenheiten). Die Pogrome Vom Czeitstochauer Pogrom Wir haben bereits in unserer Nummer 39 über die neuen Pogrome berichtet, die sich besonders in den in der Nahe der deutschen Grenze befindlichen Orten Polens abgespielt haben. Schon aus unserer damaligen Darstellung war zu etsehen, daß vor allem der Pogrom in Czenstoch.au schreckliche Folgen angenommen hat. Hallersche Soldaten begannen hier am Mittag des 27. Mai die jüdische Bevölkerung zu plündern und zu schlagen, die Geschäfte auszurauben und den Männern die Bärte abzuschneiden. Am Nachmittag um 5 Uhr verbreitete sich das Gerücht, daß aus einem Haus auf einen Soldaten geschossen wurde und daß der Soldat tot sei. Sofort versammelte sich vor dem Haus eine ungeheure Menschenmenge, Zivil und Soldaten. Es traten ״Zeugen“ auf, die versicherten, die Erschießung des Soldaten mit angesehen zu haben. Es ist später vom Minister Wojciechowski gegenüber dem Abgeordneten Perlmutter zugegeben worden, daß die ganze Angelegenheit nur eine Provokation war. Das Haus wurde jedenfalls gestürmt Und die jüdischen Einwohner auf die Straße geschleppt. Die Unruhen nahmen immer mehr zu. Als einige Polizisten den jüdischen Arzt Nathaniowitz zu einem bei dem Pogrom schwer verwundeten Juden holen wollten, wurde der Arzt auf der Stelle von der Menge ermordet. Die galizische (Jntersuchungskommission Die vom polnischen Landtag eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Pogrome in Mittelgalizien besteht aus Abgeordneten und Regierungs vertretern. Vorsitzender ist der antisemitische Abgeordnete Witos, Schriftführer der poale/ionistische Abgeordnete Schipper, Die Kommission begab sich zunächst nach Strziszow, wo 15 Zeugen (darunter 3 Juden) vernommen wurden. Die Feststellungen der Kommission ergaben, daß der Pogrom im Zusammenhang mit einer Ritualmordlüge steht. Die Vorgänge aber waren nur die Fortsetzung von Ausschreitungen gegen die Juden in der ganzen Gegend. Es wurden über 100 Juden verwundet, davon 20 schwer, von denen einer gestorben ist. Die Kommission ,untersuchte dann in Rzeszow. Auch hier ist der Pogrom aus einer ähnlichen Ur- Sache ausgebrochen wie in Strziszow. Ein polnisches Mädchen gab an, daß sie von Juden in einen Keller gelockt und dort mißhandelt wurde. Später gestand sie. daß sie diese Geschichte erdichtet habe, aus Angst vor ihrer Mutter, denn sie habe jene Nacht mit einem Offizier zugebracht. Die Kommission untersuchte dann weiter die Vorgänge in den Pogromorten Glogow, Sakulow, Kolbuszovva. Im letzteren Ort sind alle Geschäfte zertrümmert, ein Haus ist bis zum Fundament abgebrannt. Ein Postbeamter hatte das Gerücht verbreitet, daß ein Telegramm aus Warschau die PMinderung bei Juden freigäbe. Ferner sei behauptet worden, daß Juden in Lublin Hallersche Soldaten vergiftet hätten. Die Kommission stellte ferner fest, daß in Maidan von 170 jüdischen Familien 160 ausgeplündert wurden. Der vorstehende Bericht der Untersuchungs-Kotnmission, den wir der ״Wiener Morgenzeitung“ entnehmen, Nr. ifhebun bestätigt im ׳vollen Umfang die Berichte der jiidise Blätter über Ursachen und Verlauf di 1 Ansschrei . gen und widerlegt luüidig alle polnischen Versuch! Das N die Pogrome als Hungerausschreitungen oder als Kamp| ^auinuMi gegen den Bolschewismus zu erklären. Pogrom in Kolomea. In der Nacht vom 23. zum 24. Mai ließen dil Rumänen polnische Abteilungen itt Kolomea einmarl schieren, die ein Blutbad unter der ukrainischen und jüdischen Bevölkerung der nichtsahnenden Stadt anrid!| teten. Ruffardt Der amerikanische Senat gegen die Pogrome Der ״Frankfurter Zeitung“ wird aus New Yo! berichtet, daß der amerikanische Senat beschlossen hal die Pariser Friedenskonferenz zu ersuchen, gegen di! Judenpogrome in Polen vorzugehen. Die polnische Presse leugnet die Pogrome hartnäckig weiter. Zur Sicherung der Juden sollen, w!e| die polnische Preßagentur meldet, angeblich umfassend! Maßnahmen getroffen sein, doch ist nur allzu bekannt,[ was von diesen Versprechungen der Polen zu halten ist. Eine Maßnahme von unerhörter Brutalität ist in Warschau getroffen worden. Dort sind die Lebens-' mittelkarten für die jüdische Bevölkerung von den Karten der übrigen Bevölkerung verschieden. Auf eine Interpellation des zionistischen Ratsmanns Ing. Körner wurde geantwortet, daO — der Papiermangel daran schuld sei, (!) und Remedur versprochen. Die Kultusgemeinden Mittelgaliziens beschlossen angesichts der neuen furchtbaren Pogrome eine Rettungsaktion für die so hart betroffene jüdische Bevölkerung. Es wurde besonders auf den schädlichen hetzerischen Einfluß eines Teils der polnischen Presst hingewiesen, ferner auf den Boykott und auf die Tatsache, daß die Dorfgemeinden den jüdischen Einwohnern Aufforderungen zum Verlassen der Dörfer bis zu einem bestimmten Termin schicken, hingewiesen. Polnische Schikanen Bei de Unterbind« ist es sehr über Pogri gebracht v derartige I möglich ui telegraphi« kommen v Der Vor einigen Tagen erschien in der vierten Abteilung des Hauptkreis-Kommandos in Krakau der Oberstleutnant Marciszewicz und fragte die dort beschäftigten weiblichen Kanzleikräfte, ob sie ״Polinnen oder Jüdinnen“ seien, worauf die Jüdinnen sich als Jüdinnen bekannten. Am nächsten Tage erhielten alle diese Jüdinnen eine wie folgt lautende Kündigung: ״Zufolge des Bekenntnisses zur jüdischen Nationalität und nicht zur polnischen, werden Sie mit dem 4. Juni 1919 entlassen“. Wie ein Telegramm aus Lemberg berichtet, haben die polnischen Schulbehörden in Drohobycz verläßlichen Nachrichten zufolge, zirka 400 jüdische Schüler aus den Mittelschulen ausgeschlossen, weil sie diese Schulen auch während der ukrainischen Okkupation besucht haben. — Dem Vorstand der Kultusgemeinde in Rzeszow ist die folgende offizielle, vom Bürgermeister Krogulski gefertigte Verständigung des dortigen Magistrates zugegärigen: ״Mit Rücksicht auf die Öffentliche Sicherheit habe ich es für passend gefunden, anzuordnen, daß bis auf weiteres keine hebräischen Verlautbarungen gedruckt werden.“ In den Statuten des Fach Vereins derSchifffahrttreibenden auf der Weichsel und den Nebenflüssen. der von der polnischen Schiffahrtsbehörde in Warschau gegründet worden ist, findet sich als § 3 folgender Passus, der bezeichnend ist für den Geist, in dem die polnische Regierung die jüdische Minorität zu behandeln gedenkt: ״Mitglied der H. Sektion des Vereins kann jeder Eigner eines Kahnes und eines Dampfers aller drei Teile Polens christlicher Religion sein.“ Hiernach ist die jüdische Bevölkerung von der Mitglied- Schaft der 11. Sektion ausgeschlossen. Diese Sektion ist ein« Sonderabteilung der Schiffseigner, während die erste Abteilung des Fachvereins Arbeitgeber und Arbeitnehmer, also auch Bootsleute, Maschinisten und Heizer umfaßt. Die Entente warnt Koltschak vor Pogromen Der Viermännerrat richtete, wie das ״Stockholmer jüdische Pressebüro“ mitteilt, an Koltschak, den Befehlshaber der gegen die Bolschewisten vorrückenden russischen Truppen eine Note, in welcher Koltschak aufgefordert wird, strenge Maßnahmen zu treffen, um die befürchteten Ausschreitungen gegen die Juden heim Vormarsch ins Innere Rußlands zu verhindern. Die Note macht Koltschak persönlich verantwortlich für etwaige Judenexzesse. Amerika für die jüdischen Flüchtlinge Schon vor einigen Monaten hegten die tschechischen Behörden die Absicht, die in Mähr.-Ostrau und Umgebung befindlichen jüdischen Flüchtlinge aus Galizien aus/uweisen. Diese Ausweisung unterblieb jedoch, und zwar, wie die tschechische Presse jetzt meldet, zufolge ausdrücklicheti Befehls aus Paris, der auf Veranlassung Amerikas ergangen ist. Große englische Protestkundgebung Am Sonntag, den 25. Mai, demonstrierten aut dem Trafalgar Square in London viele Tausende britische r Arbeiter gegen den Gewaltfrieden. Dabei verurteilte der Arbeiterführer Thom Mann schart die polnischen Pogrome. Er eiklärte es für die Pflicht der britischen Arbeiter, gegen die unmenschlichen, mit stillschweigender Billigung der reaktionären polnischen Regierung begangenen Greueltaten zu protestieren. Die Abschlachtung Tausender von wehrlosen Juden sei ebenso ungeheuerlich wie die Blockade. Er appellierte namentlieh an die polnischen Arbeiter, die Pogromverbredien nicht hi dulden. Aus der Versammlung erschallen Rufe, wie: ״Schande, wir wollen uns der verfolgten Juden annehmen!“ Im gleichen Sinne sprachen audi andere Arbeiterführer. Der j den letzte nationale wärts get wie überh; Programm und die unter ein: schwach י sehe Bür politischer wo vorde einziger R welcher s hat, obwr anzugehö als ״bürg! sind jene sönliche Stelle ein den drei in der L wo bishe wurde, s Das Arg Jüdisch!!; bestehe, bracht, deren G Die politische Es ist s daß nur tanten d die jüdi Lebensbe sich die Kultusge rend des jeweils heutige aus soll laufen s schäften beendet w eige wähle der Rev stürmisc jüdische Soldater mit Müä abzuhal! bewegte Uebern; und hal vermeid Soldatei national zu eine 5. Nove Punkte des Ki einer s aus dre gierten Aufgab sich at nissen kratisri 3. Dei Permar Wahlre schiede Vo erfüllt treten,