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Jüdische Rundschau · 1919-06-13 · Heft 41 (13.6.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 41 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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CI'.RMANIA JUDAK.'A Nummer 41 HERUNDSC daktioa u. V« r!;.• Sa»־ u.!י׳״!'•)׳!'־ ׳W. Al׳ Süd; sis<־J1£ Str. 8. Erscheint jeden .he•! d.l'Ap, 11. d. Postamt:-™ viertel).; ()*■ater , Kr,12, i. Auslaut) M.10,- 13. VI. 1919 Anteigcn-Vcrwultung: Welt-Verlag G. m. b, HL, Berlin NW. 7, Dorotheen«traÄe 35. Telephon: Amt Zentrum 4814 u. 4815, Anzeigenpreis für die *edisgespaltene Nonpareillezeile 75 Pf., Teuernng'iiuschUjf 20%. Telephon: Amt Uhland 845 u. 486. Postschedi Konto: Be:litt Nr, 17392. Für Oesterreich: PoslSparkassen^5-1-1׳י-׳•״ Nr. 156030. Redaktionssdiluß Sonntn? v. N 15 Ssiwan 5679 Unveränderliche Ziele ,.Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk : Schafft!!!״ einer öffentlich-rechtlich gesicherten;iinstättc in Palästina.“ Wir wissen, daß dieses d von uns den Aufbau jüdischen Lebens in en Landern des Gallith erfordert. Die Verwirklumg des Zionismus muß in dem Augenblick ginnen, in dem wir Zionisten werden. Sie errdert keinen Aufschub bis zur Uebersiedlung cli Palästina. Von der Intensität des jüdischen ׳bens im Galuth, die durch das Streben nach ilästina erreicht wird, hängt das Schicksal jeder Lien jüdischen Jugend ab. Den Zionisten, die in eutschland leben, ist die unausweichliche Aufgabe gefallen!, hier für die Durchsetzung aller Forrungen einzutreten, die allein eine Gewähr für ne jüdische Entwicklung des deutschen Judentums :ben. Daher ist es unsere Pflicht, hier den Geinken des jüdischen Kongresses lebendig zu achen, der in aller Welt eine bedeutsame Aeußemg des jüdischen Lebensgefühls geworden ist und e Juden der Welt zu einer fordernden Einheit :rbunden hat. Die Judenheit hat sich entschlossen, e Verantwortung für die entscheidenden Fragen rer eigenen Zukunft zu übernehmen, für Palästina, e Gleichberechtigung und die nationale Auto- )mie. ln der Erkenntnis, daß die deutschen Juden 1 entjudet sind, um sich bedingungslos einer all-;meinen jüdischen Bewegung einfügen zu können,;rlangten wir das Bekenntnis zum jüdischen Volk s Wa h 1 va r a uss e t zun!g für den jüdischen ongreß in Deutschland. Dennoch entschlossen ir uns, schon ehe die Besprechungen mit den ertretern des Centralvereins deutscher Staatsbürer jüdischen Glaubens begonnen hatten, diese tahlvoraussetzung fallen zu lassen und einen Konreß aller Juden in Deutschland vorzubereiten. ׳Ir verlangten nur, daß über folgende Frag« isolute Klarheit bestehen müsse, ehe wir uns für ie Einberufung eines allgemeinen Kongresses ent- :heiden könnten: über die aktive Mitarbeit am ufbau Palästinas, über das Wahlrecht, insbesonere über das Wahlrecht der ausländischen Juden, ad über den rein jüdischen Charakter des Konresses. Wir ließen keinen Zweifel daran, daß wir uf der Erfüllung dieser Bedingungen unbedingt estehen werden. Mit voller Klarheit wurde bei den erhandlungen darauf hingewiesen, daß ein Kom- ׳romiß zwischen Zionisten und Nichtzionisten nie- »als geschlossen werden könne. Das Ergebnis lieser Verhandlungen sollte demnach nicht eine 'erständigung über ein gemeinsames Programm ein, die ausdrücklich abgelehnt wurde, sondern usschließlich eine Verständigung über den Rahaen des Kongresses. Genau 90, wie in einem ,arlament die Links- und Rechtsparteien miteinnder tagen und kämpfen, so sollten unsere Vereinlarungen ein jüdisches Parlament in Deutschland!■möglichen, in dem wir Zionisten mit dem deutdien Judentum um die Zukunft des jüdischen Voles ringen, lieber den antinationalen Charakter der lichtzionistischen Judenheit bestand kein Zweifel, bensowenig konnte es zweifelhaft sein, daß wir an liesem antizionistischen Judentum unsere zionistidien Aufgaben zu erfüllen haben. Unbekümmert 1m die augenblicklichen Stärke Verhältnisse verliehen wir unablässig, Gemeinden zu demokrati- »eren und zu nationalem Tun zu zwingen; unabinderliches Ziel bleibt uns der Aufbau jüdischen -ebens im Galuth und mit ihm ein Eintreten für *M Kongreßgedanken, der das deutsche Judentum ter Judenheit der Welt wieder einfügen und es so :iner wahrhaften jüdischen Beeinflussung Zugangich machen soll. Die Generalversammlung des Centralvereins, *her die wir in der vorigen Nummer berichtet!»ben, war die Heerschau des antinationalen Judenütns. Hatten wir vorher in Verhandlungen festteilen können, daß die verantwortlichen Führer ies Vereins den großen Zusammenhängen des jütischen Lebens verständnisvoll, wenn auch häufig ibkhnend, gegenüberstanden, so hat die Generalersammlung, wie wir erwartet haben, wiederum *wiesen, daß der Centralverein nur durch de« Campf gegen den Zionismus jüdisch zu aktivieren st. Unsere Ansicht über den jüdischen Charakter ״Der Zloniixna* ersirebi für da« Jüdische Volk die Sdiaifuni einer Affenilich-rechlllch gefieberten Heimstätte in PallBüna." Baseler Programm. des Ccntralvereins ist durch die Tagung in allen Punkten unwiderleglich geworden. Ueber den Antrag von Professor Lew in, der forderte, daß der Centralverein ״jeden Versuch, aus dem Bekenntnis der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk eine Beeinträchtigung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung herzuleiten, auf das entschiedenste bekämpfen“ solle, ging man zur Tagesordnung über. Es ist absurd, daß ein Verein, dessen Spezialfach die Behandlung des Problems der Gleichberechtigung ist, der Entscheidüng der einfachen und klaren Fragen, vor die er durch den Antrag Lewin gestellt war, auszuweichen suchte, nachdem sich herausgestellt hatte, daß der Antrag bei einer Abstimmung mit großer Mehrheit abgelehnt worden wäre. Man suchte sich damit herauszureden, daß man auf ״die Unklarheit“ des Volksbegriffs hinwies. Es handelte sich aber dann eben um die Frage, ob der Centralverein für das gleiche Recht der Juden eintreten will, die (von dem unklaren Volksbegrifl gefangen genommen, vielleicht irrtümlich) zu erkennen glauben, daß es ein jüdisches Volk gibt und sich zu ihm rechnen. Auch ״unklare“ Köpfe dürfen wegen ihrer mangelnden Geistesschärfe nicht in ihren staatsbürgerlichen Rechten beeinträchtigt werden. Uebergang zur Tages- Ordnung ist im politischen Leben die schärfste Form der Ablehnung. Der Centralverein hält jedenfalls den Kampf für die Gleichberechtigung der Nationaljuden in Deutschland nicht für seine selbstverständliehe Aufgabe; er hat zum mindesten Bedenken getragen, sich ausdrücklich hierfür auszusprechen. Der Centralverein scheint «ich also mir für verpflichtet tu!!alten, für die Gleichberechtigung von .gesfaiMgstüehtigeo Juden ׳i!...s»1tnem׳•׳ ׳־Sinne ״:ein- «treten. Einst haben die Juden von Bordeaux die aschkenasischen Juden für minderwertig erklärt. Jetzt haben sich aschkenasische Juden gehindern, die nicht mit Klarheit und Entschiedenheit bedingungslos die staatsbürgerliche Stellung aller Juden gegen alle Angriffe von außen verteidigen wollen. Der Antrag Lewin hatte aber auch außenpolitische Bedeutung. In seiner Begründung hatte Professor Lewin nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß er zugleich die Frage zur Entscheidüng gestellt habe, ob jene Juden Anspruch auf Gleichberechtigung hätten, die wir in absehbarer Zeit als polnische Staatsbürger jüdischen Glaubens und deutscher Nation kennen lernen werden. Es war bezeichnend und entsprach dem Geist der Tagung, daß die Versammlung dieser Argumentation gleichgültig gegenüber stand. Auf .einem jüdischen Kongreß in Deutschland werden wir also auch die wahre Auffassung von der Gleichberechtigung gegenüber dem Centralverein durchzusetzen haben. In der Palästinafrage hielt man sich für unzuständig. Der Gedanke: Palästina ist Privatsache, schien (den lautesten Anklang zu finden, obschon Justizrat Sonnenfeld die Aufnahme des Palästinapunktes in das Centralvereinsprogramm auch damit zu rechtfertigen, suchte, daß die Antisemiten die Schaffung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina in letzter Zeit in ihre Forderungen aufgenommen hätten. Daher folge schon aus dem Abwehrgcdanken mit Notwendigkeit, daß auch der Centralverein sich über Palästina äußern müsse. Selbst dieser Hinweis auf den Antisemitismus, der doch soo-i nie seine Wirkung zu verfehlen pflegt, büßte diesmal seine überzeugende Kraft ein. Da die Frage Palästinas ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der formalen Zuständigkeit des Centralvereins behandelt wurde, wäre die Entscheidüng über die wahre Meinung der Versammlung schwer zu finden, wenn nicht schon aus der Tatsaclie, daß man aus formalen Bedenken auf eine materielle Erörterung der wichtigsten allgemeinjüdischen Angelegenheiten verzichtete, gewisse Schlüsse gezogen werden könnten. ln der eigentlichen Kongreßdebatte spielte die Ausländerfrage die Hauptrolle. Nachdem der Korreferent ,Rechtsanwalt Wertheim, dessen Äusführungen die Stellungnahme der Versammlung entscheidend bestimmten, das Ausländervvahlrecht grundsätzlich ,abgeleimt hatte, ist sein Antrag mit unwesentlichen Aenderangen angenommen worden. Er hatte ursprünglich verlangt, daß der Kongreß durch Vertreter der ,,Deutschen jüdischen G 1 au b en s“ gebildet ,werden solle. Wenn schließlieh beschlossen wurde, daß die ,,V e r t r e 11־ r d e r deutsche n J u d e n“ den Kongreß bilden sollren, so ist dies wohl geschehen, weil jene erste auf die Centralvereinsternünologie abgestellte Fortnulierung unter Umständen auch die deutschen Zionisten von der Teilnahme am Kongreß auszuschließen schien. Dem Vorstände, dessen Verhalten in der Kongreßfrage von dem freieren Geist einer jüdischen Gesamtpolitik geleitet war, wurde trotzdem in üblieber Weise das Vertrauen ausgesprochen. Die Generalversammlung war damit einverstanden, daß der Vorstand bei den Verhandlungen im AuswärtigenAnjt dem folgenden Programm,1 zugestimmt hatte: 1״. Gleichberechtigung und Gleichstellung der Juden und des Judentums in allen Ländern der Welt. 2. Beseitigung und Verbot aller Gesetze, Ver- Ordnungen und Bestimmungen, die Beschränkungen lediglich für Juden enthalten, insbesondere von Einwanderungsverboten und Grenzsperren. 3. Nationale und kulturelle Autonomie in den neu gebildeten Staaten in dem Umfange, den die Mehrheit der dortigen Juden fordert, unter Wahrung des Rechtes der Minderheit; Berücksichtigung des Sabbats in der Gesetzgebung. 4. Festsetzung: solcher politischen, administrativen und! ökonomischen Bedingungen für Palästina, daß seine Entwicklung zu einem von der gesamten Judenheit getragenen autonomen Gemeinwesen (common wealth) gesichert wird. 5. Entschädigung von Pogromopfern durch den betreffenden Staat. 6 ׳. Einsetzung ein« Internationalen Ausschusses mit der Aufgabe, darüber zu wachen, daß die Grundsätze und Beschlüsse der Friedenskonferenz hinsichtlich der Juden durchgeführt werden.“ Es ist auffallend, daß dieses Vertrauensvotum erteilt wurde, obgleich sich fast sämtliche Redner unter offensichtlicher Zustimmung der Versammlung gegen die nationale Autonomie im Osten ausgesprochen hatten. Zum Schluß wurde dann die Resolution für den Kongreß angenommen, in welcher die näheren Be- Stimmungen dem Vorstand überlassen wurden. Den Umfang dieser dem Vorstand erteilten Vollmacht vermögen wir nicht zu übersehen. Für Palästina hat die Generalversammlung kein Interesse gezeigt, in der Ausländerfrage und in der Frage der Gleichberechtigung hat sie versagt. Unsere Bedingungen sind bekannt. Ist der Vorstand des Centralvereins, der den Verein uns gegenüber vertritt, trotz dieses Verlaufs der Generalver- Sammlung in der Lage, unter den festgesetzten Voraussetzungen zusammen mit uns einen Kongreß aller Juden in Deutschland einzuberufen? Kommt er zustande, so wird er die Plattform sein, auf der in Zukunft die Kämpfe um die jüdische Entw icklung in Deutschland ausgefochten werden. Daß wir uns auch im deutschen Judentum durchsetzen müssen, ist uns durch den Verlauf der Generalversammlung zu erneuter Gewißheit geworden. Wir sind unserer Verantwortung für das deutsche Judentum nicht dadurch enthoben, daß es sich selbst aus den großen jüdischen Zusammenhängen ausschließen will. Ist der Vorstand des Centralvereins nicht in der Lage, auf unsere Bedingungen einzugehen, so sind wir allein berechtigt, den Kongreß aller Juden in Deutschland einzuberufen. Nur der von uns einberufene Kongreß kann sich dann der allgemeinen Kongreßbewegung einfügen. Alle Versuche, den von uns der jüdischen Welt gegebenen Kongreßbegriff umzudeuten, sind vergeblich. Wenn irgendwelche Konferenzen von deutschen Juden sich mit dem Wort Kongreß schmücken, um unter dieser neuen Firma Antizionismus zu machen, so werden sie der Judenheit der Welt einen neuen Anlaß geben, den Argwohn gegen den jüdischen Charakter des deutschen Judentums zu verstärken. Wir bleiben Träger des Kongreßgedankens. Unbeirrt durch die augenblickliche Stellungnahme irgendwelcher jüdischer Organisatio-

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