Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 40 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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0 Nr. 40 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 321 neu diel irenl FaJ Erb ittell diJ amtl nehi Gel chafl rbeo Iba alten zuj eli! •echj chen all« 3 bei OSigJ üheif dot :hsej f>rei 011 di iber-l Erb-I 1 laus-l steml n״t| ragtj mmtl siel sein,[ icht, j hrei■[ 11m| Idil ktenl tzes,l eku-[ oßerl atio-l ent I derl ■zug,f geni illenl gen-l der! atte, I »uchl trch-1 das I ilitik I (las ben. I ide» I der I ikeit den. | teilt, >alämen und verzu I zu dere I ipfer j atiorein״ Sand der dien nali- (onmi!v »raunten licht ehnt Ibstmit die sie irde licht nmt, de* jung II r“ eben stina des Son- ■ückaus׳ eben entstehen kamt. Dieser Qeist, Ist der Oeist des Heehaluz. Hapoel-Hazair Ist die Verkörperung dieses Geistes in Palästina. Wir werden gegen jede Diktatur, von welcher Seite sie auch kommen mag, Front machen. Nur eine Diktatur ist berechtigt, die Diktatur des Volkes. Der nationale Imperativ verlangt, daß Palästina auf soziali- *tischer Grundlage aufgebaut wird, denn nur der Sozialisiimis verbürgt ein gesundes Leben des Volkes. Ohne jüdische Arbeit gibt es kein jüdisches Leben. Nicht dem Besitzer, sondern dem Arbeiter gehört der Boden. Die jüdische Arbeit ist auch allein imstande, das arabi- *che Problem zu lösen. Der Fellache ist dem jüdischen Arbeiter, der im Schweiße seines Angesichtes arbeitet, nicht böse. Sein Groll richtet sich nur gegen den jüdischen Besitzer. Durch die jüdische Arbeit wird aber noch ein viel wichtigeres Problem des inneren jüdischen Lebens in Palästina, aus der Welt geschafft — das Arbeiterproblem. Im Namen der Hapoel-Hazairfraktion, die sich mit einer anderen Gruppe Sozialisten zu einer sozialistischen Arbeitsgemein־ chaft zusamengeschlossen hat, empfehle ich die Annähme der Ihnen unterbreiteten Anträge. Die historisehe Verantwortung, die wir unserem Volke gegenüber haben, veranlaßt uns, hier aufzutreten und unsere Forderungen zu stellen Es soll uns nicht entgegnet werden, daß sie nicht zu verwirklichen sind. Auch dem Zionismus wurden solche Vorwürfe gemacht. Heute geht es um die Verwirklichung des wahrhaften Zionismus. Blumenfeld: Die Einzelvorschläge des Referenten waren sicherlich gedacht als Richtung für den Aufbau Palästinas. 50 sehr ich für die Tendenz dieser Vorschlage bin, so kann ich doch — beispielsweise nicht mit der Forderung des Mitbestimmungsrechtes der Arbeiter in der Fabrik — einverstanden sein. Dies kann sich nur auf die Arbeitsbedingungen erstrecken, aber nicht auf die Leitung des Betriebs. Ein solches Mitbestimmungsrecht würde ein Unglück für das Unternehmen werden. Ebenso sollen auch die Ueberschüsse nicht der Arbeiterschaft der Einzelbetriebe, sondern der Gesamtheit zugeführt werden. Das sind aber Einzelheiten. Die Hauptfrage Ist, ob im Zionismus eine Trennung zwischen der zionistischen Gesinnung und den sonstigen Interessen des Zionisten möglich ist. Die Gegner dieser Vorschläge vermissen die Betonung des alten jüdischen Geistes. Aber gerade der alte Geist kannte diese Trennung nicht Und im neuen Aufbau darf keine Trennung zwischen Mensch und Jude sein. Unsere ganze zionistische Ideologie war in bestimmten Kreisen des Zionismus als Interessen-Ideologie aufgefaßt: Not im Osten, Antisemitismus im Westen, das waren die Beweggründe. Manche glaubten, die Steigerung des Antisemitismus sei eine Chance für den Zionismus, Zionismus kann nicht auf Interessen irgend welcher Schichten aufgebaut werden. "Und so konnte ich auch nicht begreifen, wieso der Hapoel-Hazair in seinem Programm sagt «faß er sich auf die Interessen der Arbeiter stützt. Einen neuen Weg gibt es: die Erneuerung des jüdischen Menschen in Palästina, der sich der Gesamtheit unter Zurückstellung seiner Person einfügt. Diejenigen, die mit ״realen Interessen“ rechnen, müssen sich sagen: Wenn z. B. die Wiener Poale-Zion nach Palästina kommen, so wird dort ein Kampf sich entfachen, der Palästina nicht zu Erez Israel, sondern nur zu einer neuen Hölle weiden läßt. Gerade Sie müssen Angst haben vor dem Blut, das dort fließen wird wie in keiner Revolution. Marx sagte: Das Proletariat habe kein Vaterland. Aber in der Tat hat es auch der Kapitalist der Gegenwart nicht Für die Nationalisierung des Bodens können auch diejenigen sein, die gegen die Begründung des Zionismus vom Gesichtspunkte der Interessen aus sind. Wie keine idealistische, prophetische Bewegung kann auch unsere keine Massenbewegung sein. Die Anzie- Ivungskraft Palästinas wird nicht darin bestehen, daß dort so und soviel Menschen angesiedelt sind, sondern darin, daß die Menschen dort besser geworden sind. Sind wir doch alle der Entartung der Zeit erlegen. Nicht allein der Beschlüsse bedarf es, sondern der Arbeit im Zionismus, um eine andere öffentliche Meinung zu schaffen, daß die Gesamtstimmung auf die Nationalisierung des Bodens hinziele. Dadurch wird auch die Frage der maximalen und minimalen Koloni- *ation gestreift. Auslese gilt es zu treffen. Die Besten gjlt es zu sammeln. Nicht durch Verlockung. Nur diejenigen sollen kommen, denen, wie Ruppin es auch tut, stets gesagt wird, daß die Uebersiedlung schwierig ist. Wenn sie dennoch kommen, dann sind sie die Richtigen. Ein einheitlicher und erneuerter Mensch in Palästina, der keine Trennung zwischen seinem Zionismus Und seinen menschlichen Bedürfnissen kennt, wird Palästina errichten. Lazarus Barth: Der Misradu, der sich aus Angehörigen der verschiedenen sozialen Richtungen zusanimensetzt, legt den Hauptwert auf den sozialistischen Geist beim Aufbau des jüdischen Palästinas und nicht auf die Einzelforderungen. Wir glauben, daß für den Geist der hier gestellten Anträge die überwiegende Mehrheit der Delegierten zu haben sein wird Leo Kauffmann: Ich möchte auf die zentrale Bedeutung des Hechaluz hin weisen. Nicht diplomatische Erfolge, sondern nur jüdische Arbeit werden uns Palästina geben. Der Hechaluz besteht aus den Ersten, die hiiiübergehen wollen und will den Kern der neuen Gemeinsdiaft bilden. Wir fordern vom Delegiertentag die Bereitstellung der notwendigen Mittel, um auch dem deutschen Hechaluz die Vorbereitung auf Palästina zu ermöglichen. Dr. Brünn: Ich spreche hier als Zionist und nur als Zionist. In den praktischen Forderungen trennt un# wenig von dem Programm des Herrn Max Strauß; theoretisch gehen wir ein weites Stück zusammen. Id» kenne allerdings nur einen Gesichtspunkt: was ist widitig für die Kolonisation Palästinas. Deshalb bin ich gegen allgemeine Forderungen, wie sozialistischer Aufbau Palästinas. Es ist inkonsequent, sozialistisch zu kolonisieren und gleichzeitig das Privatkapital zuzulassen. Entweder man ist Sozialist und löst dann die soziale Frage bei sich zu Haus, oder man ist Nationalist und erbaut ein jüdisches Palästina. In einer sozialistischen Welt würden wir nie zu einem jüdischen Palästina kommen. Ich bin für Bekämpfung des Bodenwuchers *und des Großgrundbesitzes. Aller Privatinitiative ist aber weiter Raum zu sichern. Die Nationalisierung der Bodenschätze und der öffentlichen Arbeiten sowie kollektive Arbeits- Verträge fordere audh ich, das sind1 aber keine sozialistischen Forderungen. Seit jeher vertrete ich die Forderung, Kleinbauern zu schaffen, die ja, wenn auch auf Umwegen, ebenfalls das Ziel der Produktivgenossenschaften sind. Trietsch: Die sozialen Forderungen brauchen das Tempo der Einwanderung nicht zu hemmen. Ich habe in meinem Referat Arbeit für alle, Heimstätten für alle und gleiches Landmaß für alle gefordert. Das Ausleseprinzip darf nicht bedeuten, daß irgend jemand der Eintritt nach Palästina verwehrt ward. Rudolf Samuel: Man hat hier mehrfach versucht, Hapoel-Hazair und Poale-Zion gegeneinander auszuspielen. Wir sind uns im Endziel, dem sozialistischen Palästina, einig und differieren nur in den Methoden. Das sind aber innere Streitigkeiten der jüdischen Sozialisten. Zionismus und Sozialismus sind identisch, wenn der Zionismus praktisch werden soll, muß er sozialistisch sein. Dyk: Ich stimme mit Herrn Strauß im Endziel überein, nämlich in der Errichtung eines jüdischen Palästina, das auf sozialer Gerechtigkeit errichtet ist, aber ich differiere in den Mitteln. Das Hauptproblem des Sozialismus ist nicht die Beseitigung der Wirtschaftskrisen und die Aenderung der Produktionsweise, sondern die Frage der Verteitung, wobei der Sozialismus ebenso das Recht auf den Ertrag der Arbeit anderer, als auch völlige Gleichmacherei verwirft. Um dieses Ziel zu erreichen, muß der Sozialismus langsam erwachsen. Proletarisierung, Klassenbewußtsetn und Klassenkampf werden zusammen mit sozialistischer Er- Ziehung das Endziel herbeiführen. Insbesondere diese Erziehung ward Generationen dauern. Nun zur Praxis. Strauß spridit vom Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit, aber ihm schwebt als Ideal die Kommune im Sinne von Dagania vor. Dieses Ideal wird in Palästina nicht verwirklicht werden können, so lange die Welt nicht sozialistisch ist Glauben Sie etwa durch Worte unsere Kapitalisten zu Kommunisten zu machen? Nur die Methode des Klassenkampfes kann dieses Ziel erreichen. Ich dagegen bin für sozialen Ausgleich, bin gegen jede Klassenherrschaft, sei ^es von rechts ©der links. In Dagania, das hier als Ideal gepriesen wurde und das ein Abbild des russischen Bolschewismus war, hatten die Arbeiter nicht einmal das Geld, eine Briefmarke zu kaufen. Auch Herr Strauß wird die Geister, die er rief, nicht loswerden können. Arlosoroff: Wir fordern eine sozialistische Ent- Wicklung aus nationalen Gründen. Wer wirklicher Zionist ist, der muß Palästina für alle Juden haben wollen und gegen jede Versklavung des Arbeiters sein. Di ei Pioniere in Dagania wußten, wofür sie Opfer brachten. Dr. Elias Auerbach: Ich bin mit den Forderungen der sozialistischen Arbeitsgemeinschaft im Ganzen einverstanden, aber kenne nur ein Interesse, das des jüdischen Volkes. Deshalb vermeide ich es, mich Sozialist zu nennen, obwohl ich es eben so bin, wie die Herren vom Hapoel-Hazair. Es ist notwendig, das Primat des Geistes vor den ökonomischen Bedingungen zu betonen. Der Hapoel-Hazair in Palästina war früher nur eine nationale Partei, ich weiß nicht, ob er jetzt dem Ansturm des Sozialismus erlegen ist. In der Araberfrage bin ich für jüdische Arbeiter, bin aber gegen jede Boykottierung der Araber, sowohl aus praktischen Gründen wie aus Gründen nationaler Ethik. Wollen wir, die wir in Polen unter dem Boykott gelitten haben, ihn jetzt gegen die Araber in Palästina an wenden? Dr. Fritz Löwenstein: Es ist eine Ehrenpflicht, wenn hier über deutsche Chaluzim gesprochen wird, an die Arbeit zu erinnern, die Walter Moses geleistet hat. Er hat die Jugend des Blau-Weiß im Hinblick auf Palästina erzogen, hat ihnen de® Gedanken der Landarbeit nahegebracht und in mühseliger, privater Arbeit Jungen und Mädchen auf dem Lande untergebracht. Diese Arbeit wird jetzt von ihm als Sekretär des Arbeitsamts der Z. V. f. D. weitergeführt. Zum Prinzipiellen bemerke ich, daß auch die Poale-Zion nicht den Klassenkampf in Palästina wollen, sondern daß sie vorziehen, daß Palästina von vornherein sozialistisch erbaut wird, wenn dies möglich sein wird. Dr. Löwenhehn: Der Kapitalist, der sich trotz seines Kapitals in den Geist des Sozialismus einleben will, muß in Palästina Platz finden. Ausbeutung dagegen wird niemand von Ihnen in Palästina haben wollen. Wir haben es mit einer hochentwickelten Arbeiterschaft zu tun, die sich ihr Recht nehmen! wird, wenn wir es ihr nicht geben werden. Wir brauchen ausgleichende Gerechtigkeit, um den Klassenkampf zu verhindern. Max Strauss zum Schlußwort: Das Programm, das Ihnen die sozialistische Arbeitsgemeinschaft vorgelegt hat, ist nichts afe der erste Schritt zum sozialistischen Aufbau des Landes. * Ueber den Verlauf und da« Ergebnis der Abstinrmung haben wir bereits berichtet. % Referat Frau Groneinan!1 Frauenarbeit in Palästina Der Zionismus fiat gleich zu Beginn seiner Tätigkeit die Gleichberechtigung der Frau in sein Organ)- satiansstatut aufgenommen. Wäre diese Gleichberechtigung wirklich im höchsten Sinne durchgeführt, würde eine besondere Frauenorganisation überflüssig sein. Leider hat weder der Zionismus, noch haben die zionistisehen Frauen lange Zeit hindurch in der Gleichberechtigung mehr gesehen, als die Ausübung des aktiven und passiven Wahlrechtes zu Kongressen und Delegiertentagen. An praktische Arbeit in Palästina selbst hat bis vor kurzem kaum je eine Zionistin ernstlich gedacht. Auch nachdem dieser Verband aut dem Kongreß im Haag begründet worden ist, haben die zionistischen und national-jüdischen Frauenvereine ihre Bedeutung behalten. Ihnen liegt die geistige Vorbereitung der jüdischen Frau für ihre Tätigkeit als Jüdin und Zionistin ob. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina dagegen hat am praktischen Aufbau des palästinensischen Volkslebens mitzuarbeiten und sieht darin seine einzige Aufgabe. Es gab eine Zeit, wo die Zionistinnen die Arbeit des Verbandes nicht für voll nahmen und sich nur schwer entschlossen, eich ihm anzugliedern. Diese Zeit ist glücklich vorbei. Ehe Leistungen des Verbandes in Palästina, sowohl auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Frauenerziehung•, als auch in sanitärer Beziehung und auch aut dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung für die städtische Bevöl'kerung durch Einführung der Spitzenindustrie, haben die Vorurteile überwunden. So kann der Verband jetzt auf die tatkräftige Hilfe aller Kreise rechnen. Der Verband hat ein großzügig angelegtes Arbeitsprogramm aufgestellt, zu dessen Durchführung er dringend der Unterstützung der zionistischen Organisationen bedarf. Dieses Programm fordert die gründliche Ausbildung der Frau in ihrer Eigenschaft als Gattin, Mutter und Hausfrau. Die Frau ist an und für sich mit festeren Banden an die alte Heimat gekniipit, wie der Mann. Soll sie außer der neuen Hem»־ stätte noch neue, unbekannte Pflichten aut sich nehmen, ungewohnte schwere Arbeit leisten, bricht sie leicht unter der Last zusammen und das Ende ist eine Vernachlässigung der Wirtschaft, die sie doch gerade hochbringen soll. Daher muß die bisherige Erziehung^- weise der jüdischen Frau von Grund aus umgewandelt werden. Sie muß sich aktiv an dem Aufbau Palästinas beteiligen können und wollen. Mit der Erziehung der Frau muß im Lande selbst angefangen werden, und zwar gehört dazu ein voll ausgebautes Erztebungssysten», das von der untersten Stufe beginnend sich allmählich zu einer großen Kette von ineinander greifenden und äufsteigenden Institutionen auswächst Die Arbeitsscheu unserer Frauen gegen die Verrichtungen des Alltags muß von früh auf energisch bekämpft werden, und soll daher schon in den Kindergärten beginnen. Ist das Kind erst gewöhnt, seine Zeit nützlieh auzuwenden, wird es auch im später«! Alter bestrebt sein, sich möglichst nutzbringend zu besehäftigen. Die Einführung eines obligatorischen Unterrichtes in Hygiene und Haushaltung an den Volks- und Mittelschulen wird den Kindern früh die Möglichkeit geben, im Hause mitzuhelfen und für Sauberkeit und gesundes Essen zu sorgen. In den Mittelschulen würden außerdem noch Säuglings- und Krankenpflege hinzutreten müssen, zwei Gebiete, auf denen in Palästina in Unkenntnis viel gesündigt wird. Fortbildungsschulen mit demselben aber weiter ausgebauten Programm werden sich anschließen müssen, um den Kindern Gelegenheit zu geben, ihre Kenntnisse zu vertiefen. Aber das allein genügt nicht. Es müssen Haushaltungsschul en mit folgenden Unterrichtsgegenständen errichtet werden: Kochen, Behandlung der Wäsche, Plätten, Servieren, Nähen, Flicken, Warenkünde, Ernährungslehre, wirtschaftliche Buchhaltung, Hygiene, Säuglingspflege. Anschließend eine Abteilung zur Ausbildung von Hausbeamtinnen und Hausbaltimgslehrerinnen. Ein gewisses Mißtrauen wird es da zu überwinden geben. Es heißt gewöhnlich, solche Schulen bilden Hauspersonal aus und die palästinensischen Mädchen haben keine Neigung für diesen Beruf. Es handelt sich aber um Kenntnisse, die jedes Mädchen später einmal im eigenen Hause zu verwerten haben wird. Die Haushaltungsschulen werden auch tüchtige Leiterinnen und Personal für gemeinnützige Anstalten, wie Kranken- und Waisenhäuser, Arbeiter- und Einwandererheime liefern. Bislang macht sich ein sehr starker Mangel gerade auf diesem Gebiete bemerkbar. Wir kommen zu den landwirtschaftlichen Frauenschulen und Farmen, mit den wichtigsten Erziehungsanstalten unseres Programms. Unterricht in allen Zweigen der Hauswirtschaft, Geflügelzucht, Milchwirtschaft, Obst-und Gemüsebau, Gärtnerei, Bienenzucht und Hygiene - Abteilung zur Ausbildung von Lehrerinnen, wer sich je mit Kolonisationsfragen beschäftigt hat, weiß, welche Roll* die Arbeit der Frau in der Bauernwirtschaft spielt und wie bitter nötig gerade unsere jüdischen Frauen eine tüchtige Vorbilaung haben. Unsere Kolonisten hätten es ein ordentliches Stück weiter gebracht, wenn ihnen von Anfang an die Frauen als Helferinnen zur Seite gestände;!! hätten. Unsere kleine Farm Kinereth war bisher die einzige Institution dieser Art. Herr Agronom Oetting e r sagt bereits im Jahre 1914, kurz vor Ausbruch des Krieges: ״Schon jetzt sieht man, wie nützlich die Beteiligung von jungen Frauen an den Betrieben in Dagania, Kinereth, Hattin, Poria und Sarona ist. Viel größere Ordnung und Reinlichkeit in der Küche, im Hause und im Hofe, als sonst in den Kolonien, ist in den jungen Betrieben wahrzunehmen. Größere Mannigfaltigkeit in der Beköstigung der Arbeiter, mehr Sorgfalt in bezug auf *die Geflügelzucht, wachsendes Verstindnis für die Notwendigkeit der kleinen landwirtscliaftlichen Nebenzweige, dies sind Tatsachen, die den Besucher der Betriebe in der Nähe der Mädchen farm Kinereth frappieren.“ Im Laufe des Krieges bewährten sich nun auch die Schülerinnen der Farm sowohl als Leiterinnen von Arbeitswirtsdiaften, als auch auf dem Gebiete des Ge; müsebaues. Eine Ergänzung der landwirtschaftlichen Schulen sollen die Wanderlehrerinnen bilden, deren Aufgabe es sein eoU, in die Kolonien zu gehen