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Jüdische Rundschau · 1919-06-03 · Heft 39 (3.6.1919) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 39 (3.6.1919)
Date
1919-06-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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oeite 308 JUEPISCHE RUNDSCHAU Nr. 39 3. Weitergabe des Landes an Einwanderer, die das Land selbst bearbeiten wollen, oder an landwirtschaftliche Genossen sc haften. 4. Unterstützung der Konsumvereine unter Förderung ihrer Eigenproduktion. 5. Vergesellschaftung des Verkehrs- Wesens, der Häfen, der Elektrizitäts-,Gas- und Wasserwirtschaft, der Wälder und N a - turschätze. 6. Gewährung öffentlichen Kredits zum Aufbau der nationalen Produktion der Landwirtschaft und der Industrie mit Hilfe freier Arbeitergenossensc haften. 7. Aufsicht und Kontrolle der Privatiudustrie durch die jüdische Gemeinschaft. 8. Kollektive Arb e i t s v e r t rage. Aus gedehnte A r be i t e rs c h u t z^e 9e t zge bu n g. (Koalitionsrecht, Sozialversicherung, Maximalarbeitszeiten, Minimallöhne, Frauen- und Kinderschutz.) 9. Anteilnahme der Arbeiter an der Regelang der Arbeitsbedingungen und am Gewinn. 10. Unentgeltliche Benutzung der Bildungsan stal ten und Lehrmittel; die Möglich keit der Teilnahme auch Unbemittelter durch Gewährung der Unterhaltungskosten aus öffentlichen Mitteln. 11. Unentgeltliche Gewährung von ärztlicher Hilfe und Heilmitteln. 12. Kontrolle des Bau- und Wohnungs- Wesens, sowie möglichst ausgedehnte städtische und kommunale Bautätigkeit. 13. Sabbat und Feiertage sind die nationaten Ruhetage des jüdischen Volkes.“ Die ursprünglichen Anträge der sozialistischen Ar beitsgemeinschaft hatten gelautet: Punkt 4: ״Unterstützung der Konsumvereine unter Förderung ihrer Eigenproduktion zwecks Vorbereitung der Sozialisierung des Handels.“ Punkt 7; Kontrolle der Industrien, die für eine Vergesellschaftung noch nicht reif sind und rechtliche Sicherungen der Möglichkeit späterer Sozialisierung. Punkt 9; Anteilnahme der Arbeiter an der Verwaltung der einzelnen Unternehmungen und Zuführung eines Gewinnanteils an die Gesamtheit der Arbeiterschaft des Landes. Dann wird auf Antrag Jacob Reichs über einen Antrag Dr. Elias Auerbach zur Tagesordnung übergegangen, da sich seine Annahme durch den Antrag der sozialistischen Arbeitsgemeinschaft erübrigt. Angenommen wird dagegen folgender Passus des Auerbachschen Antrags: ״Ein Gegensatzvon Kapital und Arbeit und aus ihm sich ergebende Klassenkämpfe sollen durch die Betätigung eines wahrhaft jüdisch-sozialen Geistes im Gemein» wesen verhindert werden.“ Ferner werden folgende Anträge des Hapoel- H a z air angenommen: ״Der Delegiertentag fordert: 1. Bei der Kolonisation Palästinas und bei der Organisierung der Einwanderer soll der H e c h a 1 u z von den leitenden zionistischen Institutionen seinem Charakter als Pionierbewegung entsprechend in jeder Hinsicht berücksichtigt und gefördert werden. 2. Als nächste Aufgabe soll die Z. V. f. D- Sorge tragen, daß allen Chaluzim In Deutschland, d. h. allen Pionieren, die in Palästina von eigener Arbeit in Land- Wirtschaft und Handwerk leben wollen, Berufs vorbereitung für Palästina ermöglicht wird. Dazu sollen a) eigene Lehrgüter geschaffen, b) sonstige Lehrstellen beschafft und ermittelt, c) unbemittelten Chaluzim die Berufs- Umstellung möglich gemacht werden.“ Die Schlußsitzung Am Donnerstagnachmittag hielt Hans Goslar das Referat über die Finanzierung Palästinas. Wir sind infolge Raummangels nicht in der Lage, das sehr eingehende und fach wissenschaftliche Referat zu bringen. Es wird vollinhaltlich in ״Volk und Land“ erscheinen. Es folgt alsdann die Abstimmung über Anträge, die zur Palästina-Debatte gestellt sind. Dr. Hantke: Wir müssen Organe schaffen, die die Vorbereitung für Palästina in Deutschland durchführen. Es ist ratsam, ein Palästinaamt mit ein oder mehreren Sekretären und einen ehrenamtlichen Palästinaausschuß zu beschließen, der dem Geschäftsführenden Ausschuß zur Seite stehen soll. Die Beschlüsse zur Debatte über Ansiediungamöglichkeiten Folgender Antrag Reich wird alsdann angenommen: ״Der Palästina-Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland beschließt die Schaffung eines Palästina-Amtes und e i n e,s Palästina-Ausschusses. Dem Palästina-Amt liegt die Durchführung der auf Palästina bezüglichen Arbeiten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ob. Der Sekretär des Palästina- Amtes nimmt an den Beratungen des Geschäftsführenden Ausschusses teil. Der Palästinaausschuß wirkt ehrenamtlich als sachverständige Beratung des Zentralkomitees. Die Personalvorsdiläge für beide Instanzen macht das Präsidium des Palästina-Delegiertentages dem Geschäftsführenden Ausschuß, der, soweit nicht zwingende Gründe dagegen sprechen, dementsprechend entscheidet.“ Es liegen dem Delegiertentag zwei Anträge von Dr. Auerbach und Davis Trietsch vor, die dem Zentralkomitee die Richtung weisen wollen, in welchem Sinne die Palästinaarbeit vorn Delegiertentag gedacht ist. Trietsch erklärt, er mache keine Propaganda für eine große Einwanderung, sondern für eine große Vorbereitung. Andererseits betont Auerbach, daß wir das Maximum dessen tun müssen, was wir für erreichbar halten. Das Gegensätzliche der beiden Anträge liege nicht in den Anträgen selbst, sondern in der sachlich verschiedenen Auffassung der Parteien, durch die sie gestellt werden. Der Antrag Trietsch wird mit 61 gegen 37 Stimmen abgelehnt. Folgender Antrag Auerbach wird mit 80 gegen 50 Stimmen angenommen: ״Der Palästina -Delegiertentag der deutschen Zionisten erwartet und fordert von der Leitung der zionistischen Bewegung die sofortige Inangriffnahme aller Vorbereitungen für eine geordnete mit allen Kräften zu beschleunigende Einwanderung in Palästina nach Maßgäbe der Möglichkeiten des Landes.“ Die Kulturdebatte Dr. Hantke bedauert, daß durch Umstände, die vom Referenten und vom Geschäftsführenden Ausschuß unanliängig waren, es nicht möglich gewesen ist, das Kultur-Referat von Prof. Heinrich Loewe anzuhören und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß wir uns bei der nächsten Zusammenkunft eingehend mit diesen Fragen beschäftigen werden. Folgender Antrag Dr. Wilhelm Lev y wird debattelos angenommen: ״In Erwägung, daß die Kenntnis der hebräischen Sprache für die jüdischen Einwohner Palästinas eine nationale Notwendigkeit ist, beauftragt der Delegiertentag das Zentralkomitee, bei der Zusammensetzung des zu schaffenden Palästinaamtes hierauf Bedacht zu nehmen und alle Maßnahmen zu treffen, daß schon vor der Ueber- Siedlung jedem Einwanderer Gelegenheit gegeben wird, sich diese notwendigen Kenntnisse zu erwerben. Als die zweckmäßigste Form hierfür wäre die Eingliederung des hebräischen Sekretariats in das Palästinaamt in Betracht zu ziehen.“ Nach kurzer Debatte wird folgender Antrag Barth angenommen: ״Der Palästina-Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland fordert von der Leitung der zionistischen Gesamtorganisation: Beim Aufbau Palästinas müssen alle Einrichtungen getroffen werden, damit die Entwicklung des Gemeinwesens auf der Grundläge und irn Sinne der aitjüdischen Kultur gesichert wird. Als geeignete Mittel hierfür werden in Aussicht genotmmen: 1. Aufstellung eines für alle Schulen geltenden Minimalprogramms, das die Kenntnisse des jüdischen Schrifttirms im weitesten Umfange als Zwangsunterrichtsgegenstand enthält. 2. Ausbau des Schulwesens auf der Grundlage des Prinzips der Schulgemeinden, die untereinander nach kulturellen Gesichtspunkten differenziert sind. 3. Erhöhung der Begründung und Aufrechterhaltung von Lehrhäusern und Hochschulen, denen die Durchforschung des gesamten jüdischen Schrifttums obliegt. 4. Schaffung einer Zentralbibliothek «»wie einer mögliehst großen Anzahl lokaler Bibliotheken, deren *Benutzung unentgeltlich sein muß, in denen das jüdische Schrifttum den seiner Bedeutung angemessenen Raum einnimmt, 5. Die jüdischen Kunstdenkmäler sind zu sammeln und der Allgemeinheit zugänglich zu machen.“ Woskin beantragt, hebräische Lehrbücher zu beschaffen, die grammatisch und stilistisch allen Anforderungen genügen. Ferner Chrestomatieen (Bibel, Neuhebräisch und mit Glossaren), drittens Ferienkurse für die Lehrer in der Provinz einzurichten. Die Anregung wird dem Palästinaamt als Material überwiesen. Frau Hedwig Meyer-Lübke regt an, für die Be- Schaffung eines billigeren hebräischen Lehrbuches zu sorgen, der Rath sei zu teuer. Trietsch gibt folgende Erklärung ab: ״Sie haben nach der Richtung der kleineren Möglichkeiten entschieden. Meine Arbeit, die nie Von offiziellem Aufträgen abhängig gewesen ist — sonst hätte sie nie beginnen können — wird weitergehen Wie bisher. Im Rahmen Ihrer neuen Palästina-Instanzen werde ich es allerdings nicht können. Der Minimalismus hat Platz innerhalb des Maximalismus, aber niemals umgekehrt Die Minderheit der Wagemutigeren, die in diesem Falle auch die besseren Rechner sind, wird nicht in der Mehrheit der Mindermutigen verschwinden wollen. Wir werden Mittel und Wege finden, sei es in der Form einer politischen Federation öder einer politischen Fraktion oder in einem sonstigen organisatorischen Rah men, ein durch minimalistische Beschränkungen unbe hindertes Arbeitsfeld uns zu schaffen.“ Dr- Hantke weist zum Schluß auf die Bedeutung der Tagung hin und dankt dann für die Vorberei tungs arbeiten. Dr. Barth dankt Dr. Hantke für die musterhafte Leitung und die geleistete Arbeit. Mit der Absingung der Hatikwah achloß die Tagung gegen 8 Uhr abends. Nr. 39 Zur politischen Lage Keine Reise Weizmanns nach Palästina Wir haben gemeldet, daß Dr. Weizmann in nächs, Zeit nach Palästina j.vl reisen beabsichtige. Der Zwecty seiner Reise war, mit der von der Friedenskonferer auszusenden Kommission in Palästina zusammenzutreffe», - Dem Jewish 'Chronicle vom 23. Mai ent nehmen wir jedoch, daß, vermutlich wegen des in zwischen stattgefundenen Arrangements zwischen den Mächten, bei dem das Mandat Englands über Palästina gesichert worden ist, die Reise der internationalen Orient-Kommission nicht stattzufinden braucht. Infolgedessen wird auch die Reise Weizmanns nicht stattzufinden brauchen. Einer L andtag na! mgen Ben chipper u wahren echt verhäi Emir Feisal und der Zionismus Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: Gegenüber verschiedenen Pressenachrichten, wonach der Emir Feisul, der Führer der arabischen Hedschas- Delegation beim Friedenskongreß in Paris, in letzter Zeit eine unfreundliche Haltung gegenüber den zionistischen Palästinabestrebungen eingenommen hätte, ist das Kopenhagener Zionistische Büro in der Lage, festzustellen, daß diese Gerüchte jeder Grundlage entb e h r e n. Emir Feisul hat vielmehr eine Reihe von Schritten getan, die darauf abzielen, die arabische Anschaumig mit der zionistischen Politik in Einklang zu bringen. So hat er der arabischen Delegation in Damaskus mitgeteilt, daß seines Erachtens die arabisehen und zionistischen Bestrebungen nicht unvereinbar sind, und die arabische Delegation hat diese Mitteilung günstig aufgenommen. Der Emir hat ferner Mitglieder der Zionistisehen Kommission eingeladen, ihn zu besuchen; offenbar in der Absicht, eine Zusammenkunft zwischen den Kommissionsmitgliedera und einigen der arabischen Führer in Palästina herbeizuführen. ,Es mag auch bei dieser Gelegenheit daran erinnert werden, daß die zionistische Politik ihrerseits durchaus auf die Herstellung freundlicher Beziehungen zu der arabischen Bevölkerung und ihren Führern abzielt. Die Pogrome Die Reihe abgeschlossen. Neue Pogrome der Pogromnaehrichten ist noch nicht׳ Kowel, Czenstochau. So*- In Gegen maßregeln Offener Brief an Paderewski De Das letzte Koni nach iiüe inzwisci linden Ruß |Si aiditsc t ei n und Ziel ein, d Vorsitzende!!ernannt. 11 luenstelben ändern wi |«nigung sc richten. A |M e n s c h e .egen die 1!»rächten an wer «eh n!beschäftigt,!keine politi liechte, wa langen. Co Im allen die |*'ohltätigke ökonomisch! stimmte Ra |/ur Erhalt!!! | ertretung i lerner einer |l)ie Times lirtikel, be befürworten pösen, ku!1 Forderung!Palästina a llie Durchfü IMinoritätsv( fehlen Um Cohens ei 1a ze 11 e die jüdisch! Jjuden Oste ■und erklärt!Völkerbund!werden. nowice, Bendzin, Chrzanow und Trzeb i n i a (letztere beiden in Galizien) kam es durch die Hallerechen Truppen zu neuen, schrecklichen Pogromen, ln Czenstochau wurden bisher 9 Tote und viele Verwundete festgestellt. Am 12. Mai kam es zu schweren Ausschreitungen in Grybow. Die Gendarmerie schritt anfangs ein änderte dann aber aus unaufgeklärten Gründen ihr Verhalten und sali, ebenso wie die Intelligenz von Grybow, den Plünderungen untätig zu. In der Nacht vom 12. zum 13. Mai wurden die Züge am Bahnhof von S t ro z e überfallen und die Juden geschlagen und ihres Gepäckes und Geldes beraubt. De Zahl der Verwundeten ist groß. Publikum, darunter auch -Offiziere und Gendarmen, mit Ausnahme eines einzigen, der aber gegenüber der Menge machtlos war, sahen zu, ohne einzugreifen. — In M a j d an wurden von 150 Familien 140 ausgeraubt, ln den Dörfern R u s i n o w (in der Nähe von Majdan) und Bohowa (Westgalizien) wurden die Juden gleichfalls geschlagen und ausgeraubt. Wie da I s eine Na׳ er zionistis g c r, di Erobei sehen In Juden Polens sind wegen dieser immtr wieder und an allen Stellen, wohin polnisches Militär kommt, söfort einsetzenden Pogrome in furchtbarer Ver- ׳zweifhing. Die jüdisch-nationalen Abgeordneten haben, da es ihnen unmöglich ist, eine Interpellation ein zu bringen, einen offenen Brief an den Ministerpräsidenten Paderewski gerichtet. Sie schildern die Leiden, denen die jüdische Bevölkerung unaufhörlich durch Posener und Hallersche Truppen ausgesetzt waren, erwähnen die Pogrome in Kalisz, Busk, Szydknv, Stopnica, in vielen Orten des Kalischer und Kielcer Kreises, ferner in Wielun, Lublin, Miecliow, Slomniki, Ksiaze und in Mittelgalizien, besonders in Rzeszow, Kolbuszowa und Strzyzow, dann in Litauen, "besonders in Pinsk, Lida, Wilna und Poryck. Die Abgeordneten erklären sich bereit, alle angeführten Beschwerden mit Tatsachen und Dokumenten zu belegen und fordern den Minister- Präsidenten auf, eine klare und eindeutige Antwort zu erteilen, welche Maßnahmen er ergreifen will, um endlich ,dieser Entrechtung des polnischen Judentum• ein Ende zu machen. ln Hei Ich für die Ire ten, uni Irischen Wi liie jüdisch Ich hoffen Erwartung( geknüpft 1 Es lief ■m Jahre 1 fchullehreri lugen dg JUeberzeugc ]vermöchte, kervorragei garten im Binzu räume Fracht kom ]erzielten f die sich b gangbar e! ״In L Luid gepa |u machen, cstand eir Irische Täti |e V8 und ernte dies! ßas Geld f |len Pachte fie von ih patten 20 |ugendgarl tauptwert Indische l< Prilutzki bei General Haller Der Abgeordnete Prilutzki führte am 14. Mai in Lublin bei General Haller persönlich über das sdiänd liehe Verhalten der Soldaten seiner Armee, namentlich auf den Transporten, Klage. Haller erklärte, er habe zwar von Ausschreitungen gehört, aber nicht gewußt, daß solche Dnge geschehen. Höhere Offiziere sollten von jetzt ab die Transporte begleiten und für Ruhe und Ordnung sorgen. *) Di ein Jahre entno r

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