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Jüdische Rundschau · 1919-06-03 · Heft 39 (3.6.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 39 (3.6.1919)
Date
1919-06-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 305 Bauern und es komme nur darauf an, einen Plan zu konstruieren, wie diese Bauern anzusiedeln seien. Herr Trietseh hat sich gefreut, sich auf Herrn Dr. Ruppin als Zeugen berufen zu dürfen, mit der Begründung, daß Ruppin sich jetzt die Massenkolonisation in einem schnelleren Tempo denkt als früher. Dr. Ruppin weiß und muß nach seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Palästina wissen, daß erst eine Vorbereitung für die Massen stattfinden muß, ehe sie ühersieJeln können, einfach schon aus dem Grunde, weil unsere Jugend keine Landwirte noch weniger Bauern sind, und die Bauern, die wir im Osten haben, aus gewohnter Schollenkleberei vorläufig nach Palästina nicht auswandern werden. Trietsch glaubt daran, daß Hunderttausende einwandern könnten, wenn man nur wolle. Er weist dabei auf die gesteigerte Arbeitsfähigkeit der Jugend hin, die sie sich in den letzten Jahren im Kriege erworben habe. Dieser Hinweis ist aber nicht zutreffend. Es ist ein Unterschied, ob man zerstörende Arbeit leistet oder aufbauende. Die aufbauende ist jedenfalls die schwerere, besonders wenn es sich um ein Verhältnismäßig primitives Land wie Palästina handelt. Wenn in Palästina bisher alles Wirtschaftliche außer acht gelassen war, 90 lag das daran, weil einmal die Kokmisation anfänglich mehr philanthropischen Motiven entsprang, das andere Mal aber bei der zionistischen Kolonisation politische Gründe dazu zwangen, Koloni- 6atk>n zu treiben. Heute haben sich die Verhältnisse gänzlich geändert. Die Kolonisation muß auf vvirtschaftliche Basis gestellt werden. Wir müssen die Vorarbeiten mit einer solchen Intensität vornehmen, daß man möglichst große Massen, ohne sich auf irgendeine Zahl festzulegen, in Palästina auffangen und ansiedeln kann. Hierzu sind zwei parallelgehende Arbeiten nötig, erstens die Vorarbeiten in Palästina nach einem ganz bestimmten Plane und zweitens die Vorbereitung der Pioniere in Europa auf die Berufe, die für Palästina in Frage kommen. Ich kann Dr. Ruppins Ansicht nicht teilen, daß Palästina von Natur aus ein Plantagenland ist. Die Gartenkultur ist dort erst nach dreißig- bis vierzigjähriger Kolonisation rentabel geworden. Alle Zahlen hierüber sind aus der Luft oder aus der Wissenschaftliehen Literatur gegriffen. Es wird behauptet, daß die Intelligenz der Juden es zustande bringen werde, alle Juden zu Gärtnern zu machen, und sich nicht mit Ackerbau zu beschäftigen. Hierauf kann ich nur das eine erwidern: Alle deutschen Bauern müßten ja dann verrückt sein, daß sie sich mit Getreidebau quälen, während sie es so viel bequemer haben könnten, Gartenkultur zu treiben. Auch wird eingeworfen, das Klima bedinge die Gartenkultur. Der Grund hierfür liegt wo anders, und zwar hängt das damit zusammen, daß bisher ein landwirtschaftlicher Betrieb in Palästina zu einer Durchführung, bei der man von einem Resultat sprechen konnte, nicht gekommen ist Die Einzelfragen müssen von besonderen Sachverständigen behandelt werden.- Wie kann man denn behaupten, man könne schon für 1000 oder 5000 Frcs. ein Haus bauen? Wo sollen denn da die notwendigen technischen Hilfsmittel herkomtnen? Das Streben, Massen nach Palästina zu bringen, lebt in uns allen, und deshalb pmiß der Boden für eine solche großzügige Einwanderung vorbereitet werden. Wir brauchen Lehrfarmen und ferner Bauern, die etwas von der Praxis verstehen und sich mit einer Frau in Palästina ansiedeln. Man muß die Massen warnen, ihnen nicht etwa sagen, daß Palästina für sie für lange Zeit gesperrt ist, sondern gefühlsmäßig etwa so argumentieren, daß es nun nach einem so endlosen Golus nicht mehr auf ein paar Jahre ankäme, wenn diese paar Jahre dazu nötig sind, Palästina zu einer Heimstätte für das jüdische Volk vorzubereiten. Dr. Chamizer: Die Kardinalfrage ist, wie Auerbach richtig sagt, in welchem Umfange die Kolonisation Palästinas möglich ist und von welchen Bedingungen sie abhängt. Es kommen die drei Faktoren: Land, Volk, Kapital in Betracht. Es ist müßig, sich zu streiten, ob Palästina drei sechs oder zehn Millionen Menschen ernähren kann. Bestimmt kann es drei Millionen ernähren. In welcher Zeit gestattet dies das Land, wenn keine anderen Faktoren hindern? Die unter türkischer Verwaltung bestehenden Schwierigkeiten sind völlig behoben. Freilich ist das Kataster wesen in größter Un- Ordnung; um es ln Ordnung zu bringen, sind aber nicht Dezennien erforderlich. An manchen Stellen werden die bestehenden Unklarheiten durch Vergleich und Prozeß schnell geklärt ,werden können, an anderen vielleicht von vornherein klar sein. Die Klärung der Rechtsverhältnisse wird unter englischer Verwaltung schon nach einem halben Jahr schneller fortgeschritten sein,'als ihr die Kolonisation überhaupt zu folgen vermag. Was die t a t s ä c h - liehe Beschaffenheit des Landes anbetrifft, so ist es richtig, daß umfangreiche Assanierungsarbeiten vor der Besiedlung durchzuführen sind. Aber sie werden sukzessive fertig, abgesehen davon, daß es auch hygienisch einwandfreie Gebiet« gibt. Die Assanierung wird also die Kolonisation nicht erheblich verzögern, abgesehen davon, daß sie selbst erhebliche Einwandererkräftc beschäftigen wird. Dasselbe gilt für die übrigen Erschließungsarbeiten. Es muß nicht erst eine von diesen Arbeiten im ganzen Lande erledigt sein, sondern sie greifen alle ineinander. Ein Terrain wird gerade assaniert, das zweite entsteint, auf dem dritten werden die Gebäude errichtet, auf dem vierten zieht schon der Kolonist ein. Zu jeder Zeit werden Terrains zur Besiedlung reif. In welchem Maße? Das hängt nur davon ab, in welchem Maße wir Menschen und Kapital einsetzen können. Denn Arbeiten, die überhaupt geschafft werden können, sind bei entsprechend größerem Kapital- und Kräfteeinsatz eben in entsprechend kürzerer Zeit möglich. Das Land stellt aber kein Hindernis für ein schnelles Tempo der Besiedlung in den Weg. Was das Volk anbetrifft, so fehlen uns hier, solange wir keine Berufsstatistik der Auswanderungen!'־ gen haben, alle Unterlagen. Es ist unverständlich, warum die Leitung die erforderliche Registrierung unterläßt Wir sind auf Schätzungen angewiesen. Da glauben wir nun, daß sich unter den Einwanderern anfangs nur wenige Landwirte befinden werden, so daß dadurch die landwirtschaftliche Besiedlung verlangsamt werden kann. Da aber bei der inneren Kolonisation Schwedens 55 ״/o der Kolonisten aus nicht Landwirtschaftlichen Berufen kamen, wird auch Uns die Berufs- Umschichtung nicht allzu schwer falle«, besonders bei Kleinsiedlern. Zum Gartenbau gehört ja weniger Kraft als Intelligenz und Sorgfalt; und es ist nicht zu optimistisch, hierzu einen großen Teil unserer' Einwanderer für geeignet zu halten. Bei der Industrie dürften wir für sehr viele Zweige Arbeiter und Meister zur Verfügung haben. Welche Industrien in Palästina möglieh sind, darüber werden die Unternehmer entscheiden müssen. Alle Einwände gegen Errichtung von Industrien kommen von Nichtfachmännern. Exportindustrien, wie die Schweizer Uhren- oder die ägyptische Zigarettenindustrie, die beide alle Rohmaterialien aus dem Auslande beziehen, wären dort sicher nicht entstanden, wenn die ersten Unternehmer vorher einen von diesen Herren um fachmännischen Rat gefragt hätten. Die Beschaffenheit unseres Einwanderermaterials läßt sich also, um es zusanrmenfassend zu sage!,, vor Aufstellung des Katasters nicht beurteilen. Ich komme nun zur Kapitalfrage. Bei den darauf bezüglichen Auslassungen unserer Gesinnungsgenossen wird mit Millionen und Milliarden operiert, und jeder ist überzeugt, daß das Geld nicht fehlen wird, wenn die Kolonisation nur nach seiner Idee erfolgt So insbesondere unsere Freunde von der äußersten Linken. Sie wollen für Kapital und Unternehmer in Palästina das Grab schaufeln, glauben aber nicht, daß die Unternehmer es dann vorziehen würden, Palästina zu meiden. Auch die, die ä tout prix den ganzen Boden nationalisieren wollen, haben keinen realen Boden unter den Füßen. Die Nationalanleihe mit 1 oder P/2 °h Verzinsung — eine höhere ist bei 41/2 prozentigen Schuldverschreibungen unmöglich — wird nicht viel mehr als die Nationalfondssammlungen bringen, und alle wahren Freunde der Bodennationalisierung, zu denen ich auch gehöre, sollten in erster Linie für den Nationalfonds werben. Ich glaube nicht, daß die amerikanischen Millionen für die Natkmalisierung des Bodens gegeben werden. Ich bin also nicht so optimistisch in der Kapitalfrage wie andere, glaube aber doch, daß wir die nötigen Kapitalien erhalten werden, wenn wir auf der allein erprobten kapitalistischen Grundläge kolonisieren. Was die Kosten der landwirtschaftliehen Kolonisation anbetrijft, so darf ich •wohl die Diskussion in ״Volk tmd Land“ als bekannt voraussetzen. Obwohl Oettingers Buch schon vor drei Jahren erschienen und von ersten Fachleuten glänzend begutachtet wurde, hat es offenbar t>is vor wenigen Monaten niemand gelesen. Wenn jemand 4-J-5 — 3 addiert, dann darf wohl #tuch ein Laie diesen Fehler korrigieren. Wenn Dr. Auerbach darüber Sachkundige entscheiden lassen will, so ist das ja seine Sache. Aus Oettingers Auf- Stellungen ergibt sich nach Richtigstellung seiner Rechenfehler, daß ein Kolonist bei 5000 Frcs. Anlagekapital nach Abzug von Zinsen und Amortisation 1518 Frcs. Reinertrag hat. In dieser Verzinsung steckt natürlich) auch der Arbeitsverdienst des Kleinsiedlers. Ich glaube, daß hunderttausende jüdischer Familien in Osteuropa auf diese Bedingungen hin ihr jetziges JammerSasein mit einer solchen Existenz lieber heute als morgen vertausdien werden. Lichtheim, der Oettingers Fehler jetzt zugibt, fragte mich, ob ich glaube, daß die Kolonisation sdmeller gehen würde, wenn sie billiger ist. Unbedingt glaube ich das. Denn es ist leichter, eine Million aufzubringen als zwei. Das schnellere Tempo ergibt sich aber dadurch in noch höherem Orade, daß wir durch ein geringeres Landausmaß die doppelte oder dreifache Zahl von Kolonisten ansetzen können. Ich habe niemals die Zahl der Einwanderer angegeben und verstehe nicht, wie Dr. Auerbach mir unterschiebt, daß ich von drei- bis vierhunderttausend pro Jahr, womöglich gleich vom ersten Jahr an, gesprochen hätte. Die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ hat mir seinerzeit meinen später in ״Volk und Land“ erschienenen Artikel mit der Moti vierung zurückgeschickt, daß ich insbesondere zeigen sollte, in welcher Weise sich durd» die von mir vorgeschlagenen Kolonisationsprinzipien die Zahl der jährliehen Einwanderer erhöhen würde. Ich habe darauf überhaupt nicht geantwortet, weil mir die Sache viel zu ernst ist, als daß ich die Spielerei mit den Einwanderung«- zahlen mitmachen könnte. Sind die Zahlen zu groß, so sind sie ein Verbrechen, weil sie unerfüllbare Hoffnungen erwecken, sind sie zu klein, so erwecken sie Mutlosigkeit. Auerbach hat die Lichtneimsche Zahl von zwanzigtausend Einwohnern sdion selbst verdreifacht Diese Ziffer von zwanzigtausend stammt von Ruppin und ergibt sich bei ihm aus Berechnungen, deren Grundlage in keinerlei Beziehung zur tatsächlichen Aufnahmefähigkeit des Landes steht. Es ist in dem Ruppüischen Buche eine reine Zufallsziffer. Ich halte den Streit darüber, ob der Zionismus die Lösung der Judenfrage durch Schaffung eines nationalen Zentrums ist oder ob er die Beseitigung der Judennot durch Einwanderung nach Palästina bezweckt, für gleichgültig. Der Zionismus erstrebt beides. Es besteht aber die große Gefahr, daß die Vertreter der ausschließ־ liehen nationalen Zentrumsidee skh hier im Galuth in» Geiste ein neues Palästina nach ihrem Geiste und ihren Wünschen zurechtzimmern und mit unerhörter Intoleranz alle jüdische Einwanderung, die diesem Phanton» nicht gerecht wird, von Palästina fernhalten, wollen, obwohl das Land an sich sie aufnehmen könnte. Auerbach: Meiner Meinung nach müßte man erstens über die beherrschenden Gesichtspunkte unserer Arbeit reden und zweitens über die vorbereitende Tätigkeit, die die deutschen Zionisten für die Uebersiediung zu leisten haben. Ich will mich bemühen, in meinen Ausführungen die Polemik möglichst in den Hintergrund treten zu lassen. Dr. Chamizer sagt gegen Oettinger, daß man bei einem Anlagekapital von 5000 Frcs. nach Abzug von Zinsen und Amortisationen einen Reinertrag von 1518 Frcs., das heißt 30,6 0/0 des investierten Kapitals, erhalten würde, und meint, daß hier die Anlapekostcn verringert, der Erlrag vermehrt werden könne. Wir könnten dann vielleicht eine Rentabilität von 40 bis 45 % erreichen. Bisher kannten wir in Palästina diese Beträge nicht und sie scheinen mir utopisch. Dr. Chamizer behauptet, daß ich ihm unterstem habe, man könne sofort 300 000 bis 400000 Einwanderer nach Palästina schaffen. Trietseh hat zugegeben, daß er diese Zahlen in der Tat aufnimmt, also muß auch Chamizer diese Zahlen akzeptieren. Richtig ist, daß wir uns nicht mit einer so geringen Ziffer wie vor dem Kriege begnügen dürfen, wir müssen jetzt höhere Ziffern ans)etzen. Ich will betonen, daß meine Ausführungen sich nur auf die nächsten Jahre beziehen, deshalb muß ich mich dagegen wenden, wenn behauptet wird, daß Palästina in den nächsten Jahren das Land der jüdischen Auswanderung sein werde. Wie auch Ruppin in seinem neuen Buch .sagt, müssen wir zunächst eine gewisse ״Karenzzeit“ haben. Es gibt Vorarbeiten, die unbedingt vor der Kolonisation erledigt werden müssen. Trietseh sagt, daß es falsch sei, z. B. erst zu sanieren und dann zu kolonisieren, sondern das müsse gleichzeitig geschehen. Bis jetzt ist in Palästina dieses System befolgt worden, weil man die Bedeutung der sanitären Vorarbeiten für die wirtschaftliche Kolonisation nicht genügend erkannt hat. Zu den öffentlichen A rbeiten gehört, daß man die Ländereien, welche man kolonisieren will, erst einmal bewohnbar macht. Was nützt denn die Kolonisation, wenn die Leute krank werden? Aber es gibt noch andere öffentliche Arbeiten, die vor der Kolonisation gemacht werden müssen. Es müssen gründliche Vermessungen der von uns zu besiedelnden Ländereien vorgenommen werden. Das Land, das wir übernehmen, wird entweder herrenlos oder Wakuf oder türkische Domäne sein. Die englische Verwaltung kann sich auf keinen anderen Standpunkt stellen, als auf den Rechtsstandpunkt, um die Grenzen des Landes festzustellen, deshalb brauchen wir schleunigst einen Kataster. Ich habe darauf hingewiesen, daß für öffentliche Arbeiten (Eisenbahnen, Wegebau) nur ein ganz bestimmtes Menschenmaterial in Frage kommt. Wir brauchen Pioniere, die vorher wissen, was das heißt, auf einem noch unsanierten Boden arbeiten zu müssen. Das können wir keinen Familienvätern zumuten. Meiner Meinung nach müßte das Palästina-Amt in Jaffa Aufrufe erlassen, daß wir Arbeiter benötigen, die bereit sind, unter Einsatz von Leben und Gesundheit zu schaffen. Vielleicht werden wir eine Masseneinwanderung haben, aber solcher Pioniere werden wohl nicht so viel zu finden sein. Der Vorwurf, daß ich ängstlich sei, kann midi licht treffen, im Gegenteil, ich bin tatenfreudig und optimistisch. Wir werden unerläßliche Opfer verlangen müssen, aber wir sollen uns über die gegebenen Tatsachen nicht mit dem Versprechen, Hunderttausende beschäftigen zu können, hinwegtäuschen. Ich hoffe, daß der Vorschlag Dr. Ruppins wahr gemacht werden kann, fortgesetzt die Arbeiter aus den öffentlichen Arbeiten herauszunehmen und als selbständige Bauern anzusiedeln. Die Frage der Fassungskraft Palästinas hat, so wichtig sie an sich ist, im Augenblick kein Interesse. Mir kommt es auf die Aufnahmefähigkeit des Landes für die ersten Jahre an. Jetzt ist Pa lästina nicht imstande, einer Einwanderung von Hundert tausenden eine Existenzmöglichkeit zu geben. Wenn nicht die natürlichen Grenzschwierigkeiten beständen, die es unmöglich machten, daß die Trietsehsehen Thesen im Osten Verbreitung finden, so würden die unglückseligen Leute sich an diese Ideen wie an einen Strohhalm klammern. Trietseh hat in dem furchtbaren Elend der östlichen Juden einen mächtigen Bundesgenossen. Wir empfinden den furchtbaren Zustand des jüdischen Volkes im Osten nicht minder schmerzlich wie Herr Trietseh, trotzdem öder gerade deswegen müssen wir sagen, daß Palästina im Augenblick nicht das Land ist, Hunderttausenden von Einwanderern Erwerbsmöglichkeit zu bieten. Ich habe die Hoffnung, daß das klug und nüchtern denkende jüdische Volk nicht so denkt, wie Trietseh, daß es begreift, daß ein Land, das bisher wüst und öde war, nicht von heute auf morgen kolonisiert werden kann. Dies Volk wird auch verstehen, warum wir die Einwanderung jetzt nicht überstürzen dürfen. Was wir in fünf Jahren etwa geschaffen haben werden, können wir jetzt natürlich nicht prophezeien. Es ist leicht möglich, daß wir dann eine andere Einwanderungsbasis haben wie heute. Ich fürchte, daß man jetzt nur mit einer Einwandererzahl von Zehntausenden wird rechnen können. In der Karenzzeit der ersten zwei Jahre etwa werden wir doch zunächst nur die Arbeiter für die öffentlichen Arbeiten herüberbringen können. Außer diesen werden nur sehr wenige Wohlhabende und einige andere, die für die Versorgung dieser Einwohner unbedingt notwendig sind, herübergehen können. Dieser Nebeneinwandiruug wegen habe ich die Zahl von 25000 auf 40000 erhöht. Es ist

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