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Jüdische Rundschau · 1919-05-27 · Heft 38 (27.5.1919) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 38 (27.5.1919)
Date
1919-05-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 297 m uf, :na lä m •s er, :1x1 at, rd. 1 n a - 8■ at, nd ht Bc Das jüdische Leben in der Diaspora Die Konferenz der rassischen Zionisten Das Kopenhagencr Zionistische Büro berichtet: Mit einer starken Verspätung ist der Bericht über (die am 9.—11. März aäbgehaltene zionistische Ko n - jferenz in Petrograd in Kopenhagen eimgetroffen. Das Zustandekommen dieser Konferenz bedeutet ein großes politisches Ereignis für die Zionistische Organ!- satten in Rußland. Nach Ueberwirwhmg der ganz tmgebeuren Verkehrsschwierigkeiten ist es gelungen, Vertreter der Organisation aus allen Teilen Oroß-Rußlands zu einer gemeinsamen Beratung zusammenzuführen. Es «raren oO Delegierte aus 35 Orten anwesend. Das Zentral- Komitee konnte nach langer Unterbrechung, gestützt aut die Berichte der Vertreter der Ortsgruppen und der Rayon-Komitees, ein übersichtliches Bild über die zkv nistische Aibeit in den zahlreichen Städten Rußlands geben, die sämtlich darin übereinstimmen, daß die Zioaistische Organisation, die erst nach der russischen Revoluion im Jahre 1917 mit ihrer Arbeit beginnen konnte, in dieser Zeit trotz größter Schwierigkeiten enorme Fortschritte gemacht hat. Herr Boris Qoldberg (der inzwischen mit den Herren A. D. Idelsohn und Aleinikott nach London und Paris abgereist ist) schilderte die Entwicklung der politischen Arbeit im Laute des letzten Jahres und berichtete über die ver- |xhiedenen Palästina-Gründungen der Zionistischen Or- »«isatten. Er entwickelte das Programm des Zentral- Komitees, betreffend die Arbeiten für die Kapital- und Arbeitsbeschaffung für Palästina sowie die geplanten Maßnahmen zur Regelung der Emigration nach Palästina. Aut diesem Gebiete hat das Zentralkomitee sehr wert- ן volle Arbeit geleistet. Als erster berichtete der Delegierte B e i 1 i n aus Witdbsk: Die Palästina-Woche konnte infolge der Ver- Haftungen im Herbst 1918 und der Requisition unseres Vereinshauses nicht durchgeführt ־werden, ln unserer Gegend stößt die Zionistische Organisation aut Schwierigikeiten nicht von seiten der russischen, sondern von seiten der jüdischen Bolschewik! Eine legale Arbeit ist unmöglich. Unter den jüdischen Massen herrscht ein Drang zur Emigration nach Palästina. Es ist uns gehingen, folgende Gesellschaften fest zu begründen: eine Adrusah, eine Häuserbau- und eine Uebersiedtungs- GeseUscnaft Di« Mitglieder der Achusah bestehen zu dre» Vierteln aus Nicht-Zionisten und sind größtenteils 1Kleinbesitzer. Sacharin aus Ragatschew (ü«uv. [Wifebsk): Die eigentliche Arbeit wird bei uns fast ausschließlich von den Zeire-Zion geleistet. Es existiert ein zionistisches Stadtkomitee, welches sich bemüht, das »!beitend« Element mit den allgemeinen Zionisten zu vereinigen. Demnächst soll eine große Schekel woche organisiert *werden- Der Uebersiedlungs-Gesellschaft haben sich 75 Familien angeschlossen, von denen sich!mehr als die Hälfte mit Landarbeit beschäftigt. Es [besteht eine Hechaluzgruppe, die das arbeitende Element repräsentiert. Tag er aus Reschitea (Gouv. Witehsk): Es ist noch nidft gelungen, die Gemeinde zu orgamaere«. Wir haben hebräische Kurse errichtet, an denen 1120 Leute ♦eäfctelrmen. Dre bohactiewistischeu Behörden haben zwar die Requisition unseres Vereinshauses angeordnet; •dies ist aber bis jetzt nicht jnsgeführt worden. Die Beziehungen zwischen den Zionisten und den Zeire- Zion sind schlecht. Das Verhalten der Zeire- Zion gegenüber den Achusah-GrüiidUngem ist für unsere Aitoat sehr unangenehm und schädlich. Die Zeire-Zion sehen sich vom jeder Aiheit zurück, an der sich auch an Mitglied der allgemeinen zionistischen Organisation beteiligt Scha*pi ro aus Bobmisk: Die Entwicklung der Monistischen Arbeit ist hei uns in letzter Zeit ]keine erfreuliche. Obwohl die allgemeinen Zionisten an Zahl stärker!sind, wird die ganze Arbeit von der Zeire- Zwo geleistet. Erst in allerletzter Zeit ist es uns gehingen, ein Stadt-Komitee zu gründen, in welchem alle Gruppen vertreten sind. Die Lage der jüdischen Bevälkerung ist bei uns im allgemeinen sehr traurig, namentlich wegen der rücksichtslosen Requisition aller Waren und Lebensmittel und der zahlreichen Geld-Kontrihutkwien. Elk in aus Retschiza: Bei uns gibt es nur eine Zeire-Zion-Gruppe, die sämtliche Arbeiten ausführt. Bis vor kurzem hatten wir Abendkurse, in denen Vorlesungen über Palästina, Zionismus, jüdische Geschichte usw. gehalten ,wurden. Bis zum Ausbruch der deutschen Revolution erhielten *wir zionistische Nach- InChben und Material aus Kiew und Berlin. Einer koopesn- Sven Gesellschaft zur gegenseitigen Hüte für die Ueberlaedhing nach Palästina gehören 500 Mitglieder an. Die Gesellschaft besorgt sämtliche Bedarfsartikel der Mitgfieder und erzielt dabei ziemlich bedeutende Einnahmen. [Aut Beschluß(der Gesellschaft werden die Erträge wie folgt verwendet: 25% für den Jüdischen Nationalfonds, 10 % für deinHechaluz, 15 % für zionistische Propaganda, der Rest für Palästina-Zwecke. Eine ähnliche kooperative Gesellschaft hat sich in Hornel gebildet. Es existreit eine Hechahiz-Gtuppe, deren Mitglieder sich während des Sommers landwirtschaftlich betätigen. Nach der deutsehen Revolution ist ein Stillstana eingetreten, da wir ohne jede Nachricht von der zionistischen Zentrale in Kiew blieben. Von seiten der bolschewistischen Berörden werden unserer Arbeit keine Schwierigkeiten n den Weg gelegt. Die Palästina-Woche wurde mit p-oßem Erfolge durchgeführt. Ein bedeutender Betrag ist weh Kiew afcesandt worden. Schließlich berichtete der tedner, der kürzlich aus Kiew zurückkam, über den ,fand der zionistischen Arbeit in der Ukraine, (or kurzem hat eine Konferenz der ukrainischen Zioästen stattgefunden, die ׳aber nur feststellen konnte, laß die allgemeine politische Konjunktur des Landes die Tätigkeit der Zionistischen Organisation in starkem Maße >e hindert Die jüdischen Gemeinden organfeieren sich in Kchusah-Gruppen mit dem Zweck, so bald als möglich weh ’Palästina auszuwandern. Ungeachtet aller Warrungen haben einzelne schon jetzt Versuche unter- »mmen, nach Palästina!zu gehen. Das Zionistische -entrafleomitee in Kiew steht in ständigem Kontakt mit <en Gesinnungsgenossen in Oesterreich, von wo aus es mtteüungen über die Verhandhuujen in London und an» erhält. Oildeublatt a)115 Dubrownow: Unsere lerne Fabrikstadt ist ausschließlich von jüdischen Praletariert! bewohnt. Wir haben verschiedene jüdische Parteien, die stärkste jedoch ist die zionistische. F e i g 1 n aus mohilew: Es ist uns gelungen, eine große Ueber- Siedlungs-Gesellschaft zu gründen, der sich jeder Jude, der nach Palästina fahren will, anschließen soll. Weißmann aus Dünaburg: Durch die neue deutsche Okkupation ist jede Arbeit unmöglich gemacht. Der Zeire- Zion-Verein arbeitet sehr gut. Wir besitzen eine Achusah- Gesellschaft. Gegenwärtig ivird für den Schekel Hageulah geafbeitet. Swetz aus Wologda: Eine Palästina-Oe- Seilschaft ist gegründet, die 100 Mitglieder zählt. Auch eine kleine Achusah-Gruppe ins Leben zu ruten ist uns gelungen. Alle Juden in Wologda sind Zionisten und warten nur auf den Moment des Aufbruchs nach Palästina. Wir müssen unsere Versammlungen in Privat- Wohnungen abhalten. Die Zeire-Zion sind gut organisiert. Die hebräische Kulturgesellschaft ״Tarbuth“ hat einen Kindergarten gegründet und Abendkurse eingeführt. Auf dem Schulgeblet betätigen sich die Zionisten sehr erfolgreich. Serebritski aus Klinzi: Bei uns wird die zionistische Arbeit fast ausschließlich von den Zeire- Zion geleistet. Große Summen sind für den Nationaltomds, für den politischen Fonds und andere zionistische Institutionen gesammelt und an das Kiewer Zentral- Komitee überwiesen worden, mit dem wir, da wir von Petrograd abgeschnitten waren, in* ständigem Kontakt standen. Durch die Einnahme unserer Stadt durch die Bolschewik! ist unsere Arbeit lahmgelegt worden. Die jüdische Bevölkerung ist völlig ruiniert. Ginsbürg aus Petrosawodska: Unsere Organisation umfaßt ausschließlich die Jugend und arbeitet nach dem allgemeinen zionistischen Programm. Bei den Gemeindewahlen hatten die Zionisten einen großen Erfolg. Im Sommer beschäftigen sich viele Zionisten mit landwirtschaftlichen Arbeiten. Wir hatten eine ausgezeichnete hebräische Schute, die aber mit Beginn des bolschewistischen Terrors ׳geschlossen werden mußte. Erst in diesen Tagen ist es uns gelungen, die Wiedereröffnung der Schule zu erwirken. Babkow aus Kasan: Unsere Stadt gehört zu den bedeutendsten zionistischen Zentren. Die Arbeit erstreckt sich nicht nur aut unsere Stadt, sondern auf das ganze Uralgebiet. Wir besaßen eine Studentengruppe ״Hechawer“ und eine Gymnasiastengruppe. Durch die zahlreichen Flüchtlinge, die sich in Kasan niedergelassen haben, ist eine starke Misrachigruppe entstanden. Unsere Arbeit ist jedoch infolge der militärischen Ereignisse zerstört worden, ln letzter Zeit wurden sehr wenig Versammlungen veranstaltet. Das Hauptinteresse beschränkte sich aut die Palästina-Kolonisationsfragen. Ohne eine Legalisierung unserer Gesellschaften können “wir aut dem Ural unmög־- lieh arbeiten. Die bolschewistischen Behörden verhalten sich uns gegenüber sehr korrekt, zuweilen sogar entgegenkommend, während wir durch den Bund und die Sejmisten in unserer Arbeit gestört werden. Gegenwärtig beschäftigen wir uns mit der Organisierung der Sdhekelwoche in dem ganzen Uralgebiet. Mirenburg aus Saratow: Die jüdische OefientiiChkeit, soweit sie sich betätigt, ist fcionistisch. Unsere Beziehungen m den Behörden wären gute, wenn nicht der jüdische Kommissar sich bemüht hätte, unsere Arbeit zu vernichten. So hat er unsere Gemeinde ruiniert, unsere Bibliothek, «he hebräische Kulhir-Gesellschaft Tarbuth und unsere Schulen, die die besten in der Stadt waren, mit Hilfe von bewaffneten Rotgardisten zerstört. Später bildeten wir kleinere Schulgruppen, die aber ebenfalls vom jüdischen Kommissar verfolgt werden. Obwohl zahlreiche aktive Zionisten die Stadt verlassen haben, wird die Arbeit energisch tortgesetzt. Wir orgamsieren zahlreiche Versammlungen und Meetings. Wir haben in vielen Gemeinden des öfteren eine Stimmung um den Drang, nach Palästina auszuwandern, emzudämmen. Wir erließen wiederholt Warnungsaulrute and ermahnten zu besonnener und ruhiger Emigrations- Arbeit. Die Beziehungen zwischen den allgemeinen Zionisten und den Zeire-Zion sind bei uns sehr schlechte. Wir haben Uebersiedkungs-Kooperativen und eine starke Achusah-Gruppen gebildet. G •o ß aus Rybinsk: Unsere Stadt zählt 1500 Juden. Die kulturelle Tätigkeit unserer Gemeinde liegt ausschließlich in den Händen der Zionisten. Wir widmen uns hauptsächlich den Erziehungstragen unserer Jugend. Wir dürfen lucht vergessen, daß in diesen inner-russischen Gebieten, wo wir fern von den jüdischen Zentren leben, die Gefahr der Entjudung und der Assimilation eine sehr große ist. Bei arbeiten größtenteils die allgemeinen Zionisten im Kontakt mit dem Hechawer und den Zeire- Zion. Die Jugend unserer Stadt ist zionisiert. Die Stimmung der jüdischen Bevölkerung ist eine nationale. Lewin ans Nischni-Nowgorod: Unsere 200 Familien zählende Stadt hat viele Zionisten, Alle wollen nach Palästina. Seit dem Auftreten der Bolschewiki ist unsere Ortsgruppe vernichtet. Unser Klublokal usw. wurden konfisziert. Zahlreiche Flüchtlinge kamen zu uns, die wir unterstützten. B e 1 aus Pskow: Die einmalige Anwesenheit einer agitatorischen Kraft genügte, um unsere ganze, 300 jüdische Familien umfassende, jüdische Gemeinde zionistisch zu gestalten. Wir haben eine hebräische Schule, eine Achusah und eine Häuserbau- Gesellschaft gegründet. Der Jüdische Nationalfonds ist sehr populär bei Uns. Kleatschko aus Woronesch: Wir haben eine Starke Ortsgruppe, die 400 Mitglieder zählt und sämtliche aktiven Kräfte umfaßt. Unsere Schuleti, und auch die Flüchtlingsschulen sind durch die bolschewistischen Behörden geschlossen worden, sodab es bei um keine Schule gibt, in der Hebräisch gelehrt wird. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht keine Panikartige Emigration®trömung nach Palästina. Das äläätina-Qnwanderungsproblem wird bei •uns ruhig und sachüdi behandelt. Einige Zeire-Zion haben kürzlich wegen Unzufriedenheit mit der Politik der allgemeinen Zionisten das Stadt-Komitee *verlassen und sehen ihre Aibeit, unabhängig von dem Komitee, fort. Hierauf tollten Berichte der Delegierten aus OpotsChka, Weschweren Aiibeitsbedingungen berichteten, ln allen diesen Orten sind trotz der Schwierigkeiten zahlreiche Palästina-Gesellschaften gebildet und größere Geldsummen für die 1zionistische Arbeit aufgebracht worden. Am zweiten Konferenztage begannen die R e 1 e - rate. 41® erster sprach I. D. Brutzkus über das Thema: ״Die Organisierung der Palästina- Emigration“. Der Referent führte etwa folgendes aus: wir können die Emigration nach Palästina nicht ihrem Schicksal überlasse», sondern müssen sie in die Hand nehmen. Wir Stehen vor einer doppelt schweren Aufgabe, weil wir die Menschen und das Land schützen müssen. Wir *werden wohl oder übel zum Mittel der Grenzsperre grellen müssen, nur wollen wir diese Maßnahme human und auf organisatorischem Wege durchführen. Wir Werden den Ansturm der Eniigration durch Informations-Büros und Autklärungsarbe/ten aufhalten müssen. Ein solches Büro soll demnächst in Odessa errichtet werden mit unserem Gesinnungsgenossen S. J a n o w s k 1 an der Spitze. Der Redner berichtet ferner über che zahlreichen Palästina-Komitees, die in der Provinz errichtet wurden, und die den Zweck haben, entsprechende Eiemente zu registrieren. Für das wichtigste Mittel zur Regelung der Emigration hält indes der Referent die Gründung von kooperativen U ebersiedlungs-Ge.Seilschaften, die gewisse Berufsschichten umfassen und bestrebt sind, sukzessive ihren Mitgliedern die Auswanderung und An Siedlung in Palästina zu erleichtern. Das Zentralkomitee hat ein ausführliches Statut für solche Gesellschaften ausgearbeitet und an alle Ortsgruppen versandt. ln der Debatte ergriffen mehrere Delegierte das Wort zur Kritik des Referates. Einer besonders scharfen Kritik wurde das Projekt der Kooperativ- Uebersiedlungs-Ge Seilschaften unterzogen. Mehrere Redner wiesen darauf hin, daß es verfehlt sei, von vornherein mit dem System der Kooperative zu beginnen, das die Privatinitiative ausschalten wird. Andere wiederum fanden es unverständlich, weshalb nur Handwerker in diese Kooperative aufgenommen werden sollen, während viele sogenannte Kleinbesitzer, die jeden Tag zu Proletariern *werden können, gern ein Handwerk in Palästina treiben Würden. Vermißt wurde utsbesoodere ein einheitliches Kolonisationsprogramm. Das Zentralkomitee erklärte, daß dies nicht seine Aufgabe, sondern die der Gesamtorganisation sei. Allgemein bedauert wurde die Tatsache, daß der Bericht sich völlig darüber ausgeschwiegen habe, wann eigentlich che Enugration nach Palästina beginnen könne. Bei der gegenwärtig herrschenden Palästina-Stimmung wäre es ein harter Schlag, wenn der Anfang lange aut sich warten ließe. Delegierter L e v o n t i n aus Kursk erblickt un Reterat den Beweis, daß das Zentralkomitee die Größe seiner Aufgabe voll und ganz erfaßt habe. A. I. Idelso h n (Zeire-Zion) meint, man dürfe keine Grenzsperre einführen, sondern müsse es den Gesellschaften selbst überlassen, darüber zu entscheiden, welche Elemente für die Einwanderung geeignet sind. Mirenburg aus Saratow erklärt, daß das Referat «Brutzkus׳ aut die Delegiertet» wie eine kalte Dusche wirken werde. Herr S. Janowski meint: Im Gegensatz zu allen anderen Emigrationsbewegungen, die nur zwei Momente voraussetzen, eine Emigrationsstimmung und ein Emigra» tiondand, müssen wir ein drittes bedeutendes Moment ian Auge behalten: die Schaffung eines nationalen Heimes. Um dieses Moment, aut das es hier ankommt, zu verwirklichen, brauchen wir viel Zeit und wenig Menschen. Es ist notwendig, daß sich jetzt die Massen noch nicht nach Palästina in Bewegung setzen. In den Uebersiedlungsgesellschaften erblicke ich das beste Mittel zur Regulierung des Emigrations- Stromes. Delegierter Hurwicz: Wenn man den Massen keine bestimmten Mitteilungen darüber macht, wann die Tore Palästinas geöffnet sein werden, werden die Massen nach anderen Ländern emigrieren, z. B. nach Amerika, Delegierter Schachnowitsch weist aut die Erklärung des Kopenhagener Zionistischen Büros hin, in der vor einer überstürzten Emigration mit aller Entschiedenheit gewarnt wird. Babkow hält die Er- Öffnung eines Informationsbüros in Odessa unter den gegenwärtigen unsicheren Verhältnissen für zwecklos. Durch die Einschränkung der Emigration erklärt der Zionismus selbst, daß er das nationale Problem nicht lösen könne. Gerade in solch unnormalen Zeiten, in denen wir leben, ist eine Einschränkung der Emigratkmsmöglichkeit gefährlich. Delegierter G i n z b u r g: Der Zionismus ist keine Antwort aut die Brottrage. Durch eine starke Einwanderung wird die Existenz des neuen Palästina gefährdet. Mit einer ausführlichen Schlußrede des Delegierten Brutzkus schließt die zweite Sitzung. In der Nadunittagssitzung des zweiten Konferenztages referiert Herr Slizan über die Bedeutung der Achusah-Gesellschaften. Er verliest ein instruktives Statut zur Bildung von Achusah-Gruppen. Hierin wird den Gruppen empfohlen, nur etwa 40—75 Mitglieder autzonehm.n, die für die Bewirtschaftung des entsprechende■ Bodens von 50—100 Dun am notwendig sind. Die Arne- Uoration und die Bearbeitung des Bodens wird in gemeimsamer Bewirtschaftung durchgeführt werden, da sämtliche Mitglieder der Achusah sofort überredete. Es mub dafür gesorgt werden, daß jede Achusahgruppe ־ " '׳'.. * ״״ ’ '§ , Grundlage der Achusah und empfiehlt die Annahme der Achusah-Direktiven durch die Konferenz. Das Referat Slizans riet eine lebhafte Debatte hervor. Aleimkott erblickt in der Achusah ein Mittel, das gleichfalls zur Aufhaltung der Emigra tionsweMe dient. Die Achusah ist die Garantie für die Existenz der kleinen Bauernwirtschaften. B. A. Goldberg: Die Achusah ist eine der vielen Kolonisationsmethoden, die bei der Kolonisierung Palästinas angewandt werden sollen. Diese Methode hat sich bereits als zweckmäßig erwiesen. Man darf aber dieser Sache keinen universellen Charakter zuschreiben. I. D. Brutzkus: Die Achusah ist eine spezielle Wirtschaftsform, berechnet für eine bestimmte Klasse, den Mittelstand, der 5—6 Jahre aut Erträgnisse warten kann. Sie ist keine Lösung der sozialen Frage. Delegierter Babkow hält die Achusahbewegung für eine provisorische Zufluchtsstätte für das jüdische Kapital, welches aus Rußland fliehen möchte. Späterhin wird1 das Kapital den Boden verlassen und steh nach anderen Gebieten umsehen, Die 1 Uh S |

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