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Jüdische Rundschau · 1919-05-09 · Heft 33 (9.5.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 33 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 33 IUE01SCHE RÜNOSCHÄO Seite 255 , 33 Ui 1"י lt da 1 rna eiteret inse e 11 e r 1-natio Sch 32 inmeii .••!•den! : des on be• fahren n von m seren Ikteten mssion zur Feststellung unseres sozialen 'rogratntnes einzusetzen, die binnen sechs Wochen je rieht zu erstatten hat, und zwar einer Vertrauens• iiannerkonferenz oder dein Parteitag. Der Delegiertentag nimmt zur Kenntnis, daß sich eine iO'ialistisdie Fraktion innerhalb des Distrikts-Verbandes!t'h det hat. Nach Beendigung der Generaldebatte folgt die Wahl . s neuen Distriktskomitees, die folgendes Ergebnis hat: ngenieur Ascher mann, Otto Brod, Oscar Busch. Professor Freund, Dr. Arthur Freund, Herbert 10 n Fuchs, Dr. Gütig, Victor Po Hak. Professor reuud gibt eine programmatische Erklärung für das icue Distriktskomitee ab. Es müsse sowohl zionistische, wie landespolitische Arbeit betrieben werden. Exten- , 1 v : e r 1111 g u tut Intensivierung solle die Devise der zukünftigen Arbeit sein. Nachdem dann noch über die notwendige intensive Beteiligung an den Gemeindewahlen gesprochen worden ist, wurde die Sitzung mit einem Schlußwort Dr. Goldsteins unter Ab- .;iigung der Hatiwkah geschlossen. n Ein■ s nach )esteri näm- Arbeit Zähleretidem ührern gehen, :ich zu daß 1en wurd? araclie waren i weispre. er! ״ 1 11, gen! .ngei ן!gun- 11 e r ■ 1 i t eand u f s-!affen, en d Hinidgets mach- *artei Fests Intwenh Pabereiin geästfna esser, oeben erung sozial ichen- 1 der iteren lerige :nim , was nüsse ichtet Darin , der ch i 1 Dr. n i s• sich aolitiehen. arkes zier ilästiimpft boh- 1 entr von jsitiv :gem!' e trebt ' ro zioichen Oe ieren eine Anc h 11 e n n a ■ innig tragt itee; chen II zu Ver- Das amerikanische Einwanderungsgesetz Wie bereits in der ״Jüdischen Rundschau“ gemeldet, hat der Kongreßabgeordne te Burnett aufs neue dem amerikanischen Senat ein Gesetz zur Besch rän kung der Einwanderung vorgelegt. In dein Entwurf wird, laut Mitteilung des Kopenhagener Zionistischen Büros, für die Dauer von vier Jahren allen Auswanderern, ausgenommen aus Kuba, Mexico, Neufundland und Japan, die Ansiedlung in Amerika verboten. Er wurde dem Abgeordnetenhause vom Legisiativkomitee zur Annahme vorgelegt. Man nimmt allgemein an, daß Präsident Wilson gegen dieses Gesetz istund sein Vetoeinlegen wird, wie er es auch früheren Gesetzen zur Verhinderung der Einwanderung gegenüber getan hat, doch wird befürchtet, daß es trotzdem zur Annahme gelangen wird. Amerikanische Unionstaaten unterstützen die zio- I nistischen Forderungen. ׳!- Die nordamerikanischen Staaten Massachusetts, ftie vco n s i n, New Versey A 1 b a 11 y und Rhodje tland beschlossen in ihren legislativen Vertre- I en, die zionistischen Forderungen nach einer jii- ■ iien Heimstätte in Palästina nach Kräften zu unter- ■feen Die Amsterdamer Sozialistenkonferenz und die jüdischen Forderungen (Eine Kundgebung der Berliner Gruppe der Poale Zion.) Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für den Sieg der jüdischen Forderungen auf der internationalen Sozialistenkonferenz in Amsterdam, gestaltete sich eine Versammlung, die von der Berliner Gruppe der Poale - Zion am Mittwoch, den 7. d. Mts., abgehalten wurde. Der K1 i n d w o r t h- Scharwenka-Saal, wo die Versammlung stattfand, war Ia*ge vor Beginn von einer mehr als tausendköpfigen Zuhörerschaft gefüllt. Alfred Berger eröffne te die Versammlung und gab in flammende» Worten einen Profest gegen die letzten Judenpogrome in Litauen ab, der mit leidenschaftlicher Zustimmung entgegengenommen wurde. Zu Ehren der Opfer der Pogrome erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen. Als erster Redner sprach dann zu den Beschlüssen der Amsterdamer Konferenz Salman Rubaschot'f, ״Seit Bestehen der Internationale standen Juden aller Länder und Nationen an der Spitze sozialistischer Parteien und haben an allen Kämpfen und Opfern des internatio- Halen Sozialismus leidenschaftlichen Anteil genommen. Trotzdem war bisher für die Juden als Juden in der Internationale kein Platz. Dies war besonders für uns junge Juden, die an eine Neuschaffung internationaler Grundlagen aller menschlichen Beziehungen glauben, ein unerträglicher Zustand. Es war daher stets die Forderung des allweltlidien jüdischen Verbandes Poale Zion, als Nation innerhalb der Internationale anerkannt zu wer den. Während des Krieges war es unsere Aufgabe, innerhalb der Internationale Klarheit über die S t e 11 u n g zur Juden frage zu schaffen. Dies Bemühen war deswegen so schwierig, weil überall an der Spitze der Internationale und an der Spitze der maßgebenden sozialistischen Parteien Juden standen, die gegen die neue jüdische sozialistische Generation voreingenommen waren. Der Widerstand dieser Führer wurde im Laufe der Zeit schwächer, und unsere Forderungen wurden durch die palästinensischen Ereignisse und auch durch die Sympathien, die Lloyd George, Balfour, Wilson und andere ihnen entgegenbrachten, wirksam unterstützt. Die große und freudige Botschaft, die wir heute der ganzen Welt verkünden können, ist die, daß das Marann e n tum innerhalb der Internationale aufgehört hat. Wenn wir uns überzeugt haben, daß nicht nur die sterbende Welt unser Verbündeter ist, sondern auch die Welt der Zukunft, so wächst für uns die große Verantwortung, die wir gegenüber dieser Tatsache zu tragen haben. Bei unserer jüdischen Erneuerung in Palästina und in der Diaspora wollen wir nach denselben Gesetzen uns richten, nach denen sich die ganze übrige Welt richten soll, nämlich .nach den Gesetzen der Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Völker. Sodann ergreift das Wort Eduard Bernstein: ״Sie haben soeben einen Kämpfer der jungen und neuen Generation gehört, einen Vertreter des sozialistischen Judentums und nun wird mir das Wort gegeben, der ich zur alteren Generation gehöre und auf den manches zutrifft, was mein Vorredner soeben Ihnen in leidenschaftlichen Worten vorgetragen hat. fcfi bin nun der Ansicht, daß auch auf diesem Gebiete die alten mit der Jugend sich zu verständigen haben, und daß die Verständigung möglich ist“ De! Redner gibt dann einen interessanten‘ Rückblick auf der M* dien. ihlte int• die vergangene Epoche des internationalen Sozialismus und seiner Stellung zur Jmlenfrage. Man kannte das Judentum nur als eine religiöse Gemeinschaft und als solche schien es nicht geeignet, in der Internationale eine Rolle zu spielen. Elte man die junge Bewegung in ihrer vollen Bedeutung begreifen konnte, mußte sie gewissermaßen erst da sein. Ich will Ihnen nicht verhehlen, daß irih auch heute noch durchaus auf dem internationalen Standpunkt stehe, ich kenne keinen tränzösischen und ich kenne keinen englischen Sozialisten und ich kenne auch keinen spezifisch jüdischen Sozialisten. Aber ich etkenrae an, daß es eine spezifisch jüdische Bewegung im Sozialismus gibt, die heute notwendig ist. Der Bund der Völker wird erst entstehen, wenn die Völker aufgelnört haben, in Staaten zu denken und zu handeln. Auch die Juden, die eigenes nationales Leben entwickelt haben, müssen als Nationafttät anerkannt werden, im Bunde der anderen Völker der Erde. Die jüdische nationale Bewegung will, soweit ich sie verstehe und soweit sie sich besonders bei den Poale Zion dokumentiert, nicht trennen, sondern verbinden und mithelfen, den neuen Bund der Völker zu organisieren, und 90 wert kann ich auch ihre Berechtigung nicht bestreiten. In diesem! Sinne kann ich Sie nur dazu beglückwünschen, daß Sie als ein vollberechtigtes Glied in die Internationale aufgenointnen sind. Dann sprach Dr. Oskar Cohn: ״Der Bund Poale Zion hat einen großen Erfolg errungen und ist berechtigt, Freude darüber zu empfinden. Wir alle nehmen an dieser Freude teil. Das jüdische Volk hat einen großen Erfolg errungen, und wir dürfen uns als Juden -darüber freuen. Der Sozialismus hat einen Erfolg errungen und wir dürfen dies mit Genugtuung als Sozialisten verzeichnen. Dem! jüdischen Volk, soweit es sozialistisch ist, ist in Amsterdam die Gleichberechtigivng verliehen worden. Dem zähen Ringen um die Anerkennung als berechtigtes Mitglied der Internationale ist der volle Erfolg geworden. Der Urgrund aller jüdischen Leiden beruht darin, daß das jüdische Volk von seinem Lande getrennt wurde. Dieser Fluch ist durch den Beschluß der Internationale in Amsterdam weggenommen worden.“ Der Redner bespricht die einzelnen Punkte der Amsterdamer Konferenz, erhebt nochmals schärfsten Protest gegen die Pogrome in Litauen und spricht von der Lage der Juden in Polen, die noch für lange Zeit Gegenstand der Sorge für alle anständigen Menschen sein werde und nur nach den Gesetzen der Menschlichkeit geregelt werden könne, wenn die nationale Selbstverwaltung in Staat, Provinz und Gemeinde verwirklicht wird. Die Forderungen, die die Internationale aufgestellt hat, werden in Millionen Herzen jüdischer Proletarier gehört werden, das ist die Bedeutung solcher programmatischer Erklärungen. Die Punkte 4 und 5 der Amsterdamer Resolution, nämlich die Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes auf Palästina und seine ’ Vertretung im Völkerbund bilden, die Hoffnung des jüdischen Volkes und vor allem der jüdischen Sozialisten. Endlich sind diese Forderungen aus den Kreisen des jüdischen Ghettolebens in die Oeffentlichkeit der großer! Welt heraufgehoben worden. Diese Errungenschaft schafft aber auch Pflichten für den Bund ״Poale Zion“. Sie können und dürfen ihren Kampf um die Gewinnung der Heimstätte in Palästina und die Erneuerung des jüdischen Volkes nur im! Verein mit den sozialistischen Grundsätzen der Internationale führen. Manche Zionisten und auch manche Mitglieder der Poale Zfan haben vielleicht während des Krieges und auch nachher feglaubt, daß Palästina den Juden von den Machtabem und nicht von den Völkern erteilt werden kann. Aber diese jüdische Heimstätte nützt dem jüdischen Volk nichts, wenn sie nicht in sozialistischem Sinne aufgebaut wird. Alles, was in der neuen Siedlungsstätte zu geschehen hat, das ganze innere und äußere Leben, muß sozialistisch sein oder Palästina wird nicht bestehen können. Aus meiner Jugend sind mir die Worte des Morgengebefes noch in deutßchster Erinnerung. Es heißt darin:! ״Alles was du tust, wo du gehst und wo du steht, muß im Sinne Gottes geschehen.“ ich möchte Ihnen nun zurufen: ״Alles was du tust, muß im Sinne des Sozialismus geschehen.“ DSe Sittenlehre des Sozialismus ist keine andere, als die seit Jahrtausenden überlieferte in den Büchern der jüdischen Ethik. Von allen lebenden! Völkern ist das jüdische dasjenige, das zuerst den Versuch gemacht hat, die soziale Gesetzgebung durchzuführen. In allem, was internationales Wiricen im So zialismus betrifft, finden wir durch die ganze Zeit immer wieder Juden in reicher Zahl und größter AMvität. ״Proletarier aller Länder vereinigt Euch־" ist die große Mahnung, die am Schluß der Forderungen steht. Vergeßt nicht, jüdische Sozialisten, daß Ihr nicht losgelöst sein sollt von dem: großen Strome der sozialistischen Welt, auch wenn Ihr in Palästina seid Gerade in Palästina sollt Ihr ein nützliches und würdiges Glied der sozialistischen Arbeiter der Internationale werden. Jütiisüie Sozialisten, vereinigt Euch mit den Proletariern aller übrigen Völker zur Verwirklichung -.es Sozialismus, Sodann ergreift das Wort der ehemalige jüdische Minister der ukrainischen Regierung, Herr Abraham R e w u t z k y, der in jüdischer Sprache eine kurze und nackende Schilderung der politischen und ökonomischen Lage des jüdischen Proletariats im Osten gibt. Er führt u. a. folgendes aus: ״Die Nachricht von der Annahme unserer Forderungen durch die Amsterdamer Konferenz erfüllen um mit großer Freude. Aber wenn wir uns auch freuen und zufrieden sind, so besteht vorläufig kein Grund, zu triumphieren. Was wir jetzt durch die Amsterdamer Beschlüsse erreicht haben, ist nur der Rahmen, und wir wissen, daß es unsere Aufgäbe ist, diesen Rahmen mit einem großen Inhalt zu erfüllen. Ke große Tragödie der jüdischen Massen im Osten besteht nicht in den furchtbaren Pogromen, sondern darin, daß die ökonomischen Grundlagen, auf denen sich das bisherige jüdische Wirtschaftsleben aufgebaut hat, durch die Umwälzungen des Krieges versehwunden sind, fn der Form, in welcher der Bois chewismus im Osten gegenwärtig die Sozialisierung durchzuführen bestrebt ist, untergräbt er 90 Prozent aller jüdischen Existenzen. Ke Lage im Osten ist jetzt eine hoffnungslose für die Jüdischen Massen. Um so größer ist die Aufgabe, vor der wir, das organisierte jüdische Proletariat, stehen. Wir müssen neue wirtschaftliche Grundlagen für das jüdische Leben errichten. Palästina ist nur ein Teil dieses großen Problems. Um das wartschaftliche Leben der jüdischen Massen auf geänderte Grundlagen zu bringen, müssen wir vor allem Gleich bcrechtigung auf allen Gebieten des Staatslebens erringen. Ater die bürgerliche Gleichberechtigung kann uns nicht genügen, weil wir mit ihr genug traurige Erfahrungen gesammelt haben, trotzdem ist natürlich die bürgerliche G!e i ch be recht 1g trag und zwar die volle Gleichberechtigung die e;ste Voraussetzung für die persönliche Sicherheit. Andere Völker hatten■ die nationale Gleichberechtigung, die Juden aber nicht, und das ist der wahre Grand ihrer Rechtlosigkeit. Deswegen ist nationale Gleichberechtigung die notwendige Voraus- Setzung für bürgerliche Gleichberechtigung. Wir können auf unsere Erfolge bei der Internat»־ nale stolz sein, weil sie in einem langen, schweren Ringen erreicht worden sind. Durch Leiden und Tränen sind wir nach Stockholm־ und Amsterdam gekommen, und deswegen dürfen wir uns des Erfolges freuen.“ Als letzter Redner ergreift das Wort Leon t'.liasano witsch, der als Vertreter des Verbandsbüros an der Amsterdaner Konferenz teilgetiommen hatte: ״Wenn wir über das, was wir erreicht haben, Genugtutmoempfinden, so geschieht es, weil wir glauben, daß die Internationale uns das gewährt hat, was sie gewähren konnte. Die Internationale ist jetzt noch am Anfänge. Der Friede, der in Paris beschlossen wird, muß auch ein Friede der Internationale werden. Ich befürchte aber, daß die Delegation, die die Internationale nach Paris entsandt hat, mit gebrochenem Herzen aus Paris zurückkehren wird. Ich befürchte, daß in diesem Augenblicke in Paris die größte Untat der Geschichte geschehen Lst. Ich erwarte aber, daß das Urteil, das in diesen Tagen ausgesprochen wird, von der Menschheit nicht anerkannt werden wird Audi wir können nicht erwarten, daß man dort dem jüdischen Volke das gewähren wird, was man versprochen hat. Man wird uns wohl etwas gewähren, aber es wird nach sehr viel zu wünschen übrig bleiben. Der bauende Sozialismus, an dessen Schwelle wir jetzt stehen, hat eine sehr große Aufgabe dem jüdischen Volke gegenüber, nämlich ihm. zu seiner Existenz zu verhelfen. Die Juden in den verschiedensten Ländern, die durdy, Kongresse und andere Kundgebungen ihren Willen aüsgedrückt haben, ein eigenes nationales Leben zu führen, müssen gehört werden. Wir wollen von den anderen Völkern und von der Internationale, dab sie uns die Bedingungen schafft, die Dinge weiden wir selbst schaffen. Ke Internationale hat ihre Beschlüsse in der Judenfrage nicht auf Grund irgendwelcher Stirnmungen, sondern nach reiflichster Erwägung und auf Grund objektiver Tatsachen gefaßt. Wir sind als gleichberechtigtes Mitglied in den großen Bund der Völker aufgenommen und das bedingt für uns Pflichten, denen wir uns mit voller Hingabe widmen werden,“ Ke Referate der einzelnen Redner wurden mit größtem Interesse angehört und fanden lebhaft Beifall. Am Schlüsse wurde eine Resolution angenommen, die das Verhandsbüro zu dem schönen Erfolge beglückwünscht, der sozialistischen Internationale für die Erfüllung de! berechtigten Wünsche des jüdischen Proletariates dankt lind erklärt, den Kampf für die Wiederauflebung des jüdischen Volkes und für die Durchführung seiner berechtigten Forderungen In Palästina und Sn der Diaspora auf den Grundsätzen der Inter nationale mit aller Kraft weiterführen! zu wollen. Die Königsberger Juden und der Kongreß Die Königsberger Ortsgruppe des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens sendet uns zu unserem in Nummer 22 der ״Jüdischen Rundschau“ unter obiger Ueberschrift erschienenen Bericht eine Zuschrift, deren Zweck es ist, nachzuweisen, daß die Königsberger Juden nicht einheitlich für den Kongreßgedanken in der van uns propagierten Form eintreten. Wir sind auf diese Meinungsverschiedenheiten im! Lager des Zentralvereins bereits in Nummer 27 der ״Jüdischen Rundschau“ eingegangen, und halten es daher für überflüssig, dies zu wiederholen. Fest steht jedenfalls, dab Zionisten und Nichtzionisten den Aufruf gemeinsam unterzeichnet haben. Wenn der Zentralverein behauptet, die Nichtzionisten seien sich der Tragweite ihrer Handlung nicht bewußt gewesen, so ist das eine Unterstellung, die wir mindestens für nicht üblich halten. Wir müssen es dem Zentralverein überlassen, sich dieserhalb mit seinen Mitgliedern auseinanderzusetzen. Zusammenschluß der Ostjuden fn Deutschland Der ״Bund Ostjüdischer Vereine“ sendet uns fol genden Aufruf mit der Bitte tun Veröffentlichung: Das jüdische Volk ist an einem Wendepunkt in seinem geschichtlichen Werdegang angelangt. Gemäß dem von der gesamten Weltdernokratie proklamierten Selbstbestirnmungsrecht der Völker ist es im Begriff, die Gestaltung seines Schicksals selbst in die Hand zu nehmen. Ke Träger und Verfechter einer selbständigen jüdi sehen Politik sind in erster Reihe d i e o s t j ii d i s c h c n Volksschichten in der alten und der neuen Welt. Dem Gebot der historischen Entscheidungsstunde muh nun auch die in Deutschland lebende Ostiudenheit folgen. Sie nimmt keinen Anteil an dem Meinungsstreit, der gegenwärtig in der deutschen Judenheit über die Zugehörigkeit zum jüdischen Volkstum ausgefocliten wird. Für den Ostjuden ist das Judesein kein Problem; für ihn ist die Volksangehörigkeit eine Selbstverständlichkeit, die sich nicht wegdiskutieren läßt: konkurriert doch in seiner Seele das Judentum mit keinem andern ״tum“! Dieser Geschlossenheit der Seelenverfassung, der Einheitlichkeit der geistigen Physiognomie muß aber auch «ine Vereinigung der konkreten Faktoren, eine Zusammenfassung der wirkenden Kräfte entsprechen. Die Zeitereignisse erfordern den Zusammen schluß der in Deutschland ]ebenden O s t j u d e n zur Wahrung ihrer p o 1 i t i - sehen, sozialen und kulturellen Interessen im Rahmender Gesamtjude 11 heit! I!

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