Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 32 (6.5.1919)
- Date
- 1919-05-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 250 jUEDISCHE WUNDSCHAU Nr. 32 סי Nr. 32 ן : I 1׳ : }! ו ' 1 brutalen Antisemitismus der Christlichsozialen. Die deutschösterreicliische Sozialdemokratie hat den Juden gegenüber stets den reaktionärsten Standpunkt eingenommen. Ein sozialdemokratischer Antragsteller war es, der im Wiener Stadtrat die Ausweisung der Flüchtlinge und die Absperrung Wiens gegen die vor Pogromen ■fliehenden Juden beantragte, was natürlich auch von der chris tlichsorialen Gegenseite akklamiert wurde. Die Sozialdemokratie weigert sich auch mit Konsequenz, die Existenz der jüdischen Nation überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Die Fiktion eines deutschösterreichischen nationalen Einheitsstaates wird schon durdi die beinahe eine halbe Million betragende Wiener tschechische Minorität als unhaltbar erwiesen. Trotzdem wollen die sozialdemokratischen Führer vor! Minoritäten überhaupt, also auch von einer jüdischen Minorität, nichts wissen, aus Angst vor (fern Verlust von Wählern. Im Gemeinderat erwächst also den jüd sclinationalen Vertretern eine wichtige Aufgabe, da die jüdische Minorität Deutsch- Österreichs beinahe in ihrer Gesamtheit in der Stadt Wien konzentriert ist Frau Anitta Müller, welche bei der Reorganisation des Geineinderates in den Gemeinderat berufen wurde, hatte wiederholt Gelegenheit, mit Nachdruck und nicht ohne Resonanz den jüdischnationalen Standpunkt zu vertreten. In der Judenschaft setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, daß Juden nur von Juden vertreten werden können. Die jüdischnationale Partei entfaltet eine große Agitation, täglich finden mehrere Versammlungen statt und das jüdischnationale Tageblatt ״Wiener Morgenz e i t u n g“, das in den drei Monaten seines Bestehens bereits eine sehr große Verbreitung gefunden und auch politisch sich Beachtung erzwungen hat, trägt wesentlieh zur Propaganda bei. Das ganze jüdischnationale Leben steht also seit vier Monaten im Zeichen der Wahlen. Sie haben das Problem der zionistischen Gegenwartsarbeit und Landes- Politik wieder akut gemacht und nicht nur zu theoretisehen Diskussionen, sondern auch zu organisatorischen Veränderungen geführt Bisher wurde die Landespolitik vom ,.Jüdischen Nationalverein“ geleitet, der formell von der zionistischen Organisation unabhängig war. Trotzdem trug■ in der Oeffentlichkeit der Zionismus die Verantwortung. Diesem Zustand konnte nur dadurch ein Ende gemacht werden, daß auch formell und programmatisch die zionistische Organisation die Führung der Landespolitik übernahm. Zur Regelung dieser Frage wurde ein außerordentlicher Parteitag einberufen^ der erste Delegiertentag der neuen deutschesterreichischen Landesorganisation. Dieser Parteitag zeigte in nicht sehr erfreulichem Licht wie sehr die politische Tätigkeit der letzten Zeit, insbesondere die Wahlbewegung, auf den ganzen Charakter der Partei eingewirkt hat. Die Diskussionen des Parteitages hatten im allgemeinen das Niveau von Versammlungsreden. Zur Erörterungeines ernsten Problemes ist cs nicht gekommen. Auch die organisatorische Frage wurde eigentlieh nicht gelbst, vielmehr begnügte man sich damit, Abg. Stricker, den Leiter der Landespolitik, auch zum Präsidenten der zionistischen Landesorganisation zu wählen. Diese Personalunion ist der erste Schritt zur Beseitigung des organisatorischen Chaos, welches auch die jüdische und sogar die nationaljüdische Oeffent- Jichkeit verwirrt hat. Man wird jetzt, sobald die Wahlen vorbei sind, versuchen müssen, in den Bezirksgruppen selbst die Vereinigung durchzuführen und aus diesen Zellen den neuen Landesverband aufzubauen. Allerdings wird den Gruppen noch eine eminente zionis tische Schulung not tun. Die zionistische Organisation ist zwar quantitativ gewachsen, hat aber an Tiefe und Gehalt eingebüßt. Es ist nicht zu bezweifeln, daß auch die Notwendigkeit der Beteiligung an den Wahlen zur Verflachung des zionistischen Lebens beigetragen hat. Der Zionismus ist eine Massenbewegung geworden und wird den Schwung und die Energie dieser Bewegung nun in lebendige zionistische Kraft und Intensivierung des zionistischen Lebens umsetzen müssen. Nach dem 4. Mai werden uns jedoch neue Wahlen bevorstelien, die vom jüdischen Standpunkt aus vielleicht noch größere Bedeutung haben, als die ailgemeineu Wahlen. Ich meine die Wahlen zum Jüdischen Nationalrat, der bisher noch immer in der provisorischen Form besteht, wie er am 4. November 1918 konstituiert wurde, jedoch notwendig durch eine gewählte Körperschaft ersetzt werden muß, für welche nach dem bereits beschlossenen Statut jeder Jude, der sich zur jüdischen Nation zugehörig bekennt, wahlberechtigt sein soll. Dies ist um so dringender, als in den letzten Tagen die ״Poaje-Zion“ ihre Vertreter aus dem Nationalrat zurückgezogen haben, weil der kommunistische Flügel in der Partei die Herrschaft erlangt hat und die dem Nationalrat angehörenden, von der früheren Parteileitung delegierten Mitglieder nicht mehr das Vertrauen ihrer Partei genießen. An den Wahlen zum Nationalrat werden sich aber notwendigerweise auch die Poale-Zion beteiligen müssen und seine Legitimität als Vertretung des jüdischen Volkes in Deutschösterreich wird nicht bestritten werden können. Auch die Isra• elitische Kultusgemeinde berät seit Wochen einen Wahl reformentwurf, auf Grund dessen Neuwahlen ausgeschrieben werden sollen. Der Kultus verstand hat den mit dem Jüdischen Nationalrat geschlossenen Vertrag bezüglich schneller Schaffung eines demokratischen Wahlrechtes gebrochen. Das neue Wahlrecht wird n cht demokratisch sein und seine Verabschiedung wird so verschleppt, daß die Wahlen voraussichtlich erst im Herbst stattfinden werden. Ueber diese innerjüdischen Angelegenheiten ein anderes Mal. Kurz vor Redaktionsschluß geht uns die ertreuliche Nachricht zu, daß drei unserer Gesinnungsgenossen, Dr. Jacob Ehrlich, Plaschkes und Dr. Bruno Pol lack in den Gemeinderat gewählt sind. Der Stimmenzuwachs ist gewaltig. Besonders bedeutungsvoll ist die Eroberung des 9. Bezirkes, der bisher stets in den Händen der Assimilanten war. Aus der Jugendbewegung Jüdische Jugend. Unter diesem Titel ist neuerdings eine Sammlung von Aufsätzen in Berlin in Kommission beim Jüdisehen Verlag erschienen, die vorn Präsidium des Kartells Jüdischer Verbindungen und von dter Jüdischen Turnerschaft herausgegeben wird. Der Titel ist zugleich das Programm der Zeitschritt Denn nicht Einzelprobleme sollen in ihr erörtert werden, sondern alle Fragen der jüdischen Jugend sollen zur Sprache kommen. Jüdisch ist diese Jugend, die hier zu uns spricht, und nichts Jüdisches ist ihr fnemd. Ein Spiegelbild dessen, was heute an jüdischnationalem Leben in unserer Jugend pulsiert, wollen die Hefte sein und wollen dem, der einen Einblick in die Tätigkeit und die die Arbeit tragenden Ideen eines großen Teils der jüdisch-nationalen Jugend gewinnen will, die Möglichkeit dazu geben. Arthur Stein beschäftigt sidf» mit der Lage des jüdischen Studenten an den deutschen Hochschulen“. Er zeigt historisch, wie die Juden allmählich aus den christlichen Korporationen herausgedrängt wurden, wie sie als Antwort auf den rüden Antisemitismus der 80er Jahre sich nicht etwa in jüdischen Verbindungen zusammcnschlossen, sondern in ״paritätischen“, wobei die Parität immer nur von seiten der Juden verlangt und befolgt wurde. Er zeigt, wie die paritätischen Korporationen von den Reformburschenschaften über die Freie Wissenschaftliche Vereinigung bis zur Freien Studenten- Schaft eigentlich keine paritätischen Korporationen sind, sondern entweder arische, in die einzutreten Juden trotz dier Prozentnorm kein Bedenken tragen oder aber jüdische Korporationen, in die sich nur selten ein Nichtjude verirrt. Arthur Stein geht dann auf die Entstehungsgeschichte und das Werden des Kartell-Konvents der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens (K. C.) ein und weist nach, daß das Judentum von Gnaden des Antisemitismus uns nicht genügen kann, daß ein Zusammenschluß auf der Grundlage des Glaubens eine innere UnWahrhaftigkeit darstellt, die überwunden werden muß. Der letzte Teil seiner Ausführungen ist dann dem Kartell jüdischer Ver bindüngen gewidmet. Stein schildert zunächst die Entstehungsgesdiiehte des K. J. V. Er betont, daß der Kampf gegen den Antisemitismus, ohne daß davon viel Aufhebens gemacht wird, von den K. J. V.ern mit aller Energie geführt wird, und setzt diesem rein negativen Programm ein positives, die Mitarbeit an der Zukunft des jüdischen Volkes, entgegen. Sehr interessant sind die Darstellungen der Mittel und Wege, die das K.}. V. wählt, um sein Erziehungsziel zu erreichen. Das K. J. V. hat in bezug auf die Erziehungsmittel eine weitgehende Differenzierung zugelassen: r.eben dem Ruder V. J. St. •und der Sport V. J. St, steht die V. J. St. ״Heehawer“ die es versucht, den jungen Studenten durch Arbeiten in Landwirtschaft und Gartenbau körperlich zu stärken, ihn der Natur nahezubringen und ihn vor allem so auf Palästina vorzubereiten. Eine andere Korporation, die V. J. St. Maccabäa-Berlin, macht den Versuch, in Zusammenarbeit mit dem Hapoel-Hazalr die Probleme dies sozialen Aulbaus Palästinas zu studieren. Das K. J.V. legt, trotz seiner Geschlossenheit und Einheitliehkeit nach innen und außen dem Geiste keine Zwangsjadee an, bietet jedem Betäti,gungswil!en die Möglichbeit, zionistisch zu arbeiten und sammelt alle Einzelbestrebungen zu einer Kraft In einem wertvollen Artikel: ״Unser Satisfaktionsbegriff“ begründet Bertold Cohn das Mensurverbot des K. J. V. Er weist nach, daß da3 Satisfaktionsprinzip aus der Angst entstanden war, man könne uns Juden Feigheit vorwerfen und daß sich das K. J. V. zu seiner Annahme deshalb entschlossen hatte, weil es darin eine Möglichkeit gesehen hatj zu Mut und männlieber Festigkeit zu erziehen. Mit der Verbreiterung und Erstarkung des jüdischen Lebensstromes aber ist in unseren zionistischen Kreisen der Mut zu eigenem Leben erwacht und in diesem Augenblick, wo aus der nationalen Idee nationales Leben mit eigener formenschaffender Kraft zu werden beginnt, ist auch in der studentischen Gemeinschaft die Erkenntnis für das Miß- Verhältnis zwischen Inhalt und Form gewachsen. Das erstarkte jüdische Gefühl will sich nicht mehr ln ein ihm wesensfremdes Gewand hineinzwängen lassen. Aus dieser Erkenntnis heraus erschien dem K. J. V. ein Ehrfriühl unverständlich und bekämpfenswert, daß die enschen in satislaktions- und in aichtsatisfalctionsfähige einteilt. Ohne abzuwarten, bi* die deutsche Studentenbewegung diesen mittelalterlichen Ehrbegriff überwunden hat, ging das K. J. V. seine eigenen Wege und verbot allen seinen Mitgliedern die Mensur. Ernst Simon II. weist auf den olympischen Sport als ein Mittel, der Wiedergeburt des jüdischen Volkes durch die Durchbildung des jüdischen Körpern zu dienen, hin. Wir müssen geistig tma körperlich ganze Menschen heranziehen, ein starkes gewandtes, ein gesundes Volk. Darum ist Sport für uns eine nationale Pflicht, eine Gesinnung. — Ueber die Juden Im deutschen Wassersport spricht Martin Exiner, der besonders auf die trotz der Kürze der Zeit schon 90 erfolgreiche Tätigkeit des Rudervereins jüdischer Studenten-Berlin, des jüafsehen Ruderklubs ״Ivriah“-Berlin und de• jüdischen Rüdervereins Bar Kochba-Hamburg hinweist. Er zeigt, daß diese jüdisch-nationalen Vereine von den Kämpfen innerhalb des offiziellen deutschen Ruderverbandes um die Aufnahme von Juden nur wenig berührt werden, denn nicht der Antisemitismus, nicht die Ausstoßung aus den deutschen Rudervereinen hält 9ie zusammen, sondern die Liebe zum jüdischen Stamm, der jüdischnationalen Art. Ernst Simon I. schildert ln *einem Artikel ״Unser Kriegserlebn»“ die seelische Eatwickhing, die viele deutsche Juden in diesem Weltkrieg durchgemacht haben und zeigt, wie sie den Weg zum Zionismus fanden. Fritz Löbenstein erzählt Inter essant und voller Liebe von seinen Eindrücken ftn der Ostfront, die ja für viele westeuropäische Juden die Quellen ungeahnten Erlebens gewesen sind. Aus dem zweiten Heft sind besonders bemerkenswert die Artikel von Rosenbaum: ״Turnen und Sport als Volksbewegung" und von Kupfer berg: ״Der Jude in der deutsch cn Jugend be w eg u n g.“ Rosenbaum bezeichnet es als die geistige Auf gäbe der jüdischen Jugendbewegung, das Persön lichkeitsidcal zu schaffen, weil eine politische Bewegung ohne Persönlichkeitsiaeal wertlos ist. Aber die jüdische Jugend soll nicht turnen und Sport treiben um es der deutschen Umwelt gleichzutun, nicht weil sie das deutsche Persönlichkeitsideal unverändert übernehmen müßte, sondern weil sie die körperliche Er tüchtigung zu ihrer geistigen und jüdischen Erziehung braucht. Freilich darf den jüdischen Turnern die Tumera nie Selbstzweck werden. Vielmehr müssen wir danach streben, einen neuen Typus zu schaffen: den Typus des jüdischen Sportsmannes, dem sportlich? Höchstleistung und sittliche Pe rsö ■ ■ 1 i« h k e i t zur Einheit verschmelzen. Kupferberg schildert in seinen wertvollen Ausführungen den Werdegang und Ideengehalt der deutsehen Jugendbewegung. Er zeigt, wie die junge deutsche Generation, wirtschaftlich noch nicht eingegliedert und eingeengt vom Strom desjenigen Oeistes, der aus Köpfen und Merzen führender Männer quoll, mächtig angepackt und umgestaltet wurde. Die Eat Wicklung des Wandervogels von seiner Gründung durch Fischer, Meyer und Breuer, das Bacchantentum und Kundenwesen, die verschiedenen Differenzierungen und Kämpfe, bis aus ihnen eine neue Bewegung, die ״Frei deutsche Jugend“ entstand, entrollen sich vor unsere■ Auge. Wir bekommen ein Gefühl ran dem, wa! Wyneken, Ahlhorn, Blüher von der deutschen Jugend erwarteten und zu welchen Idealen sie sie erziehe« wollten. Hat Kupferberg so den Leser im ersten Tel seiner Abhandlung mit dem Ideengehalt der deutsdie* Jugendbewegung vertraut gemacht, 60 geht er jetzt dazu über, in zwingender Form die Schlüsse zu ziehe«, wie diese bewußt deutsche Jugend sich zu den Jude« stellt und warum sie sich 90 und nicht anders stelle« kann. Der junge Jude stellt einen Fremdkörper im Ge?ü» deutscher Gemeinschaft dar. Die deutsche Jugend, & sich mit der Unbedingtheit ihres Seins ihrer Gerne» schaft verbunden fühlt, kann für wurzellos daIA taumelnde, in ihrer Vereinzelung schwache und fast grotesk wirkende Individualmenschen zunächst nicht* als kopfscliüttelnde Abneigung übrig haben. Und au* dieser Abneigung muß der Wunsch erwachsen, der Fremdling möge in seine Gemeinschaft gehen zu •einem Volke zurückkehren, wo er Gutes wirken kann. Nur so erklärt sich nach Kupferberg die zionistenfreundlidte Einstellung der Freideutschen, nicht, wie so oft behauptet wird, als verdecktes Streben eines von gemeine• Instinkten geleiteten Antisemiten, die Juden auf amständige Manier loszuwerden. Die jüdische Jugend steht vor ihrer Entscheidung. In immer zahlreicheren Scharen ist sie den national jüdischen, zionistischen Gemeinschaften zugeeilt. Der Wille zur jüdischen und der zur menschlichen Entfaltung, die Tendenz jüdischer und menschlicher Er neuerung zwang sie dazu. . Bruno Per! legt in einem Aufsatz die Gnundhegriife des ״nationalen Judentums“ dar und weist besonders auf die Notwendigkeit hin, das jüdische Volk zu einer produktiven Gemeinschaft zu erziehen, die das Gebäude einer eigenen, vorbildlichen Kultur aufführt. Natito nalLsmus darf für den jüdischen Menschen keine Ver engung, sondern muß universale Tendenz, ZionismUB keine Verarmung, sondern Bereicherung seiner men schliehen Möglichkeiten sein. — Hans Goslar zeigt de« Einfluß der jüdischen Kaufleute im deutschen Wirt schaftsleben und legt dar, daß die deutsche Wirtschaft«- politik, wenn sie sich wieder Weltgeltung verschaffe» will, dem nationalen Charakter der Judenfrage gerecht werden muß. — In einem Aufsatz ,Antisemitismus“, Ar im Jahre 1915 in der ״Jüdischen Rundschau“ erschiene« und nichts an Geltung1 verloren hat, fegt ßlumenfeld dar daß die bisherigen Mittel, den Antisemitismi* zu bekämpfen, scheitern mußten, weil sie ihn jn seine■ Wesen nicht verstanden, weil man bisher glaubte, dea Antisemitismus mit ״Gründen“ überwinden zu könne«, ohne daran zu denken, daß Menschen niemals «ub Gründen hassen. Er charakterisiert den Antisem tismttJ als das auf die Juden bezügliche Rand Spannung«- gefühl in dem sich jeder Gegensatz der Natione« äußert. Da die Nationen sich in der Fülle ihrer Leistun gen würdigen, an der Peripherie ihrer Territorien aber hassen, muß das Randspannungsgefühl zwischen de« Juden und den arideren Völkern so groß sein. Den» überall bilden die Juden Grenzen, überall berühren *ie sich mit den anderen. Deshalb kann der Antisenätismu; nur überwunden werden, wenn es gelingt, ein Terri torium zu schaffen, wo die Juden Leistungen hervorbringen, die auch von Fremdesten gewürdigt werde• können. — Erwähnt seien noch die Aufsätze: zwei ״Kriegserlebnisse“, die die Entwicklung zum Zionte mos und die Stellung zu den Ostjuden beleuchten, oad Besprechungen zweier neu erschienener jüdischer Romane und des JisJcorbuches sowie einige Bilder (0u dem jüdischen Sportsleben. In dieser Schicksalsstunde des jüdischen Volke* dürfte es eigentlidi keinen jungen deutschen Jude■ mehr geben, der nicht den Willen hat, sich ernst und sachlicn mit den Problemen des modernen Judentum* auseinanderzusetzen. Theodor Herzl hat es einmal nt sagt, daß unser Streben dahin gehen müsse, aus de* von der Welt verachteten, unfreien, gedrückten Jude« jungen junge Juden zu machen. Die beiden wor liegenden Hefte zeigen, wie die jüdische Jugend •Ich müht, diesem Ziel gerecht zu werden. Sie sind eiw Anregung für den, der noch abseits steht. Sie woSes nicht Letztes sagen, sie wollen keine Probleme löae«, aber sie wollen die Fragen aufwerfen und zeigen, dsB es schön und wertvoll ist, um sie zu ringen •ttd s» kämpfen. r0n der Am 28 üdisdhen 1 ihr hatte ls 1250 I aben sich Hier war ehr ungl« 00. 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