Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 32 (6.5.1919)
- Date
- 1919-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 32 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 249 18t es nicht eine tief bedeutsame Tatsache, daß Palästina nur ein Kulturland war, als die Juden dort lebten? Von den Kanaanäem ist nichts zurückgeblieben und die Völker, die nach den Juden auf dem heiligen Boden unserer Väter gewohnt haben, vermochten niemats im Lande heimisch zu werden. Wohl ist Palästinas Boden auch für Christen und Moslems heilig, aber für sie ist er nur deshalb geweiht, weil Stätten der Andacht und der religiösen Erhebung sich dort befinden. Für uns gibt es nicht ״heilige Stätten“ in Palästina: heilig ist uns jedes Fleckchen Erde, jeder Stein und jeder Baum. Sie alle berichten vom Ursprung und Werden unseres Volkes, sie alle sollen und werden Zeugen sein, wenn das jüdische Volk nach Palästina zurückketirt und sein altes Land zu neuem Erblühen bringt. Das jüdische Leben in Palästina Die orthodoxe Jugend. Da* ״Kopenhagener Zionistische Büro“ berichtet: Vor einigen Monaten wurde in Palästina die Vereimgung ״Hazair Haerez Israeli“ begründet, die seither gute Fortschritte gemacht hat. Sie setzt sich aus itingen Palästinensern zusammen, größtenteils Jeschiwascbülern, ln den Kreisen dieser orthodoxen jungen Leute hat sich während des Krieges eine bedeutende Entwicklung vollzogen. Die Revolution in der Türkei die zionistische Arbeit in Palästina und die Einführung der allgemeinen militärischen Dienstpflicht, dazu der Bankerott einer der größten Jeschiboth hatten eine Krjgjs im Jerusalemer jüdischen Leben hervorgerufen, die Viele zur Auswanderung nach Amerika trieb. Andere der jungen Leute begannen sich zu organisieren und strebten danach, die Verwaltung ihrer Lehrschulen selbst zu übennehmen. Beim Kriegsausbruch befanden sich die jeschiwa-Schüler in de!• äußersten Notlage. Viele von ihnen gingen in die Ackerbaukolonien und begannen notgedrungen, sich mit Landarbeit zu beschäftigen. Dieses .eben in den Kolonien hatte einen äußerst günstigen Einfluß 'auf ihr ganzes Wiesen, und viele begannen in der körperlichen Arbeit ihre Rettung zu sehen. Bei der Einnahme von Jerusalem oijganisierten sich 50 solcher jungen Leute, um eine gemeinsame Kolonie zu begründen. Gleichzeitig organisierten sich 75 andere, um Hebräisch und andere weltliche Wissenschaften zu studieren. Aus diesen Kreisen entsprang der Gedanke der Gründung einer Jeschiwa mit Universitätscharakter. Diese neuen organisatorischen Tendenzen innerhalb der orthodoxen Jugend prägen sich in der ״Hazair Haerez Israeli“ aus, die in Jaffa entstanden äst. Eine Zweig- Organisation besteht in Jerusalem mit Mitgliedern «Her Gruppen der orthodoxen Jugend. Diese Vereinigung umfaßt alle Interessen der jungen Orthodoxen, darunter die Reform der Jeschiboth. jmd die Bildung van Arbeitergruppen. Sie legt großen Wert auf Landarbeit, hofft Ordnung in Jeschiboth zu bringen und strebt danach, viele der Jeschiwa-Schüler zum freiwilligen {Eintritt in die (Arbeitergruppen zu bewegen. Zu diesem Zweck hat sie folgende Punkte Ln ihr Programm saufgenommen: 1. Die Bildung von Land, arbeitergruppen, die der Leitung der Organisation unterstellt bleiben, bis sie richtig auf dem Lande angesiedelt wenden können. 2. Die (Förderung des Handwerkes unter den besonders hierzu befähigten Leuten. So wurde in P e t.a Ch T i k wa h eine Gruppe von Gemüsenüchtern eingerichtet und in ׳Rechoboth arbeiten 20 junge Leute als Tagelöhner. Die Zionistische Kommission hat der ersten Gruppe 300 £ bewilligt und bestreitet einen Teil der Ausgaben beider Glruppen. Der Arbeitsmarkt. Eine neue Nummer von ״Haarez we Haawoda“, die vom Zentralkomitee des ,,Hapoci- Hazair“ herausgegeben wird, erstattet Bericht über den Arbeitsmarkt in Palästina. Der Arbeitsnachweis, der vor einiger Zeit eingerichtet worden ist, hat sich mit den britischen Behörden in Verbindung gesetzt. Zeitweise waren über tausend Juden mit Wegebau beschäftigt. Im Anfang des Sommers organisierte der Arbeitsnachweis auf Betreiben des Militärgouverneurs jüüische Arbeitergruppen, die die Nablus-Chaussee reparieren sollten. Viele Hunderte von Frauen mel- Jeten sich zu dieser Arbeit und verrichteten sie zur völligen Zufriedenheit. Durch die Ankunft der zionistischen Palästinakomm issi<0!1 verbesserte sich die Lage der Arbeiter beträchtlich. Der Bau von Hospitälern, Schulen und anderen Anstalten hat vielen Arbeit gegeben. Nähstuben und Sdiuhmacherwerkstätten, in Jenen viele Hunderte von ■Frauen und Mädchen Beschattigung gefunden haben, sind eröffnet worden. Den ganzen Sommer hatten alle Arbeitsfähigen zu tun und es war schwer, auch nur einen einzigen Arbeiter zu bekommen. Aber seitdem ist ein Niedergang im Arbeitsmarkt zu spüren, dessen Ursache das Aufhören der militärischen Arbeiten nach dem Vormarsch der britischen Truppen in die entlegeneren Distrikte von Syrien und die Rückkunft der Flüchtlinge sind. Agudath Hamajim. 111 Palästina hat sidh eine Gesellschaft von Fachmännern unter dem obigen Namen gebildet, •welche die (jewässer des Landes für Fischereizwecke und bChif fahrt ausnutzen will. Das Statut der Ge- Seilschaft wurde der Regierung zur Genehmigung vorgelegt. Die ersten Jaffa-Orangen in England. Die «erste Schiffsladung von Jaffa-Orangen seit Kriegsausbruch äst in üverpool und London angekommen. Musik. In den langen unglücklichen Jahren des Krieges!ät in Palästina auch das Bedürfnis nach Kunst und ms besondere nach Musik gewachsen. In Jaffa, Jerusalem und Haifa werden jetzt häufig Kon- I ■^rie veranstaltet und die Musikschulen haben ihren Unterricht wieder aufgenomnien. In Jerusalem wurde die Musikschule Wardi - Ros enbaum mit vier Klassen wieder eröffnet, wo Unterricht in (Klavier, Violine, Gesang ,und Blasinstrumenten erteilt wird. Außerdem sind Kurse für Musiktheorie, Harmonielehre, Instrumentation, Musikgeschichte eingerichtet. Die in Jeru salem weilenden Sanitätssoldaten des amerikanischen Regiments veranstalteten kürzlich unter Mitwirkung des Sängers Tscheykow ein Konzert. Der von Herrn Idelsolin gegründete Chor veranstaltete ebenfalls eine Aufführung, der wie gewöhnlich ein geselliges Beis am mensein folgte. In Jaffa nahm die Musikschule S c h u 1 a m i t ihre Konzerte wieder auf. Unter der Leitung des Herrn H o p e n k o fand das erste Symphoniekonzert statt. Die Musikschule in Haifa liegt in den Händen von Frau Kaiser mann und Fräulein K r u g 1 i a k o \v. Kinematograph. Da es in Palästina noch keine Theater-Vorstellungen von Berufsschauspielern gibt, spielt der Kinematograph dort eine große Rolle. Das Komite von T e 1 - A w i w stellte sogar eigens einen Raum für ein Lichtspieltheater zur Verfügung. Das Theater bleibt am Freitag Abend geschlossen. Sehr stark ist das Verlangen der Zuschauer nach Films jüdischen Inhalts geworden. Die aus Europa importierten, von christlichen Darstellern gespielten Films jüdischen Inhalts befriedigen die Wunsehe des Publikums nicht. So entstand der Wunsch im Lande selbst Aufnahmen zu machen und die ganze Vergangenheit Erez Jisraels und seiner Geschichte der neuen Generation im Film vorzuführen. Die Agadah z. B. oder die Kämpfe der Juden im Mittelalter oder das Leben der Juden im Ghetto liefern für das Lichtbild geeignete Stoffe. Die Künstler und Lehrer des Beza lei haben sich deshalb mit einer Kommission jüdischer Schriftsteller zusammengetan, um derartige Films vorzubereiten. Einer der Schüler des Bezalel hat bereits . die historischen Ereignisse des letzten Jahres auf den Film gebracht. In einem Film, ״Das befreite J u da“ hat er in 34 Bildern den Einzug der Engländer, die Grundsteinlegung der Universität, die Rückkehr der Ausgewanderten, die Ankunft der verschiedenen Kommissionen und Bilder aus dem neu erwachten jüdischen Leben aufgenommen. Dieser Film befindet sich augenblicklich auf Veranlassung der Leitung der amerikanischen medizinischen Delegation ״Hadassa“ in Amerika. Die lithographische Abteilung der Kunstgewerbeschule Bezalel hat ein Lottospiel in 12 Serien für Kinder herausgegeben. Die ersten beiden Serien ״Blumen, Obst und Gemüse“ sind bereits erschienen. Im Verlag Ben Dow in Jerusalem ist ein Album mit 10 Bildern jüdischer Künstler erschienen, ebenso Postkarten von den Ereignissen des letzten Jahres. Auf Initiative des Professor Schatz ist in Jerusalem ein Künstlerverein gegründet worden. Der Bühnenverein in Jerusalem hat beschlossen, einen geeigneten und erfahrenen Leiter zu ernennen. Der ״Rote Magen David“. Die Organisation ״Roter Magen David“, <üe in Jaffa gegründet wurde, als die Einberufung von jungen FreiwiUigen stattfand, ist jetzt im Begriff, sidh aufs neue zu organisieren, und hofft, sich den Friedensverhältnissen anzupassen. Wegen Sprachschwäerigkeiten und Mangel an Uebung wurde nur eine beschränkte Anzahl der jüdischen Freiwilligen und ausgebildeten Krankenschwestern von den Militärbehörden angestellt. Sie arbeitete« in« Hospitälern in Gaza und Haifa. Diese Freiwilligen trugen ein jüdisches Abzeichen, und ihr Kontrakt enthält die Verpflichtung, sie ausschließlich für Dienste in Palästina zu binden. Das jüdische Bataillon. Eine große Anzahl der Mannschaften des jüdischen Bataillons ist aus Palästina nach England zurüekgekehrt. De Mehrzahl der amerikanischen ״judeans•‘ hat dagegen vorgezogen, in Palästina zu bleiben, und ihre Truppenteile werden dort demobilisiert. Für 200 Leute hat man bereits Arbeit beschafft, und die Palästina- Kommission ist dabei, auch den andern Beschäftigung nachzuweisen. Zwei Mitglieder der Judeans sollen die Interessen dieser Leute bei dem Provisorischen Komitee palästinensischer Juden vertreten. Man hat Vorkehrum gen getroffen, den noch in Garnison befindlichen Soldaten*' das Studium der Bedingungen des Landes zu ermöglichen. Agronom Oettinger wird eine Reihe landwirtschaftlicher Vorträge halten. Die Lage in Damaskus. Nach der Einnahme von Syrien durch die Truppen des Generals Allenby hat die Zionistische Palästina- Kommission die Herren David Vellin und Jack Messe ri nach Damaskus entsandt, um die Lage der dortigen Juden zu studieren. Vor allem mußten sic ihre Aufmerksamkeit den Flüchtlingen aus Palästina zuwenden, die repatriiert werden und Existenz- ■mittel •sowie Beschäftigung an ihren früheren Wohnstatten erhalten mußten. I3ie löOOO Juden der jltadt befanden sieh in der größten Notlage und brauchten Hilfe auf allen Gebieten des Lebens. Die jüdische Bevölkerung «in Damaskus hat keinerlei Gcrneindeverwaltupg, und erst den palästinensischen Flüchtlingen gelang es, eine Gemeindevertretung zu schaffen. Die Gemeinde Damaskus «ist außerordentlich arm. Infolgedessen ist auch das Schulwesen sehr ■minderwertig, und ein großer Prozentsatz von Kindern genießt überhaupt keine Schulbildung. Vier Gesellschaften beschäftigen sich damit, den moralischen und iritellektuelkn Stand der jüdischen Bevölkerung zu heben und den jüdisch-nationalen Gedanken zu verbreiten: a) die Gesellschaft Ibriah, die eine Bibliothek, eine Lesehalle und hebräische Abendklassen hat; b) der K a d i m a h - K111 b , der in seinem Versammlungsraum jeden Abend Vorträge und Diskussionen über jüdische Themen stattfinden läßt und hebräisdhen Unterricht erteilt; c) die Makkabäer-Gcsellschaft, ,die die Jugend hauptsächich zum Turnen und Singer! anleitet; d) die Sehebet Ah •im Gesellschaft, die aus einheimischen Juden besteht und ihren Mitgliedern zur Ausbildung für Palästina verhilft. Ehe Gemeinde Damaskus wünscht sehr, in nahe Verbindung mit der Zionistischen Organisation zu kommen, besonders damit sie bei der Fördern!^ des Erziehungswesens behilflich ist. Da Damaskus die voraussichtliche Hauptstadt des neuen Hedschas-Staates sein wird, ist es notwendig, daß sie Verkehr mit den Leitern des Hedschas-Staates unterhält. Die Herren Y eil in und Mosscri beabsichtigen, der Gemeinde einige wertvolle hebräische Dokumente für die hebräische Universität abzukaufen und den Gegenwert zum Ausbau des Schulwesens in Damaskus zu verwenden. Kleine Nachrichten. De amerikanisch-zionistische Delegation unter der Leitung des Dr. Friedenwald ist in Palästina eingetroffen und wurde von der Bevölkerung in herz- Udier Werse empfangen. Das Hotel ״Herzliah“ in Haifa wurde in ein Beth Am umgewandelt. Im Zeichen der Wahlen Von unserem Wiener Korrespondenten. Wien, 25. April. Das gesamte politische Leben des Kleinstaates Deutschösterreich strebt einer Erneuerung zu. Die durch den Zerfall des alten Reiches herbeigeführte trostlose politische und wirtschaftliche Situation insbesondere der Hauptstadt Wien bietet keinerlei Grundlage zu einer großzügigen, von selbständigen staatlichen Zielen und Ideen getragenen Politik. Vielmehr bietet das gesamte Leben mehr den Eindruck der Resignation; und die Versuche der Regierung, durch irgendwelche radikale Maßnahmen die Situation zu verbessern, scheitern an dem Ungeschick, mit welchem die neuen Männer ihre Aktionen betreiben, wie es sich z. B. in der Frage des Anschlusses an Deutschland gezeigt hat. Audi die großen sozialen Kämpfe, die in den anderen besiegten Landern unter ungeheueren Schmerzen den Aufbau einer neuen Ordnung vorbereiten, finden in Deutschösterreich keinen Boden, da insbesondere die Hauptstadt Wien völlig auf die täglichen Lebensmittelzuschübe der Entente angewiesen ist und sich die Bevölkerung der Gefahr des Verhungerns im Falle von Unruhen wohl bewußt ist. So kommt es im wesentlichen nur zu kleinen Plänkeleien. Die politische' Gesinnung des Volkes hat sich in den Wahlen zur Nationalversammlung ttokumentiert. Die sozialdemokratische und die christlichsoziale Partei halten einander ungefähr das Gleichgewicht und haben auch eine Koalitions-Regierung gebildet. Nun sind die Waiden in den Landtag und in den Gemeinderat bevorstehend und es ist an zunehmen, daß insbesondere der Wiener Gemeinderat, bisher die unbestrittene Domäne der Christlichsozialen, nun jn die Macht der Sozialdemokraten fallen wird. Die Wogen der Wahlbewegung, die zu Beginn des Jahres einsetzte, haben sich also noch nicht gelegt und das ganze politische Leben ist dementsprechend in dem erregten und gereizten Zustand, den Wahlen erzeuge!. Die jüdischnationale Partei war sich von Anfang darüber klar, daß sie an dieser Wahlbewegung aktiv Anteil nehmen müsse Seit den Tagen des Um- Sturzes, wo beim Zerfall Oesterreichs an jeden die Frage gerichtet war, sich zu einer Nation zu bekennen, ist auch die jüdischnationale Bewegung in ungeahnten Dimensionen angewachsen. In den denkwürdigen Oktobertagen verlangten die jüdischen Massen stürmisch die Bildung des jüdischen Nationalrates und immer mehr setzte sich das Gefühl und das Bewußtsein durch, daß Juden politisch überhaupt nur von Juden vertreten werden können. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung hat die jüdischnationale Partei den großen Erfolg errungen, daß ihr Kandidat, Ingenieur Robert Stricker, Obmann des Jüdischen National! ereines und Mitglied des Zionistischen Großen Aktionskomitees, gewählt wurde. Dieser Erfolg war um so bedeutungsvoller, als der bis herige Abgeordnete des Wahlkreises Dr. Ofner, der eine extrem-assimilatorische Richtung vertrat, bei den Juden der Leopoldstadt außerordentlich angesehen war, und andererseits gerade den gaüzischen Flüchtlingen, welche fast insgesamt national gesinnt sind, die Staatsbürgerschaft und damit das Wahlrecht verweigert worden war. Nunmehr hat die jüdisdinationale Partei auch für die niederösterreichische Landesversainmlung und für den Wiener Gemeinderat selbständige Kandidaturen aufgestellt. Diesmal ist mit Rücksicht auf die kleinere Wahlzahl die Kandidatur nicht nur in dem judenreictisten Bezirk, der Leopoldstadt, sondern noch in einzelnen anderen Bezirken mit starker jüdischer Bevölkerung beschlossen worden. Am aussichtsreichsten ist die Kandidatur in der Leopoldstadt, wo als Listenführer Dr. Jakob Ehrlich fungiert. Allerdings stehen wir auch diesmal einer anderen jüdischen Kandidatur in diesem Bezirk gegenüber: Dr. Sch w a r z - H i 11 e r , der bisher das Gemeinderatsmandat inne hatte, hat sieh von mehreren freiheitlichen Parteien kandidieren lassen, nachdem die Verhandlungen über ein Zusammengehen mit der jüdisdmatkmalen Partei an seiner Forderung als Listcnführcr aufgestellt zu werden, gescheitert sind. Dr. Sclnvarz-Hiller, der sich selbst stets als jüdischnational zu bezeichnen pflegte, aber der Partei nicht angehört, und der jetzt auf ein ganz verschwommenes Programm auf einer Liste mit Nichtjuden kandidiert, gefährdet dadurch nur den Besitzstand an jüdischen Mandaten, zurnal Listenverbindung nicht zugelassen ist. Dies ist um so bedauerlicher, als dadurch ein Wahlkampf zwischen Juden entfesselt wird, der nicht so sehr um sachlich prinzipielle Dfferenzen gellt, vielmehr notwendigerweise persönlichen Charakter annimmt und dadurch zu den unangenehmsten Formen des Kampfes verleitet. Im übrigen kämpfen die Jüdischnationalen diesmal gegen die sozialdemokratische Assimilation und gegen den