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Jüdische Rundschau · 1919-05-02 · Heft 31 (2.5.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 31 (2.5.1919)
Date
1919-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite J U EPISCHE RUNDSCHA U Palästinalrag en Massensiedlung, Sozialismus und nationale Kolonisation Von Richard Lichtheim. 1. Die mündliche und schriftliche Diskussion, die sich an das von mir auf dem Delegiertentag der Zionistisehen Vereinigung für Deutschland gehaltene Palästinareferat anknüpfte, hat eine Fülle von Betrachtungen, Kritiken und Vorschlägen zutage gefördert. Zwei Fragen standen im Vordergründe der Diskussion: die Frage der Einwanderungsmöglichkeiten und die Frage der sozialen Gestaltung des jüdischen Gemeinwesens. Zu ihnen will ich hier nochmals Stellung nehmen. Herr Trietsch und! manche anderen haben es unternommen, meine Auflassung von Tempo und Umfang der künftigen Kolonisation als eia Minimalprogranrni, als ״Beschränkungszionismns“, zu bekämpfen. Aber alle Hinweise auf die Zahl der Juden in der Diaspora, alle Aufforderungen, die Ausvvanderungslustigen sofort in Kataster einzutragen, alle Vorschläge, schnellstens Industrie in Palästina zu entwickeln und Notstandsarbeiten einzuleiten und endlich alle moralische Entrüstung können nichts an der Tatsache ändern, daß Palästina im ganzen 30000 qkm besitzt, daß es bei voller Ausnutzung aller wirtschaftlichen Möglichkeiten höchstens 5 bis 5 Millionen Einwohner ernähren kann, daß es gegenwärtig ein industriell und landwirtschaftlich noch wenig entwickeltes Gebiet ist, daß landwirtschaft- Kche Kolonisation erfahrungsgemäß nur allmählich fortschreiten kann (zumal bei unserem Mangel an geeignetem Menschenmaterial und angesichts der palästinensischen Besitzverhältnisse, welche die Kolonisation verteuern und erschweren), daß endlich die Aussichten der Industrie aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht übermäßiggünstige sind. Die von Ru pp in aufgestellten, von mir in meinem Referat erwähnten Einwandererzahlen von jährlich 20000 im ersten, 40 (MX) im zweiten und 60 000 kn dritten Jahrzehnt stellen ganz gewaltige Anforderungen an die kolonisatorische Kraft des jüdischen Volkes. Auch irrt Herr Dr. Chamizer, wenn er in Nr. 10/11 von ״Volk und Land“ behauptet, diese Zahlen ständen im Widerspruch zu den Mitteilungen Wc i z ni a n n s , welcher mit einer Einwanderung von jährlich 60 (XX) Menschen rechne. Herr Weizmann hat nämlich nirgends behauptet, daß diese Ziffer bereits in den ersten Jahren erreicht werden würde; vielmehr sagte er nach dem Bericht des ״Jewish Chronicle“, daß der Zionismus dahin strebe, Palästina so vorzubereiten, daß es jährlich 50000 bis 60 000 Menschen aufnehmen könne. Auch Weizmann nimmt selbstverständlich an, daß eine allmähliche Steigerung der Aufnahmefähigkeit erfolgt, und was er als Ziel der vorbereitenden Periode betrachtet, stimmt demnach völlig mit den von mir zitierten Ruppänscben Schätzurigen der künftigen Einwanderung überein. Daß man jährlich — wenn di6 nötigen Mittel zur Verfügung stehen — viel größere Menschen müssen bewegen, transportieren, verpflegen kann, weiß ich wohl. Der immer wiederkehrende Hinweis auf die Erfahrungen des Krieges ist ganz überflüssig. Aber der Zionismus ist nicht ein Unternehmen, das zu einem bestimmten kriegerischen oder anderen unwirtschaftlichen Zweck unter Aufwendung vieler Milliarden Menschenhaufen in Bewegung setzen will; er ist kein Transportunternehmen, sondern eine nationale Bewegung, die dem Judentum ein moralisch und wirtschaftlich gesundes Volleszentrum in Palästina schaffen soll. Wer aus Palästina eine Unterkunftshaüe für auswandernde oder durchwandernde Juden machen will, mag mit anderen Zahlen rechnen. Wer ein jüdisches Palästina aufbauen will, wird meine Ziffern eher für zu hoch als für zu niedrig halten. Int übrigen sei immer wieder betont, daß diese Ziffern nur einen ganz ungefähren Anhaltspunkt geben sollten. Es ist gesagt worden, derartige Zukunftsstatistiken seien wertlos und unterblieben deshalb besser ganz. Wissenschaftlichen Wert besitzen solche Schätzungen natürlich nicht, doch besteht für uns ein Bedürfnis, uns ein ungefähres Bild dessen zu machen, was wir in nächster Zukunft in Palästina kolonisatorisch zu unternehmen vermögen. Jedem Zionisten muß die Frage au'steigen, ein wie großer Teil des 15 Millionen Seelen zählenden jüdischen Volkes in Palästina angesiedelt werden י kann, und in welchem Zeitraum die Ansiedlung durchzuführen ist. Man kann keine Kolonisationspolitik treiben, wenn man auf diese Frage nicht wenigstens eine ungefähr zutreffende Antwort zu geben vermag. Auch die Finanzieruitg des Kokmisatkmswerks hat solche Schätzungen zur Voraussetzung. Wir müssen ja doch ans Werk gehen und müssen ungefähr berechnen, welche Summen wir für die Nächste Zeit brauchen, welche Institute mit welchem Kapital zu schaffen sind. Das ist nur möglich, wenn Tempo und Umfang der Kolonisation, d. h. also vor allem die zu erwartende Einwandererzahl, unter Berücksichtigung der Landesverhältnisse wenigstens für die nächsten Jahre abgeschätzt wird. Sollte es nun gelingen, die angegebenen Zahlen zu erhöhen, sollten wir beispielsweise schon im ersten Jahrzehnt jährlich 30 000 oder gar 40 000 Einwanderer ln Palästina unterzubringen vermögen, so wäre an dem von mir entworfenen Zukunftsbilde der jüdischen Kotenisatten nichts Wesentliches geändert. Wohl aber wären diejenigen widerlegt, die durch temperamentvolle Angriffe persönlicher Art, durch Aneinanderreihung von allen möglichen oder auch unmöglichen Erwerbs zweigen, die etwa einmal in Palästina zur Entwicklung kommen könnten, durch immer wiederkehrende Aufzählung von Nolstandsarbeiten (wobei regelmäßig jede fachmännische Berechnung der Zahl der erforderlichen Arbeitskräfte unterlassen wird) den Anschein erwecken, als könnten sehr bald Hunderttausende, ja Mülionen wnt Juden in Palästina eine Existenzmöglidikeit finden. Man frage alle Kenner Palästinas, alle Kenner kolonisatorisdier Probleme und alle Kenner der Berufssdnchtung des jüdischen Volkes, man mache sich ein Bild von der Größe, Lage und wirtschaftlichen Beschaffenheit Pa- Iästinas, und man wird finden, daß auch unter Auf- Wendung ganz gewaltiger Geldmittel, bei sofortiger Inangriffnahme aller nur erdenklichen Notstands- und Er* schließungsarbeiten, kurz bei größter Beschleunigung des Kotonisationstempüs die Änsiedlung von einigen zehntausend Menschen jährlich ein Maximum des Denkbaren darstellt. Diese Auffassung gegenüber phantastischen Zahlen- Spielereien immer wieder zu vertreten, erscheint dringend notwendig. Nicht im geringsten bedeutet unsere Meinung Pessimismus hinsichtlich der Verwäiklidhungsmöglichkeiten des Zionismus. Wem der Zionismus kein Notstandsuntemehmen, sondern die nationale Zukunftstat des Judentums bedeutet, der wird es als etwas Gewaltiges empfinden, wenn es ms gelingt, ta laufe von zwei Generationen etwa drei Millionen Juden in Palästina anzusiedeln und damit nach zweitausendjähriger Diasporageschichte dem Schicksal des jüdischen Volkes wiederum die entscheidende Wendung zur nationalen Wiedergeburt auf den» Boden der Heimat zu geben. II. Neben der Frage der Einwanderungsziffem ist die Frage ״Sozialismus oder Kapitalismus“ in der Diskussion ausführlich erörtert worden. Es ist naturgemäß äußerst schwierig, heute, in einer Zeit größter geistiger Erre- , gung die Ruhe und Klarheit des Urteils zu bewahren, die erforderlich ist, wenn man aus der Fülle der Meinungen, das Richtige vom Falschen sondern will, um es beim Aufbau eines neuen Volks- und Staatsorganisimis in einem fernen Lande zu verwerten. Was gegenwärtig das Industrienroletariat bewegt, ist nicht so klar, wie der offizielle Sozialismus glauben machen könnte. Mit Verstaatliehung der Großbetriebe ist es vermutlich nicht getan. Die industrielle Entwicklung hat sich überschlagen. Der Arbeiter will Mensch werden, eine neue Tcilung der Erde wird ersehnt. Wohin diese Bewegung führen wird, vermag wohl niemand zu sagen, doch fühlen wir, daß sie nicht so bald zur Ruhe kommen, daß sie einen für die Gestaltung der Zukunft sehr wichtigen Niederschlag bilden wird. So schwer es aber auch sein mag, zu den sozialen Fragen, die die Gegenwart erregen, Stellung zu nehmen, so sind wir denqoeh dazu gezwungen. Die nationale Wiedergeburt muß ja auf dem Wege der wirtschaftlichen Erschließung eines Landes, der Errichtung eines neuen Wirtsdiaitskörpers vor sich gehen. Wir sind also auf Schritt und Tritt genötigt, uns mit den wirtschaftlichen Fragen und damit auch mit den sozialen und soziali3tisehen Tendenzen unserer Zeit auseinanderzusetzen, wenn unsere Arbeit nicht haltlos zwischen gegensätzlichen Prinzipien hin- und herschwanken soll. In Nr. 26 der ״Jüdischen Rundschau“ hat Herr Hermann Kranold einen Aufsatz über die ״Sozia 1 isierung Palästinas als Grundlage seiner jüdischen Kolonisation“ veröffentlicht, worin er die Meinung ausspricht, daß in den leitenden zionistisehen Kreisen wenig Verständnis für die sozialistischen Forderungen vorhanden sei. Das ist doch eine gründliche Verkennung der Haltung unserer Organisation. Der Zionismus kann und darf keiner Partei und keiner Dogmatik verschrieben sein, doch ist er sozialistisch in dem Sinne, daß er durch die Gesamtheit für die Gesamtheit arbeiten und die neue Wirtschaftsordnung in Palästina bewußt und planmäßig gestalten will. Der Versuch freilich, den Hermann Kranold in dem erwähnten Artikel unternimmt, die sozialistische Wirtschaftsform in Palästina als die allein mögliche zu erweisen, muß als gescheitert betrachtet werden. Kranold will uns nämlich nicht nur zeigen, daß Palästina sozialistisch kolonisiert werden müsse, sondern er bemüht sich um den Nachweis, daß Palästina nur sozialistisch kolonisiert werden könne, und zwar aus dem ökonomischen Grunde, weil angeblich die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas keine Rentabilität bei privatkapitalistischer Betriebsweise zuließen. Die Beweisführung Kranoids ist hinfällig. Seine Kenntnis Palästinas stammt offenbar nicht aus eigener Anschauung, und sie reicht nicht aus, um* ihn vor schweren Irrtümem zu bewahren. Kranold stellt fest, daß die Stimmung der jüdischen Massen dem Sozialismus nicht ungünstig sei, daß siel» aber gegenüber diesen Massen im Judentum ein hochausgebildetes Kapitalistentmn befinde, welches sich möglicherweise der jüdischen Kolonisation bemächtigen werde. Es kommt nun nach ihm darauf an, dieser Gefahr aiiszuweichen, ״und es fragt sich, wie hoch sie ein zuschätzen ist“. Auf diese Frage gibt Kranold eine verbluffende Antwort. Nach ihm ist es nur notwendig, die jüdischen Kapitalisten über die wirtschaftlichen Airssichten in Palästina aufzuklären, dann ist die kapitalistische Gefahr beseitigt, und die sozialistische Wirt- 3chaft als die allein mögliche wird errichtet werden. Denn Kranold meint, das jüdische Kapital habe in Palästina keine Rentabilität zu erwarten, er behauptet, es seien dort Reingewinne für das Kapital nicht zu erlangen. Er schreibt: ״Palästina stellt in jeder Beziehung ein Land dar, für das das Gesetz vom abnehmenden Bodenertrag in besonderem Maße gilt. Seine besten Böden sind bereits in den Bereich der Agrikultur einbezogen, Nr. Nr. 3t ohne daß es gelungen wäre, sie nach europäischen Be griffen besonders rentabel zu machen. Was noch übrig ist, wird durch Bodenbeschaffenheit, natürliche Formge bung, Wasserverteilung, Klima und Verkehrslage so stark benachteiligt, daß ein Wirtschaften auf Profit nahezu ans geschlossen ist, solange nicht in der ganzen Welt an den in Palästina erzielten Produkten der äußerste Man gel eintritt, d. h. also so lange die in Palästina erzeugten Güter nicht relativen Monopolcharakter gewinnen.“ In diesem entscheidenden Punkt befindet Kran-old sich im Irrtum. Wir sind der Meinung und haben hierauf unsere ganze Kolonisation eingestellt, daß es gelingen muß, durch Intensivierung der Betriebe in Palästina, da־ ein klassisches Gartenbauland ist, hochwertige Produkte, wie z. B. Wein, Orangen, Mandeln, Oliven, feine Gemüse zu erzeugen, die einen vorzüglichen Inlands- und Auslandsmarkt haben werden. Nach Ansicht aller unserer Palästinakenner kann Palästina bei geordneter Verwa] tung, bei kräftiger Förderung der Kolonisation und Produktion, zu einem mittelländischen Kalifornien wer den, wo auf kleinen Bodenanteilen mehrere Millionen von Ansiedlern durch intensive Landwirtschaft und [andwirtschaftliche Nebenindustrien einen guten Gewinn er zielen können. Diese Meinung verwirft Kranold, kann aber auch nicht den Schatten eines Beweises für seine Auffassung erbringen. Das Gesetz vorn abnehmenden Bodenertrag ist eine nationalökonomische Vokabel, die auf den vorliegenden Fall nicht paßt. Die besten Böden Palästinas sind bisher in der Form! in den Bereich der Agrikultur einbezogen, daß sie arabischen Großgmnd besitzen! oder Dorfgemeinschaften gehören und höchst extensiv und primitiv bewirtschaftet werden. Die Un- ■ 0 fähigkeit und Böswilligkeit der Regierung, der niedrige Kulturstand der Fellachen, das Pachtsystem* auf Groß• grundbesitz, die Armut des Landes und der Bevölke rung sind genügende Erklärungsgründe dafür, daß die Rentabilität dieser Ländereien bisher gering war. Da gegen stimmen alle Erfahrungen der Landeskenner darf* überein, daß bei intensiver Wirtschaft und fleißiger Arbeit des Kolonisten eine Rentabilität erreicht wird, die mindestens 10 % des investierten Kapitals, in gün stigen Fällen aber bis zu 20 0/0 erbringt. Bei der Lage und dem Klima Palästinas, der Nähe Aegyptens, dein starken Fremdenverkehr, den guten Schiffsverbindungen, ® iSl 1rl der Aufnahmefähigkeit des Weltmarkts im allgemeinen uns 1 daß ׳ dieru und des jüdischen Weltmarkts im besonderen gerade für 1י'1 יי solche Produkte, muß die Gartenbauwirtschaft in Pa lästina sehr bedeutende Geldgewinne abwerfen. Kranold verweist, um seine Ansicht zu stützen, auf die hohen Kosten der Landeserschließung. Hier ist zu sagen, daß in seinen Ausführungen ein seltsames Durcheinander der staatswirtschaftlichen und der privatwirtschaftlichen Lasten und Renten herrscht. In der Tat wird die Erschließung des Landes, die Aufforstung und Sanierung, der Bau von Häfen, Bahnen und Kraftwerken außerordentlich große Mittel in Anspruch nehmen. Doch kann Kranold nicht beweisen, daß das hierfür investierte Kapital keine Verzinsung erbringen kann. Es wäre durchaus denkbar, daß eine' rein kapitalistisch wirtschaftende Chartered Company, welche die gesamte Finaüzierung des Kolonisationswerkes unternimmt, wenn auch rieh leicht keine großen Dividenden, so doch eine Rente abwirft, welche dem jüdischen Kapital genügt. Doch selbst wenn die Rentabilität sehr gering sein sollte, wird die Finanzierung des Kolonisationswerkes durch das jüdische Großkapital daran nicht scheitern. Gemeinnützige Gesellschaften, der Jüdische Nationalfonds und andere Institute werden einen Teil der Lasten für die Landeserschließung, für das Schulwesen und ande re allgemeine Zwecke gerne tragen. Das bedeutet nicht ״private Wohltätigkeit“, durch die nach Kranold nichts Großes geleistet werden kann — übrigens auch eine sehr bestreitbare Behauptung — sondern die Flüssigmachung jüdischen Nationalkapitals in geschäftlicher Form unter Verzicht auf hohe Gewinne. Es könnte auch an die Aufbringung einer niedrig verzinsten Nationalanleihe gedacht werden. Gerade im Falle der jüdischen Kolonisation Palästinas also könnte — selbst wenn die Kolonialgesellschaften geringe oder sogar gar keine Rente abwerfen — der einzelne Ansiedler im Rahmen des privatkapitalistischen Wirtschaftssystems eine sehr gute Verzinsung des eigenen investierten Kapitals und einen hohen Gewinn aus seiner Arbeit nach Abzug von Zinsen und Amortisationen etwa vorgestreckten Kajjitals erzielen, weil das jüdische Kolonisationswerk von dem Interesse und der Mithilfe einer ideell beteiligten, außerhalb des Landes lebenden Volksgemeinschaft gefördert wird. Jeder Staat, mag er sozialistisch oder kapitalistisch sein, muß Ausgaben übernehmen, die wc nigstens zunächst keine Rente!abwerfen, aber weniger als in jedem anderen Falle beweist dies in unserem Falte etwas gegen die Möglichkeit der Entstehung eines ganz und gar kapitalistischen, auf Profit wirtschaftenden Gemeinwesens. Neben dem Hinweis auf die hohen Erschließung?- kosten sucht Kranold seine Auffassung insbesondere mit der Schwierigkeit der Landbeschaffung zu begründen. Er führt aus, daß der beste Kulturboden dem Fiskus oder der islamischen Kirche gehöre und durch Kauf auf dem freien Markte Boden nur in geringem! Maße zu erhalten sei. Die Bodenpreise würden durch freihändigen Kauf gewaltig in die Höhe getrieben werden, und wenn man den Großgrundbesitzern nicht große Renten in den Schoß werfen wolle, die nach Kranoids Meinung niemals herabgewirtschaftet werden könnten, so müsse man den Boden ״innerhalb eines natural wirtschaftlichen Systems enteignen und besiedeln“, um ihn überhaupt bewirfsdiaften zu können. Das soll wohl heißen, daß die Besitzer keine Entschädigung in Geld erhalten sollen. Trötzdem sieht Kranold noch große Schwierigkeiten in der Bodennebe! tätigt (eich! 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