Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 30 (29.4.None)
- Date
- 1919-04-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 232 J V EDI SC H E RUNDSCHAU Nr. 30 Nr. Katholik als Glied der allumfassenden Kirche, der Sozialdemokrat als Teil des internationalen Proletariats, der Pole, der Däne, der Franzose als Glieder einer außerhalb Deutschlands lebenden Volks- Gemeinschaft bekämpft. Im neuen Deutschland ist hierfür kein Raum, der Staat muß sich auf diejenigen Gebiete beschränken, die seine Domäne sind, und wird jedem überlassen, inwieweit er sich internationalen Gruppen religiöser, politischer oder sozialer Natur zurechnen will. Der Sinn dieses Gedankens dürfte doch absolut klar und keinerlei Mißdeutungen zugängig sein. Das tertium comparationis ist nicht das Volkstum, sondern die internationale Bindung. Ein Verkennen der zugrunde liegenden Tatsache bedeutet es auch, wenn Herr Rechtsanwalt Stern gegen den jüdischen Volksbegriff einwendet daß die Juden der Entente sich nicht dafür eingesetzt haben, daß in Paris auch deutsche Juden auftreten dürfen, während deutsche Polen dort ihr gewichtiges Wort mitgesprochen haben. Zunächst: Welcher deutsche Pole befindet sich denn in Paris? Dann aber dürfte doch der Unterschied auf der Hand liegen. Die deutschen Zionisten sind deutsche Staatsbürger, und ihr Bestreben geht keineswegs darauf, diese Staatsbürgereigenschaft aufzugeben. Die deutschen Polen aber erstreben die Ablösung der von ihnen bewohnten Provinz und ihren Ansdiluß an einen neu gebildeten polnischen Staat. Vor allem aber muß betont werden, daß die in Paris namens der Zionistischen Organisation verhandelnden Führer vollauf legitimiert sind,im Nainenund im Aufträge der gesamten Zionistisehen Organisation zu sprechen; sie haben im Namen des ganzen jüdischen Volkes gesprochen. Die Einheit des jüdischen Volkstums ist ein so selbstverständlicher Grundsatz der zionistischen Politik, daß seine Verletzung außerhalb des Mögliehen liegt. V. Es gibt offenbar gewisse Grundgedanken unserer Ideologie, die unsere Gegner niemals verstehen weiden. Das Mitteilungsblatt des Zentral- «ine Rede von Eh־. Haas , in welcfter sich die Behaup- Pogrome Neue judenmassakres in Home! und Shitomir Polnischen Zeitungen zufolge schickten Mitte März die Bolschewisten von Hornel aus Truppen an die ukrainische Front. Unterwegs riß sich eine Abteilung los, kehrte nach Hornel zurück, drang unter den Rufen ״Tod den Juden, rettet Rußland!“ am 27. März in die Stadt ein und veranstaltete einen grauenhaften Judenpogrom. Nach einer offiziellen Mitteilung des bolschewistischen Organs ״Zwiesda“ beläuft sich die Zahl der ermordeten Juden auf 2 500. Ungefähr zur selben Zeit veranstalteten ukrainische Truppen und Bauern in Shitomir einen zweiten Judenpogrom. Der Pogrom brach am 22. März aus, nachdem die Petiiuratruppen die Stadt den Bolschewisten entrissen hatten, und hielt ununterbrochen bis Zum 27. März an. Viele Juden wurden in ihren Wohnungen eingesperrt und die verschlossenen Häuser in Brand gesteckt. Insgesamt sollen mehr als 2000 Juden umgekommen sein. Die am Leben gebliebenen flüchteten nach Berditschew, das von den Bolschewisten besetzt ist. Die Untersuchungskoniniission für Pinsk Ohne Antisemitismus gäbe es in Deutschland keinen Zionismus. Und es gibt eine Vorstellung davon, wie wenig Herr Dr. Haas die zionistische Literatur kennt, wenn er behauptet, in einer Diskussion habe ihm einmal ein zio- Bistischer Führer gesagt, der Zionismus sei auch ohne Antisemitismus berechtigt. Gewiß ist es riehtig, daß der Antisemitismus die Gründung und das Leben jüdischer Organisationen entscheidend beeinflußt hat: Der Zentralverein ist dafür ein lebendiger Beweis. Die zionistische Theorie aber hat im GegensatZ zu der Auffassung des Judentums von Gnaden der Antisemiten sich darauf gegründet, daß das unverlierbare Zusammengehörigkeitsgefühl des jüdischen Volkes und der Wunsch, an seinem neu erblühenden eigenen starken Leben in Palästina teilzunehmen, Palästina aufbauen wird. F. L ״Unehrliche Kampfesweise* Unter diesen» Titel hat Oeheimraf Fuchs uns den Vorwurf gemacht, in dem Artikel in Nr.!6 der ״Jüdischen Rundschau“ gegen den Passus eines Artikels von ihm polemisiert zu haben, der nur im Manuskript gestanden tobe. Wir müßten uns das Manuskript oder die Fahne verschafft haben. Der Vorwurf von Geheim rat Fuchs istunbegründet. Der fragliehe Passus, in welchem Herr Geheimrat Fuchs erklärt, er hasse die englischen und französischen Juden nicht weniger als den englischen oder französischen Christen, ist, wie in diesem Artikel betont, gelegentlich in öffentlichen Versammlungen von Mitgliedern des Zentralvereins zitierend erwähnt worden. Wir haben inzwischen festgestellt, daß auch diese Redner sich nicht das Manuskript des Artikels von Geheimrat Fuchs beschafft toben, sondern, daß der Passus einem Zirkular des Zentral Vereins entstammt, das den späteren Artikel von Geheimrat Fuchs in der Ursprungliehen Fassung enthält. Es ist merkwürdig, daß Herr Geheimrat Fuchs dieses Rundschreiben völlig vergossen hat. Wir erwarten, daß Herr Geheimrat Fuchs nach dieser Aufklärung seinen kränkenden Vorwurf zurücknimmt. Abonniert auf die ,Jüdische Rundschau ft Trotz aller Bemühunge■ der Telegrafenagentur und der polnischen Presse, gelang es den Anstiftern des Judenmords in Pinsk nicht, den Eindruck zu verwischen, den diese Greueltaten hervorgerufen hatten. Auf Verlangen der jüdischen Deputierten und der polnischen Sozialistenpartei, beschloß die polnische Konstituante eine •offizielle UntersudtungskDImmission nach Pinsk au entsenden, die an Ort und Stelle das Unglück erforsche, die Schuldigen ausfindig mache und der Konstituante die Ergebnisse ihrer Untersuchungen überreiche. Als Mitglieder der Kommission wurden gewählt: 10 Deputierte mit Herrn Wrublewsky vom volksdemokratischen Verband als Vorsitzenden, seitens der Juden wurden in die Kommission die (Deputierten izehak Grün bäum und M. P r i 1 u tz k y gewählt. Auf Vorschlag des sozialistischen Mitglieds der Kommission wurde ein Jude und zwar Deputierter Pri Hutzley am* Sekretär der Untersudiungsksommission ausersehen. Ursprünglich eh 4üe Vertreter der.־av»l-?resie die Kommissk» begleiten sollten. Am 15. April reiste in der Tat die Kommiss km zusammen mit den Korrespondenten von War• schau nach Pinsk ab. In gewissen polnischen Kreisen war inan aber über die möglichen Ergebnisse der Untersuchung in Angst, und die Vertreter der Presse erschienen als unerwünschte Beigabe. In Brisk, wo die Kommission aussteigen mußte, wurden die Vertreter der Presse ▼om General Li s t o w s k y zu einem Abendbrot eingeladen, wo der General Gelegenheit nahm, ihnen eine ausführliche Rede über die Ereignisse in Pinsk zu halten. Er schilderte die strategische Lage und die Situation, in der der Major Luschinskvi der Kommandant von Pinsk, zur Zeit des Pogroms sich befunden hatte und sagte, daß er an der Stelle des Majors ebenso geiiandelt hätte. Es sei seitens der Juden untaktisch, daß sie soviel über die Pinsker Ereignisse sprechen und die Gemüter erregen, ״wenn man Hob. fällt, fliegen Späne“. Die ganze Untersuchungskommission sei über flüssig, entspringe der jüdischen Eitelkeit und werde nur Oe! ins Feuer gießen. ״Unser slavisches Herz ist mit Liebe zu allem erfüllt, die Juden aber sind ein undankbares Volk. Unter den Soldaten herrschen bereits Unruhen und es ist im Interesse der Juden selbst, nicht allzuviel über Judennot zu schreien.“ Dann sprach der Leiter der Zivilverwaltung, Wischniewsky. ״Die Juden“, sagte der Redner, ״toben selbst an dem Unglück schuld, sie sind Wucherer und Lebensmittel- Schieber, und jetzt haben sie noch die Unvorsichtigkeit, ein Geschrei über das Unrecht zu erheben, das man ihnen an tut. Wenn die 30 Ermordeten von Pinsk keine Juden wären, hätte kein Mensch davon gesprochen, am besten wäre, nian spräche über die Pinsker Angelegenheit nicht mehr.“ Die Vertreter der Presse wurden daraufhin von den Behörden veranlaßt, ihre Reise zu unterbrechen und sich nach Warschau zurikfezubegeben. De neuen Nachrichten, die inzwischen aus Pmsk eingelaufen sind, zeigen, daß die Ruhe in der Stadt noch immer nicht wiederhergestellt ist, und daß die Greueltaten der Soldateska andauern. Die verhafteten Juden wurden Mittwoch, den 10. April, f re!gegeben. Von den Befreiten wurden aber sechs Personen wahn sinnig und zwei von ihnen schweben in Todesgefahr. Trotz des Befehls des Kommandanten, die Geschäfte zu öffnen, wagte kein Jude, den Handel Wieder aufzunehmen. Der Kommandant forderte den Rabbiner auf, ein Dokument zu unterzeichnen, daß die Versammlung im Bettom deren Teilnehmer von den Polen abgesdhlachtet waren, eine bolschewistische gewesen sei, der Rabbiner verweigerte aber die Unterschrift. Samt liehe Synagogen der Stadt sind geschlossen. Auf die Bitte des Rabbinats, zwei Synagogen für die Feiertage freizugeben, antwortete der Kommandant, er würde die Rabbiaat lehnte diese Bedingung ab und die Synagogen wurden geschlossen. Die Unterhaltung in jüdischer Sprache ist streng verboten. Wet־ bei diesem Verbrechen ergriffen wird, wird sofort verhaftet und mißhandelt. Während der Zwangsarbeit, zu der die ganz« jüdische Jugend herangezogen ist, darf ebenfalls nur polnisch oder russisch gesprochen werden Selbst die Hagaclah haben dieses Jahr die Pinsker Juden nicht laut zu sagen gewagt. 80 bis 90 jüd i sehe junge Leute sind inzwischen spurlos verschwunden. Dagegen finden die Bauern der Umgebung im benachbarten Fluß täglich neue Leichen, die nicht mehr erkennbar sind. Am 13. April wurde der Rabbiner Hurwitz und einige angesehene Kaufleute der Stadt zum polnischen Kommandanten geladen, der ihnen erklärte, sie seien ver pflichtet, im Laufe von fünf Tagen eine Kontribution von 100 000 M. zu zahlen. Für jede etwaige Verspätung hafteten sie mit ihrem Leben. Wie der Korrespondent mitteilt, ist jetzt nicht zu übersehen, wie man im Augenblick in Pinsk die erwünschte Summe auftreiben kann. Inzwischen Ist jeder Verkehr mit Pinsle unter brochen. Die einzige Hoffnung der unglückliche!! jü dischen Bevölkerung stellt die Untersuchungskomroisskm der Konstituante dar. Ausweisung ausländischer Juden Das von den großen jüdischen Organisation«! Deutschlands eingerichtete ״Arbeiter- Fürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands, Berlin W, 8, Französische Str. 49“, hat eine Aktion unternommen, um der Ausweisang ausländischer Juden Einhalt zu tun, die neuerdings wieder in großem Maßstabe erfolgt. Alk Anfragen, Beschwerden und dergleichen in diesen Frage« sind direkt an dieses Büro zu richten, das für eint schleunige und nachdrückliche Erledigung besorgt ist Probleme des modernen Judentums Vor! Dr. Jacob Robinson- Suwalki. Bitte erfüllen, falb alle Mitglieder des Rabbinats ihm mit ihrem Leben dafür haften würden, daß in den Synagogen kein Wort Aber den Massenmord fallen werde. Das Mit Ungeduld erwarteten die Leser des ״Juden״ die angekündigte zweite Aufsatzfolge Jakob Klatz kins. Erst im März 1918 erfuhren wir, daß die Rfedak tion aus Raumgründen auf die Veröffentlichung derselben verzichten müsse. Es verging noch ein Jahr, und nun liegt vor uns ein stattlicher Band*), der zweifelte« zu den markantesten Erscheinungen unserer national politischen Literatur gehört. Man kann nicht im Rahmen einer kupen Besprechung den tiefschürfenden Ge d*ke»:Klfc«11fct*'l«׳«i^teeB 1»chgeJ*eB,«ud,.ii« genau auf ihre Richtigkeit prüfen. Jedes Kapitel ist •ein Thema für sich und erfordert eine eingehende Erörte rung. Holt man den Kern aus der Schale heraus - die übrigens auch hier sehr wertvoll und vielsagend ist --, so erhält die Kjatzkinsche Theorie etwa fol gende Fassung: Das Galuthjudentum ist tot. Es konnte fast 2000 Jahre unter den Völkern eine nationale Ex! stenz führen, weil es eine eigenfe Gesetzesverfassung bzw. eigene Lebensformen besaß (״der tragbare Staat“). Die Emanzipation hat dieses gewollte Ghetto untergraben. Nach Abschüttelung der ״nationalen Schale“ sträubte sich der nationale Instinkt gegen das damit verbundene völlige Aufgeben des Judentums. Er suchte und fand eine neue Definition des jüdischen Wesens (Judentum Sittlichkeitslehre, Monotheismus, Optimismus usw.) und einen neuen Daseinsgrund für seine Weiterexistenz (Mission). Nun führt aber diese Einstellung des Judentums auf einen bestimmten Inhalt logischerweise zu seiner Auflösung: ״Inhalte sind ihrem Wesen nach anational und tendie r e n zur Universität“ (S. 25). Gegen die ass! milatorischen Tendenzen der Umgebung ist das ״In haltsjudentum“ ohnmächtig; es ist auch nicht gewillt, den Kampf gegen dieselben aufzunehmen. Auf den Rang einer abstrakten Weltanschauung zurückgesetzt, ist das Judentum dem Tode geweiht, wenn es nicht mehr imstande ist, neue Lebensformen, objektive Mo mente der Nation (Land und Sprache) wiederzugewinnen Im Gegensatz zum subjektiven Geistesjudentum ist das Nationaljudentum objektiv fundiert (״Der konsequente Nationalismus bezieht das Judentum auf ein objektives Moment“, meint Klatzk in. In der Tat sind ״Land und Sprache“ nicht die objektiven Merkmale des Nationalismus, sondern der N a tion. Wären wir im Besitze dieser beiden Momente, so wäre ein jüdischer Nationalismus völlig überflüssig Was den ״konsequenten Nationalismus“ auszeichnet, ist der Wille zu den objektiven Momenten, also ein subjektives, voluntaristisches Moment, während die Ick ologie des Assimilationsjudentums, teilweise auch des ״unreifen Nationalismus“, subjektiv-spekulativ gefärbt ist.) Erez-lsrael und Hebräisch — das sind die Grundlagen der jüdischen Nation. Derjenige, der diese An schauung vertritt, ist jüdischer Nationalist, noch nicht aber Nationaljude, Der jüdische Nationalist muß, «ni Nationaljude zu werden, ״die Bande der Assimi lation lösen, die Fessein der Gleichberechtigung ab schütteln, aus der fremdnationalen Gemein schalt austreten“ (S. 98). Ein Nationaljude (itn Gegensatz zum assimilierten und halbassknilierten Juden) kann nicht zu gleicher Zeit auch noch National deutscher, Nationalfranzose usw. «ein. Er hat eine Reihe Chi Laste die Be< der N. für if rois c scres lens, küns «a t i c d i s c 1 deshall tung e (S. 17 kann ז dieser kann 1 die die Galutli vkluali Gestol auch (also! liehen Volkes voranz Gered K En t a Hinsic Juden den v (in se den) *) Jakob Kiatzkin: Probleme des moder ■ en Judentums. Jüdischer Verlag. Berlin 1918. Kla t ren ' eie, Wahr! Tatsac Rup| für se das d hier! einem scharf lungst wir a Haupt enthäl zu kl; V sätze, derne! und ן nur d mus). und F Ciemü Juden Gegei Juden man k i n! und il er sic latid läufig Vorai lauf logisc liehen Mcth! eine heg re besch klare! von £ der c sichtl > bei c Umst natio: ohne Seins für d! Nat die noch relati sein Lebe ״den sond! nicht Spree duell mein eend (S. 1 Mine ualhi Mehl latsi m t lebe! redii »die tioaa