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Jüdische Rundschau · 1919-04-18 · Heft 28 (18.4.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 28 (18.4.1919)
Date
1919-04-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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!8 Nr. 28 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 215 Dung ftrdf uden troh-!eres edler , als ft 7u נ tum n in J der chihren kauf•■ Ürner eher- N.l iude, öden : be- : auf N.F. «sw., 1 auf aber rendder teuen dem Oe- 3 für mehr dpien über- ־kizip esellmier- ־ von 3 °A>, iztere hließ- Erneten [all inder 1s an beungs- 9 Erl ׳, besfim rzinst N.F. ihren it 80 hmeit N.F Von den 765 0t» ha sind reichlich 200 000 ha Staatsdomänen oder sogenanntes herrenloses Land. Dieser Grund und Boden wird mit nicht allzu großen Kosten zu erwerben sein. Bei unseren Verhandlungen mit der englischen Regierung wird sich ein Modus finden,, den Ankauf dieser Ländereien im loyaler Weise zu bewirken. Die weiteren zirka 550000 ha befinden sich ii.11 arabischein Eigentum. Vor dem Kriege schwankten die Preise zwischen 20 und 40 Frcs. pro Dtttuun. Mail kann wohl jetzt einen Durchschnittspreis von 60 Frcs. annehmen. Legen wir beim Landkauf ״diesen Preis zugrunde, so müssen wir eine Summe von etwa 300 -•100!Millionen Frcs. aufwenden. Natürlich ist dieser Betrag nicht auf einmal zu bezahlen, sondern wird auf eine Reihe vom Jahren zu verteilen sein. Das liegt durchaus in dem• Bereich der Möglichkeit. Meine Ausführungen betreffend das Obereigentum in Nr. 8 der vorliegenden Zeitschrift haben wohl zu Mißverständnissen Anlaß gegeben. Ich sagte dort, daß für solch umfangreiche Landkäufe die vorhandenen Geldmittel des Natio• aalfonds nicht ausreichten, dies jedoch, und das möchte!ch hier noch einmal unterstreichen, nur dann, wenn der Nationalfonds seine bisherige Praxis weiter befolgt, d. h. wenn er jedes Jahr nur soviel Landkauf tätigt, als er Gelder zur Verfügung hat. Ich sage aber,;!ab ihm noch andere Mittel zur Verfügung stehen ׳und komme nun zu einem praktischen Vorschläge. Der Natronalfonds kann sein jährliches Einkommen kapitalisieren, d. 11. er kann eine mit etwa 5 °/0 verzinsliche Anleihe herausbringen, bei welcher die jährlich einlaufenden Spenden, mit denen ja sicher zu rechnen ist, als Zinsgarantie dienen. Keine Institution ist bei der großen Masse des jüdischen Volkes so populär, wie gerade der Nationalfbnds, und eine Anleihe des Fonds wird daher keinen großen Schwierigkeiten betreffs ihrer Unterbringung begegnen. Die Fachleute betonen, daß der vom Hauptbüro im Haag verlangte Betrag von 10 Millionen Frcs. für das laufende Jahr nur eine Minimal- •unrmc darstellt, zweifellos wird ein viel größerer Betrag nötig sein. Nach meinem Vorschläge wird der Nationalfonds mit weit größeren Summen operieren können. Dem einzelnen Spender muß bei jeder Spende das Bewußtsein innewohnen: ״Deine Mark ist beim Landkauf nicht 1 Mark, sondern diese Mark ist die Zinsgarantie für einen zwanzigfach so hohen Betrag“. 3 Frcs. stellen trotz des hohen Bodenpreises die Zinsgarantie für den Kau-f eines Dunams Land dar. Dieses Bewußtsein wird die Spender außerdem veranlassen, ihre Beträge so hoch wie möglich zu' bemessen. Es handelt sich hier ersichtlich um ein neues großes PropagamJamittel für die Erhöhung der Eingänge des Nationalfonds. Natürlich bilden die jährlichen Spenden nur die Zinsgarantie für das geliehene Kapital. Die Anleihe selbst repräsentiert sich, wenn man das so sagen darf, als erste Hypothek auf dem dem! Nationalfonds gehörigen Boden, eine Hypothek, die jedes Jahr größere Sicherheit erlangt, denn das Land wird in immer steigendem Maße kultiviert und somit wertvoller, und es fiegt ja gerade im Begriff des Obereigentums, daß ein solcher Wertzuwachs, der nicht der individuellen Arbeit u danken ist, der Allgemeinheit zugute kommt. Es scheint mir nach alledem die Aufbringung einer NationalSonds-Anleihe finanziell-technisch durchaus möglieh, ja notwendig, wem! wir daran festhalten wollen, den Boden Palästinas als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben. Große Zuwendungen an den Nationalfond 5 eindurch Preis!einen a bar muß, aatkm s von Kok» hnchr - vct lr das ätzen sn geöghch liehen Mei r da# 1 veredens halte ■ Mei Land d, 90 t dem *rivat ißt es ־n « Agio stutzt, : Oe 31 Im laden* Wem lendig uppin (jene- In den letzten Monaten mehren sich, wie die ,,Korresponderrz des Jüdischen Nationalfonds“ meldet, ertreulicherweise große Zuwendungen an den Nationalfonds, itndi zwar auf dem!Wege der Selbstbcsteucang, einmaliger großer Stiftungen, sowie durch Legate. " So hat Sir Alfred Mond, London, die ersten 5000 C seiner auf fünf Jahre verteilten Stiftung von insgesamt 25 000 Pfund eingezahlt. Ein Zionist in Petrograd hat 100000 Rubel für die allgemeinen Zwecke des J. N. F. und 50 000 Rubel für besondere Palästinazwecke gestiftet. Aus dem Nachlaß des Herrn M. L. T u r j a n s k i - Wilna, sind dem J. N. F. 17 500 Rubel für den Boden einer Misrachi-Kolome überwiesen worden. Ein Zionist aus Poltawa hat ein Testament zugunsten des J. N. F. in Höhe von einer Million Rubel errichtet. - Die Selbstbesteuerung einzelner Personen zugunsten des J. N. F. wird jetzt in vielen Ländern straffer organisiert. In Deutschland ist der (evtl, in Raten zahlbare) Mindestbetrag, den alle Zionisten zu zahlen verpflichtet sind, auf 160 Mark, in Deutsch-Oesterreich auf 100 Kronen festgesetzt worden, doch wurden schon weit gjpßere Summen gezeichnet, z. P. 16 500 Mark von einem ungenannten Spender aus Berlin, je 10(KM) Mark von Herrn Ludwig Toclcus, Hamburg, und Familie Eitingon, Leipzig. Die N. F.-Kommission für Böhmen hat beschlossen, sämtlichen zionistischen Vereinen des Landes folgende obligatorische Verpflichtung aufzuerlegen. Bei allen nicht zugunsten des J. N. F. arrangierten Veranstaltungen mit Entree ist eine Art Steuer von 10 go des Eintrittspreises zugunsten des J. N. F, einzuheben. Diese 10 °0׳ sind ohne jeden Abzug dem J. N. F. ahzuführen. Die Lage in Benschemen Die Farm Benschemen hat durch den Krieg ganz besonders gelitten. Ende November 1917 geriet die Farm direkt in den Bereich der Kriegszone, einige Arbeiter und Frauen wurden getötet, andere verwundet. Groß■ war der Materialschaden: Gebäude wurden beschädigt, vor allem aber wurden die Plantagen und Felder von den durchziehenden Truppen völlig zertrampelt. Auch nach der Eroberung Jerusalems durch die Engländer wurde die Farm weiter durch die sitae« >, und Joden ozial י For- ■u er נ, darf rfchftg Türken bombardiert und erst Anfang 1918 hörte die Farm auR unter Feuer zu stehen. Von den Pflanzungen ist wenig übrig geblieben. Von 1430 Dunatn Baum- Pflanzungen, die es 1914 gab, sind jetzt nur noch 150 Dunam vorhanden. Somit ist etwa nur der zehnte Teil des Bodens verschont geblieben. Der Oe samtvcrlust an Bäumen beträgt 7710. PALÄSTI NA-WOCHE des Jüdischen Nationalfonds Mittwoch, den 23. April, abends 8 Uhr Brüdervereinshaus, Kurfürstenstraße 115: Feierliche Eröffnung der Palästinawodhe Redner: Professor Warburg Dr. Ruppin Dr. Klee und andere Donnerstag, den 24. April, abends 8 Uhr Kaisersaal des Rheingolds, Believaestraße: Josef Schwarz, Hebräische Melodien Opernsänger Jascha Spiwakowsky, Klavier Elisabeth Lesser-Cohn, Violine Karten zu 10, 5 und 3 Mark Montag, den 28. April, abends 8 Uhr Musikersäle, Kaiser-Wilhelmstraße: Palästina - Lichtbilder Vortrag Professor Dr. Heinrich Loewe Karten zu 1 Mark Dienstag, den 29. April, abends 8 Uhr Logenhaus, Kleiststraße 10: Palästina-Lichtbilder Vortrag Dr. Elias Auerbach aus Haifa Karten zu 1 Mark Mittwoch, den 30. April, nachm. 5 Uhr Sing-Akademie, Kastanienwäldchen: Märcbennachmittag für Groß and Klein Johanna Terwin vom Deutschen Theater Ludwig Hardt Karten für Kinder 1,50 Mark, für Erwachsene 5, 3 und 2 Mark Ferner ist das Herzl-Wolffsohn-Museum, Neue Bayreuther Straße 361n, am Sonntag, den 27. April von 11 — 1 Uhr vormittags, Dienstag, den 29. April und Donnerstag, den l.Mai von 5—7 Uhr nachmittags geöffnet Karten für sämtliche Veranstaltungen sind bei Bote 8t Bock, den Theaterkassen von A. Wertheim und an den Abendkassen erhältlich. Für die zukünftige Bebauung Benschemens hat man in Aussicht genommen, das Jahr 1918/19 als ein Uebergangsjahr zur Ueberleitung der Farm in eine Arbeitersiedlung zu verwenden. Die Hauptarbeit der Firm׳, rfämlichi der Getreidebau auf einer Fläche von 1400 Dunam, wird durch eine kooperative Arbeitergruppe geleistet, die aus zwölf besonders erfahrenen Arbeiterfamilien besteht undi von zwei Aufsehen! geleitet wird. Diese Gruppe wird auch hundert Dunam der geretteten Pflanzungen bestellen. Sie arbeitet auf der Grundlage eines Planes, der von der landwirtschaftlichen und k»k>nisatorischen Abteilung des zionistischen Palästinaamtes genehmigt ist und zwar auf dem Grundsatz des Gewinnantcilsystems. Diese Abmachungen sind provisorischer Natur. Nach Ablauf des Jahres soll der definitive Uebergang in eine Arbeitersiedlung erfolgen. Neben dieser Arbeiterhauptgruppe soll eine aus etwa zehn Mädchen bestehende Gruppe für Gemüsebau, Milchwirtschaft und Bienenzucht in Benschemen arbeiten. Sie wird unter Leitung eines Aufsehers stehen, und es werden drei männliehe Arbeiter sich daran beteiligen Die jüdische Industrie in Palästina In einer der letzten Nummern der Zeitschrift ״Palestine“ veröffentlicht der palästinensische Ingenieur J. W i 1 b u s ch e w i t z einen Aufsatz über die Zukunft der jüdischen Industrie in Palästina. Der Verfasser geht von der Voraussetzung aus, daß die Mehrzahl der industriell Tätigen aus Polen, Westrußkuid und Galizien kommen werde und beschäftigt sich daher zuerst mit der Lage der jüdischen Industriearbeiter in jenen Ländern, um daraus Schlüsse auf die künftigen industriellen Verhält nisse in Palästina zu ziehen. Aus dem starken Heber wiegen von Meistern gegenüber der Anzahl richtig vor bereiteter Arbeiter und Lehrlinge schließt W i 1 b u - schewitz, daß es in Palästina vor allem notwendig sein wird, für die Ausbildung spezialisierter Arbeiter unter Anwendung moderner Arbeitsmethoden zu sorgen. ״Ohne solche Vorbereitung wird von einer jüdischen industriellen Entwicklung in Palästina überhaupt nicht die Rede sein können, und der jüdische Arbeiter wird es nicht mit der Konkurrenz atifriehrnen können.“ Außer dem müssen wir uns von Anfang an klarmaehen, daß Palästina mit den hoch entwickelten Staaten in Europa in freier Konkurrenz steiler» muß. 111 der Industrie ist Praxis mehr wert als Theorie, und das muß für die Einrichtung jüdischer Industrien in Palästina unter Verwendung jüdischer Arbeiter das leitende Prinzip werden. Die Arbeiter müssen Interesse für den Erfolg jedes Unternehmens gewinnen, indem sie am Ver dienst teilhaben, indem ferner Gartenstädte für Arbeiter errichtet werden, sowie durch andere Privilegien. Die kleinen Industrien, die kein großes Kapital erfordern, sollten in das Eigentum von Arbeitern und vollständig.unabhängige 11 Arbeiter gruppen übergeleitet werden. Dadurch wird sich der freie und individualistische Geist des jüdi scher! Arbeiters entwickeln könne«, und sein Fleiß und seine Beobachtungsgabe werden zum׳ Nutzen des Ein zelnen und für den Erfolg der Industrie im Lande nutzbar gemacht werden können. Bei manchen Industrien wirdes notwendig sein, Modellbetriebe zu errichten. Wenn die Einführung einer neuen Industrie nützlich u׳nd profi tabei erscheint, werden wir genötigt sein, geschickte und erfahrene Arbeiter dafür zu suchen. Wenn nötig־, werden wir Leute mit technischen Kenntnissen ins Aus land schicken müssen, tun Spezialbranchen zu studieren Aber das wird nicht genug sein. Man wird Werkstatten entweder durch private oder durch nationale Initiative zu errichten haben, mit der Aufgabe, kompe teilte Arbeiter auszubilden, die industrielle Produktion im Lande und in den Nachbarländern zu heben, die Pro dulde des Landes bekannt zu machen und neue Märkte für sie zu finden. Nachdem! es sich erwiesen hat, daß die Arbeit in einer neuen Industrie lohnend ist, sollte man diese einer Arbeitergruppe oder einer Genossen- Schaft übergeben. Leichte Z a h 1 u n gs b e di 11 ■ gungen (etwa durch Ratenzahlungen) sollten solchen Gruppen für ihre modernen maschinellen Einrichtungen gewährt werden, und man sollte Zentralkörperschafteu zum Ankauf neuer Materialien und zum Verkauf neuer Produkte schaffen, ln vielen Fällen wird man Zentral Werkstätten einzurichten haben, wo es sich um die Fertigstellung halbfertiger Artikel für den Markt handelt. Eine I n d u s t r i e b a 11 k und ein nationales t e c h nisch es Büro für die technische Kontrolle aller 111 dustrie-Werkstätten sind von hervorragender Bedeutung. Wir stehen arn Eingang einer sozialen Revolution Die Zeit ist reif, dafür Sorge zu tragen, daß wir bei der Errichtung unseres künftigen Staates nicht die alten Fehler noch einmal begehen. Durch eine Verein igung der Industrie mit der Landwirt- Schaft werden wir imstande sein, den Arbeiter unabhängig zu machen, seinen physischen und moralischen Stand zu heben, seinen Fleiß und seine Arbeitsfähigkeit zu erhöhen lind die schädigenden Einflüsse des Fabrikbetriebes auf seine Gesundheit zu neutralisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir Garten Städte für Arbeiter anlegen, wo sie durch Zahlung in kleineren Raten Land erwerben können, das sich zum Anbau von Obst und Gemüse eignet, ferner Häuser und kleine Werkstätten mit elektrischem Betrieb. Jeder Arbeiter wird die Möglichkeit erhalten, zu Hause oder in den Gerneindewerkstätten zu arbeiten und sich nach dieser Arbeit mit der Gartenarbeit in frischer und reiner Luft zu beschäftigen. Es wird von technischen Erwägungen abhängen, ob in diesem oder jenem Falle eine Gemeindewerkstatt notwendig ist oder ob jeder Arbeiter sein eigenes Handwerkszeug besitzen und da durch innerhalb seiner Gruppe durchaus frei sein wird. Mit ,Hilfe seiner Familie wird der Arbeiter einen großer! Teil seiner Nahrung aus seinem Garten beziehen können, was sowohl vom gesundheitlichen wie vom Wirtschaftliehen Standpunkt aus ein Vorzug ist.

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