Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 26 (8.4.1919)
- Date
- 1919-04-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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r. 26 Nr. 26 ״gen wird. Das kann erst unsere weitere Unter- Ko!0l‘^5ung teuren. Das wollen wir aber schon an den enorn* *״fanß ־Unserer Ausführungen stellen, daß »die Möglichf ‘t dazu theoretisch wenigstens besteht, während die jteoretisdie Betrachtung einer kapitalistischen Koloni- Jition Palästinas mit den praktischen Erfahrungen über-!!stimmt. Würden wir diese Möglichkeit nicht haben, es angebracht, an dieser Stelle ein, Grabmal ב daraj es fra en im es übL jöf, wäre nid sich zu 1s nie Jen tut solch :rford( Ren och i! in dl »bereit jir den Zionismus zu errichten, und ein Streit hätte ■emteus nod1 insofern Sinn, wie man dieses Qrab״ bl jmebr oder weniger zweckmäßig und ansprechend lusgestalten .könne. So aber, wie die Dinge liegen, k! wir berechtigt und hat es einen Sinn, an die :itersuchung der Frage hcranzugefien, w i e nun eine lebe sozialistische Kolonisierung Palästinas möglich are. Dabei sind wir optimistisch genug, anzunehmen, iß der Umstand, daß die sozialistische Kolonisation ,alästinas durch die Juden die einzige Möglichkeit zur >er~'sel°10nisierung Palästinas durch die Juden überhaupt ist, .für sorgen wird, daß auch tatsächlich sozialistisch rt kolonisiert werden wird, trotz der vermeintlichen ntgegeristehenden Interessen und der sicherlich enttz üjegerastrebenden Bemühungen der jüdischen Kapitalisten. inen weiteren Grund zu diesem Optimismus sehen wir rentMhlarm, daß die zionistische Bewegung von jeher, we- ^0*gstens für das Gebiet des Grund und Bodens in älüstina, eine im Prinzip sozialistische Reclitsregelung rm <fjufstellen wollte. Fast alle Zionisten sind sich darin ’ *mg, daß der jüdische Boden Palästinas, ״natioafiisi e r t“ werden muß. Und im Nationalfonds t auch praktische Vorarbeit dafür schon in weitem *alästii b d 1 ' Gese g erfof ״eldlidf alle geleistet. Nur Leibe gegangen Z i e ist mau der Sache bisher Man hat versucht, falsch sozia- Mitlesiedq :haftuif rt. ״e nie#' t^erzie is Fi sehe Ziele mit kapitalistischen ehuiweln zu erreichen. Man hat Geld gesammelt mit de nw äfer iü*1' m>t Methoden, die von bemerkenswertem totirei•"!schick in der Werbung für die praktische Hingabe die Ideen zeugen, man hat aber nur einen Geldier /usamtneugebracht, der in einem geradezu lädierabne1 icf*״ Mißverhältnis zu ■den Bodenmengen steht, die Sej! venn man überhaupt Boden kaufen will, mit diesem ־rikult: äcld gekauft werden müßten. Wie dem aber auch sein ׳h eun naft da־s jedenfalls wollen wir festlialten, daß ein unmit- ״ eibares, wenn auch dunkles Gefühl die zionistische Hölle Bewegung, auch wo sie dem klaren Bewußtsein nach jgjjj nit Sozialismus nichts zu tun haben wollte, doch zu!ו Wi »zialistischen Vorstellungen und Plänen auf einem wichist s igen Teilgebiet der Wirtschaft geführt hat. Und so älä'sth lürfen wir wohl an die ferneren Untersuchungen eintrif ’׳mm Entzücken herangelien, das sich aus der ißheit ergibt, daß vor uns Helligkeit liegt mit Ge- und 1 Gütiv;1! azw j־ ms terms in unserem Rücken, nd de nisatk ״• fersud Ke Beschaffung von Land für die jüdische n mu iiedhing wird in Palästina sehr schwierig sein. Kauf nit de tommf aus mehreren Gründen nur in beschränktem;emad Walte in Frage. Palästina ist zwar nach europäischen wiede Begriffen sehr dünn besiedelt, nach orientalischen Bcgrirrde dapen aber im Verhältnis zu seiner natürlichen ו1ח6!31^י«^ keineswegs. Dazu kommt, daß der Kulturen, der als der beste in Frage kommt, m .einen!;km Teil entweder dem türkischen Fiskus oder der siamischen Kirdie gehört. Derjenige Boden, der seiner Seschaffenheit nach zunächst für die Besiedlung in Frage -kommt, ist nur in geringer Menge auf dem freien Markt überhaupt käuflich. Das Angebot wird also in einem!sehr ungünstigen Verhältnis zur Nachfrage stellen, {jsodaß größere Käufe die ßodenpreise ganz gewaltig in Profifdi*■‘ treiben müssen. Außerdem ist nicht ein- *Zusehen, warum den Großgrundbesitzern, die zum Teil in Konstantinopel, zum Teil in Damaskus und zum Teil in Aegypten sitzen und um die Kultur des Landes sich che kan ko 1 ein dis du! en. De) t äffail klirren icksid) Ut sei! lästinal ist, di llmachl le dtf alästinl Takti jschür ise de Zionis t keim iidisdu ne Be mädi! 1 died lit d«1 m Kat jestelltl > aiictl rät,!s al'et Partd Grün■ logisdJ L-r dal les bilde! triell«! en fü au dd ir, vot ormal< Welches ie d« se dö ld des , leite! ifes iw idiafts• Toni kein« er die tischen gestellt beant■ 1, dal! irakt׳ tal bei , dal!die räumlich auf einem gewissen Territorium zusammenjlebendtfi .Klassengenossen anderer Nationalität (in un- MTcni Falle — der jüdischen) nicht die Lust, den Drang und die Pflicht fühlen, am Kampfe teilzunehmen und seine Früchte später auszunutzen. Daß darin die Gefahr einer Verleugnung der nationalen Interessen steckt, liegt auf der Hand. Zu 2. Zwar besitzt keine Klasse im Judentum die politische Vorherrschaft, die Vorherrschaft «fieser oder jener Klasse im Wirtsvolk kommt aber auch den jüdischen Klassengenossen zugute. Ein krasses Beispiel dafür liefert die Geschichte der jüdischen nationalen Autonomie in der Ukraine. Sich stützend auf die sozialistische ukrainische Regierung haben die jüdischen Sozialisten viele Monate hindurch aktionlgewissermaßen die Herrschaft über das jüdische Volk * (gegen seinen ausgesprochenen Willen) ausgeübt. Riehtig ist 3. die jüdischen Fragen tragen keinen Klassen- Charakter, sondern im Gegenteil Zwischenklassen- Charakter. Jede Klasse faßt sie aber auf ihre Art und ״- Welse auf. ״Unser Leben ist nichts als das Werg *aus fremdem Flachs, ein Abfall des fremden Lebens und so verstrickt im fremden Leben, daß wir nicht sagen können, wo das eigentlich beginnt und endet, was wir unser Löben nennen“ (S. 34). Diese ausgezeichtreten Worte von A. D. Oordon passen auch für das ,Wesen des Klassenkampfes im jüdischen Volke. Klassengegensätze und Klassen kampf sind durch einfache Ignorierung nicht zu beseitigen. Uebrigens kann man dem palästinensischen Hapoel-Hazair und den russisehen Zeire-Zion eher zu *viel als zu wenig Klassenkampf vorwerfen. Was mit allen Kräften am Kiassenkampf zu bekämpfen ist, das sind die Auswüchse dieser Methode im Gjietto und vor allen Dingen die Ueberzeugung, der Klassenkampf wäre das einzige Mittel zur Verwirklichurig sämtlicher proletarischer. Forderungen, ergo auch des Zionismus, insofern er Bestandteil des Arbeiter- Programms bildet. Der ״Volkssozialismus“ des Verfassers geht aber noch einen Schritt weiter: er verwirft überhaupt den Kiassenkampf als Mittel zum Sozialismus. Es heißt, nicht das Proletariat ist der Träger des Sozialismus im jüdischen Volke, sondern ״das ganze jüdische arbeitende (auch arbeitslose und -scheue?) Volk“. Wie kann es aber den Sozialismus verwirklichen? Durdi ״den Kampf aller produktiven Klassen der arbeitenden jüdischen Massen nicht gegen eine Klasse, sondern gegen die Unproduktivität, wo überall sie sich findet. Gegen alle die, die nur von der Arbeit anderer leben, gegen die, die aus JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife 195 niemals die geringsten Verdienste erworben!iahen, große Renten in den Schoß geworfen werden sollen. Wenn man dem (Land, das ihnen gehört, überhaupt zu Leibe gehen will, ohne das jüdische Staatswesen in Palästina mit Verpflichtungen zur Zahlung von Geldrenten zu belasten, die niemals herausgewirtschaftet werden können, so lange man überhaupt mit Geld wirtschaftet, wird man eben von der Geldwirtschaft überhaupt absehen müssen. Nur wenn der den Großgrundbesitzern geliörige, für jüdische Ausiedlung in Frage kommende Boden innerhalb eines naturalwirtschaftlidien Systems enteignet und besiedelt wird, mir dann wird man ihn überhaupt' bewirtschaften können. Ebenso stellt es mit dem Land, das den Wakufs (der islamischen Kirdie) gehört. Auch eine Naturalwirtschaft wird in der Hodenfrage erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden haben, weil die Enteignung der Wakufs keine einfache Sache ist. Es handelt sich ja eben nicht bloß darum, die islamische Kirdie, ehe das Obereigentum an diesem Boden hat, zu depossedieren, sondern ■wenn dieses Land mit Juden besiedelt werden soll, so mutt man die es jetzt bewirtschaftende arabische Bevölkerung davon be runterbringen, d. h. man muß also auch die verschie-denen Stufen der Verpachtung in irgend einer Weise ablösen. Selbst wenn man diese Fellachen auskaufen wollte, so würden sie sich wahrscheinlich nicht auskaufen lassen. Der Plan, wie Trietsch ihn hat, die Fellachen zu entschädigen und zwangsweise nach Mesopotamien zu verpflanzen, ist ganz utopisch. Das würde enorme Summen kosten und zudem an der Seelen läge des Felladientums vollkommen scheitern. Auf dieses Land wird man für die jüdische Ansiedlung wahrscheinlich, wenn man .nicht einen Krieg aller gegen alle entfesseln will, verzichten müssen und denLandbcdaif der jüdischen Kolonisation dadurch decken, daß man zu ungünstiger gelegenen b/w. zu geringeren Böden greift, die bei höherer Investition von Arbeit und Rohmaterialien sehr wofii einen stattlichen Ertrag zu liefern vermögen, die aber große Aufschlieöungsarbeiten notwendig machen. So!die Aufschließungsarbeiten können nicht vorgenommen werden in einer Wirtschaft, die auf Reingewinn und auf Geldertrag ausgeht. Denn auf dem freien Markt werden die Produkte dieser Kolonien nicht konkurrieren können, ohne daß man mit Dumpingmaßnahmen vorgebt. Dumping ist aber eine außerordentlich zweischneidige Sache innerhalb der freien Wirtschaft, während ein sozialistisch, also geldlos, wirtschaftender Staat nach Belieben dttmpen kann, solange er für die Produkte im Austausch auf dem Weltmarkt Produkte ein tauschen kann, die er notwendig braucht. Auch diese Verhältnisse zeigen also wieder, daß nur völkische Genossenschaften als Unternehmer die Kolonisation wirklich durchführen können, nicht dagegen irgendwelche Unternehmungsformen, die dem Repertoire der freien Wirtschaft entnommen sind. Dazu kommt ein weiterer Umstand. Wenn man schon der Meinung ist, daß im Großen Boden für die jüdische Kolonisation Palästinas nur auf diese Weise beschafft werden kann, so wird! man auch, um den Aufwand an Arbeit und Materialien für die großen notwendigen Meliorationen aufzubringen und alles Ueberflüssige dabei zu sparen, nur sozialistisch vergehen können. Die Böden, die hier in Frage kommen, leiden in erster Linie unter Wassermangel, sei es, daß sie in Gegenden liegen, in denen an sich Wasser knapp ist, sei es, daß ihre Höhenlage im Verhältnis zu den vorhandenen Wasserläufen große Bewässerungsanlagen notwendig macht. Im Orient gibt die Lösung der Bewässerungsfrage unter allen Umständen den Ausschlag dafür, ob ein Kulturwerk gelingt oder nicht. Wird! diese Frage nicht zufriedenstellend .gelöst, wird vor alten Dingen das Wasser, dieses kostbarste Produktiönsmittel des Orients, nicht einheitlich verwaltet und planmäßig verteilt, so ist mit einem wirtschaftlichen der Arbeit anderer mehr Wert ziehen, ebenso wie gegen die, die nicht arbeiten wollen, gegen die ״Leck- und Schmeck-Berufe“. Wer sind aber die, die ״von der Arbeit anderer“ leben und aus ihr den Mehrwert ziehen? Man kann diesen Kampf taufen wie man wil1, er ist und er bleibt Kampf des Arbeiters gegen die Bourgeoisie, er ist Klassenkampf. Sobald man den harten Tatsachen des Lebens auf den Leib rückt, bleibt von der Idylle keine Spur. Dagegen wird der positive ökonomische Aufbau als Mittel des Sozialismus gepredigt (S. 23), und zwar soll der Aufbau sich auf dem Wege des Genossenschaftswesens entwickeln. Allerdings ist das Genossenschaftswesen schon längst von bürgerlichen und reformsozialistischen Politikern empfohlen worden. Gcrade aber für das jüdische Leben in Osteuropa können Konsumvereine z. B. verhängnisvoll werden, da sie die Existenz zahlreicher jüdischer Kleinhändler untergraben. Kurz lassen sich also die theoretischen Grundlagen des ״Volkssozialismus“ des Verfassers folgendermaßen zusammen fassen: Die strategische Einheit des jüdischen Sozialismus wird erweitert: es werden ״die arbeitenden Massen“ (zu deutsch: Kleinbürgertum) als Bannerträger der Bewegung ausersehen. Der Irstorische Materialismus wird als ״eine innere Lüge sondergleichen“ abgetan. Der Klassenkampf a’s Methode des Sozialismus wird verworfen, im Widerspruch zu der Theorie wird doch der Kampf gegen die ״nichtarbeitenden Klassen“ (zu deutsch: Bourgeoisie) empfohlen. Die Mittel des Sozialismus sind: Reproduktivierung (in Rußland sagt man: Laborisierung) der jüdischen Massen, also soziale Reformen und Erziehung zum Sozialismus. Aber das alles sind nur Abwege: für das jüdische Volk und insbesondere für ״die arbeitenden Massen“ gibt es ״ein anderes Ziel״: ex Oriente lux — das Land Israels Palästina (S. 47), Der Aufbau Palästinas soll sozialistisch sein und auf folgenden Prinzipien fußen: der Grundsatz der jüdischen Arbeit (S. 4<l), Nationalisierung des Bodens und der Monopolgüter ($. 54), die Vorherrschaft der Landwirtscliaft, Ausschaltung des Privatkapitals ״in seiner ungehinderten Betätigung“ (S. 55), ausgedehnte soziale Gesetzgebung (S. 56). In Kulturfragen vertritt der Volkssozialismus den entschiedenen Hebraismus (S. 64). Die Einflüsse, unter denen der ״Volkssozialismus“ des Verfassers sicht entwickelt hat, sind dreierlei Abstammung: russischer, deutscher und palästinensischer. Das russische ״Narodnitschestwo“ (Narod-Volk) hat vor 37 Jahren mit ihrer Losung ״in das Volk geben“ die Erfolg der Besiedlung von dem Augenblick an, in dem sie dichter wird, nicht mehr zu rechnen. Technisch ist diese Aufgabe auch in Palästina lösbar. Wirtschaftlieh aber wird sie nur lösbar sein, wenn auch hier wieder nicht Ausbeutung und Reingewinn, sondern der Nutzen für die Volksgemeinschaft den Ausschlag gibt. I>.'e Bedeutung dieser Verhältnisse wird vom Zionismus offenbar ganz überselien. Wenigstens habe ich in der einschlägigen Literatur, soweit sie von nationaljüdischer Seite stammt, und auch in den Berichten über den letzten deutschen Delegiertentag nichts von irgend einem festen Plan für die Wasserversorgung für die Besiedlung Palästinas mit Juden bemerken können. Dabei redet über die Gefahren einer anarchischen Kolonisationsweise, wie die freie Wirtschaft sie darstellt, die Geschichte der jüdischen Kolonisation in Palästina laut, deutlich und eindringlich. Die Unternehmungen des Barons Rothschild, die mit denkbar reichlichem Geldkapital ausgestattet waren, sind nach kurzer Blüte in eine schwere Krisis hineingekommen, und lediglich opfermütiger, unermüdlicher, nationaler Propaganda für den Absatz und schwersten Entbehrungen der Ansiedler ist es gelungen, die Krisis noch einmal zu beschwören. Das war möglich, weil es sich im Ganzen doch eben uni ein kleines Unternehmen und also auch um verhältnismiißig geringe Produktenmassen handelte, für die Absatz geschafft werden mußte. Wenn erst das Produkt vieler Tausende von jüdisch-palästinensischen fandwirtschaftlichen Betrieben auf dem Weltmarkt untergebracht werden muß, so ist mit solchen Mittelchen nicht mehr zu helfen. Dann kann nur ein besseres Wirtschaftssystem das ganze Unternehmen retten, niemals aber private Wohltätigkeit und die Begeisterung für den Kauf von Weinen und Südfrüchten, die den Davidstern auf ihre Kisten brennen und auf ihr Packpapier drucken können. Mit solchen Mitteln ist G r o ß e s nicht zu leisten. Ebenso steht es mit den vielen anderen Meliorationeri, ohne die cs nicht gut abgehen wird. Ganze Strecken von Flugsand und Wanderdünen werden festgelegt werden .müssen. Aufforstungen werden vorgenommen werden müssen. Der Boden wird mit mineralischen Dungstoffen, in erster Linie mit Phosphor und Kali, angereichert werden müssen. Diese Dung- Stoffe werden in großem Maß nur irn Kornpensationsverkehr mit dem Ausland für Palästina zu beschaffen sein. Kurzum, all diese Dinge drängen auf eine VerwaltungsWirtschaft grölten Stils hin, an deren Gelingen alles hängen wird. Es macht bis zu einem beträchtlichen Grad pessimistisch, daß die Erörterung aller dieser Dinge in der zionistischen Literatur auch bei denjenigen Zionisten, die in Palästina sozialistisch wirtschaften möchten, so ganz und gar an dem eigentlichen Problem vorbeigeht, das sich in die wenigen Worte zusammen fassen läßt, daß mir höchste Produktivität des Wirtschaften» die Besiedlung Palästinas mit größeren Mengen vom Juden ermöglichen kann, und daß diese höchste Prouuktion nur zu erreichen ist mit sozialistischem, nicht mit dem notwendig verschwenderischen kapitalistischen Wirtschaften. 111. Das muß man allerdings nochmals und ausdrücklichst hervorheben, daß in den maßgebenden zionistisehen Kreisen von einer solchen Einsicht nicht viel vorhanden zu sein scheint. Es gibt zwar eine badenreformerische Propaganda im Zionismus, die den Grund- und Boden zum Eigentum der Volksgesamtheit gemacht sehen möchte, aber man tut wohl niemanden unrecht wenn inan sagt, daß diese Propaganda lediglich einem unklaren, moralischen Gefpljl ihre Existenz verdankt, das sich schwer verletzt fühlt durch die Aussicht, es könne etwa einzelnen, mit irdischen Gütern gesegneten jüdischen Volksgenossen gelingen, auf Kosten der anderen jüdischen Volksgenossen durch Spekulation an Bilu zum ״Gehen in das Land“ verlockt. Es ist eine oberflächliche Auffassung dieser Strömung im! russischen Sozialismus, wenn der Verfasser es so dars teilt, als ob sie nur dadurch gekennzeichnet sind, daß für sie ״alle arbeitenden Klassen des Volkes gemeinsam die Träger der sozialen und nationalen Befreiung sind (S. 24). In der Tat ist ״Narodnitschestwo“ eine geschiehtsphilosophische (die Narodniki glauben an die Urkräfte des russischen Volkes und berühren sich in der Abneigung gegen akzidentale Zivilisation mit den Panslawisten), soziale (AgrarsozLalismUs durch Ausbau des ״Mir“ — der Dorfkommune) und praktisch-politische Lehre. Das ״Gehen ins Volk“ entsprang der Ueberzcugung, daß die Wahrheit bei ihm! zu finden ist. Bei uns kann höchstens der Neil-Chassidismus als eine Art jüdischer ״Narod nitschestwo“ angesehen werden, sonst hat man anstatt ״Volk“, ,.Land“ gesetzt. Ebensowenig trifft für uns die soziale Lehre des Narodnitschestwo zu, denn bei uns muß das geschaffen werden, was die Basis des Agrar- Sozialismus bildet, der Bauernstand. Die Hauptbedcutung des Narodnitschestwo für den Volkssozialismus liegt darin, daß der letzte einen Präzedenzfall für die Erweiterung der Einheit der sozialistischen Bewegung bildet. Hat •der russische Voikssozialismus sich auf ״das Proletariat und arbeitende Bauerntum“ gestützt, so will der ״jüdische Volkssozialismus“ seine Basis im Kleinbürgertum errichten. Die Kleinbourgeoisie, die in der sozialistischen Literatur als Hort schlimmster Reaktion verschrien wird, ist zum Träger des sozialistischen Ideals befördert! Nun kann sich der Volks- Sozialismus der Tatsache nicht verschließen, daß ״die arbeitenden Massen“ andere Ideale und Interessen haben, als sozialistische. Wie gewinnt man für den Sozialismus Leute, für die das nachahmenswerte Musterbild die Bourgeoisie, das Lebensideal wirtschaftlicher Aufstieg ist? Darauf gibt Ariosoroff eine, dem ״geistigen“ deutschen Sozialismus entlehnte Antwort: Erziehung zur sozialistischen Gesinnung. ״Entscheidend wirkt die Frage der Gesinnung“ (S. 28). Nun sind aber die Gesinnungssozialisten noch den Beweis schuldig, daß Sozialismus sich dort einimpfen läßt, wo alle anderen Faktoren sich dagegen sträuben. Am meisten wurde vom Verfasser der Einfluß des palästinensischen Hapoel - Hazair verdaut — und das ist das Er treuliche an der Broschüre. Die Rückkehr zu produktiver Arbeit, die Freude an der Arbeit, die Religion der Arbeit — diese Gedanken verdienen die höchste Beach tung aller zionistischen Kreise, auch der nicht- und