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Jüdische Rundschau · 1919-04-01 · Heft 24 (1.4.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 24 (1.4.1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IMe Palästinadebatte droht, sich ins Uferlose zu verleren, da sich der Streit der Meinungen mehr auf rorjefaßte A11 nahmen und Theorien stützt, als auf den realen Untergrund feststehender Tatsachen. Da ist es zu begrüßen, daß die Redaktion den Meinungsaustausch aus den luftigen Höhen allgemeiner theoretischer Erörterungen auf den festen Boden der Behandlung greif- : barer Enzelfragen überleiten will, und ich folge gern 11 rer Aufforderung, zu einigen technisch-wirtschaftlichen Fragen, die der Aufbau Palästinas mit sich bringt, Steifung zu nehmen, ich fühle mich hierzu ym so j mehr veranlaßt, als in letzter Zeit auf diesem Gebiete Aeußerungen laut geworden sind, die, von Sachkenntnis ungetrübt, geeignet sind, irrige Vorstellungen zu erwecken und darum nicht unwidersprochen bleiben dürfe«. Icfs beschränke mich heute auf die öffent-;,eben Arbeiten, die für unser Gemeinwesen von grundlegender Bedeutung sein werden. Ihren umfassenden, vielgestaltigen Umkreis habe ich jüngst in einem Aufsatz in ״Volk und Land“ skizziert, auf den ioh ver- *eise. Es wäre ittin irrig, anzunehmen, wie es der Artikel von Dr. Honig über ״Notstandsarbeiten in Palästina“ tut, als ob diese Aufgaben nun schon unmittelbar angriffsbercit vor Uns lägen, so daß es nur unseres guten willens bedürfte, um an. ihre Ausführung zu schreiten. Tatsächlich sind erst einige wenige Aufgaben, and zwar *olahe mehr lokaler Natur und beschränkteren Umfangs, genügend reif oder bedürfen nur geringer Vorstudien, um alsbald in Angriff genommen zu werden. Weitaus die «leisten und wichtigsten Schöpfungen er* heischen umfangreiche und oft langwierige V o r a r b e i - t e a, *Ie ihre Projektierung erst' auf eine zuverlässige Grundlage zu steilen vermögen. Außerdem sind sie zum Teil derart miteinander verknüpft, daß selbst eine Teilau&tührung nicht eher vorgenommen werden kann, als bis der Rahmen des Gesamtwerkes festgestellt worden ist. Ein Beispiel wird dies erläutern. Die künstliche Bcwässerurag des Jordangebiets, die dieser jetzt verödeten GegersJ ihre natürliche Fruchtbarkeit wiedergeben «oll, mngt aufs engste zusammen mit der Ausnützung der Wasserkräfte des Jordans und seiner Hauptzuflüsse zur Erzeugung elektrischer Energie, die dem größten Teil de« Landes zugute kommen soll. Der Anteil der ft'aasermenge, der item einen Zwecke dienen soll, geht dem amckren verloren, so daß ein beide Interessen gleichmäßig befriedigender Ausgleich gesucht werden muß. Um den Wasserhaushalt entsprechend ein richten zu können, ist es erforderlich, die rtir Verfügung stehenden Quantitäten festzustellen, besonders ihre unteren Grenzen, auf (die auch in den ungüsnstigsten Trockeniahren gerechnet werden kann. Denn mit den Niederschlägen wechseln auch die Wasservorräte der Flüsse sehr erheblieb, und wie sehr jene schwanken, beweisen 60jährige Messungen der Jahresregenhöhe in Jerusalem, die sich zwlsdren 318 Und 1091 mm bewegen. Daher sind wäh- 1 er. i einer Reihe von Jahren sorgfältige Beobachtungen der AbOuBverhäitn'isse, Messungen der Wassermengen und andere Feststellungen für die ganze Ausdehnung der Ffußlävfe vorzurtehmen, um aus ihnen die Projektunterlagen zu ermitteln. Solche und ähnliche UntersudrUngeU, Messungen, Aufnahmen, Bohrungen, Probe-!;ersudhe u. dgl. müssen nun Mir alle Gebiete tech- JiStiben Schaffens systematisch durebgeführt werden, wahrend in Kulturländern durch Jahrzdinte gewonnene Erfahrungen zur Verfügung stehen muß in Palästina ab ovo begonnen werden, da de Rückständigkeit des türtüsdfen Regimes keinerlei Vorarbeit geleistet und auch nicht geduldet hat. Die Dringlichkeit und Wichtigkeit einer solchen Vorbereitungsarbeit die ehestens einzusetzen hätte, •kayn gar nicht nacharücklidi genug betont werden. Ho’hi'g denkt sich nun, daß in den Diasporaländern einenisfetzende Kommissionen, die bestimmt wären, *das Privatkapital für jene technischen Arbeiten rfdreh umfassende Propaganda zu gewinnen, nebenbei auch die Aufgabe erhalten sollten, ״Pläne und sonstige Vorarbeiten fnit Ihren mehr oder minder beschränkten Mitteln votziuiehmen.“ Nichts wäre verfehlter als dieser Vorschlag. Vorstudien und Projektierung können nirgends anders als an Ort und Stelle vorgenomnien werden. Sie dürfen nkht zersplittert, sondern müssen einheitlich zuöammengefaßt werden, um efne zusammenhängende, systematische, großzügige Planung der großen technischen Werke zu ermöglichen. Nicht auf beschränkte, vom Zufall abhängige Mittel darf diese ungemein wichtige Vorbereitungstätigkeit angewiesen Sein, vielmehr müssen sie im Gegenteil aufs reichlichste bemessen werden!, denn Tausende, die für sorgfältige Studien äusgegeben werden, können Millionen für verfehlte Ausführungen ersparen. Die besten Fachleute, die Aber Spezialerfahrungen in ähnlichen natürlichen Verhältnissen verfügen, sind für diese Arbeit gerade gut gemto Doch auch nach «bsdijuß des Vorbereitungs- Stadium« kämt nkht damit gerechnet werden, daß die so festgdeftten und entworfenen Arbeiten in einem ®nunteiwochenen Zuge zur Durchführung gelangen können. Dem stehert mehrere sehr reale umstände entgegen, die derart ins Auge springen, daß ich sie — nu Gegensatz zu der dem Laien ferner liegenden Frage der Vorarbeiten — nur kurz zu berühren brauche. An »ster Stelle steht der enorme Kostenaufwand der öffentlichen Arbeiten — ein Faktor, dessen Tragweite überhaupt im allgemeinen! von vielen unserer Aufbautheorehker zu wenig gewürdigt wird. Obendrein sind «ek• technische Anlagen ungliksklidierweise ganz ertrag- «>s — wen« auch wem hohem indirekten Nutzen und darunter Huden sich gerade die nicht am wenigsten notwendigen: städtebauliche und gesundheitstedmische Anlagen, Straße nbauten, Flußregukerungen usw. Wieder- «m andere Bauten gewährleisten gerade in der Anfangazeit njir eine geringe, erst langsam wachsende Verzmsttng. Weiter hängen riete technische Werke erst ״®Ö der schrittweisen Aufwärtsentwicklung des Landes ®ad Mripag Seines Kulturniveaus ab. Äs gilt unter 3®deren für die sehr kostspieligen Verkehrsanlagen, deren EnteÄipg das Vortmtviensein eines gewinsen Verkehrs voraiisset«. Last not least spielt der vorläufige Mangel an genügenden brauchbaren jüdischen Arbeitskräften eine bedeutende Rolle — ein! Punkt, auf den ich ndch zuriukkommen werde. So werden alle diese Faktoren hemmend auf das Tempo der Ausführung der öffentliehen Arbeiten wirken und dazu zwingen, ste "übet Jahrzehnte hinaus zu dehnen. Sie stellen daher doch nicht das erwartete Allheilmittel der ״Notstandsaktion“ dar, die den Andrang des Zuwanderungsstroms gleich befriedigen könnte. In dem obenerwähnten Aufsatz der bereits mehr als ein halbes Jahr vor seiner Veröffentlichung, also lange vor der revolutionären Umwälzung geschrieben wurde —, habe ich für die öffentlichen Arbeiten die For derung des gemein wirtschaftlichen (. harakters in Bau und Betrieb erhoben: eine Forderung, die inzwischen durch die Ereignisse eine energische Bekräftigung erfahren hat. Soweit es Ausführungen betrifft, die ä fonds perdu angelegt werden müssen, werden dies« sicher auch von den radikalsten Vertretern des privatwirtschaftlichen Prinzips gern dem Staate überlassen werden. Aber auch die nutzenbringenden Anlagen, soweit sie dem allgemein«! Interesse dienen, sollten der Privatspekulation entzogen werden und ihr Ertrag der Gesamtheit zukommen. Als Begründung für die Verstaatlichung habe ich in diesen! Zusammenhang nicht das schon etwas zum Gemeinplatz degradierte Gebot der ״sozialen Gerechtigkeit“ herangeaogen, das beirr, Aufbau unseres Gemeinwesens eine Selbstverständliichkeft darstellt, sondern midi auf durchaus reale Momente beschränkt, die auch dem nüchternen, kühl berechnenden Urteil einleachten müssen: ״Ausschaltung von Sonderinteressen, großzügige Zusammenfassung und Einreihung aller Arbeiten in einen gemeinsame־! Rahmen, systematische Reihenfolge in der Durchführung nach Maßgabe der Notwendigkeit und nicht altein der tabilität, Gewähr für die beste Projektierung, Ausführung und dauernde Instandhaltung, Vermeiden von Re!, billigen im Betriebe“ - uni füge noch die Erschließung unentbehrlicher Einnahmequellen für den Staat hinzu. Natürlich liegt mir nichts ferner als die private tech. nische Tätigkeit ausschalten zu wollen. Abge sehen davon, daß Wohnungsbau, Maschinentechnik, chemische und Baustoffindustrie, lokale Meliorationen und andere nicht öffentliche Unternehmungen der Privat technik ein sehr ausgedehntes Betätigungsfeld eröffnen, wird auCh die Ausführung der öffentlichen Arbeiten selbst ihr im WesemtSdhen Vorbehalten bleiben. Ke Vorteile, die mit ihr verknüpft sind, sind un bestreit bar: es ist notorisch, daß der Bauunternehmer ökono misch er arbeitet, als der staatliche Regiebau, auch hat sich die Privattndistrie, unter dem Zwange eines scharfen Wettbewerbs, durch Verbesserung und Verbilligung der Baumethoden, sowie Auffinden neuer Bauweisen große Verdienste um die Fortschritte der Technik erworben. Freilich sind von vornherein, zugleich mit der Förde 1ung des Baugewerbes, energisdie Maßnahmen zu er ‘greifen, um den׳ ungesunden Verhältnissen•,, andenen es nahezu überall krankt, voratbeuge«; auch muß für einen weitgehenden Arbeteradiutz gesorgt werden. Wo es sich um besondere Spezialarbeiten handelt oder um Ausführungen, die einen umfangreichen maschinellen Apparat erfordern, werden wir auf größere, llyternftaiBerfirmen angewiesen sein. Massenarbeiten einfacher Natur, besonders die überall eine« breiten Raum entnehmenden Erd- und Feldarbeiten, eignen sich — unter Aus- Schaltung von Unternehmern — zur direkten Vergebung an Arbeitergrimpen (Kewuzoth), die sich bereits in Pa lästina für solche Aufgaben bewährt haben, oder mögen auf einem anderen Wege bewältigt werden, der mich zum Schluß beschäftigen wird. Vor allem möchte ich aber in möglichst weitgehendem Maße der Heran- Ziehung kleinerer Unternehmer das Wort reden, der selbständigen Handwerker und genossenschaftlidten Zusammenschlüssen derselben. Es ist eine auffällige Erscheinung, daß vor dem unnötig lebhaft geführten Kampfe ״hie Landwirtschaft, hie Industrie“ das Handwerk fast ganz in Vergessenheit gerät, trotzdem es durchaus Anspruch hat, in einem natürlich gegliederten Wirtschaftsaufbau neben den beiden anderen Berufsgattutigem als gleichberechtigte dritte auf zutreten. Obendrein weist es gegenüber den beiden anderen den gar nicht hoch genug eirmischätzenden Vorzug auf, daß es bereits jetzt schon, neben dem Handel, in. der ökonomischen Gliederung der östlichen Juden heit einen breiten Raum ei «nimmt und somit den Ueber gang in die neue Umgebung erleichtert. Somit muß die Erhaltung und Erweiterung eines gestunden Hand werkstandes eine der wichtigsten Aufgaben unseres Ge meinwesens sein. Was im Atigetneinen, gilt im Besenderen auch für das Bauhandwerk. Mehr noch als gesetzliche Maßnahmen werden zu seiner Förderung lohnende Beschäftigung bei den öffentlich«! Arbeiten, außerdem aber «uef! intensive Bemühung 18m eine sorg faltige, gediegene Ausbildung und Schulung der Handvverker dienen. Dlaß diese im jüdischen Osten ziemlieh im argen liegt, ist bekannt, und in Palästina ist es bisher auch nicht besser darum bestellt gewesen. Der Mangel an Gründlichkeit und umfassender Sichkenntnis auf einem Gebiete wird oft begleitet von einem dilettantischen Alleskönnen auf mehreren Gebieten. So sind mir Handwericer begegnet, die heute tischlern, morgen Glaserarbeiten machen, um übermorgen den An- Streicher zu spielen. Nachdem bereits die Schule durch Handfertigkeitsunterridtt vorbereitend wirken wird, muß eine ausreichend bemessene praktische Lehrzeit die berufÜche Grundlage legen, die durch ein sorgfältig ausgebautes Gewerbeschulw'escn ergänzt und weiterentwickelt werden soll. Zugleich soll es durch Abhaltung von Kursfcn den Meistern und Gesellen betiilflkb sfein, etwaige Lücken auszufüllen, und sie mit den neuen technischen Fortschritten vertraut machen. Als Oberbau des technischen Fachschulwesens denke ich mir das!Technikum, das freilich auf eine breitere Basis als dfe ehemalige Planung des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina“ gestellt werden müßte. Es darf nicht, wie dort, die Maschinentechnik eine einseitige Bevorzugung erfahren, sondern es müssen ebenso die bautechnischen Disziplinen, Hochbä«, Tiefbau, Kulturtechnik, auch das Verm essungswesen den ihnen gebührenden Platz erhalten. Eine tedinische Mittelschule wird auf absehbare Zeit den wesentlichsten Bedarf des Landes decken, während eine Hochschule - oder eine technische Abteilung der Universität — erst der Zukunft Vorbehalten bleiben mag. Ihre verfrühte Gründung würde leicht eine Unterproduktion an akademisch gebildeten Ingenieuren erzeugen (was ia auch Bei den ,Brotstudien“ der Universität zu befürchten steht). Außerdem Ist gerade für den leitenden Ingenieur die Beriihnmg mit der hochstehenden Technik Europas und •Amerikas von hohem, anregendem Werte. Freilich sind dies vorerst noch Wünsche, mit deren Verwirklichung erst in geraumer Zeit gerechnet werden kann. Vorläufig stehen die Dinge noch weniger günstig Betrachten wir das Mensehenmaterial, das uns für die Durchführung der öffentlichen Arbeiten, wie überhaupt der technischen Aufgaben, gegenwärtig bereits zur Verfügung steht. Ai! Ingenieuren und Technikern wird kaum ein Mangel sein, da steh in den fetzten Jahrzehnten viele Juden den ihnen ehedem ganz fremden technischen Berufen zugewandt haben. Wohl mag bei ihnen die konstruktive Neigung und traditionelle S-chulUiiig vielleicht noch nicht voll entwickelt sein, — es ist kein Zufall, daß sich ein großer Prozentsatz entweder der kaufmännischen Seite der Berufsübung zuvtendct oder sich mehr durch die Theorie angeaoget! fühlt, so daß wir die Juden besonders stark als tüchtige Statiker in! Eisenbau und Eisenbetonbau vertreten Finden , doch mag jener Rückstand sicher bald überwunden sein. Mit den ausfübtenden Kräften liegt es dagegen wesentlich anders. Wir müssen hier zwei Kategorien unterscheiden, gelernte und ungelernte Arbeiter von denen die letzteren bei Weitem das überwiegende Kontingent stellen. Unter den handwerklich ausgebiklcten Arbeitern finden wir, dem eigentlichen Baugewerbe angehörend, Maurer, Steinhauer, Zimmerfeute. Tischler, Glaser, Maier, ferner aus dem Metallbearbeit utigsge werbe Schlosser, Schmiede Klempner, Maschinisten, Monteure, Installateure, Elektriker, ferner Schachtmeister, Rohrleger, Brunnenineister u. 3• Alle diese Gruppen sind unter Juden wenig zahlreich vertreten, höchstens finden sich eine größere Anzahl Tischler und Klempner unter den Ostjuden, Steinhauer bei den Jemeniten; vielleicht mögen auch die Vereinigten Staaten, wo die geringere Berufsstarrheit ein UmsattelD erleichtert, hier und da ein größeres Angebot aufweise«. Immerhin ist im ganzen für die erste Zeit mit einem gewissen Manko an gelernten jüdischen Arbeitern zu rechnen. Um dieses nicht zu sehr fühlbar werden zu lassen, dürfen wir uns nicht auf passives Abwarten beschränken, sondern müssen uns bemühen, — und das gleiche halte ich auch für alle landwirtschaftliches Kategorien für notwendig — möglichst sämtliche brauchbare, geschulte Kräfte ausfindig zu machen und sie durch kostenlose Uebersiedlung, Unterstützung bei der Einrichtung, Sicherstellung lohnender Beschäftigung u. dgl. lreranzuziehen. Wo Lücken bestehen bleiben, werden wir nicht umhin können, auch nichtjüdische Spezialisten zum Anlernen heranzuziehen, bis wir ganz auf eigenen Füßen stellen könne«. Sei sehr auch das Prinzip der jüdische» Arbeit hodhzuhalten is^ so darf es uns doch nicht zur hemmenden Fessel werden, wo es gilt, die außerordentlichen Schwierigkeiten der ersten Uebergangszcit zu überwinden, Ke Beschaffung der ungelernten Arbeitskräfte, — die ebenso wie im Rauwesen in der Landwirtschaft in größtem Umfange erfordert werden, — erscheint gemeinhin entwurzelte Volksmassen, die zur Auswanderung bereit sind - gebt ihnen Schaufel und Hacke in die Hand und das Ärbeiterheer ist fertig.“ Ja, es erscheint manchen sogar derart zahlreich, daß sic glauben — wie Dr. Honig in einem anderen Artikel ״Der Orient und die jüdische Massenemigration“ nicht nur Palästina damit versorgen, sondern auch nach dem ganzen vorderen Orient Hundert tausende fleißiger Hände zur Verfirnung steiler! zu können. So eintach liegen nun die Dinge leider doch nicht. Ke Verrichtungen ungelernter Arbeiter (vornehmlich Lösen und Bewegung von Erdmassen, Materialtransport und dergleichen einförmige, mechanische Leistungen) erfordern einen robusten, arbeitsgewohnten Körper, der auch gegen klimatische Einflösse widerstandsfähig ist, und in geistiger Beziehung eine tüchtige Portion Stumpfsinn. Nicht alle Völker, und am wenigsten die höchststehenden, bringen hierfür die nötige Eignung mit, und so ist auch beispielsweise hier in )Deutschland für technische Massenarbeiten im allgemeinen nicht der heimische Arbeiter, sondern zahlreiche Ausländer, Slawen, Italiener usw., zur Verwendang gekommen. Um wieviel ungeeigneter muß nun erst der Durchschnitt unserer jüdischen Bevölkerung erseheine 11, deren Körper seit Generationen physischer Anstrengung entfremdet, Unter der Wirkung ständiger Not entkräftet, dank dem Elend des Krieges vollends ״eschwächt und unterernährt ist? Was wir unter den Auswanderern an körperlich geeigneten und willigen Leuten besitzen werden, wird so wenig־ zahlreich sein, daß wir kaum den Bedarf des eigenen Aufbauwerks in Palästina decken, geschweige noch an andere Länder wenden abgeben können. 111 Erez Israel, und nur hier, können wir auch am ehesten erwarten, daß die Liebe zum eigenen Baden und der innere Antrieb der Pionierberufung •die vielfachen seelischen und geistigen Hemmungen überwinden werden, die in jener ermüdende«, abstumpfenden Beschäftigung liegen. Es muß als eine geradezu groteske Verdrehung der tatsächlichen Möglichkeiten anmuten, wenn Honig meint, durch die technischen Arbeiten in Vorderasien Werde ״den große« ,Massen die Möglichkeit geboten, sich den orientalischen Lebensverhältmssen anzupassen und im ganzen Orient einen ihren Neigungen und Fähigkeiten zusagenden Erwerb zu finden, ohne (wie möglicherweise in Palästina) gezwungen zu sein, einem ihnen fremden und nicht gemäßen Beruf nachzugehen.“ Obendrein spricht er an anderer Stelle die Befürchtung aus, daß dem jüdischen Arbeiter selbst in Palästina die Konkurrenz eines fremden Proletariats, eines Gemisches von Arabern, Negern, Syrern Und Aegyptern, bedrohen könnte — wie sollte er nun gar außerhalb Palästinas, fremd, ungeschützt und nicht akklimatisiert, gegenüber dem Wettbewerb der heimischen Bevölkerung aufkommen, die klimatisch, physisch und wirtschaftlich Ihrer Umgebung vollständig angepaßt ist und dank ihrer niedrigen Lebenshaltiuig sehr bescheidene Lohnansprüche stellen kann? Es hieße, den jüdischen Massen einen schlechten Dienst Cfweisen. wollte man sie dazu veranlassen, in Kleinasien, Syrien oder gar Mesopotamien Erdarbeiter z״ werden

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