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Jüdische Rundschau · 1919-03-28 · Heft 23 (28.3.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 23 (28.3.1919)
Date
1919-03-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 J.UED15CHE RUNDSCHAU Seite 171 Kundgebnngen englischer and amerikanischer Assimilanten Die ״Liga der britischen Juden“ richtete eine» ft־ief an B a I f o u r, in weichem sie ihm für das Interesse, das er Mir jüdische Angelegenheiten bekundet habe, ihren Dank aussprieht und erklärt, daß sie nicht mit der von B a I f o u r in seinem Vorwort zu S o k o - Io ws. Werk ausgedrückten Meinung übereinsötrwne, wonach die Juden heimatlos wären. Die Liga erklärt, die englisches Jsden besäßen eine Heimat. Die Erklärung ist unterzeichnet von Lionel Rothschild, Lord Sweathling, Philipp Magnes, Marens Samael. Das Mitglied des amerikanisch-jüdischen Kongress«, Herr Julius Cohen aus Kalifornien, überreichte, wie das S to ckhol m e r ,Jüdische Pressebüro‘‘ erfährt, am 4. März dem Präsidenten Wilson ein Memorandum, in dem er die Errichtung des jüdischen Staats ablehnt, gegen die verlangte Anerkennung der jüdischen Kation protestiert und darauf hinweist, daß nach dem ״Jewish Yearbook“ unter den 31/* Millionen amerikanischer Jaden sich nur 15 009 Zionisten befinden. Die Denkschrift ist u. a. von? Besitzer der ״New York Times“ Ochs unterzeichnet. Wen» in den oben abgedrudeten Erklärungen die Liga der britischen Juden unter Hinweis darauf, daß sie in England eine Heimat gefunden hätten, Baifours Behauptung zurück weisen, so vergessen sie offenbar, daß Baffour nidit bestritten hat, daß einzelne Teile des jüdischen Volkes eine Heimat gefunden, daß aber seine Behauptung darauf "Umging, das jüdische Volk als ,Ganzes habe keine Heimstätte. Diese Behauptung Bai fou rs dürfte auch durch die Liga der britischen Juden nicht zu widerlegen sein. Was das amerikanische Memorandum anbetrifft, so ist zunächst zu sagen, daß die Behauptung des J e wi sh Yearbook, nach denen es nur 15 000 amerikanische Zionisten gibt, völlig veraltet ist. Wir haben in einer der letzten Nummern einen Bericht aus Amerika veröffentlicht, in welchem die Zahl der organisierten Zionisten in den Vereinigten Staaten auf 110000 angegeben wurde, wozu noch 6000 Poalezionisten kommen. Diese Ziffer ist also die richtige. Vor allem aber kommt cs hier nicht auf die Zahl der organisierten Zionisten, sondem auf di« Menge derjenigen Juden an, die die Paiästinafarderung erheben und unterstützen. Da aber muß darauf hinge wiesen werden, daß der amerikanischjüdische Kongreß, zu dem über 400000 Juden ihr Wahl recht ausgeübt haben, und eine weitere nach Hunderttausenden zählende Menge durch ihre Organisationen vertreten war, sich mit Fug und Recht als die Vertretung der gesamten Judenschaft Amerikas betrachtet, und daß dieser Kongreß sich unzweideutig für die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina erklärt hat. Die Forderungen des jüdischen Nationairais für Ostgalizien an die Friedenskonferenz Der Jüdische Nationalrat für Ostgali zie n formulierte in seiner Sitzung vom 13. Februar die Forderungen der ostgalizischen Judenheit an die Friedenskonferenz in Paris, in denen die Anerkennung der nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina unter englischer Sachwalterschaft, die Zusicherung der v0tls#ndigen politisch-bürgerlichen Gleichberedhti• gung der Juden in allen Ländern, die Erteilung der national-personellen Autonomie in den Ländern der jüdisehen Massensiedlung und internationalen Garantien für diese Rechte gefordert werden. lästina wird nicht nur die Wohltaten seines Egoismus genießen, er wird nodi dazu in den Augen gewisser Massen mit dem Glorienschein eines Nationalhelden über Straßen und Wege wandeln. Ich bin fest davon überzeugt, daß man in Palästina glänzende Geschäfte machen wird. Warum nicht? Den bekannten Typus des Luftjuden wird es dort nicht geben. Wenn wir leiden werden, wird es gewiß nicht am Mangel von Qewhäft8tffcht1g!keit sein, sondern eher an ihrem Ueber- Daher ist der jüdische Idealist, der Schwärmer, der Bados zu tadeln, wenn er sich jetzt zurückzieht, wenn er mit einem Male so scheu geworden ist. Wie, er, dem wir alles zu verdanken haben, soll gerade in dem entscheidenden Aigenblick fehlen? Du darfst nicht fehlen, Du Batlon, Du mußt kommen mit Deinem Pathos, mit der Glut Deiner idealistischen Seele. Und während man am neuen Hause baut, erzähle, was die besten Geister der Welt denken, erzähle, auf welche Art und Weise die Menschen ihr Leben einrichten, predige Du die Schönheit der Einfachheit, damit nicht m Palästina durch das viele Geld eine Luxuswelt entstehe, bekämpfe frühzeitig ehe große Stadt, weil Viele, Allzuviele sie verteidigen werden, erinnere immer an die Millionen im Golus zurückgebliebener Juden und fürchte Dich nidit, ihre Tilgenden und ihre Verdienste sogar zu übertreiben, denn es wird in Palästina ein furchtbarer Hochmut gegenüber den Juden im Golus erwachen. Den mußt Du bekämpfen mit allen Dir ru Gebote stehenden Mitteln, denn sonst kann das neue Haus durch diese Ungerechtigkeit Umstürzen. Vor allem aber sei stolz, Du Vorkämpfer des wahren Geistes. Deine Bescheidenheit, Dein stilles Wesen darf Deine Nächsten nicht vergessen lassen, daß Du es warst, der den großen nationalen jüdischen Kampf ausgekämpft hat, Du jüdischer Batlon. Warum ist es Dir gestern eingefallen, über die fohlen in Palästina zu sprechen? Als jemand seiner Befürchtung Ausdruck verlieh, daß wir in Palästina nicht Die rumänische Jiidenfrage «nt der Friedenskonferenz ״Joint Foreign Committee“, ״Board of Depot!es“ und ״Angkj Jewish Association“ überreichten der Friedenskonferenz, wie das ״Kopen h a ge 11c r Z io - n ist »sehe Büro“ berichtet, ein besonderes Memorandum über Rumänien, in diesem Memorandum wird festgestellt, die rumänische Regierung habe immer ihre Verträge bezüglich der Juden gebrochen und das Dekret vom 13. Januar 1919 sei ohne praktischen Wert. Am Schluß des Memorandums wird gesagt, die ganze Welt sei einig mit dem rumänischen Judentum im Protest gegen dieses Dekret und fordere den Friedenskongreß zur Annahme des folgenden Vorschlages auf: ״Al!« in Rumänien geborenen und wohnhaften Juden werden als Bürger des Landes anerkannt, ntit Ausnahme derjenigen, die bei auswärtigen Konsulaten registriert sind imd auswärtige Staatsangehörigkeit besitzen. Bei der Verweigerung der Bürgerrechte muß die rumänische Regierung den Beweis für die fremde Staatsangehörigkeit der Gesuchsteller liefern.“ Jüdische Massenversammlung in London Für die nationalen Rechte Das ״Kope nba gen e r Zioni s tisch e Büro“ berichtet: Am 11. März veranstaltete die Englisch« Zionisten -Föderation eine Massenversammlung, um für die nationalen Rechte der Juden in der Diaspora zu demonstrieren. Den Vorsitz führte Herr Herbert Be nt wich. Als erster Redner wies Oberrabbiner Dr. Hertz auf die Bedeutung der Forderung nationaler Rechte hin, die er seinerseits zu unterstützen versprach. Herr Motzk in* stellte die Frage der nationalen Rechte als die unbedingte For. derung der Majorität des jüdischen Volke s dar. Herr Roso w erklärte für den Jüdischen Nationalrat in Rußland, daß die ganze russische Judenheit ach einig sei in der Forderung der nationalen Rechte. Im Namen des Warschauer Nationalrats berichtete Herr Färb st ein über die Lage der polnisehen Juden. De letzten Wahlen haben wieder deutlidi erwiesen, daß die Juden in Paten sich nicht asstmilferen wollen. Dr. Sonne schilderte die Lage der galizischien Juden, die, zumal sie sowohl von den Polen wie von den Ukrainern für sich in Anspruch genommen werden, nur jüdisdinational sein können. Die Forderung nationaler Rechte sei nicht größer, als diejenige gleicher Bürgerrechte, enthalte aber zuverlässigere Garaatien. Im Namen des Prager Jüdischen Nätionalrates bestätigte Leo Herrmanndie Forderungen des Prager Jüdischen Nationalrates und des Jüdischen Kongresses tür Tschechoslowakien und berichtete über die Haltung der tschechoslowakischen Regierung und. des Volkes fgenüber den Jude«. Weitere Ansprachen hielten die itglieder der vom amerikanisch-jüdischen Kongreß erwählten Friedensdelegation, Rabbiner Leventhal aus Philadelphia und Herr Barondess aus New York. Ferner Stein für den־ Jüdischen Nationalrat für Jugoslawien, und der Poale-Zionist Morris Meyer im Namen der jüdischen. Arbeiter in England. Alle Redner protestierten gegen die unberechtigte Intervention der englischen Assimilanten unjer Führung vcm Luden Wolf. In einer einstimmig angenommenen Resolution wurden nationale Rechte für die Juden aller Länder, in denen die Juden sie wünschen, und die Unterstützung dieser Forderungen durch die englischen Juden verlangt. Ptotestkuodgebung der zionistischen Studenten von Paris gegen Sylvain Levi Wie das ״Jüdische Prc ßbü ro“ Stockholm erfährt, veranstalteten die zionistischen Studenten von Paris eine P r o t es t ve!• sa min 1 u n g gegen die Haitung Sylvain Levis bei den Verhandlungen des Zehnerrates der Friedenskonferenz mit der zionistischen genug Kohlen haben werden, da hast Du die schwarze Kohle in Schutz genommen und Bast sie mit einem glühenden Eifer verteidigt. ״Wir haben Kohle genug“, schriest Du. Gewiß, alles was Palästina angeht, ist tür Dich heilig, auch die Kohlen. Aber Du kannst sicher sein, über die Kohlen werden andere sprechen. Berufenere werden dafür sorgen. Du hast andere Aufgaben, große, andere, dringlichere Aufgaben. Gerade weil es in Palästina so viel Sprecher für die Kohle geben wird, well dort ein Ueberfluß sein wird an Ingenieuren, Technikern, Agronomen, Industriellen, Bankters, Kaufleuten, gerade deshalb mußt Du über andere Dinge sprechen, über ewige Dinge, mußt die anderen Wege zeigen, auf denen wir gehen sollen und unsere Aufgaben, die, wie der Dichter des ״Gottesvolk“ sagt, darin bestehen: ״Durch Ewigkeitspathos zu immer mehr Heiligkeit, leidenschaftlicher und demutsvolier Erkenntni$ Gottes, durch Erweiterung der Liebespflichten zivisehen Mensch und Mensch zu immer mehr Heiligkeit des Erbarmens; durch Streben nach Schönheit und Anmut durch Ordnung und Reinheit, zu immer mehr Heiligkeit Gott entliehener Pracht“. Wir werden in Palästina Hotels ersten Ranges, Fabrikschornsteine, große Bahnhöfe und Autogaragen haben, denn der Kohlen haben wir doch genug. Du aber, Du jüdischer Batlon, sollst von der Notwendigkeit sprechen, einen Tempel zu bauen, denn das war ja doch eigentlich Dein Trauin. Ais Du den Zionismus geschaffen und ihn mit liebe gepflegt hast, da waren Deine Gedanken dem Bau des inneren und des äußeren Tempels, dem wahren jüdischen Heiligtum, geweiht. Predige, Du Batlon, über diese höhere Auffassung der Zionsidee und des jüdischen Geistes auf den offenen Plätzen, auf den Straßen, auf den Dörfern, und sprich dabei laut, denn es wird in Palästina auch von anderen viel Lärm gemacht werden. Sie sind in der Mehrzahl und Du läufst Gefahr, verdrängt zu werden, darum mußt Du tapfer sein, wie Du immer tapfer warst, imitier mutig vorangegangen bst. Deine Absicht, nicht Delegation und brandmarkten das Verhalten als Ver rat. 1» Aufträge der Versammlung• wurde in der Presse eine Erklärung veröffentlicht, die die Behaup taugen Levis widerlegt. Die Deutsche Allgemeine Zeitung über die Pariser Beschlüsse Unter der Ueberscbrift: ״Palästinafrage, der deutsche Standpunkt“ schreibt das offiziöse Organ der Deutschen Regierung, die ״Deutsche Allgemeine Zeitung“ vom 14. Marz d. Js. folgendes: Am* 27. Februar hat der Zehnerausschuß der Pariser Friedenskonferenz die Pal ä stina f rag e be handelt. Eine zionistische Delegation, bestehend aus den Führern der englischen Zionisten Sokolow und Weizmann, sowie dem Führer der russischen Zio nisten Ussisehkin, hat die zionistische Forderung nach Errichtung einer nationalen Heim statte in Palästina vorgetragen. Von nichtzio nistischer Seite sprach■ Professor Sylvain Levi, der dafür eintrat, daß denjenigen Juden, die in ihren Heimat ländern verfolgt werden, die Möglichkeit gegeben werde, nach Palästina überzusiedein. Der Zehnerausschuß setzte eine Kommission zur Prüfung der einzelnen Forderungen der Zionisten ein, die diese in 14 Punkten formatiert haben. Zum staatsrechtlichen Sachverständigen der Kommission wurde der amerikanische Zionist Professor Felix Frank furter ernannt Nach der Sitzung beglückwünschten Balfour, Son n!so und Picbon die zionistische Delegation und der französische Vertreter Andte Tar dien erklärte den Pressevertretern, daß Frankreich keine Bedenken gegen die englische Sachwalterschaft über Palästina habe. Das Ergebnis der Sitzung bedeutet die grundsätz liehe Anerkennung des zionistischen Programms durch die Ententemächte. Der zionistische Führer W e i z - mann hat denn auch offiziell in der Londoner zkmistisehen Konferenz erklärt, daß alte Mächte in Paris die zionistische Forderung angenommen ־haben. Für die Entwicklung der Juden frage und speziell der jüdischen Palästinaforderung jst dies von entscheidender Bedeutung. Es ist bereits früher dargetegt worden, daß die Er füllung der jüdisch nationalen Forderung, insbesondere die Schaffung der jüdischen Heimstätte Palästina, vom deutschen Standpunkte aus nur zu begrüßen ist, wie das seitens Deutschlands schon durch die in» Sommer 1917 erfolgte Erklärung des damaligen Unterstaatssekretärs in» Auswärtigen Amte, Freiherrn von dem Bus sehe, betont wurde. Der Beschluß des Zehnerausschusses kann naturgemäß nicht die formale und endgültige Ent- Scheidung der Frage darstellen. Diese wird erst das Plenum der Friedenskonferenz, auf der alle Mächte vertreten sein werden, vornehmen können. Des Palästina der Souveränität des Völkerbundes unterstellt werden wird, hat dieser, nachdem er einmal konstituiert sein wird, in dieser Frage das letzte Wort zu sprechen» damit da» an «strebende Ziel ״Palästina den Jude»‘11 .׳*Wrjfe, iichkeit umg «setzt werde#' kann. Eine Poale-Zion-Konferenz in England Bekanntlich haben die englischen Poale-Zkm auf einer ihrer letzten Konferenzen die Frage betreffs der Beteiligung der Paale - Zion am Londoner Zionistischen Büro behandelt, wobei sich zwei entgegengesetzte Mei nungen geltend machten. Seinerzeit wurde zwar be schlossen, daß die Poale - Zion ״zwecks informativer Tätigkeit“ an den allgemeinen Arbeiten des Londoner -"lllKHT£'l'ili!!!.'!lS5llillllillJI!l!.ll 51IJJS5BJÜ.JL!■!■gggggP» mit den Ersten der Sechszigtausend nach Erez Israel zu gehen, ist ein Verrat an der Sache des jüdischen Geistes. Du mußt kommen, Du mußt bald kommen, IX» guter jüdischer Batlon, dem der Kampf um die Zionsidee fast alles zu verdanken hat. Und mit Dir mögen noch viele Andere kommen, die so sind wie Du, denn Ihr werdet da drüben dringend vonnöten sein. Die Menschen des Geistes genau wie die Menschen der praktischen Tat, alle müssen sie ihre Kräfte zur Verfügung stellen und sich zum Aufbruch bereiten. Literarische Mitteilungen De von Adolf Damaschke herausgegebene Zeitschrift ״Tropensammler“ veröffentlicht in ihrer Nummer vom 20. Febr. 1919 unter der Ueberscbrift Zionisten und Bodenreform die Beschlüsse der Pittcbureer Konferenz der amerikanischen Zionisten, die sie in folgender Weise einleitet: ״Die amerikanischen Zionisten, deren Einwirkung auf die gesamte Politik Amerikas nicht zu unterschätzen ist, haben in der Pittsburger Konferenz beschlossen, ein Programm aufzustellen, dessen wichtigste Sätze sind. Es folgen dann die bekannten Forderungen betreffend Eigentum und Kontrolle des jüdischen Volkes am Boden, an allen Naturschätzen und den öffentlichen Einrichtungen.“ Die in Graz erscheinende ״Tagespost‘‘ bringt am 1. März einen Artikel von Dr. Arthur Rosenberg über die Zukunft Vorderasieras. Der Artikel behandelt neben der Zukunft der arabischen Länder auch die Zukunft Palästinas und stellt fest, daß die Erstehung eines jüdischen Staatswesens unter britischer Schutz- Herrschaft als gesichert angenommen werden kann.

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