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Jüdische Rundschau · 1919-03-25 · Heft 22 (25.3.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 22 (25.3.1919)
Date
1919-03-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22 Seite 165 Kongressbewegung Die KÖnigsberger Juden für den Kongreß Das Königsberger Lokalkömitee zur Vorbereitung eines jüdischen Kongresses irr Deutschland verbreitet folgernden Aufruf: An die Juden Königsbergs! ln einem Moment von wel(geschichtlicher Bedeutung, in dem die Entscheidung getroffen wird über die Zukunft der Gesamtüidenheit, rufen wir Euch auf, Männer und Frauen unserer altehrwürdigen Gemeinde! Die Juden, zerstreut in der ganzen Welt und durch ihre Zerstreuung bisher ohnmächtig und hilflos, wenn immer wieder Stürme judenfeindlicher Volkswut über ihre Brüder hereinbrachen, sie haben sich in den Kriegsjahren zur Tat aufgerafft, indem sie sich in allen Liindern und Erdteilen zusammenschlossen, um; fortan über ihr Schicksal entscheidend mit- /«bestimmen. Die grauenhaften Katastrophen in den jüdischen Siedlungen Osteuropas in den ersten Monaten des Krieges haben zuerst im׳ amerikanischen Judentum und dann bei den Juden der ganzen Welt die Erkenntnis ur Reife gebracht, daß die bisherigen Methoden, die judennot lösen zu wollen, versagt haben und immer versagen müssen, weil sie das Wesen dieser Not nicht erfaßten, daß die Juden frage nur gelöst werden könne, wenn ein trotzder Zerstreuung geeintes un d״d u r c h die Einigung zur politischen Aktion fähiges Judentum sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Von den auf der Friedenskonferenz zu sammengetretenen Mächten wird das geeinte jüdische Volk die Erfüllung seiner drei Grund forderungen verlangen: Pa- Sästina für das jüdische Volk, Autonomie in «len Ländern der Masse nsiedelung, Gleichberechtigung in allen Ländern. In Amerika und Rußland, in Italien und Holland und in den meisten Ländern, in denen Juden in nennenswerter Zahl leben, haben bereits die Juden auf Kong ressen oder kongreßähnlichen Tagungen neben besoisderen Forderungen für ihre Länder diese drei Forderungen angenommen. In Deutschland hat die Zio- 11istische Organisation den Kongreßgedanken urige nominen; ihrem Rufe uns anschließend, fordern wir Buch auf, teilzunehmen an einem Kongreß aller Juden in Deutschland, die sich zum jüdisehen Volke zugehörig fühlen, das heißt, an einem Kongreß, der sich nach Geist und Ziel in die jüdische Weltkongrellbewcgung einreiht. Im Gegensatz zu den Juden in der ganzen Welt hält sich ein großer Teil des deutschen Judentums noch von diesem Schritte der Selbstbefreiung unseres Volkes fern, in dem, unbegreiflichen, längst widerlegten Irrtum befanden, daß ihr deutsches Staatsbürgertum oder ihre vaterländische Treue durch ihr Bekenntnis zun» jüdischen Volke berührt werde, . r|idistä»e■Minner uttd Frauen Königsbergs! ln ■dieser Zeit, in der die Völker mit Achtung und Staunen auf I die ehrenvolle tuid würdige Befreiungstat unseres Volkes sehen, da die Mächte der Welt uns die Erfüllung unserer gerechten Förderungen Zusagen, in diesem Augenblicke, ' da wir mit freudigem Stolz unser Judesein empfinden, hinweg jetzt mit der kleinlichen und angstvollen Bedenk- I lichkeit, die niemals uns genützt hat und niemals uns zur Ehre gereichte! Damit nicht die Stimme des deutscheu Judentumes allein in dieser Entscheidungsstunde I unseres Volkes schweige, und nicht die Entwicklung [über uns hinweggehe, für alle Zukunft das deutsche | Judentum aus schaltend aus dem Rate der Gesamtjuden I heit, muß jeder deutsche Jude freute den jüdischen Brü- I dern in der ganzen Welt die Hand reichen, indem er I teilnimmt an der Jüdischen Kongreßbewegung II n De utschland. ן Das Lokalkomitee zur Vorbereitung eines jüdischen Kon• gresses in Deutschland. Der geschäftsführende Ausschuß. Brot. Dr. Rudolf Cohn, 1. Vorsitzender; Bankdirektor Hermann Marx, 2. Vorsitzender; Leo Podbielsfcy, Sekretär; Frau Justizrat Be ren t; Dr. W. Stein; Sally Wolf; Max Arnsdorff, Jerusalem; Meta Alexan- 4er; Oberkantor Birnbaum; Dr. Sally Cohn; Otto Cohn; Leo Dinesmann; Dr. Ajax Fischer; Marie Garfein; S. G i 11elman n; Hugo Herrmann; Elias Hirsch; Lesser Hirsch; Rechtsanwalt Dr. Hurwitz; Herrmanrt Liebermann; Konsul Max Minkowsky; Frau Dr. Perles; Frau Direktor Peritz; Hermann Postawelskj; Bankdirektor Adolf Reichmann; Max War telsky; Hugo Winter; Max Zingelbach. Der Aufruf des Königsberger Komitees ist ein Dokument von alleigrößter Bedeutung. Zum erstenmal in per Geschichte der deutschen Judenheit wenden sich Monisten und Nichtzionisten gemeinsam an die jüdische [Oeffentlichkeit, um die Forderungen des jüdischen Volkes [auch in Deutschland zu vertreten. Die Zusammensetzung Des Komitees, dem zahlreiche Mitglieder des ״Zentral- [vfereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ an-!gehören, ist ein Beweis für die tiefen Wirkungen, die Der Kongreßgedanke im jüdischen Leben Deutschlands [“iiszufiben vermag. Dem Kongreßgedanken muß und ■wird es gelingen, die gesamte deutsche Judenheit zur!Anerkennung des von dem Königsberger Komitee auf ger'ellten Satzes zu führen, ״daß die Judenfrage nur gelöst werden könne, wenn ein trotz der Zerstreuung geijntes und durch «J14 Eniguag zur pdUtischen Aktion( fähige*' Judentum $£ih SÄfial selbst in üif. jjtthff fmwit“.; ׳. V •; ' \.v.. JUEDISCHE RUNDSCHAU Die Entwicklung der Kongreßbewegung im besetzten Gebiet In den linksrheinischen besetzten, Gebieten Deuts dilands hat sich «in Kongreßkomitee gebildet, das aus Vertretern verschiedener Richtungen zusammengesetzt ist. Das Komitee veröffentlicht folgenden Aufruf! Der Friedenskongreß steht vor der Türe. Auch internationale Fragen des Judentums werden ihn beschattigen. Eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte der Juden in Pa- 1 ä s t i n a wird aller Voraussicht nach von den auf der Friedenskonferenz vereinigten Mächten verwirklicht. Die Juden aller Länder des Erdballes werden hierzu Stellung nehmen müssen. Das deutsche Judentum muß daher ebenfalls seine Stellungnahme und die Frage der Art und des Maßes seiner Mitwirkung klären. Dabei geht es in der heutigen Zeit nicht mehr an, daß sich alles etwa in einer jüdischen Notabelenver- Sammlung abspielt. Der jüdischen Bevölkerung muß vielmehr Gelegenheit gegeben werden, ihrem Willen seihst Ausdruck zu geben und bestimmend mitzuwirken. Es soll daher ein Kongreß der Juden Deutschlands einberufen werden, zu dein alle Parteien ihre Delegierten nach den Grundsätzen der Verhä tniswahlen und auf Grundlage eines Parteiprogrammes zu entsenden haben. Die Juden Deutschlands sollen auf diesem Kongreß in einer Art und Weise vertreten sein, die alle Richtungen wiederspiegelt. Hierbei soll die Scheu vor der öffentlichen Erörterung bestehender Gegensätze, die oft ein Hindernis gemeinsamer Verhandlungen war, durch die Notwendigkeit überwunden werden, an einer bedeutsamen geschichtlichen Aufgabe gemeinsam zu arbeiten. Die Grundlage für die Verständigung der deutschen Juden muß die Erkenntnis bilden, daß wir als Deutsche und Juden gemeinsame Pflichten haben, wobei dies Problem, sofern es eines ist, für uns deutsche Juden keinen anderen Inhalt hat und haben kann, als für die westeuropäischen Juden. Wir wollen wie bisher die Liebe zu unserem Vaterlande mit der Anhänglichkeit und Treue zu unserem angestammten Judentum vereinigen, gute Deutsche und gute Juden bleiben. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die durch den Weltkrieg aufgeworfenen, die Oesamtjudenheit betreffenden Fragen, die durch die Revolution und die Neugestaltung Deutschlands für die■ deutschen Juden sich ergebenden praktischen Aufgaben erheischen ihre Lösung. Gewisse Forderungen scheinen eine allen deutsehen Juden gemeinsame Verständigungsbasis darzustellen. Eine Beratung von Führern verschiedener Parteien hat ergehen, daß die folgenden Grundsätze als Küche betrachtet werden können: 1. Der Friedenskonferenz zu unterbreitende Vorschlage für a) ■Verwirklichung der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden In allen Ländern. b) Er ric htug einer jüdisch-n ationalen Heimstätte in Palästina. c) Oewährung der nationalen und ku 1 - turellen Autonomie der Juden in den Ländern jüdischer Massensiedlungen, soweit sie nach den Grundsätzen des Selbstbestimmiingsrechtes diese verlangen, beides ohne Beeinträchtigung der Rechte und politischen Stellung der Juden in irgendeinem anderen Lande. 2. Die Neuregelung der Organisation der Juden in Deutschland, a) Schaffung einer Gesamtvertretung, b) Demokratisierung der Gemeinde- Verfassung, c) Verbreitung jüdischen Wissens und Stärkung des jüdischen Bewußtseins. Der geplante jüdische Kongreß soll daher ein Kongreß der deutschen Juden aller Richtungen sein. Auf diesem soll 1. eine Einigung über die Vorschläge der deutsehen Juden an die Friedenskonferenz erzielt werden, 2. eine gemeinsame Arbeit aller Richtungen innerhalb der deutschen Judenheit zur Schaffung einer Oesamtvertretung und Demokratisierung der Gemeindeverfassung angestrebt werden. Auf dieser Grundlage haben sich die Unterzeidineten zusammengefunden, in die Propaganda für den Kongreß der deutschen Juden im linksrheinischen besetzten '■Gebiete «inzutreten. Die Not und Größe der Stunde ruft auch die Juden des Rheinlandes auf, zusammenzustehen für die Sicherung der Zukunft des gesamten Judentums. Wir fordern daher alle diejenigen Juden der Rheinprovinz, «tie gewillt sind, an der lebendigen Entwicklung des Judentums, an der Sicherung der Zukunft der Judenheit in allen Ländern und an dem von der Friedens- Konferenz vorbereiteten Aufbau des jüdischen Volkes in Palästina mitzuarbeiten, auf, sich an dieser Arbeit zu beteiligen. Vorschläge für die Ergänzung des Zentralkomitees für die Rheinlande und «tie Vorbereitung des Kongresses können an den gescbäftsführemden Ausschuß in Köln gerichtet werden. Das Kongreßkomitee für die linksrheinisehen besetzten Gebiete Deutschlands. Der Arbeitsausschuß: J.-R. Cahen I., 1. Vorsitzender; J.-R. Dr. Bodenheimer, stellv. Vorsitzender; R.-A. Dr. Frank I. I^irifttübrer; Frau Marg, Tietz, 2. Schriftfübrerin; Geb- San.-Ra( Dr. Apfel, Emil Blume n a u, Frau Leop. Frank, R.-A. Jonas, Haus Roll mann, Rabbiner Dr. Ros ent ha!. Der weitere Ausschuß: Für K ö 1 n; J.-R. Dr. Apfel, Louis Ast fi k e n a s y , Frau Bendix Auerbach, Geh. San.-Rat Dr, Auerbach, J.-R. Dr. Auerbach, Frau J-R. Dr. Bode n h c iiner, Frau Brün eil, Rabb; Dr. Caro, Frau Rabb. Dr. Caro, Rektor CoblCnz, Isui. Dülken, R.-A. Dr. E 1 i e I, Bernhard F e i l e h e 11 feld, R.-A. Dr. G i d ion , Rabbiner Dr. Hannover, Paul Herzberg, Aron Hof mann R.-A. Kör! Kahn, 'Rabbiner Dr. Kober, Gerichtsassessor Dr. Kramer, Max Philipp, Abraham Reinhardt, Rabbiner Dr. Scheftelowitz, J. Schnelling. Ernst Silberberg, Siegfried Simon. Für Bonn; Rabb. Dr. Cohn, Max Gold'- reich, R.-A. Dr. H e rr in a ״ n s ״ S.-R. Dr. L i eh - te n s 1 e i n , Salomen S imon, Die Gedanken, weiche die Kongreßidee in der von uns vertretenen Form in die deutsche judenheit hineingetragen hat, spiegeln sich zu einem wesentlichen Teile in diesem Aufnif wieder. Er ist ein Beweis dafür, daß sich die deutschen Juden dem Kongreßge danken auf die Dauer nicht entziehen können, sondem ip Erkenntnis der schnell fortschreitenden jüdisehen Entwicklung immer mehr geneigt werden, in irgendeiner Form den Anschluß an die Kongreßbew egung zu finden. Köln. Am 16. März fand im dicht besetzten großen Saal der ״Rheinland-Loge“ in Köln eine Kongreß ver- Sammlung statt. Als erster Redner sprach Herr Goldreich aus Beuel über den ״J üdischen Kongreß in Deutschland“. Er forderte den Kongreß als Vorstufe zum jüdischen Weltkongreß, und drückte die Hoffnung aus, daß trotz der großen parteimäßigen Zer- Splitterung des deutschen Judentums ein auf demokratisdier Grundlage gewählter Kongreß zusammentreten werde. Bei dem größten Teil der deutschen Juden sei die Scheu geschwunden, sich offen zum jüdischen Volksturn zu bekennen. Das deutsche Judentum möge durch den Kongreß beweisen, daß es nicht gewillt sei, sich seines Einflusses auf die Zukunft des jüdischen Volkes zu begeben. In der Diskussion sprachen Herr Dr Gidion und verschiedene tüchtziomstische Redner, die freudig und einstimmig die Kongreßidee billigten. Die einzige Ausnahme bildete eia Diskussionsredner, der rüs Orthodoxer den Standpunkt der Agudas Jisroel vertrat Dieser Auffassung trat Herr Rabbiner Dr. Hannover in vortrefflichem von stets erneutem Beifall unterbrochenen Ausführungen entgegen. Er bestritt der Agudas Jisroel das Recht, als Vertreterin der jüdischen Orthodoxie in-Deutschland zu sprechen. Es sei eine im tiefsten zu bedauernde Verkennung der Größe des historischen Augenblicks, gerade heute, wo es auf Zusarnmenfassung aller jüdischen Kräfte ankomme, die Mitarbeit Zu versagen. Leipzig. Einen außerordentlichen Erfolg zeitigte gef *m 22, Februar in» große® Saale desr städtischen Kaufhauses abgehaltene Vortrag des Herrn Nahuni Gold mann, über den ״Jüdischen Weltkongreß“, An der Diskussion beteiligte sich zum ersten Male der Oemeinde-Rabbiner Herr Dr. Felix Goldmann, dessen halbstündige Ausführungen dahin gipfelten, daß ein Zusammengehen betreffs der Kongrefffrage, sich mit den Zionisten in manchen Punkten wohl herbeiführen ließe dagegen müsse er den Begriff des jüdischen ״Volk* tums“ entschieden ablehnen. D* Entgegnung des Hern! Nahum Ooldmann zollte last die ganze Versammlung einmütigen Beifall. Kongreß der griechischen Jaden Die ״A ge nee d’Athene s“ meldet: Die jüdischen Gemeinden Griechen lands traten vor kurzem! zu einem Kongreß zu sammelt, den der Großrabbiner von Saloniki eröffnete. Er stattete den alliierten Mächten und insbesor! ־ dere Griechenland für ihre Sympathie für das zionistische Ideal seinen Dank ab. Nach den Beratungen nahm der Kongreß eine Resolution an, in welcher er von der Friedenskonferenz Gleichberechtigung in politischer und religiöser Hinsicht tfü r die Juden aller Länder, die nationale Aula notnie dort, wo die Juden sie wünschten, forderte'; ferner die Schaffung der politischen und ökonomischen Bedingungen für die Wiedererrichtung eines jüdisehen Palästinas innerhalb seiner historischen Grenzen unter der Sachwalterschaft Englands, und schließlieh den Eintritt der jüdischen Nation in die Gesellschaft der Nationen verlangte. Die griechische Rede des jüdi sehen Advokaten Samuelides, der die Wiederau: erstehung Judäas begrüßte, rief eine begeisterte Ovation hervor. Der amerikanisch-jüdische Kongreß Das ״Kopenhagener Zionistisch « Büro“ berichtet: ״Der amerikanisch-jüdische Kongreß, der sich vertagt hatte, um zuerst die Berichte der zur Friedenskonferenz entsandten Delegation über deren Verhandlungen entgegen zu nehmen, soll unmittelbar nach der Rückkehr der Delegation nach Amerika wieder zusammentreten,“ Diese Meldung widerlegt die von kongreßfeindlicher Seite in Deutschland ausgestreute Behauptung, der amerikanische Kongreß habe sich vertagt, um nach Erledigung des Palästinapunktes den übrigen schwierigfcren Problemen am dem Wege zu gehen.

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