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Jüdische Rundschau · 1919-03-21 · Heft 21 (21.3.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 21 (21.3.1919)
Date
1919-03-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 160 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 21 schaff Frankreichs stehen. Die Wietieraufrichtung Palästinas durch die Juden unter zionistischen Auspizien, die jeizi von England gefördert, doppelt schnell fortschreitet, gibt dem• Recht, das Lord Palmers ton für England mit Beschlag be'e'te, eine ungeahnte Wichtigkeil. Es hat eine viel größere unmittelbarere und fühl bare praktische BeleutVing, als das Protektorat Frankreichs über die römisch-katholischer! Christen. England fürchtet, «laß!Deutschland infolge des Streites zwischen der Republik (Frankreich) und dem Vatikan die Erbschaft des wertvollen französischen Protektorates antreten wird und sieht in der Vormundschaft über die Juden eine Verstärkung seines Einilusses und Handnaben zu beliebiger Einmischung in Palästina und Syrien: Deutschlands und Rußlands Fuß fassen im heiltgen Lande -- Rußland hat in der Nähe der hei'igcn Stadt einen Gcbündekompiex erbaut, der eine Stadt mit Kathedrale und Klöstern umfaßt und mehr die Be- Zeichnung Festung verdient — läßt Englands Eifersucht nicht ruhen. Die große, schnell an wachsende jjklisdie Bevölkerung Palästinas bringt einen neuen, England höchst angenehmen, Zug in die Lage der Dinge. England zeigt seine Freundschaft für die Juden bei jeder Gelegenheit. Die Zionisten haben durch die Einrichtung der jüdischen Keloniaibank in Lorifjon, die von der englischen Regierung mit besonderen Privilegien ausgestattet ist, und auch auf andere Weisie die Uebcrzeugung gestärkt, daß sie mit der Zustimmung und Unter- Stützung der britischen Regierung handeln — und vice versa. Das ganze weite Gebiet, das zwischen dem Mittelmeer und Aegypten im Westen und Indien im Osten liegt, wird von den drei Mächten mit äußerster Eifersucht betrachtet und sicher in nicht sehr «11tfernter Zukunft eine wichtige, vielleicht sogar entscheidende Rolle in dem Spie! der Reiche beanspruchen. Die Londoner ״Jewish World“ träumt wie die englische Regierung schon von einem selbst.li 11äig!en jüdischen Staat in Palästina unter britischer Oberherrschaft. Hinter diesen Plänen stehen nicht mir die Juden Englands, sondern die sich als ein Volk gleichen Stammes fühlenden Juden der ganzen Welt, gewiß eine respektable Macht der Intelligenz und des Kapitals.‘* .... Kongressbewegung Erklärung ln dem von! ' Zentplvorstande des Zentral verc ns deutscher Stonfsluitger jüdischen G'aabem versandten gedruckte־! Protokoll über e'ne Vorstimdssitzung vom 15. Januar 1919, in der ich ein Referat über ein eventud'es Einigungsprogrnmm aller deuticher Juden ohne Unterschied der Parteirichtung hielt, finden sich am Schlosse meiner Ausführungen fo’gendb Sätze: ״Was den Kongreß anbetrifft, so ist er zweifellos als national• jüdischer gedacht. Eine Bclel.'igung an Mim ist für den Zentralverein nicht denkbar. Es belbi dem Zentralverein offen und ist ihm zu empfeh’en, seiner- 6eits einen Kongreß mit einem großen positiven Programm einzubmifen usw.“. Diese Sätze könnten bei dem Teil meiner zonistisehen Freunde, der mich nidit persönlich kennt, die Ansicht hervorrttfen, daß idi dem Zentralverein die Einberufung eines gegen den von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland beschlossenen Kongreß gerch• teten Gegenkongresses empfohlen habt. Icti ste'le demgegenüber fest, daß d'ese Auffassung irrig ist. Die Sätze sind wahrscheinlich vom Protokollführer mißverstanden worden. Ich habe über de;1 Kongreß an sich überhaupt nidit gesprochen, der auch gar nicht Gegenstand meines Referates war. Air enge aus d r Mitte der Versammlung an mich gerichtete Fragen sagte ich zum Schlüsse dem Sinne nadi: ״Nach meiner Ueberzeugung rechnet wofii die ״Zio• nistische Vereinigung“ ebenso wie ich nidit auf die Teilnähme des ״Zeniralvereins“ an ihrem Kongresse, da sie ja als Voraussetzung die Zugehörig^eitserküinmg zum jüdischen Volke verlangt. Wenn aber der Zentralverein, wie es den Wünschen vieler Mitg'ieder und besonders auch seines 1. Vorsitzenden, Geheimrnt Fuchs, entspricht, einen von allen deutschen Juden mit Einschluß von uns Zionisten big■ duckten Kong:eil w 1, d n.1 könne das nur mii einem einem grjßriig-.ge!! Programm im Sinn? meiner Thesen geschehe;!, das dann außerdem ja nach diejenigen Pu. kt ent'nlt. n kön e, über d e wereitih? Differenzen mit!111- Z:o!;i-.t€.11 nitrit bestehen (Judentaufen usw.)“. Ich habe also dein Zentralverein einen Gegenkongrell nicht e in p f o 111 e 11, sondern nur die Voraus- Setzungen für einen allgemeinen Kongreß von meinem zionistischen Standpunkte aus erörtert. Prof. Dr Carl Lewin. * Kattowitz. Am 2. März sprach in einer von 500 Personen besuchten Versammlung Herr Nalnim Goldm ה n n in einer vom ״Vorläufigen Ausschuß zur Vorbe.eitung eines jüdischen Kongresses“ veranstalteten öffentlichen Versammlung über das Thema: ״Ein jüdischer Kongreß in Deutschland“. In formvollendeten Ausführungen entwickelte der Redner den Gedanke;» eines jüdischen Kongresses in Deutschland im Anschluß an den demnächst einzuberufenden Weltkongreß, wobei er insbesondere die Notwendigkeit des Bekenntnisses zum jüdischen Volkstum oegriindete. ln der Diskussion sprach als Vertreter des ״Centralvercins“ Herr Mittelschullehrer Stern, der sich unter Kriegsbeitrag 1919• Der Geschäftsführende Ausschuss der Zionistischen Ve einigung für Deutschland hat auch für das Jahr 1919 die Erhebung eines Kriegsbeiträges beschlossen. Der Mindestbeitrag ist entsprechend den höheren Ansprüchen, die an die Organisation gestellt werden, auf 10 Mk. festgesetzt worden. Wir erwarten bestimmt, daß auch in diesem Jahre alle unsere Freunde der Aufforderung des geschäftsführendea Ausschusses nachkommen werden, um der Leitung so die Möglichkeit zu geben, die großen Aufgaben, die der Delegiertentag gestellt hat, auszuführen. Zionistische Ve-einigung für Deutschland Finanzressort! Licbtheim. Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto Berlin 8091. Ablehnung des Begriffes des jüdischen Volkstums gegen die von dein Redner vertretene Kongreßidee wandte. Die Widerlegung durch Herrn G o 1 d in a n n war zwingern!. Sie gab ihm Ge'e;enheit zu einer grundlegenden Erörterung des Verhältnisses des jüdischen Volkes zum Staate. Außerdem sprachen von niditzionistischer Seite für den Kongreß die Herren D.־. Gott hilf und Hugo Bandmann. Die glänzend verlaufene, vom Herrn Sanitätsrat Dr. Ehrenfried• geleitete Versammlung bedeutete einen vollen Erfolg für den Kongreßgedanlceo. Hamburg. Vom 26. Febr. bis 2. März we lte Herr Kurt Blumenfeid in Hamburg. Am 26. Febr. sprach er in einer stark besuchte;! öffentlichen Versammlung in der Henry-Jones-Loge über die politischen Grundlagen unserer Kongreßbewegung und es gelang ihm, auch bei den seinen Gedankengängen fernstehenden Anwesenden starkes Interesse und lebhafte Anteilnahme für den Ko n g r e ß g e da n k e ri zu erwecken. Am 27. Febr. sprach Herr Blurnenfeid jrn Großen Saal des Curiohauses über den ״A n t i s e m i t i s - mus und seine Ueberwinditng“. Auch an diesem Abend erweckten seine Ausführungen lebhaftes Interesse der zahlreichen Anwesenden. Am Sonnabend, den 1. März fand die dritte Veranstaltung statt: hier sprach Herr Blumen fe’d in stark besuchter Ortsgruppen Versammlung über ״Die inneren jüdischen Grundlagen des Kong r e ß gedankens“ u:1d verstand es, seinen Zuhörern e'11dringlich und klar die Notwendigkeit der Kongreßbewegung und insbesondere die Bedeutung des nationalen Volksgedankens in ihr verständlich zu machen*). Zahlreiche Zustimmgngserklärungen zum Kongreß wurden abgegeben. In der Diskussion sprachen die Herren Rosengarten und Eis per vom ״Jüdischen Volksverein“. Außerdem fanden noch verschiedene Veranstaltungen kleinerer Art statt: Zusammenkünfte mit führenden .•Logenkreisen, mit dein Ortsgruppenvorstand sowie mit dem Bezirksverband des K. J. V., die auch al'e der Verbreitung und Vertiefung des Kongreßgedank e n s dienten. So hat der fünf tag ge Aufenthalt Herrn Blumenfelds in starkem Maße zur Förderung der Kongreßbewegung in Hamburg beigetragen und insbesondere auch zahlreiche uns an sich fernstehende Kreise zum Nachdenken hierüber angeregt. Bochum. In einer stark besuchten Versammlung, zu der die Gemeindemitglieder von dem ״Vorläufigen Alisschuß zur Vorbereitung eines jüdische;! Kongresses in Deutschland“ eingeladen waren, sprach Herr Dr. Lelewer über ״Die Schicksalsstunde des jüdischen Volkes“. In der Debatte sprach Herr Rabbiner Dr. David als Mitglied des ״Centralvereins“ sowie zum Schluß der Referent, der dankenden Beifall erntete. Bruchsal. Am 6. März sprach Herr Leo Kaufmann- Miiiheim vor einer zahlreichen Versammlung über ״Das jüdische Volk und der Friedenskongreß“. Von besonderer Bedeutung sei die Tatsache, daß das deutsche Judentum, das vor dieser Weltkatastrophe das führende Glied der jüdischen Gemeinschaft war, in seiner 1! l -j;lirigen Isolierung die Fühlung mit dem übrigen Judentum verloren habe, und der großen nationaljüdischen Bewegung teils hilflos, teils ablehnend gegenüberstehe. Dem deutschen Judentum tue vor allem Not, durch Einberufung• eine.; jüdischen Kong re ss es den Anschluß an das Gesamtjudenturn wiederztifinden, wolle es nicht in seiner momentanen Isolierung verharren. Berliner Zionistische Vereinigung und der Hebräische ״B th Hawaad“, Berlin veranstalten am Sonntag, den 23. März um 10'/! Uhr vormittags im grossen Saab» des Briidervereinshauses, Kurfürstonstr. 115110־ eine öffentliche Versammlung ״Unsere heb äischen Forderungen“ Redner: Professor Dr Heinrich Loewe, Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy, Nacbum Goldmann, A G. Hermoni und Vicor Ch. Arlasoroff. Berichtigung In dem Aufsatz ״Nationaljüdischer Radikalismus?" von Dr. Gerhard Holtheim•, der in Nr. 19 der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht war, ist ein sinn entstellender Druckfehler stehen geblieben. Es muH richtig heißen: ״Außer Goldmann ist es z. B. noch niemandem eingefallen, ... die Wahrung von Standes interessen (nicht Staatsintcressen) ... als unsittlich zu bezeichnen.“ Eine Palastinawoche des Jüdischen Nütionalonds*) Von Dr. Albert B a e r - Berlin. Bei der Werbung für unsere Pajäst'naarbeit bedarf es nicht eines Bekenntnisses wie bei der Kongreßbewegung, hier können wir jedem die Möglichkeit geben, durch Unterstützung unseres K0k>n׳s־»tkms Werkes, besonders des Jüdischen Nationalfonds, zu seinem Teil an! Aufban des neuen jüdischen Palästina mitai arbeiten. Jn Erkenntnis der Propagandamöglichketten gerade auf diesem Gebiet hat d e Nat'onal ondskommission für Deutschland beschlossen, eine ״Palästinawoche des Jüdischen Natonalfonds“ zu veranstalten. Diese Woche soll inmittelbar nach Peßarii, vom 23. April bis 1. Mai, stattfinden. Nachdem nunmehr Palästina a's nationale jüdische Heirns'.älte offiziell anerkannt ist, nachdem das ״Palästina wird jüdisch" auch die trägsten Geister aufgerüttelt hat, sind d-odi auch weiteste Kreise des deutschen Judentums von der Notwendigkeit durchdrungen, selbst zum Aufbau Palästinas beizutragen. Wir seihst aber haben angesichts dieses ungeheuren politischen Erfo'ges dis brennende Bedürfnis, über den Kreis unserer Anhänger hinaus von dem Aufbau des neuen jüdischen Palästina x: sprechen und für ihn zu werben. Ich glaube, wir werden — mehr a'.s bisher - ein williges Ohr finden; es gilt die Zeit zu nützen! Wenn es uns gelingt, möglichst zu derselben in Aussicht genommenen Zeit in allen unseren Gruppen, von den größten bis zu den kleinsten, die Palästinawochc zu veranstalten, so wird schon allein diese Tatsache, die die Geschlossenheit unserer Organisation und unseren einheitlichen Willen für Erez Israel dartut, ihre Wirkung auf das deutsche Judentum n'dit verfehlen. Wir sollen uns auch nidit m t einer Pa äs ina Veranstaltung in jeder Gruppe begnügen, möglichst die ganze Woche soll Erez Israel geweiht sein. Vor allem wird ein allgemeiner Vortrag über ״Palästina“ zu halten sein; über die Besiedlungsmöglichkeiten, che jüdische Arbeit der Vergangenheit und der Zukunft usw. Lichtheims Referat vom Delegiertentag oder seine bereits erschienene Broschüre wird dabei gute Dienste leisten. Ich habe bei allen Vortrigen, die ich hielt, festgestellt, daß der Gedankengang: ״unser Endziel ist nicht nur theoretisdi als richtig zu erweisen, sondern seine Verwirklichung ist durch die bereits vor dem Kriege entstandene Siedlung in den Anfängen dir getan“ — besonders auch durch die Sdiaffung des hebräi• scheu Milieus, — daß dieser Gedankengang seine Wirkung nicht verfehlt; und die Aufstellung bestimmter Pläne für die Zukunftsarbeit, wie sie Oettinger und Ruppin geben, z. B. die Gründung von Kolonien in einer bestimmten Anzahl von Jahren, die Angaben, wir und wann eine jüdische Majorität im Lande zu schaffen sei, die Stimme der aufzuweridendeii Geldbeträge usw. erwecken überall das größte Interesse. Eine zweit? *) Während seiner Anwesenheit in Berlin hat Herr Boris Gold borg einen ähnlichen Vorschlag gemacht Der Beschluß, eine Palästinawoche zu veranstalten, war aber bereits vorher von der Nationalfonds-Kotnmisskm für Deutschland gefaßt worden. יי■ ßmn jitDifdictt ftoitßrcft! SS '®cmnärijft e t[rf»cint: Sic ^rcigorücmnpii öes jf!Hf(6c11S0Iff0 non 91 ad,um Iftuibmann. Moimmntai um! biftonftljrn 9!u>tiä<i1reiben be«fiopen» toßf'tet Üiiro«, ba« bie ZliifptUtfic bc« jiibiftte« Botte« at$ eine« Su&irft« internationaler {Rechte für alle 3et! Wtfldfßt ßat Soeben erfcljienen: tu liijfnm Ui jiiJijlfii $a(a[ünfl bon Kitftatb Sitftiß im. SiitfittjeimS?Referat, ba« einen Ijblwnunft be« testen ®clerticttentafleS bilbete, miro bte tuertoottfte Stuf• fiärung'öbroftbüre bei aüen beoorftebenben ^nläftina« ntrtonett feilt, ®kftmltdje Umarbeitungen be« töetio,tS in bet 9i"! Die jiliftt Solfsgemeinii.e non Dr. 6. (rintonfol)!!. Qnt bebprftetjenben Jlanttif um bte iübiftjje Stentelnb« btefe @d)rift unteren ffmmben baä nötig« Sfftftsnta neben toirl! frei« je t «j■»(. C0 ff 100 ffitpt. SO,- SR., 5ü0«n>1. 215— m, 1000 *8 —,350 .זמןk. SutJifdicr äktlag, Berlin 28.15 Zahlt den Kriegsbeitrag 1919! |

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