Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 18 (11.3.1919)
- Date
- 1919-03-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Nr. 18 J U E Dl SC H E RUNDSCHAU Seite 137 Erbpacht 1%. Wie en Boden• a.) über, kann dem Es würde 1c11, wenn n, Söhnen tvertrages in ist die eschränkt, Arbeit der! Verkauf :r genügt durch Arch Ablaui Joweljahr urch eine Erhöhung 1 machen, die wach• Investie• m Bauern nuß, eine Joweljahr nreformer :schlagen, nis mög. 50 Jahr. Pachtver-;es Ende, ie Rechte benswich-?ealkredi! Hand zu vatkapital Aber es;cs drehen 1 Staates Spekulader allo niedrig n Handel iberhaupt Worauf 1 darüber ־n, worin wirkliche e sucht, igsgesellilien fast , Wasseragen ge- Maß von in Haus ülverfaß, nter der len fiat. :n Hypowährend Dienste t seinem it. Wenn n öffent- 1“ wird ung des jüdischer für Paschaffen. liehen Interesse Vorbehalten bleiben, und der Boden- Handel durch das Vorkaufsrecht der öffentlichen Hand rmferbtmden ist, dann muß der Zinsfuß automatisch sinken, und daß Großkapital wird zufrieden sein, in Tilgungshypotheken Anlage zu finden. Selbst wenn etwa Handel und Industrie schnell so groß werden sollten, daß sie Riesenkapitalien ansaugen, so wird es doch initiier noch genug Kapital geben, das sich lieber mit niedriger aber sicherer Verzinsung begnügt, als die (!{׳fahren des Handels und der Industrie auf sich nimmt*). Wenn wir gesehen haben, daß dem ländlichen, und auch dem städtischen, Grundbesitz Betriebsmittel durch Realkredit sichergestellt werden müssen, so ist andererseits der heutige Zustand sehr unerwünscht und für das allgemeine Interesse sogar gefährlich, wenn die Kreditmöglichkeiten übertrieben werden. Es ist kein gesunder Zustand, wenn man mit geringster Anzahlung ein großes Haus oder ein Gut kaufen kann. Die zweite! ordern! 1g׳ der deutschen Botlenreformer ist demgemäß gesetzliche Begrenzung der hypothekarischen Versehuldungsmögliehkcit. Dazu gehört als drittes: Trennung des Bodens und der Gebäude als Kreditbasis. Alles das kommt dem Gedanken der Erbpacht in der hier angedeuteten Ausführung gugutc und würde in seiner Gesamtheit ein Joweljahr ermöglichen, dessen Unausführbarkeit die Propheten nicht mehr beklagen müßten, wenn sie wieder unter uns erscheinen könnten. Eine besondere Form der Sozialisierung des Bodens ist die landwirtschaftliche Produktivgenossensebaft, gegen die Brünn einiges Mißtrauen, um nicht zu sagen Abneigung, zur Schau trägt. Er scheint da aber eine Art wilder Genossenschaft in! Auge zu haben, in der jeder Genosse etwa nach Art der Arbeiter- und Soldatenräte alles weiß, alles kann, alles nach Majoritätsbesehluß, heute so, morgen so, entscheidet. So hat es Oppenheimer nicht gemeint. Vielmehr soll mindestens während der Lehr- und Uebergangsjahre die Gleichberechtigung nur darin bestehen, daß jedem nicht nur der festgesetzte Lohn, sondern auch der ihm zustehende Anteil am etwaigen Ueberschuß vom ersten Tage an ungekürzt zugute kommt. Im übrigen aber muß während dieser Jahre die ■Leitung ganz nach Art kapitalistisch geleiteter Großgüter in den Händen eines sachverständigen Verwalters liegen, der jedem Genossen seine Arbeit anweist, und dessen Weisungen unweigerlieh befolgt werden müssen. Die Selbstverwaltung kann nur allmählich nach Maßgabe der fortschreitenden Ausbildung und Bewährung schrittweise eingeführt und ausgebaut werden. Brünn sieht in Uebereinstimmung mit den Erfaßrungen in allen ,Ländern den Kleinbetrieb als die reuiabelste und rationellste Form der Landwirtschaft an. Andererseits hält man überall auch größere Betriebe für notwendig, weil sie den ökonomischen und tedinischen Fortschritt in der Landwirtschaft schaffen und vermitteln, O p p e n h e i m e r legt nun gerade Wert auf die Feststellung, daß seine landwirtschaftliche Produkti vgenossenschaf t die Vorteile des Groß- und Kleinbetriebe« in sich vereinigen ■würde. In der bisherigen Diskussion seit dem Delegiertentage ist mehrfach hinsichtlich des Tempos der Besiedlungsmöglichkeit das Bedenken geäußert worden, es ständen uns für eine schnelle Massenkofonisatioii «licht genügend landvvirtschaftlieh geschulte Juden zur Verfügung, als selbstständige Bauern könne man aber Städter frühestens ’) Diese Erörterung mag auch zugleich den Weg zeigen, auf dem die in Nr. 14 der ״Jüdischen Rundschau“ von Hermann Glenn ausgesprochene Befürchtung hinsichtlich der Höhe des Zinsfußes behoben werden kann. (Der Verf.) nach erst achtjähriger Lehrzeit, Pflanzer nach 5 Jahren ansiedeln. Gerade liier scheint mir die Produktivgenossenschaft, wie sie Oppenheimer meint, einen Weg zu zeigen. Wenn in einem genossenschaftlichen Großbetriebeder Leiter das Recht tmd die Macht hat, jeden au den Platz zu stellen, den er ausf-ülleu kann, wenn jeder Genosse so Schritt für Schritt von der einfachsten Betätigung lernend zu immer schwierigeren Arbeiten fortschreitet, so bedeutet das einerseits die Möglichkeit, unerfahrene, nur mit guten! Willen und körperlicher Eignung ausgestattete Stadtmenschen allmählich zu Landwirten zu erziehen, während sie doch von vornherein als Genossen ein gewisses Heimatsgefüh! und Rechte an den bearbeiteten Boden haben, wodurch sie gleich weil über den nomadisierenden Lohnarbeiter hinausgehoben werden. Andererseits hat diese Form des Großgrundbesitzes für den Staat zugleich den Vorteil, daß er mehr selbstständige und aucli kaufkräftigere Bewohner tragen kann, ab ein privater Besitz gleicher Größe. Man soll nicht sagen, daß die Oppenheimersche Genossenschaft sich nicht bewährt hat, weil ein oder zwei kümmerliche, mit ungenügenden Mitteln und unter ungünstigen Verhältnissen unternommene Versuche nicht geglückt ׳ sind. Brünn hat Recht, man soll die landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft vorläufig nicht als allgemeine Ansiedlungsform ins Auge fassen, aber man soll einige solche Unternehmungen fördern und ausreichend fundieren. Erst gebe man Oppenheimer die Möglichkeit, mit genügenden Mitteln und am tauglichen Objekt ich meine mit Arbeifern, die in unerbittlicher Auslese und unter Ausmerzung der Individualitätsathleten gewählt sind den praktischen Versuch durchzuführen, dann erst mag inan ihm mit mehr oder minder großem Wohlwollen auf die Schulter klopfend sagen: ״Mönchlein, du gehst einen schweren Gang.“ Wohnt der Produktivgenossenschaft dann die zeugende Kraft inne, die O p p e n h e i ־ m e r von ihr erwartet, dann wird sie über die anderen Formen, mindestens des Großgrundbesitzes, hinauswachsen, wie im Urwald, der lebenskräftigste Stamm die Nachbarbäume schneller wachsend aus Lieht und Luft abdrängt. Noch ein Wort zur Araberfrage, die ja auch zur Nationalisierung des Bodens gehört. Beistimmen muß man Brün 11 und Hugo Bergmann, wenn sie eine Ma jo risie rungspol i ti k gegen die Araber ablehnen. Majorbieren wollen wir nicht, insofern es eine brutale Ausnutzung der Mehrzahl bedeutet. Aber in diesem Sinne heißt die Majorität im Lande erstreben noch nicht majorisieren! Wir (deutsche Zionisten sind ja vorläufig noch von den Verhandlungen ausgeschlossen, wir wissen daher auch nicht, was Weizmann mit dem König des großarabischen Reiches besprechen hat. *) Man hat von Schwierigkeiten bei der Feststellung der Ost- und Nordgrenzen von Erez Israel gesprochen. Wichtiger *aber ist für uns däs zukünftige politische und wirtschaftliche Verhältnis zum arabischen Staate. Juden sollen und werden in ,allen Teilen dieses Reiches ansehnliche Minoritäten bilden, ebenso wie die Araber Ln Palästina. Es ist nun nicht wünschenswert, aus unserem Lande einen neuen isolierten Kleinstaat zu machen, vielmehr muß bei aller inneren Selbständigkeit politisch ein enger Zusammenschluß soweit erstrebt werden, daß die Grenzfrage einen großen Teil ihrer Bedeutung verliert, ln ökonormscher Hinsicht aber müssen die auf ehemals türkischem Boden entstehenden Staaten ein gemeinsames Wirtschaftsgebiet ohne Zollschranken *) Dieser Aufsatz wurde vor Bekanntwerden der in dieser Nummer veröffentlichten Sympathiekundgebung der arabischen Delegation geschrieben, die zeigt, daß der Optimismus des Verfassers in der Araberfrage durch aus berechtigt ist. (De Red.) werden, nur dann ist eine rationelle Ausnutzung der Bodenschätze, der Wasserkräfte, Häfen, Austausch der Rohstoffe und Produkte usw. möglich. Wenn es so Reibung«flächen mit einem arabische״ Volksstaate nicht geben wird, dürfen wir dagegen bei unserem Handeln auf die arabischen Großgrundbesitzer nicht eine uns schädigende Rücksicht nehmen, und auch darin geht unser Interesse mit dem des arabischen Volkes zusammen. Denn wenn in diesem Staate die Grollgruudbesitzer dieselbe Rolle wie in! türkischen Reiche werden weiter spielen dürfen, dann wird das •arabische Königreich verrottet und innerlich faul wie Rumänien sein. Nur Völker, deren Boden in der Hand freier Bauen! ist, sind gesund an Leib und Seele. Ein saldier Klein- Staat war vor dem Kriege Serbien, das eine mustergültige Bodengcsetzgebung hatte und nur durch die Habsucht der ungarischen Großagrarier in seinen Grenzen erstickt wurde, bis die im Kern gesunde und kraftvolle Nation den eisernen Rahmen Sprengte, wie die wachsende Baumwurzel den Felsen. Dagegen ist Rumänien, dessen arbeitende Bauern Sklaven einer untätigen Großgrundbesitzerkaste sind, giftig für sich und andere. Daraus wird der arabische Staat ebenso wie der jüdische für die Ordnung seiner Bodcnbesitzverhältuisse lernen müssen. Die Juden in Aaerika Der Poale-Zionist, Herr Z uc ke r m a 1! <1, der gegenwärtig als Mitglied der amerikanischen Hiifskotnmission für IMlen in Kopenhagen weilt, berichtet dem ״Kopenhagcncr Zionistischen Büro“ über die gegenwärtige Lage der Juden in Amerika folgendes: Oekonomische Lage. I>ie Lage der jüdischen oberen Stände hat sidi während des Krieges befestigt. Durch die allgemeine Hebung der amerikanischen Industrie .und durch zahlreiche Regierungsaufträge waren die Geschäftsleute in der Lage, ihr Einkommen wesentlich zu erhöhen. Dagegen haben die kleinen Geschäftsleute im Kriege gelitten; denn ,gerade sie betreiben /u einem großen Teil Branchen, die während des Krieges lalim gelegt waren. Zufriedenstellend gestaltete sich die Situation der Arbeiter, die durch die Staatsaufträge in den Fabriken ausreichend beschäftigt waren. Ihre Löhne erfuhren eine beträchtliche Steigerung, der allerdings eine außerordentlich starke Erhöhung der Lebenskosten gegenübersteht. Während des Krieges war das Problem der Arbeitslosigkeit fast verschwunden, man kann sagen, daß 95 °u aller Arbeiter ausreichende Beschäftigung fanden. Erst seit den! Beginn des Waffenstillstandes ist die Arbeitslosigkeit neuerdings zu einem Problem geworden, das sich auch in den jüdischen Kreisen sehr stark geltend macht Infolgedessen sind auch unter den jüdischen Arbeitern Streiks an der Tagesordnung; so streikten die ״Amalgamated Clothing Workers“. von deren öO 70000 Mitgliedern 80״״ Juden sind, zwölf Wochen lang, und ihrem Beispiel folgten die Arbeiter anderer Industrien. Bei der Abreise des Herrn Zuckermann befanden sich die Arbeiterinnen der Blusenindustrie — ebenfalls zum größten Teil Jüdinnen im Streik, da sie auf ihrer Forderung einer 44 stündigen Arbeitswoche bestanden. Die jüdischen Arbeiterverbände bestreben sich, die Arbeiterfrage für die!Demobilisierten möglichst glatt zu lösen. Um allen Zurückkehrenden Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen, unterstützen sie nach Kräften die Forderung kürzerer Arbeitsstunden. Soziale Arbeit. Bei den amerikanischen Juden bestellt eine starke Tendenz, der sozialen Fürsorge jeglichen Charakter einer ein. Den Tatsache Ikern als em vom s Schrift s“. Wie so wird der be- Literatur irre von er deutmeinde“ so notitorisdie J e rurechung ausführin. Hinätze gemg erst :it auch hne insder das undprin- :handelt, itzenden ade von Auflage uch ein n Ideen pigonen zu komeifot die heutige ukt des he. Sie werden, winden, was er in Generationen erworben hat. Das Weiche, Zarte, das Sensible sind Werte, die unsere Zeit vielleicht gelernt hat, höher einzuschätzen als das rücksichtslose Draufgängertum der Kriegs- und Revolutionszeit. Das Bestehende bejaht Goreliks Buch: ״G o 1 u s, Zion und Romantik“. Wenn Politik bedeutet, die realen Faktoren des Lebens richtig einschätzen und cinsetzen zu können, so kann Goreliks Schrift getrost zur politischen Literatur gerechnet werden. Kurz vor dem neuen Palästina-Delegiertentag wird die Drucklegung des Protokolls des XV. Dcle ״iertentäges vom letzten Dezember von besori deren! Interesse sein. Die beiden Versammlungen bilden nicht nur sachlich ein Ganzes, sondern auch wegen des sie beherrschenden Geistes. Ihre Veröffentlichung in Broschürenform fällt in die Stunde der Entscheidung für die praktischen Maßnahmen, die der Neuaufbau erheischt. Sollten die politischen Wirren uns nicht einen Strich durch die Rechnung machen, so hoffen wir auch da« Buch ״Da s neue Palästina“ von Nawratzk 1 recht, zeitig bis zum Delegiertentag herauszubringen. Es ist ein bedauerlicher Zufall, daß gerade ini jetzigen Augenblick unsere Freunde .eines systematischen Buches enthehren müssen, das auch mir über die elementarsten Probleme und Aufgaben Palästinas unterrichten könnte. Wir haben ferner die Hoffnung׳, daß auch Arthur R u p p i n s .,Vom werdenden Judenstaa t“, das große Programmwerk des offiziellen Zionismus, bis zum Delegiertentag fertig wird. Die Tausende jüdischer Soldaten, die Lublin passiert haben, werden unauslöschliche Eindrücke von der ehrwürdigen ״Mutter in Israel“, der einstigen Metropole der polnischen Juden heit, gewonnen haben. Ehe Geschichte der jüdischen Gemeinde, ihre Denkmäler, ihre Großen, ihren ganzen topographischen und kul turellen Habitus behandelt das fesselnde Buch von Mayer Balaban, das wir zum Frühjahr herausgeben werden. Ein christlicher Mitarbeiter des Verfassers hat dem Buch zahlreiche, höchst reizvolle Zeichnungen beigegeben, die vielleicht einst die letzte Erinnerung an die dem Untergang geweihte ״Judenstadt von Lublin“ sein werden. Das Buch ist als Geschenkwerk gedacht und wird dementsprechend ausgestattet. Meister Arno N a d e I s Sammlung der ״J o 111 e f f I i e d e r“ ist nunmehr abgeschlossen. Neben den Einzel ausgaben liegen die H Nummern in einem stattlichen Album vereinigt vor. Mit einer neuen Einleitung des Bearbeiters versehen und von Joseph Bitdko ausgestattet, wird das Album ein schönes Denkmal der zunehmenden Verbreitung׳ der jüdischen Volksmusik sein. Gleichzeitig bringen wir eine zweite Sammlung N a II el scher Bearbeitungen: ״Jüdische Volksiied e r“. Sie ist als fortlaufende Publikation gedacht und soll allmählich den gesamten Volksliederschatz ver einigen. Vierteljährlich kommt ein Heft heraus; die vier Hefte eines Jahrganges sollen zu einem Baud vereinigt werden. Ein Problem, das die jüdische Jugend noch stärker bewegt, als jede andere, behandelt mit edlem Pathos und seltenem Freimut Hans Goslars ״Wort an unsere Jugend“: ״Die Sexuaiethifc der jüdischen Wiedergeburt.“ In seinen Forderungen knüpft Goslar durchaus an die Prinzipien der historischen jüdi sehen Ethik an. Was ein ,jüdischer Schriftsteller, mit offenen Augen und empfänglichem Herzen an Erlebnissen der Kriegszeit in der Schweiz gesammelt hat, schildert G o r e 11' k in den ״Vier Jahre im Lande Neutra lien“. Es ist insofern kein rein jüdisches Buch, als Gorelik alles schildert, was ihm der Tag gebracht hat. Die iü dischen Studentenkolonien und die internationale Dipl© matie, Zionisten und Armenier, Kriegslieferanten und die beglaubigten Vertreter der unterdrückten Nationen, ein Amerikaner, der jeden Abend ins Varidte geht, um di« kleine jüdische Tänzerin Deborah zu sehen, und zuletzt die abenteuerliche Geschichte von Goreliks völlig un begründeter Verhaftung, die trotz Fürsprache eines Ro^ msun Rolland, eines rorell und anderer Spitzen der intellektuellen Internationale mit seiner Ausweisung en dete. Hat man aber das Buch zu Ende gelesen, so wird sich jeder sagen: so kann die Dinge nur ein Jude sehen, vielleicht nur ein russischer Jude. Der Jude, sagt Moritz G o I d s t e i n, läßt sich keinen blauen Dunst vormachen. Aber selbst unserer ״großen Zeit“ gegen über weiß der Verfasser der ״lieben Provinz“ seine liehe und humorvolle Milde zu wahren. Zu Hermann Cohens Todestag׳ werden wir eine Würdigung des Philosophen und Juden von Jakob Klatzkin bringen. Cohen war eine zu große Erschei ntmg in der jüdischen Weit, als daß wir Zionisten an ihm einfach vorübergehen könnten. Der große Jude gehörte der ganzen Judcnheit und also auch uns. Zum Schluß sei das Buch erwähnt, das schon vor sechs Jahren begonnen und infolge der Ungunst der Verhältnisse zwar mit großer Verspätung erscheint, aber doch von einer geradezu schauerlichen Aktualität ist. Zwei, drei Monate nach dem Lemberger Gemetzel sind die Berichte jüdischer Zeugen und Zeitgenossen über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge, ״Edom“, mehr als ein historisches Dokument. Sie sind ein Symbol des ewigen Kampfes von Esau-Edom gegen Jakob, ein ewiger Ausfluß der Tatsache vom Wirts- und Gastvolk. Ine deutsche Auswahl aus hebräischeu Quellen ist von Nathan Birnbaum und Hugo H e r r m a n n besorgt und ist wiederum von Joseph B u d k o gefällig ausgestattet. Literarische Mitteilung Linen besonders interessanten Beitrag zur Diskussion über das Siedlungsproblem stellt das soeben erscheinende Doppelheft (Nr. 8/9) der Zeitschrift Volk und Land“ dar. Es enthält einen sehr ausführlichen Aufsatz von Prof. Ballod über ״Die Möglichkeiten des Zionismus“ mit Ergänzungen von Davis Trietsch. Die Ausführungen Baitods haben seinerzeit in der ״Europäischen Staatsu. Wirtschaftszeiturig“ starkes Aufsehen erregt. Eine neue Rubrik ״Stimmen des Auslandes“ bringt Artikel aus den nichtdeutschen Zeitungen, besonders aus englischen. Aus dem weiteren Inhalt: Brünn: ״Bauhygiene in Palästina“. Klötzel: ״Zur Lage der ostjüdischen Arbeiter in Deutschland“ (Ver handlungen mit dem Demobümachungsamt).