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Jüdische Rundschau · 1919-03-11 · Heft 18 (11.3.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 18 (11.3.1919)
Date
1919-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der auf das fung und der Her-!jährliche 9 ab in 1 12 Kr.. tecbait. Nr. 18 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 135 Worte Theodor Herzls Von der Idee. ״Uebers Jahr in Jerusalem“ ist unser altes Wort. Nun handelt es sich darum zu zeigen, dafi aus dem Traum ein tagheller Gedanke werden kann. In der Bedrängnis stehen wir zusammen und da entdecken wir plötzlich unsere Kraft, Ja, wir haben die Kraft einen Staat, und zwar einen Musterstaat zu bilden■ Niemand ist stark oder reich genug um ein Volk von einem Wohnort nach einen» anderen zu versetzen. Das vermag nur eine Idee. Die Staatsidee hat wohl eine solche Gewalt. Man mag diesen Volksgedanken, der da ist, wegzulächeln versuchen, aber er 18t da. Ihn wollen־ wir hochhalten und hochflattem lassen. Und was wir dort nur für unser eigenes Gedeihen versuchen, wirkt machtvoll und beglückend hinaus zum Wohle aller Menschen. Die Sache ist so groß, daß wir nur in den einfachsten Worten von ihr sprechen sollen. Wer untergehen kann, will und muß, der soll untergehen. Die Volkspersönlichkeit der Juden kann, will und muß aber nicht antergehen. Ganze Aeste des Judentums können absterben, abfallen•, der Baum lebt. Man wird in den Tempeln beten für das gelingen des Werkes. Aber in den Kirchen auch! Es ist die Lösung eines alten Druckes unter dem alle litten. Wir werden eines Tages am Ziele sein — wir hoffen es mit aller Kraft unserer Seele — und dann werden vidieicht alle Stationen, die Zwischenfälle der Fahrt, alle Erwartungen Und Besorgnisse die jahrelang unser Leben ausfüllten, mit einem Schlage vergessen sein. Nur ein Volk, das an sich glaubt, wird eine Anleihe kontrahieren, aber auch nur einem Volke, das an sich glaubt, wird man eine Anleihe gewähren. Von der Verwirklichung. Der Judenstaat ist ein Weltbedürfnis, folglich wird er entstehen. Sie (die Judenfrage) ist eine nationale Frage, und um sie zu lösen, müssen wir sie vor allem zu einer politischen Weltfrage machen, die im Rat der Kulturvölker zu regeln sein wird. Durch unsere zweitausendjährige Zerstreuung sind wir ohne einheitliche Leitung unserer Politik gewesen. Das aber halte ich für unser Hauptunglück. Man gebe uns die Souveränität eines für unsere gerechten Volksbedürfnisse genügenden Stückes der Erdoberfläche; alles andere werden wir selbst besorgen. Von Anfang an war ich der Ansicht, daß eine diplomatische Initiative von England werde kommen müssen, weil England, wenn es — gleichsam in der Luftlinie — nach Indien blickt, Palästina streifen muß. England, das große, England, das freie, England, das über alle Meere blickt, wird uns und unsere Bestrebungen verstehen. Von hier aus wird die zionistische Idee ihren Flug noch weiter und höher nehmen, dessen dürfen wir sicher sein. Ob es ein Tory oder ein Whig sein wird, der mit der Judenfrage auch ein Stück der Orientfrage zu lösen unternimmt, er wird das Werk eines Staatsmannes in großem Stile lösen. In einem Worte Ist unsere Tätigkeit und ihr Fortgang zusammenzufassen: wir organisieren die Judenheit für ihre kommenden Geschicke. Unser Kongreß soll ewig leben, nicht nur bis zur Erlösung aus der alten Not, sondern nachher erst recht. Wenn ein Stück Orientfrage mit der Judenfrage zugleich gelöst wird, so ist dies gewiß im Interesse aller Kulturvölker. Das Werk, das uns vorschwebt, wollen wir zwar aus eigener Kraft tun, aber viel Wohlwollen muß ans dabei umgeben, sonst kann es nicht ge- Ungen. Zwischen Erinnerung unsere Tat. und Hoffnung steht Das neue Haus*) Von Sdi. Gor eliK. Jeder von uns, der sich in seinen Gedanken und Gefühlen ganz, oder wenn auch nur teilweise mit Palästina und dem Zionismus verbunden fühlt, befindet sich in den letzten Wochen in einem! Zustande höchster Erregung. Dieser Zustand gleicht etwa jenem spannenden Genihl, das wir haben, wenn wir wissen, wenn wir es fast sicher wissen, daß ein kostbares Geschenk für »ms bereit liegt. Wir können es schon mit den Augen sehen, . . . dort . . . dort liegt es, in schöner Umhüllung. Noch fehlt nur der letzte Moment, der feierliche und zugleich beglückende Ruf: ״Hier, meine Kinder, hier habt Ihr es.“ Dann, werden sich die Bnei Israel, die Söhne Israels, wirklich freuen. Hätten wir die großen Probleme nicht nur mit dem Aufwand staatsmännischer Geschicklichkeit geregelt, sondern auch mit einer gewissen Dosis Sentimentalität, dann bitten unsere Freunde, die es mit uns gut meinen, vielteicht witereinander gesagt: .,Wollen wir uns nicht etwas be■ eilen, seht, wie die Juden warten! Seht, wie ihre Augen glänzen. Hört, wie ihre Herzen pochen!“ Doch schließlich, was kommt es auf einige Tage an, wir werden noch eine kurze Spanne Zeit warten, noch eine kurze Spanne Zeit, was ist sie im Vergleich zu jener endlosen Ewigkeit, die hinter uns hegt Wir warten! Mit einer Zuversicht, mit einer solchen Fülle von Hoffnungen, die trunken machen. Fast schwanken wir unter der glücklichen Last der Träume und Hoffnungen! In solchen Augenblicken, an der Schwelte 90 blendender Fernsichten, will man wieder ganz jung sein, — man will es wahrscheinlich immer sein, —- aber jetzt glaubt man eine besondere Berechtigung, dazu zu haben. Jung *) Mit diesem Aufsatz beginnen wir eine Reihe Feuilletons des jüdischen Schriftstellers Gorelik. Vom Aufbau. Das Land unserer Väter existiert also noch. Es gibt Leute, die dort leben und fröhlich arbeiten. Die alte Erde veijüngt sich dort unter den reg- und gesund! Und von neuem beginnen! Wie sinnlos und dumm vom Schicksal ist es, wenn ein Jude jetzt stirbt. Aber es sterben nicht nur Juden, grausamer noch, sie werden auch ermordet, zahlreiche Juden werden fürchterlich ermordet. Noch ist in uns das Entsetzen über Lemberg lebendig, da kommt schon, wieder die neue Nachricht von der furchtbaren Judenschlächterei in Proskurow, und diese Juden fehlen, sie werden nicht dabei sein. Und »ver weiß, wie viele Ihrer noch fehlen werden. Seht Ihr, wie dringend es ist, daß sich unsere Freunde mit unserer Sache beeilen? Denn was wird sein, wenn immer mehr Juden fehlen? Wir brauchen sie jetzt alle. Ja, in diesen Tagen vor oder schon nach der Entscheidung versteckt sich mancher in seinem Winkeldien und träumt davon, wie er sein Hehn, sein jüdisches Heim einzurichten gedenkt. Niemand ist so prosaisch, niemand so materialistisch, daß er nüchtern und beherrscht genug wäre, um nicht in einem solchen Augenblicke so etwas wie ein Dichter zu werden, und sei es auch nur auf einen Tag, eine Stunde. Aus den gebückten, gekrümmten Schultern wachsen Flügel und ~ hui! — man fliegt, man fliegt hoch hinaus in die Zukunft, in den jüdischen Zukunftsstaat. Wie soll es wohl dort aussehen? Wie wird es aussehen? Der da ein neues Haus baut oder der da, wenn es im Rohbau fertig steht, es sich nach seinem Geschmadce einrichtet, ist immer voller Hoffnung, ist immer der liebengwerte, der gläubige Narr, der es sidit nicht vors teilen kann und will, daß auch in seinem Hause, in seinem neuen Hause mit der Zeit fösse klaffen werden, daß Staub auf ihm liegen wird. Und daß man heftig untereinander streiten wird, mit einer Leidenschaft, der nur die Juden fähig sind! Die ganze Welt liegt im heftigen Streiten. Unruhig und erregt ist die weit! Und wir, wir, weil wir doch ein neues Haus bauen wollen, wollen von einen* Eldorado träumen. Das ist natürlich. Wir stellen uns vor: Umsichtige, großzügige, weitblickende, jüdische Kapitalisten, die sich zu dem größten sozialen Entgegenkommen bereit erklären, weil das böse Geist und Kraft verzehrende Immer-gescnäftig-scin, das samen Händen, sie trägt wieder Blumen, sie trägt wieder Früchte, sie wird vielleicht auch eines Tages, eines schönen Tages, das Glück und die Ehre der Juden tragen. Darum glaube ich, daß ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der Erde wachsen wird. Die Makkabäer werden wieder aufstehen. Es handelt sich in unseren Tagen nicht mehr darum, kriegerische Makkabäer auf die Beine zu bringen, — nein, Makkabäer der Arbeit, der geistigen und körperlichen Arbeit. Wenn die jetzige Generation noch zu dumpf ist, wird eine andere, höhere, bessere kommen. Die Juden, die wollen, werden ihren Staat haben, und sie werden ihn verdienen. Ich weiß nicht, ob wir noch in dieser Generation die Befreiung aus Schimpf und Elend erleben werden. Möglich ist es, vorausgesetzt, daß wir klug und entschlossen sind. Aber das weiß ich, daß schon das Wandern auf diesem Wege uns zu anderen Menschen machen wird. Gerade diejenigen unter uns, die heute ihre ganze Person daranzusetzen bereit sind, würden bedauern, auch nur einen Schritt dafür gemacht zu haben, wenn es nur gelänge, eine neue Gesellschaft einzurichten und nicht auch eine gerechtere. Wenn ich bedenke, daß bei neuen Einrichtungen immer alles besser gemacht wird, als es bei den alten war, so gebe ich mich der Hoffnung hin, daß im neugegründeten Judenstaat auch wirtschaftlich gesunde Verhältnisse herrschen werden. Wenn »vir noch einmal aus Mizrajim wandern, werden wir die Fleischtöpfe nicht vergessen. Den Siebenstundentag aber brauchen wir als Weltsammelruf für unsere Leute, die ja frei herankommen sollen. Es maß wirklich das gelobte Land sein. Von den Menschen. Die ersten Männer, «reiche diese Bewegung beginnen, werden schwerlich ihr ruhmvolles Ende sehen. Ich weiß nicht, wann ich sterben werde, aber der Zionismus wird nie sterben. Seit den Tagen von Basel hat das jüdische Volk wieder eine Volks- Vertretung; folglich «rird der Judenstaat in seinem eigenen Lande erstehen. immer Geldvcrdtenen-Wolten sich in dieser neuen, göttliehen Luft, in der biblischen Atmosphäre etwas dämpfen wird. Bisher hat der Jude oft die Bibel sorgfältig int Bücherschrank gehabt, aber jetzt wird er sie in voller Wirklichkeit immer im Herzen haben. Wie lächerlich wird in Palästina ein eilender Jude aussehen! Wie lächerlich diese gehetzte Rastlosigkeit, wenn alles dort ringsherum zum langsamen Rythmus mahnt, zur Be schaulichkeit! Und wie den Besitzenden, so wird es auch den jüdischen Arbeitern gehen. Auch er wird verständnisvoll entgegenkonunen und seinerseits Opfer bringen. Er kann nicht so leidenschaftlich die ״Internationale“ singen, weil die Töne der ״Hatikwah“ sich hinein mengen, und weil er ״Hatikwah“ wenigstens in den ersten Jahren, in den Jahren, in denen das Haus noch neu dasteht, doch von Herzen liebt. Gewiß er liebt, ״Hatikwah“. Warum ist er denn nach Palästina gegangen? Wenn er Freude daran hat, dann kann er unmöglich nur von sozialem Hassen erfüllt sein! Wie kann man überhaupt hassen wenn man eine große Freude im Herzen trägt? Und wenn der besitzende Jude Freude daran hat, wie kann er dann nur von dem Gefühl ״Geldverdienenwollen“ durchdrungen sein? Ist es denn nicht genug, daß es so warm und milde ist daß es so herrlich auftet, und daß man die gleiche Sprache spricht, in der die Bibel geschrieben ist? Ein Traum von sozialer Harmonie, von gerechtem Ausgleich, von beiderseitigem Entgegenkonunen, von friedlichem Zusammenleben der Klassen! ״Utopie!“ wird man sagen! Keine Utopie, eine Notwendigkeit wird es für viele, viele Jahre sein. Denn in «fern! neuen Hause, indem man sichs recht behaglich machen will, muß vor allem Frieden herrschen. Und nicht wenige der Geistigen wollen, ktetß wir nach Palästina gehen, um Gottes Volk zu werden; wir werden dahingehen, um etwas Schönes, Erhabenes zu schaffen, um etwas Neues zu schaffem Wir werden uns bemühen, unter uns die schärfsten Probleme zu lösen, aber wir werden versuchen, sie auf friedlichem Wege zu lösen. ״Wir werden sein ein einig Volk von Brüdern.“ Nicht für dumm soll man diejenigen halten, die sich so etwas

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