Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 18 (11.3.1919)
- Date
- 1919-03-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 134 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.!8 Nr Wilson für den Zionismus. Wie die amerikanische Zionistenföderation telegraphisch Mitteilt, empfing Wi lson am Sonntag, den 2. März 1919, nachmittags in W as hi ng t o n eine Delegationdesamerikanischjüdischen Kongresses, bestehend aus Julian Mack, Stephen W i se, Louis Marshall und Richards. Die Delegation war aufierst befriedigt über den Verlauf des Empfangs und teilte darüber folgendes mit: Präsident Wilson bekannte wie immer seine großen Sympathien für das unbestreitbare Recht des jüdischen Volkes in allen Ländern auf Gleichber ec h t i g u n g. Der Präsident sagte dann wörtlich: ״Wie ich es Ihren Vertretungen gegenüber schon früher tat, drücke ich erneut meine persönliche Zustimmung zur Deklaration der britischen Regierung bezüglich Palästinas aus. Ich bin außerdem überzeugt, daß d i e alliierten Nationen unter vollster Zustimmung unserer eigenen Regi erung und unseres Volkes einverstanden sind, daß in Palästina die Grundlage •eines jüdischen Gemeinwesens errichtet werde.“ Konferenz der jüdischen Nationalräte. Die Konferenz der Delegationen der jüdischen Nationalräte zur Formulierung der Forderungen bezüglich der nationalen Rechte findet in Paris zwischen dem 10. und 15. März statt. Grofie zionistische Demonstration in London. Am Sonnabend Abend fand in Queenshall unter Teilnahme von über 3000 Personen eine große zionistische Demonstration statt, die unter dem Vorsitz von Schmarja Lev in stand, Redner waren: De Haas, B ar on den«, Berlin, Slutsch, serbischer Kapitän A1 b a 1 a, Podlischewsky, Y e 11 i n und G o 1 d b 1 a m. Eine einstimmig gefaßte Resolution drückte den zionistischen Führern in Paris das volle Vertrauen der Versammlung aus, verspricht volle Unterstützung für den Aufbau Palästinas und begrüßt die zionistischen Delegierten. da die historische, durch 2000 Jahren bewährte Sehnsucht des jüdischen Volkes nach■ seinem Lande ihre Erfüllung und ihren Sieg gefunden hat, durfte 4er Verräter nicht fehlen. Unbewußt und gewiß gegen seine Absicht hat Herr Professor Silvain Levi eine historische Mission erfüllt. Auch er hat sie erfüllt. . . . Es soll heute nicht über den Inhalt und die Bedeutung der Einzelforderungen des zionistischen Memorandums, das die Delegation der Friedenskonteren/, überreicht hat, gesprochen werden. Wir veröffentlichen die wichtigsten Forderungen in dieser Nummer. Man wird aus ihnen den näheren Charakter des jüdischen Gemeinwesens, wie wir ihn uns denken, zu erkennen vermögen und die Erklärung von Weizmann auf der Friedenskonferenz, daß wir zunächst jährlich ungefähr 60 000 Juden ansiedelt! wollen," gibt Shell eint Bild von der Art und dem Charakter unserer kolonisatorischen Tätigkeit für die nächste Zukunft. Es wird noch Zeit und Gelegenheit sein, die einzelnen Forderungen in ihrer Bedeutung eingehend darzustellen. Für heute sei nur betont, daß sie In ihrer Gesamtheit darauf hinauslaufen, ein wirkliches jüdisches Palästina zu schaffen und das stolze Wort, das Chajim Weizmann in seiner Erwiderung aut Silvain Levi gebraucht hat: wir wollen Palästina für die Juden, wie England für die Engländer und Amerika für die Amerikaner, ist restlos zu erfüllen. Wir wollen diese Erfüllung in ruhigem, systematischem, gesundem und organisatorischem Aufbau herbeiführen. Noch ist keine jüdische Majorität in Palästina vorhanden, und nur das historische Recht begründet unsere Ansprüche auf das Land. Die Forderungen ermöglichen, diese Majorität baldigst zu schaffen und Palästina wieder zu einem jüdischen Lande zu machen. Das Endziel unseres Strebens ist das jüdische Palästina: dies ist der Sinn und der Inhalt aller unserer Forderungen. Die erste große Etappe auf dem Wege des jüdischen Volkes nach Palästina ist erreicht. Die Mächte der Welt haben unser Recht auf Palästina und auf die Schaffung unserer nationalen Heimstätte im Lande der Väter anerkannt. Formelle Beschlüsse und feierliche Resolutionen werden diese Tatsache noch bekräftigen und sanktionieren. Die Anerkenrmng selbst ist gesichert, ist Tatsache geworden. Der erste große Teil des Prozesses der Schiwath Zion, der Rückkehr des jüdischen Volkes nach Zion ist zu Ende. Was wir von ändern Völkern verlangen konnten, haben wir erreicht. Man gibt uns die Möglichkeit nach Palästina zurückzukehren, und es beginnt der zweite, größere Teil unserer Aufgabe, der nur erfüllt sein kann von der Arbeit und den schöpferischen. Leistungen des jüdischen Volkes seifet. Was uns die anderen geben können, ist nur der Rahmen und die Freiheit des Schaffens. Die Erfüllung־ können nur wir selbst herbeiführen. Aber wer zweifelt noch daran, zweifelt nach! dem Erfolge der letzten Jahrzehnte und Jahre daran, daß wir die Kraft haben, diesen Rahmen zu füllen, *ins dieser Freiheit des Schaffens würdig zu zeigen und die Erfüllung herbeizuführen. Das Volk, das *dje unvergleichlicfte Wunderleisfung vollbracht tat, durch 2<)00 Jahre der Diaspora die Forderung nach Palästina und die Sehnsucht nach Zion treu zu bewahren, wird auch die anderen Leistungen vollbringen, nun, da ihm die Möglichkeit der Verw irklichung gegeben ist. Nichts Beglückenderes kann einem Volke Ix׳- gegnen, das Jahrtausende unterdrückt und in: seiner elementaren Lebensäußerung gehemmt war, als die Wiedergewinnung der Freiheit zu selbständigem nationalen Schaffen. Tiefster und furchtbarster Sinn des Galuth war, daß uns diese Freiheit des eigenen autonomen schöpferischen Wirkens fehlte. Diese Freiheit haben wir wiedergewonnen und das Galuth ist in der Idee überwunden. Dies ist derSinn und die Bedeutung des 27. Februar für die Geschichte des jüdischen Volkes. In diesem Sinne hat Chajim Weizmann im Namen des Zionismus, im Namen des jüdischen Volkes vbn heute, im Namen des jüdischen Volkes der Jahrhunderte und Jahrtausende den großen und heiligen Segensspruch des ״Sehe hechejonu“ gesprochen. N. G. Die Bedeutung der Londoner Tagung Die zionistische Konferenz, die in diesen Tagen in •London stattgefunden hat, wird ihre historische Bedeutung in der Geschichte der zionistischen Bewegung und darüber hinaus in der Geschichte unseres Volkes behalten. Die Bedeutung jener Mittwochsitzung, in der Dr. Weizmann unter atemloser Spannung der Ver- Sammlung über seine Verhandlungen mit der Pariser Friedenskonferenz berichtete und mit ״Scheheclrejonu“ abschloß, braucht ja nicht näher gewürdigt zu werden. Aber auch abgesehen von dem Palästinapunkt, der natürlieh der Mittelpunkt der Tagung war, wird diese Konferenz von bleibender Bedeutung für unsere Bewegung sein. Es ist überaus bemerkenswert, daß in den letzten Jahren, obwohl sie uns Palästina unendlich näher gebracht haben, doch gleichzeitig in allen Kreisen der Zionistischen Organisation die Erkenntnis verankert warden ist, daß der Schutz und die E n t w i c k - lung der Diaspora-Juden 11 eit eine Aufgabe ist, der die Zionistische Organisation sich nicht entziehen darf, wenn sie in der Tat als die berufene Leiterin der jüdischen Volkspolitik angesehen werden darf. Wenn unsere Freunde in Rußland und Oesterreich die Fragen der Landespolitik stets als einen Teil ihres Tätigkeitsfeldes betrachtet haben, so halten während des Krieges ,sowohl zionistische Delegiertentage als auch der amerikanisch-jüdische Kongreß, wie endlich die jüdi sehen Nationalräte die Behandlung der Diasporafragen als einen wichtigen Bestandteil der zionistischen Arbeit angesehen. Die Londoner Konferenz, die erste internationale zionistische Tagung seit Kriegsausbruch, hat denn auch diese Entwicklung anerkannt. Das eingehende Referat Leo Motzkins umfaßte die jüdische Frage in allen Ländern jüdischer Massensiedlung, insbesondere in sämtlichen Teilgebieten Groß-Rußlands und des ehemaligen Oesterreich-Ungarns und entwickelte ein Programm für die Forderungen, die zum Schutz der nationalen Rechte dieser Judenschaften auf der Friedens- Konferenz •vertreten und durchgesetzt werden müssen. In den Mittelpunkt der Resolutionen, die Motzkin der zionistischen Tagung vorlegte, und die von dieser zuin Beschhiß erhoben worden sind, steht das Verlangen, daß die Anerkennung der jüdischen Nationalität und die Sicherheit der nationalen Minderäieitsrechte des jüdisehen Volkes in Sprache, Schule und politischer Repräsentation durch Aufnahme einer entsprechenden Be- Stimmung in die Verfassung der neubegründeten oder reorganisierten Staaten vom Völkerbund durchgesetzt werde. Das ist der Gedanke, der von zkmistiscW Seite während des Krieges stets vertreten worden [•1 Wir haben erkannt, daß die bürgerliche Gleichberec!{ tigum.: nicht einmal ein genügender Schutz für Lebe■ und Eigentum ist, geschweige denn die freie Entfaltuni des jüdischen Lebens gewährleistet. Nur die Am-I keunung der Juden als einer Nationalität itud die Sich! rung ihrer nationalen Rechte dtirdi entsprechende kJ Stimmungen der Verfassung können die Zukunft da Di aspora-Juden heit sich erstdien. In Paris wird voij 10. bis 15. März eine Tagung der Delegationen der dischen Nationalräte stattfinden, die dort diese F,!! derimgen im einzelnen präzisieren werden. Wort aus c Zum Schutz der Judenschaften in der Zukunft nn; sich aber ein Zweites gesellen: die Wiede rgutmal c h u 1! g der durch Krieg und P o g r o in e e r I tenen Verlust e. Die Londoner Resolutionen vl langen, daß die Kriegsschäden, die der jüdischen Bevo| kerung zugefügt worden sind, unter internationaler Km trolle im Verhältnis zu den allgemeinen Verlusten an* geglichen werden sollen, während die Pogroineiitsdiädl gungen in voller Höhe von denjenigen Staaten zu tragt! sind, in denen sie geschehen sind. Wir möchten hi| der Hoffnung Ausdruck geben, daß in Paris für dies Forderungen der Diaspora-Judenheit dasselbe Verstand nis bestehen möge, das für die jüdische Palästina!ordmir! vorhanden ist. I da ei habei Must 1 Volk verse idee Die Bedeutung der Londoner zionistischen Tagu!1| erschöpft sich nicht in den Forderungen zum Schutz ci! nationalen Rechte der Juden. Von ebenso großer deutung sind die organisatorischen Maßnahmen, die d! Konferenz beschlossen hat. Die Zionistische 0 ganisation, die Schöpfung T h e o tl oj Hcrzls, hat während des Krieges 11 i ci)| einmal eine Lockerung erfahre 11. Nie wur der Kontakt der Zentrale mit den einzelnen Laodesurg; nisationen gestört. Stets blieb die gesamte /.ionistisdil Ocffcntlichkeit darüber informiert, wie die zionistisch( Arbeit von unseren Gesinnungsgenossen in den eiuzelntj Ländern geleistet wurde, und die mehrfachen Zusa! menkünfte führender Zionisten der verschiedenen La! der ergab immer wieder, wie völlig einheitlich die Aul fassung von den Grundlage״ unserer Politik in d< ganzen Organisation geblieben war. Niemand, der d!| Verhältnisse kannte, konnte bezweifeln, daß auf de| ersten allgemeinen zionistischen Tagung, die nach AI schluß der Kämpfe stattfinden würde, die Arbeit in alte Geschlossenheit und Zielbewußtheit wieder aufgemwimti werden würde. wegi wir l deihi hina! fach unte kanr abfa Dr. H a nt k e , habei E. A. C. Ifr. Viel«! Reise nach Londo) gehabt, in der sie ihri mit der beabsichtigte■ z man 11 in das E. A.S1 Die Londoner Konferenz ist nicht der von im allen heiß ersehnte Zionistenkongreß nach dem Frieda Noch bestellt der Kriegszustand in der Welt fort, not sind die Reiseschwierigkeiten derartige, daß die! allgemeine zionistische Tagung noch hinausgesdiol werden muß. Dife zionistische Konferenz in Lon! umfaßt die Mitglieder des Zionistischen Zentralkomita aus fast allen Ländern. Wenn die Verhältnisse es Zionisten einiger [Landsmannschaften nicht efmögli! haben, an dieser Tagung teilzunehmen, so ist das ein! zwar bedauerliche, aber unvermeidliche Tatsache, zu keinerlei Beunruhigungen Anlaß gibt. Die Mi! glieder des Engeren Aktionskomitee Professor W a r b 11 r g und mit ihrem Kollegen im Jacobson, vor dessen eine eingehende Konferenz völlige Uebereinstimmung Kooptierung von Dr. Wei und der Verlegung des Zionistischen Zentralbüros 11 London erklärten und Herrn Dr. Jacobson bevoli mächtig! haben, bei der Londoner Konferenz auch ihrem Namen zu sprechen und zu handeln. So sin! die Beschlüsse, durch die die Grundlagen unserer < ganisation von neuem festgestellt wurden, mit Zustini■ mung aller Mitglieder des E. A. C. gefaßt worden. D! Londoner Konferenz hat mit aller vv ü n sehenswerten Deutlichkeit den Gedanke der Einheit der Organisation betont, ha ihrem Bedauern darüber Ausdruck g c g e b e 11, daß e i n i g e Landesorganisatio 11 e nl a u f d e r Tagung nicht vertreten seit! k o 11 uj t e n und hat gerade diesen Landesorgani s a t i o 11 e n für ihre Arbeit ihren Dank aus -| gesproche n. Wir dürfen beruhigt sagen, daß unsere! Organisation in unerschütterter Einheit hinter ihrer) Leitung steht und! in stolzer Freude über das Errungemj fest entschlossen ist, im Geiste dessen unsere Arbeit fortzuführen, der der Schöpfer unserer Organisation war,[ int Geiste Theodor Hcrzls. F. L Zum Quartalswechsel! Es i alle hoff wer! der jahr verj Anl das wir! und Gef lästi sich Err! den wir für Am Um feie Kin lsre die tnai Mit Nr. 24 der ״Jüdischen Rundschau“ beginnt) ein neues Quartal. Wir bitten unsere Beziehet, das Abonnement auf die ״Jüdische Rundschau‘'I rechtzeitig zu erneuern, damit in der Zustellung! der Zeitung keine Unterbrechung eintritt. De Abonnementspreis muß mit Rücksicht auf dasl wöchentlich zweimalige Erscheinen der Zeitung und mit Rücksicht auf das andauernde Steigen der Herstellungskosten erhöht werden. Das vierteljährliche Abonnement kostet vom 1. April 1919 ab in | Deutschland 6 Mk., in Oesterreich-Ungarn 12 Kr., im Ausland 10 Mk. ein! Fre ein: eile Au; sch der kut ent Mi! nut det sol Fe wil ma Verlag Jüdische Rundschau. I Fe