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Jüdische Rundschau · 1919-03-11 · Heft 18 (11.3.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 18 (11.3.1919)
Date
1919-03-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ich möchte die Gelegenheit meiner ersten Berührung mit den amerikanischen Zionisten benutzen, um Ihnen zu sagen, was ich Dr. Weizmann schon wiederholt sowohl in Palästina wie in Europa sagen konnte: ״Wir sind der Ueberzeugung, daß Araber und Juden nahe Rassen verwandte sind, die ähnliche Verfolgungen durch Mächte erlitten haben, die stärker waren als sie selbst und die durch ein glückliches Zusammentreffen in der Lage waren, zusammen den ersten Schritt zur Verwirklichung ihrer nationalen Ideale zu tun. Wir Araber, besonders die Gebildeten unter uns, blicken mit tiefster Sympathie auf die zionistische Bewegung. Unsere Delegation hier kennt genau die Vorschläge, die gestern von der zionistischen Organisation der Friedenskonferenz unterbreitet wurden, und wir halten sie für mäßig und berechtigt. Wir werden unsererseits unser Bestes tun, ihnen zum Siege zu verhelfen. Wir wollen den Juden unser herzlichstes Willkommen bei ihrer Rückkehr in die Heimat zurufen. Mit den Führern Eurer Bewegung, besonders mit Dr. Weizmann, standen und stehen wir noch immer in engster Verbindung. Er hat unserer Sache große Dienste geleistet, und ich hoffe, daß die Araber bald imstande sein werden, den Juden ihre Güte zu vergelten. Wir arbeiten zusammen für einen neugestalteten und wiederauflebenden Orient und unsere beiden Bewegungen ergänzen einander. Die jüdische Bewegung ist national und nicht imperialistisch, auch unsere Bewegung i’st national und nicht imperialistisch, in Syrien ist für uns beide Raum genug. Ich glaube, daß jeder von uns des anderen Volkes zum wirk liehen Erfolge bedarf. Weniger unterrichtete und weniger verantwortungsvolle Menschen als Eure und unsere Führer, die nicht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens der Araber und der Zionisten kennen, haben versucht, auf die lokalen Schwierigkeiten hinzuweisen, die notwendigerweise in Palästina in den ersten Entwicklungsstadien unserer Bewegung entstehen müssen■ Einige von ihnen haben, wie ich fürchte, den arabischen Bauern Ihre Wünsche und den jüdischen Bauern unsre Wünsche in einem falschen Lichte gezeigt, mit dem Erfolg, daß die hieran interessierten Parteien Kapital aus dem geschlagen haben, was sie unsere Differenzen nennen. Ich möchte Ihnen meine volle Überzeugung aussprechen, daß diese Differenzen nicht in prinzipiellen Fragen, sondern in D et a i 1 f r age n be s t e h en u n d sol ch e r Ar t sind, wie sie unvermeidlich bei jeder Berührung beaachbarterVölkervorkommen müssen und durch beiderseitigen guten Willen leicht beseitigt werden können. Sicherlich werden bei genauerer gegenseitiger Kenntnis fast alle Mißverständnisse schwinden. Ich und mein Volk sehen einer Zukunft entgegen, in der Sie uns und wir Ihnen helfen werden, sodaß die Länder, an denen wir gemeinsames Interesse haben, aufs Neue ihre Rolle in der Gemeinschaft der Kulturvölker der Welt spielen werden. Faisul. Eine der wichtigsten Etappen auf dem Wege des jüdischen Volkes nach Palästina ist erreicht. Am 27. Februar hat der Zehnerausschuß der Pariser Friedenskonferenz die Palästinafräge erörtert. Die zionistische Delegation, bestehend aus S o k o - low, Weizmann, Ussischkin und Andre Spire, trug die Palästinaforderung des jüdischen Volkes vor. Wie Weizmann in der Londoner zionistischen Konferenz mitteilte, haben die Mächte die Forderung der *^k»Äate»*'jSdischeE Heimstätte׳ an׳־ genommen. Der Zehnerausschuß setzte eine Kommission zur Prüfung der Einzelheiten ein. Damit ist die erste und entscheidende Phase der zionistischen Arbeit, welche die Anerkennung des weltpolitischen Charakters der Judenfrage zum Ziel hatte, beendet Die erste und kühnste Behauptung, mit der der Zionismus an die jüdische und nichtjüdische Oeffentlichkcit herantrat, war die These, daß die Juden frage eine weltpolitische Frage sei und nicht anders als durch weltpolitische Methoden verstanden und gelöst werden könne. Was vor dem Kriege die Wenigsten zugeben wollten, ist in diesem Kriege schnell zur allgemein anerkannten Wahrheit geworden, ln immer steigendem Maße hat sich die internationale öffentliche Meinung mit dem Zionismus beschäftigt. Führende Politiker der verschiedenen Länder bekundeten ihre Sympathie für den Zionismus, bis dann mit den bekannten Erklärungen der verschiedenen Regierungen die offizielle Anerkennung des Zionismus durch die Mächte der Weltpolitik begann. Am 27. Februar 1919 hat dieser Prozeß seinen Abschluß gefunden. Das Forum der Mächte, diö die künftige Weltordnung bestimmen, die Pariser Fricdenskonferenz hat die Delegation des jüdischen Volkes empfangen und die Verwiridichung der zionistischen Forderung als einen Bestandteil ihrer Aufgaben anerkannt. Der Eintritt des jüdischen Volkes in die •Sphäre der Weltpolitik ist damit sanktioniert. Schon dies allein rechtfertigt es, wenn in dem Telegramm, das die zionistische Delegation an die Londoner Konferenz unmittelbar nach dem Verhandhingen im Zehnerausschuß richtete, der 27. Fetruar als ein großer Tag in der jüdischen Geschichte bezeichnet wird, wenn Cbajim Weizmann am Schlüsse seiner Londoner Rede den Segensspruch »,Schehecbejonu" sprach. Denn mit der Anerkennung des Judentums als eines weltpolitischen Sabjektes hat die zwei tausendjährige Galuthexistenz eine revolutionäre Aendemng erfahren; ja die Form dieser Existenz ist im Prinzip und in der Idee bereits überwunden, ln der Tat, glückseelig ist unsere Generation zu nennen, die diese Ueberwindüng des Galutli in ihren Tagen erleben durfte, und nie ist jener schöne Segensspruch des ״$chel»echejonu‘• mit größerem inneren Rechte und!mit tieferem Gelialte gesprochen worden. Die Bedeutung der Pariser Verhandlungen geht aber über die Anerkennung der jüdischen Gemein- Schaft als eines Trägers geschichtlicher nationaler Rechte hinaus; denn die Palästinaforderung des jüdischen Volkes wurde im Prinzip bereits asigenommen. Zwar hat der Zehnerausschuß naturgemäß keinen formellen Beschluß gefaßt, da zur Beschlußfassung nur das Plenum berechtigt ist. Auch ist es nur begreiflich und!entspricht dem Ernst und der Bedeutung der Frage, wenn nicht in der ersten Sitzung in einer einzigen Beratung schon ein formeller Beschluß *׳ •gefaßt ־ teoräea ist Die Sitzung mußte vielmehr mit der Einsetzung einer Spezialkommission zur Prüfung der Einzelh e i t e n enden. Aber gerade die Einsetzung dieser Kommission läßt Idar und unzweideutig erkennen, daß die Mächte im Prinzip der jüdischen Pa- Iästinaforderung zugestimmt haben. Verschiedene andere Tatsachen aus dem Verlauf der Sitzung bestätigen dies. Balfour und Sonnino sprachen am Schluß der zionistischen Delegation ihre Glückwünsche aus; Tardieu, der Vertreter Frankreichs, erklärte den Pressevertretern, daß die zionistische Frage außerordentlich günstig stehe, und Frankreich mit der Sachwalterschaft Englands über Palästina einverstanden sei, was angesichts verschiedener Nachrichten der letzten Zeit, die von einer Gegnerschaft Frankreichs meldeten, besonders wichtig und erfreulich ist. Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel mehr, daß inan als das endgültige Ergebnis der Verhandlungen in Paris die prinzipielle Annahme der zionistischen Forderung durch alle dort vertretenen Mächte ansehen muß. Noch wird ein formeller Beschluß des Plenums der Friedenskonferenz notwendig sein, und, da Palästina voraussichtlich der Souveränität des Völkerbundes unterstellt werden wind, auch seine Zustimmung nach seiner endgültigen Konstituierung. Der Inhalt dieser Beschlüsse ist nach der Sitzung vom 2t. Februar klar und eindeutig. Er lautet: die Mächte der Welt erkennen die Forderung des jüdisch en Volkes auf die Errichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina an. Damit hat auch der zweite spezifische Grundgedanke des Zionismus gesiegt. Der Zionismus hat gelehrt: die Judenfrage ist eine weltpolitische Frage; und weiter: die Judenfrage ist letzten Endes die Palästinafrage. Die unlösliche Verknüpftheit zwischen diesen beiden Inhalten der Judenfrage hat nunmehr ihre große historisch« Bestätigung gefunden. Die Juden als weltpolitisches Subjekt anerkennen und sie gleichzeitig als Palästinavolk anerkennen, das hat auch der Zionismus immer als identisch erklärt. Zwischen dem 29. August 1897 und dem 27. Februar 1919 liegt ein Zeitraum von nur 22 Jahren. Als Theodor Herzl damals den Gedanken des Zionismus in die Welt 'warf, wurde er verlacht und verhöhnt und ein utopistischer Schwärmer genannt. Jetzt haben die führenden Mächte der Weltpolitik, hat das höchste weltpolitische Forum der Menschheit diesen Gedanken erörtert und bejaht Man begreift, daß die zionistische Delegation ln ihrem Telegramm diesen Tag als größten der jüdischen Geschichte seit 2000 Jahren bezeichnen durfte und man versteht, daß Chajim Weizmann berechtigt war, tm Namen des Zionismus, im Namen des jüdischen Volkes den großen heiligen Segen des ״Scbehediejonu“ zu sprechen. Es gehört ׳ sruiiJ Wesen jüdischer Art׳, aim Wesen jüdischer Geschichte, daß das Bild, das sie bietet, niemals oder sehr selten einheitlich Ist. Die Erscheinung des Propheten findet ihre Gegenerscheinung im Lügenpropheten und der jüdische Held wild begleitet von der Nebenerscheinung des jüdischen Verräters, Spricht man darum vom Siege des nationalen Gedankens, vvom Siege der großen heroischen Bewegung, die sich die Palästinasehnsucht des jüdischen Volkes, die sich in. den letzten zwei Jahrzehnten Zionismus nennt, so dürfen auch diejenigen Juden nicht vergessen werden, die diesen Sieg zu verhindern versucht haben. Man muß leider von ihnen sprechen, denn diese Gruppe hat selbst dafür Sorge getragen, daß in den Berichten von der Anerkennung der jüdischen Forderung auf Palästina durch die Mächte der Welt auch ihr Name genannt werde. Professor Silvain Levi, ein franzosischer Assimilant, hat sich für verpflichtet gehalten, in dieser Sitzung des Zehnerausschusses zu erscheinen, - für welchen Verband und mit welehern Mandat ist sehr unklar um im Namen der Assimilation als entschiedener Gegner der zionistisehen Forderungen zu sprechen. Es verlohnt sich nicht, auf seine ״Argumente“ einzugehen, sie bilden nur eine kurze Zusammenfassung all der Unrichtigkeiten und Entstellungen ausgeklügelter Bedenken und Einwände, die im Laufe der zweiundzwanzig Jahre des Zionismus von den Gegnern gegen ihn vorgebracht worden sind. Nichts ist charakteristischer für die Hohlheit seiner liehauptungen, als die Tatsache, daß, während er eine Unterdrückung der Araber durch die Juden in Palästina befürchtete und den Widerstand der Araber gegen eine jüdisch« Herrschaft prophezeit, zu gleieher Zeit der arabische Thronfolger Emir Faisul, der offizielle Vertreter der Araber auf der Friedenskonferenz, in einem Briefe an die amerikanische zionistische Delegation in wundervollen und ergreifenden Worten die Freude seines Volkes über die Rückkehr der stammverwandten jüdischen Nation nach Palästina zum •Ausdruck bringt. Es ist unnötig, sich auf eine Widerlegung der Ausführungen des Professor Silvain Levi einszulassen. Nicht, w as er sagte, ist von Belang, sondern, daß er sprach, daß ein Jude den Mut gefunden hat, m der historischen 'Stunde gegen sein Volk zu sprechen. Diese Tatsache ist allerdings von Belang und ist von bleibender, historischer Bedeutung. ln der Stunde, da der jüdische Heroismus, *וי¬

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