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Jüdische Rundschau · 1919-02-28 · Heft 16 (28.2.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 16 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 120 JUEDJSCHE RUNDSCHAU Nr. 16 da gibt cs eine Arbeit, die in ganz besonderem Maße unserem Leben diese innere Einheit zu geben vermag, eine Arbeit, der bisher die jüdische Jugend noch viel zu wenig Beachtung geschenkt hat: die soziale Arbeit, Sic gibt uns die Möglichkeit, einmal Ernst zu machen mit unserem Willen, jüdisch zu leben und so unserem Leben einen wirklichen Inhalt zu verleihen. Und sic bedeutet für uns zugleich die Erfüllung einer der wichtigsten Pflichten, die wir gegenüber unserem Volke haben. Soziale Arbeit hat man die Tätigkeit des Studenten in Arbeiterunterrichtskursen genannt: mit Unrecht. Soziale Arbeit — richtig verstanden — besteht nicht darin, daß man auf wenige Stunden seine Welt verläßt (und etwa Arbeitern Unterricht gibt), sondern sozial arbeiten heißt, sein ganzes Leben hingeben an die Menschen, sich verschenken nicht nur auf Stunden und nicht nur mit einem Teil seines Selbst, sondern mit seinem ganzen Sein. Diese Auffassung der sozialen Arbeit hat ihren Ausdruck gefunden im Settlement. Studenten sicdcltcn sieh in der Arbcitcrgcgcnd einer Stadt an und lebten dort mit den Arbeitern ihr ganzes Leben. Nicht anders glaubten sic die Trennung vorn Volk, in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Momente sie gebracht hatten, überwinden zu können. Lieht und Freude wollten sic dorthin bringen, wo es sonst dunkel war. Aber sic kamen nicht als Schenkende, die Pflicht trieb sie, von dem, was ihnen infolge ihrer günstigeren Lage zugcfallcn war, denen zu geben, die dessen 1k•- durften. Der Ocist der Brüderlichkeit, der das Menschliehe im Menschen suchte, über alle Schranken des Sozialcn und Materiellen hinweg, hat diese Siedlungen begründet. Eine Frage erhebt sich. Haben wir jungen Mensehen das Recht, schon nach außen hin zu wirken? Müßten wir nicht zunächst au uns selbst, an unserem Werden, arbeiten, uns vorbereitet!, Lernende sein? Da aber müssen wir bedenken, daß unser Volk heute an einem Punkt seiner Entwicklung steht, wo gewaltige Möglichkeiten vor ihm liegen, wo aber auch unendlich viel verloren gehen kann, wenn diejenigen, deren Aufgäbe es ist, mitznarbeiten, sich diesem Werk entziehen. Wie die deutsche Jugend heute, wo im deutschen Volk alles neu im Werden ist, sich nicht vom öffentlichen Leben fernhallen wird, wie beispielsweise der deutsche Student es nicht ableiinen kann, Führer zu sein oder doch sich zum Führer vorzuberciten und rnitzuhelfen, daß alle Kräfte in die richtigen Bahnen gelenkt werden, so kann es auch für die jüdische Jugend nur eine Entscheidung geben. Sie muß sich der ganzen Schwere iltrer Verantwortung bewußt sein, sie muß wissen, was es bedeuten würde, wenn sie heute, wo sie mehr denn je gebraucht, wirklich gebraucht wird, nicht mit ihrem Volke gehen würde. Die jüdische Jugend kann dem sozialen Leben ihres Volkes nicht fcmblcibcn in dem Augenblick, wo es darangcht, sich neu zusammenzuschlicBen, ein neues Volksleben zu beginnen. Ja in noch viel höherem Grade als die Teilnahme der deutschen Jugend ain dcutsehen politischen Leben ist ihre Mitarbeit notwendig, wird sie gebraucht. Ein großer Riß geilt durch unser Volk: noch fast unverbunden lebt der Ostjude neben dem Westjuden. Wie soll die Einheit des Volkes hergestellt werden in Palästina, wenn wir nicht schon jetzt uns bemühen, hier Brücken zu ,schlagen? Wäre es nicht gerade unsere, der westjüdischcn Jugend, Aufgäbe, hinzugehen zu unseren Brüdern, sie kennen und verstellen zu lernen, das in uns aufzunchincn, was ihnen wert und heilig ist? Eine neue jüdische Kultur erhoffen wir alle von dem neuen Volksleben. Wer anders sollte sic hervorbringeii, als ein im Ocist geeintes Volk? Und diese Einung zu vollbringen, müssen wir mithclfeh. Wie können die Glieder eines Volkes wahrhaft Brüder sein, wenn sie sich nicht einmal kennen? Und noch ist es so, daß sie einander fast nicht kennen. Wie wenige nationalgcsinnte Westjuden haben den Vorsuch gemacht, den Östjudcn näher zu kommen. Niciit zwei Völker wollen wir in Palästina: ein Volk wollen wir sein. An uns ist es daran mitzuarbeiten. Wir b c - kennen uns zum• Volk, aber leben wir im Volk? Wir leben nicht mit den Menschen, die den größten Teil unseres Volkes ausmachen. Wir leben in unseren Straßen, die Kinder begüterter Eltern; wir kennen kaum die Gegend der Stadt, wo jene Juden wohnen, in düsteren Straßen und dunklen Höfen. Ihre Sprache verstehen wir nicht oder nitt mangelhaft, von ihrem Leben wissen wir nichts. Den Weg zu finden zu diesen Volksgenossen, ihnen wahrhaft Brüder zu werden, ist das nicht im schönsten Sinne zionistische Arbeit? Noch ein anderes kommt hinzu. Wir müssen Palästina •au {bauen mit Menschen, denen uh! langes und schweres Galuthlcbcn seinen Stempel aufgedrückt hat. Niciit darauf kontmit cs uns an, Juden nach Palästina zu bringen und sie dort leben zu lassen, so wie sie heute sind. Sondern ein schöneres, reineres Leben ersehnen und erstreben wir. Nicht mehr gebückt, sondern frei und voll. Kraft soll der Jude gehen. Viel Häßliches hat Körper und Seck des Juden im Cialuth angenommen. Aber wir glauben daran, daß die Liebe zum Guten, die strenge Hingabe au das Unbedingte, utiverkümnicrt, nur verschüttet manchmal, in der Seele des Juden lebt. Diese Kräfte zu wecken, wenn wir cs vermögen, das ist unsere Pflicht. Wir sind jung, nicht eingestellt ins Leben der Alten. Uns hat die ״Erfahrung“ noch nichts antun können. In uns ist der Glaube an das Gute und an den Menschen stark und lebendig Sollten wir nicht die Kraft haben, in anderen diesen Glauben wachzurufen? Die Jugend wird Palästina aufbauen. Und an sie werden wir uns zuerst wenden. Sind wir, die Wir selbst jung sind, doch auch jungen Menschen ami nachsteil. Werden wir sie nicht ehesten zu unseren Frcunden und Kameraden וווacae 11 können? Bei ihnen werden wir mit unserem Willen, das für richtig Erkannte durchzuführeii, ohne jede Rücksicht auf Nützlichkeit und Konvention, am Icichtestcu verstanden werden. Darum wird unsere soziale Arbeit beginnen müssen mit der Arbeit au der Jugend. Gewiß: nicht ein Jeder ist geeignet zu sozialer Arbeit, nicht ein Jeder hat Lust und Fälligkeit zum Zusammensein mit der Jugend. Für ihn wird es sicher Arbeit im Zionismus geben auf tcchnischorganisatorischem Gebiet. Aber darauf muß hingewiesen werden: technisch-organisatorische Arbeit• darf nicht die einzige Tätigkeit jüdischer junger Menschen sein. Im Mittelpimkt des Lebens jüdischer Jugend soll stehen: mcnschliebes Wirken, soziale Arbeit. Auch die Tätigkeit des Bl au-Weiß ist soziale Arbeit in einem weiteren Sinne, und er leistet sicher wertvolle Erziehungsarbeit an der wcstji'idischen Jugend. Die Aufgabe jedoch, die Verbindung zwischen Ost- und Westjuden hcrzustellen — und sie erscheint heute als ganz besonders notwendig — kann er nicht erfüllen. Er beschränkt sich darauf, westjüdische junge Menschen zu erziehen, die im wesentlichen derselben sozialen Schicht angeboren, wie die Erzieher. Hier haben ja auch schon viele junge Westjuden ein Feld der Be• tätigung gefunden. Nur wenige aber haben bisher unter «stjüdischcn jungen Menschen gearbeitet und einen Weg gesucht zu der Masse unseres Volkes, Gerade hier ist soziale Arbeit so dringend nötig: der Blau-Weiß-Jugend verleiht das Elternhaus eine gewisse Stütze; sie hat vielfach Gelegenheit aus Schule, Büchern und anderen Quellen Anregung und Bereicherung zu schöpfen. Wieviele junge Menschen, die aus dem Osten hierher gekommen sind, aber entbehren des Halts in der Familie, wieviele warten auf einen Führer, der auch sie zu den Scluitzcn der Kunst und Wissen- Schaft bringen könnte, der ihnen raten und helfen könnte, den für sie richtigen Lebensweg zu finden. Von welch großer Wichtigkeit ist ganz besonders die Berufsberatuug für die Kreise der ostjüdischen Jugend. Wie aber könnte ihnen jemand raten, der sic nicht kennt, zu dem sie kein Vertrauen haben? Allzuwcnig hat die jüdische Jugend und ganz besonders auch der jüdische Student bisher die Notwendigkeit sozialer Arbeit erkannt. Und doch ist er, sowohl durch seine Vorbildung als auch durch seine äußere Lage, die ihn! mehr Zeit und Freiheit läßt, als etwa dem gleichaltrigen Kaufmann, in erster Linie zu dieser Arbeit berufen. Hinter ihm! liegt die Schulzeit, vor ihm die Berufstätigkeit, die Zeit, wo nur ein Teil seines Selbst arbeiten kann, nicht der ganze Mensch, wo —■ in vielen Berufen — nur eine mcchanisierte, nicht aus der Seele kommende Arbeit geleistet werden kann. Aber noch steht er nicht im Beruf, mul so möge er diese Zeit waltrnchmcn und ganz Student sein! Gewiß, für fast alle bedeutet das Studium Vorbereitung auf einen Beruf, der uns unseren Lebensunterhalt verschaffen soll. Aber hüten wir uns davor, unsere Studentenzeit nur als eine Zeit der Vorbereitung zu bctrnchct. Unser Studium sei mehr als Brotstudium. Noch ist unser Blick frei und weit, nicht eingeengt durch die Mauern, die der Beruf um unser Leben zieht. Seien wir in dieser Zeit ganze Menschen, wirken wir als ganze Menschen, damit unsere Studentenzeit einen eigenen Wert bekomme. Wir, die wir uns zu unserem Volk bekennen, ihm unser Leben und unsere Arbeit weihen wollen, wir dürfen nicht ver- ״essen, daß wir in der Freiheit unseres Studentenlebens die größten Möglichkeiten, die geringsten äußeren Hemmungen haben, ipiscrem Volke zu dienen. Die Einstellung auf die soziale Arbeit vermag sicher auch neues Leben und neue Fruchtbarkeit in die jüdisehe Studentenverbindung zu bringen. War einst der Zionismus vielleicht ein die Menschen wirklich verbindendes Programm, so ist er jetzt eine viel zu breite Grundlage geworden, als daß er eine wahre Gemeinschaft begründen könnte. So kam es, daß heute kein geistiges Prinzip mehr maßgebend ist für die Auslese der Menschen, die in die jüdisch-nationalen Verbind ungen an (genommen werden. Worin besta nd die Arbeit der zionistischen Verbindungen? Man diskutierte, 111 letzter Zeit empfand man stärker das Bedürfnis nach wirklicher Arbeit: man begann intensiv Hebräisch zu treiben, veranstaltete Palästinakursc. Dinge, die sicher gut und notwendig sind, und die doch nicht imstande sind, das Leben des Studenten ganz zu erfüllen. Das wirkliche Lebendige fehlte: jüdisches Leben, Der Student blieb in seiner Abgeschlossenheit, fern vom Volke. Die soziale Arbeit vermag den Studenten aus seiner Abgeschlossenheit za befreien, ihn zusammeu/iibriiigeii ■mit allen jungen jüdischen Menschen, die auf diesem Wege an der Wiedergeburt ihres Volkes mitarbeiten, und ihn wieder zu vereinigen mit den Menscheu, die die Masse unseres Volkes bilden. Noch fehlt uns die wahre jüdische Jugendgcmcinschalt, die mehr ist, als ein Zweckverband zu gemeinsaniein Lernen. Noch fehlt die Gemeinschaft, die das gesamte Leben ihrer Mitglieder in sich hineinbczicht, der die Menschen nicht nur angeboren als Zionisten, sondern als Menschen mit ihrem ganzen Leben. Die Gemcinschaft, die bereit ist, schon hier ernst mit ihrem Zionismus zu machen, niciit von! Zionismus zu reden, sondern zionistisch, jüdisch zu leben und den Weg zu gehen, der vor allen anderen Uicscmi Ziele entgegenführt. Noch fehlt uns die soziale LebensundArbcitsgc mcinschaft junger jüdischer Mensehen, die herausgehen aus ihrer ‘ Isolierung Und sich dem Volke, der Arbeit am Volke, weihen. Bisher schwebte die Idee des Zionismus als fernes, kaum greifbares Ziel über den nat1'onaijtkliscf1«cn ’J!». gcndvcrcinigiingcn. Das kann und soll anders werden. Es gilt, niciit nur den Zionismus zu bekennen, sondern ihn zu leben. Den Zionismus zu leben: nichts anderes bedeutet jüdisch-nationale Arbeit. Die innerliche Einig1mg des Volkes, die sie bereiten hilft, ist die unent• betuliche Voraussetzung aller jüdischen Zukunft. Wer für sic arbeitet, dient unmittelbar auch der Verwirklichung des wahren Zionismus, der niciit nur ein Juden land, sondern aucfi ein jüdisches Land und eine jüdische Volksgemeinschaft erstrebt. Unendlich und mannigfach sind die Möglichkeiten zu Wirken für die jüdische Jugend. ,An manchen Orten gibt cs schon Volksheime, an vielen Orten wäre es sicher möglich, sie zu gründen. Ganz ,besonders aber ergeht der Ruf an die jüdischen Studenten, denen die äußeren Umstände am ehesten die Mitarbeit ermöglichen: Ihr werdet gebraucht! Hier ist Arbeit lür Euch! Nicht Reden und Diskutieren gilt mehr, sondern die Tat wird gefordert! — Man sollte meinen, daß schon eine größere Zahl von Studenten di״sc!1 Weg als für sich notwendig erkannt und ihn beschritten hätte. Doch nur ganz wenige, verschwindend wenige, haben bisher mit solcher sozialen Arbeit begonnen. Ein Beispiel dafür gibt die Geschichte des Berliner jüdischen Volks heims. Seit fast drei Jahren besteht ein jüdisches Volks heim in Ber- I i 11, in dem! Studenten, junge Kauflcutc und junge Mäddien zusammen arbeiten und zum Teil auch zusammen leben mit der ostjüdischen Jugend dieser Stadtgegend. In einer Riesenstadt wie Berlin haben sich fünf bis sechs Studenten gefunden, die ihre Zeit und Kraft in den Dienst dieser Arbeit stellen. Die Zahl 'der Gruppen (das Heim besteht aus Gruppen von 10 bis 15 Mitgliedern, Kindern, jungen Männern und jungen 'Mädchen, die mit einem Helfer oder einer Helferin zusammen arbeiten) ist ständig im Wachsen, doch nur mit der größten Schwierigkeit finden sich Helfer, um diese Gruppen zu leiten*) Wo sind die jungen Menschen, die *mitarbeiten könnten? Wo sind insbesondere die Studenten, die am ersten zu dieser Arbeit berufen sind? Leben sie noch immer nur in ihren Korporationen, arbeiten sie nur Hebräisch und hören sic nicht, daß das Leben sie ruft, sehen sie nicht, daß eine große Aufgabe ihrer wartet? Nicht leicht freilich ist die soziale Arbeit, die Arbeit in einem Volksheim. Sie verlangt die volle Hingäbe eines Menschen. Aber dessen sollten gerade wir alle uns bewußt sein: daß nur 'durch Dienst und Hingäbe wir ganze Menschen werden kö.nnen. Fritz Strauß. Bericht Chasanowitschs über die Berner Soziaiistenkonferenz In der Berliner Ortsgruppe der ״Poale- Zion“ referierte am 18. Fcbr. Herr Leon Chasanowitsch über ״Dic Berner Sozialistenkonfcrenz und die jüdische Frag c". Nachdem, er in bewegenden Worten seines Freundes und Mitarbeiters Dr. Max Rosenfeld gedacht hatte, begann der Redner eingehend den gegenwärtigen Stand der Internationale und die Rolle, die die Berner Konferenz üi der Herstellung der dritten Internationale zu erfüllen hatte, zu bezwecken. Er berichtete dann über die Behändlung der einzelnen Fragen auf der Konferenz und die Stellung der Konferenz zu den Friedensvcrhandlangen in Paris. Die territorialen Fragen, einschließlich der jüdischeu mußten wegen Zeitmangels der Pcrmancnzkominission überwiesen worden. Schwierig sei die Stellung der jüdischen Delegierten durch die Haltung der Bundisten gewesen, die auf der Konferenz merkwürdigerweise nicht «als jüdische Partei, sondern als die Partei Polens auftraten und es für nötig erachteten, die polnischen Sozialdemokraten in Schutz zu nehmen und einen Protest der Konferenz gegen das Verhalten des polnischen Proletariats in der Judenfrage zu verhindern. Diese Tatsache sei um so ungeheuerlicher gewesen, wenn man sich die Haltung der polnischen Sozialisten vor Augen führe, wie z. B der polnische Arbeiterrat am Tage der Eroberung Lembergs durch die Polen eine Proklamation erlassen habe, daß die Polen Lernborg erobert hätten und es sich nicht wieder durch "die Juden streitig machen lassen würden. Einer der Führer der polnischen Sozialdemokratie, Daczynski, Itabe erklärt, daß die Pogrome ein Werk der ״Feinde“ (deutscher und österreichischer Soldaten) seien. Am bezeichnendstcn für die Haltung dieses Sozialdemokrat!- sehen Führers sei aber eine Xeußcrung, die er in Krakau gemacht habe, in der er zum. Ausdruck brachte, ״daß die Juden im Gegensatz zu den Deutschen seit 500 •Jahren den Fehler machten,' daß sie nicht in der polnischen Nation aufgingeu. Krakau sei eine ehemals deutsche Stadt gewesen, deren Deutschtum man jetzt aber verdaut habe. Nur die Juden wollten sich noch nicht assimilieren.“ Angesichts einer derartigen Haltung polnischer sozialdemokratischer Führer sei es ein starkes Stück von den Bundisten gewesen, die polnische Sozialdemokratie in Schutz zu nehmen. Bczüglich der Immigrationsgesctzgcbung und der Sabbatruhe, wurden jedoch trotz der Gegenarbeit der Bundisten die Vorschläge der ״Poale-Zion“-Delegatk>n von der Konferenz angenommen. Es wurde durchgesetzt, *) Ein anderer Aufsatz soll bald nähere Einzeilheiten über das Leben im Berliner Volksheim bringen.

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