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Jüdische Rundschau · 1919-02-28 · Heft 16 (28.2.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 16 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 119 Eine neue Austrittsbewegung Von C. Z. Klötzel. Das Oemeimlcblaü der jüdischen Gemeinde zu Berlin veröffentlicht regelmäßig die Liste derjenigen Personen, die dem Judentum den Rücken gekehrt baln.11. Diese Rubrik hat »11 der Zeit ihres ersten Erscheinens Aufsehen erregt, ja, es hat nicht an Stimmen gefehlt, die dieses ״Anprangcrn“ als eine allzu harte Malircgclung der jüdischen Deserteure verurteilten. Andere wieder haben darauf hirtgewiesen, daß die Verüffeiltlichuog kaum ihren Zweck erfüllen dürfte, weil ihre abschreckende Wirkung gerade bei denen abpralfcn würde, die zur Flucht aus dem Judentum entschlossen «fl« 11. Und!Witzbolde meinten, darüber hinaus sei die ״Liste der;Ausgetretenen“ geradezu eine Förderung des Abfalls, denn die noch Unentschlossenen ersähen aus ihr, in welch ״guter Gesellschaft“ sie sich befänden. Einen Wert hat die Liste jedenfalls: sic zeigt der jüdischen Allgemeinheit den Stand der Austrittsbewegung an Und gestaltet ihr nicht, sich mit leeren Phrasen über eine Erscheinung hinwegzusetzen, vor der man sonst mit Ücrn bekannten jüdischen ״Optimismus‘‘ gern die Augen!verschließt. Und diese stumme Mahnung ist gerade in den letzten Wochen zu einer sehr ernsten, fast erschreckenden Warnung geworden. Seit kurzer Zeit ist die Zahl derer, die aus dem Judentum austreten, um ein!Vielfaches gestiegen, lind diese Tatsache bereefitigt beinahe,!von einer ״Massenflucht“ zu sprechen. Die jüdische Deffentliclikeit steht diesen Dingen genau so fassungslos gegenüber, wie den meisten anderen jüdischen Gegenwartsfragen. Sic kann die Tatsacken nicht mehr ignorieren, zerbricht sich den Kopf über ihre Ursachen und ist glücklich, als diese — den Zionismus gefunden zu haben. So raunt man es sich in Berlin von Ohr zu Ohr: ״Die Großagifat'on des Zionismus treibt die treuen Bekenner des jüdischen Olaubcns aus der jüdischcn Gemeinschaft!“ Das Problem ist gelöst, das deutsche Judentum steht rein und frei von aller Schuld da: die neue Austrittsbewcgung Ist die natürliche Folge des Zionismus. Wer das Judentum erhalten will, bekämpfe den Zionismus! Die Berliner, die diesen Gedanken kolportieren, dürren noch nicht einmal Anspruch darauf njachen, ihn als ihr eigenes Fabrikat zu reklamieren. Was in Berlin vorläufig noch als ״im Vertrauen gesagt“ gilt, pfeifen ln Wien die assimilatorischen Spatzen längst von allen Synagogcndächeni, nachdem ein Exzianist namens Dr. Krenberger cs ihnen vorgepfiffen hat. Was!)leibt!denn auch den ״guten Juden“ anderes übrig, als ihr ״jüdisches Herz“ schleunigst in die alleinscligmaciiendc Kirche zu retten, nachdem cs in Wien einen ,,J üdi sehe n N a t ionaf ra t“gbt und der Oberrabbiner Chajcs schamlos genug erklärt, daß ihm Zion wild Jerusalem mehr ist als eine Vokabel aus der Tcliillah? lUml muß es in ׳Berlin nicht ähnlich kommen, wenn man durchaus vor aller Ocffcntlichkcit einen ״jüdischcn Kongreß“ abhaltcn will, bei dem das Bekenntnis zum jüdischen Volk genau so unerläßlich ist, wie der Glaube an den heiligen Geist unnötig zur Schnell- und Massentaufe? Beginnt nicht der Zionismus im Judentum eine Rolle zu spielen, ähnlich der des Bolschcwismus im europäischen Leben, und sollte man nicht wirklich einmal daran denken, einer ״antizionistischen Liga“ die Mittel zu verschaffen, an allen Anschlagsäulen Berlins Plakate anzukleben, auf denen die verheerende Wirkung des zionistischen Giftes auf das jüdische Sclhstbcwußtsein in allen ihren Schrecken dargestdit ist? Scherz Ix’iseife! Wenn man von der groteske« Hilflosigkeit des deutschen Judentums gegenüber der neuen Austrittsbcvvcgung absieht, bleibt nichts an Ihr, was *'"gi ,.״״a1! 1 ■ 1,1,. .uuaiM1«51egagBs5ai1i3sjasggHHSLri1.1>׳g|11«.uL1eBBg Literarische Mitteilungen Judentum und Menschentum. (Jawnc und Jcrusale m*) Rascher, als wir geglaubt haben, ist die Not weildigkeit dringend geworden unser ganzes Leben zu unserem Judentum in Beziehung zu setzen. So taucht denn in vielfachen Formen die Frage auf, wie mul inwieweit unser Judentum unser ganzes Sein umfassen kann und soll. Viele Fragen, die anders formuliert werden, lassen sich auf diese zurückführen und können erst dadurch eine richtige Antwort erhalten. Zu ihnen würde auch die Stellung des Juden zur niebtjüdisdien Politik gehören, die ja in Deutschland Erirfi Cohn gerade in der ״Jüdischen Rundschau“ aufgerollt 11;.t. In all den erwähnten Fragen ist uns cm Büchlein, kostbarer Wegweiser, das jüngst im ,Jüdischen Verlag“ Berlin erschienen ist: Hugo Bergmanns ״Jawnc und Jerusalem“. Der Aulsatz, der der ganzen Sammlung den Namen gegeben hat, weist auf M. J. Bcrdyczewski hin, der bei uns leider allzu wenig bekannt ist, und der die wichtigste Vorarbeit für die liier vertretene Auffassung der Frage geleistet hat. Diese Auffassung unterscheidet sich von den sonst üblichen besonders dadurch, daß sic der Frage auf den Grund gdht. Sie besagt vor allem, daß das Judentum in keinerlei Formeln und in keinerlei Vergangemheit, sondern nur im Leben des Juden selbst liegen kann. Sp sind denn auch alle Acußc* Bungen des jüdischen Lebens hohl und leer, wenn sic nicht einem jüdischen Leben entspringen. Die jüdische Kultur muß wieder beginnen, ״die Summe der Produktivität der einzelnen Juden zu sein“. Sonst würde das Hebräische verschwinden müssen, wie das Jiddische sobald es wie dieses nicht mehr eine heilige, sondern eine lebende SpraÄie wäre, und das jüdische Leben trotzdem beschränkt bliebe; und auch Palästina würde *) Hugo Bergmann. Jawne und Jerusalem. Gesamanclte Aufsätze. Berlin 1919. jüdischer Verlag. die Spotthnt reizen könnte. Aber mit allem Nachdruck muß betont werden: oie war zu erwarten. Und erst die Entwicklung, die 6k: in den nächsten Monaten nehmen wird, kann als Grundlage dafür dienen, ob wir berechtigt sind, von cliucm neuen Symptom unserer ״inoral insanit,y״ zu sprcclxn. oder ob sich unser altes Leiden wieder in ״normale Bahnen“ lenken läßt. Für das Anwachsen der Austrittsbewegung ist in erster Linie der Fortfall von Hemmungen verantwortlich zu machen, der eine Folge des neuen ״Austrittsgcsetzcs“ vom Dezember v. J. ist. Bis dahin war der Austritt aus dem Judentum mit einer umständlichen Prozedur verblinden. Man mußte zunächst den beabsichtigten Austritt dem Amtsgericht schriftlich oder protokollarisch mitteikn. Dieses verständigte sodann die Synagogengemeinde von der Austrittsanmckhmg, damit der Geistliehe noch einmal seinen Einfluß geltend machen 'und den Austrittskandidaten zur Rückkehr bewegen konnte. Nach spätestens sechs Wochen wurde der endgültige Termin vor dem Amtsgericht anheraumt, ln dem die Austrittserklärung persönlich abgegeben werden mußte. Nach erfolgtem Austritt blieb die allgemeine Dcitragspflicht ein jahr (beim Austritt aus der Oemeinde fünf Jahre), für gewisse Leistungen noch länger bestehen. Das neue Ocsctz vereinfacht den Vorgang dadurch, daß die Austrittsanmcldung fortfällt, die einmalige Erklärung lediglich in beglaubigter Form (also nicht mehr protokollarisch) genügt, die Möglichkeit der Einwirkung des Geistlichen nicht mehr gegeben ist, und die Dcitragspflicht nur drei Monate nach dem Austritt fortdauert. Es liegt auf der Hand, daß der Fortfall zeitraubender Formalitäten, besonders aber die Tatsache, daß inan dem Geistlichen nicht mehr gegenüberzutreten braucht, sehr viele Leute veranlassen, einen Schritt zu tun, den sie früher unterlassen haben, nicht, weil er ihnen u nrn o r a 1 i 6 c 11, sondern unbequem ersdiicnen war. Wenn man beinahe nur eine Postkarte zu schreiben braucht, um sein Judentum ״abzubestcllcn“ wie ein Zeitungsabonnement, so ist das natürlich eine herrliclie Sache für Leute, die ihre Zugehörigkeit zur iüdischen Gemeinschaft nur noch als ״Zwangsabonnement“ empfunden haben. Und sehr ins Ocwicht fällt wohl auch, daß man jetzt die ״Konjunktur“ ausnutzt, um sich dessen zu versichern, daß keine religionsfrcundliehe Entschließung der Nationalversammlung späterhin wieder erschwert, was heute so angenehm leicht Ist. Den Leuten, denen vor Schreck über die ״Abfallziffer“ der Mut gesunken ist, kann zur Beruhigung gesagt werden, daß sich die ״MassenPlucht“ ,vorläufig noch auf einigermaßen logische Weise erklären läßt, — ohne vorwurfsvollen Seitenblick auf den Zionismus. Sollte freilich die Ziffer sich halten oder je* vermehren, dann freilich . . . . , Was dann? Dann sollten die deutschen Juden die Augen aufmachen und rieh ohne Brille einmal die Tatsachen des jüdischen Lebens ln Deutschland betrachten. Dann soUtcn sie einmal überprüfen, wo denn der Geist (gedeiht, von dem man erwarten darf, daß er das stärkste Bollwerk gegen den Abfall bildet. Dann sollten sic sich einmal fiberzeugen, fn welchen Kreisen das jüdische Leben 80 flau, so versteckt, so verwäsert pulsiert, daß nur ein paar ״Hemmungen“ zu vcrschwinden brauchen, um Hunderte nadi außen hin umfaßen zu lassen! Dann sollten sie sieh endlich einmal darauf besinnen, ׳welche Politik wohl die richtige ist: die, welche eine Intensivierung des jüdischen Lebens verpönt, damit ein paar hundert Schwächlinge nicht ab- und ausgestoßen werden, oder die, welche alle jüdisclicn Energien nach Möglichkeit konzentrieren will, damit aus den Hirnderten dieser Generation nicht Tausende der kaminenden Weiden. uns wieder entgleiten, wenn es nicht wie das Hcbritische ein untrennbarer Bestandteil unseres jüdisch gelebten Lebens wäre. Steht mit diesen Auffassungen Bcrdyczewski —• und mit ihm Hugo Bergmann — im Widerspruche zu Ach ad Ha am, der das Judentum. statt einem jüdischen ,Leben einer jüdischen Weltanschauung gleichzusctzcn glaubt, so trifft er sich doch mit ihm in einem Punkte. Beide sehen als unbedingte Voraussetzung einer Gesundung des Volkes eine seelische Wandlung an. Während aber Achad Haam diese seine rettende, seelische Wandlung in der Beschränkung auf eine besondere jüdische Wcltausdiauung sehen will, verlangt BcrdiCzcwski, die jüdische Eigenart des Menschen solle die Grenzen ihres abgesteckten Lcbcnsgcbietcs durchbrechen und den ganzen Menschen erfassen. So muß vor allem die Gegenwartsarbeit im Galuth Hugo Bergmann wichtiger sein, als es in der Partei bisher der Fall war. (,Größerer Zionismus“.) Der Aufsatz ״die zionistische Kulturarbeit im Westen“ zeigt uns bereits Pest umschriebene Pläne in dieser Riclitung, und die Ausführungen, vtelchc unter dem Titel ״Der jüdische Nationalismus mach dem Kriege“ zusammengefaßt sind, heben die ganze Wichtigkeit der Gegenwartsarbeit in ihrer ganzen Schärfe hervor: ״Nur wirklich jüdische Volknrbeit, die sich nicht mit dem formal Nationalen begnügt, sondern alles umfaßt, was jüdische Menschen angdit, vermag letztlich auch die zionistische Arbeit iai Oalutli sittlich zu rechtfertigen‘‘ (S. 19), und ein kostbarer Hinweis sind die folgenden Worte: Der Zionismus hat überall Keime von Gcmeiiwchaftsbildungen hcrvorgebrncht. Solche kleinen Kreise von Menschen könnten gerade für die Erleichterung unserer schwierigsten nnd intimsten Probleme — Verbesserung unserer Ehen, Wiedercrweckung religiösen Lebens — unendlich viel bedeuten“ (S. 23). Lind was dieses Probien» für unseren Zionismus bedeutet, lehren uns die Worte: ״Mehr Judentum kann für den nationalen Juden nur heißen: höheres Menschentum“ Und alles Formal jüdische ist ihm nur dann wertvoll, wenn es dieses höhere M^uchentum fordert. Daß jemand sein Judentum verläßt, weil andere Ihm zu jüdisch leben, — der Fall existiert nur in der Hiantasic ajitizionistischcr Ratlosigkeit. Daß man der neuen ״Massenfludit“ tatenlos gcgcnüherstcht und sie nicht anders 7.u nutzen weiß, als zu einem ״Argument“ gegen den Zionismus, ist ein heuer Beweis für ifc Notwendigkeit des jüdischen Kongresses in Deutschland. Demi seine Aufgabe ist es, endgültig zu scheiden zwischen denen, die sich der Verantwortung für (fie jüdische Gegenwart bewußt sind und jenen andern, die nicht einmal wollen, daß andere ihre Pflicht tim. Soziale Arbeit als Aufgabe der jüdischen Jugend Die jüdische Jugend ist ia Bewegung: sie sucht Wege, die cs ihr ermöglichen sollen, ihr Leben in den Dienst der jüdischen Sache zu stellen. Heute befindet sie sich in einer ganz, besonderen Lage: hinter vielen jüdischen jungen Menschen liegen vier Jahre Krieg, Jahre des Zwanges, die sie nicht zum Wirken kommen ließen. Um so größer ist die Sehnsucht dieser jungen Menschen, jetzt, wo sic frei sind, ihre Kraft ganz «in■ zusetzen, jüdisch zu arbeiten. — Die Kriegsjahre sind von gewaltigem Einfluß auf 1ms jüdische junge Men sehen gewesen. Wir haben vieles gelernt, fremde Län• der gesehen, und sind mit Menschen ln die engste Berührung gekommen, denen wir sonst mehr oder weniger lern geblieben wären. Viele von uns sind in» Osten mit Juden zusammengekommen, und das Be wußtscin ihres Volkstums wurde in ihnen wach. Viele, die heute in unseren Reihen stehen, standen vor dem Kriege der!» Judentum fremd gegenüber; jetzt hat äußeres und inneres Erleben sie zu ihrem Volk zurück geführt. Wir, die national-jüdische Jugend, haben um gewandelt in diesen vier Jahren. Zugleich aber ist die Lage des gesamten Judentums von Grund auf eine andere geworden. Schien vor dem Kriege die Erfüllung zionistischer Hoffnungen noch in weiter Ferne zu liegen, so darf man jetzt glauben, daß wenigstens die äußeren Voraussetzungen für ein neues jüdisches Volksleben in kurzem geschallen sein werden. So stehen wir jildi• sehe junge Menschen vor ganz neuen Aufgaben: wir selbst sind andere geworden, und die Welt, in der wir leben, hat siel! geändert. Es gilt für uns, unser Leben neu zu gestalten. Wir, die wir nicht mehr die Alten sind, können die alten Wege nicht mehr gehen; wir müssen neue finden, um zu unserem Ziel zu gelangen: volle und ganze Menschen zu werden und mitzuarheiten an den großen Aufgaben des Volkes und der Menschheit. Wir wollen arbeiten und begnügen uns nicht damit, in Vereinen zusanunermikomnieii und zu diskutieren. Welche Möglichkeiten zu arbeiten gibt es für uns? Die zionistische Organisation verlangt von uns technischorganisatorische Leistung, tätiges Werben für die Sache Wir können Hebräisch treiben, uns mit Palästinakunde beschäftigen und uns so vorberciten für das Leben in Palästina. Und doch mag es manche unter uns geben — und es sind sicher nicht die Schlechtesten — denen diese Arbeit nicht genügt. Das Lernen allein kann uns junge Menschen nicht befriedigen. Hebräisch und Palästinakunde können uns nicht ganz erfüllen. Wir suchen etwas, was den ganzen Menschen ergreif!, mitreißt, was ihn nicht nur für Stunden beschäftigt, sondern was volles Sich-Hiugcbcu verlangt. Jüdisch leben, das ist es, was wir wollen. Alle geistigen, alle menschlichen Kräfte in uns sollen, frei werden und sich diesen» Leben zuwenden, damit wir so das «rlangen, was wir jungen Menschen uns vor allem für unser Leben wünschen: Einheitlichkeit; die eine Uidi tung, die alle Gebiete unseres Lebens bestimmt. Und Er wird cs sogar bekämpfen, wo es diesem letzteren im Wege steht." Wie diese Gedanken auf alle Gebiete der jüdischen Frage angeweodet werden, muß hier, soll ich nicht für eine Bucliltcspreclmng zu weitläufig werden, die Aufzjhhing von ein paar Aulsatzartikcln lehren: ״Verwaltung“, ״Unsere Stellung zum Jiddischen“, ״Weitere Horizonte“, ״Bemerkungen zur arabischen Frage“, . Die wahre Autonomie“, ״Eint Auseinandersetzung mit der Religion". Mit dem letzten Aufsatze: ״Die Heiligung des Namens“ kehrt Hugo Bergmann wieder zu den Grundlagen seiner Gcdankengänge zurück. Die Art dieser Rückkehr wird aber dadurch besonders wichtig, daß er hier uns zeigt, wie die Lösung ״Unser Menschcntnm ist unser Judentum" durchaus nicht im Gegensatz zu unserer Ucbcrlicferung steht wenn wir sie lebendig aulfassen. Ja wir sehen, daß diese Ucbcrlicferung geradezu nur bei der erwähnten Auffassung uns wieder lebendig werden kann. Es gibt heute ungemein viele, denen Hugo Bergmanns Buch eine Klärung ihrer eigenen zionistischen Ent- Wicklung bedeuten wird. Noch wichtiger wäre es aber, wenn diejenigen, welche der entgegengesetzten Ansicht sind, das Buch nicht nur Läsen, sondern sich auch damit auscinamlcrsctztcn. Die in Hugo Bergmanns ״Jawnc und Jerusalem“ vertretene Auffassung vom Zionismus und vom Judentum geht den ganzen Zionismus und das ganze Judentum an. Dr. Oskar Epstein. ln Wien erscheint ab 1. März eine neue jüdische Halbmonatsschrift ,Jüdische Jugendblättcr“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, unter möglichster Ausschalhing von Theorien die Jugend mit dem Wesen der jüdischen Realität vertraut zu machen. Die Zeitschrift wird vom Zentralverband der Jüdischen Jugendgruppen Deutsch-Oesterreichs (Vorsitzender Dr. Siegfried BernfeId) herausgegeben. Hauptschriftleitcr ist Heinrieh Margul 1 es. Die erste Niunmcr enthält Aufsätzc von Adolf Boehm. Heinrich M.argulies, Robert Weiß, Frida Schiff, sowie Palästina‘ und andere Notizen.

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