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Jüdische Rundschau · 1919-02-25 · Heft 15 (25.2.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 15 (25.2.1919)
Date
1919-02-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 112 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. 15 Ich kann diese Befürchtungen nicht teilen. Ich leugne nicht, daß in einigen Ländern, obwohl Gleichheit vor dem Gesetz herrscht, die! Juden noch immer mit einem gewissen Grade von Mißtrauen angesehen werden. Aber dieses Mißtrauen, wo immer es besteht, hat nichts mit dem Zionismus zu tun und wird durch den Zionismus auch nicht verschärft. Gerade entgegengesetzte Tendenzen sollten sich zeigen. Alles, was den nationalen und internationalen Charakter der Juden dem anderer Völker assimiliert, sollte den letzten Rest alter Abneigung beseitigen, und augenscheinlich könnte eine solche Assimilation gefördert werden durch das, was alle anderen Nationen besitzen : eine! Wohnung und eine nationale Heimstätte. Unter diesem Gesichtspunkt brauche ich wobt nichts weiter über das Thema zu sagen. Che Zukunfl des Zionismus beruht auf tieferen als diesen Zusammenhängen. Daß er die jüdische Fragen lösen wird, wage ich nicht zu hoffen, aber daß er beitragen wird, jene gegenseitige Sympathie und das Verständnis zu fördern, das die einzige sichere Grundlage der Toleranz bildet, glaube ich fest. Ich meine, wenige der Leser des Herrn Sokolow, ob Juden oder Christen, werden von der Lektüre der eindrucksvollen Geschichte, die er so erschöpfend und so gut erzählt, aufstehen, ohne zu fühlen, daß der Charakter des Zionismus sich von der üblichen Philanthropie unterscheidet und andere Quellen berührt, Wenn er gelingt, so ward er für die Juden eine große geistige und praktische Aufgabe erfüllen und nicht nur für sie allein. Denn wie ich seine Bedeutung verstehe, ist er unter anderem ein ernstliches Bemühen, das jahrbundertelange Elend zu lindern, das der Zivilisation des Westens daraus entsprungen ist, daß es in ihrem Kreise ein Element gibt, das sie allzulange als fremdartig und sogar feindlich betrachtet hat und das sie doch nicht imstande war auszustoßen oder zu absorbieren. Schon um dieses, wenn nicht um anderer Gründe willen sollte er unsere Unter- Stützung erfahren. Freitag, den 20. September 1018. Arthur James B a 1 f o u r. General AUenby Aber die jüdische Arbeit In Palästina Anläßlich eines Banketts, das die Jaffaer jüdische Bevölkerung zu Ehren des General Allenby veranstaltet hat, hielt General AUenby nach einer feierlichen Begrüßungsansprache des Bürgermeisters, Herrn Dizens goff, eine Ansprache, in der er, wie das ״Jüdische Preßbüro“ in Stockholm berichtet, folgendes aus führte: ״Ich bin voller Bewunderung für die Leistungen und Arbeiten der Juden in Palästina. Ich habe fast alle Kolonien inspiziert und habe die Städte Palästinas gut kennen gelernt; überall konnte ich die fleißige jüdische Arbeit bewundern. Ich sagte mir dabei: wenn die Juden dies alles unter dem erdrückenden Regime der Türken vollbringen konnten, eine wie hohe Stufe von Fortschritt und Kultur werden sie erst erreichen, wenn sie sich in ihrer nationalen Heimstätte frei entwickeln und betätigen können! ln diesem Sinne begrüße ich die jüdische Zukunft in diesem Lande.“ Diese Aeußerung hat um so größere Bedeutung, als General Allenby, wie bereits in der ״Jüdischen Rundschau“ mitgeteilt, nach englischen Nachrichten zuin Gouverneur von Palästina ausersehen ist. Die englischen Jaden zur Palästinafrage Ein Londoner Telegramm des ,״J ü d i s c h e n Korrespon de n / - B ü ros“ im Ha ag vom 18. Febr. meldet: ״Das ״Joint Foreign Committee" des ״Board o f D e p u t i e s“ und der ״A 11 g 1 o J e vv i s h Association“, ■das aus Vertretern dieser beiden Körperschaften besteht, und die Behandlung der auswärtigen jüdischen Angelegenheiten bezweckt, erklärte seine Zustimmung zur Balfour-Erklärung, vorausgesetzt, daß diese Regelung nicht mit sich bringt, daß die Juden eine separate politische Nationalität über die ganze Welt konstituieren. Das Komitee empfiehlt folgende Punkte für die Friedenskonferenz: 1. Die Oberhoheit über Palästina wird Großbritannien übergeben, mit dem Mandat, die Erklärung vc/m 2. November 1917 auszuführen. 2. Die Grenzen des neuen Palästina müssen in der Weise festgesetzt werden, daß Raum und günstige Bedingungen für eine jüdische Massensicdlung geboten werden. Die Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschäften werden entsprechend gewahrt werden. 3. Die politische, ökonomische und kulturelle Organisation des Landes soll derart sein, (laß sie den Zuwachs der Jüdischen Bevölkerung und deren Selbstverwaltung erleichtert, und gegebenenfalls das Vorwitzen des jüdischen Einflusses in der Verwaltung des Landes hn Einklang|e mit den demokratischen Prinzipien jpt Auge hat. 4. Di(e gesalnte Bevölkerung Palästinas wird vor dem Gesetze religiöse Gleichberechtigung genießen. 5. Dip hebräische Sprache wird als offizielle Sprache der jüdischen Bevölkerung anerkannt und gebraucht. 6. Der Sabbath und die jüdischen Festtage werden als gesetzliche Ruhetage für die Juden anerkannt. Die Juden, die diese beachten, können nicht gezwungen werden, sich an Feiertagen anderer religiöser Gemeinschäften, der Arbeit zu enthalten. 7. Die zentrale Autorität der jüdischen Bevölkerung Palästinas erhält das Recht, ein Erziehungssystetn für die Juden Palästinas, mit Hebräisch als Unterrichts-!spräche, ein- und durchzufüihren, wobei Schulen, die keine staatliche Unterstützung genießen, diesem System nicht ■unterliegen. : 8. Die Kontrolle der jüdischen heiligen Orte wird den Juden überlassen, im gleichen Maße wie die der heiligen Stätten der Christen und Mohammedaner den resp. religiösen Gern eins chaften überlassen werden. Sir Stuart Salnuel und Lord Rothschild wurden für den Board of Deputies, Claude Montef i o r e und Lord S w a y 1111 i n g für die Anglo Jewisb Association als Delegierte zur Friedenskonferenz eruannt. Zürn Zwecke der Zusammenarbeit aller jüdischen Delegationen zur Friedenskonferenz (Zionisten inbegriffen) ist in Paris ein Zentralbüro eröffnet worden.“ Von der theoretischen Einschränkung des einleitenden Satzes abgesehen, bedeutet dieses Programm in allen sachlichen Punkten die Zustimmung der englischen ״V. J. O. D.“ zu den zionistischen Palästinaforderimgen. Die ״Zionist Review“ zur Londoner Zionistenkonferenz־ ״Der wahre Zionistenkongreß in Jerus a I c m.“ Die Februarnummer der ״Zionist R e v i e w", des offiziellen Organs der ״Englis h Zionist Feder a - t i o 11“, bringt über die Londoner Zionistenkonferenz eine kurze Notiz, die mit folgenden Worten schließt: ״Die Konferenz soll nicht die Bedeutung eines Konsojqrf .1,11,1רf jauia •innmpu p.11A\ 31s : u,>qc11 sassajß konferenzen gleichen, die in den Jahren, in denen es nicht möglich war, einen Kongreß abzuhalten, einberufen wurden. Der wirkliche, vollständige Kongreß wird vermutlich, sobald wie möglich in Jerusalem veranstaltet werden; er wird die Vertretung der Zionisten aller Länder darstellen“ Protest Amsterdamer Gesetzestreuer gegen die Züricher Konferenz der Orthodoxen Auf ■den 18. Februar ist von dem Hauptbüro der ״Agudas Jisroel“ nach Zürich eine internationale Konferenz von orthodoxen Organisationen einberufen worden, deren Zweck sein soll, die Gesamtinteressen des Judentums im Geiste der Thauroh zu behandeln und im Namen des orthodoxen Judentums zu formulieren und zu verteidigen. Die Unterzeichneten sprechen ihre scharfe Mißb i 11 i g u n g darüber aus, daß die erwähnte Organisation es für passend gehalten hat, ein solches Thema zur öffentlichen Besprechung auf die Tagesordnung zu stellen und dabei absichtlich unter Ausschluß von breiten Gruppen, nur bestimmte Gliederungen des orthodoxen Judentums einzuladen. Die Unterzeichneten betonen, daß eine solche Handlungsweise dort, wo über Probleme beratschlagt wird, welche das ganze jüdische Volk angehen, gegen die Forderungen der jüdischen Tradition verstößt, und konstatieren im voraus, daß — wenn dieses Unrecht nicht noch rechtzeitig wieder gutgemacht wird— diese Konferenz nicht das Recht haben wird, namens des orthodoxen Judentums zu sprechen, zu beschließen oder zu handeln, oder auf irgendwelche Anerkennung Anspruch zu erheben. Rabbiner Ph. Coppc nhage n, Dajan des Amsterdamer Rabbinats; Rabbiner A. Ass eher, Dajan des Amsterdamer Rabbinats; Rabbi L. Dünner, Mord, Oberlehrer am Rabbiner-Seminar Amsterdam; Rabbi 1. de Jongh, Mord, Herzogenbusch; Rabbi J. B. Ri• cardo, More, Amsterdam; Rabbi Dr. J. Engel, More, Direktor der Tachkemonischulc, Jaffa; Rabbiner S. Ph. de V r i c s, Haarlem; A. Fr a n k, Darschan, Amsterdam; Dr. H. Pinkhof, Amsterdam, und Dr. J. Wolff, Haarlem, Mitglieder des Pcrmanenzausscliusses für die Verwaltung der israelitischen Kirchengemeinsehaft in den Niederlanden; L. de Beer, Präsident des holländischen Misrachi; E. As sc her, Ezn., mi13rad1istisdre9 Mitglied des Bundesvorstandes des Zionistenbundes in Holland. Die amerikanisch-jüdische Lebensmittel• kommission für Polen Das ״Jüdische Preßbüro“ in Stockholm meldet: ״Eine amerikanisch-jüdische Kommission, bestehend aus den Herren Isidor Hirschfeld vom ״American Jewish Committee“, 'Barnett Horovich vom ״Central Relief Committee“ und Baruch Zucker mann vom ״People Relief Committee“, die gemeinsam ,vom ״,Joint Distribution Committee“ entsandt wurden, sind in Kopenhagen eingetroffen und reisen jetzt nach Danzig und Warschau weiter. Der Kommission gehört auch Dr. Boris B o g e n an, welcher der Hoover- Kommission, der (offiziellen! Kommission der amerikanisehen Regierung, (zugeteilt ist und sich bereits in Warschau befindet. Die Kommission wird die Verteilung der ,Lebensmittel ttberwacheih die aus Amerika mit dem bereits in ׳Danzig liegenden Dampfer ״Westward Ho“ geschickt ,wurden. Der Dampfer •führt 7000 Tons Lebensmittel im Werte van 2 Millionen Dollars, wovon die Hälfte vom Jüdischen Hilfskomitee, die andere Hälfte vom polnisch amerikanischen!Nationalkomitee gedeckt wurden. Tbc Lebensmittel sind für die Stadtbevölkerung Polens und der!dem polnischen Reiche angeschlossenen Teile Oaliziens bestimmt und sollen zu gleichen Teilen unter Juden und Polen verteilt werden. Die Lebensmittel bestehen aus 100 Tons kondensierter Milch, 3500 Tons Mehl, 1000 Tons koscherem Pflanzenfett für die Juden, 1000 Tons Schweinefett für die Polen und ferner Sdrüheo für Kinder. Polniseherseits wird die Verteilung durch eine Kommission von 3 Polen, die aus Paris eintreffen, überwacht. Das ״Joint Distribution Committee“ hat für die Sendung330000‘ ׳ Dollar vorgeschossen, die zurück erstattet werden sollen, wenn der Kongreß die von Hoover und Wilson verlangte Unterstützung für Polen in Höhe von 100 Millionen Dollars bewilligt. Die jüdische Kommission beabsichtigt 2 Monate in Polen zu bleiben. Sie ist beauftragt, die Lage der Juden zu studieren, namentlich die Frage des Hilfswerks in Polen und Ga 1 i zi en. Vielleicht wird die Kommission sieh zu ■diesem Zwecke auch nach Litauen und der Ukraine begeben. Nach ihrer Rückkehr bleibt die Kommission in Holland. Sie wird dort mit neuen weiteren Vertretern des ״Joint Distribution Committee“, van denen je drei den erwähnten jüdischen Hilfskomitees angehören, eine Zentrale für das gesamte jüdische Hilfswerk bilden, und zwar sowohl für unmittelbare Hilfsaktionen, als auch für den Wiederaufbau in allen Kriegsgebieten und in Palästina. Die Pogromweile in der Ukraine Trotz des Befehles der ukrainischen Regierung an die untergeordneten Stellen, mit aller Energie gegen die Pogrome einzuschreiten, ist von einem Abnehmen der Pogrombewegung in der Ukraine nichts zu merken. Im Gegenteil, die Zahl der Pogrome ist in unaufhörlichem Wachsen. Allerdings hat das Direktorium der irkrainisehen Volksrepublik am 13. Januar den Beschluß gefaßt, für die Pogrombeschädigten in der Ukraine fünf Millionen Rubel zur Verfügung zu Stellen. Für die Pogromopfer in jekaterinoslaw hatte die Regierung bereits früher zwei Millionen Rubel gespendet. Auch hat der Minister für jüdische Angelegenheiten beim Direktorium der ukrainischen Volksrepublik, Herr Rewutzki, einem Mitarbeiter der Kiewer Zeitung ״Nasch Put“ gegenüber erklärt, daß er unmittelbar nach seiner Ernennung energische Schritte gegen die Pogrome unternommen habe, und daß die Regierung beschlossen habe, besondere Untersuchungskommissionen, die von Vertretern verschiedener Reichsämter und jüdischer Organisationen gebildet werden, nach Berditschew und Schitomir zu senden, doch besitzt die Regierung hn Augenblick nicht die Mittel, der Pogromhelden Herr zu werden. In Lemtschew, Pilstin, Bo brinskaja, Smila, Olewsk, Tschernichow, Owrutsch, Parlograd und Jekaterinoslaw haben gemäß Meldungen der Kiewer ״Neuen Zeit“ furchtbare Pogrome stattgefunden, die an Brutalität und Grauenhaftigkeit hinter den polnischen Pogromen nidft zurückstehen. Die Anstifter und Plünderer setzten sich aus der verwilderten Soldateska, Offizieren und Soldaten, zusammen. Sicheren Nachrichten zufolge sollen auch in Stryj in Galizien die Ukrainer fürchterlich hausen. Alle Proteste des Jüdischen Nationalrats bleiben wirkutigslos. Nähere Einzelheiten! über die Pogrome bringt das ״jüdische Preßbüro“ ln Stockholm: In Lekutschow, Im Gouvernement Podoliert, herrschten die militärischen Banden volle sieben Tage unter Rauben, Schänden und Plündern. Auf der Station Bob runskaja wurden durchreisende Juden aus den Wagen geschleppt, mißhandelt oder getötet. Die jlcBsche Gemeinde in S m i e 11 a hat an einem Tage zehn ermordete durchreisende Juden beerdigt. In Tschernige w dauerte der Pogrom drei Tage. In der Nähe von Ow rutsch hat man 10 Juden erhängt, andere brachte tiAu nach der Synagoge, bedrohte sie mit dem Tode und entließ sie erst wieder nach großen Erpressungen. Unter den Todesopfern in Owrutsch befinden sich der 94 Jahre alte Wechsler, Fried mann, M. Schermann, deSsen Sohn, sowie A. R o s e n s t e i n. ln I'sskorochot hat eine Militärabteilung d’e jüdische Gemeinde verurteilt, Jeden Freitag den Betrag von fünftausend Rubel zu entrichten. Furchtbare Einzelheiten berichtet die Zeitung ״Wolga“ über den Pogrom in Pawlograd. Nachdem am 24. Dezember die republikanische Militärabteitung die Stadt erobert hatte, mußten die Bolschewik! flüchten. Als später die republikanische Abteilung gezwungen wurde, die Stadt zu räumen, besetzten die Bolschewik! sie nicht gleich wieder. Diese Zwischenzeit benutzten bewaffnete Banden, um unter den Juden in der Stadt ein fürchterliches Blutbad anzurichten. Auch in Pil schtin, Gouv. Podolien, und in Sa rni, in der Nähe von Kiew, kam es zu blutigen Ausschreitungen gegen die Juden. Herr Rewutzki meint, daß, soweit es von der Regierung abhängt, die jüdische Bevölkerung »n Zukunft auf energischen Schutz rechnen dürfe. Im übrigen erklärte der Minister: ״Die Regierung hat die Absicht, in der nächsten Zukunft sowohl auf sozialem als auch auf kulturellem Gebiete eine große Tätigkeit zu entfalten. Eine weitverzweigte Regierung«- Organisation «111 der Bevölkerung in sozialen wie in sanitären. Fragen zur Verfügung stehen, ebenso soll die Regulierung der Flüchtlingsfrage bald im günstigen Sinne erledigt werden.“

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