Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 14 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m Seite 108 J U E DI SC H E RUNDSCHAU Nr. 14 Wir werden dann nicht verfehlen, Ihnen auf schnellstem Wege Kenntnis fcu geben, von den hier gefaßten Entschlüssen und begrüßen Sie inzwischen in büdrerlicher Oesinnung Mit ausgezeichneter Hochachtung gez. fsaac Rham Dr. Lewenstein. Aktuar. * .An die Schweizerische Berlin, den 8. Februar 1919. Landesorganisation der Agudas Jisroel Zürich (Schweiz). Sehr geehrte Herren! Den Empfang Ihres werten Schreibens vom 30. Januar bestätigend, geben wir unserer Genugtuung darüber Ausdruck, daß Sic unserem Vorschläge, eine gemeinsame Kommission zur Beratung über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit einzusetzen, Ihre Zustirn mutig geben. Wir können aber nicht verfehlen, unserem Befremden darüber Ausdruck zu geben, daß Sie es für richtig gefunden haben, bei einer ״Weltkonferenz“ der gesetzestreuen Verbände den Misrachi, der jetzt bereits mehr als 100000 organisierte Anhänger umfaßt, unter dem deutlichen Hinweis darauf, daß er abhängig sei, auszuschalten. Die Verantwortung für die sich aus diesem Vorgehen ergebenden Konsequenzen müssen wir voll und ganz Ihnen überlassen. Wir können unmöglieh annehinen.. daß die Konferenz in dieser Beziehung den Standpunkt der Einberufer teilen wird, wenn anders sie wirklich den Anspruch erheben sollte, eine Vertretung der gesetzestreuen Juden zu sein. Mit brüderlichem Gruß ergebenst Zionistische Föderation Misrachi, Centralbüro gez. Hermann Struck. Es ist in ,der Tat außerordentlich sonderbar, daß die Orthodoxie eine Tagung veranstaltet, zu der samtliehe orthodoxen Gruppen önit alleiniger Ausnahme des Misrachi hinzugezogen werden. 1Daß der Misrachi zur zionistischen Weltorganisation gehört, ist richtig; aber er ist eine 1durchaus! orthodoxe Organisation und hat seinen, orthodoxen Standpunkt innerhalb wie außerhalb des Zionismus stets zur Geltung zu bringen gesucht. Wenn die Orthodoxie den ehrlichen Wunsch hat, mit dem Zionismus zu einer Verständigung zu kommen, so durfte sie nicht zulassen, daß ein an Zahl und Bedeutung so starker Verband wie Uer Misrachi von der Züricher Tagung deshalb ausgeschlossen wurde, weil der Misrachi zionistisch ist. Hier kommt die krasse Gegnerschaft der Orthodoxie gegen den Zionismus, d. h. gegen die Idee der ■nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes, unverhüllt zum Ausdruck. Denn nicht einmal der rein orthodoxe Standpunkt der Misrachisten konnte diese davor schützen, Um ihres Zionismus willen von der Agudas Jisroel in solcher Weise behandelt zu werden. Dieses Verhalten der Agudas Jisroel hat, wie aus zahlreichen Berichten hervorgeht, überall und insbe- :v adere in Osteuropa Befremden und Entrüstung her- Die Vorlesungen an der Freien J&dischen Volkshochschule in Berlin Wie bereits in Nr. 13 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 19. Februar mitgeteilt, wird am 23. Febr. in Berlin die ״Freie JüdischeVolkshochschule“ eröffnet. Die Hochschule, die von allen jüdischen Parteien und Richtungen errichtet worden ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, in streng sachlicher, Wissenschaftlicher Weise einem breiteren jüdischen Publikum Wissen von Juden und Judentum zu vermitteln. Vielen, die den Weg zu ihrem Volk zurücksuchten, ist jetzt die Möglichkeit geboten, sich über seine Geschichte, seine Geistes- und Kulturprodukte zu informieren, viele, denen der Begriff Palästina bisher nur unbestimmte Vorstellungen auslöste, finden hier die Gelegenheit, sich ein klares Bild über das Land zu machen. Die Anregungen, die von der Freien Jüdischen Volkshochschule ausgehen, werden groß sein; mit ihr hat das jüdisch-nationale Leben in Berlin einen bedeutenden Faktor gewonnen. Nachstehend sei das Vorlesungsverzeichnis wiedergegeben: Dr. Baeck: ״Judentum und Christentum.“ Leibniz- Oberrealschule, Schillerstr. 103 107. Dr. Bergmann: ״Judentum und Griechentum.“ Leipniz-Oberrealschule. Dr. Be rn f eld: ״Geschichte der neuen hebräischen Literatur.“ Leipniz-Oberrealschule. Dr. Bleichrode: ״Misdina-Lektüre für Anfänger.“ Bürohaus Börse. Dr. Cohn-Wien er: ״Jüdische Künstler im 19. Jahrhundert und der Gegenwart.“ Logenhaus, Kleiststr. 10. Dr. Gutmann: ״Der religiöse Gehalt der Bibel.“ Rosenstr. 2-4, Gemeindehaus. Dr. Hirschfeld: ״Die Trennung von Kirche und Staat.“ Lehranstalt, Artilleriestr. 14. Dr. Kellermann: ״Geschichte der jüdischen Religions-Philosophie.“ Logenhaus. Dr. Lewy: ״Das jüdische Religionsgesetz.“ Heiligegeiststr. 52. E. M. Lipschütz: ״Chassidismus.“ Leibniz-Oberrealschule. Prof. Dr. Loewe: ״Allgemeine jüdische Volkskunde.“ (1. Semitische Rasse. 2. Mischung. 3. Typus und Habitus. 4. Echte und unechte Juden. 5. Verbrei tung und Statistik. 6. Sprachgeschichte. 7. Sitten und Gebräuche. 8. Kultur, Glaube und Aberglaube. 9, Namen. 10. Volkserzählungen, Volkslieder, Humor, Sprüche.) Logenhaus. Dr. Loewe nthal: ״Dichtungen Jehuda Halevis; mit Lektüre.“ Rosenstraße. Dr. Meisl: ״Kulturbestrebungen der Juden in Rußland und Polen.“ Leibniz-Oberrealschule, Dr. Rose nthal: ״Der Talmud.“ Lehranstalt. Dr. Strauß: ״Zionismus.“ (1. Tatsachen; Juden der Gegenwart, Zion, Organisation, Palästina. 2.-3, Führer: Herzl, Achad-Haam. 4.-6. Ursachen und Ziele: a) wirtschaftliche, b) politische, c) religiöse, d) national-kulturelle.) Logenhaus. Davis T riet sch: ״Palästina.“ (1. Die allgemeinen und jüdischen Voraussetzungen. 2. Land. 3. Ein■ wohner. 4. Einwanderung und Kolonisation. 5. Land- Wirtschaft. 6. Handel, Industrie, Verkehr. Jüdische Möglichkeiten.) Logenhaus, 2)ie Kolonisation Bes Jüdischen J/ational/onds beruht auf der Selbstbesteuerung! Dr. Tykocinski: ״Jüdische Geschichte des Mittelalters in Deutschland und Frankreich.“ Leibniz-Oberrealschule. Dr. Warschauer: ״Einführung in die Bibel.“ Lehranstalt, Frau Wronsky: ״Aufgaben der jüdischen Wohlfahrtspflege.“ Logenhaus. Das Büro der ״Freien Jüdischen Volkshochschule“ befindet sich Berlin, Belleallianceplatz 3, part. (Telephon: Moritzplatz 9961). Jüdische Jugend und jüdische Religion Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Warschauer. Im Kaisersaal des Rheingold sprach am 15. Febr. Herr Rabbiner Dr. Warschauer auf Veranlassung des ״Arbeitsausschusses der nationaljüdischen Jugendvereine“ Berlins über das Thema ״Jüdische Jugend und jüdische Religion“. Der Vortragende ging von der religiösen Lage der Gegenwart überhaupt aus. Es könne den Anschein haben, als ob der Krieg eine starke Erschütterung der Religiositat in weiten Kreisen mit sich gebracht habe, doch seien starke Gegenkräfte gerade in dem Krieg entstanden, die zu einer Steigerung und Läuterung der Religion drängen. Schon vor dem Kreige seien in der allgemeinen, geistigen Entwicklung Anzeichen der erhöhten Bedeutung der religiösen Atomente hervorgetreten, die Verinnerlichung des Menschen, die im religiösen Schöpferdrang gipfelte, sei in vielen Erscheinungen sichtbar geworden, wie in der beherrschenden Stellung des Idealismus in der Philosophie, die auf die metaphysische Leistung Kants zurückgeht, und ihre stärkste, von ganz Europa vernommene Stimme in dem in Paris lebenden Philosophen Bergson, der j ü - d i s < h e r Abstammung ist, gefunden hat. Diese Tendenz hätte der Krieg nicht ohne weiteres abschneiden können. Im Gegenteil, seine Einwirkung auf unser Geistesleben scheine eine starke Religiosität hervorzurufen. Dieses ungeheure Erlebnis, das Gesamterlebnis fast der ganzen Menschheit, scheine selbst in seinen zunächst verheerenden Folgeerscheinungen wie im Bolschewismus zu einen Streben zu führen, das über den scheinbaren Nutzen des Tages zu überpersönlichen Zielen hinlangt. Der Krieg gleiche einem Zyklopen, der der Welt Riesensteine in den Weg geroilt hat; doch es scheint die Hoffnung begründet, daß die Menschheit Genies erzeugen werde, die daraus einen Bau errichten werden. ״Wie steht die Jugend nun diesen religiösen Kräften, denen das Zeitalter Raum gibt, gegenüber?“ Man müsse den Pädagogen recht geben, die sagen, das Religion im Grunde nicht lehrbar sei, nicht wie Erkenntnisse des Verstandes von einem Menschen an den anderen übertragen werden können. Religion sei kein Wissen, sondern ein Erleben und inneres Leben. Religion sei Erlösungssehnsucht und Erlösungsgewißheit, ein Suche! nach Gott und ein Suchen Gottes, ein Sehnen übet die Erde und den Menschen, über sich selbst hinaus und eine Gewißheit, von der wahrhaft religiöse Mensche« nur mit tiefster Ergriffenheit reden können, als yo« ihrem höchsten Gut. Die jüdische Religion schein« unter allen Religionen des modernen Menschen diejenige zu sein, die die größte Freiheit des Glaubens und Denkens in sich schließt. ״Ich behaupte nicht," führt( der Redner aus, ״daß das Judentum das letzte Wort der religiösen Entwicklung wäre, daß es nicht denkbar wäre, über die religiöse Wahrheit auch des Judentums hinauszuschreiten, aber ich glaube, daß die Aufwärtsentwicklung am ehesten im Rahmen des Judentums möglich ist.“ Denjenigen, die glauben, daß das Juden• tum sich erschöpfe im nationalen Zusammengehörig keitsgefühl, sei gerade ein Anhänger des Nationaljuden• tums berufen, folgendes zu sagen: ״In der jüdische« Bewegung suchen wir letzten Endes uns selbst. Wir wollen wieder ganz sein, Juden sein im Sinne des Geistes, der seit Jahrtausenden in unserem Volk kbt, Aber das Kennzeichen dieses jüdischen Geistes, die weltgeschichtliche Leistung des Judentums, ist die Reli• gion. Die Juden sind das Volk der Religion. Der Jude ist ein Doppelwesen, er gehört einmal zu seinem Volk und das andere Mal, oder genauer gesagt, zu gleicher Zeit, zu seiner Religion. Die Leistungen der Juden, so erheblich auf anderen Gebieten sie im «in• zelnen auch sein mögen, sie sind für die Struktur des Gesamtgeistes nebensächlich, sie treten im eigenen Volks• bewußtsein oder im Bewußtsein der Welt vor der einen großen, freien Schaffung des jüdischen Volkes, vor der Religion, zurück. Das tiefste Geheimnis der Erhaltung Israels, seines unvergleichlichen Märtyrertums im Mittel• alter, ist der Gedanke an den Messias, die Hoffnung auf seine Erlösung, auf die nationale Zukunft. Wer die Seele des jüdischen Volkes suchen will, kann nicht Vorbeigehen an unserer Religion. Unser Kampf, der zum guten Teil, nicht nur notgedrungen, ein geistiger gewesen ist, hatte doch das Ziel: ,wir wollen nicht bloß Juden sein mit dem Körper, sondern mit der Seck, unserer ganzen Seele‘. Die Religion hat durch Jahr hunderte der Vertreibung unser Judentum erhalten, wir dürfen auch heute nicht, im Augenblick hoher, berechtigter Hoffnungen, vergessen, daß für die Gegenwart und für eine erhebliche Folgezeit die Synagoge uns das sicherste Besitztum des Einheitsbewußtseins bleibt, so lange, bis das jüdische Kulturzentrum in Palästina ent standen ist. So sind wir als Juden, als jüdische Jugend verpflichtet, durch Beschäftigung mit hebräischer Sprache und Geschichte, durch Hineinwachsen in die jüdische Lebensform der Synagoge, durch Hineinleben in die religiösen Schöpfungen der jüdischen Seele uns und unseren Kindern das jüdische Bewußtsein zu erhalten. Gerade Ihr, die Ihr die Seele des Volkes sucht, kommt zu unserer Religion, hier findet Ihr sie. Werdet, •was der Prophet als seinen höchsten Ruhm erstrebte, ein Streiter für Gott und ein Ringer um Gott:“ Breslauer Brief Das jüdische Leben Breslaus steht seit Beginn der Revolution unter dem Zeichen der öffentlichen Vor träge und Versammlungen. Die ״Breslauer Zio tiistische Vereinigung“ begann mit der Goldmann-Barth-Versammlung, über die schon berichtet werden ist. Der Erfolg dieser Versammlung war so groß, daß die Zahl unserer Mitglieder sich nahezu verdoppelt hat. Dabei darf freilich nicht außer Acht gelassen werden, daß zahlreiche Juden schon durch die Kriegserlebnisse und durch die offiziellen Aeuße rungen der Großmächte dem Zionismus zugeführt wor den sind. Jedenfalls scheint das Anwachsen der zio nistischen Bewegung, und insbesondere auch der Ver• lauf unserer Versammlung, die Gemüter der Breslauer Juden, vor allem unserer Gegner, so stark erregt zu haben, daß sowohl die Orthodoxen wie der Zen tralverein nunmehr ihrerseits an die Oeffentlich keit mit Versammlungen herantraten, deren Zweck lediglieh eine Stellungnahme zum Zionismus war. Die ״A g u d a s - J i s r 0 e 1“ ließ als Interpreten ihrer Anschauungen Herrn Rabbiner Dr. Munk auf treten. Sein Thema lautete: ״Die Zeitereignisse und die Ewigkeitsaufgaben des Judentums.“ Seine Rede befaßte sich fast ausschließlich mit dem Zionismus Mit Genugtuung durften wir hören, wie der Redner die Verdienste des Zionismus restlos anerkannte, seinen ideellen Inhalt durchaus zutreffend würdigte, und ihn sogar gegen die törichten Angriffe derer verteidigte, die von der Betonung des Völkischen immer noch eine Gefährdung unserer staatsbürgerlichen Interessen be fürchten. Gleichwohl lehnte Herr Rabbiner Dr. Munk im Namen der Orthodoxen den Anschluß an die zio nistische Bewegung ab, aber lediglich mit der Begrün düng, daß eine Reihe Zionisten öffentlich gegen das Judentum der Thora und der Ueberlieferung Stellring genommen habe. Dieser Einwand wurde in der anschließenden Aussprache durch unsere Redner R.-A. Jacobsohn und Max J. Kober mühelos \vm%r legt. Der Verlauf der Versammlung bedeutete für die zionistische Bewegung einen vollen Erfolg. Ohne Selbstbesteuerung keine großzügige Kolonisation! Nr. D der g 2000 »an 1 der A Stell«! lieh , setzun Dr. G rede mus i runge sunge öolc Herr essanl über teien nur w aus E düng« iiberz Qoldi halte! achtu marki des 1 stürm samm dagef dehnt die t 2 vom Vorti Publi dttng der I schie niste! natio bung gescl hing wirk! paläs Refei 2 für besu Begr ins j eine! durc rahn d i s ös t gab! der Tag dem m i Sem zum sch! che Nm Tag übe son Jllllllll 3 I < 1 1 *1! 9999999999999999999999999999999999999999999996 9999999999999999999999999999999999999909999999