Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 14 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Man erhebt die Forderung, die jüdisehen Offiziere zu degradieren. Die Presse behauptet natürlich, diese Pogramzustände seien die ״Stimme des Volkes“, in Wirklichkeit sind es, wie überall die reaktionären Kreise, die die Wut des Volkes von sich auf die Juden abzulenken suchen. Uebrigens sitzt weder in der Regierung, noch int Nationalrat ein einziger Jude. So sieht die Demokratie in Kroatien aus. Noch ein weiterer sehr unerfreulicher Gegner ist vorhanden: Die Assimilanten. Obwohl die Kroaten ihnen mit sehr klaren Worten und Taten bewiesen haben, daß man sie nur für Fremde hält und obwohl sie manchmal in Verlegenheit sind, ob sie sich Kroaten, Serben oder Slowenen nennen sollen, bemühen sie sich mit einer erstaunlichen Zähigheit und Primitivität zu beweisen, daß sie doch echte Südslawen sind — südslawische Staatsbürger jüdischen Glaubens. Zionistisches Leben in Frankreich In Paris fanden im Dezember zwei Massen- Versammlungen statt. Die erste im Saale der französisehen Großorientloge, die zweite im Saale Lancry. Die erste Versammlung war gelegentlich des Chanukahfestes von der Nationalfondskommission einberufen worden. Die auf ihr gesammelten Beträge sind für die Tschlenowkolonie bestimmt. Neben führenden französischen Zionisten sprachen Maurice Verne, Profcssor an der Sorbonne und Vorsitzender der ״Ligue des Amis du Sionisme“, und Mr. Herold, Vizepräsident der ״Ligue des Droits de l'Homine“, dessen Name in das Goldene Buch eingetragen wurde. Die Versammlung nahm eine Protestresolution gegen die Pogrome und eine Resolution des Dankes für die alliierten Regierungen an. Auf der zweiten Versammlung sprach M. Paul 011 e t, Vorsitzender der ״Liga für eine Gesellschaff der Nationen“ über den Völkerbund und die Juden. M. de Monzie, Abgeordneter und ehemaliger Unter- Staatssekretär der Marine, führte aus, daß Frankreich ein politisches Interesse am Zionismus habe und nicht den anderen Großmächten das alleinige Vorrecht auf die Verwirklichung seiner Wünsche überlassen dürfe. Namens der sozialistisch-armenischen Partei sprach M. David B e y dem Zionismus seine Anerkennung und seine besten Wünsche aus, worauf die Versammlung sich erhob und einen Hochruf auf Armenien anstinunte. Nach einer Reihe weiterer Reden, in denen das zionistische Problem von allen Seiten beleuchtet wurde, schloß die Versammlung mit dem Gesang der Hatikwah. Massenversammlung in Torento In Toronto fand eine zionistische Versammlung statt, an der zweitausend Personen teilnahmen. Mit Begeisterung wurde die Aussicht begrüßt, daß Palästina auf der Friedenskonferenz als Heimstätte des jüdischen Volkes anerkannt werden soll. Die Aktion der Anglo-Jewish Association Das ״Jüdische Korrespondenzbüro“ im Haag meldet: Auf einer Versammlung der Anglo-j e wish Association in, London wurde mitgeteilt, daß vom englischen Auswärtigen Amt ein Schreiben eingelaufen sei, worin mit Empfangsbestätigung des eingereichten Memorandums ■über die Lgge der Juden in Ost- und Südost-Eüropa, ,mitgeteilt wird', daß es der ״ernste Wunsch S. M. Regierung ist, den Juden in allen Ländern gleiche Rechte erteilt 2ü sehen.“ Herr Luden W o 1 f f, Sekretär des Komitees, war in P a r i s, wo demnächst eine Konferenz von voranstehenden Juden der Entente einberufen werden wird. Er hat dort auch ,Fühlung genommen mit der Alliance Israü- Ute Universelle und anderen Vertretern jüdischer Organisationen. Das Komitee nahm auch Stellung zum bekannten Manifest des Pro Causa Judaica, das vorschlägt, während der Friedensverhandlungen in Paris, einen jüdischen Weltkongreß mit dem bekannten Dreipunktenprogramm unter Anerkennung des jüdischen Volkes in der Völkerliga, abzuhalten. Es wurde festgestellt, daß das Abhalten dieses Kongresses den jüdisehen Interessen schaden könne. Die oben gemeldete Eingabe der Anglo-Jewish Association an die englische Regierung betreffend, die Lage der Juden in Ost-Europa und den neugegründeten Staaten, ist eine Version der gleichen Formel, die im Berliner Friedensvertrage von 1878 aufgenommen ist, und wurde, angeblich nach den Wünschen der osteuropäischen Juden zusammengestellt. Die neue Formel wurde durch das Joint Foreign Committee, in dem Vertreter der Anglo-Jewish Association und des Board <of Deputies sitzen, aufgestellt, und nimmt Polen als typisches Beispiel. Sie lautet: ״Allen Personen, die auf dem Territorium der polnisehen Republik geboren sind, allen Eingeborenen von Rußland, Deutschland und Oesterreich, die permanent auf diesem Territorium ansäßig sind, und die ihre erste Staatsbürgerschaft nicht beizubehalten wünschen, wird es gestattet, Staatsbürger des polnischen Staates zu werden. Alle politischen und bürgerlichen Rechte, ohne Unterschied der Sprache, des Glaubens oder der Rasse werden ihnen erteilt werden. Allen Einwohnern des polnischen Staates, sowohl Staatsbürgern wie Fremden, wird die Freiheit und die Aus- Übung ihrer Geschäfte verbürgt werden- Niemand wird in seinen Beziehungen gehindert werden, weder in der Organisation der verschiedenen Gemeinden, Glaubensgemeinschaften, oder seinen Beziehungen zu seinen geistigen Führern. Alle religiöse und kulturelle Minderheiten in Polen erlangen autonome Verwaltung ihrer Institutionen, mögen sie religiöser, erziehender, wohltätiger oder anderer Natur sein, vorausgesetzt, daß die polnische Sprache ein obligatorisches Unterrichtsfach in den Schulen wird. Unterschied der Rasse oder Religion werden nicht als Grund des Ausschlusses oder der Zurücksetzung in Fragen, wie die der öffentlichen Aemter oder Ehrenämter, Stellen an öffentlichen Schulen, Universitäten, die Ausübung der verschiedenen Berufe oder Industrien, in welcher Stadt auch, gelten. Die Untertanen und Bürger aller Staaten werden in Polen auf dem Fuße vollständiger Gleichberechtigung Kriegsbeitrag 1919. Der Geschäftsführende Ausschuss der Zio- Distischen Vereinigung für Deutschland hat auch für das Jahr 1919 die Erhebung eines Kriegsbet־ träges beschlossen. Der Mindestbeitrag ist entsprechend den höheren Ansprüchen, die an die Organisation gestellt werden, auf 10 Mk. festgesetzt worden. Wir erwarten bestimmt, daß auch in diesem Jahre alle unsere Freunde der Aufforderung des geschäftsfuhrenden Ausschusses nachkommen werden, um der Leitung so die Möglichkeit zu geben, die großen Aufgaben, die der Delegiertentag gestellt hat, auszuführen. Zionistische Vereinigung für Deutschland Finanzressort: Lichtheini. Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto Berlin 8091. ohne Unterschied der Rasse oder des Glaubens behaudelt werden. Das Komitee verlangt ferner für den Fall Polen, die ungehinderte Rückkehr der jüdischen Kriegsflüchtlinge, Aufhebung des polnischen Boykotts gegen die Juden und unter gewissen Umständen, die Erlaubnis, am Sonntag arbeiten zu dürfen, und Handel zu betreiben.“ I [ :! ׳_.«.( l51 Man vergleiche diese Formel mit den weitgehenderen Forderungen der amerikanischen Juden, welche genau den Wünschen der osteuropäischen Juden entsprechen. Da nun das Joint Foreign Committee versuchen wird, selbst zu der Friedenskonferenz diese Eingabe, die durch einige Politiker, ohne irgend welches Mandat der osteuropäischen Juden aufgestellt ist, aufzudringen, wird es immer notwendiger, daß die jüdischen Nationalräte, als gewählte Vertreter der jüdischen Massen, ihr Los selbst in Händen nehmen und ihre Forderungen der Friedenskonferenz vorlegen. Den Assimilanten muß auf jeden. Fall das Recht abgesprochen werden, im Namen der Juden Ost-Europas irgendwelche Schritte zu unternehmen. Es ist zu hoffen, daß die Besurechung der amerikanischen Delegation mit dem Joint Foreign Committee dieses zu einer Ausdehnung seines Programms bewegen wird. De jüdischen Nationalräte haben auf jeden Fall hier schleimigst zu beraten und ein gemeinsames Programm äufzustellen. Misrachi und Agudas Jisroel Zwischen der zionistischen Föderation Misrachi und der Schweizer Landesorganisation der Agudas Jisroel hat folgender Briefwechsel stattgefunden: An die Schweizerische Landesorganisation der Agudas Jisroel, Zürich (Schweiz). Wie wir anmehmen, ist bereits von der Zionistisehen Organisation m Kopenhagen die Nachricht an Sie gelangt, daß sie uns beauftragt hat, die weiteren Verhandlungen mit Ihrer Organisation von uns aus zu führen. Wir erfüllen gern die uns dadurch aufgelegte Pflicht, zu dem yon Ihnen und dem Kopenhagener Büro geführten Schriftwechsel nun unsererseits Stellung zu nehmen. Bevor wir auf den Inhalt der verschiedene« Schreiben selbst eingehen macht es uns eine ganz besondere Freude, vor allem «zwei Tatsachen zu konstatieren: Erster», daß führende Kreise der Agudas Jisroel zu dem Entschluß gekommen sind, mit der zionistischen Leitung in Verbindung zu treten, zweitens, daß die zionistische Organisation bestrebt ist, einen Weg zur gemeinsamen Arbeit zu finden, wie sie dies durch den uns gegebenen Auftrag bekundet. In Ihrem ersten Schreiber» jhaben Sie an die zionistische Leitung die Anfrage gerichtet, ob sie imstande und bereit sei, eine bindende Erklärung darüber abzugeben, daß alle Ln Palästina zu treffenden öffentlichen Einrichtungen auf dem Boden der Torah, ihrer schriftliehen und mündlichen Gesetze, geschaffen und geführt werden. Das Kopenhagener Büro hat statt einer Antwort Bezug genommen auf die früher von der zionistisehen Leitung abgegebene Erklärung, nach welcher die zionistische Organisation nichts unternehmen werde, was gegen das Religionsgesetz verstößt, hat aber im übrigen die Erteilung einer erneuten Erklärung abgelehnt, so lange nicht von den innerhalb der zionistischen Organisation organisierten gesetzestreuen oder von den orthodoxen Massen des Ostens eine dahingehende Anfrage gestellt werde. Es läge nun für uns nahe, unsererseits diese Anfrage aufzunehmen und sie an das Aktionskomitee zu richten. Wenn wir dies nicht tun, so geschieht dies darum, weil wir vom Aktionskomitee korrekterweise nur folgende Antwort erhalten können: ״Sie fragen uns an, ob wir bereit und in der Lage sind, eine religiöse Garantie zu geben. Eine Antwort, die wir Ihnen erteilen, wäre aber nutzlos, denn wir sind eine demokratische Organisation und können nicht wissen, ob die Führer von heute auch die Führer van morgen sein werden. Da wir aber eine demokratische Organisation sind, gibt es für Sie einen unbedingt sicheren Weg, Ihr Ziel zu erreichen: Veranlassen Sie möglichst zahlreiche Gesetzestreue zum Eintritt in die Zionistische Organisation und majorisieren Sie uns.“ De einzige Instanz, die bindende Erklärungen in der Zionistischen Organisation abgeben kann, ist der Kongreß. Unser Ziel muß also sein, auf den Kongreß mit derjenigen Anzahl von Delegierten zu kommen, die es uns ermöglicht, den Aufbau des Landes in dem Geiste zu beeinflussen, den wir für den wahrhaft jüdischen halten. Dazu kann uns nicht das Aktionskomitee Verhelfen, wohl aber richten wir an diejenigen der Agudas Jisroel, die noch nicht gleichzeitig unserer Organisation angehören, immer erneut die Aufforderung: ״Wenn Ihr wollt, daß Palästina nicht nur dem jüdischen Volke, sondern auch dem jüdischen Geiste wiedergehören soll, dann helft uns durch Eintritt in unsere Reihen.“ Des wollen wir vorausschicken, damit Sie verstehen, wie unsere Stellung zur Frage von religiösen Garantien seitens der Zionistischen Organisation ist. Was die Frage der praktischen Zusammenarbeit betrifft, so stehen wir grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß die zukünftige Verwaltung Palästinas, wenn e9 dem jüdischen Volke als Heimstätte gegeben wird, von einer einheitlichen Organisation beherrscht sein kann, die sich auf das gesamte jüdische Volk stützt, nicht aber von mehreren Organisationen, auch wenn diese Hand in Hand arbeiten. Daß des unsere Auffassung ist, ergibt sich ja schon aus der Tatsache, daß wir uns innerhalb der Monistischen Organisation zusammengeschlossen, und nicht neben dieselbe gestellt haben! Wir sind selbstverständlich auch unsererseits gern bereit, alle Möglichkeiten zu prüfen, jlie sich für eine gemeinschaftliche Arbeit im heiligen Lande ergeben. Wir glauben aber, daß es nicht möglich ist, die ganze Fülle der hierbei sich ergebenden Fragen im Wege des Briefwechsels zu erledige« und schlagen Ihnen daher hierdurch die Beratung im Rahmen einer Kommisston vor, für welche wir Sie bitten, würden, drei Mitglieder zu ernennen, wie wir gleichzeitig auch die Zionistische Organisation bitten werden, ihrerseits ebenfalls drei Mitglieder zu ernennen. Ueber Zeit und Ort des Zusammentritts würde sich unschwer eine Verständigung erzielen lassen. Wir erwidern Ihre freundschaftlichen Grüße und zeichnen Hochachtungsvoll Zionistische Föderation ״Misrachi“ Centralbüro gez. Herrn. Struck. * Zürich, den 30. Januar 1919. Zionistische Föderation ״Misrachi“, Zentralbüro, zu Händen des Herrn Hermann Struck, Berlin. Sehr geehrter Herr Struck! Wir empfingen Ihr sehr geehrtes Schreiben vom 20. Januar. Ohne unsererseits auf die Stellungnahme des Misrachi einerseits, der anderen gesetzestreuen Organisationen andererseits zum Zionismus vorläufig eingehen zu wollen, nehmen wir von Ihrem gefl. Vorschlag demnächst eine gemeinsame Besprechung zwischen je drei Herren der Zionistischen Organisation und unserer Organisation zu veranstalten, mit Vergnügen Kenntnis. Wir bemerken Ihnen jedoch ergebenst, daß demnächst hier in Zürich eine Besprechung der unabhängigen jüdischen Organisationen, die auf gesetzestreuem Boden stehen, stattflnden wird., Anläßlich dieser Besprechung wird bei Behandlung des Palästinaproblems auch zweifellos die Stellungnahme der Orthodoxie zum Zionismus eingehend erörtert werden, und aus den dann zu fassenden Entschlüssen wird sich unsere definitive Stellungnahme zu Ihrem Vorschlag ergeben. Zahlt den Kriegsbeitrag 1919!