Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 14 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sehe 106 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 14 Nr. Zum Tode Rosenfelds Von Leon Chasano wi tsch. Schmerzgebeugt stehen wir am Grabe eines unserer Besten. Dr, Max Rosenfeld ist nicht mehr unter den Lebenden. Auf der Reise zur Berner Sozialistenkonferenz erkrankte er in Wien plötzlich an der Grippe; in wenigen Tagen, an* 13. Februar, erlag er der heimtückischen Krankheit. Am Sonntag, den 16. Februar, wurde er zu Grabe getragen. ln Rosenfeld verliert die Poale-Zion-Bewegung einen seiner begabtesten und ergebensten Führer, verliert das jüdische Proletariat einen seiner tapfersten Vorkämpfer, verliert die Idee der jüdischen Renaissance einen ihrer hervorragendsten Vertreter, Rosenfeld, der im Alter von etwa 35 Jahren vom Tode plötzlich hingerafft worden ist, bekundete bereits als zarter Jungling ein lebhaftes Interesse für alle Fragen der Wieder• belebung des jüdischen Volkes. Als Gymnasiast schloß er sich in seiner Vaterstadt Drohobycz dem Zionismus an. Als dann die ״Poale-Zion“- Partei in Oesterreich im Entstehen begriffen war, trat er ihr bei und gehörte dann zu ihr als einer ihrer ersten Führer. Auf dem 4. Parteitag der Poale-Zion Oesterreichs im Januar 1908 hielt er ein grundlegendes Referat über die jüdischen Gemeinden und wies nach, daß die Um- Wandlung der jüdischen Kultusgemeinden in jüdische Volksgemeinden mit einer erweiterten Kompetenz in nationalen und sozialen Angelegenheiten, und ihre Zusammenfassung in einem festgefügten Verband, der eigentliche Weg zur Erlangung der jüdischen Autonomie sei. Die von den ״Poale-Zion“ aufgenommenen Gedanken Rosenfelds sind im Laufe der Zeit zu einem eisernen Bestandteil der Gedankenwelt der jüdisch-nationalen Bewegung geworden und sind heute die Losung des Tages. Als ständiger eifriger Mitarbeiter des ״Jüdischen Arbeiters“, des Zentralorgans der Poale-Zion Oesterreichs, und anderer Parteizeitschriften beleuchtete Rosenfeld mit wissenschaftlichem Ernst zahlreiche Fragen der jüdischen Oekonomie, Kultur und Politik, und der jüdisehen Arbeiterbewegung. (Audi für die ״Jüdische Rundschau“ hat Rosenfeld oft wertvolle Beiträge geliefert.) Rosenfeld betätigte sich gleichzeitig immer mit großem Eifer als Parteiorganisator. Seit 1912 war er Vorsitzender der Exekutive der ״Poale-Zion“-Partei Oesterreichs. Er gehörte auch zu den tätigsten Mitgljedem der Leitung des Weltverbandes Poale-Zion. Rosenfeld hat alle Schrecken des Krieges miteriebt, zuerst in Lemberg während der russischen Invasion, dann in P r z e m y s 1, wo er dem Militärgericht zugeteilt war, und zuletzt in der Periode der polnischen Judenpogrome. Als Anfang Oktober der Jüdische Nationalrat in Przemysl gebildet wurde, wurde er an die Spitze dieser Körperschaft gestellt. Er war auch gleichzeitig Vorsitzender der reorganisierten jüdisehen Gemeinde in Przemysl und leitete in dieser sturmbewegten Zeit die Angelegenheiten des Zentrums der galizischen Judenheit mit außerordentlicher Tatkraft, Umsicht und Selbstlosigkeit. Großen Gefahren mußte er die Stirn bieten; er mußte versuchen, die von dem tollgewordenen polnischen Kommando amgedrohten Judenmetzeleien für den Fall, daß die Juden nicht die geforderten 3 Millionen Kontribution erlegten, abzuwenden, und es gelang ihm auch schließlich mit Hilfe seiner Mitarbeiter. Dieser neue Zwischenfall dürfte die Gesundheit des sonst rüstigen Mannes am meisten untergraben haben. Inmitten der Schrecknisse und Gefahren des Krieges und der Judenverfolgungen setzte Rosenfeld seine Forschungen mit eisernem Fleiße fort, mit einem Fleiß, der nur auserlesenen Geistern eigen ist. Die Nächte gehörten dem Studium. Wir verdanken seiner Feder mehrere Schriften vom bleibenden Wert. Namentlich ist sein vor einigen Monaten erschienenes Buch ״Die polnische Judenfrage“ eine große, wissenschaftliche und zugleich politische Leistung. Wie Borochow wurde uns Rosenfeld in seiner Lebensblüte und in seiner Schaffensfreude entrissen. San Verlust ist für die ״Poa!e-Zion“-Bewegung, für das jüdische Proletariat und für das neuerwachte Judentum unersetzlich. Dr. M. Silberfarb gestorben Wie man der ״Wiener Morgen post“ aus Kiew mitteiit, verstarb dort in den letzten Tagen Dr. M. Silberfarb, der gewesene erste Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine. Der Verstorbene gehörte ׳ den ,,Vereinigten Jüdischen Sozialisten“ an. Die judenfeindliche Haltung der polnischen Arbeiterräte Bekanntlich verhalten sich die polnischen Sozialdemokraten und Arbeiter im Kampfe der polnischen Bevölkerung gegen die Juden nicht nur passiv, sondern unterstützen auch die Hetze und die Gewalttaten des in einem wahren judenfeindüchen Delirium befindlichen polnischen Volkes ganz offen. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, wenn es in den polnischen Arbeiterraten fortgesetzt zu antisemitischen Szenen kommt, sobald sich die Vertreter der jüdischen Arbeiter zum Worte melden. Als vor kurzem ein Vertreter der Poale-Zion im Arbeiterrat, Herr Lampe, die antisemitische Politik der Regierung mit scharfen Worten angriff, kam es, wie das ״Jüdische Preßbüro“ in Stockholm meldet, zu großen Tumulten. Herr Lampe wies darauf hin, daß die Regierung zwar jeden Versuch von revolutionärer Seite schonungslos unterdrücke, daß sich aber die Pogromhelden und Raubmörder von Lemberg, Chi elce und anderen Orten noch immer der ungestörten Freiheit erfreuten. Nach Erklärungen der ״Bundisten“ und ״Kommunisten“ trat ein Delegierter des ״Polnischen Bundes der professionellen Vereine“ gegen diese ״jüdische Frechheit“ auf und meinte, daß angesichts der Haltung der Juden, die in Lemberg auf polnisches Militär geschossen hätten, es unerhört sei, wegen ein paar ermordeter Juden so viel Aufhebens zu machen. In der nächsten Sitzung gelangte eine Resolution der Poale-Zion zur Verlesung, in der die Partei als Vertreter der Avantgarde des jüdischen Volkes, des Proletariat, dagegen protestiert, daß das Präsidium des Arbeiterrates eine derartig von Verleumdungen und Beleidigungen strotzende Rede ungestört zugelassen habe. Der Präsident des Arbeiterrates gab hierauf eine Entschuldigung ab. Ein noch viel schlimmerer Ausbruch des polnischen Judenhasses erfolgte in einer Sitzung des Arbeiterrates in Lodz, als der Poale-Zionist Holenderski eine Deklaration in jiddischer Sprache vorzulesen begann. Sämtliche polnischen Arbeitervertreter sprangen von ihren Sitzen und schrien ״Polnisch sprechen“, ״Fort mit der jiddischen Sprache“, ״Geht nach Palästina“ und ״Nieder mit den Juden“. Auf den Einwand Holend e r s k i s, daß im Arbeiterrat 104 jüdische Vertreter Jüdisches Arbeitsamt begründet von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin N. 24 a □ Manbijouplatz 10 ln der Provinz haben wir: mmt11ümuumy111mn111]1ma1111nn1m111111111i1H1111111nimü111u111111111»1ui1n11111n111)111111₪a Niederlassungsmdglichkeiien für Ärzte und Rechtsanwälte. Freie stellen für Oberlehrer, Zahn• techniker, Schuhmacher, Gold- und Juwelenarbeiter (Duisburg) und Lehrlingsstellen. Heist uns Stellen nach iiüiiiiiiuiuiyuiuouiiiiiiiiinnniiiiniininyiinniiiiiiniöiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiittiiiiiiiiiiyüiiiii für Handwerker, kaufmännische Angestellte, ungelernte Arbeiter, Lehrlinge und landwirtschaftliche Eleven und Arbeiter. (52 Bundisten, 58 Poale-Zionisfen und 4 Vereinigte) säßen und er schon allein dieser Mitglieder wegen das Recht hätte, sich seiner Volkssprache zu bedienen, folgte ein Sturm von beleidigenden Zurufen. Eine Ab- Stimmung über die Frage, ob die Deklaration in jidischer Sprache verlesen werden dürfe, ergab eine Ablehnung. Große Aufregung rief auch das Verhalten der Wahl- Prüfungskommission hervor. Mit allen Mitteln wird versucht, möglichst viele jüdische Mandate für ungültig zu erklären. In zahlreichen Fällen, wo die Wahlen von der Prüfungskommission zweimal als gültig anerkannt worden sind, werden neue Untersuchungen eingeleitet, um die Gültigkeit der Wahl festzustellen, eine Pedanterie, die natürlich bei polnischen Delegerten nicht angewandt wird. Aus diesen Berichten geht hervor, wie gerechtfertigt die Anschuldigungen der Poale-Zion gegen die polnischen Sozialisten auf der Berner Sozialistenkonferenz waren. Lebensrnittel und Kleidungsstücke für Polen Der Dampfer ״Westward ho!“ ist am; 26. Januar von Hoboken nach Europa abgegangen. Er trägt eine Ladung von Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken im Werte von 2 Millionen Dollars, die gemeinsam vom Fonds für jüdische Kriegs *notleidende und dem polnischen Nationalkomitee für die polnische Bevölkerung beschafft wurden. Der Dampfer soll über Falmouth nach Danzig gehen. Weitere Pogromopfer in Lemberg In einer öffentlichen Erklärung, die von dem Assimilantenführer Dr. Tobias Aschkenasy unterzeichnet war, stellt das Jüdische Rettungskomitee in Lernberg fest, daß außer den bereits bekannten Pogromopfern in Lemberg vom 22. und 23. November 1918 noch 372 Personen ernstlich verwundet wurden. Die betreffenden Fälle sind auf das genaueste in Lemberg prototoliiert. Pogrom in Wielicka Es vergeht kein Tag, daß aus den von Polen b* wohnten Ländern nicht mindestens eine Nadhridvt übe* Mißhandlung, Raub und Mord an Juden kommt. Jet« wird der ״Delegation des o s tgal i z i sc hej! jüdischen Nationalrats“ in Wien von einen! Gewährsmann aus Wielicka gemeldet, daß am 4. Febr. dort vx>!1 polnischen Rekruten ein Pogrom veranstaltet worden ist. Die jüdischen Häuser und Geschäfte wurden geplündert, die Einwohner verprügelt und mißhandelt. Elf wurden verwundet Griechische Brutalitäten gegen Jaden ‘ in Cavaila Nach Abzug der Bulgaren befiel die griechische Bevölkertmg C a v a 11 a s ein ungeheurer Siegestaumel, aus dem sich, durch geschickte Agitation geleitet, eine Hetze gegen die Juden entwickelte. Wie der in Rom erscheinenden jüdisch-nationalen Zeitschrift ״Israel“ aus Cavaila gemeldet wird, wurde behauptet, die Juden hätten die Bulgaren gegen die Griechen unterstützt. Es kam zwar nicht zu einem offenen Pogrom, doch wurden die Juden durch einen öffentlich bekannt gegebenen Befehl, dessen Urheber General Paraskcvopulos war, bei schärfster Strafandrohung gezwungen, 8 Tage lang die Straßen Cavallas, sowie die Häuser der griechischen Bevölkerung unter militärischer Aufsicht zu reinigen. Die Proteste des Deputierten Matalon und des Rabbiners Mole ho nützten zunächst nichts, erst das Einschreiten des Oberbefehls« habers Danglis in Saloniki bewirkte die Aufhebung des Befehls. ״Israel“ spricht die Hoffnung aus, daß die neue Gemeinderepräsentanz von Cavaila, in der viele nationaljüdische Vertreter seien, energisch vorgehen werde, um solche Vorkommnisse in ZukunM za verhindern. Rumänische Pogrome in der Bukowina Wie in Siebenbürgen und im Banat hausen die Rumänen jetzt in Czernowitz und in den anderen Städten der Bukowina unter den Juden. Wie das ״Prager Tageblatt“ meldet, löst ein Pogrom den anderen ab. Ehe rumänischen Soldaten haben Weisungen bekommen, die Bevölkerung nicht von Plünderungen abzuhalten. Der Bukowinaer Bevölkerung ist jede Möglichkeit genommen, vom Auslande Hilfe zu erbitten. Poale-Zion-Geiseln in Warschau Vor kurzem erschien die polnische Gendarmerie in der Wohnung des Herrn Lew, des bekannten Führers der Poale-Zion-Organisation in Warschau, um ihn zu verhaften. Da sie ihn nicht zu Hause antrafen, verhafteten sie seine beiden Brüder und erklärten, daß sie sie als Geiseln behalten würden, bis ihr Bruder sich selbst der Gendarmerie gestellt habe. Die Lage der Juden im jugoslavischen Staate Wir erhalten folgenden Bericht aus Südslavien: Nach dem Zerfall Oesterreich-Ungarn bildete sich ein neuer Staat der Serben, Kroaten und Slowenen. Jugoslawien, in dem die Juden eine äußerst wichtige wirtschaftliche Rolle spielen. In Kroatien und Slawonien wohnen fast durchwegs aschkenasische Juden, in Bosnien-Herzegowina unjdi Serbien bilden die Sepharditn die Mehrzahl. In den Alpenländern ist der Antisemitismus unter dem Einfluß des katholisehen Klerus groß, in Kroatien und Bosnien war er bisher noch unbekannt. Durch besondere Toleranz zeichneten sich die Serben ans. Bezeichnend ist folgender Aufruf c(er serbischen Heeresleitung anläßlich der Okkupation Tem;esvars, an die ״jüdischen Brüder“: ״Ihr habt durch unendliche Arbeit Wohlstand erreicht und Werte geschaffen und während sich Eure Unterdrücker Eurer Errungenschaften reichlich bedient haben, schmähen sie Euch versteckt und offen. Jetzt habt Ihr die Freiheit, jetzt habt Ihr ein Arbeitsfeld. Entwickelt Euch und organisiert Euch als Nation! Errichtet eigene Schulen mit nationaler Sprache, verbreitet Eure fortschrittlichen Ideen unter dem Schutz der serbischen Armee!“ Weniger günstiges ist über Kroatien—Slawonien zu berichten. Zur Beschaffung von Geldmitteln hatte die Regierung den Weg der freiwilligen Selbstbesteuerang gewählt. Der Aufruf des jugoslawischen Nationalrats richtete sich hauptsächlich an die Kaufmannschaff, Industrie und Baukwelt. Auf die Kaufleute würde eine Pression ausgeübt, sie hätten sich auf die Rechnung des Volkes wucherisch bereichert und sollten es daher durch Schenkungen beruhigen. Das gilt besonders für das ״fremde Element“. Kein Wort wird über die Juden gesagt, und dennoch ist all dies gegen sie gerichtet. Mehr als die Hälfte der Beiträge stammt von den Juden, und trotzdem wird nur gegen die ״fremden Wucherer“ gehetzt. Den Juden werden gewissermaßen Kontributionen auferlegt, mit der Begründüng, der Sicherheitsdienst sei zu teuer und wenn die Juden das Geld nicht hergeben, werde man sie nicht schützen können. Natürlich wurde auch bei Juden geplündert. Die Presse, die Intelligenz und die Beamten hetzten gegen die Juden. Man gab den Massen Waffen und Alkohol und aus den zuerst antikapitalistischen Krawallen wurden Pogrome. Die Errichtung der Selbstwehr wurde verboten. So Wurden z. B. in Darurar nicht nur jüdische Geschäfte, sondern auch P ärmsten teiligten den Ex. den JtK für ein( sehen < natürlid Volkes“ fionärer die Juc n der ude. No( ist VC Kroaten bewiese hält un ob sie sollen, keit un Südslav Glaubei 2 In!׳ersann sehen Die ers festes י den. I Ischl Iranzös fessor; Amis ( der ״L das Go nahm eine F rungen Paul ( schaft( M. de staatss ein po den ai die V! Namen Da v i seine sich ei Nach nistiscl schloß In statt, Begeis auf de Volke! Die D Haaj A' so c i englis sei, ,v Memo Südos Wuns dem Wolf nächs׳ Enten auch Ute Qrgar bekan schläj einen Punkt kes j gestel sehen t sociat der I ten, i liner wurd Judcr das tretei of E typis< >1 nisch Ruß perm die 0