Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 10 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10 jUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 79 r. 10 eich it ״N a. rtikel in Deutsch;abe er weichet ine Ver• us schrei ie Juden dessen Dieser haben:?m über aufrecht Deutsch Lerungen zuführen den der ler drei hat, g« :rall das «danken n Ange an der. stritten« nt sch• :n. chischen nalrat )ridsdorf ilkampfe Wahl wählen, id Wehe and den in Feinie jeden dessen re durch :!<11 alt lo י isch tun 1t ihrem ite, auf >erecht 1 die Er die für I Geiste alpartei! tefrekh. lalpartet ׳ Robert lasch!leini-l n II um e, bändes; eben in a n n, s einem ‘ vom e Rete 1 An.it tn es jüdi;rstattet. eisteten :tu Ge :relenäs sehende res Ma en Für . soforferentin er vorion hat der ge iie Not für die ucli soll Betriebe lin, dal! etrieben :r nach :i; man :hneider rill man fmangel Arbeiten l Ü 1 1 € I nisatori- Mi. Der Organ! s Jüdi Posi Hve Maßnahmen auf dem Gebiete der sozialen Für sorge. § 2. Mittel zur Erreichung des Zweckes. I. a) Er forschtmg der sozialen Mißstände, ihrer Ursachen und Zusammenhänge; b) Studium der bestehenden Fürsorgeeinrichtüngen des In- und Auslandes; c) Einflußnahme 3uf die soziale Gesetzgebung. II. a) Vereinigung und Zentralisation aller jüdischen Bestrebungen auf sozialem Gebiete; b) Vorschlag für Neugründungea auf Grund (achwissensthaftliich ausgearbeiteter Pläne; c) Gründung von Fachkursen und Fachschulen zur Ausbildung von Beamten und Beamtinnen der sozialen Fürsorge (Bürobeamtininen, Recherchenten, Wirtschaftsleitcrinnen usw.). III. a) Aufklärung weiter Volksschichten, über Wesen und Bedeutung der sozialen Mißstände; b) Berufsberatung; c) Volksfürsorge, Volksbildung (VoBcsheime). § 3. Leitung. 1. Der vom Jüdischen Nationalrat bestellte Referent. 2. Diesem wird ein Fachbeirat beigegeben, dessen Mitglieder vom Präsidium ton Einvernehmen mit dem Referenten berufen werden. § 4. Aufbau. Das Organisationsamt besteht aus einem Zentralbüro in Wien, welches nach Bedarf Zweigstellen in anderen Städten und Bezirken Deutschösterrrichs schafft, eventuell bereits bestehende Organisationen mit den Obliegenheiten einer Zweigstelle betraut. Der Nationalrat hat in derselben Sitzung noch eine zweite Vorlage erledigt, die von besonderer Bedeutung ist. Es wurde eine Wahlordnung beschlossen, auf Grund welcher die Wahlen für den Jüdischen Nationalrat nunmehr ausgeschrieben und durchgeführt werden sollen. Der Jüdische Nationalrat soll die Vertretung des jüdischen Volkes in Deutschösterreich sein. Das Wahlstatut, das nach längerer Diskussion äugenomtnen wurde, steht auf dem Boden einer weitgehenlen Demokratie, so daß der gewählte Nationalrat wirklieh als Vertretung legitimiert sein wird. Nadi § 11 ist wahlberechtigt jeder Jude und jede Jüdin, die das 20. Lebensjahr vollendet haben, sich zur jüdischen Natian bekennen und in Deutschösterreich wohnen. Das Bekenntnis zum jüdischen Volk soll nach der Interpretation des Referenten der politischen Kommission nicht etwa in feierlicher Weise abgelegt werden, es wird vielmehr bei jedem vermutet, der einer national-jüdisehen Organisation angehört, oder der sich in die Wählerlisten eintragen lassen wird, die der provisorische Jüdische Nationalrat auflegen wird. Eier provisorische jüdische Nationalrat, dessen Legitimation von verschiedenen Seiten angefochten wurde, hat seit seiner Konstituierung stets erklärt, daß er nur als Provisorium i«lten und einem zu wählenden definitiven Nationalrat weichen will. Es ist nun zu erwarten, daß alle Juden, iie irgendwelchen Anteil am Schicksal des jüdischen Volkes nehmen, sich an den Wahlen beteiligen werden. Ein großer Erfolg der Nationaljuden in Brünn Die Prager ״Selbst ehr“ berichtet: I Trotz lebhafter Gegenagitation der gesamten, deutsehen Presse haben sich bei der eben beendeten Volks- Zahlung in Brünn 5300 jüdische Einwohner zur jüdisehen Nationalität bekannt, das ist mehr als die Hälfte der Judenschaft. Der große Erfolg der Brunner Nationaljuden verdient um so mehr anerkannt zu werden, als jede Förderung durch die Presse und Werbearbeit infolge Kürze der Zeit, die zwischen Anordnung und Durchführung der Volkszählung lag, fehlte. Brünn galt seit jeher als die Hochburg des mährischen Deutschtuins und bildete bis heuie noch den Kern des Wider- Standes gegen die national-jüdische Bewegung. Wenn!iun im ersten Anlauf die national-jüdische Idee einen solchen Erfolg erringt, darf man sicher sein, daß bei den Wahlen, wenn eine genügende Vorbereitung möglieh sein und wirksame Mittel vorhanden sein werden, alle bisherigen Widerstände zu überwinden, di« überwiiltigende Mehrheit der Brünner Juden sich auf nationaljüdischem Boden stellen wird. Jfldischnationale Repräsentanten in der Tropauer Gemeindeverwaltung Die ״W icner Morgenzeitung“ meldet: Der Leiter der schlesischen Landesregierung, Herr Ministerialrat Sehrainek, hat, nachdem der deutsche Gemrinderat die Mindestforderungen• der Tschechen ablehnte, den Gemeindent der Stadt Troppau aufgelöst und zum Regierungskommissär den Prager Statthaltereirat Vesely, zu dessen Stellvertreter den hiesigen Advobten Dr. Dienelt (Tscheche) bestellt. Dem Kommissär wurde eine '28 gliedrige Verwaltungskommission zur Seite gestellt, bestehend aus 12 Deutschen, J.4 Tschechen und 2 Juden. Die Ernennung der beiden jüdischen Vertreter, der Herren Dr. Theodor Sonnenschein und Dr. Leopold Leschner, erfolgte auf Grund der Präsentation des jüdischen Volksrates. Dies bedeutet einen großen Schritt auf dem Wege zur vollen Anerkennung der nationalen Minderheitsrechte der Juden. Oie polnischen Bischöfe und die Juden Der ״Wiener Morgenzeitung“ vom 9. Jan. zu folge haben die Bisdiöfe von ganz Polen anläßlich der Wahlen zum Sejm einen Aufruf an die Geistlichen ״lassen, in dem einerseits vor jeder Gewalttat gegen die Juden gewarnt und andererseits der Grundsatz aufgestellt wird, daß der Aufbau Polens auf der Grundlage üer römisch-katholischen Religion erfolgen müsse. .. . Protesterklärungen der ungarischen Assimilanten Das Landes rabbinerseminar in Bu Japest hat folgende Erklärung veröffentlicht: ״Im Bewußtsein unserer schweren Verantwortlichkeit, 'fühlen wir uns angesichts mancher zutage getretenen Erscheinungen behufs Orientierung der Öeffentlichkeit zu der hier folgenden Erklärung veranlaßt: Die jüdische Religion ist unabhängig von Staat und Land, von Volk ]und Nation. Im Sinne unserer Relegion ist Jude, \der dien jüdischen Glauben bekennt, wes Volkes Kind diurch Geburt oder welcher Nation Sohn durch politische Zugehörigkeit er immer auch sein mag. Diese Auffassung bekannte die jüdische Religion zwei Jahrtausende hindurch und bekennt sich noch heute zu ihr. Mit dieser Auffassung hängt die unumstoß lieh Tatsache zusammen, daß das Judentum nunmehr seit zweitausend Jahren Religion ist, aber weder Nation noch Nationalität. Diesen altererbten Standpunkt nahm unsere Landes-Rabbinerschule bisher ein und verharrt auf diesem auch jetzt. Pflege der jüdischen Religion und Wissenschaft, des Judentums, sowie Verbreitung der ungarisch-nationalen Kultur ist die Aufgabe unserer Hochschule, getreu hat sie diese in der Vergangenheit erfüllt, getreu wird sie sie auch in Zukunft erfüllet!. Jüdisches Arbeitsamt (Berufsfürsorgestelle für jüdisch® Soldaten, begr. von der Zion. Vereinig, für Deutschland) Berlin N. 24 / Monbijouplatz 10 m Stilln 11 itiniiiilliliiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiuiiiuiliiiiiililiiliililiiiiitiliiinitiiiiiiiiiiiiiiililiiiiiiijiiiuiiiiiiiiii Lehrstellen für landwirtschaftliche Eleven, Handwerkslehrlinge und Lehrlinge für technische Berufe (Monteure, Techniker), Unterbringungsmöglichkeiten für Handwerker, Arbeiter und Handlungsgehilfen. Niederlassungsmöglichkelten für Akademiker (Rechteanwälte, Ärzte, Ingenieure). Gleichwie in den vergangenen Jahrzehntes, wird sie auch fürderhin dem bei ihrer Gründung ihr vorgesteckten Ziele entsprechen: der ungarischen juden 11 eit Rabbiner zu erziehen, die mit dem heiligen Eifer im Dienste der Konfession dje edelste patriotische Begeisterung für die Ideale der ungarischen Nation in sich vereinigen, für jene Ideale, von denen die ungarische Staatsregierung sich in ihren Entschließungen und Be- Stimmungen in bezug auf unsere Anstalt leiten läßt und in deren Folge sie unserer Anstalt den staatlichen Charakter verleiht. Vermöge unserer religiösen Ideen und glaubensbrüderlichen Gefühle hängen wir mit Liebe am heiligen Lande und begrüßen und fördern aus wärmster Innigkeit jedes Bestreben, das sich für sein Interesse kundgibt. Mit unzerreißbarer Kette schmiedet uns «in zweitausendjähriges Martyrium mit der Judenheit des ganzen Erdkreises zusammen, mit der heißesten Glut und lebendigen Kraft unseres Herzens unterstützen wir jedes Bemühen, welches sich auf die Befreiung unserer wo immer auch unterdrückten Glaubensgenossen richtet. 111 unverbrüchlicher Liebe und Treue fühlen wir uns eins mit der Gesamt judenheit; allein von politischen Strömungen, die in deren Schoße in verschiedenen Ländern durch verschiedene Zustände und Gestaltungen, aus verschiedene.11 Ursachen und zu verschiedenen Zwecken mehr oder minder hohe Wellen werfen, können wir uns nicht beeinflussen lassen. Unser Bekenntnis lautet: die ungarische Juden• heit bildet einen organischen Teil der ungarischen Nation —, sie war es und bleibt es. Unter Wahrung des väterlichen, angestammten Glaubens sind die ungarischen Juden Kinder der ungarischen Nation. 111 den Spuren dieses Geistes werden wir unsere Wirksamkeit zum Heile der Konfession, und des Vaterlandes fortführen. Der Professorenkörper der Landes-Rabbinerschule. Budapest, 13. Januar 1919. Direktor Ludwig Blau, Dr. Julius Fischer, Dr. Michael G ut 1 - mann, Dr. Simon Hcvesi, Dr. Max Klein, Dr. Ludwig Venetianer, Dr. Mar Weiß, Armin Balogh, Dr, Heinrich' Bio ch, Dr, Moritz Dm1s e n y i, W ilhelm Hausbrunner. Das Zionistische Komitee erwiderte hierauf mit folgender Erklärung: Mit Befremden sehen wir, daß das Rabbinerseminar zur Hoffakultät der auf Basis des Schein-Konlessionalisums stehenden Noch-Juden geworden ist und laut Wunsch derselben zu politischen Zwecken Fachurteile liefert. Wir sind dessen sicher, daß das jüdische Volk nicht die jetzigen Dozenten des Rabbinerseminars befragen wird, ob es existiert oder nicht. Die denunziatoiische Absicht, welche sich hinter patriotische Phrasen verbirgt, weisen wir im Namen des gesamten ungarischen Julien tu ms, •welches ohne Ausnahme von unbeugsamer Loyalität und Vaterlandsliebe erfüllt ist, mit Entrüstung zurück. Besonders die Zionisten haben keinen sehnlichercn Wunsch wie das Verbleiben der 1 Million Juden in einem einheitlichen Komplex eines sich auf nationalem Frieden aufbauenden demokratischen Ungarn. Wir können es nicht dulden, daß einzelne Herren den Pa: triotismus der ungarischen Juden in Pacht nehmen. Schmerzerfüllt denken wir an jenen Teil der ungarischen Juden, welche infolge der Besetzung einem schweren Gewissenszwang: ausgesetzt sind und qualifizieren die ״Offenbarung“ des Rabbinerseminars vom ungarischen Standpunkte ebenso, wie vom jüdischen als einen schwcren politischen Felder wie als Taktlosigkeit. Budapest, am 2. Januar 1919. Das Zionistische Kom i t e e. Hierzu wird noch gemeldet: Die Hörer, welche in den oberen Klassen die Majorität bilden-, situ! aus dem Rabbinerseminar ausgetreten. Gegen einen Teil der verbleibenden Zionisten wurde eine Disziplina!־Untersuchung eingeleitet. Die Zustände in Galizien und Polen Der ״Frankfurter Zeitung“ wird aus Wien tele graphisch gemeldet, daß ein auf der Durchreise nach der Schweiz hier sich aufhaltender angesehener Lernberger Bürger im engeren Kreise unter Vorlegung von erdrückendem, dokumentarischen Beweismaterial Mitteilungen über die Judenverfolgungen in Lernberg und die dort jetzt herrschenden Zustände machte. Danach sei die Zahl der Toten nicht so hoch, wie‘ ursprünglich berichtet wurde. Der Sachschaden beläuft sich auf etwa 100 Millionen Kronen. Der Pogrom selbst war ein von der Leitung zugelassener Armeepogrom, einesteils zur Entschädigung der Truppen für die Entbehrungen im Kampf gegen die Ukraine, andcrnteils zur Einschüchterung der Juden, die sich, entgegen der Annahme der Polen, im Kampfe gegen die Ukraine als neutral erklärt hatten. Die 70 000 in Lemberg verbliebenen Juden wissen, daß die Tage ihres Bleibens gezählt sind. Zu den Leiden der übrigen Bevölkerung, die gleichfalls von Wasser und Licht durch die belagernden Ukrainer abgeschnitten sind, kommt bei den Juden die ewige Drangsalierung durch allnächtliche Hausdurchsuchungen nach angeblich versteckten Waffen; denn so unglaublich es klingt: das schlechte Gewissen der Polen hat zu der Wahnvar- Stellung eines jüdischen Gegenpogroms geführt, in dessen Verlauf auf ein gegebenes Zeichen die polnische Bevölkerung unter Mitwirkung der gleichzeitig eindringenden Ruthenen miedergemacht werden soll. Der Kommandant von Lemberg hat denn auch schon erklär), daß er seine Kanonen bei der geringsten revolutionären Erhebung auf das Judenviertel richten werde. Die Juden aber besitzen keine Waffen, weil auch die Ruthenen die Bildung einer stärkeren Miliz nicht gestattet haben, und sind täglich auf einen neuen Ausbruch des Judenhasses der Polen gefaßt, der nun auch noch durch die Furcht aufgestachelt wird. Nur die Anwesenheit einiger Ententeoffiziere verhindert die Wiederholung der früheren Vorgänge. Diese Offiziere aber sind Gäste der Polen, werden von ihnen gefeiert und hermetisch von den Juden abgeschlossen. Ganz ähnlich liegen die Dinge in den andern ostgalizisehen Städten, soweit sie sich in der Hand der Ukraine befinden. Aber auch in Warschau .steht es nicht viel besser. Dort wohnen 350000 Juden, die aller Verteidigungsmittel beraubt sind. Die zionistischen Büros werden bestürmt mit Anfragen über die Möglichkeit einet Auswanderung, an der wohl drei Viertel der gesamten jüdischen Bevölkerung teilnehmen würden. Die Notlage in Bialystok Die wirtschaftliche Lage der Juden in der Gegend von Bialystok und besonders in der Stadt selbst ist eine außerordentlich schlechte. Es fehlt ein Absatz markt, und es fehlt auch an Rohstoffen für die hiesige Industrie. Alle Fabriken feiern, dazu kommt die schreck liehe Lage der Gefangenen und der zurückgekomraenen Flüchtlinge, von denen viele krank und brotlos sind. Der Vorstand der Bialystoker Jüdischen Gemeinde hat ein Budget au!'gestellt, wonach mindestens 3 Millionen Mark für Unterstützungen notwendig sind, und •zwar allein für Bialystok. Um die Arbeitslosen der ganzen Gegend zu unterstützen und alle Wunden der Massen im Rayon Litauen zu heilen, sind gewaltige Mittel er• forderlich, die nur ein internationaler Fonds aufbringen kann. Vorläufig׳ bemühen sich die litauischen Juden, aus eigenen Kräften einen Teil der Mittel aufzubringen. Ausschreitungen in Neuhaus in Böhmen Das Kopenhagen er Zionistische Büro berichtet: Aus Neu ha us wird dem ״Pravo Lidu“ gesehrn• ben: Mittwoch wurden in Neuhaus jüdische Schnitt Warengeschäfte geplündert und bis auf des letzte Stück eben Stoff a 11 sgeraubt. Diese Plünderungen dürften allem Anschein nach von agrarischen Kreisen inszeniert war den sein, denn in der Stadt wußte bis zum letzten Augenblick niemand von Vorbereitungen zu einer Plüiidc rung. Die Plünderung begann bei den Geschäften S a m u e 1 und Reich. Zwei Sozialdemokraten, welche die aufgeregte Menge zu beschwichtigen und die Plünde rungen zu verhüten suchten, wurden blutig geprügelt, Leute, die die Ordnung hersteilen wollten, waren macht los und mußten sogar schließlich vor der erbittert.:! Menge, die sie bedrohte, fHichten.