Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 10 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 76 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 10 tigen iridit, in Herrn Pichons Aeußerungen allzuviel hineinzulegen, aber die Erwähnung der Namen Syrien, Libanon!und Palästina läßt darauf schließen, daft die französische Regierung den Libanon als die nördliche Grenze Palästinas betrachtet. Das hat sie bisher nicht getan. Gestützt auf den Geheiravertrag von 1916 hat die französische Regierung den größeren Teil Galiläas für sich beansprucht und eine französische Verwaltung in Galiläa eingesetzt. Ein derartiger Anspruch spricht sowohl der Geographie wie der Strategie Hohn, er spricht den volkswirtschaftlichen und den politischen Bedingungen Hohn, er zerstückelt das Vaterland des jüdischen ,Volkes und entfremdet sich das jüdische Volk auf der ganzen Welt. Wenn diesem Anspruch nachgegeben würde, so erhielte Frankreich die Herrschaft über einige Quadratmeilen mehr, einige französische Konzessionäre würden etwas Geld verdienen — nud 12 Millionen Juden in allen Ländern der Welt würden!einen bitteren Groll gegen Frankreich fassen. Kein kluger Staatsmann würde ein solches Unternehmen für ein gutes Geschäft halten, ebensowenig wie irgendein ehrlicher Mensch es als eine gute moralische Handlung ansehen würde. Es scheint fast, daß das französische Auswärtige Amt das verstanden hat. Der zweite bemerkenswerte Punkt in Herrn Pichons Angaben ist, daß er von den ״Rechten Englands“ und den ״Rechten Frankreichs“, aber weder von den ״Rechten“ des jüdischen noch des arabischen noch des armenischen Volkes spricht. Das steht natürlieh mit den Anschauungen der Diplomaten alter Schule in vollem Einklang. Staaten, d. h. die diplomatische Oberschicht, die in ihrem Namen spricht, haben ״Rechte“. Völker haben keine ״Rechte“. Sie sind das Rohmaterial, mit dem die Diplomaten arbeiten. Was die besonderen ״Rechte“ betrifft, die Frankreich und England durch den Geheimvertrag von 1916 erwarben, so weiß man ja, wie geheiligt sie sind. War es doch dieser Geheimvertrag, der Rußland die gleichen ״Rechte“ verhieß. Aber von Rußlands ״Rechten“ spricht Herr Pichon nicht mehr. Ein provisorisches Al^omraen gab Italien ״Rechte“ auf ottomanisches Territorium, aber Italiens ״Rechte“ erwähnt Herr Pichon nicht. Wir fürchten, daß für das französische Auswärtige Amt die geheiligten ״Rechte“, die Frankreich und England unter dem Vertrag von 1916 erwarben, nur das Recht des Stärkeren darstellen, alles zu nehmen, was er bekommen kann. Für die am meisten betroffenem Parteien, das jüdischc, das arabische und das armenische Volk, sind die durch das Abkommen von 1916 erworbenen ״Rechte“ lediglich das Recht auf Ungerechtigkeit. Das Heimatfand des jüdischen Volkes ist zerstückelt, das Heimatfand der Araber ist zerstückelt und ebenso das Heimatfand der Armenier. Diese Völker hat man nicht befragt, über sie hat man verfügt wie über Stücke Vieh. Vom ersten Augenblick ab, da sie von dem Vertrag hörten, haben diese drei Völker unaufhörlich dagegen protestiert. Die Juden haben deutlich ausgesprochen, daß sie weder eine Teilung noch eine Beherrschung Palästinas haben wollen und daß sie eine britische Schutzherrschaft über ein jüdisches Palästina wünschen, und doch hat Herr Pichon nichts über die ״Rechte“ dieser drei Völker zu sagen, obgleich diese drei Nationen, wenn es zu einer Anwendung der neuen Grundsätze im Orient kommt, die Grundpfeiler der neuen Ordnung sein müssen. Herr Pichon spricht von dem Geheimvertrag als bindend für Frankreich und England und als diesen beiden Mächten ״Rechte“ gewährend. Er meint nicht, daß dieses Abkommen ganz wörtlich zu nehmen und unabänderlieh ist, im Gegenteil zeigt es sich, daß das französische Auswärtige Amt jetzt einsieht, daß das Abkommen nicht mit Gewalt durchgeführt werden kann. Im ״Obser- % e r“ weist Philip M i 11 e t nach, daß das Abkommen sowohl für Frankreich wie für England unzureichend ist und im ״Echo de Paris“ finden wir denselben Gedanken. Millet zufolge möchte die französische Regierung gern zu einer Einigung mit England gelangen, auf Grund deren England Palästina und Mesopotamien einschließlich Mosul erhält, während Frankreich alles übrige zufällt. Man wird sich erinnern, daß nach dem Geheimvertrag durch den arabischen Staat oder mehrere Staaten ein Gürtel zwischen der englischen und der französischen Zone geschaffen werden sollte. Anscheinend ist es Frankreichs Wunsch, diesen arabischen Gürtel zu beseitigen und besonders Damaskus und Aleppo von dem arabischen Staat abzusondern und an Frankreich zu übertragen. Augenblicklich steht Damaskus sicherlich und wohl auch Aleppo unter erabischer Verwaltung. Die Wünsche des Emir F e i s u 1 gehen dahin, Damaskus und Aleppo in seinen arabisehen Staat einzuschließen. Das französische Projekt würde also auf ein Uebereinkommen zwischen England und Frankreich auf Kosten des arabischen Staates hinauslaufen. Es ist mehr als möglich, daß die Folge eines solchen Abkommens die Forderung wäre, den arabisehen Staat auf Kosten eines jüdischen Palästina an der Ostgrenze zu entschädigen. Wir können nicht glauben, daß ein solches Abkommen sehr glücklich wäre, noch *könnte es die gerechte Entrüstung des jüdischen Volkes von den wirklichen Urhebern einer Teilung des jüdischen Vaterlandes auf die Araber ablenken. Großbritannien und Frankreich werden einen anderen Weg zu wählen haben, und zwar den Weg der Gerechtigkeit. Herr Pichon gibt zu, daß die Friedenskonferenz berechtigt sein wird, die Geheimverträge zu revidieren, aber anscheinend möchte er dieses Recht auf ein formales Recht beschränken, alles zu ratifizieren, was England und Frankreich untereinander ausgemacht haben. Das wird nicht angehen. Das Recht der Friedenskonferenz auf Revision ist absolut und ünbeschränkt, Gebeimverträge Haben keine Gültigkeit, eine d*r daran beteiligten Parteien hat de zurückgewiesen, die übrigen Parteien geben zu, daß sie in, ihrer jetzigen Form nicht anwendbar *ein können, und England will, daß die Friedenskonferenz volle Freiheit besitzen soll, über sie zu entscheiden. Das jüdische, das arabische und das armenische Volk weisen sie zurück, sie müssen als null und nichtig angesehen werden. und es wird ebenso klug ■wie gerecht sein, dies zu tun. Wenn wir zu einer richtigen Lösung auf dem Grundsatz der Gerechtigkeit kommen, wird es sowohl für Frankreich wie für England in» nahen Osten ein weites Feld geben. Mit der Zustimmung und dem Wohlwollen der Völker können sie viel erreichen, ohne diese können sie nichts erreichen. Die Oeheimverträge müssen verschwinden und die Friedenskonferenz muß entscheiden, als ob sie nie bestanden hätten. Die zionistische Arbeit in Paris Außer den Herren Sokolow und Weizmann sind in Paris die amerikanischen Delegierten Rabbi Stephen Wise, Flexner und die englischen Vertreter, Josef Co wen und Israel Sieff, eingetroffen. Arbeitsausschufi der natlonaljudiscben Jugendorganisationen Berlins Sonnabend, den 15. Februar 1919 abends 7 ,/s Uhr Abgeordnetenhaus, Prinz Albrechtstr. VORTRAG des Herrn Rabbiner Dr. Warschauer Jüdische Jugend und Jüdische Religion Eintrittskarten zu Mk. 2.— und 1.— sind im Jugendsekretariat der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Sächsischest!■. 8 und im Jüdischen :: Arbeitsamt, Monbijouplatz 10, erhältlich :: Die Assimilanfen an der Arbeit Lucien Wolf, der Vertreter des Auslandskomitees des Board of Deputies und der Anglo Jewish Association, ist in Paris eingetroffen, wo er eine Konferenz der jüdischen Vertreter der alliierten Länder zu organisieren sucht. Das Exekutivkomitee des Grand Order Israel in England faßte eine Resolution, um gegen die Machenschäften ,von Lucien Wolf und seiner politischen Freunde zu protestieren. Die ״Deutsche Allgemeine Zeitung“ über die j&dischen Forderungen an den Friedenskongreß Das offiziöse Organ der deutschen Regierung, die ״Deutsche (früher ״Norddeutsche“) Allgemeine Z e i t u n g“, nimmt in ihrer Morgenausgabe vom 30. Januar in einem; ״Die JudenfrageaufderFriedenskonferenz“ überschriebenen Artikel Stellung zu den Ansprüchen, die das jüdische Volk heute in Paris erhebt. Der Aufsatz, der den Forderungen der Zionisten voll und ganz zustimmt und auf die Wichtigkeit ihrer Unterstützung seitens Deutschlands hinweist, stellt eine so klare und entschiedene Aeußerung von berufener deutscher Seite dar, daß er uns für die künftige Gestaltung der Beziehungen zwischen Deutschland und dem jüdischen Volke von großer Bedeutung zu sein scheint. Der Artikel lautet: ״Die Judenfrage hat in diesem Kriege eine Ent- Wicklung genommen, die ihr auf die Aufmerksamkeit aller politisch interessierten Kreise Anspruch gibt. Schon vor dem Kriege hat eine bestimmte Gruppe innerhalb des Judentums, die zionistische, die Judenfrage als ein politisches Problem erklärt und für das jüdische Volk politische und nationale Forderungen aufgestellt. In diesem Kriege hat sich diese Auffassung der jüdischen Frage fast in allen Ländern durchgesetzt. Zunächst hat die überwiegende Majorität des Judentums in den verschiedenen Ländern sich für die nationale und zionistische Auffassung erklärt, und sodann haben die einzelnen Staaten die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes anerkannt. Die Erklärungen, in denen England, Amerika, Frankreich, Italien die jüdischen Forderungen nach einer nationalen Heimstätte in Palästina angenommen "haben, sind bekannt, ebenso auch di« Erklärungen der deutsehen und früheren, österreichischen Regierung, in denen sie, wenn auch in einer durch die Rücksichtnahme auf den türkischen Bundesgenossen bedingten vorsichtigeren Fassung, diese Forderungen gleichfalls anerkannt haben. In letzter Zeit hat diese Entwicklung noch weitere Fortschritte gemacht. England hat die zionistische Organisation als Vertretung des jüdischen Volkes zura Eintritt in den Völkerbund eingeladen; Nr. ln den letzten Wochen haben in London und Paris! Verhandlungen zionistischer und natbnaljüdischer Polt tiker mit den leitenden Staatsmännern der Entente statt• gefunden, die zu dem Ergebnis geführt haben, daß das! jüdische Volk eine Vertretung auf der Frie! denskonferenz haben wird. Damit ist das Juden, tum zu einem politischen Faktor geworden, der au([ Grund des Einflusses, den das internationale Judentum iu der Presse, der Finanz und dem politischen öffpnU liehen Leben der verschiedenen Länder ausübt. für alle | Staaten von Bedeutung ist Die jüdischen Forderungen für die Friedenskonferem umfassen drei Punkte, die einheitlich von den Juden aller Länder vertreten werden. Es sind dies: 1. Palästina als nationale Heimstätte für das jü-j dische Volk; 2. Nationalautonomie für die Judenheit des Ostens] und 3. die Sicherung der Gleichberechtigung in allen1 Ländern. Es ist notwendig, daß auch die deutsche Oeffentlichkeit sich mit diesen Forderungen beschäftigt, da naturgemäß auch für Deutschland die Haltung des Judentums von Bedeutung jst. Ganz abgesehen davon, daß Deutschland durch seine Nachbarschaft zum Osten, wo die jüdischen Massen leben, an der jüdischen Frage) stets interessiert sein wird, wird besonders auch für die j nächste Zukunft, da es die wichtigste Aufgabe der deut• scheu Politik sein muß, wieder die internationalen Be• Ziehungen herzustellen, das jüdische Element für Deutsch• land von Bedeutung sein. Denn von allen internationalen[ Verbänden ist die zionistische Weltorgani■ sation die einzige, die im Kriege ihre1 Einheitlichkeit aufrechtzuerhalten ge-1 wußt hat. I Das jüdische Volk, wo es politisch als solches auftritt, legt "Wert darauf, seine neutrale Haltung zu bekünden. Da außerdem weite Kreise des jüdischen Volkes mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut sind, starke Beziehungen auch zwischen dem deutschen Judentum und dem der anderen Länder bestehen, wird gerade für die Wiederanknüpfung der internationalen Verbindüngen das jüdische Element vielfach wichtig sein. Bei Prüfung der jüdischen Forderungen ergibt sich, daß die Interessen Deutschlands sich nicht mit den jüdischen in Widerspruch befinden. Die nationale Autonomie der Juden im Osten ist eine Voraussetzung für1 die Schaffung geordneter Verhältnisse in diesen Län• dem, die vom Standpunkt der inneren Ruhe und freien Entwicklung dieser Länder außerordentlich wünschenswert wäre. Die Schaffung des jüdischen Zentrums in Palästina aber ist. von Wertk weil sie den jüdischen Emil grantenmassen aus dem Osten eine Zufluchtstätte bietet f und schon dadurch die Behandlung der 90 schwierigen] jiafenfrage erleichtern wird. Außerdem wird auch nach dem Ausgang dieses Krieges Deutschland an der Ent- Wicklung des Orients weiter interessiert sein, und es, ist gar keine Frage, daß ein jüdisches Palästina für eine rasche Neubelebung Vorderasiens außerordentlieh fruchtbar werden wird. Bedenkt man, daß sehr viele Juden die deutsche Sprache beherrschen, besonders Ostjuden, die in erster Reihe für die Einwanderung nach Palästina in Frage kommen, deutsch verstehen und von früher her starke wirtschaftliche und kulturelle Verbedungen mit "Deutschland haben, so wird man einsehen, daß eia jüdisches Palästina auch vom Gesichtspunkt der Herstellung wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen zwischen Deutschland und dem vorderen Orient zu begrüßen ist. So zeigt eine Prüfung der jüdischen Forderungen, daß ihre Verwirklichung auch vom deutschen Stand- Punkt wünschenswert ist. Nun wird wohl gerade bei diesen außerdeutschen Fragen Deutschland auf der Friedenskonferenz nicht stark beteiligt sein. Immerhin wird die Unterstützung dieser Forderungen durch Deutschland und auch die öffentliehe Meinung Deutschlands ihre moralische Wirkung auf das Judentum nicht verfehlen, dem daran gelegen ist, daß alle Staaten und Völker seine Forderungen anerkennen. Eine jüdische Politik, die darauf eingestellt ist, sich die Sympathien der Welt zu schaffen, wird auch in Zukunft mit Deutschland als einem wichtigen Faktor rechnen.“ Bratianu gegen die Gleichberechtigung der Juden F deuts< paläst gebiet wand( lieren dueifa gebiet Uebei voll, iichirn Nach! liehen sehen liindei pota« Millio reichs erhalt Kauki entge! waltu wirkru schaft Kanal bindn Kultn Min« Daß :■!use bictei miissi von sclinu orten mehr einen Paläs gesicl den stark! nicht Volk A darai nach komr [ gr°ß' und ׳ hafti! taust ■ gran! üriei vorül sind, zuleg orati vorii jahrc Stad. wegj lichk msse Neig den, zu s nach Mög leug groE Jude satic Zern Tem seha und Orie Ein: Sctr Org alle! Die ״Jüdische Preßzentrale“ in Zürich meldet: ״Die Führer der rumänischen Judenbewegung wurden von Bratianu empfangen. Es wurde ihnen ihre Verhaftung angedroht, falls sie die Agitation für die Gleichberechtigung der Juden fortsetzen. Die rumänische Regierung fordert eine ausdrückliche Verpflichtung der Juden, jede Agitation in jüdischen Angelegenheiten bis zur Beendigung der Friedenskonferenz ruhen zu lassen. In der Bukowina hat sich ein jüdischer Nationalrat gebildet, der auch die Interessen der Juden Beßarabiens und Rumäniens vertritt.“ Es ist bereits wiederholt auf das zweideutige Spiel, das die rumänische Regierung in der Judenfrage treibt, und das sich auch durch das sogenannte Gleichberedv figungsdekret dokumentiert, hingewiesen worden. De Meldung der Züricher Preßzentrale beweist erneut, wie sehr jedes Mißtrauen einer derartigen Regierung gegenüber am Platze ist, und wie weder die raffiniertesten Manöver, noch die brutalsten Drohungen es der rumänisehen Regierung ersparen können, daß die endgültige Verwirklichung der Gleichberechtigung der Juden in Rumänien auf der Friedenskonferenz beschlossen und gewährleistet wird. renc den mac esse des bek! der den beit *tig׳ «lei der als den zelr von hist Wa böi: