Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIV (1919)
- Issue
- Heft 8 (31.1.1919)
- Date
- 1919-01-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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י 8 Nr. 8 JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite fi5 det aße* dal Ent- -pol• AV Jü■ von ׳ B,. emp. *a :t• J״״« tuug en Aos ehr aben Jan. ischt ronif ra ide 1 ג i k :!dtj raint vvurte n ladr a׳uf• lören men. >ubliikrai• 1 er- und alte iedei •reits ihrer h e 11 1 der )bei?- tato# ilitär- , die nnen. Wer der sehen rden. irderi rchobe raine nente lemaranzt 1 tun ainer, auch? und itic. h e nu r a. i r o" :t in egenlizien citens. ■sucht richte on itlicht h der ade, lerren 1 hat, bezug te in haben r Gee• die durch ,11 die 1 der rechte »berstc h c n 1 Ausierung der jüdischen nationalen Forderungen zu überreichen, später empfing Oberstleutnant Wade auch den Vor- •veiulen der Volkspartei, Herrn N. Priludski, der ,hm ausführliches Material über die Pogrome vorgelegt hat. Ein Protest der Arbeiter in Wales gegen die polnischen Judenpogrome Dem ״Jüdischen Preßbüro in Stock- II <> 1 m“ wird aus London telegraphiert: Eine von 4000 Personen besuchte Arbciterdcmonsirationsversanunlung, die am Sonritag, den 12. Januar III Wales stattfand, faßte eine Resolution, in der die polnischen Judenpogrome verdammt wurden. Das Los der Flüchtlinge Die Prager ״S e 1 bs t w eh r“ berichtet: Laut ״Wiener Morgenzeitung“ werden die jüdischen Flüchtlinge aus B ö hin e n und M ä h r e n , die nach der llukowi n a heimkehren, an der Bukow inaer Grenze in Sniatyn von rumänischen Behörden zurückgehalten und als ״Fremde“ nach der Bukowina nicht hineingelassen. Sie erdulden dort große Leiden, da sie weder Kleidung noch 'Nahrung besitzen. Die ״Morgenzeitung“ warnt daher die Flüchtlinge in Böhmen und Mähren vor der beschleunigten Rückreise nach der Bukowina. Kongreßbewegung in Kanada Unter den kanadischen Juden wird eine Aktion zur sofortigen Einberufung eines allgemeinen jüdischen Kongrosses geführt. Inzwischen wurden aus verschiedenen jüdischen Gemeinden wie Toronto und Winnipeg Delegierte zum amerikanischen jüdischen Kongreß, der in Philadelphia stattfand, zur Besprechung der kanauischen Bewegung mit den amerikanischen Führern entsandt. Das Kongreßkomitee sandte folgenden telegraphischer! Protest an Sir Robert Borden, Minister- Präsident von Kanada: ״Das Kongreßkomitee der kanadischen Juden, das die kanadische Judenheit in ihrer Gesamtheit repräsentiert, lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die Greucltaten, welche kürzlich gegen die Juden »in Polen, Galizien und Bessarabien, irfi letztgenannten Lande während der Besetzung durch rumänische Truppen, stattgefunden haben, wir haben Ursache anzunehmcn, daß diese Greuel im Mitwissen der verantwortlichen Obrigkeiten geschehen sind. Wir bitten Sie, dagegen zu protestieren und Schritte zu unternehmen, die die Wiederholung diaser Greuel gegen ein loyales, hilfloses und friedliches Volk unmöglich machen.“ Namens der Zionistischen Föderation Kanadas sandte der Präsident, Herr Clarence de Sola, einen Protest an Herrn Robert Borden, worin er ihn namens der zionistischen Organisation auffordert, Schritte zu unternehmen, die Pogrome in Galizien in Zukunft zu unterdrücken. Aehnliche Proteste kommen aus allen anderen größeren Städten K a - nadas, Argentiniens und den Vereinigten Staate 11. Der Jahresbericht des American Jewish Committee Das ״Jüdi s che ‘Korr e spo n d e 11 z, b ü ro“ im Haag meldet: Das ״American Jewish Committee" hielt vor kurzem in New York seine Jahresversammlung ab, in deren Verlauf Herr Louis M a r s h a 11 eine Uebersicht über die Arbeit des Komitees im verflossenen Jahre und über die Zustände der Juden in den verschiedenen Ländern Ost-Europas gab. Der Bericht teilte ferner mit, daß 150 000 bis 200 000 Juden in der amerikanischen Armee kämpfen. Der Bericht sprach seine Zufriedenheit darüber aus, daß England in einer Regierungserklärung die jüdischen Rechte auf Palästina anerkennt und gab eine Uebersicht über die Zustände, ferner wurde verlangt, daß die Entente bei der Wiedererrichtung Polens Maßregeln Iriflt, die eine gleiche Behandlung aller Einwohner verbürgen. Dieselben Forderungen wurden für Rumänien und die annektierten Gebiete Transsylvaniens und die Bukowina ausgesproeiten. Die rumänisch-jüdische Frage droht dieselben Formen anzunehmen wie die polnische. Die Lösung der beiden Fragen müsse dieselbe sein. Der Friedens vertrag müsse Bürgschaften für dfe loyale Durchführung des Vertrages enthalten. Die jüdische Farmerbewegung in Amerika Das ״Jüdische Preßbüro in Stockholm“ meldet unter dem 19. Januar: Am 10. Dezember fand in Ne w York die zehnte Jahreskonferenz des Jüdischen Farmerverbandes der Vereinigten Staaten statt. Der erstattete Bericht konstatiert den großen Fortschritt des GenossenSchaftswesens unter den jüdischen Farraem. Ein Fortschritt, der eine besondere Anerkennung seitens der amerikanischen Regierung dadurch gefunden hat, daß das Agrikultunninisterium die jüdischen Genossenschaften den amerikanischen Farmern als Muster empfohlen hat. Die Konferenz beschloß, in New- York eine Marktzentrale für die jüdischen Farmer zu errichten, sich vom Einfluß der Jewish Colonisation Association völlig m befreien, deren Arbeitsmethoden die Entwicklung der jüdischen Farmerbewegung hemmen I und die jüdischen Immigranten in jeder Weise zu unter- | stützen, um ihnen den Uebergang zum Fannerberufe zu :ermöglichen. Der Farmerverband wird ein eigenes Journal herausgeben. Eine Föderation der englischen Zionistinnen Das ״K o p e n h a g e ner/.ienistis c 11 c B ü r o“ berichtet: ln England wurde eine F ö d e r a t 1 ,) 11 dt■1 ./ ־״ > 11 i s t i 11 n e n gegründet, die am Aufbau Palästinas als (jüdisch-nationale Heimstätte mitwirken und zur Vertiefung des jüdischen Nationalbewußtsein.•. in F ngl a 11 d beitragen soll. Die Föderation wird in einem jüdischen!Palästina alle auf die Wohlfahrt von Frauen uml Kindem gerichteten Bes treburmen unterstützen, üie wird für soziale Verwaltung und Gesetzgebung im Erziehunuswesen und der Industrie wirken, hebräische Kindergärten und Schulen nach modernem System einrichteii und landwirtschaftliche und industrielle Unternehmungen für 1'rau'en und Mädchen im Einklang mit den lokalen Liedingungei] schaffen. Sit' will ferner zur Schlichtung der besonderen :Schwierigkeiten, die aus dem Zusammenstoß zwischen orientalischen und abendländischen Auffassungen entstehen, beitragen. Iri das provisorische Komitee wurden die folgenden Damen gewählt: Mrs. Rebecca D. Sicff, Präsidentin; Mrs. Roina 11a Goodman, Vize-Prüsi• dientin; Dr. Vera W.eizmaun, Schatzmeister; Olga Ginsburg und Erna Reiss, Ehrensekretäre; die Dainen Ir well,Lange, Liebster, Model, Pilic 11 o w s k i und Redcliffe S a I a m a n. Nur die Selbstbesteuerung schafft den Millionenfond des Jüdischen NationalfondsI Die Weltkonferenz der Poale-Zion Das ״Jüdische Volksblatt“, Mährisch- Os trau, berichtet: Das Büro des Jüdischen Sozialistischen Arbeiter- Verbandes Poale-Zion, das gegenwärtig־ seinen Sitz in Stockholm hat, versandte auf telegraphischem Wege an die angeschlossenen Landes-Organisationen eine Einladung zu einer Weltkonferenz des Verbandes, die bei der ersten äußeren Möglichkeit abgehalten werden wird. Die Organisationen wurden aufgefordert, die Wahl der Delegierten unverzüglich vorzunehmen. Die Delegierten haben sich bereit zu halten, auf den ersten Ruf zu kommen. Ort und Zeit der Konferenz werden bestimmt werden, sobald die internationale Lage dies erlauben wird. Der erste Kongreß der jüdischen Arbeiter in Amerika Der ״Neuen Zürcher Z e i t u 11 g“ wird gemeldet: Der erste jüdische Arbeiterkongreß hat beschlossen, dafür einzutreten, daß Palästina eine freie und unabhängige Republik werde, in welcher keine Nationalität, ob in der Majorität oder in der;Minorität, besondere Rechte genießen soll. Ein jüdischer Studentenverband in der Schweiz Außer der bereits in Nr. 6 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 24. Jan. erwähnten Studentenversammhing in Zürich, auf der die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes erhoben wurden, fanden Ende Dezember 1918 und Anfang Januar 1919 auch in den anderen Universitätsstädten der Schweiz, Genf, Lausanne und Bern allgemeine jüdische Studenten- Versammlungen statt, in denen über die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes und den Stand der Judenfrage in allen Lindem referiert wurde. Diese Versainmhingen wählten je einen Ausschuß aus ihrer Mitte, dessen Aufgabe es ist, für die von der gesamten jüdisehen Studentenschaft aufgestellten Forderungen eitizutreten und deren Erfüllung nach Möglichkeit zu erwirken. Einer vom Züricher-Ausschuß ergriffenen Initiative folgend, versammelten sich dann am 11. und 12. Januar 1919 in Bern die Delegierten sämtlicher Studentenausschüsse zu einer konstituierenden Konferenz des ״Verbandes der jüdischen Studentenschaff der Schweiz“ (״Union des £tudiants juifs e 11 Suisse"). Nach An hören von Referaten der Herren Dr. B 11 c h m 11 11 n und I)r. F e i n - berg wurde die Resolution der einzelnen Gencralver- Sammlungen gutgeheißen und als Richtlinie für die Tätigkeit sämtlicher Studentenausschüsse anerkannt. Diese Resolution lautet: Anerkennung der Einheit der jüdisehen Nation und ihre Aufnahme in die!.iya der Völker, Festsetzung Palästinas, in den du :eit ytschichtlichc Ucberliel'ent'tg und durch politische und ökonomische Notwendigkeiten bestimmten Grenzen, als nationale •Heimstätte des jüdischen Volkes, N a t i o - riale Autonomie auf kttiuirellem. sozialem und politischen Gebiet für die jüdische Bevölkerung der Länder jüdischer Masseiisiedlung, .sowie aller anderer Länder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erheb'. Volle Und tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, Es wurde dann auf dieser Konferenz ein Zentralkomitee mit Sitz in Zürich bestellt: Dem Komitee gehören an: Dr. 1־ ein berg, Dr. T raub, Dr. C h w o! n i k , B e r in a 11 11. H 1 s e n - stadt, Dr. Furrer. Joffe, Rokach, Dr. S e - g a 1 c w i t s c 1! und W e e h s 1 c r. Dieses Komitee w'rd die bisher zersplitterte Tätigkeit der jüdischen Studentenschaft in der Schwei/, zu einer einheitlichen, zielbewußten Aktion zusaminenfassen und nach innen und 11 ach außen hin der legitimierte Repräsentant der jüdischen Studentenschaft in der Schweiz sein. Die Vertretung der srfnveizerischen jüdischen Studentenschaft sucht direkte Ver- Bindung mit den jüdischen Studentenorgan.'sationen aller übrigen Länder und bittet sie, mit ihr in nähere Be- Ziehungen zu treten. Die Adresse des Zentralkomitees der ״Union des etudiants juifs en Suisse“ ist: Dr. N. Fein berg, Zürich, Scbeudwrstr. 1!. Der Posener Jüdische Gemeindevorstand gegen die Demokratisierung Aus Posen wird uns geschrieben: ln den letzten beiden Sitzungen der Repräsentanten- Versammlung der jüdischen Gemeinde standen auf der Tagesordnung die Anträge des Herrn R.-A. Dr. Kotlen sch er, die den Beitritt der Gemeinde zum Jüdi sehen Volksrat, die Gewährung einer Subvention in Höhe von 5000 Mark für diesen, und des weiteren die Ausschreibung der Neuwahl für die längst abgekmfenea Mandate eines großen Teils der üemeindevenreter, und zwar nach dem heute selbstverständlichen demokratischen Proportionalwahlrecht für alle Gemeindend tglieder vom 20. Lebensjahre an, ohne Unterschied des Geschlechts, zum Gegenstand hatten. In eingehender, Rede begründefe Dr. Kol len sch er seine Anträge und führte aus, daß der überlieferte Standpunkt, die Gemeinde habe sich von jeder politischen Arbeit fernzuhalten, heute zur Unmöglichkeit geworden sei. Er' zeigte, wie die bisherige Untätigkeit in allen, auch den ־wichtigsten politischen Aufgaben des Tages die Gefahr heraufbeschwören müsse, daß die Gemeinde jede' Fühlung mit der Masse der jüdischen Bevölkerung und jedes Ansehen als die gegebene Vertretungskörpersehaft verlieren müsse. Demgegenüber legte er dar, daß der Jüdische Vokslrat heute bereits nicht nur die nationalgesinnte, sondern auch die thoratreuen und religiös konservativen Teile der jüdischen Bevölkerung Posens geschlossen hinter sich habe, daß sich ihm bereits mehr, als 20 Synagogengemcinden der Provinz angeschlossen hätten, daß sich außerdem an verschiedenen Orten Jüdische Volksräte teils gebildet hätten, teils im Entstehen begriffen seien, und daß endlich auch die Zahl der Einzelmitglieder, die ihm aus liberalen Kreisen zuströmten, täglich wachse. Der liberale Repräsentant, Herr Justizrat Dr. Kämpfer, verteidigte ausschließlich mit den altgewohnten übe- י raten Argumenten seinen ablehnenden Standpunkt und billigte der jüdischen Gemeinde keine anderen als rein religiöse Aufgaben zu. Interessant waren seine Ausfüllrungen, als er darlegte, daß seiner Meinung nach die Juden in einem polnischen Staate, vorausgesetzt, daß sie auf die bürgerliche Gleichberechtigung An- Spruch erheben, auch in nationaler Beziehung in def polnischen Nation aufgehen müßten. Die Ab- Stimmung ergab die Ablehnung der Anträge, In der Fortsetzung der Debatte am zweiten Verh a nd lun gs tage zeigten die Redner der liberalen Mehrheit, insbesondere Herr R.-A. N e h a b ihre prinzipielle Geneigtheit zur Einführung des Proportional-Wahlrechts in der Theorie. 111 der Praxis seien ihrer Ansicht nach die gegenwärtigen Umstande dieser Neuerurig nicht günstig. Daß aber die liberalen Herren' an keine Aenderung des gegenwärtigen pkitokratBcheri Wahlsystems, daß ihnen ihre Macht verbürgt, denken, bewiesen sie dadurch, daß sie sogar den weit entgegenkomnienden, modifizierten Antrag Koller! sc her auf Einsetzung einer Kommission, die bis zum ersten Mai die Einführung des Proportionahvahl rechts vorbereiten sollte, zu Fall brachten. Im übrigen sprachen noch weitere liberale Redner in gewohnter Weise gegen den Zionismus und gegen die Ostjuden. Einer der liberalen Herren des Vor- Standes behauptete, die seit einen! Jahre allgelaufenen Mandate der Repräsentanten seien rechtlich durchaus in Gültigkeit. Er berief sich auf eine Bestimmung des Gemeindestatuts, nach welcher bis zur Einführung der neu gewählten Repräsentanten durch den Regierungs- Präsidenten die bisherigen die Geschäfte weiterführen. Der Posener Brief schließt mit den Worten: ״Mjf den gefaßten Beschlüssen ist die Frage für unsere Repräsentanten erledigt, — für uns allerdings nicht.“ I ill I II I llii I 03636^49^03254986275656803830156616338421452443737286481 3332526^2058153236^53493090