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Jüdische Rundschau · 1919-01-31 · Heft 8 (31.1.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 8 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 64 JU.EDISCHE RUNDSCHAU Auch der Gemeindeverband für Großrtißiand existiert noch immer. Es arbeiten in der Leitung des Verbandes der bekannte zionistische Politiker Belkowski, Herr Nurok seitens der Orthodoxen u. a. ni. Bekanntlich wurden in Moskau alle Buchhandlungen und Verlagsfirmen verstaatlicht. Eint Ausnahme ist für die Buchhandlung ,,Literatur“ gemacht worden, die, als zur zionistischen Organisation gelüirig. als Gesellschaftsinstitution betrachtet wurde. Auch die Moskauer Zionistische Organisation setzt ihre Arbeit, soweit cs geht, fort. Vor einigen Wochen fand in Moskau ein großes Abschiedsfest' zu Ehren von Boris Goldberg statt, der über Paris und London nach Palästina geht. Wie verlautet, sollen ihn A. I d e 1 s o h n und M. A 1 e i n i k o vv begleiten. Das jüdische Leben in Wilna im Wi l n a er jüdischen Leben herrscht ein vollkommenes Chaos. Der Bund, die Poale-Zion und die vereinigten Sozialisten sind aus der Gemeindeverwaltung ausgetreten. Der Bund hat eine Resolution angenommen, in der er betont, daß er mit der bürgerlichen Gemeindeverwaltung nichts gemein habe. Er fordert die Diktatur der Arbeitermasse. Trotzdem arbeitet die gewählte Gemeindeverwaltung nach Kräften weiter. Die Gründung einer jüdischen Volksbibliothek ist in Vorbereitung. Die Rolschewiki haben bisher das jüdische Leben in Wilna nicht angetastet. Sie haben aber ein Kommissariat für Schulangelegcnheiten begründet, das beabsichtigt, eine einheitliehe, proletarische Schule einzurichten. Es besteht VersammlungsfTeiheit, doch lastet auf allen Versammlungen die Angst vor dem Bolschewismus. Die Lebensmittelpreise sind ungeheuer gestiegen. Ein russisches Pfund Butter kostet 60 M., 400 g Zucker 16 M., ein Ei 2 M. Das Zionistische Zentralkomitee für Rußland Das ״Zionistische Zentralkomitee für Rußland“ befindet sich nach wie vor unter Leitung von Herrn Brutzkus in Petersburg. Es besteht ferner ein Rayon-Komitee in Minsk, das mit dem Büro in Petersburg und mit den Gesinnungsgenossen in Moskau in Verbindung steht. Die feierliche Eröffnung . des ersten jüdischen Gymnasiums in Lemberg Die ״Gazetta Zydowska“ vom 24. Jan. berichtet wie folgt: Am 18. Jan. hat in dem Tempel der liberalen Gemeinde Lemberg anläßlich der Eröffnung des ersten jüdischen Gymnasiums und der Handelsschule eine feierliehe Andacht stattgefunden. Es erschienen: Das ganze Lehrerkollegium mit den Schülern und Schülerinnen der neuen Lehranstalten, die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, die Mitglieder des Exekutivkomitees der Zionistischen Organisation und der Synagogenverwaltung, sowie die Vertreter noch vieler anderer jüdischer Institutionen, außerdem waren weite Kreise der jüdischen Gemeinde anwesend. Nach dem Gottesdienst hielt Rabbiner Dr. Ballmann eine Predigt in hebräischer und jiolnischer Sprache, in der er ausführte, daß die Schule, die unter sehr schwierigen Verhältnissen gegründet wurde, ein Geschlecht, das seiner Vorfahren würdig sei und garize Menschen, frei jeglicher innerer Zerrissenheit, hervorbringen müsse. Beim Thoraaufruf wurden reichliche Spenden für das Kuratorium der jüdisehen Schulen gezeichnet. Streik der Beamten der jüdischen Gemeinde in Warschau Die ״üazetta Zydowska“ meldet: Der Streik der Beamten der jüdischen Gemeinde in Warschau dauert an. Der 'Vorschlag der Gemeinde, das Gebalt derjenigen Beamten, die unter 400 M. beziehen, auf 400 M. zu erhöhen, wurde von den Streikenden mit Rücksicht auf die herrschende Teuerung abgelchnt. ״Die Polen mosaischer Konfession‘‘ Ueber die Angelegenheit der Gründung einer gesonderten assimilatorischen Gemeinde berichtet das ״J ü - dis che Wort“, daß die Petition an das Kultusministcrium unter anderen folgende Herren unterschrieben haben: Der frühere Gemeindepräsident Michael Bergson, der sein Amt 25 Jahre innehatte, und der jetzt noch tätige Felix Wisiicki. In der Petition wurde hervorgehoben, daß die Polen mosaischer Konfession unmöglich einer Gemeinde, in der die Nationaljuden die Mehrzahl, bilden, angehören können. Die neue Gemeinde fordert die Teilung des Vermögens der Gemeinde in zwei gleiche Teile. In den Ministerialkreisen wird versichert, daß man dieser Petition gegenüber sich sehr reserviert verhält. Die polnisch-galizischen Pogrome Das ״Jüdische Korrespondenzbüro“ Bern-Zürich erhielt von seinem Berichterstatter aus Polen und Galizien das nachstehende Telegramm: ״In allen Teilen Polens hat für die Juden ein Schreckensregiment begonnen. Sie sind den B e - schimpfu ngen und den Angriffen des Pöbels und der Gewalt, Räuberei und Erpress ung durch die Soldaten ausgesetzt. In dem jüdischen Viertel N a 1 e w k i in Warschau ist es dank der unbekümmerten Schießerei der Soldaten gefährlich, nachts durch die Straßen zu gehen. Unter dem *Vorwand, Waffen zu suchen, dringen die Soldaten in die jüdischen Wohnungen ein, räubern sie aus und nehmen den Bewohnern das Geld ab. Verschiedentlich sind Juden, die durch die Przejazdstraße gingen, von den Soldaten in die Kasernen geschleppt und gezwungen worden, grobe Arbeiten zu verrichten; nur gegen ein sicheres Lösegeld erfolgte die Befreiung. In Lemberg werden ununterbrochen Haussuchungen bei den Juden vorgenommen; man zwingt sie in den Schützengräben zu arbeiten, und Ausschreitungen und Plünderungen sind an der Tagesordnung. Der in Wloclawek organisierte heftige Judenpogrom dauerte vom 5. bis zum 8. Januar. 111 Rad z eie w wurden die Juden unter dem Vorwände, sie hätten in der Nacht auf polnische Soldaten geschossen, durch die Militärbehörde zur Zahlung einer Kontribution von 5030 Mark gezwungen. Dr. Rosenberger, der Vorstand des jüdischen Volksrats in J a r o s 1 a w , ein alter Zionist, wurde am 16. Dezember auf militärischen Befehl verhaftet und am 5. Januar ohne Untersuchung in der Nähe von Krakau für die Dauer des Krieges festgesetzt, angeblich wegen politischer Betätigung, ln J a w 0 r z 11 o wurden alle neun jüdischen Mitglieder des Stadtrates zum Rücktritt gezwungen, ln Tarnow kommt es in der Nähe des Bahnhofes häufig zu Ausschreitungeil gegen jüdisch sprechende Jaden. Der in poliiischer Sprache erscheinende Tageszeitung ״Nowy Dzennik“ ist auf Befehl des Generals Ra zwodowski das Postdebit entzogen. Auf die wiederholten Vorstellungen bei der Regierung und bei den Behörden in Warschau und Krakau gab man Versicherungen und Versprechungen, aber die Verfolgungen und der .Terror dauern, unablässig geschürt durch die Angriffe der Presse, an. Die Lokalverwaltung übersieht absichtlich die Anordnungen der Zentralbehörden und reizt die Bevölkerung immer von neuem auf. Die alte Verwaltung ist vollkommen unzulänglich und unfähig; Rechtsbrüche sind in Westgalien an der Tagesordnung. In Ostg a 1 i z i e n tobt noch heftiger Kampf. Pogrome in Berdyczew und Schitomir Allmählich erfahren wir Näheres über die allerneuesten Pogrome in der Ukraine. In berdyczew׳ spielte sich die Sache folgendermaßen ab: Am 19. Jan. früh kam eine Truppenabteilung nach Berdyczew. Diese Abteilung kam angeblich aus Galizien. Sie war gut bewaffnet unä trug rote Kappen. Ihr schloß sich eine Anzahl von Huligans an, worauf sie an die Entwaffnung der jüdischen Miliz schritten. Wer sich widersetzte, wurde auf der Stelle erschossen. Um zwölf Uhr mittags begann der Pogrom. Die Banditen gingen von Haus zu Haus und raubten was nicht niet- und nagelfest war. Türen wurden zerirümmert, Geschäfte erbrochen und ausgeplündert. Die Waren wurden auf Wagen weggeführt. Einige dieser Fuhrleute wurden ermordet, um die Zeugen zu beseitigeil, welche das Versteck der geraubten Waren hätten angeben können. Der Pogrom dauerte bis zum Abend. Die Hauptstraße von Berdyczew .mit den größten Läden ist vernichtet. In der Stadt gab es nicht viele Opfer, nur einige Leute fielen durch verirrte Kugeln. Jüdische Frauen wurden geschändet. Die argsten Vorgänge spielten sich auf dem Bahnhof ab. Im Laufe des Tages begaben sich viele Bürger dorthin, um die Stadt zu verlassen. Zwischen sechs und sieben Uhr umzingelten die Pogromisten den Bahnhof. Ein Teil begab sich in die Wartesäle und begann dort, die Juden in die Stadt zurückzutreiben. Dabei mußten die Juden zwischen zwei Reihen von Soldaten hindurch, welche ihnen alles raubten, was sie bei sich trugen; dann wurde im Dunkeln auf die Juden geschossen. Es gab viele Tote, darunter auch Frauen. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Die nichtliehen Uebcrfälle wiederholten sich Montag und Dienstag. Der militärische Kommandant ordnete an, daß jeder, der sich nach acht Uhr abends auf der Straße zeige, erschossen werden solle. Eine jüdische Miliz wurde neu gebildet, doch will der Kommandant für sie keine Waffen ausgeben. Der Warschauer ״Moment“ berichtet auf Grund der Aussagen von Reisenden, daß die Zahl der Opfer hundert beträgt. Mit dem Kommandanten von Berdyczew einen bundistischen Juden, lehnten die Banden, welche den Pogrom ausführten, jede Verhandlung ab. Von Berdyczew begab si«Ü ein ,Teil der Banditen nach Schitomir. Näheres über die dortigen Ereignisse ist nicht bekannt, doch soll es auch dort zu einem fürchte? liehen Pogrom gekommen sein. Man spricht von Tausenden Ermordeter und Verwundeter. Paderewski und die Juden in Polen Die ״Jüdische Preß zentrale Zürich“ berichtet: Paderewski erklärte den Spezialkorrespondenten der ״Times“, Israel Cohen und Jeff ries, bei Besprechung der Judenfrage, er habe sich in Amerika viele jüdische Freunde erworben, denen er vor seiner Abreise nach Polen versprochen habe, seinen ganzen Einfluß zur Verbesserung der polnisch-jüdischen Verliältnisse zfu verwenden und er werde in dieser Rieh!- tung wirklich tätig sein. Auf die Bemerkung der Korrespondenten, daß die jetzige Situation der Juden in Nr. 8 Nr. 8 Polen eine unhaltbare sei, ganz besonders• infolge unerhörten Terrors, der gegen die Juden in den Straße!! Warschaus ausgeübt werde, erklärte Paderewski, datl er von all dem keine Ahnung habe; er sprachseine Ent■[ rüstung darüber und den Wunsch aus, die jüdisch-poll nischeu Parteien möchten ihm ein ausführliches Me•[ morial vorlegen. Das Mitglied des provisorischen J«.| disehen Nationalrates H. Farbstein wurde \,;ןמ Paderewski in einet einstündigen Konferenz zu einer Bei sprechung über die polnisch-jüdischen Verhältnisse «npl fangen. Weitere Besprechungen sollen folgen. Padt-I rewski ist bestrebt, eine jüdisch-polnische Verständigung! durehzuführen, und beabsichtigt, in dieser Richtung! energisch zu handeln. Die Sammlung der Warschauer Zionisten für den Lemberger Pogrom Die in Warschau vorgeuommenen Sammlung«! für die Opfer des Lemberger Pogroms haben sdiosl namhafte Summen ergeben. Das ,,zionistische! Zcntralkom i t e e“ und der ״M i s r a c 11 i“ haben | ungefähr 1 Million Kronen gesammelt. Die Maßnahmen der ukrainischen Regierung gegen die Pogrome Englische Intervention in Galizien Die englische Untersuchungskommission Die ״W jener Morgenzeitung“ veröffentlicht eine Warschauer Meldung vom 5. Januar, wonach der ,Leiter der englischen Kommission, Oberleutnant Wade, die Vertreter der zionistischen Organisation, die Herren PodliscKewsky und Grünbaum, gebeten hat, ihn über die Wünsche der polnischen Juden in bezug auf Pa 1 äs in a undt auf nationale Rechte in Polen zu informieren. Die zionistischen Führer haben ausführliche Erklärungen abgegeben und bei dieser Gelegenheit auch die jüngsten Pogrome sowie die Verhaftung der zionistischen Führer in Galizien durch die Polen zur Sprache gebracht. Sie betonten, daß die jüdische Bevölkerung nach wie vor auf Grund der Anerkennung der jüdischen nationalen Minderheitsrechte zu einer Verständigung mit den Polen bereit sei. Oberstleutnant Wade, der die Sympathien der eng lisehen Regierung gegenüber dem jüdischen Volk zum Ausdruck brachte, bat ihm eine schriftliche Formulierung der Später em ,itzendeto!hm ausfi K'.rl hat. Ein Pro Dem 11« Im“ י Eine strationsv( 111 Wales (Klinischen In Nr. 7 der ,.Jüdischen Rundschau“ vom 24. Jan I wurde bereits darauf hitigewiesen, daß die ukrainisch?| Regierung energische Maßnahmen gegen die Pogrome! getroffen habe. Die amtliche Zeitung ״Ulcrai l niskawka“, das Informationsorgan der! Armee der ukrainischen Volksrepublik! vom 12. Jan. 1919 veröffentlicht nun folgenden Be'felü,[ der einen klaren Beweis dafür bringt, daß in der Ukraint| tatsächlich Pogrome stattgefunden haben: Befehl: ״In mehreren Ortschaften der U k ra ine wur-l den durch verschiedene Kosakentruppen Gewalttaten! gegen die Juden verübt. Nach zuverlässigen NadiJ richten wurden die Kosaken durch Provokateure auf•[ gehetzt, die zu den Anhängern des H e t m a 11 s gehören| und zu denjenigen, die sich Bolschewiki nennen.[ Sie verfolgen damit den Zweck, die ukrainische, republikanische Armee in Verruf zu bringen, gegen das ukrainisebe Kosakentum den Haß der Bevölkerung zu er•[ wecken und überhaupt in unser Land Unordnung und[ Gewalt hineinzutragen und auf solche Weise die alte! Herrschaft der Gutsbesitzer und der Reichen wiedeil herzustellen. Mehrere solcher Provokateure sind bereitsI ergriffen und erschossen worden, andere sehen ihrer! Aburteilung 'durch ein Feldgericht entgegen. Das Direktorium der ukrainischen! Volksrepublik befiehlt hiermit allen Kosaken der| Volksarmee, sowie allen ehrlichen Bürgern, die obengenannten Provokateure und jeden, der zu Gewalttaten! aufhetzt, festzunehmen und unverzüglich an die Militär-[ gerichte abzuliefern. Die Anhänger des Hctmans, diel Gegenrevolutionäre, die sich Republikaner nennen,[ warnt das Direktorium kategorisch: Wen es tvagen wird, auf irgendeine Weise die Ehre der[ Armee des arbeitenden, revolutionären, ukrainischen! Volkes zu schänden, wird aufs strengste bestraft werden.[ Die demokratische Juden heit aber fordert | das Direktorium auf, energisch diejenigen anarcho-| bolschewistischen Elemente in ihrer Nation zu be | kämpfen, die gegen das arbeitende Volk der Ukraine[ und seine Herrschaft auftreten. Denn, diese Elementei geben den Provokateuren einen Vorwand für ihre demagogische und schädliche Agitation gegen die ganze[ Judenheit, die mit dem Bolschewismus nichts zu tunl hat, und verwirren die anständig gesinnten Ukrainer,[ die jedes arbeitende Volk verteidigen, darunter auch[ die jüdische, nicht anarchistisch-bolschewistische und| dem ukrainischen Staat treu ergebene Demokratie, (gez.) Der Präsident des Direktoriums Win nitsehenko, die Mitglieder des Direktoriums: Petljura Sch wetz, Andrijewski, Maskerenko. Die I Laut Flüchtling 1; ukow Sniatyn v als ״Freu Sie erd ule noch Nal daher die beschl eun Das ״Kopenhagener Zionistische Büro״| erhielt von der englischen Gesandtschaft ml Kopenhagen die Mitteilung, daß in der Angelegen-1 heit der Verhaftung der zionistischen Führer in Galizien I die polnische Gesandtschaft in Wien seitens| des ,Londoner Auswärtigen Amtes ersucht wurde, weitere Untersuchungen anzustellen und Berichte| über deren Ergebnis zu erstatten. Untei sofortige! grosses ״ jüdischen Delegiert! Phi lad uiseben I sandt. Das sehen Pr präsid der kanu ihrer Ges auf die Juden «in ith letztg rumanisc! Ursache der vera bitten Si unternehi ein loya machen.‘ Nara Kan a.d de Sol worin e auffordei Galizien teste kot 11 a d a s, Staate Der Das Haag Das vor kur ab, in Uebersic Jahre u schieden ferner n kanische Zufriedc gierung! anerkeni Ferner י errichtu! 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