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Jüdische Rundschau · 1919-01-28 · Heft 7 (28.1.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 7 (28.1.1919)
Date
1919-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 56 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 7?fi :iS -|f •:I 8 :i§ Europareise Dr. Ruppins Herr Dr. Arthur Ruppiri ist aus Konst antinopel nach längerer Reise in Berlin eingetroffen. Wie die Zeitungen bereits meldeten, hat Dr. Ru pp in noch kurz vor seiner Abreise die Organisierung eines Transportes von mehreren hunderten palästinensischer Flüchtlinge, die!sich in Konstantinopel befanden, unternommen und die Erlaubnis der Ententebehörden i!1 Konstantinopel für die Rückkehr dieser Flüchtlinge nach Palästina erwirkt. Er selbst erhielt eine besondere Erlaubnis in Konstantinopel zu bleiben. Zwecks Beratung mit der zionistischen Leitung jedoch hat Herr Dr. Ruppin Konstantinopel verlassen und begibt sich in diesen Tagen für kurze Zeit nach dem Haag. Dr. Schmarja Levin in London ff Das ״Kopenhagener Zionistische Büro“ teilt mit, daß einem Telegramm aus London zufolge die Ankunft des Mitgliedes des Engeren Aktionskomitees Dr. Schmarja Lev in am 17. Januar dort erwartet wurde. | Die Poale-Zion aut' der Friedenskonferenz Das Verbandsbüro der ״P o a 1 e - Z ו o n“, das, wie gemeldet, zur Teilnahme an der sozialistischen Friedenskonferenz in Lausanne aufge ordert wurde, hat bisher noch keinen Beschluß über die Zusammensetzung seiner Delegation gefaßt. Araber und Juden Das ״Jüdische Ko r re s po n d e n z b ü r o" im Haag empfing vom ״Zionistischen Büro“ in London folgenden Bericht über die von Emir Faisol, Sohn des Königs von Hedschas, auf dem ihm von Lord Rothschild gebotenen Bankett, an dem verschiedene hervorragende Persönlichkeiten, Minister, Parlamentarier usw., teilriahmen, gehaltene Rede. Emir F a i s o 1 führte folgendes aus: Die Araber haben die innigsten Be- Ziehungen zu den Juden und sind ständig Freunde gewesen, von Beyrut bis Cordova und Yemen, in Zeiten, wo die Behandlung durch einzelne Nationen viel zu wünschen übrig ließ. Die Araber sind weit davon entfernt, den jüdischen Nationalismus zu verdächtigen oder zu befürchten. Die Türken herrschten, indem sie Feindschaft und Zwistigkeiten unter den ihnen unterworfenen Völkern entfachten, und ich bedauere, .ftaß-.anUo״» hpiifp dasselbe versuchen. Fs wurde nur von Leuten, die sich selbst zivilisiert nennen, erzählt, daß die Juden unsere Moschee in Jerusalem als ihren Tempel einrichten wollen und daß es ihre Absicht sei, die arabischen Bauern aus Palästina zu vertreiben. Ich weiß, daß kein Jude diese Absichten hat, und Verdächtigungen dieser Art finden bei uns keinen Widerhall. Wir verlangen die arabische Freiheit, aber wir würden sich ihrer unwürdig zeigen, wenn wir die Juden, die nach Hause gehen, nicht willkommen hießen und mit ihnen nicht auf friedlichem Wege Zusammenarbeiten würden. Dr. Weizmanns Ideale sind die unsrigen. Wir erwarten von Ihnen, daß Sie uns auch Ihrerseits helfen werden. Kein Staat kann im nahen Orient ohne den guten Willen der Großmächte errichtet werden. Die Errichtung neuer Staaten im Orient bedarf der Herbeischaffung europäischer Ideale, Wissenschaft und Kenntnisse. Um diese für uns dienstbar zu machen, müssen wir sie in eine arabische Form verwandeln. Und welcher Vermittler wäre uns da besser gelegen, als das jüdische Volk? Das jüdische Volk hat sich die Kenntnisse von Europa zu eigen gemacht und ist mit uns durch Blut verbunden. In Syrien, Arabien und Mesopotamien ist das arabische Blut vorherrschend und die arabische Sprache überwiegend. Die Araber in Asien sind ein einziges Volk. Alle Provinzen haben ihre besten Söhne für den Widerstand gegen die Türkei hergegeben. Meine Offiziere waren Syrier, Palästinenser und Mesopotamien Sie kamen nicht, um den einen Herrscher für den anderen umzutauschen und von einer Knechtschaft in die andere überzugdien. Die Türken sind gegangen, um nicht wiederzukehren. Die Araber «׳erden jetzt ihr Los selbst in die Hände nehmen. Noch ein Wort über die Religion: Ein Glaube ist eine rein persönliche Verbindung vom Menschen zu Gott, jedermann hat das Recht, seinen eigenen Glauben zu haben, und dieser Glaube hat Recht auf Freiheit und Ehrfurcht anderer. Als Mos im achte ich ^en Glauben anderer Völker. Ich überlasse ihnen alle Freiheit, ihn auszuüben. Aber ich kann nicht begreifen, daß Völker das Recht verlangen, den Glauben anderer in fremden Ländern zu fördern und zu verteidigen. Was die heiligen Stätten betrifft, so können diese den verschiedenen Glaubensgemeinschaften überlassen werden. Hierzu meldet das ״Jüdische Korrespond e n z b ü r 0“ im H a a g ferner: Emir Faisol, der Sohn des Königs von Hedschas, der die Araber auf der Friedenskonferenz vertreten soll und einige Zeit in England weilte, ist jetzt nach Paris abgefahern. ״Zionist Review“, das Organ der englische) Zioiiisten-Föderatloii, schreibt: ״Es wäre sehr zufrie le,11s:elle!1 J, daß eine arabischjüdische Entente Zustandekommen sollte. Die zwei* nationalen Forderungen werden einander auf der Fricdenskonferenz verstärken. Beide sind gleich durch die Ungerechtigkeit des geheimen Abkommens von!915 und durch jeden Versuch, die Probleme des nahen Orients nach Grundlinien zu lösen, die nicht mit den Rechten der dort lebenden Völker Rechnung tragen, bedroht. Eine Frage, die Verständigung zwischen Arabern und Juden verlangt, ist die der Grenzen Palästinas. Es gibt hier keine grundlegende Interessenverschiedenheit und auf Grund des befriedigenden allgemeinen Abkonimens, das getroffen worden ist, wird die Lösung dieser Frage keine besonderen Schwierigkeiten bieten. In dieser Frage der Grenzen, wie in anderen Fragen müssen Juden und Araber gegen den gemeinsamen Feind stehen. Das jüdische Interesse verlangt, die Sicherung von Grenzen, die durch die historischen und ökonomischen Bedingungen Forderungen bedingt sind. Wir bemerken, daß diese Forderungen auf einem Massenm ee tin g in Roin , an dein der englische und amerikanische Gesandte anwesend waren, aufgestellt wurden. Die provisorische Nationalversammlung der ukrainischen Juden hat sie ebenfalls in ihrem Programm aufgenommen.“ (Inzwischen stellte die erste Nationalversammlung der tscüecho-slovakischen Juden die Forderung eines ungeteilten Palästinas auf.) Ucber dasselbe Thema schreibt ״P a 1 e s t i n e“ wie folgt: ״Wir glauben, daß es die Hauptaufgabe Emir F a i s o 1 s auf der Friedenskonferenz sein wird, die Grenzen des zukünftigen arabischen Staates festzulegen. Seine eigene Absicht ist die Gründung eines arabischen Staates von Mekka bis Aleppo und Tripolis. In der Verfolgung dieses Zieles ist er bereits mit den Franzosen in Konflikt gekommen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Franzosen es ungerne sehen, daß der Emir seine Verwaltung in Damaskus einrichtet. Andererseits sieht es der Emir ungerne, daß die Franzosen ihre Fahne in Beyrut pflanzen. Aber Emir Faisol fordert auch Territorium, das unleugbar zu Palästina gehört. Sollte dieser Gegensatz den traditionellen, diolomatischen Weg gehen, so würde Frankreich unzweiidhaft den Arabern vorschlagen, Frankreich Konzessionen zu machen und;ich auf Kosten des jüdischen Palästinas zu entschädigen. Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß solch ein Tauschhandel vom Jüdischen Volke mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften verworfen werden würde. Emir Faisol wird das Interesse,«daß die Zusammenarbeit mit einem jüdischen Palästina ihm bringen kann, nicht aüs dem Auge verlieren dürfen. Die Grundlagen einer solchen Interessengemeinschaft muß die Aneriannung der richtigen jüdischen Grenzen durch die Araber sein.“ Die französischen Interessen in Syrien. In der ersten Hälfte des Januar tagte in Marseille fein syrischer׳ Kon grell, über den der dortige Korrespondent des ״Manchester Guardian“ wie folgt berichtet: Es wurde.eine von der Sektion für Erziehung vorgeschlagene Resolution angenommen, daß Frankreich zufolge der ältesten Traditionen der Vergangenheit und den dringenden und wohlbekannten Wünschen der gesamten syrischen Bevölkerung bei den kommenden Friedensverhandlungen die Notwendigkeit darlegen soll, daß die Integrität Syriens unter dem Schutz Frankreichs gesichert werde. Der Bürgermeister von Marseille führte aus, daß der Stadtrat von Marseille sich 1917 der geographischen Gesellschaft in der Forderung angeschlossen habe, daß Syrien an Frankreich angeschlossen werden soll. C 11 e k r i Ganeni, der Vorsitzende des Syrischen Zentralkomitees, der als Vertreter von 600000 Menschen fungierte, sprach zu Gunsten einer vereinigten Föderation des autonomen Syriens unter Frankreichs Protektorat. Er griff die willkürliche Teilung Syriens in dem französisch-britischen Abkommen von 1916 an. Herr Franklin-Bouil- Ion ging auf die französischen Interessen im ästliehen Mittelmeergebiet ein. ln der angenommenen Resolution forderte die Mars e i 11 e 1־ und L y o y e r Kammer auf, einen Ueberblick über die wirtschaftlichen Quellen Syriens zu geben. Auf Antrag der historischen Sektion faßte der Kongreß einen Beschluß, eine Abteilung für Altertümer und Künste in Syrien einzusetzen, wie eine solche in Tunis besteht. Museen sollet! in den Hauptzentren errichtet werden, besonders in Jerusalem, Beirutund Damaskus. Zur Palästinaforderung des jüdischen Volk s Die jüdischen Nationalräte für Ostgalizien, Tschecho-Slovakien, Deutsch- Oesterreich und die Bukowina als Vertreter der Gesamtjudenheit ihrer Länder haben an die Regierungen Englands, Frankreichs und 11 a - 1 i e n s sowie an den Präsidenten Wilson Telegramme gerichtet, in denen sie erklären, ״daß sie sich den Forderungen der gesamten Judenhcit anschließen, wonach auf der Friedenskonferenz die Forderung zu erheben ist, daß Palästina innerhalb seiner historischen Grenzen unter solche politischen, administrativen und ökonomisehen Bedingungen gestellt werden soll, welche seine Entwicklung zu einem jüdischen Gemeinwesen verbürgen.“ Teilnahme auf der Londoner Konferenz Zu der zionistischen Konferenz, die am 11. Februar in London stattfinden soll, sind auch Vertreter der zionistischen Organisationen von Ts checho-Slovakien und Jugoslawien eingeladen worden. ■ ׳-,.י;״ f;V^Die Einwanderung nach Palästina Das ״Kopenh agener zionistische Bu re au“ erhält vom ״Londoner Zionisti# schem Bureau“ folgendes Telegramm: Die Zionistischen Organisationen müssen darauf aufmerksam gemacht werden, daß eine Einwanderung nach Palästina nicht unternommen wer• den kann, bevor seitens des ״Londoner Zionistisehen Bureaus“ entsprechende Benachrichtigpng erfolgt. Für Personen, welche vor soleher Benachrichtigung abreisen, kann eine Verantwortung nicht übernommen werden, (gez.) W« izmann, Jacobson. Hierzu schreibt das ,;Kopenh agener Zionistische Bureau“ in seinen Bulletins: la Nummer 89 unserer Bulletins! haben wir bereits auf die Gefahren hingewiesen, die eine unorganisierte und übereilte Einwanderung für das gesamte Palästinawerk haben könnte. Das Telegramm der Her* ren Prof. Weizmann und Dr. Jacobson bestätigt seitens der ״LondonefZionistischen Organisationsleitung“, die Auffassung, daß die Einwanderung nach Palästina nur nach einheitlichem Plan, der mit allen politischen SLhcrungen und wirtschaftlichen Bedingungen ׳und Not- Wendigkeiten rechnet, erfolgen darf. Diese systematische Einwanderung ist die unseren nationalen Zielen entsprechende, für sie allein kann die zionistisehe Organisation die Verantwortung übernehmen. Gedanken über die Sozialisierung Palästinas*} Bis vor kurzem war jede Erörterung der Wirtschaftliehen Entwicklungsmöglichkeiten Palästinas rein theoretischer Natur, da, solange dieses Land unter türkischer Herrschaft stand, an eine Ausnutzung dieser Möglichkeiten nur in sehr beschränktem Maße gedacht werden konnte und die Unsicherheit jeder Kapitalanlage in der Türkei, soweit sie nicht unter dem besonderen Schutz einer Großmacht stand, so groß war, daß an eine Beschaffung wirklich bedeutender Mittel behufs Inangriffnahme großer Unternehmungen nicht gedacht werden konnte. Privatleuten konnte nicht zugemutet werden, größere Kapitalien zu riskieren, und auf dem Wege von Aktien- oder anderen Gesellschaften voi» kleinen Kapitalisten große Summen aufzubringen, ist stets eine dornenvolle Aufgabe, mußte aber fast eine Unmöglichkeit werden, wenn es sich um ein finanziell in so schlechtem Ruf stehendes Land handelte, wie es bei der Türkei der Fall war War es doch kaum möglich* als Ermunterung auch nur ein einziges florierendes unil finanziell gut rentierendes Privatunternehmen größeren Stiles in der Türkei anzuführen. Jetzt har sich die Lage, was Palästina betrifft, völlig geändert. Zwar liegt die Zukunft des Landes in politischer Hinsicht vorläufig noch im Dunkeln, das eine ist aber sicher, die Türkei erhält Palästina nicht wieder zurück. Ob Palästina nun selbständig wird oder ob es einem größeren Reiche als Kolonie angegliedert bzw. von ihm treuhänderisch verwaltet werden sollte, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß schon in naher Zukunft geordnete Zustände dort herrschen werden. Hierdurch ist die Kahn für große Geldinvestitione:! in Palästina frei gemacht, und es kann sich im wesentliehen nur um die Frage handeln, ob es private oder öffentliche Gelder sein werden, welche dem Lande den erhofften Aufschwung bringen sollen. Diese Frage mag vielleicht manchem als eine solche von sekundärer Bedeutung erscheinen, sie ist es aber durchaus nicht, denn bei einer straffen Sozialisierung werden naturgemäß viele Entwicklungsmöglichkeiten nicht zur Entfaltung gelangen können, die nur wagemutiges Privatkapital in Angriff zu nehmen bereit ist. Staatlich kontrollierte Gelder können nicht in großem Maße für Versuche mit sehr zweifelhaftem Erfolg Ver- Wendung finden, dafür sorgt die scharfe und mißtrauische gegenseitige Kontrolle und die durch keine Gewinnchancen kompensierten unangenehmen Folgen, die ein Mißglücken solcher Versuche für die hierzu treibenden Elemente haben würden. Dazu kommt ferner noch, daß eine sozialistische Besiedlung des Landes zweifellos ein weit langsameres Tempo annehmen müßte, als eine auf Privatinitiative beruhende und mit privaten Mitteln betriebene. Vor allein wird es überaus schwer sein, die ungeheuren staatlichen Mittel aufzubringen, die zu einer großzügigen Kolonisation ' nötig sind. Privatleute werden nämlich schwerlich geneigt sein, große Summen in ein bisher so wenig sicher fundiertes und dabei doch nur bescheidene Zinsen versprechendes Unternehmen zu investieren, wie es die sozialistische Wirtschaft darstellt. Daß aber eine Großmacht dem jungen Staatswesen, das ohnehin für Verwaltung und Instandsetzung gewaltiger, für lange Zeit zinsloser Summen bedarf, für Zwecke der Kolonisation im weitesten Sinne die hierzu nötigen Riesensummen — es handelt sich um Mil- Barden — vorstrecken wird, ist mehr als zweifelhaft. ‘Für den Fall prinzipieller Sozialisierung aller größeren ’) Der Aufbau Palästinas, vor allein •das Problem der Sozialisierung steht jetzt überall im Mittelpunkt der' Diskussion. Bis zur Paläsiinataguiig wird die ״jüdische, Rundschau“, eine Reihe von׳ Aufsätzen über.diese Probleme bringen. Wir freuen uns, als ׳ersten ־Artikel׳Ä••.׳ ׳ :Mein«1»8iuß,erüp^tafer,PeysÖi»Mch!-.eit, wie der des Hem» Prof. Warburg zum Abdruck bringen zu können.

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