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Jüdische Rundschau · 1919-01-24 · Heft 6 (24.1.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 6 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I Seile 52 J U E DI SC H E RUNDSCHAU Nr, 6!frisierte Dr. O I s c 11 w;1 11 g e r Ix-sonders die Umwand• lung dos Zionismus in eine große Volksbewegung, und skizzierte in Anlehnung an die großen Ideen Th. H crzls die künftige Gestaltung Palästinas auf sozialistisch• o 111 i s e 11 e r G ru 11 d 1 a g e. Gegen den formell wie inhaltlich verfehlten Aufruf des Komitees ״Pro Causa Judaica ' zur Einberufung eines jüdischen Wcltkongresscs, sowie insbesondere gegen die Unterschrift des Präsidenten der Schweizer Zionistischen Vereinigung unter diesen Aufruf, nahm der Redner energiseli Stelhing. 111 einem längeren Referate betonte Herr W i 1 - b 11 s c 11 e w i t s cli, iiiehl nur die ideelle, sondern auch die praktisch-kolonisatorische Notwendigkeit der N a t i o n;11 i s i e r u 11 g d e s Hodens, wie auch die Möglichkcit und Notwendigkeit weitgehender frcundschaft• lieber Hezieliiingen mit der arabischen Bevölkerung, ln der daran anschließenden mehrstündigen Debatte wurde bes Inders die Einigkeit der Studentenschaft mit den ostjüdisclien Massen betont. Ihrer Empörung über die Pogrome in Polen brachten die Studenten in einem Telegramm an die jüdischen Nationalrate im Osten zum Ausdruck. 111 der Präge der praktischen Tätigkeit wurde die Organisierung der akademischen Jugend zur Einwanitei'iing nach Palästina, wie auch die Zusammenarbeit mit allen anderen akademischen Organisationen als Hauptmomente der Arbeit des künftigen ״Zentralkomitees der Hccliawcrvereine“ betrachte(, in das die Herren Cli. E i s e n s t a d t, 1 >r. F e i 111»e rg , I>r. Br a inson Joffe und Weine rt gewählt wurden; als Sitz des Zentralkomitees wurde Zürich bestimmt. In Bezug auf die allgemeine Lage wurden Resolutionen augeiromnieu, in denen die Einberufung einer zionistische n W o 11 k o 11 f e r e n z gefordert, sowie das E. A. C. ersucht wird, Schritte zur möglichst raschen Einberufung eine* jüdischen W e 11 k o 1t - grosses zu unternehmen. Ferner nimmt der ״Kongreß des Kartells" mit Bedauern zur Kenntnis, daß der Präsideiit der Schweizer Zionistischen Vereinigung seine Unterselirift unter den Aufruf des Schweizer Komitees ״Pur Causa Judaica“ zu einer Einberufung eines jiidischcu Weltkongresses gegeben hat“ und wendet sich gegen diesen Aufruf ״als ein unverantwortliches Vorgelien, das der jüdischen Sache direkt zum Schaden gereicht.“ Schließlich wird die sofortige Vorbereitung und Einberufung eines d e 111 o k r a t i s c 11 e 11 Judentag cs in der Schweiz verlangt. Nationales Bekenntnis der jüdischen Studentenschaft Zürichs In einer Ende vorigen Jahres in Zürich cinbe* rufeneu Versammlung proklamierte die jüdisch eStude nt en scliaft Zürichs auch ihrerseits die natioaalen Forderungen, wie sie vom jüdischen Volke vor das Forum des Friedenskongresses getragen werden: Die Anerkennung der Einheit der jüdischen Nation und ihre Aufnahme in die Liga der Völker, die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palastiua, die nationale Autonomie auf politischein, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet in den Landern der jüdischen Masscnsicdlung, und die uncingc• schränkte Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern. Die Proklamation der jüdischen Forderungen in Rom Dein ״Daily Telegraph“ teilt sein römisc 11 er Korrespondent mit; ״In Rom ist in einer Ver- Sammlung, der verschiedene Senatoren und Abgeordnete beiwohnten, die Forderung aufgcstcllt worden, in Pa- Uistina einen jüdischen Staat zu errichten und den Juden in allen Ländern gleiche Rechte zu gewähren.“ Eine Kolonie chinesischer Juden in Palästina Auf Veranlassung des Herrn E. S. Kadoorie haben diinesisdie Juden beschlossen, eine besondere chinesische Kolonie in Palästina zu errichten. Herr Kadoorie hat zu diesem Zweck dem Jewish Colonial Trust bereits 50 000 Pfund überwiesen. Vom Zionismus in Finnland Ih Abo wurde kürzlich ein zionistischer Ju gendverein (Zeire Zion) ins Leben gerufen. Die dritte Nummer der in Helsingfors erscheinenden ״Judisk Krönika“ bringt ausführliche Berichte über die Judenverfolgungen in Polen und die Protcstver- Sammlungen in Kopenhagen und Vibarg, sowie die Ar• tikel ״Weltjudcntum“ und ״Der Krieg und der Antisenütisnius“, eine Reihe von Zuschriften und eine Ucbcrsicht über die wichtigsten zionistischen und allgemein jüdi-, scheu Ereignisse in allen Ländern. Einige fütnländischc Zeitungen, wie ״Abo underrcttelser“ vom '28. Novcmber und die in Helsingfors erscheinende russische Zeitung ״Russikij Listok“ vom 30. November beschäftigen sich eingehend mit dem Programm der neuen Zeitschrift und begrüßen ihr Erscheinen mit warmen Worten der Sympathie. Zionistische Organisation ״Magen Dawid“ in Tanger Die jüdische Kolonie m Tanger hit sich zu einer zionistischen Gesellschaft mit dein Namen ״Magen Dawid" zusanunengcschlossen, die }m Andenken des verstorbenen Gnoörabbittere Mordechai Ben Gio gegründet wurde. Die neue Organisation hofft eine starke Propaganda für den zionistischen Gedanken entwickeln zu können. Sie zählt hepeits (100 Mitglieder, die zur materiellen und moralischen Unterstützung des Unternehmens gern bereit sind. Als ihre eigentlichen Ziele bezeichnet die neue Organisation die Erweckung der Liebe zu Palästina, die Verbreitung der hebräischen Sprache und die Unterstützung der Notleidenden der Gemeinde Tanger. Zur Untersiützung des Werkes ist die Einrichtung einer Bibliothek und die Herausgabe von Biosehüren und Flugblättern beabsichtigt. Antiseiiiitisch-royuÜstisclie Treibereien in Budapest Unter diesem Titel bringt das ״Berliner Tageblatt“ vom 21. Januar, daß am 20. Januar in Budaliest Versammlungen, in denen reaktionäre Redner das Volk gegen die Juden aufzustaclidn versuchten, staltgcfundcii haben. In einer Versammlung, die von dem S z e k 1 c r Nationalrat einberufen war, hielt Oberleiitnant Szabocinc antisemitisch gefärbte Rede mul richtete namentlich gegen die Budapester Zeitungen und deren Herausgeber heftige Angriffe. Die anwesen* den Vertreter der Presse wurden beschimpft uii^l geschlagen und mußten den Saal verlassen, ln den Nachmittagsstunden fand eine Versammlung der Franzstädter Arbeiter statt, die erklärten, daß die Arbeiter die nntisemitischen Hetzereien nicht ruhig mit anschcn, sondern zu den ■Waffen der Gewalt und des Terrors greifen würden. Die unter dem Deckmantel der ״erwachenden Ungarn“ organisierenden Christlich sozialen griffen in einer großen Versammlung die Juden und die Volksrcgierung auf das heftigste a n. Es kam zu Rufen: ״Fort in i t den jüdischen Ministern! Fort mit K a r o 1 y i, dem Judenfreund! Wir wollen keinen jüdischen Kriegsminister!“ Die Mitglieder des Laiidwchrverbandcs protestierten gegen diese Beschimpfungen, und es kam zu einer blutigen Schlägerei. Schließlich schritt eine starke Abteilung der V o I k s w c 11 r ein, drang in die Kaffeehäuser ein und trieb die jüdischen Gäste hinaus. Ins Cafe Ochon kam ein Korporal mit etwa 50 Mann, forderte die Gäste auf, *las Kaffeehaus zu verlassen, da die J ud e n, g eo r f e ig t werden müßten. Eine andere Gruppe von Demonstranten drang in das Natiounltlieater, störte unter antisemitischen Rufen die Vorstellung und zwang die jüdischen, Besuchcr, das Theater zu verlassen. Im Laufe des Abends wurden mehrere Offiziere und U n i v e r s i ־ tätsliörcr verhaftet, gegen die die Anklage erhoben wird, die Menge zu royalistischcn und antisemitischen Kundgebungen veranlaßt zu haben. Der Judenpogrom in Bukarest Das ,,Jüdische Prcßbüro" in Stockholm meldet: Die in Budapest erscheinende zionistische Wochenschrift ״lsido Szcmle“ schreibt: Die Räumung Rumäniens hat mit Blutvergießen und unter Tränen begonnen. Kaum begann die Armee Mackensen aus Bukarest abzu/.ichcn, überfiel auch schon der ״sicgestriuikeiic“ Bakarester Pöbel die Juden und arrangierte einen Pogrom. Die radikale Zeitschrift ״P o 1 i t i k a“ bringt toigende Einzelheiten über die empörenden Vorfälle; ״De! bewaffnete Pöbel griff das sich Avisclieu Calea Vakaresti und Strada Espanola ausbreitende Judcnvicrtcl an und begann zu plündern. Die zur Verteidigung vorbereiteten Juden hatten au der Kreuzung der Strada Sfiiiti Vineri und der Calea Vakaresti mehrere Masclii• itengewehre aufgestellt und sich auf diese Weise gegen die Angreifer gewehrt. Bei diesem Zusammenstoß haben ungefähr 30t) Personen ihr Leben verloren. Die Zahl der Verwundeten überstc'gt ll)()0. Gegen Abend gelang cs der Masse, in das Judcnvicrtcl einzudringen, wo sie furchtbare Verheerungen anrichtete, und das Ghetto in Flammen setzte. 111 derselben Nacht zog der Pöbel durch die Strada Upskani, wo sich die Geschäfte der reichsten Juden befinden, und plünderte dort in der fürchterlichsten Weise alles aus. Antisemitische Ausschreitungen in Böhmen Wie die Prager ״S e 1 b s t w c 11 r“ meldet, kommt es auf dem Lande in Böhmen jetzt fortgesetzt zu PI ü n - derungen jüdischer Läden und judenfeindlichen E x z. e s s e n. * Besonders in Katt an, S t r a k o n i t /. und C a s I a u hatte die jüdische Bcvölkcrung sehr zu leiden. Die Gendarmerie war machtlos, militärische Hilfe nicht vorhanden, und Intelligenz und Bürgertum sahen dem Treiben lächelnd zu. Prozentnorm an der Krakauer Universität Die Prager ״Selbstwchr“ meldet, daß bei der diesjährigen Inskription pn der Krakauer Universitat die Univcrsitntsbchördc prinzipiell auf je 100 christliche Hörer nur 5 Juden nufgenonunen habe, Die Unterdrückung des ״Nowy Dziennik‘* Dem ״J üd i s c h e n P re ß bü ro“ in Stockholm wird aus Wien telegraphiert: Soeben wurde dem' jüdischen Tageblatt in pol- Mischer Sprache ״Nowy Dzicnnik" (Krakau und Mährisch-Ost rau) von der Krakauer Postdircktlon im Einvernehmen mit dem Polnischen Militärkommando ohne׳ Angabe von Gründen das Postdebit für Galizien und Schlesien entzogen. Der offensichtliche' Zweck dieser Maßnahmen ist, dem Judentum Oaliziens das einzige Tageblatt in polnischer Sprache zu rauben und es für den bevorstehenden Wahlkampf um die Konstituierende 'Versammlung mundtot zu machen. Protest der amerikanischen Juden zur Friedenskonferenz Dem ״J üd i s c 11 c n Pr c ß b u ro“ in S t oc k ho I m wird aus Lo!1110 11 telegraphiert: Anläßlich der polnischen Judenpogrome finden in den Vereinigten Staaten und in Kanada fortgesetzt Protestversaiiiiiilungen statt. Ein überwältigendes Protcstnieeting wurde in Madisou Square Garden m New York abgelialteii. Als Hauptredner traten der bekannte Philanthrop Jacob Schiff, der Schriftsteller Sclialom Asch jiml der Arix'itcrfülirer Mayr London auf. Schilf verlas eine Reiße von Telegraiiinien galizisclier Rabbiner über die Judcngrcuel in Galizien und erklärte, daß die größte Verantwortung für die Geschehnisse in Galizien und [,ölen Dmowski, der Führer 11er polnischen demokratischen Partei und Organisator des polnischen Boykottes gegen die Juden, trage. Dmowski, der leider au der Spitze des von den alliierten Regierungen anerkannten ״Polnischen Nationalkomitees“ in Paris stände, beabsichtige, eine Reise nach Amerika zu unternehmen. Die freie Republik dürfe aber nicht gestatten, daß der mit jüdischem Blut befleckte Mann ihren Boden betrete. Schiff sprach sich entschieden dafür aus, daß der Friedensko 11 g re ß die Anerkennung der po I n i sc h c n Selbständigkeit von der Sicherstellung der j üd i sehen Rechte in Polen abhängig machen müsse. Chainp Clark, der spcckcr (Vorsitzende) des Kongresses jn Washington, entschuldigte seine Abwesenheit, nannte die polnischen Judenpogrome ״idiotisch und verbrecherisch“ und drückte ehe Hoffnung aus, daß der Friedenskongreß den Greueln ein Ende machen werde. Die von der Versammlung gefaßte Protestresolution wird t durch die Vermittlung des Washingtoner Staatsde p a r t e m c n t s dem Friedenskongreß übermittclt werden. Die jüdische Gemeinde Lembergs weist die polnische Spende einer halben Million zurück Das ״Jüdische Prcßbüro“ in Stockholm meldet: Laut dem Warschauer jüdischen ״Moment“ ülxr wies das polnische Hilfskomitee in Warschau an die j ü <1 i s e 11 e G e ui e i 11 d e in E e 111 - berg eine Spende von einer halben Million Kronen zugunsten der Bogrouiopfer. Die jüdische Gemeinde Verwaltung Lembergs sandte diesen Betrag init der Erklärimg zurück, daß mit einer halben Million Kronen die blutigen Exzesse von Lemberg nicht ungeschehen gemacht, und der Schmerz der jüdischen Bevölkerung nicht gelindert werden kann. Von den Poale-Zion Der Partdvcriag ״A r b e i t e r h e i m" in War c-iau entfaltet eine rege Tätigkeit. Es erschienen bereits Broschüren über den Palästina-Arbeiterf o 11 d , die Kolonisationsfähigkcit Pa- I ä s t i 11 a s , nationale Autonomie, Schul-!frage, Ge me! 11 de program nt, Judenfragc und Internationale, sowie die Stockholmer Erklärung der P o a! e - Z i o n - D e l e g a t i o n. Jüngst wurde ein ähnliches Vcrlagsuntcrnchmen 1.1 polnischcr Sprache (״Mlot“ - Hammer) begründet. Iin \\1rigen Jahr fand eine K o 11 i e r e n 1, d e s R a y o n s W I 0 c lawek der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. (Poale-Zion) statt, auf welcher ein außerordentliclics Wachsen der Bewegung fcslgcsteHt werden konnie. Von den '25 Organisationen des Rayons konnten infolge der Kriegsverhältiüsse bloß ü Delegierte entsenden. - Auf einer Beratung des Organisationskomitccs des österreichischen Okkupationsgebietes wurde festgestellt, daß in diesem Teile Polens ca. 30 0 Poale-Zion in mehr als 20 Ortschaften organisiert sind Die Abendkurse des Arheiterheiins in Lodz werden gegenwärtig von über •10.) erwachsenen Arbeitern besucht. Die Untcrrichtsgegenstände sind: Jidisch, Hebräisch, Polnisch, Deutsch, Mathematik, Kulturgeschichte, Natonal- Ökonomie, jüdische Literatur. Die technische Leitung der Kurse obliegt dem von den Schülern gewählten Schülerrat. Die von diesem organisierte Lehrmittelgenicinschaft sorgt für die billige Anschaffung von Leb.- mittel 11, die armen Schülern umsonst zur Verfügung gestellt werden. Der Schülerrat gibt auch in zwangloser Reihenfolge eine Art Organ für die Schiller heraus. Während des Krieges ist in Aegypten ein kleines Zentrum der poak-zionistisdicn Bewegung entstanden, deren Keni die bei Kriegsausbruch aus Palästina cingcwaiidcrten Genossen bilden. Auch in den Abteilungen der jüdisch-amerikanischen Lcg'ou, die in Aeg\ pteri stationiert sind, befinden sich viele Genossen. Am 22. und 23. Juli fand in Kairo eine Pa rteik o 11 f c r e n z. statt, die eine Organisation ins Leben rief und ein provisorisches Komitee aus Vertretern der ägyptischen und palästinensischen Genossen sowie der Legionäre wählte. Es wurde die Herausgabe einer Zeitschrift in hebräischer und jidisch er Sprache beschlossen. 111 Argentinien sind in Buenos Aires und mehreren Provinzorten und Kolonien im letzten Jahre poalc-zionisti&chc Organisationen entstanden, die 8 ih gut entwickeln. Vor kurzem begann ein halbmonatliebes Parteiorgan ״Die neue Zielt" zu erscheinen״

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