Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1919-01-24 · Heft 6 (24.1.1919) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 6 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2652135-2652141--11988-2669569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 6 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 t krieg auf dem Lande mul in den Großstädten, auch die Ukraine■ Wegen des ,unterbrochenen Verkehrs sind keine aiithrntisclioii Nnelirichteti über die Details zu erl;innen. Jedenfalls aber scheint die ukrainische R 1׳ j’ i > r »111g im Oege 11 •;.11־/ /in jxilnisclien für den ■sehnt/ der jüdischen Mitbürger wirklich Sorge zu traj gen. Wie man aus Kiew niitleill, besuchte am Ul. Januar eine veruaigie Abordnung aus Vertretern der | ni'siscliten, uki aini. ehea und jüdischen So/i.tldemo• i kiateii und Delcgieneu des B c r d i t s c h c w c r Stadtj 1111 :1 den Ministerpräsidenten T sehe eh o vv s k i und! den Präsidenten des Direktoriums Winischcnko mul :ilK'rroiehten ein Meniorand.iin über die j ü d i s e li e 11 l’o gr<> me in der Ukraine. Auch eine Abordnung des jüdischen Nationalsekretariatdiinnücr W. To 11 k i n und M. S c 11 w a r m .1 n n, halten' mit W i 11 i s c h e ״ k o eine an führtieln׳ Untcrr׳׳dt1.1g über die Ausschreitungen gegen Jueieii. Winischcnko hörte die Abordnungen aufmerksam an mul erklärte, daß die Regierung bereits energische Maßnahmen getroffen habe, u. a. sei der zur traurigen Berühmtheit gxl.uigte Kosakenäitcsie Angel verhaftet worden und sehe seiner Aburteilung entgegen. .Seine Bande sei entwaffnet. Als konkrete Mittel zur Bek.iiupfting der Pogromrpidcmie seien folgende Malij nahmen in Aussicht genommen: Das Direktorium wird I demnächst eine besondere Etkläniug veröffentlichen, in der darauf liingcwiescn wird, daß die Bevölkerung die Po!;roml1ci/1־r als Feinde der Ukrainer zu betrachten 11.11*0. Für etwaige Pogrome würden die Kommandeure der Militäreiiiheileu, sowie die Zivilbehörden verantwörtlich gemacht werden. Die Schuldigen würden sowrt streng bestraft, in gewissen Fällen sogar erschossen »erden. Die Regierung wird drei Untersiichungskonimxsskmen, die aus Vertretern der Justiz, der Milifiirbehürdcn, der ukrainischen und jüdischer! Ocffentliehkeit bestehen, in Richtung Berditschew, Sar- 11 jr und Owrtitsch entsenden. Der jüdische Wahlkampf zur polnischen Konstituante Laut der Warschauer Tageszeitung ״Das jü* dischc Volk“ erlieft ״Der provisorische Jüdischc National rat in Warschau“ einen Aufruf. in dem es Iteillt: ״An alle Juden 1 in der grollen Stunde, da die Welt auf neuen (.»undlagen umgebaut wird, bereitet sieh auch das [Klinische Volk für die Wahlen zum konstituierenden Landtag vor. Zum erstenmal nach langen Jahren der Unterdrückung wird das freie vereinigte und unabhängige Volk seine Vertreter wählen, die nach einem echt demokratischen Wahlgesetz Souveränität bekommen werden, den Charaktcr und die Formen der polnischen Republik zu besinn-• men. Die jüdische nationale Minderheit in 1*01011, als Teil des ganzen Volkes, für das ebenfalls die Stunde der Erlösung geschlagen hat, ntiift in diesem entscheidenden Moment ihre Forderungen ttml Wünsche tu bezug auf die künftige polnische Staatsordnung und auf die Rechte, die von den Juden im Lande sowohl als Bürgern, wie als nationaler Minderheit beansprucht werden, proklamieren. Nur durch eigene Vertreter, die das volle nationale Vertrauern! genießen, sollen unsere For- Uerungcn im gesetzgebenden Landtag aufgcstcllt, verteidigt und nach Möglichkeit durcligesetzt werden. Der Jüdische pro vi sori s eh e Nationalrat, der von der ersten jüdischen Vorkottfereo! in Polen, der Vertreterin der aktiven und organi- Werten Judenheit itn Lande, mit der schweren Aufgabe beauftragt ist, den jüdischen Wahlkampf zur Konstituante n! leiten, gibt sich genaue Rechenschaft über die unbedingte Notwendigkeit, in der Konstituante geeignete Vertreter zu haben. Die erste jüdische Vertretung in der Konstituante der polnischen Republik wird das jüdischc Volksleben auf nationaler Grundlage, auf Selbstbestiminung und Selbstverwaltung aufzubauen haben. Dieses Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn die Vorherrschaft Sm Lande befestigt ist, wenn eine rechtliehe Ordnung geschaffen, wenn wirkliche bürgerliche Rechte und Freiheiten durdigefiihrt ist, wenn die soziale ücrcchtigkcit im Lande herrscht, ln einer Volksrepublik, die auf Recht und Gerechtigkeit aufgebaut wird, können und werden die Juden nicht als Bürger zweiten Ranges behandelt werden, die inan unbestraft berauben und mißhandeln kann, und deren Blut zuin Löschen politischer und sozialer Bändre verwendet werden kann. Aber auch in einer solchen Volksrepublik müssen änserc Rechte ausdrücklich in den Grundgesetzen des Landes verbürgt werden, sonst wird die Politik der Zwangsassimilntion, die bei unserem unvermeidlichen Widerstand zu einer Ausrottungs- und Verdrängungspolitik führeu muß, weitergeführt. Da die jüdische Frage in Polen nur auf dem׳ Wege der Anerkennung der polnischen Juden als autonome Minderheit gelöst werden kann, und da die jüdischen Vertreter in der Konstituante die Aufgabe haben, diese Anerkennung durchzusetzen, so muß diese jüdische Vertretung in der Konstituante den Willen des ganzen jüdischen Volkes und nicht dieser oder jener Partei zum Ausdruck bringen. Vor dem polnischen Volk muß muß eine jüdische Vertreterschaft erscheinen, die hinter sich den jüdischen nationalen Kongrc.;!•׳ ׳, ' •r 1׳. Verfassung des jüdischen Volkslebens in Polen der jmtnischen Konstituante zur Bestätigung vorlegen wird. Die autonome Grundlage des künftigen jüdischen Volkslebens in Polen, die Organisationsformen der jüdischen natioiialcn Minderheit müssen allein durch den jüdischen Kon- ,;reit, da von allen Juden Polens ohne Unterschied von Geschlecht auf Grund der fünfgliedrigen Wahlformdit l gewählt werden Wird, bestimmt werden. Die polnische Konstituante darf fticlit als Schlachtfeld für die jüdischen Parteien, die ihre Sonderprogramme duräiztifültrcn suchen, dienen. Allein auf dem jüdischen Kongreß haben sie ihre Kämpfe niis/tifeditcn und ihre Pliine und Pro-;;ramme durc!tzuset/en. D,:r provi «rische Nationalrat fordert alle jüdischen Wälder uml Wählerinnen auf nur für die Kandidatenliste zu stimmen, die von ihm aufgcstellt worden ist. E; darf keine einzige jüdische Stimme den Kandidaten derjenigen Parteien abgegeben werden, die gegen den Volkswillen J auitrclcn!“ Mit einer Mahnung zur Geschlossenheit gegenüber den Polen schließt der Aufruf. Die Forderungen der Mdramaroscr Judcnscliaft Wie das ״Jüdische Pro ft bür o Budapest“ meldet׳, sandte die einheitliche Vertretung der M ä r a - ma roser Juden schaff an den Ministerpräsidenten Mieltael Kürolvi mul den Minister Oskar Jäszi anläßlich der Bildung des aus den Koinitaten Märairmros, Ung. Bareg und Ugeosa gebildeten ruthcnischcn Kanton!•, Russin krajna folgendes Telegramm: ״Die ungefähr 200 000 Seelen zählende Judenscliaft, der von dem ohne Mitwirkung der Juden geschaffenen rutheni- Jüdisches Kongreß <om!tee in Berlin zur Vorbereitung eines jüdischen Kongresses in Deutschland Montag» den 27. Januar 1919 Großer Saal des Brüdervereins -Kurfürstenstraße 115/116- Offentl. Volksversammlung Redner: Nahum Goldmann Freie Aussprache Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintritts• . •׳=.= gcld von M. 0,50 erhoben ״;,״.::זד.:== sehen Volksgesetz betroffenen Koinitate verlangt bei dem Inkrafttreten dieser Gesetze die Respektierung der jü di selten Forderungen. Wir wünschen auf der ganzen Linie Rechtsgleichheit und proportionclle Vertretung, sprachliche und konfessionelle Autonomie im Unterrichtswesen, Gleichheit auf wirtschaftlichem Gebiete und proportioneile Beteiligung an Gütern, und die Berufung der Judenscliaft der beteiligten Komitäte zur Mitberatung. Bis dahin fordern wir die Auf- Schiebung der Entscheidung.“ Die rumänische Regierung und die Gleichberechtigung der Juden Die Prager Wochenschrift ״Dic Sc 1 b81 wchr“ berichtet: ״Das ״Echo de Paris“ vom 5, Januar meldet: Das Zentralkonsistorium der französischen Juden wandte sich an den Gesandten Rumäniens in Paris, Antonescu, mit dem Hinweis, d^ß die Zeit für die Lösung der Judenfrage in Rumänien gekommen sei. Herr Antonescu erwiderte in einem an dca Präsidenten des Konsistoriums, Baron E. v. Rothschild, gerichteten Schreiben, dem wir den wesentlichen Passus entnehmen: Mit Recht erinnern Sie mich, daß Herr Bratianu in der Sitzung vom 10./23. Juni 1917 der rumänischen konstituierenden Versammlung die Dringlichkeit einer durchaus liberalen und vollständigen Lösung der jüdischen Frage anerkannt hat. Herr Bratianu, aufs neue Minister- Präsident geworden, hält sein Versprechen und vollendet den Akt der völligen, so lang erwarteten Emanzipation. Durch ein vom 23. Dezember 1918 datiertes Telegramm aus Bukarest teilt mir Herr Bratianu mit, das ein Dekret, das allen in Rumänien geborenen Juden das Bürgerrecht gewährt, in diesen Tagen Gesetzeskraft erlangt." Hierzu ist zu bemerken: Ke Gründe dieser ErkHirung dürften klar sein. Ke rumänische Regiertiti g möchte cs vermeiden, daß die jüdische Frage auf der Friedenskonferenz zur Verhandlung gelangt. Die .Erklärung sagte aber nicht: 1. Ob von den Judeti Dokumente verlangt werden und welcher Art diese Dokumente sein sollen, um die Gehurt itn Lande und die Nichtzugehörigkeit zu einem fremden Staate nachzuweisen. 2. Welche Instanz, Tribunale oder Kommissionen, über die!Einbiirgcrungsgcsuchc zu entscheiden haben wird. 3. Was aus den Juden werden soll, die vor Einführung der Zivilstandsrcgister gehorch sind und deshalb über keine Geburtsschein« verfügen, und was geschieht mit den Juden, welche die nötigen Akten verloren haben. 4. Ob das Dekret sofort Gesetzeskraft haben wird, oder ob es einer späteren Konstituante zur Bestätigung unterbreitet werden!soll. Uebcr alle diese Punkte, die doch von wesentlicher Bedeutung sind, schweigt sich die offizielle Erklärung ’der rumänischen Regierung vollständig aus. Bevor nicht über diese Punkte Klarheit geschaffen wird, kann sc'.bAverständlich die Erklärung der rumänischen Regierung nicht als befriedigende Lösung der Frage der Gleichberechtigung angesehen werden. Die jüdische Landcsverwitllimg in der Krim Au die Jüdische L .11 >׳ ü c s v e r w a 11 u ng 1 ti der Krim, die, auf dir Konferenz der Krittler Gemeinden gewählte uatioii!1c Repräsentanz des Krim«• Judentums, erging eine Einladung, der Krim er Regierung, sieh an der Kommission zur Herstellung des Wahlausschusses für das Landcsparlanienl zu bcteüigen. Die Verwaltung wies dieses Angebot mit der Begriindiing, das Parlament dürfe nur von einer Rcgierung cinbcrufen wer Jen, die da; Vertrauen aller Schichten der Bevölkerung besitze, ab. Die Zionistische Konferenz in Agram Das i:11 Wien erscheinende national-jüdische Orgart, die ,,Wiener Zeitung" berichtet über die Konferenz der j u g o s I a v i s c h c n Zionisten in Agram vom 5. und 6. Januar, die man als die erste Repräsentanz der überwiegenden Majorität der südslavischen Juden* bezeichnen könne. 111 Anwesenheit von 2000 Mensehen wurde die Konferenz von Herrn Dr. Hugo Spitzer eröffnet, lieber 5000 organisierte Zionisten waren vertreten, trotz der schwierigen B.ihnverhältnisse waren Juden aus Sarajewo und auch aus dem Köttigreieh Serbien gekommen, um zu doktrnientiercn, daß die jüdische Nation im neuen Staate S. H.S. einzig und allein durch die zionistische Organisation sich rcjaräsentiert fühlt, und um zu beraten, was für Wunsche sic im neuen Staate zu verwirklichen streben. IX-r Obergespan Sandor Babic-Gjalski begrüßte tdegraphisch die Versammlung. Nachdem Herr Ivan Jakobi über die zionistische Bewegung itn allgemeinen gesprochen hatte, referierte Herr Law Stern über die Lage des Zionismus im siidslavischeu Reiche und legte dar, wie nach anfänglich großen Schwierigkeiten im Kriege endlich 'im April 1917 sich die Zagreber Zionisten zu energischer Tätigkeit aufralften. Die Arbeit begann mit der FleratAgäbe der neuen Zeitung ״Zidov Hajchudi“ uml mit der Agitation, besonderst für Nation.1 ו fon :1/wecke. Als Anfang Dezember 1918 endlich die zahlreichen Zionisten aus dem Felde zurückkchrlen, wurde die Arbeit großzügiger, und die meisten Kultusgemeindcn kennten binnen kurzem nationalisiert werden. Nach den Berichten über Nationalfond, Presse und Finanzwesen hielt Herr Dr. Alexander Licht (Zagreb) seinen Vortrag über: ״Die kulturellen, politischen und sonstigen Aufgaben, die das jüdische Volk im Gohrs zu erfüllen hat.“ Das Referat wird im Druck er scheinen, ln der nun folgenden Debatte, an welcher sich besonders die bosnischen Zionisten beteiligteil, kam eine Meiniittgsdifferenz /um Ausdrucke. Di*• eine Richtung, repräsentiert durch den Undtagsabgcorüneten Dr. Vita Alkalai, Überrabbiner Dr. Lcwi und dein ehemaligen Präsidenten der ״Esperanza“ Wien, Vita Kajon, will, solange nicht die Möglichkeit einer Hebräisierung des Galuth gegeben sei, die span iolisch-jüdische Kultur nicht aufgegeben wissen, da ihr die Erhaltung der Scphardirr! bis zum heutigen Tage zu verdanken sei. Die andere Gruppe, repräsentiert durch Herrn Ing. Grof, Präsidenten des Jüdischen Nationalvereins Sarajewo, welche den großten Teil auch der sephardischen Jugend umfaßt, ist für eine möglichst rasche Fusion der Aschkenasim und Scphardim in Bosnien und der Herzegowina und dem Königreich Serbien und will vor allem eine gemeinsame Repräsentanz im der Kultusgcmeinde. Nach einigen hebräischen Reden und dem Refe-־ rate des Herrn Ing. Grof, die Statutenänderung betreffend, wurde die Neuwahl vo^jenommen. Es wurde ein engerer und weiterer Ausschuß gewählt. Dem engeren Ausschuß gehört an: Dr. Hugo Spitzer (Osdek) als Präsident, Oberrabbiner Dr. Lewi (Sarajewo) und Dr. Ivan Jakobi (Zagreb) als Vizepräsidenten, Dr. Glücksthal und Richard Herzer als Sekretäre, Simon Spitzer als Kassierer, Frl. Miriam Weiler als Referenda für den Nationalfond, Law Stern, Or. Alexander Licht und eand. Jur. Alfred Singer »18 Ausschußmitglieder. Der weitere Ausschuß wird durch Hinzuziehung folgender Herren gebildet: Vita Kajoa״ Sarajewo, Dr. Hermann Pakrac, Dr, Spiegler Brod, Dr. Edmund Fischer, Ossek, Ing. Grof,, Sarajewo, Dr. S, Pinto, Sarajewo, Dr. Salom, Albert, Abinon, Montilia alle Sarajewo, und dem Herrn Gustav Seidemann, Prijdor. Für die Zionisten aus Serbien sind eine Vizepräsidoutenstelk• und 4 Ausschuß-Stellen reserviert. Am folgenden Tage begab sich eine Deputation, bestehend aus den Herren Dr. Vita Alkalai, Sarajewo, Oberrabbincr Dr. Lewi und Vita Kajon, Sarajewo, Dr. Hermann Licht, Dr. Jakobi, Zagreb, und Dr. Spitzer, Ossiek, als Repräsentanz der südslavischen Judenscliaft zum Regenten Alexander nach ß e 1 g r a d. Die Ko! ferenz des Kartells zionistischer Suidenttnvereine ״Hechawer‘* Ende Dezember 1918 tagte in Zürich die Kon ferenz der Delegierten aller HcChawcrvcrcinc in der Schweiz. Dr. Buch mann eröffnet^־ als Ver• tretcr des Zentral Komitees die Vcrsammluujt. ln seinem Referate über die jetzige Lage im Zionismus charak-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.