Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1919-01-24 · Heft 6 (24.1.1919) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIV (1919)
Issue
Heft 6 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652135-2652141--11986-2669567
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 6 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 49 lieh oder ausschließlich -tts ostjüdi.sduui Arbeitern be-;.teilen werden. Diese Aer/.te müssen cs verstehen, mit den Arbeitern gut;uiszukoinmcti, damit in Palästina (1.1s iür die Unlialtharkeit unserer sozialen Zustände hier•rulando so kennzeichnende Kanipfverhältnis zwischen licilimgsuchendvn Arbeitern und heiluiigspeiiüeudeii Aerzten ausgeschlossen ist. Es ist von cntseheide'ndcr Ikdcliiuiijj, daß sieb Acrrteund Arbeiter von Anfang an men sch-!!eh verstellen und brüderlich miteinander auskoimncii. pur die Gesundung des sozialen Lettens in Palästina ist die Mitarbeit der Aer/te erste Voraussetzung, darum null’• das innigste Verhältnis bestehen zwischen Arzt und Volk Jeder zionistische Arzt in Deutschland, der die Absicht hat, nach Palästina zu gehen, sollte dnrcl;- ais versuchen, eine Praxis zu bekommen, die ihn in ,liest e Berührung mit den ost jüdischen Proletariern hringt; es gibt mannigfache (lehgenhcit hierzu, Das gleiche gilt für die rcchniker, die wir in allen trten in Palästina von Anfang an gut gebrauchen werden und deren Beruf sie auf die engste Zusaminenarbeit mit jüdischen Arbeitern au weist. Auch die Lohrer, die aus Deutschland nach Palästina gehen wollen und derer werden wir viele gebrauchen — sollten ihre Vorbereitung Iür Palästina nicht auf das Lernen der hebräischen Sprache beschränken, auch für sie gilt der Satz, daß die wichtigste Vorbereitung eines deutschen Zionistei« tür Palästina darin bestellt, eng vertraut zu werdet! mit den Menscheu des zukünftigen Palästina. 111 besonderem Maße gilt dies alles auch für die Frauen. Wir weiden eine sehr große Zahl von Frauen in Palästina brauchen, auch und besonders außerhalb der Landwirtschaft, nämlich Frauen für jede Art sozialer Arbeit. Wir benötigen sie schon in den Auswanderungsbüres als Heiiiilcitcriimeii, später auf den Schiffe'11 als Vursorgebeaintinneii und wiederum in großer Zahl in l'.il.istina in den EinwaiulcrungshaHeii, in den Baracken und Arboiterliüiiseni. Kindergärtnerinnen, Kranken- Schwestern, Säiiglaigspflegcriniien für privaten Bedarf und für öffentliche Anstalten brauchen wir mit der wachsenden Einwanderung in Mengen, und auch sofort schon ln größerer Zahl, dann auch Küchenleiferiiinen für (iemeiiiscliafKküchen, gute Köchinnen usw. Hier eröffnet sich ein reiches Feld der Tätigkeit nicht nur für |ungc Mädchen, sondern aucli für viele Frauen, die dureil den Krieg vereinsamt sind. Gerade sie aber tniissen es verstehen, mit den Menschen gut auszukommen. Gerade sie müssen sich gewöhnen an die ganz andere Lebensauffassung und Lebensführung des ostjüdisehen Arb.'iters, gerade sie, die am meisten berufen sind, vertdeind und verschönernd zu wirken, müssen aut besten wissen, dies Edle und Schöne, das Eigenartige des «st- Midi •dien Lehens achten und lieben zu lernen, damit sic es hegen und!)liegen können und nicht etwa dazu Anlaß geben, es mit blutleeren europäischen ״Kultur‘'- (icwolmhciteii zu vertauschen. Wenn unsere züniistisehen Frauen und Mädchen viel mehr, als dies bisher geschieht, sieh heimisch machen in den jüdischem Vierteln der deutschen Großstädte, es versuchen, unter diesen nsijüdischcn Arbeitern und Kleinhändlern zu leben, hier sozusagen ihre praktische Lehrzeit zu bestehe« für die große Aufgabe, die sie in Palästina erfüllen wollen, wäre es in doppelter Hinsicht z.u begrüßen. Den Mädchcn könnte ebenso geholfen werden wie den Proletariern, die allzu oft auch hier schon unter dem Mangel einer warmherzigen, jüdischen sozialen Fürsorge leiden. Diese Arbeit zu organisieren, ihr Richtung und Form zu geben, ist die Aufgabe der zionistischen Organisationcii. Sic haben die Menschen, die nach Palästina gehen wollen, festz.ustellen (aber nicht etwa aufzusudK'.i, denn jede Spur der Aufforderung zu.־ Aus.vand.rang nach Palästina muß, vorläufig wenigstens, vermieden werden), sie jn genaue Listen cinzutragcn und ihnen das zu sagen, was nötig ist. Das heißt, ihnen zunächst reinen Wein einziischenken über die Unmöglichkeit des sofortigen Aufbruchs und die Möglichkeit einer vielleicht noch langen Wartezeit, über die materielle Unsicherheit; der Zukunft in Palästina usw. Die Menschen, die nach Palästina gehen wollen, und denen wir dazu helfen sollen, müssen lest entschlossene Menschen sein, Juden, die linier allen Umständen und in vollem Bewulltseii) dessen, was sie tun und was ihrer vielleicht wartet, nach Palästina gehen. Es sollte jetzt schon eine scharfe Auswahl unter ihnen getroffen werden, auch nach der physischen Seite hin, wie es oben beschrieben ist Auch der beste Wille vermag aus einem sch w achen und kranken Menschen ohne eigene Mittet keinen Arheiter zu machen, wie wir ihn für die erste Zeit ausschließlich in Palästina gebrauchen. Das!null gesagt werden, auf die Gefahr hin, daß wir hart erscheinen und daß die davon Betroffenen ain Zionismiis irre weiden. Diese Art Auswahl, die die physischen Momente und die soziale Gebundenheit des Betreffenden «hncli Familie, Milieu und Beruf usw. gut abzuwägen hat, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die jetzt geleistet werden können und deren richtige Durchführung uns <Üe 11müheniilmuig der Massen nach Palästina später wesentlich erleichtert. Das ist übrigens eine der Arbeiten, hei denen man sieh selber gut vorbereiten, sich mit der ganzen Art der Menschen, die für Palästina in Betracht kommen, vertraut machen kann. Die auf diese Weise festgestellten, zur־ baldigen Einwanderung nach Palästina geeigneten und dazu fest entschlossenen Menschen sollten in Gruppen zus.uumengeschlossen wenden, je nach ihepr Art, ihrer Herktinfi, ihrer persönlichen Neigung, ihrem Voraussicht- Hohem Beruf in Palästina usw. Solche öruppcnbih düngen schon hier sind ungemein geeignet, das spätere Gemeinschaftsleben in Palästina vorzubereiten, Die Leute lernen sicli liier schon kennen, sich atifeinander ahstinimen, schlichen sieh zusammen und werden so in die Vertrautheit miteinander gebracht, die sie später in Palästina befähigt, Arbeitergruppen zu bilden, in« Gedinge zu arbeiten und sich zu kleinen Gemeinschalten zus.uuinenzufindeti, die die Grundlagen spälerer koloniemäßiger Ansiedliingen bilden. In diesen Gruppen muß liier schon eifrigst gearbeitet werden. Es sollte jedem ihrer Mitglieder zur Pflicht gemacht werden, täglich wenigstens zwei Stunden zur Gruppe zu kommen und dort irgend etwas zu treiben, was auf Palästina Bezug hat, Lernen der Sprache, Landeskunde, Vorbereitung auf den besonderen palästinensischen Beruf usw. Zu dem Zweck müßten Kurse eingerichtet werden, in denen z. li, audi Handwerker und gelernte Arbeiter aus Fächern, die für Palästina weniger Bedeiitung haben, angelernt werden in ähnliche, 11 her mehr in Betracht kommende, wie das mit ^grollem Erfolge bei den Kriegsindustrien z. B. geschehen ist. Es muß erreicht werden, daß tlie Leute schon hier sich immer enger mit Palästina verbunden fühlen, und daß sie aus der erzwungenen Wartezeit eine Zeit der lebendigen Vorbereitung für Palästina machen. So wird nicht nur der Möglichkeit vorgebeugt, daß die Menschen mit der Länge des Wartens uns Wieder verloren gehen, sie werden auch so palästinarcifer, Gut oder notwendig ist, warn die Gruppenmitglieder Bei- PS Dritte Veranstaltung des jüdischen Nationalfonds in Berlin \ Öffcntl. Versammlung Sonntag, den 26. Januar 1919 vormittags 11 Uhr im großen Saal der Musik-Börse Berlin C., Kaiser Wilhelmstr. 31 Redner: Prof. Dr. Heinrich Loewe Eintritt freil und die Aufenthaltes ais ihnen verzinst werden, die Zeit ihres ersten einer vielleicht notwendig werdenden sollen. Natürlich muß dieses Kapidie träge zahlen, die Rcservckopital für in Palästina und Rückreise dienen tal zur freien Verwendung der Mitglieder bleiben aber mit seiner Abhebung auszuscheiden hallen. ln ähnliche Gruppen sind natürlich diejenigen zusanunenzufassen, die mit Kapital hinübergehen wollen, sei es, um Land zu erwerben, sei es, um Industrien dort zu begründen. Auch in diesen Gruppen darf man sicli nicht lediglich auf den Zusammenschluß beschränken, sondern muß die intensivste Vorbereitung für das zukünftige Zusammenleben in Palästina betreiben bo erwächst für die Umdesorganisationcn eine ebenso umfangrciclic wie lohnende Aufgabe, deren Durclifiihruiig bis zu den Einzelvereiiteii hinunter genau gercgelt und abgestuft sein muß. So aber auch kann der Einzelne sich jetzt schon mit einem guten Teil seines Selbst auf Palästina vorbereiten und in einer Form, die frei von aller trockenen Pedanterie, von allein Lcriimäßigen ihn jetzt schon mit dem jüdischen Leben in engen Kontakt bringt, einem׳ Lehen, das zwar noch nicht palästinensisch ist, das aber das Leben derjenigen Massen ist, die einmal das jüdische Palästina bilden werden. Julius Berger. Der erste Transport des Hechaluz auf dem Seewege nach Palästina Bekanntlich befanden sich in den österreichischen Häfen viele junge Leute, die sich nach Palästina begehen wollten, die aber wegen des noch nicht aufgenommenen Schiffsverkehrs die Weiterreise nicht antreten konnten. Wie die ״Jüdische Morgenpost“ ans Wien mitteilt, gelang es einer Gruppe von 50 Personen durch die Liebenswürdigkeit eines amerikanischcn jüdischen Offir.icrs, Dr. Rubens, der ein amerikanisches Kriegsschiff kommandiert, mit diesem Schiff die Reise nach Palästina anzutreten. Die jüdische Gcmeinde in Fiume, wo das Schiff vor Anker lag, feierte diese erste Abreise einer größeren Anzahl Pa- 1 iistinapioniere nach dem Kriege durch Flaggenschnuick, Die gesamte Gemeinde gab den Pionieren das Geleit bis zum Schiff, es wurden nationale Lieder gesungen und begeisterte Reden gehalten. Als das'Schiff den Hafen Von Fiume verließ, gaben die anderen Schiffe Salutschüsse ab. Das amerikanische Schiff hißte, bei der > Abfahrt eine blauweiße Fahne. Aus Palästina (Die jüdische Miliz in I* a 1 ä s t i n a) Seit einem vollen Jahre bestellt in Südpalästina eine jüdische Miliz, die in einem Verband organisiert ist und der Kontrolle der zionistischen Delegation lind des Ausschusses der palästincnsischcn J u d e 11 h e i t untersteht. Die Miliz ist von der britischen Okkupationsmacht anerkannt. In der letzten Zeit dehnt sich die Milizorganisation auch auf Satnaria und Galiläa aus. Sic wird demokratisch verwaltet, hält regelmäßige Konferciizcii ab und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Hierzu berichtet auch das ״Jüdische Preßb ü r o“ in Wien: Nach einer Meldung des Pariser ״N cw-York H e - rald“ vom 2. Januar werden die jüdischen Soldaten der amerikanischen Armee in Frankreich nach Palästina gesandt, um dort Polizeidienste zu verrichten. Das Britische' Kricgsministcriimi fordert ebenfalls jüdische Soldaten auf, sich für diesen Dienst freiwillig zu melden. Die Jüdische Militärpolizei in Palästina zählt bereits mehr als 10 (XX) Mann. (Vom Schulwesen) Aus Palästina wird uns geschrieben: , Das neue Schuljahr begann im Oktober 1918 unter günstigen Umständen. Mit der Rückwanderung der Evalauerten kehrten auch die Lehrer, die so lange schcmr/- lieh vermißt waren, wieder. Auch neue Kräfte kamen hinzu, so Dr. J. Lurje, dem alle Schulen Jerusalems unterstehen. Das ganze jüdische Schulwesen im Lande wird jetzt einheitlich vom Schulkoinitcc geleitet. Das Komitee plant, demnächst in Jerusalem, statt des ehe- ׳ maligen gemischten Gymnasiums ״Tathkenioni“ zwei Gymnasien, eins für Knaben und eins für Mädchen einzuricliten. Unter der Leitung des Herrn H open ko wurde in Jerusalem eine Musikschule eröffnet. (Englische Volksbücherei!) Die Okkupationsbehörden haben in Jerusalem im Zentrum der Stadt eine große englische Volksbüche rei eröffnet, die auf verschiedenen Gebieten der Literatur, insbesondere auf dem Gebiete der K i n - . derliteratur einen reichen Biicherschatz aufweist. Die Bibliothek ist den ganzen Tag für alle Besucher gcöffnet. Hunderte von Abonnenten sollen sich bereits eingetragen haben. Die englische Militärzcitung beginnt ein cnglisch-hcbrüisches und hebräisch-englisches Wörterbuch als unentgeltliche Beilage zur Zeitung herauszugeben. Das Wörterbuch ist vom Professor B. N e d a 11 a verfaßt. (Nach der Besetzung von Haifa) Unmittelbar nach der Einnahme von Haifa durch die englischen Truppen hielten die jüdischen Einwohner der Stadt eine öffentliche Versammlung im Schulhausc ab. Sie beschlossen, den zionistischen Führern eine Dankadresse für die von ihnen geleistete Arbeit z.u senden, in der sie die Zusicherung gaben, alle ihre Mittel uneingeschränkt zur Verfügung der Führer zu stellen, denen sic volles Vertrauen entgegenbringen. (Die jüdische Fischerei) Zum erstenmal wurde gegenwärtig den Juden Jaiias gestattet, eine große Fischerei iin Mittelländischen Meer einzuricliten. Als vor einigen Jahren eine Gruppe jü* discher Proselyten, die Fischer vom Fache waren und hervorragende Fischnetze aus ihren russischen Dörfern mitgcbracht hatten, um Erlaubnis ersuchten, im Mittelmecr Fische fangen zu dürfen, wurde ihnen ihr Gesuch ohne Motivierung abgelehnt. Fachleute versprechen sic.1 von dem neuen jüdischen Wirtschaftszweige im Lande Erfolg. ((i lück wünsch Baron Rothschilds) Die Verwaltungen der Kolonien In Ri schon le• Zion, Pctach Tikwah und Ekron erhielten von Herrn Edmund Rothschild zu Rosehliasehanah folgenden Glückwunsch: ״Mit Freude drücke ich euch meine Glückwünsche und Sympathien zum neuen Jahre aus. Ich hoffe, daß dieses Jahr dein Judentum eine glänzende Zukunft bringen wird. Ich bevollmächtige mcirfin Sohn, mit Ihnen in meinem Namen zu sprechen und bin glücklich, daß ich einen Sohn habe, der ein würdiger Fortsetzer der großen Arbeit ist, der er, ganz wie ich, mit seinem ganzen Herzen zugetan ist. Palästinensische Statistik Vor einigen Monaten wurde hier über das Erscheinen der ersten vier Hefte der Statistischen Tabellen, die vom Paiästinaamt in Jaffa in hebräischer Sprache herausgegeben wurden und sich auf die jüdische Bevölkerung der Städte Judäas beziehen, berichtet. Nunmehr liegen neue 4 Hefte dieses grundlegenden statistischen Werkes vor. Das umfangreichste unter ihnen ist Heft V, das die Kolonien Judäas behandelt. Das Heft besteht aus 34 Kapiteln, die alle 18 Kolonien Judäas behandeln. Es fehlen nur die Kolonien En-Chaj und Jchudija, die während des Krieges ihre Einwohner gänzlich verloren haben. Außer den allgemeinen und zusammen fassenden Tabellen für alle jüdischen Kolonien geben für jede Kolonie besondere 10 Tabellen über die Zahl der Gemeinden in der betreffenden Kolonie (Aschkenasim, Sefardim, Perser, Jemeniten usw.) und der Familien, über Oeschlecht, Aller, Beruf, Umgangssprache, Auswanderungsland, Einwau• derungszeit, Binnenwanderung usw. Auskunft. Von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.